Literaturgefluester

2018-01-06

Der Weg nach Los Angeles

Filed under: Bücher — jancak @ 00:12
Tags: , , ,

Jetzt kommt das letzte Rezensionsexemplar von der 2017-Leseliste, die anderen Bücher, die ich von dort auf 2018 verschoben habe, waren die Geburtstagsbücher und eines, wie ich fast pathetisch sagen könnte, von den Jahresbüchern, denn es hat mich, obwohl ich ja nicht soviel von den großen Amerikanern halte, sehr beeindruckt und dabei habe ich von dem 1909 geborenen und 1983 verstorbenen John Fante, glaube ich, erst durch Charles Bukowkis Buch „Über das Schreiben“ erfahren.

Jetzt ist das Buch, das in Los Angeles 1935/35 vom fünfundzwanzigjährigen Autor geschrieben wurde und das erst 1985 erschienen ist, weil damals ein Buch mit diesem frechen Tonfall, wie man sagen könnte, niemand drucken wollte, von Alex Capus übersetzt bei „Blumenbar“ herausgekommen und es hat mich, wie geschrieben, sehr beeindruckt, was wohl daran liegen könnte, wie Capus in seinem Nachwort schreibt, daß das Buch, das ja jahrzehntelang in der Schublade lag und nur die ersten Seiten von seinem Autor gekürzt wurden, unlektoriert veröffentlicht wurde und wenn ich unken würde, würde ich sagen, man merkt es an der Kraft und ich versuche mir gar nicht vorzustellen, was passiert wäre, wenn die Lektoren daran herumgestrichen hätten.

Alex Capus hat es, wie er schreibt ein bißchen getan und ein paar Fehler ausgemerzt und am Klappentext steht etwas, wie, daß man  den achtzehnjährigen Aturo Bandini, den Protogonisten und Alter Ego, des Autos ob seiner arroganten Grobschneuzigkeit lieben wird.

„Bookster“, der das Buch auch schon gelesen hat, meint, daß Bandini ihm sehr unsympathisch war und ich wundere mich  fast ein bißchen, daß ich das nicht auch schreibe, denn ich bin ja gegen die Gewalt, aber auch wenn mir das mit dem Krabbentöten zu  viel ist, kann ich das hier geschilderte psychologisch nachvollzuziehen und finde,  ist es ein großartiges Buch, das in einer ziemlichen Ehrlichkeit aufzeigt, wie das Aufwachsen in einem Vorort von Los Angeles in den Neunzehndreißigerjahren des vorigen Jahrhunderts so war.

Über das Leiden der mittelalten deutschen Männer habe ich in den letzten Jahren ja sehr viel gelesen und es ist immer das gleiche, dieser Arturu Bandini zeigt aber, glaube ich, sehr sehr stark die Widersprüchlichkeit der jugendlichen Seele auf und  übertreibt natürlich sehr dabei, hat er Psychologin aber sehrgefallen und „Hasenherz“ habe ich, glaube ich, ähnlich stark empfunden.

Interessant ist dabei auch, daß ja auch John Updike, wie auch John Fante noch Folgebande mit dem selben Protagonisten hat, die ich nicht gelesen habe, würde aber fast vermuten, daß ich die dann nicht mehr so stark empfinde. Mal sehen, ein paar sind ja schon bei „Aufbau“ erschienen, vielleicht kommen sie noch zu mir.

Ich weiß nicht, ob die deutsche Übersetzung, die gekürzte oder die ursprüngliche längere Fassung ist, wenn es die längere ist, wäre ich für die Kürzung und meine, daß das Buch stimmiger wäre, wenn es gleich mit dem sich Einsperren in den Kleidnerkasten beginnt und das paarmalige Stellenschmeißen weggelassen  würde, weil dann ja ohnehin die Arbeit in der Fischfabrik beginnt.

Da is also Arturo Bandini, ein achtzehnjähriger Junge, Sohn italienischer Einwanderer, der mit seiner Mutter und seiner sechzehnjährigen Schwester, die er bigott, katholisch und die „Nonne“ nennt, in einem Vorort von Los Angeless lebt. Er ist rotzfrech und wohl das, was man „himmelhoch jauchzend und zu Tode betrübt nennt“, überschätzt sich ständig, nennt sich den großen Bandini und ist dann wieder voll verstört und muß sich übergeben, als er in die Fischfabirik eingeführt wird, aber davon erst später.

