Literaturgefluester

2022-06-27

Korrespondenzen über das Schreiben

Filed under: Veranstaltungen — jancak @ 23:00
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Im Jahr 2016 hat die „Alte Schmiede“ die Saison mit einer Reihe „Was ist gute Literatur?“ begonnen, wo Kurt Neumann verschiedene Autoren und Literaturwissenschaftler, mich natürlich nicht, einlud über die gute Literatur zu diskutieren.

Was das ist, habe ich noch immer nicht verstanden, obwohl ich mich ja nachweislich sehr damit beschäftigte, nur daß meine offenbar nicht dazu zählt oder auch nicht, ich sehe das anders und jetzt ist bei „Matthes und Seitz“ ein Buch darüber entstanden.

Über gute und schlechte Literatur“ was den Dialog zwischen Thomas Stangl und enthält und das wurde heute in der „AS“ vorgestellt. Der Doyen ist erschienen und hat mit Anne Weber darüber geplaudert, daß Reisen jetzt eine schlechte Idee ist, weil wegen einem Cluster bei der „Aua“ werden viele Flüge abgesagt, aber da Anne Weber in Paris lebt, wird ihr das nicht erspart geblieben sein.

Was ist gute und schlechte Literatur? Das werde ich wohl nie wissen , sondern einfach alles quer durch den Gemüsegarten lesen. Aber das Thema über das sich Thomas Stangl und Anne Weber ausgetauscht haben, war sehr interessant und da kann ich, die schlechte Schreiberin, auch einiges dazu sagen und werde das auch tun.

Der 1966 geborene Thomas Stangl, der den ersten „Alpha“ ,gewonnen hat, versteht sich glaube ich, als politischer Autor, obwohl ich ihn sehr kompliziert empfinde und die in Frankreich lebende 1964 geborene Anne Weber hat 2020 mit „Anette ein Heldinnenepos“ den vorletzten „Deutschen Buchpreis“ gewonnen und jetzt den der Leipziger BM in der „Sparte Übersetzung“ und das war auch das Thema über das die Beiden geschrieben haben. Wie schreibt man über gelebt habende Figuren?

Thomas Stangl hat das einmal getan und Anne Weber in ihrem „Heldinnenepos“.

Ja, wie schreibt man darüber und kann man oder darf man das? Eine interessante Frage und da kann ich aus meiner Erfahrung anmerken, daß ich mich am Anfang sehr stark an reale Vorbilder gehalten habe. So bin ich beispielsweise mehrmals mit der Bruni auseinandergeraten, weil ich sie als Vorbild für eine meiner Figuren verwendet habe. Sie war dann empört und in den „Hierarchien“ habe ich die WG des Martins und der Gerlinde verwendet. Aber das war kein Roman über die Bruni ,sondern sie war nur das Vorbild einer meiner fiktiven Figuren und über real lebende Personen habe ich auch geschrieben.

In den „Dreizehn Kapitel“ über Ernst Schwarz, auf den ich über das Buch das „Gesprengte Grab“ gestoßen bin und da treffe ich sicher auf die Beerkung von Anne Weber, daß sie Johann Wolfgang Goethe in einem Roman oder Biografie über ihn womöglich nicht erkennt oder aufschreit, das war doch ganz anders und da fällt mir die Biennale vor ein paar Jahre im Breitenseer Kino ein, wo eine Runde von Starliteraturkritiker auf dem Podium saß und über Gerhad Rühm diskutierten und der saß im Publium und wollte dazu etwas sagen, durfte das aber nicht.

Wenn ich über eine reale existierende Person schreibe, werde ich, auch wenn ich das nicht will, immer subjektiv sein, geht ja gar nicht anders. So habe ich der „Unsichtbaren Frau“ auch über Sebastian Kurz ,geschrieben und ihn so beschrieben, wie ich denke, daß er ist.

Interessant war auch die Feststellung, daß ich, wenn ich über historische Person, beispielsweise über August von Goethe, wie das Anette Weber einmal tat, schreibe, wahrscheinlich scheitere, wenn ich ihn so beschreiben will , wie er war. Irgendwo fiel der Satz, es ist einfacher ihn in die heutige Zeit zu verlegen. Das meine ich, wird wahrscheinlich so passieren, ob ich es will oder nicht, sollte aber nicht angestrebt werden und Anette Weber merkte noch an, daß sie sich in August von Goethe verliebt hätte und das sie einmal etwas über ihren Vater geschrieben hat, was der nicht wollte.

Thomas Stangl scheint ein Kafka-Fan zu sein und hat seine Bografien gelesen und noch etwas war interessant, nämlich die Frage, daß manche Autoren behaupten, daß ihre Figuren machen was sie wollen. Also quasi ein Eigenleben haben. Das habe ich, glaube ich, einmal bei der Präsentation von „Kolibri“ erlebt und nicht verstanden.

Interessant, daß Anne Weber sagte, sie würde das auch nicht tun, sie ist aber keine wirkliche Romanautorin und Thomas Stangl meinte dann, das, was wahrscheinlich stimmt, daß das nicht die Figuren sind, sondern sich die <handlung während des Schreibens einfach verändert.

Ich hätte es für Koketterie gehalten und „Quatsch!“ dazu gesagt. Also ein interessantes Thema über das man sich seine eigenen Gedanken machen kann, für eine selber Schreibende und interessant ist auch, daß Thomas Stangl gerade einen Roman über seine Großmütter geschrieben hat und da Schwierigkeiten hatte, alles preiszugeben, während er da bei einem chinesischen Kaiser keine Hemmungen hatte und Anne Weber merkte am Schluß an, daß sie morgen mit Sabine Scholl ihr „Heldinnenepos“ in der „Schmiede“ präsentiert haben.

„Wenn Sie Zeit haben kommen Sie!“, forderte die Moderatorin Johanna Öttl auf. Ich merke gleich an, werde das wahrscheinlich nicht tun, denn Erstens habe ich das Buch schon gelesen und dann auch noch von der lieben Doris zum Geburtstag bekommen und zweitens wird im Literaturhaus Sasha Marianna Salzman lesen, die den „Preis der Literaturhäuser“ bekommen hat, die auch schon auf den dBp-Listen stand.

2022-06-21

Aus der Werkstatt des gemeinsamen Schreibens

Filed under: Veranstaltungen — jancak @ 22:54
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Heute habe ich mich eigentlich in die „Alte Schmiede“ streamen wollen, dann war ich aber mit dem Erstgespräch, um sechs, früher fertig und konnte mit einem etwas flauen Gefühl hingehen, denn was ist, wenn sie mich wieder hinausschmeißen?

