Literaturgefluester

2021-09-18

Die Eroberung Amerikas

Filed under: Bücher,Buchpreisbloggen — jancak @ 00:02
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Jetzt kommt, obwohl die Shortlist schon nächste Woche bekannt gegeben wird, das dritte Buch der deutschen Longlist, das ich gelesen habe, nämlich Franzobels „Die Eroberung Amerikas“ und dafür habe ich auch noch fast eine Woche gebraucht, denn es ist sehr dick und es war auch schwer hineinzukommen, obwohl ich davon ja schon einiges bei Lesungen gehört habe und auch „Das Floß der Medusa“,das vor einigen Jahren auf der Shortlist stand, gelesen habe und ich den 1967 in Vöcklabruck geborenen, der 1995 den „Bachmann-Preis“ gewonnen hat, ganz gut kenne und sogar mit ihm in einer Jury bin oder war und Franzobel, was immer man auch über ihn sagen könnte, er tritt meistens mit einer Flasche oder Dose Bier bei Lesungen auf und geht zum Opernball, ist zweifellos ein Sprachkünstler, der sich an den verschiedensten Stilen übt, auch sprechende Namen verwendet und jetzt offenbar den Abenteuerroman entdeckt hat. Es scheint auch noch einen dritten diesbezüglichen Roman zugeben, der geplant ist und an dem er arbeitet und da hat er sich jetzt an Hernando de Soto ausgelassen, der im sechzehnten Jahrhundert Florida eroberte und dabei offenbar unter einem unglücklichen Stern stand.

Ein Grund für Franzobel sich darüber aushzulassen und seinen skurrilen Humor über die Sache zu stülpen und weil man sich wahrscheinlich nicht wirklich in das sechzehnte Jahrundert hineinversetzen kann, hat es Franhzobel offebar gar nicht versucht, sondern schreibt aus der Perspektive des einundzwanzigsten. Wendet immer akuelle Vergleiche an, nennt Namen von Schauspielern und Dingen,die erst viel später passsierten und wenn ich mich nicht irre und nicht überinterpretiere, sind auch Anspielungen an die Pandemie dabei und erzählt die Geschichte aus der Sicht von einigen Gestalten. Da gibt es wieder einen niederländischen Arzt, der Pflanzen sammelt und alles archivieren will. Zwei Gauner und einen Elias Plim, der in Algier Sklave war, dort auch zum Islam konvertierte und irgendwie auf das Schiff gekommen ist. Es gibt einen Notar mit Holzbein, künstlichen Zähnen, Glatze, etcetera, der einem der Gauner nachreist, weil der als illegitimer Sohn eines Grafen, ein Vermögen geerbt hat und einen amerikanischen Advokaten, Trutz Finkelstein, der Amerika daraufhin klagt, das Land den Indianern zurückzugeben.

Soweit,so gut. Aberfangen wir bei Hernando de Soto an, den Franzobel Ferdinand Desoto nennt. Der ist ein Sohn aus armen Haus. Arbeitet als Stallbursche,verliebt sich in die schöne Maria. Wird dann von deren Vater auf den Feldzug nach Peru mitgenommen.Heiratet später Marias Schwester Isabella und bricht mit ihr, ihrem Bruder, einen Priester zur Eroberung Amerikas auf.

Isabella bleibt in Kuba, wird dort Gouverneurin und betrügt ihren Mann mit einem Gutsbesitzer, während der sich mit seiner Truppe nach Florida begibt. Den Missisippi sieh tund dort stirbt. Aber vorher ist auf fünfhundert Print und neunhundert E- Bup Seiten noch sehr viel unglaubliches passiert. Tierwettkämpfe werden geschildert. Eine Glocke in der Geld versteckt ist, wird nachgespürt. Perlen gefunden und verloren, Indianer aufgehängt. Der Hunger packt die Eroberer, macht sie fast verrückt.Es wir dgemordet und vergewaltigt und am Schluß kommt es vielleicht zu keinem Happyend, aber zu einem „Happylog und einer „Danksagung“, wo sich Franzobel bei all denen bedankt die ihm bei der Entstehung desBuches geholfen haben.

Erklärt, wie er auf die Idee das Buch zu schreiben gekommen ist und meint, daß die, die glauben und da gehöre auch ich dazu, daß das Buch zu lang geworden ist,sich bei seinem Verleger und Lektor Herbert Ohrlinger beschweren sollen, der aber ohnehin zu Kürzungen gedrängt hat, sonst wäre das Buch doppelt so dick geworden und ich hätte noch länger zum Lese ngebraucht und kann abschließend nur bemerken, daßich nicht glaube, daß sich Hernando de Sotas Eroberungszug wirklich so abgespielt hat und, daß die damaligen Protagonisten wirklich wie Paul Newmann, etcetra, ausgesehen haben. Hätte aber ohne das Buch nicht gewußt, daß es einen Hernando de Sota gegeben hat, der Florida eroberte und jetzt auf zum nächsten Buch und ich hoffe, ich komme da schneller voran.

2021-08-02

The Hill we climb

Filed under: Bücher — jancak @ 00:41
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Jetzt kommt der dritte Gedichtband in einer Woche oder eigentlich ein ganz besonderes, ein zweisprachigs Langgedicht auf vierzig Seiten mit einem Vorwort von der amerikanischen Talkshow-Moderatorin Oprah Winfrey und Erläuterungen der drei Übersetzerinnen Uda Strätling, Hadija Haruna-Oelker und Kübra Gümüsay „das berühmteste Gedicht der Welt – im Zeichen von Aufbruch, Hoffnung und Gerechtigkeit“, wie am Buchrücken, des kleinen dünnen „Hoffmann und Campe-Bändchen“ geht.

Wem das zu großspurig erscheint, kann ich verraten, daß es sich um das Inuaugurationsgedicht zur Amtseinführungvon Joe Biden, das die 1998 in Los Angeles geborene US-amerikanische Lyrkerin Amanda Gorman, die sich für soziale Gerechtigkeit, Gendergleichheit und gegen Rassismus und Unterdrückung einsetzt, am 20. Jänner 2021gehalten hat und die dadurch offenbar weltberühmt wurde.

