Literaturgefluester

2018-01-27

Buch der Zahlen

Jetzt habe ich wieder eine Woche für ein Buch gebraucht und mich mühsam von Seite zur Seite, noch dazu elektronisch, durch das neue Opus eines amerikanischen Wunderkindes gequält.

Ein Buch, das sie wie ein Sturmflug liest und mich stellenweise an Arno Schmidts „KAFF  mare Krisium“ erinnerte, die „Handlung ist ein Datenstrom“, habe ich bei Deutschland Radio Kultur gelesen, der Verlag hat es, glaube ich, als den neuen „Ulysses“ angekündigt und die „New York Times“ hat geschrieben „Josuhas Cohens „Buch der Zahlen“  liest sich, als hätte jemand die Werke von Philip Roth zusammen mit einem von  David Foster Wallace in einen Teilchenbeschleuniger geschmissen“ und bei der Verlagsbeschreibung kann man noch lesen: Autobiografie, Familiengeschichte, Ghostwriting für Anfänger, Sillicon Valley Historie, internationalerThriller, Sexkomödie – Buch der Zahlen ist ein überschäumendes Buch und in Amerika Kult.“

Worum geht es also in dem bei „Schöffling & Co“ neuerschienenes Buch des 1989 in Jew Jersey geborenen Josuhua Cohen von dem auf Deutsch, glaube ich, schon „Solo für Schneidermann“, dessen Cover ich schon bei verschiedenen Blogs gesehen habe und das sehr eindrucksvoll ist und „Vier neue Nachrichten“ erschienen sind.

Der Klappentext verrät das auch, denn, wie schon geschrieben, ist das Lesen äußerst schwierig und wahrscheinlich, wie das so schön heißt, nur für geübte oder die anspruchsvollen Leser.

Es geht also um einen gescheiterten Schriftsteller, der interessant Josuha Cohen heißt, der nach nine eleven, Schwierigkeiten mit der Herausgabe seines Buches und mit seiner Frau Ava hat und da den Auftrag  bekommt, die Autobiografie eines Medienmogul, der ungefähr „Facebook“ und „Googl“e auf einmal erfunden hat, nur, daß das hier „Tetration“ heißt und der Gründer, der auch der „Große Vorsitzende “ genannt wird, heißt zufälligerweise auch noch Josuha Cohen.

So weit, so gut und man könnte hier an eine Größenphantasie, wahrscheinlich auch an etwas anderes denken und wenn man das Buch noch dazu, wie ich elektronisch liest, aber mit E-Books nicht so gut umgehen kann, hat man gleich seine Schwierigkeiten und quält sich durch das Buch, ohne etwas zu verstehen.

Denn die Kritiken haben es schon angedeutet, es liest sich wie ein Sturmflug, eine Fahrt durch einen Teilchenbeschleuniger oder eine Hochschaubahn und dann ist es wieder erstaunlich konkret, fast banal konventionell, bevor es wieder an die Zeichen, Zahlen, durchgestrichenen Sätze über, die die kritiker sich dann streiten, ob man das jetzt lesen soll oder nicht, etcetera, geht.

Die Handlung springt vom Tausendsten zum Millionsten, wie das im World Wide Net eben so ist, könnte man so sagen, springt durch die Weltgerschichte, kommt von Moses zur Shoah und reist dann auch noch durch die ganze Welt, reist von Dubai, Palo Alto, Wien, Berlin, Frankfurt, London, Paris, etcetera überall hin, hat sehr viel Unverständliches und auch einige, mich sehr beeindruckt habende, konkrete Stellen.

Ein Buc,h das man weder lesen noch bloggen kann, habe ich, in der letzten Woche, glaube ich, mehrmals geschrieben und das auch einigen Leuten erzählt, die ich auf literarischen Veranstaltungen gegtroffen habe.

Ich versuche es trotzdem, habe ich das ja auch bei Arno Schmidt versucht und damit ist das Buch und sein Autor wahrscheinlich nicht zu vergleichen, auch nicht mit James Joyce und meiner Meinung nach überhaupt nicht mit Philip Roth zu vergleichen, aber weil ich mit dem Lesen  nicht weitergekommen bin, habe ich am Donnerstag einen Füllartikel über die großen Amerikaner und Amerikannerinnen geschrieben, die ich seit ich blogge, gelesen habe und da kommt Philip Roth, der ewige  Nichtnobelpreisträger vor.

Beeindruckend ist auch die Sprache, sie liest sich, wie das internet, haben die Kritiker geschrieben und sie ist neumodern und unverständlich mit vielen Neuschöpfungen, vielen Sprachen, so wie der Digital Nerd und globalisiert Aufwachsende eben ist, der mal in Asien, mal in Dubai und mal nur in Wien ist und dort auf der Ringstraße spazieren geht, wo einmal die Stadtmauer stand, die laut Cohen errichtet wurde, um die Türken abzuwehren und wo sich die ehemaligen Würstelstände befinden, die zu Kkebabbuden wurden und die Türken  ihre Böreks, etcetera verkaufen.

Vielleicht sollte ich, die mich beeindruckenden Stellen erwähnen, das ist einmal die, wo Josuha Coben, der gescheiterte Schriftsteller, mit seinem Lektor Ron oder Aron, glaube ich, in ein Deli  geht, wo man sich Beagles bestellt und die Getränke in Pappbecher bekommt. Sie haben, weil ja gerade den Ghostwritervertrag unterschrieben, eine Flasche Schampus mit, die sie dann heimlich, weil man das ja da nicht darf, in die Pappbecher gießen. Dann kommt auf einmal die gepearcte Kellnerin herbei, der man laut Cohen, die Medikamente und Drogen ansieht, die sie nimmt. Sie hat  zwei Pappbecher in der Hand, bedient sich am Schampus, um ihn dann gemeinsam mit der Schankkraft auszutrinken.

Das hat mich beeindruckt, vieles andere war und ist mir, wie schon beschrieben, unverständlich. Aber im Netz versteht man auch nicht alles und hat nicht die Zeit und auch nicht die Möglichkeit all das zu lesen. Vielleicht ist es das, was Jousha Cohen ausdrücken wollte.