Man hört ja allethalben, die Maske muß wieder her, dann hatte diesmal sogar Johanna Öttl keine mehr umgebunden und das Programm war durchaus interessant „Im Bauch des Plotwals“ Andrea Grill, Hanno Millesi, Barbara Rieger und Michael Stavaric ist da gestanden und man hat unwillkürlich an eine Anthologie gedacht.

Mitnichten die vier Autoren, von denen ich von jeden etwas oder mehr gelesen habe, haben sich irgendwie auch pandemiebedingt zusammengesetzt, um gemeinsam einen Roman zu schreiben und das finde ich, vor allem, weil ich die vier, die sich auch als Bauschreiber bezeichneten, als experimentelle Mittelschreiber einschätzen würde und dann setzten sie sich zusammen und planen ein Experiment oder nein, das haben sie widerrufen und, ich denke, an die literarischen Experimente, die ich kenne, da war ja einmal Tilman Rammstedt mit „Morgen mehr“ und mein Kurzgeschichtenroman würde ich auch, als soetwas bezeichnen und, daß zwei Autoren gemeinsam einen Krimi oder ein anderen Buchprojekt schreiben, ist auch nicht so ungewöhnlich.

Das betrifft meistens die Genreliteratur und interessant die vier haben auch von einem unterhaltsamen Projekt auf hohen Niveau, das sie mit ihren Projekt schaffen wollten, gesprochen. Keine Anthologie, aber ein gemeinsames Buch und da ist es wichtig, daß jeder seine indivuduelle Schreibweise behalten kann und Johanna Öttl hat in ihrer Einleitung auch die unterschiedlichen Schreibweisen der vier betont. Michael Stavaric leitete ein und hat, was ich nicht so ganz verstanden habe, das Ganze auch einmal mit einem Lyrikprojekt versucht.

Daran knüpfte sich die Frage, ob man Lyrik im Kollektiv leichter als einen Roman schreiben kann? Das, glaube ich, nun nicht und kenne eigentlich auch keine Lyrik Gemeinschaftsprojekte wohl aber das gemeinsame Romanschreiben und dann kam, was mich auch ein bißchen erstaunte, der Plot, den Hanno Millesi vorstellte und zwar geht es da, um ein Flugzeug und die Stewardesse Nadine, heute heißt das, glaube ich, Flugbegleiterin, kommt darauf, das Entertainmentprogramm fehlt und das ist in einem Flugzeug, wie diesen offenbar sehr wichtig, um die Kunden nicht zu verlieren und so denkt sie sich aus, daß die Passiere das übernehmen und die anderen unterhalten sollen.

Daraus einen spannenden Plot im Sinne der Romanschule und des Romanfahrplans zu machen, erscheint mir zwar fraglich, aber Andrea Grill hat dann ein bißchen was aus dem Mailwechsel der vier gelesen, damit man sieht, wie da vorgegangen wurde? Es sollen auch Gastautoren einbezogen werden, eine davon ist Petra Piuk.

Barbara Rieger, die später in das Projekt eingestiegen ist, erzählte etwas von ihrer Motivation, die sie zum Mitmachen veranlaßte und dann kamen die Textproben, nämlich, wie die Stewardesse Nadine, da ist noch nicht so ganz geklärt, ob die wirklich so heißen soll, die ehemalige Rockerin Vanessa überzeugt bei dem Projekt mitzumachen.

Im Oktober soll es eine Fortsetzungsveranstaltung geben und interessant ist auch, die Sesselreihen waren diesmal zweigeteilt und auf der einen stand „Reseviert für Studenten!“

Offenbar waren da auch ein paar gekommen und die fragten nach den demokratischen Entscheidungen?

„Die sind Shit und gibt es nicht!“, formulierte Michael Stavaric in etwa. Aber eigentlich geht es um die individuellen Stimmen. Ob da jetzt kapitelweise geschrieben wurde und, ob es immer jemanden gibt, der das dann korrigiert, scheint auch noch nicht so klar zu sein, nur, daß jeder eine Person hat, die er auszuarbeiten hat und das ist dann leichter, meinte Michael Stavaric, als sich auf das Ganze zu konzentrieren und da Autoren meistens Einzelkämpfer sind, ist es vielleicht ganz gut es mit einem Projekt zu versuchen.

Ich bin auf die Fortsetzungsveranstaltung gespannt und auch, ob ich da noch ohne Maske hinkann? Aber wahrscheinlich wird weiter gestreamt.

2022-06-09

Lyrik statt radikalen Konservatismus

Heute wieder ein Tag der Entscheidungen und es kommt anders als man denkt. Ich suche mir mein Abendveranstaltungsprogramm immer einige Wochen früher aus und schreibe es mir in den Kalender und da war für heute ein Besuch in der „Alten Schmiede“ geplant wo Julia Rabinowich mit Natascha Strobl, glaube ich, den radikalisierten Konservatismus diskutierte, beziehungsweise beide ihre neuen Bücher vorstellte. Dann erzählte mir der Alfred vom WU-Sommerfest und ich dachte, da geh ich mit ihm hin, war ich da ja schon ein paar Mal bei ein paar Festen, bei der Sommerakademie und auch auf einer Demo. Der war aber nicht sehr erfreut.

„Da habe ich keine Zeit für dich, da muß ich mit meinen Kollegen reden!“

Dann kam eine Einladung von der GAV, daß es wieder einen Jur fixe gibt, in einem Heurigengarten im alten AKH, aber nur bei Schönwetter und im Republikanischen Club, der jetzt eine neue Adresse hat, wurde ein Krimi vorgestellt. Was mache ich also?

„Geh tin den RC!“, sagte der Alfii.

„Und sag mir wies dort ist?“

Aber Krimis interessieren mich nicht so sehr und auf deren Aussendungen steht immer noch etwas von Maskenplicht. Schließlich tendierte ich zum Jour fixe, um mit den Kollegen zu reden und den Jopa Jotakin nochmals an die Eintragung vom „Frauenleiden“ zu erinnern, aber dann war Schlechtwetter abgesagt und die GAV hat gestern abgesagt, beziehungsweise auf nächste Woche verschoben.

