Literaturgefluester

2018-09-04

Saisoneröffnung in der Gesellschaft für Literatur

Und die scheint, wie Manfred Müller in seiner Einleitung erklärte, traditionsgemäß etwas mit den Österreich-Bibliotheken oder dieser Außenministerium-Kulturtagung, bei der ich früher ein paarmal gewesen bin, zusammenzuhängen.

Jedenfalls sprach auch eine Frau Ulla Krauss-Nussbaumer und die legte den Bibliotheken beziehungsweise den anwesenden Bibliothekarinnen wahrscheinlich nahe, die lesenden Autorinnen auch zu ihnen einzuladen und die waren Susanne Gregor, die ich schon vor ein paar Monate im Literaturhaus aus ihrem neuen Erzählband „Unter Wasser“ zusammen mit Mareike Fallwickl lesen hörte und Angelika Reitzer von der ich jetzt schon länger nichts mehr hörte, da sie  nicht mehr in der „AS“ moderiert, um, wie sie damals sagte sich mehr ihrem Schreiben widmen zu können.

Das hat sie offenbar auch getan, ist doch schon im Frühjahr ihr neuer bei „Jung und Jung“ erschienener Roman „Obwohl es draußen kalt ist“ erschienen und diese Bücher wurden vorgestellt.

Bei Susanne Gregor ist es, wie Manfred Müller erklärte das dritte Buch. Das Erste ist noch in der „Exil Edition“ erschienen und ist durch einen Irrtum zu mir gekommen, die schon bei „Droschl“ erschienenen „Territorien“ habe ich mir mal bei einem Literaturhaus-Flohmarkt gekauft, aber noch nicht gelesen und bei „Unter Wasser“ dürfte die Autorin, die selbe Geschichte oder einen Teil von ihr, wie damals im Literaturhaus gelesen haben, nämlich die, wo die Ich Erzählerin ihren Mann Jakob verläßt und sich dabei an ein Abendessen mit Enno und Oia erinnert, wo sie sich am Balkon in Enno verliebt und Pia kurz darauf stribt.

Bei der 1971 in Graz geborenen Angelika Reitzer, die ja sehr lange sehr schöne Textvorstellungen in der AS moderierte, wo ich Valierie Fritsch, Anna Weidenholzer, Nadine Kegele, etcetera, kennenlernten konnte, ist es das fünfte Buch.

Das Dritte und das Vierte habe ich gelesen und dieses ist ein Liebesroman, das von einem Paar handelt, das schon zwei Kinder hat, das dritte wird erwartet und, um das Fotografieren beziehungsweise, um das Hören geht es dabei auch.

In der Diskussion ging es darum, daß man bei einem Liebesroman sehr aufpassen muß, damit er nicht kitschig wird und, ob die Frage, ob nicht nur bei Erzählungen, sondern auch bei Romanen jeder Satz sitzen muß, was Angelika Reitzer, die auch Literaturwissenschaftlerin ist und inzwichen am „Institut für Sprachkunst“ lehrt, energisch betonte.

Ein interessanter Abend, jetzt bin ich nur neugierig ob und was davon auf die östBpliste kommt, die Norgen verlautbart wird.

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2016-12-19

Letzte Textvorstellungen mit Angelika Reitzer

Vor Weihnachten ging es noch einmal zu den „Textvorstellungen in die „Alte Schmiede“, wo Angelika Reitzer unter dem Motto „Das ganze Leben“, Bücher von Christoph Linher, Hubert Weinheimer und Amaryllis Sommerer vorstellte, die zwar bei einem der Bücher das Wort „Leben“ im Titel trugen, ansonsten aber Erinnerungen beziehungsweise Monologe über Schuld und Sühne waren.

Christoph Linher und Hubert Weinheimer, zwei 1983 geborene junge Männer, die sowohl Musiker, als auch Schreibende sind und beide waren mir bis dato unbekannt.

Die „Textvorstellungen“ bieten ja immer die Chance zur Neuentdeckung und zum Kennenlernen und Angelika Reitzer stellte die Texte der beiden jungen Männer auch sehr gründlich vor.

„Farn“ heißt die „Erzählung aus dem Off“, des aus Feldkirch kommenden  Christoph Linher, bei „Murry Salzmann“ erschienen und im ersten Satz wird ein „Höller“ zitiert, eine Figur, die wie Angelika Reitzer erklärte auch bei Thomas Bernhard zu finden ist und der junge Mann, der für diese Erzählung auch schon einen Literaturpreis bekommen hat, scheint, wenn ich mich nicht sehr irre, ein ähnlich erzählerisches Talent, wie Valerie Fritsch zu sein, die Angelika Reitzer, die vor sieben Jahren, wie Kurt Neumann im Anschluß erklärte, ihre „Textvorstellungen“ ja begonnen hat, dort auch vorstellte.

Die Erzählung ist ein Monolog, einer sitzt in einem Haus mit einer Fußfessel, wird nur vom Bewährungshelfer Höller besucht und resumiert sein Leben.

Es geht um eine Schuld, einen Unfall, eine Fahrerflucht, aber auch um eine Beziehungskrise und dem Verlassenwerden durch die Ehefrau und schöne Worte. Einige wunderschöne Wortschöpfungen und wiedereinmal dem Sujet nicht ganz angepasst, weil die, die mit Fußfesseln in ihren Häusern sitzen, wahrscheinlich keine so schöne Sprache haben oder doch vielleicht, handelt es sich ja um einen Bildhauer und um ein großes literarisches Talent, wie ich vermuten würde.

Der zweite junge Mann wurde im Salzkammergut geboren und lebt als Musiker in Wien und er hat mit seinem Debutroman auch einen Monolog geschrieben, da befindet sich ein Schauspieler an einem einsamen Strand „Gui Gui oder die Machbarkeit der Welt“, heißt Hubert  Weinheimers 2014 erschienener Roman, den er, wie er im Anschluß erzählte, in drei Monaten niedergeschrieben hat.

Ausgangspunkt war die Idee eines bestellten Selbstmordes oder Mordes. Der Schauspieler wurde von seinem Bruder gezwungen ihn zu erschießen. Jetzt haust er in einem Zelt, schreit seine Wut heraus und resumiert sein Leben. Sprachlich nicht ganz so anspruchsvoll, wie der Monolog von Christoiph Linher, dafür aber excellent vorgetragen und die dritte im Bunde Amaryllis Sommerer, Geburtsdatum ist von ihr keines im Programm angegeben, wird wahrscheinlich in den Sechzigern gewesen sein, war mir dann bekannt, habe ich von ihr zwei bei „Milena“ erschienene Bücher ja im Schrank gefunden und von der 2016 auf die 2017 Leseliste geräumt, ich habe sie glaube ich auch schon einmal bei Angelika Reitzer in der „Alten Schmiede“ gehört und ihr bei „Picus “ erschienerner Roman „Wie das Leben geht“ hat sie auch auf der letzten „Buch-Wien“ im „Literaturcafe“ vorgestellt.