Das lila Buch mit dem sehr selbstbewußten Frauengesicht, ist dann in diversen Blogs und literarischen Seiten, die ich lese, sehr oft aufgetaucht und ich habe mir von der Amtseinführung Joeoe Bidens, dessen Buch über seinen Sohn ich gelesen habe, einiges auf OE24 angehört, das Ganze aber, ich gebe es zu, nicht sehr aufmerksam verfolgt und daher von der jüngsten Inaugurationsdichterin der Geschichte nicht viel mitbekommen, gar nicht gewußt, daß es das gibt und in Amerika üblich ist, wohl aber, wie schon erwähnt, das Buchcover oft gesehen und im April, glaube ich, ein Mail von einem Bücherblog bekommen, der mir einen Büchergutschein versprach, wenn ich auf ihn hinweise.

Am „Welttag des Buches“ ist es sich ausgegangen und ich habe dann bei „Amazon“ nachgeschaut, was sich da ausgeht und so ist es Amanda Gorman „The Hill we climb“ geworden und ich habe in der Badewanne mitbekommen, was ein Inaugurationsgedicht ist und was da Amerika bewegte. Es geht um den Aufbruch in eine neue Welt von der die junge Frau hoffnungsvoll vortrug: „Wir treten das Erbe eines Landes und einer Zeit an, /da ein kleines, dünnes, Schwarzes Mädchen,/ Nachfahrin von Sklavinnen, Kind einer /alleinerziehenden Mutter,/davon träumen kann, Präsidentin zu werden, und/ nun hier, heute, für einen Präsidenten vorträgt“

Sehr viel hoffnungsvolle Aufbruchsstimmung, die wahrscheinlich, wenn man an den Sturm des Capitols denkt, der am 6. 1. von Ex-Präsident Trump angestachelt vor sich ging, vergegenwärtig, nicht nicht so ganz realistisch ist. Aber Amanda Gordon dichtete weiter:

„So führt der Weg ins versprochene Licht,/ den Hügel hinauf, wenn wir uns trauen./ Denn amerikanisch sein ist mehr als/ der uns überkommene Stolz -/es ist die Vergangenheit, die wir beerben/ und wie wir gutmachen werden“.

Noch eine Stelle will ich zitieren „Unser Weg führt uns nicht zurück zu dem, was war,/ sondern voraus zu dem, was werden soll:/ Ein Land, das angeschlagen ist, aber ganz,/ guten Willen, aber gefeiert/wehrhaft und frei.“

Wieder läßt sich anführen, hoffnungsvoll und euphorisch, wie es bei einer Inaugurationsfeier wohl auch sein muß. Die Realität wird zeigen, ob es unter dem neuen Präsidenten zu einer Veränderung kommen kann.

Den Rest selber lesen und sich sein eigenes Bild machen, das Gedicht ist ja nicht lang, kann ich empfehlen. Man kann es auch in Englisch tun, wo die Sprachgewalt wahrscheinlich sichtbarer wird.

Von Michelle Obama, der Ex-Präsidentengattin, gibt es noch ein Zitat am Buchrücken: „Die Kraft, die von Amanda Gormans Worten ausgeht, ist einfach umwerfend.“

Von den Anmerkungen der drei Übersetzerinnen, die über einige Seiten gehen, kann ich noch zitieren, daß mit dem „hill“ das Capitol, das ja gestürmt wurde oder werden sollte, gemeint ist und die Übersetzerin merken auch, ähnlich wie bei dem Baldwin-Buch, die Schwierigkeiten an, die es bei dem Wort „colour“ gab.

Interessant, interessant und sicher ein historischer Moment, den man nicht versäumen sollte. Ein neuer Präsident, nach dem umstrittenen alten, eine junge schwarze Frau, die zur Inauguration eingeladen wurde und da man die Hoffnung nicht aufgeben soll, kann man gespannt sein, was sich in der nächsen Zeit im Umgang mit den anderen und auch in der Weltpolitik ändern wird und kann.

2021-06-26

Muttermilch

Filed under: Bücher — jancak @ 00:28
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Wir bleiben in Los Angeles und Hollywood, gehen nur hundert Jahre nach vor und kommen zu Melissa Broder, von der ich schon „Fische“ gelesen habe, das mich nicht so beeindrucht hat. Bei „Muttermilch“ ist das anders, denn das ist sehr beeindruckendes Buch, das alle Tabus zu brechen weiß. Liebe zwischen Frauen das moderne Judentum, Eßstörungen oder einfach eine ganz moderne tabulose Coming out Geschichte. Da ist Rachel, die ist, glaube ich, soMitte zwanzig, hat wie auch anders, ein Problem mit ihrer Mutter und eine Eßstörung. Das heißt, sie kaut Nikotinkaugummis, ißt zu Mittag, einen Salat und Proteinpulver und wenn sie mit ihrem Chef, sie arbeitet in irgendeiner Filmproduktionsfirma als Assistentin zu einem Arbeitsessen gehen muß, geht sie aufs Klo, ihren Powerriegel essen und hat dann Probleme, wenn daneben eine Frau sitzt, die wartet, daß sie verschwindet, damit sie scheißen kann und dann scheißt sie los und Rachel kann ihren Riegel nicht essen. Sie geht auch manchmal in ein Frozen Joghurt Shop, um sich da eine Miniportion mit alles ohne zu kaufen. Da trifft sie aber einmal auf die fette Miriam, die Tochter des Kettenbesitzers, die sie verführt. Zuerst hört sie nicht auf Rachel und gießt ihr ihren Becher besonders voll. „Kostet dasselbe!“ und haut auch alle mögliche Toppings darauf. Rachel will den Becher wegschmeißen. Aber Miriam steht rauchend dort, wo sie den Becher hinschmeißen will und lädt sie in einaltes Hollwoodykino, das heißt, vorher in ein chinesisches Restaurant ein. Dort fallen dann die Schranken Sie essen zusammen vier oder noch mehr Portionen und Rachel sagtsich, jetzt kann ich einen Tag alles essen und kauft Unmengen Fastfood ein. Sie nimmt sehr schnell sechs Kilo zu und Miriam lädt sie zu sich nach Hause zum Sabbat ein. Sie kommt aus einer orthodoxen Familie, ihr Bruder, der Rachel mit Schläfenlocken vorher das Eis verkaufte, ist beim Militär in Israel und die Familie ist sehr nett zu Rachel. Das Essen köstlich und dann fragt Rachel, die sich in Miriam verliebthat, ob eine orthodoxe Jüdin eine Freundin küssen kann. Miriam wehrt zuerst ab. Dann kommt sie in Rachels Wohnung, der Sex ist toll. Es gibt aber auch einen Schauspieler in Rachels Agentur, der sich um sie kümmert oder sie verführen will. Rachel will zum nächsten Sabbat noch einmal zu den Schwebels. Das endet in einer Kathastrophe, denn am Sabbat darf ja gar nichts tun, das heißt auch keinen Sex haben. Rachel kommt trotzdem in Miriams Zimmer. Die Schwester und die Mutter merken es und dann beginnt Rachel auch noch die Palästenenser zu veteidigen, so daß die Mutter sie aus dem Haus schmeißt. Es kommt zum Sex mit dem Schauspieler, der ist zwar nicht so befriedigend und laut Vertrag darf Rachel auch keinen mit ihm haben. Miriam erscheint nocheinmal verschwindet dann aber. Rachel wird entlassen und ruft dann am dreiundfünfzigstn Tag, das habe ich jetzt vergessen, doch ihre Mutter an. Die Kassentheraeutin, was ein wenig abschätzend erwähnt wird, bei der sie am Anfang war, hat ihr ein Mutterkommunikationsverbot verordnet und in der letzten Stunde auch eine Skulpur machen lassen, die zwischendurch verschwindet, dann aber wieder auftaucht. Sie schenkt sie Miriam und drei Jahre später sieht Rachel sie wieder. Miriam schiebt einen Kinderwagen mit Zwillingen. Rachel hat wieder Kontakt zu ihrer Mutter und sowohl hertero als auch lesbische Bezihungen. Wieviele Kilo siezu oder abgenommen hat, ist nicht ganz klar, aber ein spannendes Buch das die alten Themen wirklich neu und tablos beschreibt, hat mir gut gefallen und wird auf den Klappentexten auch hochgelobt. So schreibt die Vogue „Melissa Broda hat eine schwindelerregende Geschichte über Liebe, Lust, Abhängigkeit, mütterliche Sehnsucht und …Frozen Joghurt“ geschrieben und Oprah Magazine meint sogar „So wenig jugendfrei, dassselbst Philip Roth erröten würde. Muttermilch ist ein Buch, das man an einem Stückverschlingen wird.“