Also „Alte Schmiede“, wenn ich nicht bei der WU im Regen herumstehen will und das Thema ist sehr interessant und auch spannend zu sehen, wie weit die Diskussion vielleicht in das Corona-Thema übergeht und dann hat mich, als ich die Stiegen der „AS“ hinuntergegangen bin, eine junge Dama angesprochen und „Heute gibts FFP2-Maskenpflicht erklärt, weil die Vortragenden das wünschen und darüber habe ich in den letzten Tagen sehr viel gehört, daß die Zahlen wieder steigen, die Patientanwaltin Pilz schnellstens wieder ein Einführung der Maske fordert und im „Servus TV“ gab es auch eine Diskussion darüber, die ich mir vor dem Weggehen angeschaut habe. Wie weit kann der einzelne Risikopatient von den anderen fordern, daß er eine Maske tragen muß?

„Das wird mich wahrscheinlich noch öfter treffen!“, habe ich gedacht, versucht mich nicht zu ärgern, sondern an den „Republikanischen Club“ gedacht. Aber da hatte ich die Adresse nicht parat, nur vage an den „Salzgries“ gedacht, aber wie komme ich da hin, wenn ich durch den Heiligenkreuzerhof gehe, komme ich in die Nähe, habe ich gedacht und in einer Buchhandlung danach gefragt. Das war aber eine Englischsprachige und als ich schon in Opernnähe war, ist mir eingefallen, daß Ursula Ebel gestern auf eine morgendliche Lyrikveranstaltung hingewiesen hat. Wenn ich da gleich hingegangen wäre, wäre ich pünktlich hingekommen. So ist mir im Vorraum der „Gesellschaft“ gleich Marianne Gruber, die ehemalige Präsidentin begrüßte, die mit mir einen Text in der „Mädchen dürfen pfeifen, Buben dürfen weinen- Anthologie“ hatte und mir da einmal viele Tips gegeben hat. Als ich in den Saal kam, sah ich Erstens, wie gestern keine Masken und am Podium saßen, wie in einem Orchester zwei mal fünf Studenten, das heißt, je vier Schauspielschülerinnen und ein Student von der Schauspielakademie Elfriede Ottt, die abwechselnd Gedichte vorlasen und ich war am Anfang verwirrt, „bis ich darauf gekommen bin, daß die Texte aus dem Band „Einmal hatten wir schwarze Löcher gezählt, des 1991 geborenen Raoul Eisele stammten, der eine erstaunlich schöne Sprache hat.

Im Anschluß trat dann der Autor auf den Lesetisch und erzählte ein bißchen was über seine Gedichte und das Erstaunliche daran war, daß es eine Art Rahmenhandlung gab. Nämlich eine Figur, der nach einer <o suchte oder ihr Briefe schrieb und ein Seemann war, was ich sehr interessant fand. Dann gings in die nächste Runde, nämlich zu der 1980 in Maribor geborenen Daniela Kocmut und ihren bei „Keiper“ erschienenen Band „Freitauchen“ und da ging es um das Schreiben und das Übersetzen, was die Autorin offenbar auch betreibt und dann, was mich besonders freute, gab es drei Corona-Gedichte, die ich als sehr stark empfand und die Autorin, die, die Schauspielschüler sehr lobte, las dann noch zwei Gedichte, die sie ihren Mentor Fabjan Hafner, den 2016 verstorbenen slowenischen Autor, gewidmet hat.

Ein interessanter Abend, wo ich zwei interessanter Autoren kennenlernte, die sonst an mir vorbeigegangen wären und den Aband mit den radikalisierten Konservatismus kann ich mir vielleicht per Video ansehen, wenn es die „Alte Schmiede“ freigibt.

2022-06-02

Kleine Formen

So hat Annalena Stabauer heute die beiden Bücher, eines von „Ritter“ eines von „Klever“, die in der „AS“ präsentiert wurden, vorgestellt. Keine Formen in zwei experimentellen Verlagen erschienen und als erstes stellte der 1949 geborene Gerhard Jaschke, der „Freibord-Herausgeber“ und langjähriges GAV–Vorstandsmitglied sein „wie nie danach“ vor, das sind alphabetisch geordnete Kurztexte von A-bis Z, die in der Pandemie geschrieben, diese was mich sehr überraschte und auch freut, auch zum Thema hatte „Zuerst die Mülltrennung, dann das Rauchverbot, jetzt Ausgangssperren und Maskenpflicht, wo gehen wir da hin?“, oder so ähnlich und dann ging es auch um die „Frankfurter-Buchmesse“ und deren „Auf und Abbau“, um beim Buchstaben „A“ zu verbleiben. Es ging um James Joyce und um Ilse Kilic, Gerhard Jaschkes Literaturvorlieben, wie Annalena Stabauer im Gespäch thematisierte und Gerhard Jaschke betonte die Einladungen, die er sowohl vom „Fröhlichen Wohnzimmer“, als auch Lukas Cejpek der im Publikum saß, bekomm, sich an deren Anthologien zu beteiligen.

Wie hat er die Pandemie empfunden, fragte Annalena Stabauer weter und Gerhard Jaschke meinte, das hätte ihn nicht so sehr tangiert, weil er sowieso, er hat vor ein paar Jahren einen Schlaganfall gehabt, seine Wohnung kaum mehr verläßt. Es ist der dritte Band nach „Gemischte Freuden-Sätze“ und „Geliehene Leben-Nachsätze“ und das führte zu der Frage, wie es zu dem Buchtitel und der Textreihenfolge kam.

Dann kam der 1948 im Kanton Zürich geborene Urs Allemann, der 1991 mit seinem „Babyficker“ beim „Bachmann-Preis“ Aufsehen erregte. Jetzt geht es um die „Carruther-Variationen“ und da wird in sechzehn Teilen mit dem Satz „Ich hatte den alten Carruther mit dem Spaten niedergeschlagen“ und in der ersten Variation geht es einunddreißigmal, um diesen Satz und ich weiß nicht, wie lange es dauerte, bis ich mir dachte, daß ich das eigentlich nicht hören will.

„Das ist auch Literatur!“, habe ich am Ende zur Ruth gesagt, die auch nicht klatschte und ebenfalls ziemlich betropitzt drein geschaut hat und das in Beziehung zu meinen Freund Uli gesetzt, der sich wieder einmal über meine Sätze aufgeregt hat, die bei ihm angeblich Schüttelfrost auslösen würden. Das löste offenbar nichts aus und Annalena Stabauer moderierte auch sehr freundlich und eines muß ich dem Autor lassen, daß er seine Sätze großartig vorgetragen hat. Manchmal hat er dabei geschrien, da bin ich dann zusammengezuckt und Urs Allemann erzählte, daß er sich zehn Jahre lang mit den Variationen beschäftigte und froh war, daß er den Carruther endlich beerdigen konnte. Auf die Idee ist er in der Toskana gekommen, durch das Buch „Der dritte Polizist“, wo ein ähnlicher Satz enthalten ist und in diesen zehn Jahren hat er nichts anderes, als das schreiben können und als jemand einen Text für eine Tier-Anthologie haben wollte, hat er eine Fabelfigur erfunden und, die als zweite Variation eingebaut.