Das Buch ist am 23. Jänner erschienen, am 18. war in Berlin eine Preview mit dem Autor, der ja, glaube ich, derzeit in Berlin Gastprofessor ist. Ich hätte mich dazu anmelden und hinfahren oder fliegen können, um jetzt vielleicht etwas mehr über das Buch zu wissen. Aber ich bin ja nicht so global, wie sein Autor und seit der Jahrtausendwende nicht mehr geflogen, die neuen Sicherheitsmassnahmen halten mich davon ab. Mein letzter Flug war aber und das ist, glaube ich, interessant, 1998 und da waren wir vierzehnTage in New York. Sind dort herumspaziert, ich bin den  Broadway entlanggelaufen, habe die berühmten Zwillingstürme besichtigt, wo es laut Anna Lindner den besten Kaffee gegeben hat. Hinaufgefahren bin ich nicht und habe vielleicht dabei auch berühmte Schriftsteller, wieJosuha Cohen, der aber damals warhscheinlich noch Student oder Schüler war, getroffen oder auch nicht.

Die beiden Cohens reisen aber viel herum, der Ghostwriter muß dabei, um seine Spuren zu verwischen, auch verschiedene Pässe benützen und verschiedene Flügen nehmen oder auslassen. Er ist von seiner Frau Ava getrennt, die er bevor er den Auftrag annimmt, ja, glaube ich, auch auf einer Bank im Central Park mit den Schauspieler Adam, ihrem späteren Lebensgefährten sitzen sieht, der ihm dann wütende E-Mails  und Klagsandrohungen schickt, weil er meint, Josuha hätte mit der Kreditkarte seiner Frau arabische Nutten bezahlt und ihnen Unterwäsche gekauft.

Es gibt auch eine Beziehung zu einer Araberin namens Izi, dann noch einen Besuch auf der Frankfurter Buchmesse und über das Lesen, beziehungsweise das Nichtlesen in Zeiten des Internets, wo die E-Books, die richtigen Bücher, die man riechen und schmecken kann, wird auch viel geschrieben.

In den schon erschienenen Rezensionen habe ich vergleiche zu dem „Circle“ gefunden, aber da geht es zwar um eine Internetfirma, ist aber viel, viel konventioneller erzählt und ich würde eher das im Vorjahr sehr gehypte „Ich hasse dieses Internet“ dazu empfehlen.

Neugierig geworden? Einen Versuch hineintzulesen, ist das Buch sicher wert. Ich bin auch sehr gespannt, wie andere das Mammut- Monster- oder Jahrhundertwerk empfunden haben und, wie weit sie durch die siebenhundertfünfzig Seiten gekommen sind?

„Ein abenteuerliches Buch um Identitätsverlust und die Macht der neuen Meden“, hat Christoph Schröder vom Journal Frankfurt auch noch geschrieben und  Felix Stephan von der „Literarischen Welt“ meinte „Der große Epochenroman der Zehnerjahre“, wie wahr.

Advertisements

2018-01-25

Die großen Amerikaner

Filed under: Glosse — jancak @ 21:20
Tags:

Jetzt kommt ein Füllartikel, weil ich mit Josua Cohens „Buch der Zahlen“ noch nicht fertig bin und ich heute wieder so viele Stunden hatte, daß sich keine Literaturveranstaltung ausgegangen ist.

Wieder einmal eine kleine literarische Plauderei, ich weiß nicht, ob ich es Glosse nennen kann, eher ein Einblick in meinen Literaturgeschmack und meine Lesegewohnheiten.

Denn ich höre und lese ja immer, daß die Amerikaner, die großen Vorbilder und die größten Schriftsteller sind, höre und lese die Blogger und die Booktuer von ihnen schwärmen. Denke mir „Na ja!“ oder zucke mit den Achseln, wenn ich eines der Bücher der großen Männer lese und feststelle, daß es eigentlich wieder, um das Schnackseln, die Frauen und das Älterwerden geht.

Da war ja Philip Roth der erste, wo ich darauf gerstoßen bin und das war noch in den 1990 Jahren, als es bei „Libro“ diese Bestselleraktion gab, wo man das Buch bekommen hat, wenn es auf der Liste stand und nicht vorrätig war und da war Phillip Roths „Amerikanisches Idyll“, das erste  das ich auf diese Art und Weise bekommen habe und auch meine erste Begegnung mit dem 1933 in Newark geborenen amerikanischen Schriftsteller, denn ich habe damals, glaube ich, nur einen Gerhard und einen Joseph Roth gekannt.

Inzwischen habe ich noch einige andere Bücher des ewig verhinderten Nobelpreisterägers gelesen, der inzwischen, glaube, ich auch zu schreiben aufgehört hat, wie „Der menschliche Makel“, „Exist ghost“ auf Englisch und „Mein Mann der Kommunsit“ und da habe ich wohl den Eindruck bekommen, daß es bei den großen Amerikanern, die ja so hochgelobt werden und uns als Vorbild vorgehalten werden, um den Sex die Frauen und das Älterwerden geht.

Der Alfred hat mir einmal vom „Thalia“ in St. Pölten ein Postkartenbücklein mit Zitaten der großen Amerikaner mitgebracht und ich bin beim Durchblättern daraufgekommen, daß ich viele davon gar nicht kannte.

Inzwischen habe ich einige gelesen Thomas Wolfe „Schau heimwärts Engel“, um einen älteren Klassiker zu zitieren, der dem obigen Klischee nicht entspricht.

Dann war aber Richards Ford „Kanada“ in aller Munde und als ich das Buch kurz darauf im Schrank gefunden und gelesen habe, war ich etwas enttäuscht und dachte, was ist das großartige an dieser Geschichte und habe das, glaube ich, bis heute nicht ganz mitbekommen.

Bei James Salters „Lichtjahre“ ging es mir ähnlich, ebenso bei Louis Begley alle schwärmten und ich dachte, was ist so toll daran?

Eine Ausnahme, die die Regel bestätigt, gibt es aber schon und das wäre John Udike mit seinem „Hasenherz“.

Da habe ich die Folgebände nicht gelesen, war aber sehr beeindruckt von der starken Schilderung dieses jungen amerikanischen Mannes, der sich in sein Auto setzt und dann doch zu Frau und Kind und seinem amerikanischen Kleinbürgerleben zurückkehrt.

Da wären wir schon bei den Frauen und die bilden wohl wieder eine Ausnahme, obwohl man ja eigentlich gar nicht so viel von den großen Amerikanerinnen hört.

Die gibt es aber schon für mich jedenfalls und das würde ich Sylvia Plaths „Glasglocke“ anführen obwohl ich schon früher Grace Metallous „Die Leute von Peyton Place“ und die „Rückkehr nach Peyton place“ gelesen habe, obwohl die vielleicht gar nicht als große Ameriknerin gilt, haben mich ihre Bücher sehr beeindruckt.