Erst wirft er mit seiner frechen Schnaute ein paar Hungerjobs weg, geht dann in die Biblsiothek zu der schönen oder auch häßlichen Miss Hopkins, der er natürlich auf die Beine schaut, borgt sich von ihr Nietzsche, Schopenhauer und Spengler aus. Liest die Bücher ohne sie zu verstehen, zitiert deren geschraubte Sprache aber ständig und irgendwann kommt ihm auch die Idee der großte Schrifjtsteller auf Erden zu werden. Dazu kauft er sich einNotizbuch und schreibt dann Sätze hinein wie:

„Eine moralisch-philosophische Dissertation über Mann und Frau von Arturo Bandini

„Nur der schwache Mann begeht die böse Tat, wieso sollte er aber schwach sein. Es ist besser stark zu sein als schwach, denn Schwäche bedeutet Mangel an Kraft. Vermeide Schwäche, auf, daß du stark werdest. Schwäche verzehrt das Herz des Weibes. Stärke  nährt das Herz des Mannes. Willst du zum Weibe werden? Wohlan, dann werde schwach. Es lebe die Stärke! O Zarathustra, schenke deinen Weibern Schwäche! O Zarathusra schenke deinen Männern Kraft! Nieder mit der Frau! Es lebe der Mann!“

Und zu seiner Schwester Mona hat er Sätze, wie „Nenn mich nicht Trottel, du Neurose! Du verklemmte frustrierte, sabbernde, geifernde Halbnonne!“, gesagt.

Vorher hat er sich aber in dem Kleiderkasten, des offenbar einzigen Zimmers der Wohnung, seines Studierzimmers, wie er das nennt, eingesperrt und sich dort mit „seinen Frauen“, die aus Zeitungen ausgeschnitten hat, beschöftigt. Die zerstört dann in einem Anflug an Größenwahn, um es dann gleich wieder zu bereuen.

Himmelhoch jauchenz und zuTode betrübt, wie man merkt und ein Luftgewehr hat er sich auch gekauft, um damit, die Krabben, die er am Wege findet zu töten.

Da würde ich „Halt!“, sagen, sonst erscheint mir der jugendliche Ungestüm aber sehr authentisch. Das Schneiden und das Ritzen, um sich zu spüren und sich den Daumen abbeißen,, was man heute „Borderline“ nennt,  kommt auch vor. Die Schwester, die offenbar gesünder ist, nennt ihn dann herablassend „Spinner!“ und lacht  über sein Erstlingswerk und nennt es „doof“, während die Mutter sich in mütterlicher Liebe windet, es des Sohnes wegen, großartig findet, dann aber gesteht, daß es ihr der Katholikin viel zu unmoralisch ist.

Es kommt auch der Onkel Frank, der die Familie unterstützt und verschafft dem Neffen eine Stelle in einer Fischfabrik. Da wird auch sehr köstlich beschrieben, wie der große Arurto, sich großspurig aufbäumt und sagt, er tue das alles nur, weil er eine Studie über die Bedingungen in einer Fischfabrik schreiben will. Ja, er ist sogar vom Präsidenten dorthin gesandt worden. Dann steht er am Fließband, um die Konserven zu ettiketieren, für fünfundzwanig Cent in der Stunde soll er das tun und speibt sich an.Von den Kollegen, den Filippos, Japanern und Mexikanern, die er verächtlich „Nigger!“, nennt, wird er dann gehänselt. Sie stecken ihm auch einen Fisch in die Hose und nehmen ihm dann nicht sehr ernst.

Er bleibt auch nicht lange dort, denn er hat eine Frau in einem lila Mantel gesehen, ist ihr gefolgt und beginnt dann in dieser Erleuchtung seinen ersten Roman, den, den die freche Schwester dann „doof“ nennt und sich vor Lachen überkugelt, zu schreiben.

Diese Szenen habe ich als sehr rührend empfunden und als der Chef ihn zu sich holt, weil er das am Klo tut, lügt er vor, die Mutter wäre sterbenskrank, so daß er zu ihr geschickgt wird und im Park weiterschreiben kann.

Er greift dann auch die Schwester an, stiehlt der Mutter den Ehering und  anderen Schmuck, verkauft ihn, um hundert Dollar bei einem Pfandleier und geht dann los nach Los Angeles um ein Schriftsteller zu werden.