Es ist eine Vater Tochter Geschichte oder Franz hat die Krebsdiagnose bekommen und so sinniert er auch über sein Leben nach. Er tut es nicht ganz allein, seine Frau Helli und seine Tochter Katja scheinen im Buch auch Stimmen zu haben. Aber sonst gibt es wieder Ähnlichkeiten zu den vorher präsentierten Texten. Franz ist ein Kriegskind, wie es Amaryllis Sommerer nannte, nämlich mit Sechzehn noch rasch an die Front geschickt und zurückgekommen, wie auch mein Schwiegervater.

Das Buch spielt in den Achtzigerjahren und als Franz die Diagnose bekommt, geht er sein Leben durch und spricht von seinen Traumen, er hat dann in den Fünfzigerjahren eine Art Doppelleben in einem Wiener Spielerlokal geführt, seine Helli geheiratet und die Tochter, die nach der Matura, den Ottakringer Gemeindebau verlassen hat, wird von ihm nach der Diagnose angerufen.

Sprachlich ist die Krimischreiberin Amaryllis Sommerer realistischer, als die beiden vorher vorgestellten Texte,  das Suet ist mir auch vertraut, bin ich ja auch in einem Gemeindebau aufgewachsen und mein Vater stammt aus Ottakring.

Eine sehr interessante Mischung also und als es vorbei war, ergriff Kurt Neumann das Wort, wünschte frohe Weihnachten und wies darauf hin, daß Angelika Reitzer mit Ende des Jahres die Redaktion der „Alten Schmiede“ verlassen und sich wieder mehr ihrem eigenen Schreiben widmen wird.

Er verwies darauf, daß man sie damit im neuen Jahr mit dem neuen Buch in der „Alten Schmiede“ als Autorin hören würde könne und  auf die erste von ihr redigierte „Textvorstellungen“ und da fiel mir ein, daß ich, die ja als sehr anspruchsvoll empfunden haben.

In der ersten hat sie Anna Weidenholzer vorgestellt, die ersten drei „Textvorstellungen“ hatten alle sehr anspruchsvolle Namen, später hat sich das geändert, ich habe auch einige davon versäumt und Angelika Reitzer hat sich später auch den Buchdebuts und der Lesart zugewandt.

Ich habe sie ja persönlich in der Hauptbücher kennengelernt, als ich dort das Buch der Theodora Dimova vorstellte und ich habe auch zwei ihrer Romane gelesen, bin gespannt wie es weitergeht mit den „Textvorstellungen“ und ob ich dort auch wieder einmal lesen werde, gespannt auf Angelika Reitzers neues Buch und auch, ob ich von Christoph Linher, den ich, wie schon erwähnt für eine ähnlich starke literarische Stimme wie Anna Weidenholzer, Sandra Gugic oder Valerie Fritsch halte, die ja inzwischen Karrieren machte, noch etwas hören werde.

Und ein Adventkalenderfenster aus der „Nika, Weihnachtsfrau“ gibt es auch.

2016-10-11

Vom Parlament in die Alte Schmiede

„Du gehst sicher zu einer Lesung?“,  hat meine ehemalige Schulkollegin Trude K. mich gefragt, als ich sie um halb vier auf der Kettenbrückengasse traf.

„Richtig, aber zuerst ins Parlament!“

„Ins Parlament, was machst du im Parlament?“, lautete die erstaunte Frage.

Aber wieder richtig, es kommt ja jetzt bald die zehnte  „Ohrenschmaus-Preisverleihung“ und weil die zur Feier des Jubiläums, nicht mehr Anfang Dezember zum Tag der Behinderung, sondern schon einen Monat früher auf der „Buch-Wien“ stattfindet, war heute um vier in den Räumen von Franz Josef Huainigg die Jurysitzung und ich habe mich mit Franzobel, Heinz Janisch und Felix Mitterer getroffen und wir haben mit vielleicht so rauchenden Köpfen, wie der Jury des ersten „österreichischen Buchpreises“, die ja bald die Shortlist bekanntgeben wird, unsere Entscheidungen getroffen.

Das heißt so sehr haben sie nicht geraucht und wir waren  auch bald einig, wer die drei Hauptpreise bekommen wird, welcher Text auf der Schokolade stehen wird, wer auf die Ehrenliste kommt und ein „Ohrenschmaus-Stipendium“ wird es zum Zehnjahresjubläum auch geben, sowie ein neues Buch, das am 11. 11. auf der „Buch-Wien“ vorgestellt wird, da gibt es auch eine Diskussion „Quo vadis Ohrenschmaus?“, auf der ORF-Bühne und das ist sehr interessant, denn der „Ohrenschmaus“ will sie ja der Öffentlichkeit vorstellen und seine Preisträger, beziehungsweise ihre Texte dieser präsentieren und das kann ich schon verraten, es sind wieder einige schöne dabei, die man dann, wenn man am 10. November um achtzehn Uhr ins Museumsquartier kommt, auch hören kann.

Nach eineinhalb Stunden waren wir mit der Diskussion fertig. Dann bin ich in die „Alte Schmiede“ gegangen, weil es dort wieder eine „Lesart“ mit Angelika Reitzer gab, die die neuen Bücher von Karin Peschka und Almut Tina Schmidt vorstellte und weil die Sitzung schon, um halb sechs zu Ende war, war ich schon nach halb sieben in der „Alte Schmiede“.

Da hatten die Assistenten gerade aufgesperrt und ich war lange mit ihnen, Angelika Reitzer und den Autorinnen allein und, als ich schon glaube, daß ich vielleicht das einzige Publikum bin, öffnete sich die Türe und Peter Henisch kam herein und nach und nach noch ein paar andere Autoren und Zuhörer und ich nützte die Gelegenheit mich bei Peter Henisch zu erkundigen, wie seine Lesung letzte Woche war und ihn zu fragen, ob er glaube, daß er auf die Shortlist kommt, denn die wird ja morgen vergeben und das finde ich sehr spannend, weil ich mir eigentlich vorstellen könnte, daß mindestens acht Namen darauf stehen, obwohl sie  auf fünf geschrumpft wird.

Karin Peschka, die überraschende „Alpha Gewinnerin“ vom letzten Jahr wird nicht darauf stehen, hatte aber ein „Stadt Wien-Stipendium“, so daß ich im „MUSA“ schon etwas aus ihrem neuen Roman „FanniPold“hörte, aber dennoch bei der Einleitung von Angelika Reitzer überrascht war, denn es geht nicht nur um eine frustrierte Ehefrau und Mutter in einem kleinen Dorf, die ihre drei Freundinnen mit denen sie sich einmal in der Woche in einer Pizzeria trifft, erzählt, daß sie Krebs hat, es geht auch um einen Leopold, beziehungsweise einen Poldi, mit dem sie sich auf einen Baumvereinigt, deshalb auch die Zusammenschreibung des Namens, was mich anfangs ein wenig verwirrte, um Ameisen, weil das fleißige Tiere sind, geht es auch und das alles ist ein wenig  geheimnisvoll und würde ich auch gerne lesen.

Aber leider ist das Buch noch nicht zu mir gekommen, was angesichts meiner überlangen Leseliste und meines deutschen und österreichischen LL-lesen auch nicht wirklichlich viel macht.