2021-06-25

Ein anderes Land

Filed under: Bücher — jancak @ 00:54
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Von james Baldwin, dem 1924 in New York geborenen Schriftsteller und Bürgerrechter habe ich das erste Mal bei einer „Literatur im Herbst“gehört, als dort ein Film über ihn ausgestrahlt wurde. Dann habe ich „Giovannis Zimmer“, in einem Schrank gefunden,das jetzt,wie auch die anderen Baldwien-Bücher neu übersetzt werden. So ist „Ein anderes Land „zu mir gekommen, auf das ich sehr neugierig war und bin jezt ein wenig verwirrt. Fehlt mir doch irgendwie der rote Faden, ansonsten könnte ich sagen, es ist eine Art Reigen, die sehr deutlich die Gewalt zeigt, die in den Neunzehnhundertsechhzigerjahren zwischen den Schwarzen und den Weißen herrschte. Deshalb ist das Buch wahrscheinlich auch lesenswert und deshalb als Folge, der Black live matter – Bewegung wird Baldwin wahrscheinlich wieder aufgelegt. Der klappentext klingt noch ganz klar und spannend.

„Dies ist eine Geschichte von Scham und Schuld, von Liebe und Einsamkeit im New York, der Fünfzigerjahre. Warum hat Rufus Scott, ein begnadeter schwarzer Jazzer aus Harlem, sich das Leben genommen? Seine Schwester Ida und eine Handvoll Freunde suche nverzweifelt nach einer Erklärung. Aber sind finden nur Wahrheiten, die neue Wunden schlagen – auch über sich selbst.“

Dann liest man im ersten Teil von einem sehr heruntergekommenen Rufus und seiner Liebe zu der weißen Südstaatlerin Leona,die Liebe endet tödlich. Rufus springt von einer Brücke. Leona wurde von ihrer Familie zurückgeholt und in ein Iirrenhaus gesteckt. Ihr Mann hat schon vorher ihr ihr Kind weggenommen und die Liebe zwischen beiden ist gescheitert, weil ein Schwarzer keine Beziehungs zu einer Südsaatlerin haben darf. So meint es jedenfalls seine Schwester Ida. Vorher hat er aber Leona geschlagen, getrunken und viel Gewalt ausgelöst. Da hatte ich schon Schwierigkeiten, weil ich die Gewalt in der Liebe nicht verstanden habe.

Dann sucht Ida ihren Bruder und wir kommen nach Greenwich in eine Künstlerkolonie, zu Rufus Freunde. Da gibt es Eric, einen Schauspieler, der ist aber gerade in Frankreich und liebt den jungen Yves, es gibtRichard , das ist ein Pole und seine Frau Cass.Sie haben zwei Kinder.Cass ist vordergründig eine Hausfrau, dann fährt sie im Taxi zu ihren Liebhabern, zum Beispiel zu Vivaldo. Beide Männer sind Schriftsteller. Der Eine wird dami tberühmt, der andere eher nicht und arbeitet in einer Buchhandlung un daußer, daß sich die Paare gegenseitig betrügen, gibt es auch eine Beziehung zwischen Vivaldo und Eric, während Vivaldo mit Ida zusammenlebt und Cass betrüg tRichard mit Eric.

Es ist die Gewalt,die in dem Buch sehr offen beschrieben wird,,die mich am meisten beeindruckte. Nicht der Liebesreigen,den ich bei Schnitzler wahrscheinlich besser gelesen habe. Es sind die Diskurse, die zwischen den Weißen undSchwarzen, die hier sehr deutlich beschrieben werden. Die Gewalt der Polizisten, die die schwarzen Kinder zusammenschlagen oder sind es die weißen Kinder, die das tun. Es geht aber und das hat mic hauch erstaunt, die Gewalt oft auch von den Schwearzen aus. ich zitiere ida:“ Aber Cass,frag dich doch mal, guck raus und frag dich: Würdest du nicht auch alle Weißen hassen, wenn man dich hier in dieses Gefängnis sperrenwürde? – Vivaldo wollte nicht wissen,dass mein Bruder zugrunde ging,weil er nicht wissen will,dass mein Bruder noch am leben wäre, wenn er nicht so auf die Welt gekommen wäre,als Schwarzer.“

Das Buch wurdevon Miriam Mandelkow übersetzt, die in einem Nachwort und das finde ich interessant , sich Gedanken über den Gebrauch der verschiedenen „N“-Wörter macht.“Negro“ steht,glaube ich einmal imText. Dann gibt es noch die „Farbigen“, also die „Colored“ und Rene Aguigah hat das Nachwort geschrieben.