„Wer die Nachtigall stört“ habe ich nicht gelesen, wohl aber Harper Les umstrittenes Folgebuch „Gehe hin uns stelle einen Wächter“ und würde auch hier den <unterschied ziwschen dem weiblichen und den <männlichen amerikanischen Schreibens feststellen.

Und wenn wir zu den jüngeren amerikanischen Superhelden kommen, nachdem ich jetzt fast William Faulkners „Licht im August“ vergessen hätte, fällt einen wahrscheinlich Jonathan Franzen ein. Von dem habe ich sowohl die „Korrekturen“, als auch vor kurzen „Unschuld“ gelesen.

Sex spielte im letzteren eine große Rolle, obwohl ich da das sich beschäftigen mit dem einen großen Thema nicht feststellen könnte, würde ich wohl sagen, daß Jonathan Franzen ein vor sich hinschreibender und recherchierender Großstschriftsteller ist, der es bestens versteht menschliche Schicksale mit Komik und Übertreibung auf mehreren hunderten Seiten zu verbinen.

Von Jonathan  Safran Foyer habe ich auch etwas gelesen und war da über die lockerer Darstellung des Holocaust beeindruckt und eher ich zu dem jungen amerikanischen Wunderkind, nämlich dem 1980 geborenen Josuha Cohen, der mit seinem „Buch der Zahlen“ angeblich oder tatsächlich den zweiten großen Internetroman neben dem „Circle“ geschrieben hat, muß ich wohl zu Charles Bukowski und seinen Aufsätzen „Über das Schreiben“ erwähnen, denn die habe ich ja im Sommer gelesen und bin da auf den Namen John Fante gestoßen und habe da vor kurzem, als eines der letzten Bücher im letzten Jahr „Den Weg nach Los Angeles“ gelesen, der mich ähnlich, wie „Hasenherz“ sehr beeindruckt hat.

Sie können doch etwas, die großen Amerikaner, auch wenn sie über das Schnackseln und dem Hangen und Bangen zwischen der erste Liebe und der Großmäuligkeit schwanken, können sie das auch sehr eindringlich beschreiben, zumindestens in den Debutromanen, die anderen habe ich, sowohl von Fante als auch von Updicke nicht gelesen und vielleicht wäre ich auch vom ersten Ford und ersten Roth beeindruckt gewesen.

Ich weiß es nicht und kann es noch nicht sagen, nur erwähnen, daß mich Tom Woolfes „Fegefeuer der Eitelkeiten“, den ich im Sommer 1989 gelesen habe, sehr beeindruckt hat. Dann habe ich noch 2007 auf unserer Radreise von Ybbs nach Regensburg, glaube ich „Ein ganzer Kerl“ gelesen und war nicht begeistert.

Es klappt also nicht so ganz mit mit den großen Amerikanern, obwohl ich einige ihrer Bücher schon toll gefunden habe. Sie sind sehr sexlastig und vermitteln mir den Eindruck, als würden sich da einige alte Männer ein Leben lang mit dem Sex, ihren Krankheiten und den Frauen beschäftigen und das auf vielen hundert Seiten beschreiben.

Die deutschen Buchpreisnominierten tun das mit ihrer Midlifekrisis könnte man erwähnen und hier Bodo Kirchhoff, Gerhard Falkner, Mirco Bonne und und zitieren. Sie tun das sehr sprachgewaltig und sehr kunstvoll, werfen aber trtotzdem die Frage auf, wen das interessieren könnte und bei den großen Amerikanern geht es mir ebenso.

Ich habe noch einige andere ungelesene Bcher von anderen Größen auf meiner Leseliste und von John Irving, der den Eindruck bestätigt natürich auch etwas gelesen und werde mich jezt wieder Josuah Cohen gigantischen Iinternetroman zuwenden, bei dem es mir ähnlich wie mit Arno Schmidts „Kaff Mare Krisium“ geht, obwohl ich nicht ganz sicher bin, ob ich den jungen amerikanischen Shootingstar damit nicht überschätze.

Die Bücher von Sinclair Lewis und Henry James, das mir übrigens auch nicht gefallen hat, hätte ich jetzt fast vergessen und habe sicher auch noch andere Bücher von anderen amerikanischen Autore, wie zum Beispiel Pearl S. Buck, etcetera gelesen.

 

2018-01-06

Der Weg nach Los Angeles

Filed under: Bücher — jancak @ 00:12
Tags: , , ,

Jetzt kommt das letzte Rezensionsexemplar von der 2017-Leseliste, die anderen Bücher, die ich von dort auf 2018 verschoben habe, waren die Geburtstagsbücher und eines, wie ich fast pathetisch sagen könnte, von den Jahresbüchern, denn es hat mich, obwohl ich ja nicht soviel von den großen Amerikanern halte, sehr beeindruckt und dabei habe ich von dem 1909 geborenen und 1983 verstorbenen John Fante, glaube ich, erst durch Charles Bukowkis Buch „Über das Schreiben“ erfahren.

Jetzt ist das Buch, das in Los Angeles 1935/35 vom fünfundzwanzigjährigen Autor geschrieben wurde und das erst 1985 erschienen ist, weil damals ein Buch mit diesem frechen Tonfall, wie man sagen könnte, niemand drucken wollte, von Alex Capus übersetzt bei „Blumenbar“ herausgekommen und es hat mich, wie geschrieben, sehr beeindruckt, was wohl daran liegen könnte, wie Capus in seinem Nachwort schreibt, daß das Buch, das ja jahrzehntelang in der Schublade lag und nur die ersten Seiten von seinem Autor gekürzt wurden, unlektoriert veröffentlicht wurde und wenn ich unken würde, würde ich sagen, man merkt es an der Kraft und ich versuche mir gar nicht vorzustellen, was passiert wäre, wenn die Lektoren daran herumgestrichen hätten.

Alex Capus hat es, wie er schreibt ein bißchen getan und ein paar Fehler ausgemerzt und am Klappentext steht etwas, wie, daß man  den achtzehnjährigen Aturo Bandini, den Protogonisten und Alter Ego, des Autos ob seiner arroganten Grobschneuzigkeit lieben wird.