Das heißt das deutsche Lesen ist ja mit dem Peter Stamm wahrscheinlich vorbei, wenn nicht doch noch Buch neunzehn und zwanzig kommt, das österreichische wird dann bald beginnen und nach Karin Peschkas Lesung kam gleich die Diskussion, beziehungsweise die Fragen an beide Autorinnen, dann stellte Angelika Reitzer, die mir bisher unbekannte Almut Tina Schmidt vor, die 1971 in Göttingen geboren wurde, schon länger in Wien lebt und bei „Droschl“ verlegt.

Ihr, glaube ich, dritter Roman heißt „Zeitverschiebung“ und das ist auch sehr interessant, denn während es bei Karin Peschkas neuem Buch, um eine Lüge geht, geht es hier, um das notorische Zuspätkommen und um, das Prekariat, das die jungen Leute heute erleben, geht es auch.

Die Protagonistin soll oder will auf jeden Fall an ihrer Diplomarbeit über Jack Kerouac schreiben, wird aber nicht so schnell fertig, wie geplant, so nimmt sie einen Bandscheibenvorfall her, um Aufschub zu bekommen, läßt sich krankschreiben und fährt, statt weiterzuschreiben, zu der Hochzeit ihrer Freundin Melanie.

Da gab es dann, wie Angelika Reitzer im Anschluß bemerkte, die zweite Wirtshausszene zu hören, von der Autorin sehr flott und schnell vorgetragen, die erste hatte schon Karin Peschka, wo Fanni bei einer Familienfeier mit blutenden Finger auf einem Klo sitzt und einen Brandt auf dieser Toilette hat es vorher auch gegeben.

Interessant, interessant und bin gespannt, ob das Buch noch zu mir kommt, ebenso wäre ich auf das von Peter Henisch neugierig, aber als ich über die Buchhandlung „Kuppitsch“ und dem Bücherschrank, den es dort gibt vorbeigegangen bin, habe ich El Awadallas bei „Milena“ erschienene „U-Bahn Dialoge“- „Seawas, Grüssi, Salamaleikum“ gefunden und das ist sicher auch sehr interessant.

2016-09-20

Zwei Erzählbände

In der „Alten Schmiede“ geht es weiter mit den Präsentationen der Herbstneuerscheinungen.

„Lesart“ nennt sich die Reihe, die Angelika Reitzer inzwischen präsentiert und Lydia Mischkulnig und Leopold Federmayr haben zwei solcher Bände.

Die „Alte Schmiede“ hat ja auch zwei Räume, den „Schmiedenraum“, ein Museum ist das ja glaube ich nicht und das „Literatrische „Quartier“ im Keller und da wechseln sich die Veranstaltungen ab, nicht nur bei den Symposien, wo die Diskutanten oben und die Zuhörer unten sitzen.

Buch eins, Lydia Mischkulnigs „Paradiesmaschine“ wurde im Kellner vorgestellt, wo mich zuerst einmal Lidio Mosca Bustamante freundlich grüßte, ja es gibt sogar Leute, die auf mich  zukommen, statt mich zu ignorieren und zu meinen Geburtstagslesungen eingeladen werden wollen und die 1963 in Klagenfurt geborene Lydia Mischkulnig ist eine literarisch alte Bekannte „Halbes Leben“ hat ihr Debutband geheißen, bei „Droschl“ erschienen und noch sehr experimentell, ich habe ihn einmal bei „Rund um die Burg“ gewonnen, dann kam das Lesen beim „Bachmannpreis“ 1996, das Jahr, wo ich dort war und zuhörte.

Da las sie schon sehr schnell und hektisch, hat, glaube ich, was gewonnen und die Jury disktuierte, ob das jetzt Literatur oder Brigitte-Niveau sei?

Darauf erschien „Hollywood im Winter“ das habe ich gelesen und es hat mir nicht gefallen,  „Schwestern der Angst“ erschien mir sehr übertrieben, gehetzt und abgehoben, so habe ich sie, glaube ich, auch einmal im MUSA und auch bei Lesungen gehört.

Jetzt ein Erzählband und Lydia Mischkulnig begann mit der ersten Geschichte, die „Kloster neu Burg“, vielleicht so oder auch anders geschrieben, heißt. Lydia Mischkulnig las sehr deutlich und sehr akzentuiert. Es ging um einen Erzähler, ich glaube, ein Mann, der mit dem Fahrrad Benzin für den Rasenmäher holen fährt, da trifft er ein Paar mit Rucksäcken, das nach einem Wanderweg fährt, die Frau trägt zuerst Kopftuch, dann Schleier, Vergleiche mit den Nonnen tauchen auf, sehr schöne beinharte Beschreibungen, die ich mir leider nicht so lang gemerkt habe, daß ich sie mir aufschreiben konnte. Es geht dann auch, um Kinder und um eine Schatztruhe und Angelika Reitzer hat Lydia Mischkulnig sehr viel dazu gefragt.

Sehr abgehoben würde ich wieder denken, denn eine Frau mit Kopftuch oder Schleier geht wahrscheinlich nicht mit Rucksack in Klosterneuburg wandern, die zweite Geschichte kann man dagegen nacherzählen, da trifft sich ein Paar in einem Hotel, wo auch ein berühmter Fotograf logiert, der fotografiert die beiden und als die sich trennen, zerreißen sie das Foto, weil sie sich nicht einigen können, wer es bekommt, so bekommt jeder die Hälfte und erst nach dem Tod des Fotgrafen bekommen sie heraus, daß es als Ganzes einen riesigen Wert hat, so sind sie gezungen sich wieder zu vereinen. Das fand ich originell, während ich bei der dritten Geschiche, die von einem Heuschreck handelt, aussetzte.

Angelika Reitzer diskutierte zwar vorher das Prekatiat, da habe ja jetzt einige junge Autoren, wie beispielsweise Friederike Gösweiner, merke ich an, davon geschrieben, wie schwer es ist, in diesem Leben Fuß zu fassen, Angelika Reitzer hat es mit „Unter uns“, glaube ich, auch ein bißchen getan. Aber, wie ist das bei den Älteren?, fragte Angelika Reitzer und meinte wohl, daß es das nicht gäbe.

Aber ich habe mich ja jetzt durch einige „Altherrenprosa“ gelesen, da geht es zwar nicht um Armut und um Mindespensionen, aber um das Sterben und die letzten Lieben, mit denen sie nach Sizilien aufbrechen oder die bei Kongreßen wieder treffen und berührende Bücher über Demenz gibt es auch.

Aber Angelika Reizter ist ja ein Siebzigerjahrgang, Lydia Mischkulnig ein bißchen älter und das Prekariat ist in der Geschichte „Tiere wie wir“ spürbar, da gibt es Stellenabbau,  Einsparungen und einen Heuschreck zwischen den Fensterscheiben, der nicht hinauskann, die Ich-Erzählerin läßt ihn sterben und verbindet das mit ihrer persönlichen Geschichte.

Nein, das gefällt mir nicht.

