Literaturgefluester

2018-08-04

Flammenwerfer

Jetzt kommt wahrscheinlich das letzter Buch aus meiner Backjahresliste, bevor es an das große Buchpreis und Herbstneuerscheinungs– beziehungsweise Urlaubslesen geht und da habe ich aus der Reihe der Schmankerln die noch auf mich warten Rachel Kuschners „Flammenwerfer“ aus den noch auf mich wartenden Schmankerln gezogen, ein Buch, das 2013 im Original 2015 in deutscher Übersetzung bei „Rowohlt“ herausgekommen ist und ich es wahrscheinlich Ende 2015 oder Anfang 2016 oder  aus einem der Schränke gezogen habe.

„Unververkäufliches Leseexemplar“, ist auf dem Cover aufgedruckt.

„Wir bitten Sie Rezensionen nicht vor dem 27. Februar 2015 zu veröffentlichen“.

Nun da ist es schon an der Zeit dazu und das Buch, kann ich mich erinnern, ist damals durch alle Munde und Blogs gegangen und heute, wie ich fast vermuten würde, schon vergessen, weil sich ja alle Blogger durch die brandtheißen Neuerscheinungen lesen und die anderen ohnehin lieber Netflix hören und die Bücher auch nicht mehr kaufen.

Sie legen sie noch in die Schränke  und „Flammenwerfer“ auf das ich sehr neugierig war, hatte, glaube ich, sowohl gute, als auch schlechte Rezensionen. Die schlechten habe ich, wenn ich mich nicht irre in Ö1 gehört, die guten flammenden stehen am Buchrücken:

„Wow was für ein Buch! Alle,  wirklich alle sollen es lesen, es ist das beste, was zeitgenössische Literatur zu bieten hat, ein absolutes Meisterwerk“ und Jonathan Franzen, von dem ich heuer auch schon was gelesen habe, hat noch „Ich liebe Kushners Flammenwerfer“, dazugeschrieben.

Weiter oben kann man etwas vom Inhalt erfahren „Dieses Buch ist ein erzählerisches Naturereignis – ein Roman über eine schnelle junge Frau auf einem Motorrad, ihre Liebschaften im New Yorker Kunst-Untergrund der späten Siebziger und ihre politischen Verwicklungen im Italien der roten Brigade“.

Wow, welche Vorgabe, könnte man meinen und, sich fragen, warum habe ich eine Woche gebraucht mich durch die fünfundert Seiten zu lesen, fast könnte man sagen, gequält und manche Kapitel habe ich direkt überflogen und mich bei den vielen verschiedenen Namen auch nicht sehr ausgekannt. Bei „Amazon“ läßt sich auch nachlesen, daß manche der Rezenseten diese enthusiatstischen Vorgaben nicht ganz teilten.

„Das Buch ist gut geschrieben. Langweilig ist es trotzdem, da die Charaktäre kein Leben eingehaucht bekommen. Alles plätschert, psychologisch treffen beschrieben, ins Nirgendwo, so als hätte sich die Autorin beim Schreiben gelangweilt.“

Rachel Kushner, entnehme ich dem Buch, wurde in Oregon geboren, studierte Literatur und kreatives Schreiben an der Columbia Universität, arbeitete in diversen Kunst- und Literaturmagazinen und liebt schnelle Motorräder und Skirennen.“ Flammenwerfer“ ist ihr zweites Buch, mit ihm und dem ersten wurde sie für den National Book Award nominiert, was, wie noch weiter steht, noch nemanden vor ihr gelungen ist.

Hm, wieder sehr viel autobiografischen könnte man meinen und unken.

Es gibt dann auch ein Nachwort der Autorin, das erklärt, wie sie zu dem Schreiben des Buches gekommen ist. Der Beginn war ein Foto ihrer Sammlung, das auch das Cover ziert, ein Frauenkopf mit verklebten Mund, zwei kleine  Plasterstreifen in Kreuzform, am Cover steht auf einem noch „Roman“ darauf.

Damit ist sie wohl ausgezogen, die Siebzigerjahre in New York mit den Siebzigerjahren in Italien, den Tod Aldo Moros, den Entführungen durch die roten Brigaden, etcetera zu verknüpfen und dann ist das entstanden, was am Buchrücken noch so beschrieben wird „Als dieser Roman 2013 in new York erschien, löste er ein unbeschreibliches Echo unter Rezensenten und Autoren aus. Einmütig stellten sie fest, daß „Fallenwerfer“ über alle vorgefassten Meinungen, was heute einen guten Roman auszumachen habe, hinwegfegt und alle seine Leser mitreißt und begeistert“.

Man kann es dem oben geschriebenen wahrscheinlich schon entnehmen, daß ich diese Meinung auch nicht ganz teile und fast glauben, wirde da wird in den fünfunhunderfünfzig Seiten ziemlich unstrukturuert vor sich hin geschrieben, Geschichten und Ereignisse aneinandergereiht und nach dem, was ich mir in den letzten vierzig Jahren über das Bücherschreiben angeeignet habe, erstaunt mich fast, daß das so große  Beigeisterungswellen auslöste, denn ich würde sagen, da gehört viel mehr strukutriert, eine Handlung hineingebracht, nicht bloße Fakten, Material und Konzeptwissen aneinandergereiht.

Dann werde ich versuchenden roten Faden der Handlung zu finden, was mir, wie ich fürchte, nicht sehr gelingt, denn eigentlich habe ich den  ja nicht entdeckt.

Da ist also Reno, die junge Frau und Konzeptkünstlerinn mit den schnellen Motorrädern, die fährt am Anfang des Buches über die großen Salzseen, hat dabei auch einen Unfall, macht aber einen Rekord. Dann kommt sie nach New York, lernt dort ihre Freundin Giddle kennen, arbeitet bei einem Fotografenteam und Sandro Valero, Sohn einer italienischen Autoreifendynastie lernt sie auch kennen.