„Mit  dem Koffer in der Hand ging ich hinunter zum Bahnhof. Ich musste zehn Minuten warten, bis der Mitternachtszug nach Los Angeles fuhr.  Ich setzte mich hin und dachte über den neuen Roman nach.“

So endet das Buch und John Fante füge ich hinzu, wird das 1935 oder 36 wohl auch so getan haben und seinen ersten Roman dann dort an einige Verlage geschickt haben, die ihn als undruckbar  zurückschickten, so daß er erst nach seinem Tod erscheinen konnte, nachdem Charles Bukowski erklärte „John Fantes Romane gehören zum Besten, was die amerikanische Literatur je hervorgebracht hat.“

Advertisements

2016-08-24

Licht im August

Bevor es mit dem „Buchpreis-Lesen“ weitergeht, noch ein Buch aus meiner Leseliste, das „Atalante“, als hervorragendes Mittel, gegen die „Buchpreis-Bulimie“ empfieht und der 1897 in Missisipi geborene William Faulkner, der 1962 dort gestorben ist und 1949/1950 den Nobelpreis für Literatur bekam, hat 1932 einen Roman geschrieben, der 1935 bei „Rowohlt“ auf Deutsch erschienen ist, den ich zweimal im Bücherschrank fand.

Das eine Mal fehlten, glaube ich, ein paar Seiten und das andere hätte ich jetzt fast schon von meiner Leseliste gestrichen, da ich ja nicht ein so unbedingter Fan der großen Amerikaner bin.

Des Titels wegen habe ich es drin geleassen, da ich ja gerne etwas mit Bezug lese und jetzt sogar meinem Vicki Baum- Schwerpunkt, den ich noch immer vor mich herschiebe, vorgezogen.

Mit Recht, denn es ist ein großartiges Buch, wenn ich auch gar nicht so genau warum sagen kann, denn eigentlich ist es mit seinen einundzwanzig Kapitel ein wenig langatmig. Es erzählt auch nicht sehr viel und das, um was es geht und warum es wahtrscheinlich auch als so großartig gilt, wird nur angedeutet.

Es ist die Stimmung wahrscheinlich, die erzählt wird oder, die das Erzählte auslöst, denn auf einmal ist man mittendrin im Sumpf des Südstaatenamerikas der neunzehnhundertdreißíger Jahre, wo der Alkohol verboten war und man daher vom Schwarzhandel lebte, sich alles um eine bigotte Frömmigkeit dreht, der Sex verboten ist, obwohl dann die schwangeren jungen Frauen herumlaufen, die verschämt Missis genannt und hinter ihrem Rücken getuschelt wird und es ist vor allem, ein Amerika der Rassentrennung, wo die Weißen von den Schwarzen nichts wissen wollen und sie trotzdem brauchen und auch das deutet Faulkner nur an, das heißt er beschreibt einfal das Nebenander der Neger und der Weißen, ohne besonders viel zu werten und zu kommentieren

Ja, ich habe noch ein altes Buch gelesen, 1972 erschienen, wo das noch so drin steht und  dem Wort „Niger“, das damals wohl schon ein Schimpfwort war, gegenübergestellt wirde, während „Neger“ wohl der normale Sprachgebrauch war.

Inzwischen gibt es eine neue Übersetzung, die übera2ll gelobt wird und mich würde da interessieren, ob man hier, wo wohl „Farbige“ „Schwarze“ oder „Afro-Amerikaner stehen wird, der gleiche Effekt erreicht wird, denn für mich war es gerade der Sprachgebrauch, daß ich mir den Kleinstadtmiff so gut vorstellen konnte.

Bei Harper Lee, deren verschollenen Erstling, ich kurz vor ihrem Tod vor Weihnachten gelesen habe, gibt es eine ähnliche Stimmung und Grace Metallious beschreibt wohl ähnlich direkt, obwohl es hier, so weit ich mich erinnern kann, nicht so sehr, um die Rassenfrage geht.

„Seit Henry James hat kein Schriftsteller ein so großes und dauerndes Denkmal für die Kraft der amerikanischen Literatur hinterlassen“, sagte laut Buchrücken John F. Kennedy und bei „Amazon“, wo man sich auf die Neuübersetzung bezieht, wird Barak Obama zitiert.