„In der Literatur ist das erlaubt!“, sagte mir in der Pause Erika Parovsky, ja ich weiß, da muß ja alles fürchterlich und übertrieben sein, um interessant zu wirken, aber wenn ich zwar schreiben kann, daß Retortenkinder Halbwesen sind, aber bei einem Vortrag gepunsht werde, dann stimmt etwas nicht und wenn ich, die unverständlich Schreibende, die das angeblich nicht kann, die Geschichte geschrieben hätte, wäre eine Putzfrau aufgetreten und hätte den Heuschreck ins Freie gelassen, aber ich weiß, die Putzfrau wurde vielleicht auch schon eingespart und wir sind wieder bei den prekären Arbeitsverhältnissen.

Dann gings in die „Schmiede“ und zu Leopold Federmayr, den 1957 in Wels geboren, der schon länger in Japan lebt und dort, glaube ich, unterrichtet, in Mexiko war er, glaube ich, auch, dort erscheinen auch seine Bücher und bei „Otto Müller“ ist „rosen brechen“ erschienen, österreichische Erzählungen oder Erzählungen vom Land beziehungsweise aus der Kindheit und Leopold Federmayr meinte, daß er oder auch andere Autoren, daraus die Stoffe beziehen würden und Urfassungen zu den Texten wären schon in Achtziger oder Neunzigerjahren erschienen, die er  umgearbeitet hat.

Er las einen Teil einer längeren Erzählung „Das Feld“, darum geht er spazieren, es war einmal ein Fußballplatz, dann wurde wieder Kukurruz angeplantz, zum Friedhof geht er auch und als Kind ist er an der Hand der Großmutter gegangen, der Vater spielte Fußball und konnte es nicht gut und er hat im elterlichen Gasthaus Toast serbviert und dafür zehn Schilling Trinkgeld erhalten.

Es gibt noch eine andere Erzählung, mit Kurztexten, deren Titel er von Erwin Einzinger „gestohlen“ hat, der das gar nicht bemerkte, als er ihn einmal einleitete und Leopold Federmayr, den ich schon ein paar Mal lesen hörte, beim „Bachmannpreis“ hat er auch einmal gelesen, erzählte ein bißchen was aus seinem Nähkästchen des Schreibens und seinem japanischen Leben.

Zwei interessante Bücher, die nicht auf den LL stehen, auf die deutsche können sie ja nicht, weil keine Romane, die österreichische ist auch schon besetzt, aber das Lesen ist sicher zu empfehlen.

2016-04-04

Wieder einmal Schreibgespräche

Im „Literaturmuseum“ war ich jetzt ja schon länger nicht, ich glaube, das letzte Mal bei der „Ernst Jandl- Veranstaltung“ im Oktober und bei der GAV-Reihe „Reden vom Schreiben“, glaube ich, nur das erste Mal, als Renata Schmidtkunz den älteren Robert Schindel der jüngeren Anna Weidenholzer gegenüberstellte, als dann Marie Therese Kerschbaumer an der Reihe war, war ich noch Radfahren, auf meinen Blog wurde aber nach der Veranstaltung gesucht.

Jetzt ist es sich wieder ausgegangen und jetzt war auch Daniela Strigl, die Moderatorin, die ich ich ja schon am letzten Freitag in einer Gesprächsreihe hörte und Angelika Reizter, die neben Franz Josef Czernin vorgestellt wurde, habe ich vorige Woche auch zweimal in der „Alten Schmiede“ gehört.

Ja, ich komme viel herum in der literarischen Szene Wiens, beziehungsweise stehe ich daneben oder sitze dabei und beim Hingehen ist mir  schon eingefallen, daß ich nach der Sonderausstellung fragen sollte, die da ja bald eröffnet werden soll und wie es der Zufall will, aber wahrscheinlich ist es gar keiner, hat Angelika Reitzer diese Ausstellung kuratiert, die nächsten Freitag eröffnet werden wird, aber da bin ich in Göttweig bei der „Literatur und Wein“

Ja, mich treibt es literarisch herum, obwohl in diesem Fall der Alfred der Auslöser ist, der die Dauerkarten bestellte, aber am 2. Mai bekommt Marianne Jungmaier im „Literaturmuseum“ das „Georg Saiko-Reisetipendium“ und da kann man ab achtzehn Uhr in das Museum, also muß ich noch ein wenig warten, aber Franz Josef Czernin und Angelika Reitzer sind auch sehr interessante Gegensätze, wie Daniela Strigl gleich in der Einleitung betonte, ist ja der 1952 geborene Franz Josef Czernin ein eher experimenteller Lyriker, er hat den Jandl und den „H. C. Artmann Preis“ für Lyrik bekommen, ist aber auch Essayist und hat einmal mit Ferdinand Schmatz, den „Residenz-Verlag“ genarrt. Das hat Daniela Strigl in ihrer Einleitung nicht erwähnt, aber gesagt, daß er ein ganzes Buch über ein Gedicht von Reinhardt Priessnitz geschrieben hat und auch gerne Texte anderer  umlautet.

Die  1971 in Graz geborene Angelika Reitzer ist mir wahrscheinlich besser gekannt, ging ich ja sehr oft zu den von ihr moderierten Textvorstellungen in die „Alte Schmiede“, die besonders experimentell oder sprachkünstlerisch waren, so hat sie Anna Weidenholzer, Nadine Kegele, Valerie Fritsch, Sandra Gugic und und und vorgestellt und stellt jetzt in der Reihe „Lesart“ neue Bücher vor.

Das von Clemens J. Setz meinen vorigen Buchpreisfavoriten beispielsweise aber auch andere, Karin Peschka und und.

Ich habe sie ja, glaube, ich in der Hauptbücherei so richtig kennengelernt, als ich da einmal ein Buch vorstellte, sie aber vorher, ab 2007 glaube ich, als das neue aufsteigende GAV-Talent erlebt, als sie den „Priessnitz-Preis“ bekommen hat, war ich gerade auf das Literaturhaus sauer, weil mich Silvia Bartl nicht mehr die „Mittleren III“ dort hat machen lassen, an dem Tag habe ich aber auch eine Einladung von Friedrich Hahn zu den „Textvorstellungen“ mit Cornelia Travnicek bekommen, das aber nur nebenbei zu Angelika Reitzers Rolle als Kulturvermittlerin.

„Unter uns“ und „Wir Erben“ habe ich gelesen. Daniela Strigl stellte sie als Spezialistin für prekäre Verhältnisse vor und ich habe mich schon beim Hingehen gefragt, wie die beiden Autoren wohl zusammenpassen?

Wie die Faust aufs Auge wahrscheinlich nicht, weil Angelika Reitzer sprachlich sehr anspruchsvoll ist, aber keine Lyrik schreibt, Daniela Strigl, die ja sehr gekonnt zu moderieren versteht, erste Frage war dann auch, ob sich der Literaturbetrieb seit dem Beginn des Schreibens verändert hat?

Hat er natürlich, zu Beginn meines Schreibens, das sich wahrscheinlich mit dem von Franz Josef Czernin decken wird, war er total experimentell und das Erzählen out. Franz Josef Czernin hat das vornehm, als den Wunsch nach schwierigen Texten umschrieben. Der sich inzwischen verändert hat, inzwischen ist ja, wie man vielleicht am Beispiel „Morgen mehr“ von Tillmann Ramstedt  oder Ronja von Rönne sieht, eher performantistisch, blogmäßig geworden, was damals sicher undenkbar war.