Mit ihm verbringt sie einen Sommer in Italien, im Haus oder Schloß seiner Mutter, die dort mit einem alten Dichter lebt, das Hauspersonal ignoriert sie, denn sie ist nicht vom feinen italienischen Adel, wo man nicht „Haus“ sondern“ Eigenheim“ zu sagen hat.

So feine Spitzen gibt es auch. Sandro betrügt sie schließlich mit seiner Cousine. Die roten Brigaden entführen seinen Bruder und bringen ihn um. Es wird auch von der Konzeptkunst erzählt, wo Frauen ihren Arsch oder ihre Titen in einen Kasten stellen und die Männer ihn berühren können und noch während man „Wow !“,denkt“das habe ich doch schon wo gehört!“, wird schon Valie Export erwähnt und kommt auch in dem Nachwort der Autorin vor, wo sie eben erzählt, daß sie die beiden Strömenungen der siebzigerjahre, Italen, New York  und  wahrscheinlich noch viel mehr verknüfen wollte.

Freud wird zitiert oder kritisiert, Sylvia Plath erwähnt und immer wieder Geschichten erzählt. Zum Beispiel von einem, der irgendwohin Kaninchen liefern sollte, aber nicht darauf achteten , daß sie ja zwischen durch Nahrlung, Luft und Wasser brauchten, so daß sie am Ende tot ankamen oder eine von einemMatrosen und auch immer wieder schöne Sätze, die beeindrucken.

Am Schluß gibt es Fotos und auch das Material wird zitiert, aus dem Rachel Kushner ihren Jahrhundertroman, der offenbar doch kein solcher ist, montiert hat und ich bin vielleicht wieder ein bißchen klüger geworden, was das Romanschreiben und die Industrie herum betrifft, weiß nicht, ob mein Leseexemplar gelesen oder so entsorgt wurde und natürlich ist es interessant von einer weiblichen Motorradfahrerin, der amerikanischen Konzueptkunst, dem Feminismus, den Kampf, um das rote Italien und noch viel es mehr zu lesen und war, wie schon erwähnt, erstaunt, daß ein für mich eigentlich eher unstrukturiertes Aneinanderreihen von Fakten und Erlebnissen, wenn auch nur für kurze Zeit ein so großes Medienecho auslösen konnte.

Interessant ist vielleicht noch zu erwähnen. Reno geht als einzige Frau alleine in ein Pornokino. Dort wird zwar kein Popcorn verkauft. Es rascheln aber alle trotzdem mit Papiertüten. Auf einmal geht das Licht aus, der Kartenverkäufer kommt mit einer Taschenlampe heirein und bitte alle ruhig den Saal zu verlassen, denn in New York gab es inzwischen einen großen Stromausfall, der zu Plünderungen und Katastrophen führte, was auch noch beschrieben wird.

Vielleicht sind es Wenungen, wie diese, die diesen Hype und das Mär, um den noch nie dagewesenen Schreibstil auslösten.

Nochmals interessant und wahrscheinlich ein Druckfehler, der Satz auf Seite 13 „Mein Onkel Bobby, der seinen Lesbenunterhalt mit dem Transport von Schrott verdiente…“, passt aber zu dem Buch und seinen Stil sehr gut.

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2018-05-28

Undergroundrailroad

Jetzt kommt wieder ein sogenanntes „Backlist-Buch“, also kein Rezensionsexemplar aus der Frühjahrs- oder Herbstproduktion, sondern eines das 2017 den „Pullitzer-Preis“ bekommen hat, im Vorjahr bei „Hanser““ erschien, dann überall bei den Blogs auftauchte und auch bei der „Thalia-Buchhandlung“, die es im Vorjahr bei der „Buch-Wien“ gab, auf dem Bücherstaüel lag, als ich nach meinem Geburtstagsfest, mit dem Büchergutschein von der Anna dort auftauchte und ihn einlösen wollte.

„Ein interessantes Buch, ein wichtiges Thema!“, habe ich wohl gedacht und den 1969 in New York geborenen Colson Wihitehead auch bei der letzten „Literatur im Herbst“ persönlich aus dem Buch lesen gehört und als Kind, ich weiß nicht, genau, ob ich das schon mal erwähnt habe, habe ich wahrscheinlich so mit zehn oder zwölf „Onkel Toms Hütte“ gelesen und war davon tief beeindruckt.

Das könte man vielleicht sentimental oder kitschig nennen und diesbezügliche Einwände haben. Colson Whitehead, von dem ich kürzlich entdeckte, daß ich schon einmal ein Buch von ihm gefunden und auf meinen Bücherstapel liegen habe, tut es, no na, weit moderner, in dem er die Phantasik mit der Realität vermischt und auch ständig zwischen Gegenwart und Zukunft hin und her springt, Ereignisse vorwegnimmt oder wiederholt, was das Lesen nicht unbedingt einfach macht, am Schluß aber ein sehr dichtes Bild überbleibt, was das Buch auf jeden Fall lesenswert macht.

Die „Undergroundrailroad“ hat es auch gegeben, zwar nicht wirklich als Eisenbahn, die unter der Erde herumfuhr und entlaufenen Sklaven in Freiheit brachte, sondern sie war ein Netzwerk von Sklavenhelfer, das sich des Eisenbahnjargons bediente, also von „Tickets“, „Stations“, etcetera sprach, um ihr tun geheimzuhalten oder zu codieren.

Colson Whitehead nimmt es wörtlich und erzählt von den Zuständen des damaligen Amerikas, der Sklaverei, mit einer unheimlichen Brutalität, während es Harriet  Beecher Stowe im neunzehnten Jahrhundert natürlich viel christlicher und sanfter machte.

Es geht in dem Buch im wesentlichen, um die Sklavin Cora , die ihrem Herrn entflieht: „Als Caesar das erste Mal von einer Flucht in den Norden redete, sagte Cora nein!“, lautete so auch der erste Satz.

