Literaturgefluester

2020-12-13

Anette, ein Heldinnenepos

Jetzt gehts zum letzten Buch der deutschen Buchpreisliste, das gleich das Siegerbuch geworden ist, Anne Webers Heldinnenepos, den Witzel, habe ich 2015 auch zuletzt gelesen.

„Archipel“ dagegen eher früh und ich muß sagen, ich bin mit dem Buchpreis einverstanden, obwohl ich eigentlich auf Thomas Hettche tippte, ja ich habe es mit den berühmten Namen und die in Frankreich lebende 1964 geborene Anne Weber schon in der“AS“ gehört und auch schon was von ihr gelesen.

Die 1923 in der Bretagne geborene Anne Beaumanoir hat AnneWeber vor ein paar Jahren kennengelernt und nun aus ihrem Leben ein Versepos gemacht. Bei einem Versepos denkt man, denke ich, wahrscheinlich an etwas altmodisches, schweres, komplizierte, Anne Weber bringt es aber erstaunlich leicht zusammen. Erstaunlich modern und gut und schnell zu lesen, das Leben der alten Franzlösin, die in ihrer Jugend im kommunistischen Widerstand gegen die deutsche Besatzung tätig war. Jüdische Kinder oder Jugendliche rettete, Medihzin studierte und später im Algerienkrieg zu zehn Jahren Haft verurteil wurde,weil sie da wieder im Widerstand tätig war. Ein Heldinnenleben eben und interessant, von deralten Dame etwas zu hören, die ohne AnneWeber höchstwahrscheinlich nie kennengelernt hätte.

Interessant aber auch, daß sich die alte Dame in dem von Anne Weber beschriebenen Leben nicht wiederkannte und es nicht als ihres akeptierte.

Ich bin, wie schon geschrieben mit dem heurigen Buchpreis sehr einverstanden, fand die ganze Liste sehr spannend, nicht so viele Debuts wie im vergangenen Jahr, nicht soviele Midlifekrise Männer, die von ihren Ängsten vor dem Tod und dem Pech mit den Frauen erzählen, sondern eine durchaus interessante Mischung und bin mit dem deutschen Buchpreislesen jetzt fertig geworden. Mit der österreichischen Liste war ichs schon. Jetzt muß ich nur noch den Tom Kummer lesen, um die wirklich kurze Schweizer Liste zu beenden und dann kommen noch ein paar andere Neuerscheinungen bevor es an das Bloggerdebutpreislesen geht, da warten ja auch noch drei Bücher auf mich und richtig meine Bücherbestenliste des verrückten Jahres 2020 wird es pünktlich vor Silvester auch noch geben.

2020-10-12

Deutscher Buchpreis und wilde Worte

Diese Woche hätte es für viele nach Frankfurt gehen sollen, da aber die Zahlen steigen und man aus den sogenannten Risikogebieten nicht mehr anreisen kann, findet die Buchmesse auch nur oder hauptsächlich online statt und der „Deutsche Buchpreis“, den es seit 2005 als Auftakt zur Messe gibt und den ich seit 2015 begeistert blogge, wurde heute im „Römer“ auch nur im kleinen Kreis und ansonsten über Stream vergeben.

Das ist für mich nichts Neues, begleite ich den Preis ja, glaube ich, seit ich blogge per Stream oder auch nicht ganz, denn einmal las ich selbst bei den Mariahilfer Kulturwochen, einmal besuchte ich eine Judith Gruber-Lesung im Republikanischen Club, einmal war ich im Kino oder in der „AS“ und schaute nur vorher odernachher hinein.