2021-03-05

Hard Land

Ich bin nicht ganz sicher, ob ich jetzt das beste Buch in diesem Jahr gelesen habe, das ich gern auf der nächsten deutschen Buchpreisliste oder auf dem des Leipziger Buchpreises stehen sehen würde oder, ob es vielleicht zu kitschig und zu aufgesetzt ist?

Brillant geschrieben und äußerst spannend ist das neue Buch des 1984 in München geborene Benedikt Wells von dem ich noch nichts gelesen habe, obwohl ich mir, glaube ich, einige seiner Bücher von den Thalia-Bücherabverkaufstürmen kaufen ließ. Auf jedenfall, ein Coming of Age, Roman, der das Retrogefühl der Neunzigachtigerjahre in einem Kaff in Amerika wiederauferstehen oder neu erfinden ließ.

Mit einem klassischen ersten Satz „In diesem Sommer verliebte ich mich und meine Mutter starb“ und dann lese ich auf seite 285 und das ist Grund, warum ich ein wenig mißtrauisch bin „Im Sommer 1963 verliebte ich mich und mein Vater ertrank“, das ist der erste Satz aus dem Roman „Salzwasser“ von Charles Simmons. Ich habe nachgegooglet, Autor und Buch gibt es, wie auch einen William Morris,der wurde 1896 in England geboren, war Maler, Architekt, Dichter und Drucker und wahrscheinlich nie in seinem Leben in dem amerikanischen Kleinstädtchen Grady und hat wahrscheinlich nicht das titelgebende Gedicht geschrieben, wie ich auch nicht weiß ob es das Städtchen gibt oder ob es von Benedict Wells erfunden wurde.

In dem heruntergekommenen Kleinstädtchen in dem der sechzehnjährige Sam aufwuchs, war er aber der bedeutenste Dichter und in der Highschool mußte man, so wie ich mich in der Straßergasse, ein Jahr mit dem „Faust“ beschäftigen mußte, mit ihm und seinem berühmten Gedicht beschäftigen und mußte herausfinden, warum es in diesem Coming of age-Gedicht geht?

Es gibt in Grady auch vierzehn Geheimnisse, die stehen jedenfalls auf einem Straßenschild, daß man sie ergründen soll. Aber jeder hat wahrscheinlich seine eigene und der heranwachsende Sam, der in diesem Sommer sechzehn wird, hat sie auch.

Das heißt, er hat eine an Krebs erkrankte Mutter, einen schweigsamen Vater mit dem er sich schlecht versteht, eine ältere Schwester, die das Kaff schon verlassen hat und er hat Panikattacken, war deshalb beim Pschologen, fühlt sich als Außenseiter und soll den Sommer eigentlich bei Verwandten verbringen, was er nicht will.

Die Mutter, die den Buchladen in diesem Kaff führt, vermittelt ihn daher einen Job in dem, glaube ich, einzigen Kino und das verändert sein Leben total. Denn da lernt er Kirstie kennen. Sie ist die Tochter des Besitzers, soll nächstes Jahr nach New York zum Studium gehen. Jetzt schupft sie mit zwei Freunden, Cameron und Hghtower, die auch dan das Kaff verlassen werden, den Laden und die drei grenzen Sam erst mal aus. Dann kommen sie ihm aber näher und als der sechzehnte Geburtstag naht läßt Kirstie Sam versprechen, daß er alles tut, was sie von ihm will und gibt ihn dann drei Prüfungen auf.

Er muß in einem Laden etwas stehlen, dann über die Selbstmordklippe in einen See springen. Sie springt gleich mit ihm und am Schluß muß er etwas auf der Gitarre spielen. Dadurch überwindet er seine Angst und verlebt eine aufregende Nacht. Aber eigentlich hätte er seine Eltern, um zehn in einem Restaurant treffen sollen. Er kommt erst am nächsten Morgen heim. Vor der Haustür steht der Krankenwagen und die Mutter liegt tot am Boden, uje uje.

Beim Begräbnis soll der verhaßte Referend, die Grabrede halten. Der Vater will es so, obwohl es sich die Mutter nicht gewünscht hätte. Die Schwester macht mit Sam aber aus, wie man das umgehen kann. Dazu kommt es beinahe nicht, denn Sam verprügelt sich vorher mit einem seiner Feinde und kommt daher verletzt und verschmutz in die Aufbahrungshalle. Das ist wahrscheinlich wieder etwas zu aufgesetzt. Er spielt dann mit seiner Schwester einen Rocksong, er hätte ein frommeres Lied singen und mit seinem Vater versöhnt er sich auch.

Trotzdem hat er ein hartes nächstes Jahr vor sich, in dem ihm auch der „Inspektor“ oder Deutschleher mit seinem „Hard land“ nicht richtig helfen kann. Er bekommt auf den verlangten Aufsatz auch nur eine zwei minuns. Den einzigen Einser hat, wie sie ihm später erklärt, Kirstie bekommen. Sie erklärt ihm am Ende auch das vierzehnte Geheimnis.

Wieder raffiniert, das Buch ist in vierzehn Kapitel geschrieben. Also klärt jedes eines auf und der „Peter Pan“ mit seinem ebenfalls berühmten ersten Satz, spielt auch eine Rolle.

Ein beeindruckender Coming of Age Roman über eines Sechzehnjährigen in den Neunzehnachtzigerjahren, die wie die Fünfziger oder Sechziger klingen und das man den berühmten amerikanischen Romanen aus dieser Zeit vielleicht schon gelesen hat.

Was ein wenig retro klingt und warum hat Benedikt Wells ein amerikanisches Provinzstädtchen als Sujet gewählt?

Fragen über Fragen, ich habe jedenfalls ein überraschendes Buch gelesen, das ich schon einer Klientin mit Höhenangst empfohlen hat. Vielleicht hilft es ihr, auch wenn sie nicht die Klippen hinunterspringen wird und jetzt bin ich gespannt auf die Rezensionen und möchte wissen, wie, den anderen das Buch gefallen hat?

Ein Diogenes-Bloggertreffen, wo das Buch besprochen wurde, gab es schon, das aber leider auch ein bißchen ein Geheimnis blieb, weil ich ja kein Ton hatte und daher nur Benedict Wells sehen und die Chatnews lesen konnte.

2020-09-26

Genossen

Jetzt kommt ein politisches Sachbuch das mir „Wagenbach“ schickte, der 1962 geborenen amerikanischen Politikwissenschaftlerin Jodi Dean, die sich mit dem Begriff des „Genossen“ der ja vom Genießen kommt, in allen Richtungen mit vielen Fußnoten und Erklärungen auseinandersetzt und das finde ich, die sich damit ja schon theoretisch als auch praktisch auseinandergesetzt hat, interessant, das einmal von der amerikanischen Seite, die da ja eine andere Geschichte und Sichtbild hat, zu betrachten, noch dazu, da ich mich mit der amerikanischen Politik nicht sehr auskenne.