Denn erinnern wir uns, der Norden Amerikas war liberaler, im Süden herrschte Skaverei und laut Colson Whitehead, der wahrscheinlich auch aus einer solchen Familie entstammt, unglaubliche Brutalität.

Cora, deren Mutter Mabel es als einziger Sklavin jemals gelang ihrem Herrn zu entfliehen und dabei die zehnjährige Tochter zurückließ, weshalb Cora sie entsetzlich haßt, am Schluß des Buches erfahren wir, sie hätte zurückgehen wollen, aber, Perversität des Schicksals oder der Whiteheadschen Phantasie, sie wurde durch einen Schlangenbiß daran gehindert und von den Sümpfen verschlungen, entschließt sich dann doch zur Flucht und benützt dazu die Undergroundrailroad für jeweils eine Station.

So ist ihr erster Aufenthalt in Slouth Carolina und hier werden meiner Meinung nach die Zeiten etwas vermischt, denn das Leben was die freie Bessie, die aber eigentlich der USA gehört, führt, klingt sehr modern und auch interessant, aber das könnte auch an der Übersetzung liegen, denn ich habe ja nicht das Original gelesen, werden hier auch Ausdrücke verwendet, die damals höchst wahrscheinlich nicht üblich waren. So gibt es „Wohnheime für Farbige“, in dem Bessie, wie Cora dort genannt wird, lebt, während in anderen Kapiteln durchaus auch von „Negern“ oder „Niggern“ geschrieben wird.

Bessie wohnt also in einem solchen Wohnheim, das von der freundlichen Miss Lucy geleitet wird, sie arbeitet zuerst bei einer weißen Familie als Dienstmädchen, dann auch ein skurriles Detail aus der Wihiteheadschen Phantasie in einem Museum, wo sie die Entwicklung der Sklaverei darstellen muß, was ihr von Miss Lucy, als Aufstieg, weil man mit ihr so zufrieden war, eingeredet wird. Man sieht schon, Colson Whitehead ist sehr modern und man hat auch in anderen Kapitel den Eindruck, er meint vielleicht nicht nur die Sklavenbewegung, sondern auch den Holocaust oder die Flüchtlingskrise der heutigen Zeit, etcertera, aber davon später.

Erst muß Bessie, auch sehr modern, zur ärztlichen Untersuchung, wo ihr die Vorzüge der Sterilisation eingeredet wird, sie darf sich das zwar überlegen, es wird ihr aber sehr empfohlen, etcetera.

Es kommt dann, als noch von medizinischen Experimenten die Rede ist, die an den farbigen Bewohnern verübt werden, zur Fluchgt mit der Railroad nach North Carolina.

Dort herrscht das blanke Entsetzen. Cora muß sich, wie Anne Frank, wie ich in einer Rezension gelesen habe, auf dem Dachboden verstecken und sieht vom Fenster in einen Park, wo Schwarze zur Belustigung der Bevölkerung aufgehängt werden, während es unten, bei ihren Flüchtlingshelfern zu ständigen Hausdurchsuchungen kommt, denn, wenn man Schwarze versteckt, wird man selbst exekutiert.

Der Gedanke an die Nazis ist da auch mir gekommen. Es geht aber weiter nach Indiana und hier landet Cora auf einer Farm, die einem Schwarzen gehört, der von den Weißen, als ein solcher gehalten wird. Hier gibt es wieder Unterricht und Schulen und es wird auf Diskussionen im Versammlungshaus auch davon geredet medizinische Schulen und andere Fortbildungen für Schwarzeeinzurichten.

Die Weißen halten das natürlich nicht aus und verbrennen, sowohl das Haus, als auch die Bibliothek, in der sich Cora gerne einfindet, um Bücher zu lesen und hier steht auch wieder ein sehr beeindruckender Satz, der einem beuteln und nachdenken läßt:

„Mein Herr hat gesagt, das Einzige, was gefährlicher wäre, als ein Nigger mit einem Gewehr“, sagte er zu ihnen, „wär ein Nigger mit einem Buch“.

Es kommt also wieder zur Flucht mit der Railroad in den Norden. Ob es dort wirklich besser ist, bleibt eigentlich offen oder besser, wir wissen es, wenn wir uns das heutige Amerika anschauen, wo die Schwarzen immer noch sehr diskriminiert werden, es aber auch schon zum Präsidentenstatus oder zu Pulitzerpreisträger brachten.

2018-01-21

Unschuld

Die die meinen Blog aufmerksam verfolgen, wundern sich wahrscheinlich, daß jetzt fast eine Woche keine Buchbesprechung mehr erschienen ist, obwohl ich durchschnittlich drei Bücher in der Woche lese, aber Jonathan Franzens 2015 erschienener Roman hat über achthundet Seiten und da brauchte ich eben länger und ich habe ihn auch jetzt erst gelesen, obwohl ich das Buch schon 2015 vom Karl zu meinem Geburtstag bekommen habe. Das liegt an meiner elendslangen Leseliste und noch einmal interessant, als ich im Jänner 2016 oder so zum „Wortschatz“ gegangen bin, lag das Buch darin, ich habe mich kurz geärgert und hoffe jetzt, daß es einen interessierten Leser gefunden hat, obwohl wenn man bei „Amazon“ nachschaut, hat der Roman auch viele Einsternrezensonen, was mich, die ich zum Zeitpunkt des Nachschauens, das erste Kaptiel gelesen hatte, wunderte. Später nicht mehr, jetzt würde ich mich den Meinungen von der platten Handlung, etcetera, die dort vertreten sind, anschließen aber schön der Reihe nach.