„Bookster“, der das Buch auch schon gelesen hat, meint, daß Bandini ihm sehr unsympathisch war und ich wundere mich  fast ein bißchen, daß ich das nicht auch schreibe, denn ich bin ja gegen die Gewalt, aber auch wenn mir das mit dem Krabbentöten zu  viel ist, kann ich das hier geschilderte psychologisch nachvollzuziehen und finde,  ist es ein großartiges Buch, das in einer ziemlichen Ehrlichkeit aufzeigt, wie das Aufwachsen in einem Vorort von Los Angeles in den Neunzehndreißigerjahren des vorigen Jahrhunderts so war.

Über das Leiden der mittelalten deutschen Männer habe ich in den letzten Jahren ja sehr viel gelesen und es ist immer das gleiche, dieser Arturu Bandini zeigt aber, glaube ich, sehr sehr stark die Widersprüchlichkeit der jugendlichen Seele auf und  übertreibt natürlich sehr dabei, hat er Psychologin aber sehrgefallen und „Hasenherz“ habe ich, glaube ich, ähnlich stark empfunden.

Interessant ist dabei auch, daß ja auch John Updike, wie auch John Fante noch Folgebande mit dem selben Protagonisten hat, die ich nicht gelesen habe, würde aber fast vermuten, daß ich die dann nicht mehr so stark empfinde. Mal sehen, ein paar sind ja schon bei „Aufbau“ erschienen, vielleicht kommen sie noch zu mir.

Ich weiß nicht, ob die deutsche Übersetzung, die gekürzte oder die ursprüngliche längere Fassung ist, wenn es die längere ist, wäre ich für die Kürzung und meine, daß das Buch stimmiger wäre, wenn es gleich mit dem sich Einsperren in den Kleidnerkasten beginnt und das paarmalige Stellenschmeißen weggelassen  würde, weil dann ja ohnehin die Arbeit in der Fischfabrik beginnt.

Da is also Arturo Bandini, ein achtzehnjähriger Junge, Sohn italienischer Einwanderer, der mit seiner Mutter und seiner sechzehnjährigen Schwester, die er bigott, katholisch und die „Nonne“ nennt, in einem Vorort von Los Angeless lebt. Er ist rotzfrech und wohl das, was man „himmelhoch jauchzend und zu Tode betrübt nennt“, überschätzt sich ständig, nennt sich den großen Bandini und ist dann wieder voll verstört und muß sich übergeben, als er in die Fischfabirik eingeführt wird, aber davon erst später.

Erst wirft er mit seiner frechen Schnaute ein paar Hungerjobs weg, geht dann in die Biblsiothek zu der schönen oder auch häßlichen Miss Hopkins, der er natürlich auf die Beine schaut, borgt sich von ihr Nietzsche, Schopenhauer und Spengler aus. Liest die Bücher ohne sie zu verstehen, zitiert deren geschraubte Sprache aber ständig und irgendwann kommt ihm auch die Idee der großte Schrifjtsteller auf Erden zu werden. Dazu kauft er sich einNotizbuch und schreibt dann Sätze hinein wie:

„Eine moralisch-philosophische Dissertation über Mann und Frau von Arturo Bandini

„Nur der schwache Mann begeht die böse Tat, wieso sollte er aber schwach sein. Es ist besser stark zu sein als schwach, denn Schwäche bedeutet Mangel an Kraft. Vermeide Schwäche, auf, daß du stark werdest. Schwäche verzehrt das Herz des Weibes. Stärke  nährt das Herz des Mannes. Willst du zum Weibe werden? Wohlan, dann werde schwach. Es lebe die Stärke! O Zarathustra, schenke deinen Weibern Schwäche! O Zarathusra schenke deinen Männern Kraft! Nieder mit der Frau! Es lebe der Mann!“

Und zu seiner Schwester Mona hat er Sätze, wie „Nenn mich nicht Trottel, du Neurose! Du verklemmte frustrierte, sabbernde, geifernde Halbnonne!“, gesagt.

Vorher hat er sich aber in dem Kleiderkasten, des offenbar einzigen Zimmers der Wohnung, seines Studierzimmers, wie er das nennt, eingesperrt und sich dort mit „seinen Frauen“, die aus Zeitungen ausgeschnitten hat, beschöftigt. Die zerstört dann in einem Anflug an Größenwahn, um es dann gleich wieder zu bereuen.

Himmelhoch jauchenz und zuTode betrübt, wie man merkt und ein Luftgewehr hat er sich auch gekauft, um damit, die Krabben, die er am Wege findet zu töten.

Da würde ich „Halt!“, sagen, sonst erscheint mir der jugendliche Ungestüm aber sehr authentisch. Das Schneiden und das Ritzen, um sich zu spüren und sich den Daumen abbeißen,, was man heute „Borderline“ nennt,  kommt auch vor. Die Schwester, die offenbar gesünder ist, nennt ihn dann herablassend „Spinner!“ und lacht  über sein Erstlingswerk und nennt es „doof“, während die Mutter sich in mütterlicher Liebe windet, es des Sohnes wegen, großartig findet, dann aber gesteht, daß es ihr der Katholikin viel zu unmoralisch ist.

Es kommt auch der Onkel Frank, der die Familie unterstützt und verschafft dem Neffen eine Stelle in einer Fischfabrik. Da wird auch sehr köstlich beschrieben, wie der große Arurto, sich großspurig aufbäumt und sagt, er tue das alles nur, weil er eine Studie über die Bedingungen in einer Fischfabrik schreiben will. Ja, er ist sogar vom Präsidenten dorthin gesandt worden. Dann steht er am Fließband, um die Konserven zu ettiketieren, für fünfundzwanig Cent in der Stunde soll er das tun und speibt sich an.Von den Kollegen, den Filippos, Japanern und Mexikanern, die er verächtlich „Nigger!“, nennt, wird er dann gehänselt. Sie stecken ihm auch einen Fisch in die Hose und nehmen ihm dann nicht sehr ernst.

Er bleibt auch nicht lange dort, denn er hat eine Frau in einem lila Mantel gesehen, ist ihr gefolgt und beginnt dann in dieser Erleuchtung seinen ersten Roman, den, den die freche Schwester dann „doof“ nennt und sich vor Lachen überkugelt, zu schreiben.

Diese Szenen habe ich als sehr rührend empfunden und als der Chef ihn zu sich holt, weil er das am Klo tut, lügt er vor, die Mutter wäre sterbenskrank, so daß er zu ihr geschickgt wird und im Park weiterschreiben kann.

Er greift dann auch die Schwester an, stiehlt der Mutter den Ehering und  anderen Schmuck, verkauft ihn, um hundert Dollar bei einem Pfandleier und geht dann los nach Los Angeles um ein Schriftsteller zu werden.