Jodi Dean, die schon mehrere Bücher geschrieben hat, beginnt im Kapitel „Wie aus Unterstützern Genossen“ werden mit einem Beispiel, wie Barak Obama, 2016 Bernie Sanders „scherzhaft aufs Korn nahm“ in dem er ihn als „Genossen!“, bezeichnete, obwohl er ja einer anderen Partei angehörte.

Dann kommt es zu einer Abgrenzung des Begriffs Genossen, der, wie Dean vermutet in Europa als zu stalinistisch oder altmodisch abglehnt werden könnte, vom Kamerad und Kollegen abgrenzt und zitiert Beispiele, daß Leute von der Herzenswärme berichten, die sie spürten, wenn sie mit Genossen zusammenkamen. Man ist plötzlich in einer Reihe von Höherrangigen, die einen als Genossen bezeichnen, der Begriff kann aber auch Beispiel oben im negaiven Sinn verwendet werden.

Genosse ist man, um sich zu helfen und zu unterstützen und da sind wir schon bei dem amerikanischen System der Unterstützer, die es seit fünf Jahren auf den Unis gibt, wo sich Wohlhabende, um andere kümmern sollen und da gibt es schon ein Ratgeber, gibt wie sich der Unterstützer zu verhalten hat.

Dann gehts zur momentan ja sehr kritisierten Frage, ob ein Genosse weiß und männlich sein muß?

Dean beginnt mit der Genossin, da wären ja Rosa Luxemburg, Angela Davis und Clara Zetkin und eine Reihe mir unbekannter Namen Gegenbeispiele und bei den schwarzen Genossen wären wir schon bei der heute sehr oft diskutierten Frage, ob schwarz nicht mit Armut gleichzusetzen ist und ob Schwarze und Weiße wegen der zitierten sozialen Unterschiede wirklich Genossen sein können?

Bei den Genossinnen zitiert Dean noch das Beispiel einer, die in einem Kurs Hausarbeit als wichtigen Teil erwähnte und da von den Genossen unterbrochen wurde, weil das ja wirklich nicht wichtig ist, aber notwendig, füge ich hinzu und Dean komm zur „Negativität“, des Genossen und zitiert da den russischen Dichter Platonow, der ja, glaube ich, derzeit viel gelesen wird, der meinte, daß die Genossen schnell weg wären, sobald sie Brot und Eigentum besäßen, weshalb das zu unterbinden sei.

Im dritten Kapitel werden dann vier Thesen zum „Konzept des Genossen“ aufgestellt und an vielen Beispielen, wie zum Beispiel dem 1936 entstandenen Film „Ninotschka“ von Ernst Lubitsch mit Greta Garbo aber auch einer 1096 erscheinenen Erzählung von Naxims Gorki, den schon erwähnten Roman Platonow aber auch den Schriften von Marx, Trotzki Lenis, etcetera erläutert, daß

1.“Der Genosse durch Gleichheit, Gleichstellung und Solidarität ausgezeichnet wird

2. daß jeder kann aber nicht alle Genossen sein können

3. Daß das Individum ein anderer oder etwas anderer, als der Genosse ist und

4. wird die Beziehung des Genossen durch Treue zu oder an eine Wahrheit vermittelt werden“, was beispielsweise oft eine Partei sein wird.

Im letzten Kapitel „Mein Genosse bist nicht“ geht es um das Ende der Genossenschaft, die Dean als „Ausschluß, Austritt, Abwendung und Ende der Welt“, definiert.

Beim Kapitelteil „Ausschluß“, da habe ich ja viel von den Ausschlüßen, die die KPÖ in den Fünfziger- oder sechzigerjahren bezüglich des Thema Stalinismus betrieben habe, gehört.

Dean führt die Moskauer Prozeße an, da habe ich ja kürzlich den Ruge und früher den „Lärm der Zeit“gelesen und außerdem das Beispiel, wie Trotzki eine Bahnfahrt verwehrt wurde, er blickte zu seinen Genoßen, die sind aber stumm geblieben, angeführt.

„Austritt“ ist, wenn ich mich selber von der Partei abwende also kein Kommunist mehr sein will. Da schildert Dean das Beispiel eines C. L. R. James, der 1962 eine amerikanische Arbeiterzeitung verlassen hat.

„Abwendung“ ist wohl, wenn ich ideologisch die Partei verlasse und beim Kapitel „Ende der Welt“, wo ich mir zuerst „No na oder was ist das wohl?“, dachte, wird lang und breit aus Doris Lessings „Goldenen Notizbuch“, zitiert, das ich, glaube ich, einmal gelesen habe, weil es mir Judith Gruber- Rizzy zum Geburtstag schenkte, als Lessing den Nobelpreis bekam, mich aber nicht mehr so gut erinnern kann, es also wieder lesen müßte.

Was wahrscheinlich überhaupt die Quintessenz nach dem Lesen von Jodi Deans Theorie ist. Lesen und sich mit dem Thema weiter befassen. Der amerikanische Kommunismus ist mir ja, wie schongeschrieben, sehr fremd. Sonst wurde ich öfter an Stephan Teichgräbers Workshops erinnert. Der mich ja bei den Themen Utopie, Revolution– und Partisanenliteratur, sehr oft mit alten russischen Büchern, die sonst an mir vorbeigegangen wäre, in Beziehung brachte. So habe ich ja zwei Teile des „Leidensweg“ gelesen und beim Thema „Partisanen“, war ja auch einiges dabei, interessant, also eine amerikanische Wissenschaftlerin kennengelernt zu haben, die sich mit den „Genossen“ befaßt, aber wenn man sich mit den amerikanischen Beispielen aus zeitlichen Gründen nicht weiterbeschäftigen kann, wird es zumindestens bei mir nur bei den Überschriften bleiben.