Angelika Reitzer hat seit 2007 keine so großen Veränderungen bemerkt, da war das narrative Schreiben schon erlaubt und die Experimentellen haben über soviel „mittelmäßige Romane“  gestöhnt, sie aber auch nicht verhindern können und dann kam eine Überraschung , nämlich eine Listenlesung von Angelika Reitzer, die aus einem Buch, aus dem Leben  der Zell am Seer Bankerin  Auguste Lammer las, wo sie ihr Leben von 1- 200 skizzierte und dann im Gespräch erklärte, daß sie das für das Salzburger 200 Jahre Jubiläum geschrieben hat, also auch sehr schön experimentell, diese Indexlesung, dann gab es noch eine Diskussion über die Vor- und Nachteile des Listenschreibens und ob sie einem bei Schreibblockaden helfen können?

Das hat Angelika Reitzer, glaube ich, ein wenig irrigiert, aber Gleiderungen helfen natürlich, zumindestens erlebe ich das gerade bei meinem momentan noch nicht sehr geglückten Schreibversuchen.

Dann kam der Übergang zu Franz Josef Czernin, der an Hand von Wilhelm Müllers „Krähe“ aus der „Winterreise“ demonstrierte, wie das Umformen von Gedichten geschehen kann.

Danach ging das Schreibgespräch weiter, denn Daniela Strigl wollte genau wissen, ob mit der Hand oder in den Computer geschrieben wird und stellte dieselbe Frage, die ich mir auch immer stelle, daß es ja, wenn es gleich in den Computer geht, dann keine Originale für das Literaturmuseum oder eine Handschriftensammlung gibt.

Es gibt aber natürlich ein Notizbuch und Franz Josef Czernin überraschte mehrmals durch sehr orignelle Antworten (Der Wert steigt dadruch), während Angelika Reitzer erzählte, daß sie es bei Autofahrten schon einmal mit dem Handy probiert hat.

Die Reihe geht weiter, versprach Daniela Strigl, aber ich werde erstmal mein neues Buch in den „Read!!ingroom“ bringen, am Mittwoch ist wieder MUSA und am Donnerstag kann ich, wenn  die „Schreibgruppe“ stattfindet, vielleicht meine erste Wurfgeschichte über „Dosenbier“ schreiben und  meine momentanen Schreibblockade ein wenig überwinden.

2016-03-31

Lesart mit Episodenroman

Mit dem „Lesart Autorenprojekt“ ist es gleich weiter und vom Keller in den Schmiedenraum gegangen, denn heute stellte Angelika Reitzer ein neues und ein ein wenig älteres Buch vor. Auf beiden steht Roman geschrieben, es geht aber um Episoden. Angelika Reitzer nannte es, glaube ich, auch Ensemble und stellte die 1952 aus Vorarlberg geborene Eva Schmidt vor, die wie sie erklärte, seit den Neunzigerjahren keinen Roman mehr geschrieben hat.

Der Name Eva Schmidt erscheint mir bekannt, ich bringe sie mit dem alten „Residenz-Verlag“ in Verbindung, ihr neues Buch, wo Roman darauf steht und vieleicht keiner ist, ist auch bei „Jung und Jung“ erschienen.

„Ein langes Jahr“ heißt es und darum scheint es auch zu gehen.

Im Programm steht etwas von einem Jungen, der keinen Hund haben darf und einen alten Mann, der sich einen kauft und die beiden kommen zusammen.

Es scheint in dem Jahr und in dem Buch aber auch, um viel anderes zu gehen, das in einer kleinen Stadt mit einem Hochhaus und Reihenhäusern angesiedelt ist.

Eva Schmidt las ein paar Kapitel vor, die, wie sie sagte, vielleicht gar nicht so viel miteinander zu tun haben und wieder interessant im Vergleich zu gestern, wo es ja auch um den Jahreszyklus zu gehen schien, es gibt die Ich- und die Er- oder Sie- Perspektive und Episode reiht sich an Episode, während die Stadtbewohner am Balkon stehen und die darunter liegenden Reihenhäuser beobachten, wo ein Ehepaar Oswald wohnt und ein junger Strizzi scheint sich in Abwesendheit des Bewohners in eine Wohnung zu schleichen, Fernsehserien zu sehen und Bier zu trinken, das habe ich vor längerer Zeit schon bei Michael Köhlmeier gelesen und der kommt ja auch aus Vorarberg.

Es geht um einen Obdachlosen namens Wolfgang, den die Ich-Erzählerin manchmal mit Geld unterstützt und ihm Arbeit anbietet, die er aber nicht annimmt, um ein Kind das einen Unfall hat und die Erzählerin daran erinnert, das ihr Kind auch gestorben ist, obwohl sie eigentlich ihr ganzes Leben mit ihm lebte, um einen Jungen, der die ausgezogene Mutter besucht und in die Wohnung zurückbringt und dann kam Sandra Gugic mit ihren „Astronauten“ vor einem Jahr erschienen und ich habe die 1976 in Wien geborene Autorin serbischer Eltern, nicht nur in der „Gesellschaft“ daraus lesen gehört, sondern das Buch auch ganz oben am Harlander Lesestapel liegen und  habe die Autorin auch in den ersten oder zweiten Textvorstellungen mit Angelika Reitzer, die damals noch einen klingenden Namen hatten und die ich ein bißchen zu sammeln cersuchte, gehört.

Sandra Gugic, die ja einmal bei den „Exil-Preisen“ gewonnen hat, dann sowohl am „Institut für Sprachkunst“, als auch am Leipziger Literaturinstitut studierte, den Open Mike gewonnen hat und ich sie auch im MUSA hörte, lebt, jetzt in Wien und in Berlin und ihr Buch handelt von sechs jungen älteren oder jüngeren Menschen, ich glaube, in einem Sommer in einer Stadt wie Berlin, Darko, Zeno, Mara, Alen, Niko und Alex und diesmal fiel mir besonders die moderne Sprache der Autorin auf, die inzwsichen auch schon bald zu den Vierzigjährigen zählt.

Interessant, interessant und noch ein bißchen Literatur rundherum, so habe ich Armin Baumgartner, der ja einmal das Literaturprogramm im „Litte stage“ organiserte beim Hingehen vor der Kärtnerstraße getroffen, im „Morawa“ durch den ich wieder durchgegangen bin, wurde schon alles für die Lesung von Andrea Maria Dusls neuen Buch „So geht Wien“ vorbereitet und die Autorin zu ihrem Bücherstapel geführt und der Nobelpreisträger von 2002, Imre Kertesz, ist heute morgen sechsundachtzigjährig gestorben.

2016-02-09

Hans Platzgumer neu entdeckt

Filed under: Bücher — jancak @ 22:23
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Die „Alte Schmiede“ hat  jetzt eine Reihe „Angelika Reitzer stellt mir ihren Gästen neu zu entdeckende Büche vor“ und da war heute Hans Platzgumer mit „Am Rand“ da, ein Autor, der mir nichts sagte, seinen Namen habe ich in den letzten Tagen aber öfter, wo gehört oder gelesen, also war ich auf die Entdeckung sehr neugierig und es war auch sehr interessant.