In meinem Buch hat der Vorleser: „Eine Lüge, die ein Leben trägt ist besser als eine Wahrheit, die ein Leben zerstört“, hineingeschrieben und ich weiß jetzt gar nicht so genau, was er damit meint, denn William Faulkner arbeitet sehr viel mit Symbolik, deutet an, verwendet Metaphern, so daß vieles, wenn man es eins zu eins betrachtet unlogisch erscheint, während es wohl insgesamt das dichte Nobelpreisbild ergibt, was meine Meinung über die großen Amerikaner revidiert. Hendry James halte ich aber eigentlich auch nicht für einen so tollen Schrifftsteller, zumindest habe ich mit der „Dame von Welt“ nicht so viel anfangen können.

Also da wandert eine hochschwangere junge Frau, Lena Grove mit Namen tagelang von Alamba, in den Süden auf der Suche nach ihren Kindesvater, Lucas Burch, von dem man ihr erzählte, daß er in Jefferson in einem Sägewerk arbeitet.

Das ist allerdings eine Verwechslung, der in dem Sägewerk heißt Byron Bunch. Lucas Burch ist zwar auch da, nennt sich aber Brown und ist ein ziemlicher Widerling von Mann, obwohl er hübsch aussieht. Lena begegnet bei den Kleinstadtweißen durchaus hiflsbereite Menschen, wird mit einem Wagen mitgenommen, ein Farmerin gibt ihr ihr Ersprartes, so daß sie sich eine Büchse Sardinen kaufen kann und Lena wird, als schweigsamme, unbeirrte Frau geschildert, die ihren Weg dahingeht und in die Kleinstadt Jefferson kommt.

Das Buch heißt so, habe ich, wo gelesen, weil es 1932 im August spielt und das tut es auch auf einer Ebene, nämlich auf der,  in der Lena nach Jefferson kommt, ihren Kindesvater sucht, das Kind gebiert und mit Bunch wieder wegzieht.

Dazwischen passiert noch ein Mord, da wird eine alte Jungfer, die sie sich für das Recht der Schwarzen einsetzt und ihre Schulen sozusagen als Supervisorin betreut von einem Dreißigjährigen namens Christmas, der in einer ihrer Hütten lebte, ermordet und dann gibt es wieder ellenlange Kapitel, die von jenen Christmas oder Joe Mc  Eachern, wie er nach seinem Adopivvater heißt, erzählen.

Christmas heißt er, weil er ein Waisenkind ist und zu Weihnachten vor die Schwelle des Waisenhauses gelegt wurde. Dann belauscht er die sexuallen Handlungen der Wirtschafterin mit einem jungen Arzt und wird zur Adoption freigegeben. Es ist auch noch die Rede, ob er nicht in ein Waisenhaus für Scharze kommen soll, denn er wird von den Kindern und der Wirtschafterin als „Neger“ oder „Niger“ beschimpft. Das schwarze Blut in ihm scheint auch seine Besessenheit zu sein, denn offenbar ist ihm das gar nicht anzusehen, wird aber ständig so beschimpft. Vielleicht auch eine Symbolik von William Faulkner,  mit der er die Situation beschreibt, die für außerhalb der Südstaaten lebende möglicherweise gar nicht so nachvollziehbar ist.

Er verläßt jedenfalls mit Achtzehn den Adoptivvater, einen bigotten Christen, der den Jungen oft genug prügelt. Christmas bestieht ihn auch, beziehungsweise seine Adoptivmutter, die eigentlich zu ihm hält, sich gegen ihren Mann aber nicht durchsetzen kann.

So kommt er in eine Hobelwerkstatt nach Jefferson, wohnt bei Joanna Burden in ihrer Negerhütte, hat auch ein sexuelles Verhältnis mit ihr, die für ihn kocht und ihn zu ihrem Nachfolger heranbilden will und von ihm, kurz vor ihrer Menaupause, wie bei „Wikipedia“ steht, auch schwanger wird. Als sie ihm zum beten zwingen will, schlägt er ihr den Kopf ab und zündet das Haus an und wird von Lucas Burch oder Brown, der mit Joe Christman in der Hütte lebt und illegal Whiskey verkauft wegen der tausend Dollar Belohnung verraten.