2020-07-17

Writers & Lovers

Filed under: Bücher,Uncategorized — jancak @ 23:59
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Die 1963 geborene und in Massachusetts aufgewachsene Lily King ist durh den bei C. H. Beck erschienenen Bestseller „Euphoria“ im deutschen Sprachraum bekanntgeworden.. Jetzt ist der Roman „Writers & Lovers“ übersetzt von Sabine Roth erschienen, in dem es um Casey geht, die sich nach dem Tod ihrer Mutter verschuldet hat, in einem Schuppen lebt und mit dem Hund des Vermieters jeden Morgen Gassi geht. Dann jobbt sie mit einer Stunde Pause in einem Restaurant und dazwischen schreibt sie sechs Jahre lang erfolglos an ihrem Roman. Am Ende des Buches hat sie eine Agentin und einen Verleger gefunden, sich zwischen zwei Liebhabern entschieden und ist außerdem noch Englischlehrerin in einem College.

In einer Art Vorwort schreibt Lily King, daß sie in dem Buch sehr viel persönlich Erlebtes verarbeitet hat und ich muß sagen, ich bin über das Buch sehr erstaunt. Erscheint es doch einer, die sich nun fast fünfzig Jahre mit dem Schreiben beschäftigt, einige Bücher darüber geschrieben hat und da ein paar Mal von Verlegern oder Agenten gesagt bekam, daß sie nicht wüßten, was man damit anfangen soll und, daß man über das Schreiben nicht scheiben darf, seltsam banal und bekannt.

Auf der anderen Seite ist es ein Triumph, daß ein Buch über das Schreiben ein Besteller werden kann. Aber natürlich ist es auch sicher ein Thema, das viele, die selber schreiben, interessiert und warum soll man nicht darüber schreiben. Der Unterschied zu Amerika, wo man einen Master im creativen Schreiben machen kann, Casey in ihrem Restaurant ständig Schriftsteller bewirtet und Agenten etwas Selbsverständliches ist, ist auch sehr interessant.

Dann hat Lily King einen sehr unverwechselbaren Ton, obwohl mich nicht alle Szenen gleich ansprangen. An einigen habe ich hinweg gelesen, manches war sehr eindrucksvoll und schildert eindrucksvoll sarkastisch, die amerikanischen Umstände des way of live.

So hat Casey sich durch ihr Studium sehr verschuldet, sie ist auch nicht krankenversichert, erfährt dann, daß sie sich versichern lassen kann. Sie tut es und klappert sämtliche Ärzte ab, die alle sagen, daß sie „spitz“ sei und dann bei ihr verschiedene Eingriffe machen wollen.

In dem Restaurant in dem sie sich sehr wohl fühlt, dann trotzdem gefeuert wird, lernt sie einen berühmten Schriftsteller kennen, bei dessen Lesung sie schon einmal war. Er hat zwei kleine Söhne und Geburtstag, die Söhne wollen ihn zum Essen einladen und geben ihr das Geld dazu. Das ist eine sehr beeindruckende Szene. Es gibt noch andere Liebhaber und beeindruckend ist auch die Stelle, wo sie sich auf Anraten ihrer Freundin Muriel in dem College als Lehrerin vorstellen geht und dort der Dozentin einen Vortrag über Thomas Bernhards „Holzfällen“ hält. Das findet die Österreichierin besonders interessant, Erstens, daß eine Amerikanerin, das buch kennt und Zweitens, daß sie bei der Bewerbung als Englischlehrerin einen Vortrag darüber hält, was wohl ironisch zu verstehen ist.

Literatur oder literarische Anspielungen kommen überhaupt einige vor. Der „Fänger im Roggen“ wird erwähnt und John Updike und alle, die erfahren, daß sie Schriftstellerin ist, fragen sie, wann kommt endlich der große amerikanische Roman?

Ineressant, weil ja fast aus einem Schreibratgeber, ist die Stelle, wo die Freundin Muriel, die, glaube ich, auch Lektorin ist, ihr Buch lesen will und ihr dann, den Ratschlag gibt oder sie ermahnt, nicht soviel Adjektive zu verwenden oder, daß alles packend sein muß und man zeigen und nicht erzählen soll.

Interessant, daß Lily King sich das traute, so einfach und banal vor sich zu schreiben, bei den „Amazon-Kritikern“ wurde das dann bemängelt, aber trotzdem eine vier Stern-Bewertung gegeben und ich denke auch, Lily King hat einen eigenen Ton und ansonsten, meine Leser wissen es ja, finde ich Bücher über das Schreiben immer interessant und habe also wieder einmal was gelernt.

Wieso das deutsche Buch einen englischen Titel hat, würde ich bemängeln. Wäre doch „Schreiber und Liebhaber“ auch sehr prägnant.

2020-05-04

Der größte Kapitän aller Zeiten

Filed under: Bücher — jancak @ 00:45
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Jetzt kommt eine Parodie auf Amerika beziehungsweise auf dessen Präsidenten, des 1979 geborenen Dave Eggers, der ja den „Circle“ geschrieben hat und von dem ich einige Bücher gefunden, aber noch nicht gelesen, habe.

Den „Mönch von Mocca“, habe ich gelesen und jetzt hat mir „Kiepenheuer & Witsch“, den „Größten Kapitän aller Zeiten geschickt“, ein kleines dünnes Büchlein mit hundertvierundzwanzig Seiten und lustigen Iillustrationen von Nathaniel Russel, so daß ich zuerst dacht, es handelt sich um ein Kinderbuch.

Aber weit gefehlt oder vielleicht auch als solches zu gebrauchen und in Zeiten, wie diesen, wo man sich ja über einiges wundern, den Kopf schütteln, sich aber auch große Sorgen, um die Freiheit und den Fortgang der Menschheit machen kann, gar nicht so leicht  zu lesen.

Da wird also auf einem Schiff, das „Glory“ heißt, der Kapitän verabschiedet, der sich in den Ruhestand begibt. Ein neuer Kapitän muß her und es meldet sich einer, der eine gelbe Feder im Haar hat, auf Grund seiner Vorerfahrungen nicht sehr kompetent erscheint, aber sehr selbstbewußt wirkt und eine helle heisere Stimme hat. Er ist unkonventonell, kann nicht Rechtschreiben.

Sagt, was er denkt, ist also so, wie alle anderen und alle sind begeistert. Nur die kleine Ava warnt, wird aber nicht gehört und die Freunde des neuen Herrschers verkleiden sich als Hühner und werden fortan  „Eitle Gockeln“ genannt.

Es kommt, wie es kommen muß, der neue Kapitän entläßt die alten Mannschaft, weil er von dieser nichts hält. Wirft auch die Logbücher über Bord und schläft des Nachts in seiner Kabine unterm Bett, weil er sich vor Spinnen fürchtet, dort hört er eine Stimme aus dem Lüftungsrohr, die ihn lobt, aber auch auf neue Ideen bringt.