Nach dem Gespräch kamen noch drei andere Textteile und die Ruth hat das Ganze, als eine Mißbrauchsphantasie interpretiert. Soweit will ich nicht gehen, sondern mir ganz friedlich die Frage stellen, warum Literatur beklatscht wird, die so gewaltsam ist? Da wird mit der Sprache gespielt. Jawohl, es gibt Sonette und andere Textteile und am Schluß eine Litanei, die mir bekannt erschien und alle sitzen gebannt da, hören zu und klatschen. Der Autor hat auch sehr sympathisch ausgesehen. Das ist also Literatur, meine nicht. Das Leben ist sehr widersprüchig, die Literatur ist es offenbar auch.

2022-05-31

Literatur und Klasse

Ein interessantes Thema, da gab es ja einmal, glaube ich, so einen Artikel „Lassen sie mich durch, ich bin Arztsohn!“, wo es darum ging, daß Personen aus Bildungsschichten leichter Aufnahme in den Lteraturinstituten finden und Sabine Sholl, die „Priessnitz-Preisträgerin“ und Mitbegründerin der Hochschule für Sprachkunst hat zu diesem Thema eine zweiteilige Veranstaltung in der „AS“ geplant und ich die ich ja aus einer Arbeiterfamilie stamme, wie ich immer sage, obwohl mein Vater, glaube ich, gelernter Buchhalter war und bis zu seiner Pension in der WGKK in der Statistikabteilung arbeitete, die Mutter war gelernte Stickerin hat später als Kindergartenhelferin, eine Zeitlang auch als Bedienerin gearbeitet, kann das auch bei mir nachvollziehen, obwohl ich nach der Hauptschule die sogenannte „Knödelakademie“ besuchte und dann Psychologie studierte.

Da kann ich mich auch an einen Dialog mit einer Mutter einer Schulkollegin erinnern, die meinte, daß ich ja meinen „Doktor“ auch heiraten könne. In der Unterschicht ist das nicht so einfach. Ich habe ihn aber selber gemacht und empfinde mich jetzt mit fast siebzig, eher klassenlos und in den Lteraturbetrieb habe ich es leider nicht geschafft, weil ich wahrscheinlich zu schüchtern war oder noch immer bin, keine Beziehungen habe und außerdem bezüglich der Rechtschreibung ein wenig rebellisch bin und das ist wahrscheinlich ein Problem, denn die im Verlag, die ja in fünf Minuten auf der ersten Seite entscheiden müßen, stolpern wahrscheinlich über das erste scharfe „ß“.

Ist halt so, da ich im nächsten Jahr fünfzig Jahre Matura und fünfzig Jahre literarisches Schreiben feiern werde, Freunde freut auch schon darauf, ist mir das inzwischen egal. Ich habe meine fünfzig oder so selbstgemachte Bücher, bald vierzehn Jahre meinen Blog, merke aber, jetzt kommen die jungen Frauen, die eine Literaturzeitschrift „P.S politisch schreiben“ gründen oder Romane über ihre „Migra-Vergangenheit“ schreiben und einen Verlag finden.

Sabine Scholl, die erwähnte, daß sie auch aus einer bildungsfernen Schicht stammt, hat daraus einen Themaabend gemacht und sich da zuerst mit Renee Gadsen, die ich von der „Schule für Dichtung“ kenne, über dieses Thema unterhalten oder eigentlich mit ihr über ein Buch der 1952 in Kenntucky geborenen Lteraturwissenschaftlerin bell hooks, die sich mit antirassistischer feministischer kapitalistischen Ansätzen beschäftige.

„Die Bedeutung der Klasse“ heißt das Buch, das schon vor zwanzig Jahre erschienen ist und das mit Renee Gadsden, die wie sagte, in New York in einer eher bürgerlichen Familie aufgewachsen ist, immer noch sehr aktuell ist, als ob es heute geschrieben worden wäre und die Schwarzen ohne Bildung haben es schwer. Noch mehr die armen Weißen und so versuchen alle mit Bildung aufzusteigen und verdrängen dann wohl die anderen „Lassen Sie mich durch, ich bin Arztsohn!“ oder die schreiben halt „daß“ mit zwei „ss“, wenn sie sich an der Hochschule für Sprachkunst bewerben. Falsch nicht alle, Tomer Gardi hat das nicht getan. Aber der hat sich dort, glaube ich, auch nicht beworben, sondern beim „Bachmann-preis“ „Broken German“ gesprochen und damit den „Leipziger-Buchpreis“ gewonnen.

Danach gab es zwei Lesungen von jungen Frauen mit Migrationeshintergrund, die beide, Zufall oder nicht, ihre Bücher bei „Residenz“ verlegten, die erste war die in Wien geborene aber offenbar aus einer polnischen Familie stammende Kaska Bryla, die „PS-Politisch“ schreiben gegründet hat und die ich bei der Krilit kennenlernte. Ihr zweiter Roman heißt „Der Eistaucher“ und da geht es um „Migras“, wie es Kaska Bryla nannte, die eine katholische Privatbschule besuchen und es da mit der einheimischen Elite nicht so leicht haben. Die zweite war die 1980 in Belgrad in geborene Barbi Markovic„, die seit 2006 in Wien lebt, auch beim „Bachmann-Preis“ las und glaube ich beim „Alpha“ mit ihren „Superheldinnen“ gewonnen hat, den „Priessnitz-Preis“ bekam und deren „Verschissene Zeit“ die vorgestellte wurde, ich gelesen habe. Darin wollte sie sich an Neunzigerjahre, die in Belgrad sehr kriegsgeprägt waren, erinnern und darin wird ja sehr geschimpft.

Dann wurde darüber diskutiert. Aber beide junge Frauen haben ja studiert und ihre Klasse, wenn sie sich überhaupt in einer schlechten befanden, erfolgreich überwunden und am Dienstag ging es dann mit der „Autosoziobiografie“ weiter, die Sabine Scholl mit Eva Schörkhuber, die ja auch bei „PS -Politisch schreiben aktiv ist , an Hand der Bücher von Anke Stelling und Annie Ernaux diskutierten.