Der 1959 geborene amerikanische Schriftsteller Jonathan Franzen, der, glaube ich, auch Deutsch spricht und in Berlin studierte, wurde mit seinem Weltbestseller „Die Korrekturen“ schlagartig berühmt. Das Buch habe ich gelesen und mich gewundert, daß dort ein Elch beschrieben wurde der dann als typisch österreichisch ausgewiesen wurde.

Karl Markus Gauss hat das in einem Essay beschrieben und das ist wahrscheinlich auch typisch für die Franzensche Literatur, obwohl Annika Bühnemann auf ihrem Twitter Account, ein Zitat von ihm hat, daß der oder die, die einen Computer benützt, keine guten Schriftsteller sein kann, vielleicht eine späte Erkenntnis, der falschen Zuordnung wegen.

In der „Unsichtbaren Frau“, an der ich ja gerade  korrigiere, kommt eine Lesung im österreischischen Kulturkinstitut von New York vor, die Jonathan Franzen gemeinsam mit Daniel Kehlmann macht.

Unschuld heißt auf Englisch Puritiy, so heißt das Buch im Orignal und so heißt auch die Heldin oder eine davon. Puritiy Tyler, Pip genannt,  gehört das erste Kapitel und das ist sehr faszinierend, es gehört ihr auch ein großer Teil des Klappentextes.

Pip ist also drei- und vierundzwanzig und hat viele Probleme, so weiß sie zum Beispiel weder ihr korrektes Geburtsdatum, noch wer ihr Vater ist.

„Wie geht das Erste?“, habe ich eine Zeitlang gedacht. Aber die Mutter, die Pip „Miezchen“ nennt, hat alle ihre Spuren verwischt und eine falsche Identität angenommen und erzählt der Tochter auf die Frage nach dem Vater eine Geschichte, die man schon in einem Roman nachlesen kann.

Pip ist also drei oder vierundzwanhzig, lebt in einem besetzen Haus mit einem Mann in den sie verliebt ist, obwohl er verheiratet ist, einem Behinderten und einem Schizophrenen in einer Kammer, hat studiert und von daher Schulden und arbeitet in einer Umweltschutzfirma am Telefon mit einem Chef der ihr Schwierigkeiten macht.

Das steht so ungefähr im Klappentext und der erste Teil hat einige sehr packende Szenen. So nimmt Pip zum Beispiel einen Mann, den sie immer in einer Cafeteria trifft mit in das Haus. Kommt, als sie schon beim Ausziehen sind darauf, daß sie keine Präservative hat, hetzt hinunte,r um die aus dem Badezimmer zu holen, kommt dabei an der Küche vorbei, in der Annagret, ein deutscher Gast sitzt und die holt sie herein und bedrängt sie einen Fragebogen auszufüllen, um sich in Boliven, als Praktikantin bei einem Whistleblower namens Andreas Wolf zu bewerben und ködert sie, die keine rechte Lust dazu hat, damit, daß sie da auch herausfinden könnte, wer ihr Vater ist. Damit geht natürlich das Date zu flöten und als ihrer Mutter, die sehr gesundheitsbewußt ist, zu ihren „Nicht Geburtstag“ einen selbstgebackenen veganen Kuchen bringen will, fällt ihr der am Klo des Busbahnhofs hinunter, so daß es nichts wird mit dem Geschenk und weil die Mutter ihr noch immer nicht sagen will, we rihr Vater ist, startet sie los nach Südamerika.

Das habe ich sehr spannend und frisch erzählt gefunden und das sind ungefähr die ersten hundert Seiten. Dann wird es schwieriger. Denn dann werden noch einige andere Personen und Schicksale in das Buch verwoben, etwas, was ich bei meinen Texte auch mache, aber meine Bücher sind ja nie so lang.

So geht es im nächsten Teil in die DDR. Andreas Wolf kommt ja von dort und Markus Wolf, der DDR Staatssicherheitschef, ist angeblich sein Onkel. Etwas was ich sehr interessant finde, wie man das macht, in seine Texte real lebende bekannte Persönlichkeiten zu verweben, denn Alfred hat mir ja gesagt, ich könnte meinen Alfons in der „Unsichtbaten Frau“ nicht Tratschke nennen, weil man da an H. C. Strache denken könnte, der ist aber ein Sachse und der neue österreichische Vizekanzler kommt in dem Buch auch vor und ein Minister Basti Quasti, da hat mir der Alfred auch abgeraten, aber der ist ja inzwischen Bundeskanzler und wenn man ein Weltbestsellerautor ist kann man wahrscheinlich alles, weil einem ein Rechtsanwaltsbüro berät und wenn man seine fünzig Bücher selber macht, kann man das wahrscheinlich auch, weil sie ohnehin niemand liest.

Es geht also in die DDR der fünfziger und sechzigerjahre bishin zur Wende und da würde ich, obwohl ich das nicht mache, auch eine Einsternbewertung geben, denn die DDR war vermutlich alles, aber keine erotische sexbesessene Diktatur, wie sie Franzen darstellt, wahrscheinlich eher das Gegenteil.

Andreas Wolf war jedenfalls der Sohn von hohen Funktionären, die Mutter Englischprofessorin, der Vater Mitglied des Politbüro und so einen Roman habe ich auch einmal gelesen, wo einer seine glückliche Jugendsch schildert, weil der Vater ihn im Sommer mit tausend Mark zurückläßt, während er in die Schweiz fährt.

Andreas Wolf ist aber nicht glücklich, sondern wird von der Mutter mißbraucht, dann schreibt er irgendwelche erotische Gedichte, wird darauf von der Partei verstoßen und lebt fortan als Jugendhelfer im Keller einer Kirche, wo seine Aufgabe  besteht, gefährdete Mädchen zu vögleln. Ich glaube nicht, daß das so war und da kommt eines Tages ein schönes Mädchen namens Annagret, man sieht die Verbindung, sagt, ihr Stiefvater ist ein Stasispitzel, ihre Mutter drogensüchtig, er hat sie sexuell belästigt, beziehungsweise dazu erpresst und sie kann ihn nicht anzeigen, weil sonst die Mutter ins Gefännis kommt, worauf er gleich beschließt, ihn umzubringen.