So schreibt er des Morgens immer Botschaften auf die Anschlagtafeln vor dem Speisesaal, wie „Leute die Maschinen bedienen sind eure Feinde“ oder „Außerdem werden wahrscheinlich bald ein paar Leute über Bord geworfen.“

Die Passagiere, die das lesen sind begeistert, endlich mal ein unkonventioneller Mann und der Kapitän tut das auch. Entfernt die Leute die ihn stören und der Widerstand der sich allmählich bildet, ist verhalten und leise, kann sich nicht durchsetzen und wird nicht gehört.

So läßt sich der Kapitän von Teenagerinnen „Cheesburger“ sein Lieblingsessen servieren, läßt noch mehr Leute von Bord werfen und ladet sich dafür die größten Piraten des Meeres ein. Als ihn eine Mannschaftsoffizierin warnen will, läßt er sie auch entfernen, weil er von „Frauen, die Uniformen statt Badeanzüge tragen“, nicht viel hält.

So kommen die Piraten an Bord, lachen über den Kapitän, rauben das Schiff aus und am Schluß ist dieses leer und abgesandelt. Der Kapitän verschwunden. Er hat das Schiff mit seinem geheimen Rettungsboot verlassen und die verschreckten Passagiere zurückgelassen, so daß sich diese angeführt von der kleinen Ava selber helfen müßen. Das heißt, sie retten alle noch Gefangenen und versorgen sie, säubern das Schiff und holen dann die Flüchtlinge, die sich der „Glory“ nähern, lassen sie hinauf und die bringen ihnen auch die ins Wasser geworfenen Logbücher zurück, so daß die „Glory“ zu neuen Ruhm wieder auferstehen kann.

Hoffen wir, daß das gelingt und auch, daß Amerika die Corona-Krise, das ja durch das Virus besonders gebeutelt wird, gut übersteht und vielleicht sollte ich auch „Ein Hologramm für den König“ oder „Zeitzoun“, die ich, glaube ich,  in den Regalen habe, einmal lesen.

2020-03-17

Oreo

Nun kommt das Gewinnerbuch der Sparte Übersetzung des „Leipziger Buchpreises“, das von Pieke Biermann übersetzte und ich glaube zum ersten Mal auf Deutsch erschienene 1974 herausgebrachte Roman der 1935 geborenen und 1985 an Krebs verstorbenen Frances Dolores Ross, die wie ihre Heldin Christine alisas Oreo einen jüdischen weißen Vater und eine schwarze Mutter hatte.

Fran Ross wuchs in Philadelphia auf, arbeite als Journalistin, „Oreo“ ist, glaube ich, ihr einziger Roman, der bald wieder vergessen wurde, zweitausend wieder entdeckt wurde und dann zum Kultbuch der Frauenbewegung oder der afroamerikanischen Literatur  hochstilisierte, denn Oreo ist eine wahrlich ungewöhnliche Figur, vielleicht sogar mit dem Ullysses vergleichbar, vielleicht auch nur eine Idee, der Autorin, ihre sechzehnjährige Heldin mit dem  Theseus zu vergleichen und solcherart, die griechische Sage auf eine rotzig freche Art wiederauferstehen zu lassen, von einem Comic habe ich irgendwo etwas gelesen und ich bin, da keine  keine besondere Kennerin der griechischen Mythen ein bißchen unsicher in der Beurteilung, denke aber doch, ein außergewöhnliches Buch gelesen zu haben.

Da ist also die sechzehnjährige Christine, Tochter von Helen Clark und Samuel Schwartz und als Samuel Schwartz, die Afroamerikanerin heiratet, haben deren Eltern jeweils einen Herzinfarkt oder sonstige Zustände bekommen.

Der Vater hat die Mutter  bald verlassen und ist nach New York übersiedelt, nicht ohne der Tochter einen Zettel mit geheimnissvollen Hinweisen, wie sie ihn auffinden kann, zu hinterlassen und die Oreo genannt, nach dem berühmten amerikanischen Keks, dunkle Umhüllung mit weißer Fülle, eine rotzfreche Göre, die alles mit Karate und Witz zu lösen weiß, macht sich auf den Weg, vorher gibt es noch und das finde ich für ein Buch aus den Siebzigerjahren sehr ungewöhlich, eine Szene, wie sie sich gegen einen Vergewaltiger zu wehren weiß.

Auf der Reise in die Metropole macht sie auch noch einige außergewöhnliche Bekanntschaften, so trifft sie zum Beispiel einen Reisehenker, das heißt, einen, der in ein Büro beordert wird, um dort Kunden zu feuern, das finde ich auch sehr beeindruckend.

Sie übernachtet in einen Park, wird am Klo von einem frechen Jungen gespannt, den sie dann, als er Hunde quält es auch ordentlich heimzahlt, dieser Theseus hat also einen  starken Gerechtigkeitssinn.

Mit einem Bordellbesitzer legt sie es sich oder er mit ihr auch an, dann gibt es noch einen stummen Radiomacher und und, der Skurilitäten ist kein Einhalt geboten.

Sie kauft sich noch Schuhe in einem Laden, weil ihre Sandalen beim Kampf mit dem Bordellbesitzer zu Schaden kamen. Dann trifft sie ihren Vater, löst das Räsel und Fran Ross, die am Schluß noch Hinweise auf die Thesseussage gibt und vorher auch noch, die Familienverhältnisse genau erklärte, hat eine rotzfreche afroamerikanische Göre zur Heldin der griechischen Mythologie gemacht.

Ein interessantes Buch, einer interessanten Autorin, das ohne die Buchpreisnominierung wahrscheinlich an mir vorbei gegangen wäre.

2019-03-02

Szenische Collage um Woody Guthrie

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Eigentlich hätte ich dieses Wochenende nach Harland fahren wollen, war ich das doch jetzt schon ein Monat nicht mehr, denn am zehnten Februar, einem Sonntag war Erika Kronabitters Geburtstagsfest, die Woche darauf, das „Lach-Symposium“ zu dem mich die „Sigmund Freund Uni“ eingeladen hat, um mich psychologisch-psychotherapeutisch fortzubilden und am Sonntag  die Matinee zu ArminThurnhers siebzigsten Geburtstag im Schauspielhaus und voriges Wochenende die GV der IG Autoren und dieses Wochenende war eigentlich nichts, was mich vom Radfahren an der Traisen und einem Marktbesuch mit oder ohne Doris Kloimstein abhalten hätte, aber der Alfred, der ja jeden Freitag nach Harland fährt, um mit den Betreuerinnen seiner Mutter einzukaufen oder die Arzt- und Krankenkasse besuche bezüglich Verordnungscheine, Pflegestufen, etcetera zu absolvieren, will das amMontag noch einmal bezüglich Kinderwagen für das kommende Enkeltkind und außerdem wollte er  Freitag Abend in die VHS Heiligentadt, weil da trat sein Schul- und Wanderkollege Gunther Maier in einer  szenischen Collage mit und von für Musik von Woody Guthrie auf.