„Mit  dem Koffer in der Hand ging ich hinunter zum Bahnhof. Ich musste zehn Minuten warten, bis der Mitternachtszug nach Los Angeles fuhr.  Ich setzte mich hin und dachte über den neuen Roman nach.“

So endet das Buch und John Fante füge ich hinzu, wird das 1935 oder 36 wohl auch so getan haben und seinen ersten Roman dann dort an einige Verlage geschickt haben, die ihn als undruckbar  zurückschickten, so daß er erst nach seinem Tod erscheinen konnte, nachdem Charles Bukowski erklärte „John Fantes Romane gehören zum Besten, was die amerikanische Literatur je hervorgebracht hat.“

2016-08-24

Licht im August

Bevor es mit dem „Buchpreis-Lesen“ weitergeht, noch ein Buch aus meiner Leseliste, das „Atalante“, als hervorragendes Mittel, gegen die „Buchpreis-Bulimie“ empfieht und der 1897 in Missisipi geborene William Faulkner, der 1962 dort gestorben ist und 1949/1950 den Nobelpreis für Literatur bekam, hat 1932 einen Roman geschrieben, der 1935 bei „Rowohlt“ auf Deutsch erschienen ist, den ich zweimal im Bücherschrank fand.

Das eine Mal fehlten, glaube ich, ein paar Seiten und das andere hätte ich jetzt fast schon von meiner Leseliste gestrichen, da ich ja nicht ein so unbedingter Fan der großen Amerikaner bin.

Des Titels wegen habe ich es drin geleassen, da ich ja gerne etwas mit Bezug lese und jetzt sogar meinem Vicki Baum- Schwerpunkt, den ich noch immer vor mich herschiebe, vorgezogen.

Mit Recht, denn es ist ein großartiges Buch, wenn ich auch gar nicht so genau warum sagen kann, denn eigentlich ist es mit seinen einundzwanzig Kapitel ein wenig langatmig. Es erzählt auch nicht sehr viel und das, um was es geht und warum es wahtrscheinlich auch als so großartig gilt, wird nur angedeutet.

Es ist die Stimmung wahrscheinlich, die erzählt wird oder, die das Erzählte auslöst, denn auf einmal ist man mittendrin im Sumpf des Südstaatenamerikas der neunzehnhundertdreißíger Jahre, wo der Alkohol verboten war und man daher vom Schwarzhandel lebte, sich alles um eine bigotte Frömmigkeit dreht, der Sex verboten ist, obwohl dann die schwangeren jungen Frauen herumlaufen, die verschämt Missis genannt und hinter ihrem Rücken getuschelt wird und es ist vor allem, ein Amerika der Rassentrennung, wo die Weißen von den Schwarzen nichts wissen wollen und sie trotzdem brauchen und auch das deutet Faulkner nur an, das heißt er beschreibt einfal das Nebenander der Neger und der Weißen, ohne besonders viel zu werten und zu kommentieren

Ja, ich habe noch ein altes Buch gelesen, 1972 erschienen, wo das noch so drin steht und  dem Wort „Niger“, das damals wohl schon ein Schimpfwort war, gegenübergestellt wirde, während „Neger“ wohl der normale Sprachgebrauch war.

Inzwischen gibt es eine neue Übersetzung, die übera2ll gelobt wird und mich würde da interessieren, ob man hier, wo wohl „Farbige“ „Schwarze“ oder „Afro-Amerikaner stehen wird, der gleiche Effekt erreicht wird, denn für mich war es gerade der Sprachgebrauch, daß ich mir den Kleinstadtmiff so gut vorstellen konnte.

Bei Harper Lee, deren verschollenen Erstling, ich kurz vor ihrem Tod vor Weihnachten gelesen habe, gibt es eine ähnliche Stimmung und Grace Metallious beschreibt wohl ähnlich direkt, obwohl es hier, so weit ich mich erinnern kann, nicht so sehr, um die Rassenfrage geht.

„Seit Henry James hat kein Schriftsteller ein so großes und dauerndes Denkmal für die Kraft der amerikanischen Literatur hinterlassen“, sagte laut Buchrücken John F. Kennedy und bei „Amazon“, wo man sich auf die Neuübersetzung bezieht, wird Barak Obama zitiert.

In meinem Buch hat der Vorleser: „Eine Lüge, die ein Leben trägt ist besser als eine Wahrheit, die ein Leben zerstört“, hineingeschrieben und ich weiß jetzt gar nicht so genau, was er damit meint, denn William Faulkner arbeitet sehr viel mit Symbolik, deutet an, verwendet Metaphern, so daß vieles, wenn man es eins zu eins betrachtet unlogisch erscheint, während es wohl insgesamt das dichte Nobelpreisbild ergibt, was meine Meinung über die großen Amerikaner revidiert. Hendry James halte ich aber eigentlich auch nicht für einen so tollen Schrifftsteller, zumindest habe ich mit der „Dame von Welt“ nicht so viel anfangen können.

Also da wandert eine hochschwangere junge Frau, Lena Grove mit Namen tagelang von Alamba, in den Süden auf der Suche nach ihren Kindesvater, Lucas Burch, von dem man ihr erzählte, daß er in Jefferson in einem Sägewerk arbeitet.

Das ist allerdings eine Verwechslung, der in dem Sägewerk heißt Byron Bunch. Lucas Burch ist zwar auch da, nennt sich aber Brown und ist ein ziemlicher Widerling von Mann, obwohl er hübsch aussieht. Lena begegnet bei den Kleinstadtweißen durchaus hiflsbereite Menschen, wird mit einem Wagen mitgenommen, ein Farmerin gibt ihr ihr Ersprartes, so daß sie sich eine Büchse Sardinen kaufen kann und Lena wird, als schweigsamme, unbeirrte Frau geschildert, die ihren Weg dahingeht und in die Kleinstadt Jefferson kommt.

Das Buch heißt so, habe ich, wo gelesen, weil es 1932 im August spielt und das tut es auch auf einer Ebene, nämlich auf der,  in der Lena nach Jefferson kommt, ihren Kindesvater sucht, das Kind gebiert und mit Bunch wieder wegzieht.

Dazwischen passiert noch ein Mord, da wird eine alte Jungfer, die sie sich für das Recht der Schwarzen einsetzt und ihre Schulen sozusagen als Supervisorin betreut von einem Dreißigjährigen namens Christmas, der in einer ihrer Hütten lebte, ermordet und dann gibt es wieder ellenlange Kapitel, die von jenen Christmas oder Joe Mc  Eachern, wie er nach seinem Adopivvater heißt, erzählen.