So ein Unsinn würde ich nochmals sagen. Später wird dann erklärt, er hätte aus Notwehr gehandelt, was nachvollziehbarer wäre. Annagret hilft ihm dabei.  Er begräbt die Leiche im Garten in der Datsche seiner Eltern, die er nicht sehen darf und als er vorher dort war, um ein anderes Mädchen zu vögeln, das, das nicht in der Kirche wollte, kam gleich die Polizei und hat ihn verscheucht. Jetzt kann er den Stiefvater aber gefahrlos  vergraben, obwohl er sich dabei sehr tolpatschig anstellt.

Dann leben beide einige Jahre in der Angst erwischt zu werden. Annagrets Mutter kommt auch ins Gefängnis. Die Stasi läßt aber beide in Ruhe und als es zur Wende kommt, nimmt er Kontakt zu seinem Vater auf, um sich seinen Stasiakt zu besorgen. Der läßt noch einmal seine Verbindungen spielen und er geht in die berühmte Normannenstraße und als der Offizier, die Akte zurückhaben will, stehen schon die Demonstranten vor der Tür, Andreas schlägt sich auf ihre Seite, kommt ins Fernsehen und wird als Dissident berühmt.

Er trifft dann noch einen amerikanischen Journalisten, den er von dem Mord erzählt und weil seine Eltern die Datsche verkaufen wollen und dort gegraben werden soll, hilft ihm Tom Aberant,  die Leiche zu holen und in einem Wald zu vergraben.

Pip ist in Bolivien und mit Andrea,s der weiter alle Frauen vögelt in einem Hotelzimmer. Dort kommt es aber zu Schwierigkeiten und so schickt er sie mit einer Spionagesoftwehr zu Tom Aberant in die USA. Er darf, weil ein berühmter Whistleblower geworden, nicht mehr dorthin und der ist, erfahren wird dann, wahrscheinlich nach ein paar weiteren hundert Seiten, Pips Vater.

Die Mutter heißt in Wahrheit Annabel und ist eine sehr neurotische Erbin, Tom wollte auch nie ein Kind, und lebt jetzt mit einer anderen Journalistin, die auch ein Kind von ihm wollte und mit einem gelähmgten Schriftsteller verheiratet ist. Die beiden nehmen Pip bei sich auf. Die Journalistin ist eifersüchtig  und Andreas auch hoch neurotisch und lebt in der Angst Andreas könnte ihn verraten. Er hat Pip also eingeschleust und zu Tom Aberant geschickt.

Der kommt dann nach Bolivien, sagt Andreas soll ihm in Ruhe lassen und der Tochter nicht sagen, daß er ihr Vater ist, sonst geht er zur Polizei. Andreas schickt die Nachricht aber an Pip und stürzt sich dann vor Toms Augen in den Abgrund und im letzten Kapitel, wo sich der Rahmen schließt, beginnt mir die Geschichte wieder zu gefallen, so daß ich meinen Vorrezenzenten zustimme, daß das Buch gewinnen würde, wenn man es auf zweihundert Seiten kürzt.

Pip nimmt nämlich energisch ihr Leben in die Hand, holt sich die ihr zuständigen Millionen, hilft dem schoizophrenen Mitbewohner, sein Haus, das ihm die Banken gestohlen haben, zurückzubekommen. Freundetsich auch mit Jason, das ist der, mit dem sie  zu Beginn nicht vögeln konnte, wieder an und versucht auch ihre Eltern zusammenzubringen, was, wie ich noch spoilern möchte, natürlich nicht gelingt.

Denn googlet man über Jonathan Franzen nach,  bekommt man zu lesen, daß er ein Spezialist für kaputte Beziehungen ist, beziehungweise immer solche in seinen Romanen beschreibt und ich merke noch an, daß noch zwei Bücher nämlich „Anleitung zum Einsamsein“ und den Debutroman „Die 27 Stadt“ auf meiner heurigen Leseliste habe. Mal sehen, ob ich dazukomme sie zu lesen.

2015-12-29

Die Stellung

Wieder kommt ein Roman aus Mara Gieses Bücherkiste und wieder einer aus Amerika und zwar von der 1959 geborenen Meg Wolitzer, der, sowie ihr erster auf Deutsch übersetzer, die „Interessanten“, ich glaube, beide bei „Dumont“ erschienen, vor kurzem auf vielen Blogs zu finden war.

Im September war die Autorin auch in Wien in der Hauptbücherei und hat aus der „Stellung“ gelesen, da wußte ich noch nichts von meinen Buch-Gewinn und war auch eine andere Veranstaltung.

„Die Stellung“ ist ein interessanter Roman, ganz anders als der Vorläufer der „Nachtigall“, leichter, lockerer, ein gekonnt geschriebener Familienroman, der in den Neunzehnhundertsiebzigern, genauer 1975 beginnt.

Da steht ein Buch in einem Haus in dem eine Familie mit vier Kindern lebt. Die Eltern haben es geschrieben, es ist ein Sex-Ratgeber der besonderen Art, probieren die Eltern dabei doch die verschiedensten Stellungen aus und wurden dabei von einem Zeichner festgehalten.

Das Buch der „Sex-Mellows“ wird im ganzen Land berühmt und die Eltern, ein aufgeklärtes Paar der Siebzigerjahre, lassen es im Bücherregal stehen, so daß die Kinder es entdecken können.

Sie reden nicht mit ihnen darüber, sondern überlassen es dem Zufall und das erste Kapitel des Buches schildert dieEntdeckung der Kinder, sechs, acht, dreizehn und fünfzehn Jahre alt mit diesem Buch.