Woody Guthry, wer ist das? Keine Ahnung, denn in in der Singer Songwriter Szene der fünfziger und sechziger Jahre bin ich nicht sehr zu Hause, bin ich doch in meiner Studentenzeit brav jede Woche einmal in die Oper gegangen und habe mir die Musik von Guiseppe Verdi und Richard Wagner angehört und hatte von Woodstock etcetra nicht viel Ahnung.

Habe aber ohne zu wissen, um was es da gehen könnte gesagt, ich will den Alfred begleiten und war dann eigentlich nicht einmal so motiviert dazu, denn ich bin diese Woche nur  am Montag bei einer literarischen Veranstaltung in der „Alten Schmiede“ gewesen.

Die war sehr interessant und überraschend und den Dienstag, wo Friederike Mayröcker dort aufgetreten ist, habe ich mir selbst versaut, weil ich das in meinen Kalender offenbar so unleserlich hineinschmierte, daß ich mir eine achtzehn und neunzehn Uhr Stunde draufhin einteilte.

Am Mittwoch hatte ich dann nur eine um achtzehn, aber kein Alternativprogramm, so daß ich da  auch mit dem „Subutex“ in die Badeswanne gestiegen bin, was auch gut war, weil ich derzeit ohnehin das Gefühl habe mit meinen Bücherbergen unicht und nicht nach zu kommen.

Dafür habe ich mir am Mittwoch  auch noch gleich drei Bücher bezüglich „Frauentag“ bestellt, die am Freitag kamen, für mich zum Teil sehr überraschend waren und mich auch zu einem speziellen Artikel anregten und die Überraschung war, das eines davon von der Soziologin stammte, die ich am Donnerstag, ich glaube, wenn ich mich nicht sehr irre, am Tage des Opernballs am Meidlingerplatzl zum Thema „Armut“ stattfand, mit einer sehr interessanten Donnerstagstatement kennenlernte, aber „Kremayr und Scheriau“, dem ich einmal, lang, lang ists her,  meine Texte, als der noch lang keine literarische Schiene hatte, schicken wollte, hat inzwischen auch auf seinen anderen, sehr interssanten Bücher, so werden Livia Klings Facebook- oder Twittereintragungen zum politischen Geschehen alsbald folgen.

Aber erst einmal habe ich mich am Freitagabend, bevor ich mit dem Alfred nach Heiligenstadt gefahren bin, darüber informiert, was mich dort erwarten wird:

Alle

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Nämlich, die schon erwähnte szenische Colleage „Drei Griff und die Wahrheit“ von und um Woody Guthrie, ich habe mir eigentlich ein Gitarresolo von Gunther Mayer, der auf die Berge immer seine Gitarre mitnimmt und dann singt und improvisiert, erwartet und Woody Guthrie keine Ahnung-?

inzwischen weiß ich, das Woodrow Wilson Gutrhrie, ein 1912 geborenener und 1967 verstorbener amerikanischer Singer-Songwriter war, der sich noch dazu sehr mit dem linken gewerkschaftlichen Spektrum, wie in „Wikipedia“ steht, beschäftigt hat und außerdem noch Lyrik geschrieben hat.

Daß ich mich in der amerikanischen Singer- Songwriter Szene nicht so sehr auskenne, obwohl ich einmal  am Ostermontag mit dem Alfred, statt des damals noch existierenden Osterspaziergang des ersten Wiener Lesetheaters ins Filmcasino zu Allen Ginsbergs „Howl“ gegangen bin, habe ich schon geschrieben, dafür habe ich ihn  2016, als Bob Dylan den Nobelpreis für Literatur bekommen hat, mit ihm verwechselt, beziehungsweise das dem Lehrer den ich bei einem Symposium in der „Gesellschaft für Literatur“ bei dem ich da gerade war, so erzählt und weiß von Allen Ginsberg, von dem ja beispielsweise die „Schule für Dichtung“ sehr schwärmt, noch immer nicht sehr viel mehr und von Bob Dylan ebenfalls nicht, obwohl ich, wenn ich mich nicht irre, 2016 zu meinem Geburtstagsfest ein diesbezügliches Reclamheftchen bekommen habe.

Wie gut oder schlecht zu den beiden erwähnten, Woodrow Guthrie nun hineinpasst, weiß ich noch immer nicht, war aber sehr erstaunt nun doch einen  literarischen Arbend präsentiert zu bekommen, denn Rudi Burda, der auch schon am Volksstimmefest mit seinen Liedern aufgetreten ist, hat seine Werke für das „nicht Englisch sprechende Publikum“ auf Deutsch übersetzt und den Song von der „Bürgerwehr“ habe ich  schon wo mal gehört und das mit dem „My land“ habe ich natürlich auch gekannt, denn es war kein Gitarresolo von Gutner Mayer allein, das da in der VHS, an der ich auch vorübergegangen bin, als ich von  Brunis Begräbnis nach Hause gegangen bin, sondern die schon zitierte Collage, die fünf Männer und zwei Damen, alle in karierten Countryhemden, die jener Woody wohl getragen hat, präsentieren.

Sein Leben wurde vorgestellt, es gab auch Bilder an der Wand und dazwischen wurde gesungen und durch das Leben und die Songs auf Wienerisch und Englisch geführt, was ich sehr interessant gefunden und wieder etwas gelernt habe, so daß ich mich nun doch entschossen habe, etwas darüber zu schreiben, weil man das Singen-Songwriten ja ohne Zweifel in ein literarisches Flüstern einreihen kann, die Collage auch sehr politisch wurde und sich die Situation in dem Armerka der Vierziger- und fünzigerjahre, wo jener Woody singend und texten herumgefahren ist von der heutigen Sitation des Rechtsrucks und den wöchentlichen Donnerstagsdemonstratonen gegen schwarz blau gar nicht so sehr unterscheidet und da habe ich wohl auch den Song von der „Bürgergerwehr“ gehört oder war es in den „Spielräumen“ von Ö1, das weiß ich jetzt auch nicht so genau es war aber auf jeden Fall sehr interessant und Faschingsamstag ist dieses Wochenende auch.

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