Es gibt noch einige andere seltsame Gestalten in dem Roman. So den Geistlichen Hightower, der in seiner eigenen Welt, beziehungsweise in den Bürgerkriegserlebnissen seines Großvaters lebt und daher übersieht, daß er von seiner Frau betrogen wird, die sich in einem Hotelzimmer in einer anderen Stadt in Anwesenheit eines Freiers aus dem Fenster stürzt. Deshalb verliert er sein Amt, weigert sich aber die Stadt zu verlassen und sitzt seither am Fenster und sieht hinaus, wird aber von Byron Bunch, der irgendwie auch seltsam ist, regelmäßig besucht.

Der verliebt sich sofort in Lena, die aber nichts von ihm wissen will, bringt sie in der Negerhütte unter, wo sie das Kind gebiert. Christmas Großeltern, die plötzlich, nachdem der geflüchtete Chrismas gefangengenommen wurde, auftauchen, helfen ihr dabei.

Christmas wird von einem eifrigen Polizizist erschoßen, Lucas  Burch, der durch Byron Bunchs Vermittlung mit ihr sprechen soll, haut ab, als er die Schwangere mit dem Kind sieht und so verlassen am Ende Lena, das Kind und Byron Jefferson und die Kleinstadt mit ihren Verirrungen und Verwicklungen, wo die Negerfrauen nachts durch die Hintertüren in die Häuser der Verlorenen schleichen und ihnen Essen bringen, das aus den Küchen der weißen Familien stammen, in denen sie Köchinnen sind, bleibt zurück.

Inzwischen wird sich auch dort sehr viel verändert haben oder trotz des farbigen Präsidenten, dessen Amtszeit jetzt ja bald ausläuft, eigentlich wieder nicht so viel, wenn man von den Unruhen und Demonstrationen liest, die ausgelöst werden, weil weiße Polizisten noch immer sehr schnell farbige Jugendliche erschießen, die sich das nicht gefallen lassen wollen.

Ein sehr interessantes Buch mit einer sehr dichten eindrucksvollen Stimmung, die zum Nachdenken anregt. Es soll das am leichtestens zu lesende Buch von William Faulkner, von dem ich sonst noch nichts gelesen habe, sein und mich würde interessieren, wie es den Lesern der Neuübersetzung geht? Vielleicht mag mir ein solcher einen Kommentar hinterlassen.

2016-07-08

Der Sommer ohne Männer

Mein heurigen Sommerbuch, der 1955 in Minnesota geborenen Siri Husvedt, Ehefrau von Pau Auster, von der ich die „Zitternden Frau“ und, ich glaube, noch etwas gelesen habe, habe ich vor ein paar Jahren um Weihnachten bei einem Abschlußverkaufs in St. Pölten bekommen.

Siri Husvedt, die sich in ihren Arbeiten, sehr auf Psychologisches zu beziehen scheint, schreibt darin von der Mitfünfzigerin, Mia, einer Schriftstellerin, die von ihrem Ehemann plötzlich eine „Pause“, wegen einer seiner Assistentinnen, wie Siri Husvedt ironisch schreibt „verordnet“ bekommt.

Das stürzt sie in eine Krise, bringt sie in die Psychiatrie, sowie zu einer verständnisvollen Therapeutin, so daß sie daraufhin beschließt, ihren Sommer bei ihrer Mutter und deren gleichaltrigen oder älteren Freuninnen zu verbringen, sowie einen Literaturkurs zu geben, der von sieben Schülerinnen besucht wird.

Sie gibt ihnen die Aufgabe über die „Grauslichkeiten“ und ihre Widersprüche zu schreiben, führt selbst ein Sextagebuch in dem sie ihre Vergangenheit erforscht, freundet sich mit ihrer Nachbarin und ihren zwei kleinen Kindern an und bekommt seltsame Briefe von einem Mister Niemand, der vielleicht, wie sich herausstellen wird, eine Missis ist.

Die Schülerinnen beginnen Alice, weil sie ein bißchen anders, eine Streberin oder so, zu mobben, werfen ihre blutige Binde voll Abscheu auf den Tisch, fingieren ein Date und die Lehrerin, die von ihrer Tochter Daisy inzwischen aufmunternde Briefe bekommt, das Dad schlecht aussieht und von seiner Pause weg ins „Hotel“ gezogen ist, veranstaltet in der Schreibgruppe zuerst ein Rollenspiel, dann wird ein gemeisamer Text verfaßt, mit dem alle leben können.