Der ältere Bruder Michael wird es entdecken und holt seine Geschwister dazu und das soll, wie am Klappentext oder am Buchrücken steht, das Leben der gesamten Familie verändern, die weiteren zwölf Kapitel, die dreißig Jahre später spielen handeln davon.

Ich die ich ja in der „Brüderschaft“ vielleicht etwas Ähnliches beschrieben habe, meine, diese Veränderung ist nicht so umwerfend, obwohl es wahrscheinlich eine interessante  Idee ist, das Buch mit diesen Sexratgeber zu beginnen, aber drogensüchtig werden auch Kinder anderer Eltern, in der „Brüderschaft“, ist es die Esther, Jonas Tochter und homosexuel werden manche Söhne auch.

In der „Bruderschaft“, der Benjamin und dessen Freund Hanno bekommt eine Aidsdiagnose, der jüngere Sohn der Mellows wird Krebs bekommen und daran sterben und Claudia, die jüngste, die schon mit sechs und das finde ich ein wenig künstlich, darauf spart sich einmal einen Mann kaufen zu können, weil sie sich für häßlich hält, wird im Laufe des Buches ihr Glück finden, denn sie fährt dreißig Jahre später als Filmstudentin in den Ort zurück, wo sie 1975 lebte, sie will die Lehrer ihrer Schule interviewen und besucht auch das Haus und  freundet sie sich mit dem Sohn des Paares, dem es jetzt gehört, an und wird am Ende des Buches auch eine bevorzugte Stellung ausprobieren und mit David feststellen, so interessant, wie die Eltern taten, ist sie nicht.

Die Ehe der Eltern ist  kurz nach ihrem Ruhm zerbrochen, beziehungsweise hat sich die Mutter in den Zeichner verliebt und ihren Mann Paul verlassen, den sie vor zwanzig Jahren kennenlernte, weil er ihr Psychoanalytiker war.

Meg Wolitzer hat also interessante Themen und spielt im prüden Amerika vielleicht mit dem Feuer.

2005 soll das Buch wieder aufgelegt werden, die Mutter will es, braucht dazu aber die Zustimmung des Vaters und der verweigert sie zuerst, denn er ist, obwohl oder weil er schon in dritter Ehe lebt, immer noch gekränkt.

So schickt die Mutter Michael nach Florida, um seine Zustimmung zu holen und der hat auch ein Problem. Er ist nämlich depressiv, so nimmt er SSRI und jetzt kann er nicht mehr mit seiner Freundin Thea, einer Schauspierin, die gerade ein Stück über Freuds hysterische Patientin Dora probt.

Sie ist die Dora und wird sich während Michael beim Vater  ist, in ihre Partnerin verlieben und Paul ihretwegen verlassen. Am Ende des Romans ist der Sex-Ratgeber neuaufgelegt, beziehungsweise neu gemacht, denn jetzt posiert ein jüngeres Paar mit einem anderen Zeichner.

Paul und Roz sitzen aber einander trotzdem vor der Kamera gegenüber und fast alle Kinder sind gekommen, um mit den Eltern diesen Erfolg zu feiern, Michael, Claudia, Dashiell, nur Holly nicht, die brachte es nicht über sich herzufliegen, obwohl sich ihr Leben inzwischen auch normalisiert hat.

Sie nimmt keine Drogen mehr, ist mit einem Arzt verheiratet, Mutter eines kleinen Jungen, aber mit ihren Eltern will sie keinen Kontakt mehr aufnehmen. So feiern die Mellows ohne sie, das heißt die beiden Ehepaare gehen spazieren, während die Kinder, Claudia und Dashiell mit ihren Partnern, Michael allein in einer Sportbar sitzen und Dashiell erzählt, daß die Metastasen wiedergekommen sind und er nur ein paar Monate mehr zu leben hat.

Das hängt wahrscheinlich nicht mit dem Buch und mit der „Stellung“ zusammen, es ist aber für eine Psychologin, die noch dazu in Wien, der Stadt Sigmund Freuds lebt und die auch in den Siebzigerjahren studiert und ihre Erfahrungen gemacht hat, sicher ein interesantes Buch.

Die Berggasse 19 kommt darin vor, obwohl ich dieses Dora Kapitel, als eines der unnötigeren halte, hat mir diese Idee von diesen Sexratgeber sehr gefallen und ich denke, daß Eltern, die vielleicht wirklich einen Sexratgeber schreiben oder Pornofilme drehen, mit ihren Kindern darüber reden sollen.

Aber altersgemäß, eine Sechsjährige wird sich vielleicht noch nicht so sehr dafür interessieren, eine Fünfzehnjährige warhscheinlich schon.

Es ist aber sicher eine interessante Frage, was macht man im prüden Amerika, wenn man in den Siebzigerjahren so progtressive Eltern hatte?

Man kann die Frage aber auch anders stellen und sich erkundigen, wie es den Kindern geht, die in den Siebziger oder Achtzigerjahtre in der Mühl-Kommune aufwuchsen und da da gibt es auch Filme darüber.

Vor kurzem habe ich mit dem Alfred einen solchen gesehen.

2015-12-07

Der Circle

Jetzt komme ich langsam langsam zu den Geburtstagsbüchern des vergangenen Jahres und da zu einem sehr umstrittenen Bestseller, den es inzwischen als Taschenbuch gibt, so daß ich Freitags in der Mittagspause des „Jelinek-Müllers Symposiums“ bei „Kuppitsch“ etwa eine dreiviertel Stunde darin weitergelesen habe.

Nämlich Dave Eggers der „Cirkel“ ein Buch das von den einen mit George Orwells „1984“ verglichen wird, von den anderen für kitschig beziehungsweise, unliterarisch gehalten wird.