Christmas heißt er, weil er ein Waisenkind ist und zu Weihnachten vor die Schwelle des Waisenhauses gelegt wurde. Dann belauscht er die sexuallen Handlungen der Wirtschafterin mit einem jungen Arzt und wird zur Adoption freigegeben. Es ist auch noch die Rede, ob er nicht in ein Waisenhaus für Scharze kommen soll, denn er wird von den Kindern und der Wirtschafterin als „Neger“ oder „Niger“ beschimpft. Das schwarze Blut in ihm scheint auch seine Besessenheit zu sein, denn offenbar ist ihm das gar nicht anzusehen, wird aber ständig so beschimpft. Vielleicht auch eine Symbolik von William Faulkner,  mit der er die Situation beschreibt, die für außerhalb der Südstaaten lebende möglicherweise gar nicht so nachvollziehbar ist.

Er verläßt jedenfalls mit Achtzehn den Adoptivvater, einen bigotten Christen, der den Jungen oft genug prügelt. Christmas bestieht ihn auch, beziehungsweise seine Adoptivmutter, die eigentlich zu ihm hält, sich gegen ihren Mann aber nicht durchsetzen kann.

So kommt er in eine Hobelwerkstatt nach Jefferson, wohnt bei Joanna Burden in ihrer Negerhütte, hat auch ein sexuelles Verhältnis mit ihr, die für ihn kocht und ihn zu ihrem Nachfolger heranbilden will und von ihm, kurz vor ihrer Menaupause, wie bei „Wikipedia“ steht, auch schwanger wird. Als sie ihm zum beten zwingen will, schlägt er ihr den Kopf ab und zündet das Haus an und wird von Lucas Burch oder Brown, der mit Joe Christman in der Hütte lebt und illegal Whiskey verkauft wegen der tausend Dollar Belohnung verraten.

Es gibt noch einige andere seltsame Gestalten in dem Roman. So den Geistlichen Hightower, der in seiner eigenen Welt, beziehungsweise in den Bürgerkriegserlebnissen seines Großvaters lebt und daher übersieht, daß er von seiner Frau betrogen wird, die sich in einem Hotelzimmer in einer anderen Stadt in Anwesenheit eines Freiers aus dem Fenster stürzt. Deshalb verliert er sein Amt, weigert sich aber die Stadt zu verlassen und sitzt seither am Fenster und sieht hinaus, wird aber von Byron Bunch, der irgendwie auch seltsam ist, regelmäßig besucht.

Der verliebt sich sofort in Lena, die aber nichts von ihm wissen will, bringt sie in der Negerhütte unter, wo sie das Kind gebiert. Christmas Großeltern, die plötzlich, nachdem der geflüchtete Chrismas gefangengenommen wurde, auftauchen, helfen ihr dabei.

Christmas wird von einem eifrigen Polizizist erschoßen, Lucas  Burch, der durch Byron Bunchs Vermittlung mit ihr sprechen soll, haut ab, als er die Schwangere mit dem Kind sieht und so verlassen am Ende Lena, das Kind und Byron Jefferson und die Kleinstadt mit ihren Verirrungen und Verwicklungen, wo die Negerfrauen nachts durch die Hintertüren in die Häuser der Verlorenen schleichen und ihnen Essen bringen, das aus den Küchen der weißen Familien stammen, in denen sie Köchinnen sind, bleibt zurück.

Inzwischen wird sich auch dort sehr viel verändert haben oder trotz des farbigen Präsidenten, dessen Amtszeit jetzt ja bald ausläuft, eigentlich wieder nicht so viel, wenn man von den Unruhen und Demonstrationen liest, die ausgelöst werden, weil weiße Polizisten noch immer sehr schnell farbige Jugendliche erschießen, die sich das nicht gefallen lassen wollen.

Ein sehr interessantes Buch mit einer sehr dichten eindrucksvollen Stimmung, die zum Nachdenken anregt. Es soll das am leichtestens zu lesende Buch von William Faulkner, von dem ich sonst noch nichts gelesen habe, sein und mich würde interessieren, wie es den Lesern der Neuübersetzung geht? Vielleicht mag mir ein solcher einen Kommentar hinterlassen.

2016-07-08

Der Sommer ohne Männer

Mein heurigen Sommerbuch, der 1955 in Minnesota geborenen Siri Husvedt, Ehefrau von Pau Auster, von der ich die „Zitternden Frau“ und, ich glaube, noch etwas gelesen habe, habe ich vor ein paar Jahren um Weihnachten bei einem Abschlußverkaufs in St. Pölten bekommen.

Siri Husvedt, die sich in ihren Arbeiten, sehr auf Psychologisches zu beziehen scheint, schreibt darin von der Mitfünfzigerin, Mia, einer Schriftstellerin, die von ihrem Ehemann plötzlich eine „Pause“, wegen einer seiner Assistentinnen, wie Siri Husvedt ironisch schreibt „verordnet“ bekommt.

Das stürzt sie in eine Krise, bringt sie in die Psychiatrie, sowie zu einer verständnisvollen Therapeutin, so daß sie daraufhin beschließt, ihren Sommer bei ihrer Mutter und deren gleichaltrigen oder älteren Freuninnen zu verbringen, sowie einen Literaturkurs zu geben, der von sieben Schülerinnen besucht wird.

Sie gibt ihnen die Aufgabe über die „Grauslichkeiten“ und ihre Widersprüche zu schreiben, führt selbst ein Sextagebuch in dem sie ihre Vergangenheit erforscht, freundet sich mit ihrer Nachbarin und ihren zwei kleinen Kindern an und bekommt seltsame Briefe von einem Mister Niemand, der vielleicht, wie sich herausstellen wird, eine Missis ist.

Die Schülerinnen beginnen Alice, weil sie ein bißchen anders, eine Streberin oder so, zu mobben, werfen ihre blutige Binde voll Abscheu auf den Tisch, fingieren ein Date und die Lehrerin, die von ihrer Tochter Daisy inzwischen aufmunternde Briefe bekommt, das Dad schlecht aussieht und von seiner Pause weg ins „Hotel“ gezogen ist, veranstaltet in der Schreibgruppe zuerst ein Rollenspiel, dann wird ein gemeisamer Text verfaßt, mit dem alle leben können.