Eine der mütterlichen Freundinnen wird auf die „Alzheimer-Station“ abgeschoben, die andere erleidet einen Schlaganfall und Boris beginnt schließlich Briefe zu schreiben, in dem er seine Änderung gelobt und sieben Punkte anführt, die er in Zukunft beachten wird, von besser kochen und im Kühlschrank nachzusehen, ob auch genügend Milch da ist, das er Mia immer lieben wird, was ihr das wichtigste ist,  am Schluß kommt er selbst und die Midlife- oder Krise des die des Älterwerdens  ist überstanden und das Leben geht weiter bis in den Tod…

Einen theoretischen Excurs über das Geschlechterverhältnis und, ob Frauen denken können, gibt es auch und das ist es was die „Amazon-Leserinnen“ an dem Buch beanstanden, der fortwährende Excurs in die Psychologie-Psychiatrie und die Verwendung der entsprechenden Fachausdrücke.

Mich, die ich ja in der Psychologie zu Hause bin, stört das weniger, als Roman würde ich den „Sommer ohne Männer“ trotzdem nicht bezeichnen und eigentlich auch nicht als ein Sommerbuch.

Es ist ein Excurs über das Leben und da,s was einer Frau zwischen fünzig und sechzig so passiert, der Mann betrügt sie vielleicht, die Mütter werden alt und sterben, die Töchter flügge,  die jungen Ehefrauen werden vieleicht auch schon von ihren Männern betrogen oder geschlagen und die Kinder weigern sich zu sprechen oder tun das mit Phantasiefiguren, während es bei den Pubertierenden ADHD Verdacht gibt und die halbe Klasse Ritalin schluckt.

Ja, das Buch spielt in Amerika und wurde von einer amerikanischen Schriftstellerin geschrieben, so kommt der Sex natürlich vor und Dr. Freud.

Daß die Mädchen ihre Binden heutzutage noch in der Klasse verlieren, halte ich eher für anachronistisch, mir ist das, glaube ich, mal passiert, da werden wohl eher falsche Nackfotos und Hasspostings ins Facebook gestellt.

Im Writerstudio habe ich gelernt, daß solche Romane wohl mehr Personal Essays oder literarisch aufbereitete Memoirs sind. Noch etwas kommt bei Siri Hustvedt, der Frau eines berühmten Schriftstellers hinzu. Sie kommuniziert auch mit ihren Leserinnen, spricht sie an, gibt Ratschläge, etcetera. Das Ganze ist auch eher zusammenhanglos in kleinen oder größeren Minitaturen, die manchmal nur ein paar Sätze lang sind, geschrieben.

Zeichnungen gibt es auch und so könnte man sagen, daß ich ein interessantes künstlerisch aufgearbeitetes amerikanisches Buch über das Leben und, das was einer Frau zwischen fünzig und sechzig so passiert und in abgewandelter Form, mein Mann hat mich nicht verlassen und kauft die Milche und die Orangen auch regelmäoig sein, auch mir passierte.

2016-02-13

In einer Person

Jetzt kommt ein Einschub auf meiner Leseliste, nämlich John Irvings, 2012 erschienener Roman, „In einer Person“, als Recherchelektüre zu „Paul und Paula“ und interessant, es ist nicht der erste Irving, den ich mir zum Vorbild nehmen wollte, denn als ich, lang lang ists her, die „Globalisierungsnovelle“ geschrieben habe, wo es um den Verkauf einer Niere geht, ist gerade „Die vierte Hand“ erschienen.

Sehr viel hat mir die Sprachgewalt des 1942 geborenen John Irvings, den ich inzwischen für einen Mainstreamschriftsteller hielt und von den Amerikaner, die ewig über ihren Sex schreiben, halte ich bekanntlichermaßen auch nicht so viel, glaube ich, nicht geholfen. Das lag aber wahrscheinlich auch an mir und meiner damaligen Gehemmtheit.

inzwischen habe ich, auch durch das „Literaturgeflüster“ meine schreiberischen Hemmungen ziemlich verloren und von John Irving habe ich inzwischen „Witwe für ein Jahr“ und „Laßt die Bären los“, gelesen, das war einmal Buch bei der „Eine Stadt-ein Buch-Aktion“ und da bin ich über die fürchterliche Übersetzung gestolpert, die, glaube ich, so schlimm war, daß ich als es, um Wien und den Bürgerkrieg oder die Okkupation der Nazis ging, nichts mehr verstanden habe.