Mich, eine eifrige Bloggerin, die auch sehr viel Privates in mein literarisches Tagebuch hineinstellt, die sich politisch sehr engagiert, aber kein Handy und keinen Facebookaccount hat, hat das Buch natürlich sehr interessiert und ich muß sagen, ich bin begeistert und habe abgesehen von Anfangsschwierigkeiten, da war es für mich nicht ganz leicht, in das Buch hineinzukommen, sehr intensiv darin gelesen, einen ganzen Sonntagvormittag in der Badewanne, bis das Buch an den Rändern  schwarze Flecken von der schwarzen Buchhülle hatte, die mir zu Weihnachten 1972, glaube ich, eine Schulfreundin in der Straßergasse schenkte.

„1984“ habe ich auch gelesen, vor mehr als dreißig Jahren und es hat mich ebenfalls schwer beeindruckt und ich denke man kann die beiden Bücher nicht vergleichen oder doch vielleicht, wenn auch auf andere Art und Weise.

George Orwell war, habe ich gehört, durch den World war II, traumatisiert und wollte dagegen anschreiben und das, was er geschildert hat, war, was die technischen Möglichkeiten betrifft, sehr sehr weit von der Wirklichkeit von 1948 oder 1949, wo das Buch ja geschrieben wurde und erschienen ist, entfernt, wo es vielleicht gerade erst das Fernsehen gab, aber noch nicht überall, nach Österreich ist es erst in Fünfzigerjahren gekommen. Es spielt in dem Buch aber, glaube ich, eine große Rolle, denn dadurch werden die Menschen ja überwacht, aber kein Internet, kein Facebook, kein Google und kein Twitter.

Heute gibt es das alles und ich denke, daß das, was der „Circle“ schildert, das Buch spielt, glaube ich in der Zukunft, vom Technischen alles schon möglich und auch anwendbar ist.

Das, glaube ich, ist der Unterschied, daß von einer Wirklichkeit ausgegangen wird und was die angebliche mangelnde literarische Qualität betrifft, nun es ist kein experimenteller Roman und auch keiner der sprachlich sehr kompliziert angelegt ist, bei „Amazon“ habe ich, glaube ich, gelesen, daß alles so linear geschildet und sehr voraussebar ist.

Linear geschildert vielleicht schon, vorhersagbar finde ich gar nicht, gibt es da  ganz im Gegenteil ganz überraschende Wendungen und wenn ich mich nicht irre, ist das Konzept, glaube ich, schon nach dem großen Vorbild angelegt oder nachempfunden.

Da ist also Mae, eine junge Frau, die Psychologie studiert hat, eine Zeitlang in einem sehr altmodischen Betrieb gearbeitet hat und nun durch die Vermittlung ihrer Freundin Annie in den Circle kommt, das ist ein IT-Unternehmen, das Goolgle, Facebook, Twitter, etc aufgekauft hat und alle Accounts bzw. Passwörter vereint und so das Leben für die User einfacher und angenehmer macht.

Das ist überhaupt, die große Aufgabe des Konzerns, das Leben für alle angenehmer und die Menschen besser zu machen und so staunt Mae, die aus eher einfachen Familienverhältnissen kommt und durch ihr Studium hochverschuldet ist, über den Luxus, der auf dem Firmenareal herrscht.

Am ersten Tag darf sie gar nicht arbeiten, sondern wird von Annie und von anderen Cirklern herumgeführt, es gibt Luxusrestaurants, Animierprogramme, Therateraufführungen, Sportmöglichkeiten und auch Wohnheime, wo die Angestellten schlafen können, wenn sie Überstunden machen und nicht nach Hause gehen wollen und das alles kostenlos.

Dann wird Mae eingeschult, sie muß am Anfang irgendwelche Kundenprogramme betreuen und wird nachher gleich bewertet, das Ziel sind hundert Punkte, wenn man die nicht erreicht, muß man ein Follow up schicken und sein Ranking verbessern und von seinen Chefs wird man nur gelobt.

Trotzdem natürlich überwacht, so muß Mae gleich ziemlich viel unterschreiben, sie bekommt einige Computer in ihr Büro gestellt und wird am Anfang auch sanft gerügt, als sie am Abend nach Hause, beziehungsweise zu ihren Eltern geht, ihr Vater hat Parkinson und Schwierigkeiten mit der amerikanischen Sozialversicherung, die seine Behandlung nicht bezalen will und dadurch die sozialen Programme versäumt, so hat ein Mitarbeiter sie zum Beispiel eingeladen zu seinem Abend zu kommen, sie hat das nicht beachtet, der ist tief gekränkt und sie muß sich entschuldigen.

Mae ist aber ehrgleizig und arbeitet an ihrem Sozalprogramm, so steigt ihr Wert nach und nach im Ranking und bei der gesundheitlichen Untersuchung bekommt sie gleich einen Chip eingeplanzt, damit alle ihre Werte offen sind, denn das sind die Werte der Cirkler „Transparenz“.

„Eigentum ist Diebstahl“ „Heilen ist Teilen“, aber das sind Maes eigene Worte und die wird sie erst viel später sagen, wenn sie schon bald eine kleine Kamera um ihren Hals geschnallt hat, um alle ihre Schritte aufzunehmen.

Erst einmal lernt sie bei den diversen Parties zwei interessante Männer kennen, Francis mit einer schwierigen Kindheit, der an einem Programm arbeitet, wo Kinder Chips implantiert bekommen, damit sie vor Gewalt und Entführungen sicher sind, denn nur darum deht es im Cirkle und Kalden, das ist ein seltsamer Typ, unauffindbar, schon alt, mit grauen Haaren, die Cirkler sind alle jung und dynamisch, so daß Annie in ihm bald einen Spion vermutet.

Einen dritten Mann gibt es auch noch, Mercer, das ist ihr Juendfreund, aber der will von ihr bald nichts mehr wissen, als sie seine Luster aus Hirschgeweih, die er erzeugt, ohne sein Wissen online stellt und sich die Follower bei ihm melden, denn Mercer ist in diesem Punkt ein wenig altmodisch und lange nicht so internetaffin wie Mae.