Eine der mütterlichen Freundinnen wird auf die „Alzheimer-Station“ abgeschoben, die andere erleidet einen Schlaganfall und Boris beginnt schließlich Briefe zu schreiben, in dem er seine Änderung gelobt und sieben Punkte anführt, die er in Zukunft beachten wird, von besser kochen und im Kühlschrank nachzusehen, ob auch genügend Milch da ist, das er Mia immer lieben wird, was ihr das wichtigste ist,  am Schluß kommt er selbst und die Midlife- oder Krise des die des Älterwerdens  ist überstanden und das Leben geht weiter bis in den Tod…

Einen theoretischen Excurs über das Geschlechterverhältnis und, ob Frauen denken können, gibt es auch und das ist es was die „Amazon-Leserinnen“ an dem Buch beanstanden, der fortwährende Excurs in die Psychologie-Psychiatrie und die Verwendung der entsprechenden Fachausdrücke.

Mich, die ich ja in der Psychologie zu Hause bin, stört das weniger, als Roman würde ich den „Sommer ohne Männer“ trotzdem nicht bezeichnen und eigentlich auch nicht als ein Sommerbuch.

Es ist ein Excurs über das Leben und da,s was einer Frau zwischen fünzig und sechzig so passiert, der Mann betrügt sie vielleicht, die Mütter werden alt und sterben, die Töchter flügge,  die jungen Ehefrauen werden vieleicht auch schon von ihren Männern betrogen oder geschlagen und die Kinder weigern sich zu sprechen oder tun das mit Phantasiefiguren, während es bei den Pubertierenden ADHD Verdacht gibt und die halbe Klasse Ritalin schluckt.

Ja, das Buch spielt in Amerika und wurde von einer amerikanischen Schriftstellerin geschrieben, so kommt der Sex natürlich vor und Dr. Freud.

Daß die Mädchen ihre Binden heutzutage noch in der Klasse verlieren, halte ich eher für anachronistisch, mir ist das, glaube ich, mal passiert, da werden wohl eher falsche Nackfotos und Hasspostings ins Facebook gestellt.

Im Writerstudio habe ich gelernt, daß solche Romane wohl mehr Personal Essays oder literarisch aufbereitete Memoirs sind. Noch etwas kommt bei Siri Hustvedt, der Frau eines berühmten Schriftstellers hinzu. Sie kommuniziert auch mit ihren Leserinnen, spricht sie an, gibt Ratschläge, etcetera. Das Ganze ist auch eher zusammenhanglos in kleinen oder größeren Minitaturen, die manchmal nur ein paar Sätze lang sind, geschrieben.

Zeichnungen gibt es auch und so könnte man sagen, daß ich ein interessantes künstlerisch aufgearbeitetes amerikanisches Buch über das Leben und, das was einer Frau zwischen fünzig und sechzig so passiert und in abgewandelter Form, mein Mann hat mich nicht verlassen und kauft die Milche und die Orangen auch regelmäoig sein, auch mir passierte.

2016-02-13

In einer Person

Jetzt kommt ein Einschub auf meiner Leseliste, nämlich John Irvings, 2012 erschienener Roman, „In einer Person“, als Recherchelektüre zu „Paul und Paula“ und interessant, es ist nicht der erste Irving, den ich mir zum Vorbild nehmen wollte, denn als ich, lang lang ists her, die „Globalisierungsnovelle“ geschrieben habe, wo es um den Verkauf einer Niere geht, ist gerade „Die vierte Hand“ erschienen.

Sehr viel hat mir die Sprachgewalt des 1942 geborenen John Irvings, den ich inzwischen für einen Mainstreamschriftsteller hielt und von den Amerikaner, die ewig über ihren Sex schreiben, halte ich bekanntlichermaßen auch nicht so viel, glaube ich, nicht geholfen. Das lag aber wahrscheinlich auch an mir und meiner damaligen Gehemmtheit.

inzwischen habe ich, auch durch das „Literaturgeflüster“ meine schreiberischen Hemmungen ziemlich verloren und von John Irving habe ich inzwischen „Witwe für ein Jahr“ und „Laßt die Bären los“, gelesen, das war einmal Buch bei der „Eine Stadt-ein Buch-Aktion“ und da bin ich über die fürchterliche Übersetzung gestolpert, die, glaube ich, so schlimm war, daß ich als es, um Wien und den Bürgerkrieg oder die Okkupation der Nazis ging, nichts mehr verstanden habe.

Bei dem Buch ist mir nichts negativ an der Übersetzung aufgefallen und ich habe mich jetzt ein paar Tage lang, nachdem es mir, als sehr sehr gut, empfohlen wurde, eingelesen und war die ersten hundert Seiten lang nicht so davon überzeugt, beziehungsweise brauchten ich oder John Irving, die wahrscheinlich, um in das Buch hineinzukommen, denn da wird das Leben eines genau, wie der Autor, 1942 geborenen Mannes, in allen seinen Details erzählt.

Der, William Abbot, wächst in einem First Sister genannten Städtchens in Vermont auf und ist, glaube ich, dreizehn als das Buch beginnt und er sich in Miss Frost,  die Bibliothekarin des Ortes, verliebt, die ist viel älter, hat einen kleinen Busen und breite Schultern und, weil er sich in sie verliebt, will er auch Charles Dickens zweimal lesen und in dem Örtchen, beziehungsweise an seiner Schule, wird auch sehr viel Shakespeare gespielt.

Er ist der Sohn, der Soffleuse, seinen Vater, Franny Dean kennt er nicht wirklich, denn der ist schon nach oder vor seiner Geburt verschwunden, die Mutter zog ihn allein auf, tut sich dann aber mit einem Lehrer, namens Richard Abbot zusammen, der auch den Schülern Shakespeare beibringen soll.

Das geschieht in etwa auf den ersten hundert Seiten, dazwischen geht es gelegentlich nach vor, zu der Europareise, die William oder Bob nach seinem Schluabschluß mit seinem Mitschüler Tom Atkins  macht, geht vielleicht noch ein bißchen nach vor, zu der Zeit, wo er in Wien studierte, auch das hat sein Autor so getan und dort auch einige Romane geschrieben oder spielen lassen oder nach Hamburg, wo Bill schon als Schriftsteller mit der Transexuellen Donna in ein eher mieses Transvestitenlokal geführt wird.

Interessant an diesen Theateraufführungen ist  auch, daß die meisten Frauenrollen von Männern gespielt werden. Nun gut, die Schuler waren in den Fünfziger und Sechzigerjahren noch getrennt, aber auch sein Großvater Harry, der in fast jeden Stück mitspielt, spielt weibliche Rollen und nach dem Tod der Großmutter trägt er  nur noch ihre Kleider.