Bei dem Buch ist mir nichts negativ an der Übersetzung aufgefallen und ich habe mich jetzt ein paar Tage lang, nachdem es mir, als sehr sehr gut, empfohlen wurde, eingelesen und war die ersten hundert Seiten lang nicht so davon überzeugt, beziehungsweise brauchten ich oder John Irving, die wahrscheinlich, um in das Buch hineinzukommen, denn da wird das Leben eines genau, wie der Autor, 1942 geborenen Mannes, in allen seinen Details erzählt.

Der, William Abbot, wächst in einem First Sister genannten Städtchens in Vermont auf und ist, glaube ich, dreizehn als das Buch beginnt und er sich in Miss Frost,  die Bibliothekarin des Ortes, verliebt, die ist viel älter, hat einen kleinen Busen und breite Schultern und, weil er sich in sie verliebt, will er auch Charles Dickens zweimal lesen und in dem Örtchen, beziehungsweise an seiner Schule, wird auch sehr viel Shakespeare gespielt.

Er ist der Sohn, der Soffleuse, seinen Vater, Franny Dean kennt er nicht wirklich, denn der ist schon nach oder vor seiner Geburt verschwunden, die Mutter zog ihn allein auf, tut sich dann aber mit einem Lehrer, namens Richard Abbot zusammen, der auch den Schülern Shakespeare beibringen soll.

Das geschieht in etwa auf den ersten hundert Seiten, dazwischen geht es gelegentlich nach vor, zu der Europareise, die William oder Bob nach seinem Schluabschluß mit seinem Mitschüler Tom Atkins  macht, geht vielleicht noch ein bißchen nach vor, zu der Zeit, wo er in Wien studierte, auch das hat sein Autor so getan und dort auch einige Romane geschrieben oder spielen lassen oder nach Hamburg, wo Bill schon als Schriftsteller mit der Transexuellen Donna in ein eher mieses Transvestitenlokal geführt wird.

Interessant an diesen Theateraufführungen ist  auch, daß die meisten Frauenrollen von Männern gespielt werden. Nun gut, die Schuler waren in den Fünfziger und Sechzigerjahren noch getrennt, aber auch sein Großvater Harry, der in fast jeden Stück mitspielt, spielt weibliche Rollen und nach dem Tod der Großmutter trägt er  nur noch ihre Kleider.

Ein großer Teil des Buches spielt 1960, da ist  Bill gerade achtzehn und liebt noch immer Miss Frost, die sowas, wie die Romantherapeutin für die örtliche Schuljugend ist, das heißt, falsch, soviele Jungen aus der Schule, gehen nicht in die städtische Bibliothek, aber Bill, in Miss Frost verliebt, tut es.

Sie empfiehlt ihm „Giovannis Zimmer“ und nimmt ihn in den Keller und in ihr Stahlbett mit. Sie betreibt dort mit ihm „Schenkelsex“ und er erkennt, daß sie einmal ein Mann war. Aber wieder falsch, das findet er heraus, weil er noch ein anderes Hobby hat. Er durchforstet nämlich die Jahrgänge der Schulabgänger und im Buch von 1935 findet er einen Albert Frost, einen Ringer. Die Familie findet inzwischen das skandalöse Buch und auch den BH, mit dem der bisexuelle Bill  onaniert und schickt den Großvater in die Bibliothek.

Die Bibliothekarin wird entlassen, die Mutter ist entsetzt und Bill geht mit seinem Freund Tom auf Europareise, der ist auch ein wenig seltsam, aber in Bill verliebt.

Der liest ihm „Madame Bovary“ vor, weil ihm das Miss Frost empfohlen hat und Tom ist eifersüchtig,  weint und windet sich am Klo. Nun ja, später wird Bill in Wien mit der Sängerin Esmeralda, die an der Staatsoper fast einmal auftreten durfte, sich das aber selbst vermasselte, weil an diesem Tag Kennedy ermordet wurde, Vaginalsex haben und er hat noch viele Begegnungen mit Männern und Frauen und noch von der Schule eine Freundin, Elaine, die von seinem Erzfeind Kittredge geschwängert wurde.

Ein bisschen verwirrend und schwierig, das alles wiederzugeben und dann kommen wir in die Siebzigerjahre.

Bill ist Schriftsteller geworden, lebt mit und ohne Elaine in New York und erlebt, wie alle seine Freunde nach und nach an Aids sterben.