Als aber Francis, die Liebesnacht, die er mit ihr verbringt, online stellt ist sie wieder entsetzt und verlangt die Löschung, aber das geht in einem Konzern wie dem Circle nicht, der von den drei Weisen gegründet Bailey, Stanton und Ty, gegründet wurde.

Mit Bailey kommt sie bald in Kontakt, zuerst einmal führt Annie sie in sein Büro, das darf aber niemand wissen. Aber das geht in diesem Konzern auch nicht, denn „Privatheit ist ja Diebstahl an der Information für die Allgemeinheit, wo alle alles wissen sollen, um davon zu profitieren und so bekommt Mae bald ein kleines Problem.

Sie ist nämlich eine leidenschaftliche Kanufahrerin, gibt das in ihrem Account aber nicht an und als sie eines Abends spät von ihrem Eltern kommt und sich ein Boot ausborgen will, ist der Verleih schon verschlossen.

Sie findet aber ein zu spät zurückgegebenes Boot, borgt es sich einfach aus und wird beim Zurückkommen schon von der Polizei erwartet. Denn der Konzern hat inzwischen überall Überwachungskameras installiert und Maes Handy hat das, glaube ich, auch gemeldet.

Die Besitzerin kennt Mae zwar und sagt „Kein Problem!“, der Konzern weiß es aber sofort und Mae wird von Bailey zur Rede gestellt und gehört in weiterer Folge zu den ersten transparenten Mitarbeitern, die mit einer Kamera, um den Hals fortan herumlaufen.

Die Politiker tun das bereits und die, die sich weigern oder sogar von „Überwachung“ sprechen, werden kurz darauf als Drogenhändler oder Pornographen entlarvt.

Mae beginnt den ganzen Konzern zu filmen und ihren Usern alles zu zeigen und wenn sie mit Annie oder auch mit Kalden allein sprechen will, muß sie sich aufs Klo zurückziehen, denn nur dort darf man die Kamera ausschalten.

Das wollen meist die anderen, Mae nicht, denn die ist von der Wundertätigkeit des Konzerns, ihr Vater ist inzwischen auch mitversichert, überzeugt und schlägt bei einem Meeting auch vor, daß alle einen Zwangsaccount bekommen sollen, denn nur so können alle wählen, ihre Meinung sagen und man kann den Staat viel Geld ersparen.

Alle sind begeistert, außer Kalden und Mercer, die Mae warnen und von ihr  eine Umkehr wollen.  Sie schlägt die Warnungen in den Himmel und hat nur ein Problem, als bei einer öffentlichen Abstimmung und der Frage „Ist Mae Spitze?“, das nur 97% smilten.

Sie tat das natürlich auch nicht, aber wer sind die bösen anderen? Das kostet sie ein paar schlaflose Nächte, bis Francis ihr erklärt, daß sie das ganz leicht erherausfinden kann, denn im Konzern ist  alles öffentlich und mit ihrer Freundin Annie gibt es auch Probleme, denn die, eine Nachfahrin der Mayflower-Generation, also aus ganz blauer Familie, ist die Testperson in einem Programm, die die Vergangenheit erforscht und eigentlich hätte Mae das machen wollen.

Es endet aber ohnehin nicht gut für Annie, stellt sich doch heraus, ihre Vorfahren waren Slavenhändler und der Vater und die Mutter sind ihrer Jugend nackt herumgelaufen und einem Ertrinkenden haben sie auch nicht geholfen.

Mit Annie geht es also abwärts, dafür mit Mae aufwärts, als sie demonstriert, wie einfach es ist, einen Menschen auszuforschen. Zuerst wird das an einer Kriminellen demonstriert, dann beginnt sie aber Mercer zu suchen, der vor dem Konzern in den Wald geflohen ist und treibt ihn dadurch in den Tod.

„Das macht nichts!“, sagt Bailey.

„Er war psychisch krank und wollte sich nicht helfen lassen und mit einem selbstfahrenden Auto, das der Konzern wahrscheinlich bald erzeugen wird, wird das auch nicht mehr passieren!“

Inzwischen werden noch Haifische gefüttert, um die Überlegenheit des Stärkeren zu demonstrieren und dann entpuppt sich Kalden als einer der Drei, der von seinem eigenen Programm erschrocken, Mae um Hilfe bittet. Sie weigert sich aus Loyalität zu dem Konzern, aber keine Angst, Ty oder Kalden wird nichts passieren.

Er darf in der Firma mit einem Büro ohne Aufgabe und Funktion als Berater verbleiben, denn die Firma ist ja menschenfreundlich und will für alle nur das Beste.

Das unterscheidet den Roman wahrscheinlich von „1984“, das nichts „wirklich Böses“ in ihm geschieht, außer daß Haifische Seepferdchen fressen, was sie aber im wirklichen Leben wahrscheinlich auch tun und die Menschen glücklich sind, weil sie mit Chips herumlaufen und ständig voten können sollen und dürfen.

Wie gesagt, im wirklichen Leben gibt es die Möglichkeit zu all dem, wahrscheinlich schon. Aber es muß keiner ein Handy und einen Facebookaccount haben, obwohl auch das immer schwieriger wird und man immer wieder davon hört, wie gerne und wie weit wir selber unsere Freiheit aufgeben und uns zu gläseren Menschen machen lassen.

So ist der Roman sicherlich ein Spiegel und eine spannende Geschichte, die aufzeigt, was alles passieren und wie leicht das alles entgleiten kann und ich denke, jeder der sich dafür interessiert, sollte ihn lesen und darüber nachdenken, wie weit man gläsern werden und sich Chips, etc, implantieren lassen will.

Ansonsten ist es ein Roman der Jetztzeit und vielleicht auch eine Satire, des 1970 geborenen Dave Eggers, von dem ich inzwischen auch „Ein Hologramm für den König“ in den Bücherschränken gefunden habe.

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