Auotsoziobiographie ein Begriff, der mir bis daher fremd war. Es geht, um die Probleme, die man hat, wenn man vom Land in die Großstadt kommt und da nicht genau weiß, wie man sich verhalten soll, ob man den Apfel schälen oder hineinbeißen soll?

Da denkt die Psychologin es mangelt am Selbstbewußtsein, denn wenn ich das habe ist es egal, ob ich mit Konsalik-Büchern Deutsch lernte oder nicht. Aber da hat man wahrscheinlich nicht, wenn man aus der Unterschicht kommt und aufsteigen will und Sabine Scholls Credo war, glaube ich, zu zeigen, wie wichtig Bildung ist, daß man die Schichten überwindet.

Dann gab es das Beispiel, wo ich wieder an Tomer Gardi dachte, von einem Franzosen, der bewußt „schlechtes“ Französisch verwendete und Iris Radisch, die das Buch dann rezensierte hat das nicht verstanden und das Buch heruntergemacht, weil sie von Büchern die perfekte Sprache erwartet und da sehe ich mich mit meinem „Die Rechtschreibung und die Grammatik ist egal! und dann werde ich beispielsweise im Blog heruntergemacht, weil ich Rechtschreibfehler habe.

Daran schließt sich die Frage, wer über was schreiben darf? Eine Heterosexuaeller nicht über Transgender, wie ich ja hörte als ich „Paul und Paula“ geschrieben habe, eine Weiße darf keine Dreadlocks haben und hat sie sie wird sie bei gewissen Veranstaltungen nicht mehr eingeladen und da sind wir wieder bei den Vorurteilen, die es ja, glaube ich, zu überwinden gilt.

Interessant, interessant und ich schließe mit dem Wunsch, daß man einfach schreiben soll und, daß es toll ist, daß man das tut. Aber das Problem ist dann wahrscheinlich immer noch der Arztsohn, der in Leipzig aufgenommen wird, während das selbstbewußte Arbeiterkind vielleicht abgelehnt wird.

Nach der Pause gab es wieder Textbeispiele, das erste stammte aus dem Theaterstück „Einfache Leute“ von Anna Gschnitzer, die ich, glaube ich, bei der ersten „Studentenlesung“ kennenlernte und die jetzt in München lebt und Theatertexte schreibt. Bei dem Vorgestellten hat die Dramaturgin Alex, den gleichen soziokulturellen Hintergrund, wie in der Diskussion beschrieben wurde.

Dann kam Verena Mermer mit ihren „Autobus Ultima Speranza“, wo ein Autobus vor Weihnachten die Vierundzwanzigstundenbetreuerinnen und andere Arbeitsmigranten von Wien nach Rumänien fährt und Verena Mermer im Gespräch die Schwierigkeiten erläuterte, die sie beim Recherchieren hatte.

Eine interessante Veranstaltung bei der, wie Sabine Scholl am Schluß erklärte, es wahrscheinlich noch viel Arbeit gibt, bis die Klassenunterschiede fallen. Ich werden in diesem Sinn weiterschreiben und am Mittwoch werde ich Sabine Scholl wahrscheinlich im Rathaus wiedersehen, wo sie die Festrede zu Elfriede Gerstl hält.

2022-05-24

Zwei Südtiroler und die neuen Bachmannleser

Letzter Abend des heurigen „Dichterloh-Festivals“, beim ersten mit Ronya Rothmann und Anzhelina Polonskaya bin ich live gewesen, beim zweiten war ich beim „Literarischen Lenz“, den dritten mit Semjon Hanin und Llujeta Lieshanaku habe ich gestreamt, beim vierten war ich bei der „Lyrik im März“, obwohl der Mai jetzt schon zu Ende geht. Aber seit zwei Jahren ist alles verrückt und jetzt der letzte Abend mit Joseph Zoderer und Sepp Mall wieder live und ganz ehrlich, ich habe wahrscheinlich schon vorher gewußt, daß mich das interessiert und das die besten Gedichte sind, habe ich von den beiden Südtiroler autoren ja schon jeweils etwas gehört, oder gelesen und ich muß schreiben es war wirklich sehr beeindruckend den 1935 in Meran geborenen Mann mit Hut und weißer Jacke, der sich schon schwer mit dem Gehen tut und, wie er erwähnte unlängst im Spital gewesen sein muß, zu hören und sein bei „Haymon“ erschienener Band „Bäume im Zimmer“ klingt auch sehr originell.

Bäume im Zimmer das gibt es doch nicht, der alte Mann, der beim Lesen mehrmals gezittert hat, hat das Motiv aber über das ganze Buch gezogen und das und die Begegnung mit den Pflanzen, die da mehrmals thematisiert wurden war höchst beeindruckend. So hat Michael Hammerschmid auch die bilderreiche Sprache sehr gelobt und Joseph Zoderer meinte, daß die Lyrik bei ihm immer der Nebenstrang war, obwohl neben den Romanen jetzt auch schon sieben, glaube ich, Gedichtbände erschienen sind. Joseph Zoderer scheint auch seine ganze Familie mitgebracht haben. So sind jedenfalls zwei kleine Mädchen in der ersten Reihe gesessen, die aufmerksam dem, wie ich vermute, Urgroßvater lauschten und der aus einer Bauernfamilie stammende Sepp Mall ist zwanzig Jahre jünger und in seinem „Haymon-Band“ „Holz und Haut“ ging es auch, um die Natur. Allerdings nicht nur, es ging auch um „Auschwitz“ und einige Zyklen sind in dem Buch, um ein Langgedicht gereiht. Sepp Mall gab Proben daraus und las sich durch das Buch und erzählte dann, daß er sehr lange braucht, bis er mit der „Schönheit der Sprache“ zufrieden ist und natürlich geht es auch um den Inhalt, aber eigentlich ist es die Sprache, die den Südtiroler interessiert, der auch schon Romane geschrieben hat, ja das gibt es öfter, als man meint und Lehrer ist er, wie er sagte, auch sehr lange gewesen.