Ein großer Teil des Buches spielt 1960, da ist  Bill gerade achtzehn und liebt noch immer Miss Frost, die sowas, wie die Romantherapeutin für die örtliche Schuljugend ist, das heißt, falsch, soviele Jungen aus der Schule, gehen nicht in die städtische Bibliothek, aber Bill, in Miss Frost verliebt, tut es.

Sie empfiehlt ihm „Giovannis Zimmer“ und nimmt ihn in den Keller und in ihr Stahlbett mit. Sie betreibt dort mit ihm „Schenkelsex“ und er erkennt, daß sie einmal ein Mann war. Aber wieder falsch, das findet er heraus, weil er noch ein anderes Hobby hat. Er durchforstet nämlich die Jahrgänge der Schulabgänger und im Buch von 1935 findet er einen Albert Frost, einen Ringer. Die Familie findet inzwischen das skandalöse Buch und auch den BH, mit dem der bisexuelle Bill  onaniert und schickt den Großvater in die Bibliothek.

Die Bibliothekarin wird entlassen, die Mutter ist entsetzt und Bill geht mit seinem Freund Tom auf Europareise, der ist auch ein wenig seltsam, aber in Bill verliebt.

Der liest ihm „Madame Bovary“ vor, weil ihm das Miss Frost empfohlen hat und Tom ist eifersüchtig,  weint und windet sich am Klo. Nun ja, später wird Bill in Wien mit der Sängerin Esmeralda, die an der Staatsoper fast einmal auftreten durfte, sich das aber selbst vermasselte, weil an diesem Tag Kennedy ermordet wurde, Vaginalsex haben und er hat noch viele Begegnungen mit Männern und Frauen und noch von der Schule eine Freundin, Elaine, die von seinem Erzfeind Kittredge geschwängert wurde.

Ein bisschen verwirrend und schwierig, das alles wiederzugeben und dann kommen wir in die Siebzigerjahre.

Bill ist Schriftsteller geworden, lebt mit und ohne Elaine in New York und erlebt, wie alle seine Freunde nach und nach an Aids sterben.

Er hat aber, als er noch Schüler war und bei seinem Albumstudien zum Jahr 1940 kam, noch erfahren, daß sein Vater Franny auch sehr weiblich war und den soll er Jahre später in Madrid in einer Transvestitenbar wieder finden, wo er mit seinem Freund Mister Bovary auftritt und eine „haarsträubende Geschichte“, wie man durch das Lesen des berühmten Romanes zusammen kommt, erzählt.

Am Schluß kehrt Bill  nach Vermont zurück, er hat das Haus seines Großvaters geerbt und wird Lehrer an seiner Schule. Jetzt gibt es auch Mädchen dort und einen dicklichen Jungen, der eigentlich George heißt, sich aber, bis er zu einer Georgia werden kann, Gee nennt, der wird zuerst von den anderes Schülern als „Tampon“ oder „Weichei“ beschimpft, mausert sich aber, als so schönes Mädchen, daß Bill oder Mister A., wie er jetzt genannt wird, sie als Julia besetzen kann und viele viele andere hetero-homo-und transsexuelle Begegnungen, gibt es in dem Buch auch.

Zuviel für ein einziges Leben, eine einzige Familie, einen einzigen Menschen und wahrscheinlich eine maßlose schriftstellerische Übertreibung.  Aber sehr spannend zu lesen und wahrscheinlich auch sehr informativ, manchmal sträuben sich vielleicht die Haare, bei all den schriftstellerischen Zuspitzungen, so haben Bill und sein Freund Tom zum Beispiel Sprachfehler, sie können  die Worte „Vagina“ oder „Penis“ nicht aussprechen und müßen deshalb bei Elaines Mutter, die, an der Schule Lehrerin ist, Sprachunterricht nehmen.

Aber ich weiß schon, die Amerikaner sind Meister des spannenden Schreibens und  Bill und seine Freunde, die auch alle  Schriftsteller geworden sind, geben auch Unterricht im kreativen Schreiben.

Für mich, die sich ein bißchen in die Transgenderliteratur einlesen und  herausfinden wollte, wie man jetzt über Paul und Paula korrekt schreibt und keinen Klischees erliegt, war es sehr lehr-und hilfreich, denn wenn John Irving in seinem Roman soviel geschehen läßt, kann mein „Fräulein Paula“, vielleicht auch mit Highheels und einem roten Kleid zu einem Faschingsfest gehen, hat aber inzwischen ohnehin eine rote Bluse an und aus den Heels sind blonde Locken geworden.

Ich denke mir auch, daß das Buch, in dem prüden Amerika, wo Kinder zu Beginn des einundzwanzigsten Jahrhunderts von der Polizei abgeschleppt wurden, weil sie ihre Schwestern auf den Topf setzten, sehr gewagt ist, denn einiges, was da passiert, der Schenkelsex, der transsexuellen ehemaligen Ringerin mit einem gerade Achtzehnjährigen, beispielsweise, ist vielleicht politisch doch nicht so korrekt. Aber John Irving gibt auch Unterricht in die sprachlichen Veränderungen.

So verwendet der 1942 geborene Bill, das Wort transsexuell, doch 2007, als er als Lehrer an die Schule kommt und dem oder der jungen Geee  gegenübersteht, sagt die ganz selbstverständlich „Das heißt jetzt transgender!“ und, daß an Aids mehr junge Männer gestorben sind, als im Vietnamkrieg, gibt vielleicht auch zu denken.

Die Jungen hatten 1960 in  ihrer Knabenschule einen Schularzt, der Homosexualität, als „heilbar“ erklärte und der junge Bill, geht 1970 zu einen „Schwulenarzt“, der schon ein Präservativ empfiehlt, aber leider hören die jungen Männer, die später qualvoll sterben werden, nicht darauf.

Bill hat aber Glück, er ist bi-, nicht transsexuell, von Aids bleibt er auch verschont und, als der Sohn seines Widersachers und erster Liebe Kittredge auftaucht und ihn als „Doppelstecker“ beschimpft, erinnert er sich an Miss Frosts Worte, die schon längst gestorben ist und sagt ihm „Mein lieber Junge, bitte steck mich nicht in eine Schublade!“, dann dreht er sich um und geht  ins Theater, denn dort beginnt die Vorstellung und Gee wird die Julia spielen….

Bloggen auf WordPress.com.