Er hat aber, als er noch Schüler war und bei seinem Albumstudien zum Jahr 1940 kam, noch erfahren, daß sein Vater Franny auch sehr weiblich war und den soll er Jahre später in Madrid in einer Transvestitenbar wieder finden, wo er mit seinem Freund Mister Bovary auftritt und eine „haarsträubende Geschichte“, wie man durch das Lesen des berühmten Romanes zusammen kommt, erzählt.

Am Schluß kehrt Bill  nach Vermont zurück, er hat das Haus seines Großvaters geerbt und wird Lehrer an seiner Schule. Jetzt gibt es auch Mädchen dort und einen dicklichen Jungen, der eigentlich George heißt, sich aber, bis er zu einer Georgia werden kann, Gee nennt, der wird zuerst von den anderes Schülern als „Tampon“ oder „Weichei“ beschimpft, mausert sich aber, als so schönes Mädchen, daß Bill oder Mister A., wie er jetzt genannt wird, sie als Julia besetzen kann und viele viele andere hetero-homo-und transsexuelle Begegnungen, gibt es in dem Buch auch.

Zuviel für ein einziges Leben, eine einzige Familie, einen einzigen Menschen und wahrscheinlich eine maßlose schriftstellerische Übertreibung.  Aber sehr spannend zu lesen und wahrscheinlich auch sehr informativ, manchmal sträuben sich vielleicht die Haare, bei all den schriftstellerischen Zuspitzungen, so haben Bill und sein Freund Tom zum Beispiel Sprachfehler, sie können  die Worte „Vagina“ oder „Penis“ nicht aussprechen und müßen deshalb bei Elaines Mutter, die, an der Schule Lehrerin ist, Sprachunterricht nehmen.

Aber ich weiß schon, die Amerikaner sind Meister des spannenden Schreibens und  Bill und seine Freunde, die auch alle  Schriftsteller geworden sind, geben auch Unterricht im kreativen Schreiben.

Für mich, die sich ein bißchen in die Transgenderliteratur einlesen und  herausfinden wollte, wie man jetzt über Paul und Paula korrekt schreibt und keinen Klischees erliegt, war es sehr lehr-und hilfreich, denn wenn John Irving in seinem Roman soviel geschehen läßt, kann mein „Fräulein Paula“, vielleicht auch mit Highheels und einem roten Kleid zu einem Faschingsfest gehen, hat aber inzwischen ohnehin eine rote Bluse an und aus den Heels sind blonde Locken geworden.

Ich denke mir auch, daß das Buch, in dem prüden Amerika, wo Kinder zu Beginn des einundzwanzigsten Jahrhunderts von der Polizei abgeschleppt wurden, weil sie ihre Schwestern auf den Topf setzten, sehr gewagt ist, denn einiges, was da passiert, der Schenkelsex, der transsexuellen ehemaligen Ringerin mit einem gerade Achtzehnjährigen, beispielsweise, ist vielleicht politisch doch nicht so korrekt. Aber John Irving gibt auch Unterricht in die sprachlichen Veränderungen.

So verwendet der 1942 geborene Bill, das Wort transsexuell, doch 2007, als er als Lehrer an die Schule kommt und dem oder der jungen Geee  gegenübersteht, sagt die ganz selbstverständlich „Das heißt jetzt transgender!“ und, daß an Aids mehr junge Männer gestorben sind, als im Vietnamkrieg, gibt vielleicht auch zu denken.

Die Jungen hatten 1960 in  ihrer Knabenschule einen Schularzt, der Homosexualität, als „heilbar“ erklärte und der junge Bill, geht 1970 zu einen „Schwulenarzt“, der schon ein Präservativ empfiehlt, aber leider hören die jungen Männer, die später qualvoll sterben werden, nicht darauf.

Bill hat aber Glück, er ist bi-, nicht transsexuell, von Aids bleibt er auch verschont und, als der Sohn seines Widersachers und erster Liebe Kittredge auftaucht und ihn als „Doppelstecker“ beschimpft, erinnert er sich an Miss Frosts Worte, die schon längst gestorben ist und sagt ihm „Mein lieber Junge, bitte steck mich nicht in eine Schublade!“, dann dreht er sich um und geht  ins Theater, denn dort beginnt die Vorstellung und Gee wird die Julia spielen….

Bloggen auf WordPress.com.