Am Schluß bedankte sich Michael Hammerschmid bei den Autoren und beim Publikum, wünschte schönes Lesen und lud zum nächsten Lyrikabend bzw Festival ein und noch etwas ist an diesem Tag geschehen, außer, daß die Maskenpflicht in den Supermärkten nächste Woche endlich fällt, wie heute bekanntgegeben wurde und die Impfpflicht wird auch noch nicht scharf gestellt und weil sich jetzt alles außer dem Affenpockenvirus wenigstens über den Sommer zum Guten wenden scheint, bin ich gespannt, ob das noch gilt, daß man, wenn man beim „Bachmann-Preis“ liest, geimpft sein muß?

Bei der Einreichung war es so und so wurden vierzehn höchstwahrscheinlich Geimpfte heute bekanntgegeben. Die Preislesung wird heuer Ende Juni endlich wieder live vor Ort vonstatten gehen. Ich werde sie natürlich streamen und sechs der vierzehn Auserwählten habe ich gekannt oder von ihnen schon etwas gelesen und das ist erstens von den mir Bekannten, der auf der Debutpreisschiene des Öst gestandenen Clemens Bruno Gatzmaga mit seinem „Jakob“, dann der österreichische Literaturstar „Priessnitz-Preisträger“, mal sehen, wie er sich in Klagenfurt schlägt, Elias Hirschl, dessen „Salonfähig“ ich noch lesen muß. Hoffentlich schaffe ich es bis zum Wettbewerb, dann Anna Marwan, die beziehungsweise deren Buch habe ich durch das Bloggerdebutpreislesen kennengelernt. Eva Sichelschmidt ist einmal auf der Longlist des dBps gestanden und ist, glaube ich, etwas älter, als die schon erwähnten. Bei Hannes Stein, der in den USA lebt, ist das ebenso und von ihm habe ich schon zwei Bücher gelesen und am Schluß kommt wieder ein jüngerer österreichischer Literaturstar Barbara Zeman,, also spannend, ob sich die oder die acht anderen durchsetzen werden? Und ich kann noch anfügen oder habe es schon geschrieben, daß es in den „Gestohlenen Jahren“ , das ich jetzt fertig korrigiert habe, auch um den „Bachmann-Preis“ geht. Da wird, das Buch spielt 2027, Simon Bauer zum Lesen eingeladen und er hat einen Corona kritischen Text und ist auch noch ungeimpft. Das wird bei den Kanditaten offenbar nicht so sein. Seien wir gespannt und ein Stück von Simon Bauers „Bachmann-Text“ werde ich auch, wenn es soweit ist, hier veröffentlichen.

2022-05-19

Erinnerungs- und Beobachtungsresonanzen bei Dichterloh

Der dritte Abend des Dichterlohfestivals mit Semjon Hanin und Luljeta Lleshanaku wird wieder gestreamt, beim ersten war ich live dabei, beim zweiten war ich stattdessen beim „Literarischen Lenz“„, wo es auch Gedichte gab und beim vierten bin ich wahrscheinlich im Völkerkundemuseum bei der im Mai stattfindenden Lyrik im März-Veranstaltung der GAV, ja Corona führt zu einigen Veränderungen und Semjeon Hanin, dessen Gedichtband „aber nicht damit“ bei der „Edition Korrespondenzen“ erschienen ist, wurde 1970 in Riga geboren und schreibt auf Russisch.

Anja Utler hat die Gedichte übersetzt, die der Autor sehr betont langsam im Stehen vorgetragen hat und von Michaeel Hammerschmid auf Deutsch gelesen wurden „bringt sie in den Garten- bringt sie zum Wasser-bringt sie um den Verstand und dann zum Arzt“ beispielsweise oder „du mußt nicht glauben, daß das ein Obdachloser ist, er hat nur seinen Schlüßel verloren und übernachtet auf den Stufen, aber in Wirklichkeit ist er ein Akrobtat“, also eine sehr schöne sozialkritische Sprache, was mir ja sehr gefällt.

Es geht um Pizza essen und um gestohlene Fahrräder, die Streufokusierung des Blicks und um andere weltliche Dinge, die man in der hehren Lyrik gar nicht vermuten würde. Das Gspräch wurde dann von Mascha Dabice übrsetzt, deren Schwester ich ja gestern und vorgestern mit Cornelius Hell im Theater in der Münzwardeingasse gesehen habe und Michael Hammerschmid begann mit dem Gehör, das bei Semjon Hanins Vortrag ja sehr wichtig war und ging dann zu der räumlichen Komposition über, was im Gegensatz zu den sehr sozialkritischen Texten, wie ich sie empfunden habe und von Michael Hammerschmid als sehr heruntergekommene triste Szenerien bezeichnet wurden, wieder sehr theoretisch war, wobei der Autor dann auf seine Ironie und Komik verwies, die er im Subtext verwendet.

Dann wurde noch die poetische Konzeptgruppe erwähnt, in der der Autor tätig ist.

Dann kam die 1968 albanische Autorin Luljeta Llieshanaku, die auch im im englischen Raum sehr übersetzt wurde und hier den von Andrea Grill, die auch anwesend war, übersetzen Gedichtband „Die Stadt der Äpfel“ vorstellte und deren Texte „Via politica“ sehr politsch sind, da sie unter der kommunistischen Diktatur sehr zu leiden hatte. Es geht um die „Geheimnisse“ der Gebete, da die Religion in Albanien verboten war, wurde in der Familie nur versteckt gebetet“Gott mach mich stark und kein Wort mehr – bei mir daheim galt das Gebt wie eine Schwäche, wie das miteinander schlafen“, „Halbverfaulte Äpfel warten auf den Schwangerschaftstest“, heißt e in einem anderen Gedicht, was auf den Titel des Gedichtbandes hinweist, der mit Gedichten aus vier Bäden zusammengestellt wurde.

Sehr eindrucksvoll die Gedichte die die Auslöschung der Zivilisation während der Beoachtung, wie ein Universitätsprofessor aus einer Abfalltonne eine Wassermelone fischt und dann gierig verschlingt, beschreiben und der Gewalt, wie einem Toten die Goldzähne ausgerissen wurden. Wie soll er sich dann im Himmel vor den Engeln verteidigen können, die ihn dann vielleicht auslachen werden? Aber das füge ich an, werden die nicht tun, wenn schon die Zivilisation in einer kommunistischen oder anderen Dkitatur ausgelöscht wurden, obwohl die Gedichte von Luljeta Llieshanku konventioneller, als die von Semjon Hanis scheinen.

„Du bist frei sagten sie nach fünfundvierzig Jahren, wo willst du hin?“

Eine Reise ans Meer wird im letzten Gedicht thematisiert und, daß der Mensch nur aus Wasser und Kohlenstoff besteht, wird auch öfter erwähnt.