Sehr voll in der „Alten Schmiede“, ich glaube Norbert Gstrain, der nächste Woche seinen neuen Roman vorstellen wird, war da und eine Menge Leute, die ich, wie den 1969 in Innsbruck geborenen Autor, der in Lochau bei Bregenz lebt, nicht kannte und Angelika Reitzer erwähnte  in der Vorstellung, daß der bei „Zsolnay“ erschienene Roman, letzte Woche herausgekommen ist, deshalb war auch der Verlagsleiter Herbert Ohrlinger, mit dem ich einmal in einer Jury gesessen bin, da und in dem Buch geht es,  um einen Mann, der eines Morgens um vier Uhr in der Früh aufsteht, kein Licht in der Küche macht, sondern sich mit der Beleuchtung eines Schlafzimmerlämpchens, Eier mit Schinken macht, Speckbrote einpackt und sich dann mit Zug und Bus aufmacht auf einen Berg zu fahren. Dort steigt er auf den Gipfel, setzt sich bei Sonnenaufgang hin, um bis die Sonne untergeht, einen Roman über sein Leben zu schreiben.

Er ist nämlich Schriftsteller, aber sehr pedantisch, so daß er bisher nie etwas zu Ende brachte, aber jetzt muß er wohl oder nimmt es sich vor und dann erzählt er, der Leserin, die das Manuskript finden wird, von einem Nachbarn, der als er ein Bub geworden ist, ein Jahr lang tot mit Kopfhörern vor dem eingeschalteten Fernseher gesessen ist und niemand hat sein Sterben bemerkt, obwohl die Nachbarn vorher  für die Kopfhörer gesammelt haben, damit sie durch seinen Fernseher nicht gestört werden. Seltsam also, daß erst ein Einbrecher kommen muß und die Tür offen läßt, damit die Mutter  in die Wohnung gehen und nach dem Nachbarn schauen kann und der Kleine steht dabei und beobachtet, seine Freunde wollen den Fernsehsessel dann im Keller aufstellen und ihn als den der Mumie vermieten. Da haben die Leute gelacht, ich habe das wieder nicht so lustig gefunden und es geht dann weiter, daß die Mutter des Erzählers eine „Hure“ war, nach der Geburt hat sie sich aber vollkommen gewandelt, ist in ein Pflegeheim gegangen,  hat die Alten gebadet und gepflegt und drei Mal am Tag mit ihnen gebetet. Das Wort Nonne ist auch einmal gefallen und das ist eine Metapher, die ich mit Verlaub, noch ein wenig kitschiger finde, als die von der Mumie mit Kopfhörern am Fernsehsessel.

Der Erzähler hat dann noch zwei Morde vor, beziehungsweise hinter sich, denn eines Tages kommt der Großvater, der sich „Monarch“ nennt, während die Mutter im Pflegeheim ist, verlangt von dem Kleinen, daß er ihm ein Bier holen soll und der tut das ein paar Mal, dann geht er aber weg und beschließt erst  zurückzukommen, wenn der Großvater verschwunden ist. Der zieht aber später in die zwei Zimmer Wohnung ein und von einem Freund, den er von seinen Leiden erlöst, wird im Programm auch noch berichtet.

Ein Buch über das Sterben also und Hans Platzgumer erzählte im Gespräch mit Angelika Reitzer, daß er auf die Idee gekommen ist, als er auf diesen Berg gegangen ist.

Da wollte er darüber schreiben, daß einer dort einen Roman schreibt, dann ist er nach Hause gegangen und es ist ihm gekommen, daß es ein Buch übers Sterben werden wird, denn er ist kein planender Autor, sondern setzt sich hin und läßt sich von seinen Figuren leiten und hatte nur einen Zettel, wo die Namen der handelnden Personen standen. Wenn dann einer gestorben war, hat er ihn abgehakt.

Da wurde wieder gelacht und eine kleine Stelle hat der Autor auch noch gelesen, nämlich, die, wie der Held Gerold Ebner zu seinen Ideen kommt, er setzt sich auf die Straße und schaut den Passanten zu und denkt sich etwas aus, aber weil da immer andere Leute sind, kommt er nicht weit und seine Romane sind nicht fertiggeworden.

Der Autor hat noch eine  Metapher gebracht, die mir Schwierigkeiten machte, nämlich die, daß sich der Held, statt sich vom Berg zu stürzen, ja auch auf seinen Manuskriptstapel stellen und damit in die Schlinge rutschen könnte, etwas was mir auch nicht sehr gefiel, wie ich überhaupt den Roman etwas konstruiert und aus der Zeit gefallen empfand.

Angelika Reitzer hat das im Gespräch auch angesprochen und Hans Platzgumer hat begeistert „Stimmt, er könnte auch an einem anderen Ort oder im vorigen Jahrhundert spielen“.

Da habe ich mich  wieder ein bißchen gewundert, daß er dann heute noch verlegt wird, dem Publikum hat es aber, glaube ich, gefallen.

Angelika Reitzer rief, glaube ich, zum Bücherkaufen und Signierenlassen auf, der sehr selbstbewußte Autor verneigte sich und ein Detail am Rande kann ich noch erwähnen, ihr „Wir Erben“ lag in der „Morawa-Abverkaufskiste“ um vier Euro, als ich in die „Alte Schmiede“ gegangen bin.

Ich habe es nicht gekauft, weil ich es ja schon gelesen habe, also wer in Wien wohnt und es haben will, morgen früh hingehen und ich habe, für alle, die es wissen wollen, mit dem „Umschreiben von Paul und Paula“ begonnen und hoffe nur, daß ich mich damit nicht um meine Spontanität und meine Pointen schreibe, aber das wollte ich ja, einmal lange an einem Text korrigieren, mal sehen, wie es damit weitergeht.

2015-12-09

Zwei Buchvorstellungen

In der „Alten Schmiede“ stellt jetzt Angelika Reitzer unter dem Titel „Lesung und Lesart – neuzuentdeckende Bücher“ vor und diesmal waren es zwei kleine feine von steirischen Autoren und die 1971  geborene Angeilka Reitzer ist ja auch Steirerin, nämlich Franz Weinzettl und Andreas Unterweger, alles mehr oder weniger gute bekannte.

Den 1955 in Feldbach geborenen Franz Weinzettl kenne ich eher weniger oder sagen wir, er ist mir eher als Autor des früheren „Residenz-Verlags“ bekannt und das dort 1990 erschienene Buch „Im Pappelschatten“ habe ich auf meiner 2016 Leseliste.

Also eine Neuentdeckung des Autors, der inzwischen bei der „Edition Korrespondenzen“ verlegt und da über Züge und jetzt über Friedhofbesuche geschrieben hat.