Ein sehr spannender Abend mit zwei neuen lyrischen Entdeckungen und am Montag wird es dann mit Donatella Bisutti und Lavinia Greenlaw weitergehen.

2022-05-16

Neues Dichterloh-Festival

Filed under: Veranstaltungen — jancak @ 22:49
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Das Dichterloh-Lyrikfestival in der „Alten Schmiede“ kuratiert von Michael Hammerschmid gibt es seit einigen Jahren, die letzten zwei hat es, glaube ich, ohne Publikum stattgefunden, jetzt, wo die Zahlen fallen und der Sommer kommt, geht es wieder mit und so ist auf der Programmkarte auf grauen Hintergrund auch ein Fenster zu sehen, da, wie Michael Hammerschmied in seiner Einleitung erläuterte, den Weg in die Freiheit oder Zukunft symbolisieren soll.

Es gibt wieder sechs Abende mit je zwei Lesenden und da scheint es rund um die ganze Welt zu gehen, um die Lyrik von jüberall kennenzulernen und begonnen hat es mit Ronya Othmann und Anzelina Polonskaya und die 1993 in München geborene Ronya Othmann, die einen aus Nordsyrien vertriebenen kurdisch jesidischen Vater hat, hat vor einigen Jahren beim „Bachmann-Preis“ gelesen, dann einen Roman geschrieben und ihren Lyrik-Band „die verbrechen“ bei „Hanser“ erschienen, glaube ich, schon beim letzten Friedfestival vorgestellt und darin geht es, glaube ich, in das Jahr 2014 und nach Nordsyrien, wo Ronja Rothmanns Familie, glaube ich, vertrieben wurde. Die Tante mußte ihren Teppiche zurcklassen und es ging auch, um verschiedene Pflanzen und dann sehr dicht in die Geografie und in die Geschichte des Landes hinein.

Ronya Othmann erklärte hin und wieder etwas dazu und hat, wie sie im Gesrpäch mit Michael Hammerschmied erwähnte, auch überlegt, ob sie Fußnoten anbringen soll? So hat sie im Gespräch noch weiteres erklärt und Michael Hammerschmid stellte auch die Frage, wie man Lyrik und Prosa verbinden kann und wunderte sich offenbar ein bißchen, daß es von ihr auch einen Roman gibt und diese Frage habe ich ganz zufällig mit Monika Vasik, die ich im März 2020 kurz vor dem ersten Lockdown, das letzte Mal und bei der KritLit noch einmal gesehen habe, vorher erläutert. Sie liest nur Lyrik hat sie gesagt, was mich ein wenig verwunderte. Ronya Othmann zeigte sich auch verwundert und nannte einige Namen von Dichterinnen und Dichtern die auch beides tun.

Friederike Mayröcker war auch dabei und die hatte ja eine speziale Art der Lyrik und glaube ich auch keine narrative Literatur geschrieben und Ronya Othmann meinte, daß bei ihr das phasenweise vor sich gehen würde.

Dann folgte in Zeiten, wie diesen besonders interessant, eine bei Moskau geborene Autorin nämlich Anzhelina Polonskaya, die allerdings in Russland Auftrittsverbot hat und im Ausland lebt. Sie war früher Eiskunstläuferin, schreibt aber schon lange Gedichte. Drei Bände sind auf englisch, drei in Deutsch erschienen und das Gespräch mit der Autorin fand auch auf Englisch stand.

Die Gedichtbände aus denen gelesen wurde heißen „Unvollendete Musik“ und „Schwarz und weiß“ und Michael Hammerschid erwähnte in seiner Einleitung auch die schwere Inhalte. Es geht in einigen Gedichten um den Krieg und bei dem Gespräch in dem Michael Hammerschmid einige sehr diffizile Fragen stellte, zeigte sich die Autorin überfordert und meinte, daß sie nicht viel mit der russischen Tradition und auch der Symbolik zu tun hat.

Spannend spannend wieder in die Lyrik einzutauchen, die ich ja, wie ich auch im Gespräch mit Monika Vasik erwähnte, zwar nicht selber schreibe, mich aber schon dafür interessiere, so besuche ich ja gern die „DichtFest-Abende“ und tauche auch immer in die „Gesellschaft“, ein wenn es dort Lyrik gibt, obwohl ich in der letzten Zeit, ich gebe es zu wenig Lyrisches gelesen habe, da haben die Romae eindeutig Vorrang, weil ich ja auch Buchpreisbücher lese.

2022-05-05

Peter Nadas in der „Alten Schmiede“

Filed under: Veranstaltungen — jancak @ 20:56
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Der 1942 in Budapest geborene Peter Nadas, den ich schon sowohl im Literaturhaus, als auch im Literaturmuseum gehört habe und auch schon was von ihm gelesen habe, hat von der „Alten Schmiede“ die diesjährige „Ernst-Jandl-Dozentur für Poetik bertragen bekommen, das sind drei Vorlesungen, die er unter der Moderation von Thomas Eder, an der Uni Wien gehalten werden. Die erste „Haydn im Plattenbau“ hat schon am Montag stattgefunden, da bin ich in der „Gesellschaft für Literatur“, gewesen und am Donnerstag stand unter der Moderation beziehungsweise Einleitung von Bernhard Fetz, dem Germanisten und Direktor des Literaturmuseums eine Lesung aus den „Aufleuchtenden Details- Parallelgeschichten“, wie im Programm stand und da ich eine sechs Uhr Stunde hatte, habe ich mich wieder, wie die letzten zwei Jahre von meinem Praxiszimmer ins Schlafzimmer begeben und meinen Computer eingeschaltet. Praktisch, wenn man sich das aussuchen kann, in die „Alte Schmiede“ zu gehen, dabei etwas für seine Bewegung zu tun und vielleicht auch mit ein paar der Kollegen zu sprechen oder gegrüßt zu werden oder aus Zeitgründen den Stream zu sehen, wobei ich dann schon bloggen kann, aber auch Störungen unterworfen bin, wenn plötzlich das Internet weg ist oder der Alfred „Eva!“, ruft oder ich von ihm etwas in meinen E-Bookfolder eingetragen haben will.

Kurt Neumann,, obwohl schon in Pension, hat eingeleitet, Bernhard Fetz dann über die „Memoiren eines Erzählers“, referiert, wo die Familiengeschichte des 1942 geborenen beschrieben wird, aus der Peter Nadas dann in seinem guten Deutsch gelesen, wo die Kinder in dem Großherrschaftlichenhaushalt, wenn sie schlimm waren, Wassersuppe essen mußten, die Suppenschüßeln an die Wände geschmissen wurden und auch die Tischtücher, die Bettwäsche und die Damastservietten mit der Köchin, der Waschfrau, den Dienst-und Kindermädchen genau beschrieben wurden. Die Dienstboten des Haushalts den Lift nicht betreten durften, sondern die Wäsche über die Dienstbotenstiege transportieren wollte und man immer aufpassen mußte, daß vom Personal nichts gestohlen oder mitgenommen wurde oder die Wäsche einen Riß bekam.

Ja, so war das wohl damals, bevor Ungarn kommunistisch wurde, was es ja jetzt schon lange nicht mehr so ist.

Wenn ich mich richtig erinnern kann hat Peter Nadas auch im Literaturhaus aus dem 2019 erschienenen Memoirenband, der von Christina Viragh übersetzt wurde, gelesen und nach der heutigen Lesung befragte Bernhard Fetz den Autor wahrscheinlich aus pandemiebedingten aktuellen Anlaß nach den Hygieneregeln, die an den beschriebenen Waschtagen, wo es ja auch eine Konkurrenz zwischen den Waschfrauen und der Hausfrau war, herrschte, worauf Peter Nadas seine Erlebnisse in Berliner Kinos erzählte, wo es entsetzlich stank, weil die Filminteressierten nur Naturseife benutzen und beschrieb dann auch Desinfektionsgeruch der DDR, wo sich alle nach den westdeutschen Waschmitteln sehnten.

Peter Nadas erzählte dann von seinen Familienangehörigen , ihrer Herkunft und ihrer politischen Einstellung und auch davon, daß die Besitztümer des großbürgerlichen Haushaltes nach und nach verscherbelt wurden, als das Geld knapp wurde und Bernhard Fetzt befragte den Autor dann noch zu der Genauigkeit, zu der all das beschrieben wurde und dann ging es zu der Frage, wie sehr oder wenig jede Autobiografie lügt, also das Verhältnis zwischen Fiktion und Wahrheit, das ja ein sehr wichtiges ist.

Und die „Paralellgeschichten“, die auch im Programm erwähnt wurden, den 2013 erschienene Großroman, der mit dem „Preis der Leipziger Buchmesse“, Kategorie Übersetzung ausgezeichnet wurde, war 2018 in der „Alten Schmiede“ ein ganzes Symposium gewidmet, das ich auch besucht habe, das Großbuch aber noch nicht gelesen habe.

Am Schluß wurde Peter Nadas noch zu seiner Einstellung zu Gedichten befragt, die er eigentlich nicht betreibt, weil er sich immer ausbreiten will, zu seiner Einstellung oder Abrechnung zum Humanismus und zur Körperlichkeit, die für Peter Nadas sehr wichtig ist, hat er doch in den „Parallelgeschichten“ auf hundertfünfzig Seiten einen sexuellen Akt beschrieben.

2022-05-03

Stadt Wien Preisträgerin Margret Kreidl

Wieder einmal Wien-Reihe in der „Alten Schmiede“, diesmal wieder live und diesmal eingetaucht in die Literaturszene, denn sehr viele von der Autorenschaft sind zu der Preisträgerin, der 1964 in Salzburg geborenen Margret Kreidl gekommen, Ruth Aspöck, Herbert J. Wimmer, Lukas Cejpek, Maron Steinfellner, Gerhard Jaschke, Jopa Jotakin und und und…….

Julia Danielczyk hat wieder eingeleitet und vorgestellt und Anna Lena Stabauer hat diesmal aufgefordert wenn möglich Masken zu tragen. Die trugen dann auch sehr viele und ich kenne Margret Kreidl, glaube ich, schon sehr lange. So kann ich mich an eine IG-GV in den Neunzigerjahren wahrscheinlich, als ich in der Jury des Nachwuchsstipendium war und daher mit einem Korb voller Texte von St. Pölten nach Wien gefahren bin, wo sie sagte, daß es ihr nichts machen würde, wenn zu ihren Lesungen nur drei Leute kämen.

Diesmal war es eindeutig mehr und mit ihren „Eine Schwalbe falten“ ist sie auch auf der „Hotlist“ gestanden. Ihre Bücher sind in der „Edition Korrespondenzen“ erschienen. Die Verleger saßen auch im Publikum und vorgestellt wurden „Schlüssel zum Öffnen“ und „Zitat Zikade“.

Lesungen aus „Einfache Erklärung“ habe ich auch gehört und Margret Kreidl hat sicher ein spezielle Schreibweise, wie sie aus dem letzten Buch „Schlüssel zum Öffnen“ zeigte. Denn da hat sie sich Wortlisten zu dem Buchstaben des Wortes „G e d i c h t“ zusammengestellt und daraus Siebenzeiler gemacht, wo sie auch die aktuelle Situation, beispielsweise die Corona-Krise einbezog und vorher hat sie aus einer Kiste Sachen, die sonst auf ihren Schreibtisch stehen ausgepacktund vor sich auf den Lesetisch gestellt.

Es gab zwei Leseteile und dazwischen immer wieder Gespräche, denn Margret Kreidl war diesmal die einzige Lesende und Julia Danileczyk befragte nachher zu der Schreibweise. Später wurde dann die Frankreichliebe der Autorin vorgestellt. Sie hat da einige Übersetzungen und sie hat nach der Handelsakademie, wo sie auch Au Pair in Frankfreich war, hat sie Gedichte und auch Texte fürs Theater gemacht . Sie ist jetzt auch Lehrerin in Reinhardts- Seminar und hat dort eine Schreibwerkstatt und erzählte, daß sie an ihrem Schreibtisch, weil schreiben tut man immer allein, wie die Gegenstände virtutell ihre literarischen Kollegen aufgestellt hat und die bezieht sie auch in ihren Texten ein und so las sie zuletzt eines, das Friederike Mayröcker, gewidmet ist und ich habe, obwohl ich Margret Kreidl ja gut kenne, wieder viel Neues erfahren.

Wein gab es diesmal keinen, dafür forderte Julia Danilczyk zu Gesprächen und auch zum Besuch des Büchertisches auf.

Ich bin aber mit der Ruth innendurch die Stadt nach Hause gegangen und in der „Autorinnen feiern Autorinnen -Reihe“ Anfang Juni wird diesmal Elfriede Gerstl vorgestellt und die Wien Reihe geht ann im <oktober weier.

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