„An der Erde Herz geschmiegt“ heißt der Band, der wie Angelika Reitzer einleitete von Friedhofbesuchen erzählt, die der Besucher in der Weltstadt, der Hauptstadt, der Heimatstadt, etcetera absoviert. Namen werden nicht genannt, mal besucht er mehrmals am Tag einen, mal weniger, er geht dort zu den Gräbern von flüchtigen Bekannten, sucht aber auch, die von Schriftstellern auf, denn er ist selbst ein solcher uns schreibt dann darüber.

Die erste Geschichte hat Franz Weinzettel gelesen, da geht es zuerst an das eine Ende der Weltstadt, zu einem  Verwandten, den er zwar im Leben gemieden hat, ihm jetzt aber eine Kerze stiftete, dann ans andere Ende auf den jüdischen Friedhof, wo man eine Kopfbedeckung tragen muß.

Angelika Reitzer fragte im anschließenden Gespräch nach der Recherchearbeit und ob Franz Weinzettel auch jetzt noch auf Friedhöfe gehen würde, er tut es nicht, denn dieses Thema ist jetzt abgeschlossen und das nächste wird irgendwann folgen, so wie er auch jetzt nicht mehr als sonst mit Zügen fährt, aber da manchmal noch auf  sein diesbezügliches Buch angesprochen wird.

Dann ging es weiter zu Andreas Unterweger und den habe ich 2008, glaube ich, über Andrea Stift kennengelernt, mit der ich ja damals eine Blogbekanntschaft hatte.

Da ist auch sein erstes „Droschl-Buch“ „Wie im Siebenten“ erschienen, das habe ich inzwischen auch auf meiner Leseliste.

Dann folgten „Du bist mein Meer“ und  „Das kostbarste aller Geschenke“ wo sich der  1978 in Graz geborene, der inzwischen in Niederösterreich lebt und Vater ist, „Notizen“ zu seiner Vaterschaft machte und jetzt ist das „Gelbe Buch“, wieder bei „Droschl“ erschienen, wo es um eine Kindheit im gelben Haus, im gelben Land geht und wo, wie Angelika Reitzer in der Einleitung erklärte, verschiedene poetologische Textformen vereint wurden.

Das erste Kapitel handelt von einem „Alten Waschbär“ und sollte eigentlich ein Kinderbuch werden.

Das wollte der Verlag auch nicht haben, Andreas Unterweger hat aber weitergeschrieben, dann war der Lektor zufrieden und so ist das „Gelbe Buch“ mit einem roten Cover entstanden und Andreas Unterweger, den ich schon öfter bei Lesungen hörte, ist wirklich ein eher unkonventioneller Autor mit unkonventionellen Ideen und so geht es in der Kindergeschichte, zu der Andreas Unterweger durch sein Haus in Niederösterreich, das eigentlich rosa ist, beziehungsweise durch die Landschaft dort inspiriert wurde, um einen Biber, der jeden Morgen schwimmt, im Sommer tut er das, denn die Sommer sind hell und schnell, während die Winter lang und dunkel sind, der Großvater kocht den Buben Tomatensauce, die sie nicht mögen und bei der Nennung des Namens das Gesicht verziehen, während Paradeissauce ihr Lieblingsessen ist, geht.

Interessant das vierte Buch von Andreas Unterweger, der fünf Jahre daran geschrieben hat, spannend  was er als Nächstes schreiben wird, aber ich habe ja noch den Erstling zu lesen und freue mich darauf.

Und am Donnerstag werde ich von meinem Psychologiekollegen Wolfram Huber Besuch bekommen, der sich in seiner Pension intensiv mit Bertha von Suttner und Alfred Fried interessiert und mich deshalb schon einmal besuchte.

Ich habe  auch durch ihn angeregt, die Nobelpreisträgerin in mein „Schutzengelchen“ einbezogen. Das Buch, dem Wolfram gewidmet, über das er mit mir sprechen will.

2015-09-28

Zweifache Eskapaden

Eigentlich sollten heute in den „Textvorstellungen“ der „Alten Schmiede“ zwei Autoren und eine Autorin, moderiert von Angelika Reitzer, zum Thema „Eskapaden/Eskapismus“ lesen, aber Ulrike Kotzina, die ihr Buch „Verschwunden“ vorstellen sollte, war erkrank. So blieben die Autoren mit zwei sehr unterschiedlichen Textsorten über.

Hat doch der Englischlehrer Kurt Leutgeb, der vielleicht auch Latein unterrichtet und schon acht Bücher, ich glaube, im „Sisyphos-Verlag“ herausgebracht, sich in seinem „Humana fraus“ auf Titus Livius bezogen und eines seiner Bücher übersetzt und dann die dort enthaltene Geschichte, wenn ich es richtig verstanden habe, auf zwei Arten weitererzählt.

Das war ein wenig kompliziert der  Entstehungsgeschichte zu folgen, obwohl der 1970 in Steyr geborene Autor, sehr viel zu seiner Erzählung erklärt hat, aber ich bin  nicht so besonders bewandert bei den alten Römern.

Jedenfalls geht es um eine Seuche im Jahre 331 vor Christus, die vielleicht nicht von den Göttern, sondern von giftmischenden Frauen verursacht wurde und eine Sklavin hat das Geschehen aufgedeckt.

Das mit den zwei verschiedenen Erzählsträngen, hat sich mir, wie erwähnt nicht so ganz erschlossen, dafür wurde es bei der zweiten Flucht  realistischer.

Erzählte der 1975 in Tirol geborene  Stefan Soder, doch vom Tod, beziehungsweise dem Sterben in einem Luxussanatorium bei Champagner und Kaviar und das sind Themen, die mir vertrauter erscheinen, beziehungsweise ich mich auch schon damit beschäftigt habe und ich glaube auch Hans Pleschiski in seinem 2008 erschienenen Roman „Ludwigshöhe“

Jedenfalls geht es in Stefan Soders Debutroman „Club“ um zwei Handlungsstränge.

Ein offenbar lebensmüder Banker und sonst wahrscheinlich, wenn ich Angelika Reitzers Andeutungen richtig verstanden habe, ein eher fieser Kerl, kommt nach Zürich, schmeißt dort mit Geldscheinen um sich, bevor er sich in diesen „Club“ begibt und dorthin will auch ein Aufdeckungsjournalist, wahrscheinlich, um die Sache aufzuklären und der hat ein Suchtproblem und im Gefängnis ist er glaube ich vorher auch gewesen.

Stefan Soder antwortete auf Angelika Reitzers Frage, wieso es zu diesem Roman gekommen ist, daß er eine Zeitlang in Zürich wohnte und da gibt es ja ein paar Sterbehilfeinstiutionen, über die habe ich in meinen Texten auch ein bißchen recherchiert und die befanden sich in seiner Nähe und so konnte er beobachten, daß auch gesunde Personen dorthin gezogen sind und da dachte er, wenn schon Freitod dann ein luxiöser.

Ich denke, daß diese Organisationen schon bestimmte Kriterien haben, wer ihre Hilfe in Anspruch nehmen darf, aber sicher ein spannendes Thema darüber zu schreiben und eines, was mich, glaube ich, auch mehr als der alte Livius interessiert, aber der Lese- und Schreibgeschmack ist unterschiedlich und so habe ich heute wieder zwei interessante Autoren kennengelernt, die mir bisher entgangen sind.

Ansonsten kann ich von meinem Buchpreisbloggerprojekt, das ein bißchen in die Krise gekommen sein dürfte, berichten, daß daß ich den Setz bekommen habe, noch lese ich ja die Irmgard Fuchs, aber vielleicht habe ich am Donnerstag, wenn Angelika Reitzer den Roman in der „Alten Schmiede“ vorstellt, schon damit begonnen und so habe ich sie auch gefragt, ob sie das Buch ganz gelesen hat, wie lange sie dazu brauchte und ob es schwer zu lesen sei?

„Selbstverständlich!“, hat sie mir geantwortet und nicht genau gewußt, wie lange sie dafür brauchte, ich würde mal zehn bis vierzehn Tage für mich schätzen und sie hat mich auch beruhigt, daß es sich gut lesen läßt.

Nun denn ich bin gespannt, werde in die Lesung gehen, schon um mich ein bißchen auf den Tonfall einzustimmen, werde weiter buchpreisbloggen und finde es nur ein bißchen schade, daß ich die sogenannten offiziellen Bücherblogger mit meinen Kommentaren zu nerven scheine, so daß sie aufhören sie zu veröffentlichen, was ich nicht so ganz verstehe, denn eigentlich ist es ja nicht so falsch, was ich da schreibe oder sollte ich damit im Irrtum sein?

2015-03-30

Textvorstellungen mit Solo-Buch

„Die Merkmale der Textvorstellungen sind!“, sagte heute Angelika Reitzer in der „Alten Schmiede“, „daß hier immer zu einem bestimmten Thema drei oder auch vier (jetzt sind es auch schon zwei, füge ich hinzu) Autoren ihre Texte lesen, aber heute machen wir eine Ausnahme, denn heute gibt es nur ein besonderes Buch und dazu habe ich mir zur Untersützung, nicht nur weil es so dick ist, den Verleger und Autor Alfred Gelbmann mitgebracht!“

Ich habe es ja schon oft geschrieben, die „Textvorstellungen mit Angelika Reitzer waren für mich etwas Besonderes, weil sie immer neue interessante Sprachtalente, wie Anna Weidenholzer, Sandra Gugic, Valerie Fritsch, die heute längst ihre Romane in großen Verlagen haben und auch schon große Preise gewonnen haben, vorstellte, einmal hat sie, glaube ich, auch Peter Campa vorgestellt, da war ich im im Dreiraumtheater bei Stefan Eibl Erzberg, die letzten Male habe ich auch versäumt, so daß mir die Kontinuität und der rote Faden inzwischen abgegangen ist, vielleicht gibt es ihn auch nicht mehr, aber trotzdem etwas Neues, „Textvorstellungen“ mit nur einem Buch, einem Über-Buch könnte man so sagen und die Rede ist von Winfried Gindls „Maria Elend, Peter Flickers Aufzeichnungen über eine etwas umständliche kleine Reise“, ein fünfzehnhundert Seiten Buch, Bericht kein Roman, in zwei Bänden, bei „Kitab“ erschienen und den 1962 in Klagenfurt lebenden Winfried Gindl, kenne ich als „Sisyphus-Verleger oder Lektor“, habe mit ihm, als ich noch meine Mansuskripte herumschickte, korrespondiert, einmal hat er mich sogar angerufen und sich an einem interessiert gezeigt und die „Frauenbilder“ sind auch im „Sisyphus 7/1989“ erschienen, das ist der Text wegen dem mir J.J., vielleicht heute noch böse ist, weil ich mich in ihnen ein bißchen auf ihn bezogen habe und jetzt kenne ich Winfried Gindl auch als Autor, beziehungsweise als Herausgeber, denn dieses „Maria Elend-Überbuch“, scheint ein verzwicktes Werk.

Beginnt es doch mit einem Manuskript im schwarzen Mülltonnensackerl, das der Verleger eines Tages vor seiner Haustüre findet, ein Motiv, das ich so ähnlich im „Wilden Rosenwuchs“ auch verwendet habe, da wird das Manuskript in einer Mülltonne gefunden und die Bestsellerautorin mit Schreibblockade gibt es als eigenes heraus. Peter Flicker überläßt es dem Verleger sozusagen, es regidiert oder unregidiert bzw. selber zu verwenden und dann kommt auch noch ein anderer Verleger,  in diesem Fall, Wilhelm Baum vom „Kitab-Verlag“, wie Winfried Gindl später sagte und verlangte nach einem Manunskript und so erschien die umständliche kleine Reise auf fünfzehnhundert Seiten und entpuppte sich, wie Angelika Reitzer noch erklärte, als Live-Bericht und fast alles auch noch im Präsens geschrieben.

Es geht um eine Reise, die der fiktive Peter Flicker, denn natürlich hat Wilfried Gindl diesen Roman geschrieben, im Jahre 1981 machte, zuerst sollte es nach Griechenland gehen, dann ging es aber per Rail durch Österreich und man landete auch im Cafe Alt Wien und bezog sich dabei auf dies und das und all und jenes.

An dieser Stelle fing ich an an Peter Campa zu denken, der ja in seiner „Zweiten Reise“ vielleicht etwas ähnliches machte.

Aber natürlich ist es nicht zu vergleichen, sind zwei verschiedene Stile und Winried Gindl Präsens-Sprache klang auch sehr einfach melodisch und schön.

Es gab auch gleich eine zwanzig minütige Textprobe, wo die Reisenden gerade in Italien strandeten, dann kam Alfred Gelbmann, der „Mitter-Verleger“ und Germanist und hielt ein literaturwissenschaftliches Referat, in dem er das Buch in die Reihe der „Popromane“ einordnete, sich dann auf das „Präsens“ bezog, von dem ja behauptet wird, das man damit nicht erzählen kann.

Winfried Gindl kann es offenbar und die Stellen, wo er es nicht verwendete, wären meinte Alfred Gelbmann, viel flacher, als die anderen.

Im zweiten Lesungsteil ging es dann in das Cafe Alt Wien, wo der Erzähler strandete, um sich ein Nachtquartier zu suchen, dabei ein paar Leuten beim Telefonieren zuhörte, zwei Frauen beobachte, alte Plakate und die „AZ“ las und dann gab es noch viele Fragen von Angelika Reitzer an den Autor, wie lange er an dem Buch geschrieben hat, wie er auf die Form gekommen ist, warum das Jahr 1981, etc?

„Zufall!“, war glaube ich die universale Antworte, aber 1981 hat der Autor tatsächlich eine ähnlich umständliche Reise gemacht und Wilhelm Baum ist auch gekommen und wollte ein Mansuskript und so hat er an seine Reiseerinnerungen gedacht und die umgeschrieben, etc.

 Irene Wondratsch war da und hat das Buch zum Teil, glaube ich, schon gelesen, Thomas Northoff habe ich gesehen und andere Autoren und wieder ein interessantes Buch und eine interessante Schreibweise entdeckt, gibt es von denen jenseits des Mainstreams ja sehr viele, wenn ein fünfzehnhundert Seiten Buch auch nicht sehr leicht und sehr schnell zu lesen ist.

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