Richtig, die „Wilden Worte“ gibt es am Montag immer auch und da war ich ja im Vorjahr vorher bei der „Ohrenschmausjurysitzung“ beim ORF, dann habe ich mich über Sascha Stanisics Buchpreisrede geärgert und danach war ich im Amerlinghaus und heute hätte ich mir eigentlich den ganzen Livestream, den ich dann oft nicht gefunden habe oder nur vorher oder nachher kurz hineinschnupperte und mich dann zur Lesung aufmachte, geben können, leider habe ich das aber in meinem Kalender nicht rechtzeitig notiert, daß das schon um sechs stattfand, die „Wilden Worte“ beginnen um acht, wäre sich also schön ausgegangen, aber leider, leider wieder unachtsam gewesen und daher eine Stunde eingeteilt und so war ich schon kurz im Kaisersaal im „Römer“, als dort die Covid Regeln erklärt wurden und es an meiner Türe läutete und nachher kam ich gerade zurecht um „And the winner is Anne Weber zu hören!“ und ich dachte wieder „Aha, aha!“, denn ich hätte ganz ehrlich auf Thomas Hettche, den ich gerade beendet habe, geschätzt und gedacht, das ist eigentlich der klassische Buchpreisträger im Sinne der Publkumstauglichkeit, aber die Jury sieht das ja immer anders, als man selbst und wem es interessiert, fünfzehn der Longlistbücher und vier der Shorlistbücher habe ich gelesen, die „Anette“ und „Streulicht“ noch nicht, die Valerie Fritsch muß noch folgen, das andere Debut und der Franz Witzel und als der 2015 gewonnen hat, war ich glaube ich in der „Alten Schmede“ und es war das einzige Buch, das ich damals noch nicht gelesen hatte, weil es mir die Trude K. meine Straßergasseschulkollegin erst zum literarischen Geburtstagsfest schenkte, diesmal habe ich trotz Corona bedingten Veranstaltungsstop gerade fünfzehn geschafft, habe den Livestream bis auf die Preisrede versäumt, die Kurzfilmchen der Long– und Shortlistnominierten habe ich mir aber angesehen und ich muß sagen, es war diesmal eine sehr schöne und interesante Auswahl und von den fünzehn bis jetzt gelesenen Bücher haben mir sehr viele gefallen und es war ein interessanter und auch sehr abwechslungsreicher Streifzug durch die deutschsprachige Gegenwartsliteratur und ich bleibe bei

„Herzfaden“, als meinen bisherigen Favoriten,

„Der Halbbart“, hat mir gut gefallen,

„Die Infantin trägt den Scheitel links“

„Triceratops“

Aber auch die stille Prosa des Jens Wonneberger „Mission Pflaumenbau“

Der vielgeschmähte „Letzte Satz“

„Die goldenen Jahre“ von Arno Camenisch und und….

Und dann während man in Frankfurt vielleicht doch ein wenig feierte und den Sektkorken knallen ließ, ist es in Amerlinghaus zu den „Wilden Worten“ und wieder eine Livelesung, was in Zeiten wie diesen, ja selten ist, gegangen und das war auch sehr interessant, hat ja doch die GAV-Kollegin Regine Koth Afzelius, die ich bei einem Gav-Jour fix persönlich kennenlernte und deren „Letzte Partie“ ich genau, wie den „Kunstliebhaber“ in einen der Schränke gefunden habe, dieses in der „Editon Roesner“ erschienen Buch vorgestellt und hätte das auch schon vorher tun sollen.

In der „AS“, glaube ich, im März kurz nach dem Shutdown, im Amerlinghaus im April, die „Alte Schmiede-Lesung“ wurde, glaube ich, im Juni oder September nachgeholt.

Jetzt stellte die 1962 geborene, den „Kunstliebhaber“ bei den „Wilden Worten“ vor und nochmals interessant, vorher während noch auf die Besucher gewartet wurde, gab es eine kleine Diskussion über Corona, das ist ja ein Thema, das ich liebe und mich sehr beschäftigt und nachher oder zwischendrin, die Geschichte von dem Kunstexperten Leo der mit einer Claire nach Rom auf Bildungsreise fährt und ihr dort die Werke Michelangelos in der sixtinischen Kapelle voführt.

Ich habe vorher in meinen Kinderzimmerregalen nach dem Buch gesucht und es nicht gefunden und es gab im Amerlinghaus auch eine Diskussion welches Kapitel Regine Koth Afzelius lesen sollte?

Die, die es schon gelesen hatten, wünschten sich ein anderes als das erste und Bücher über Museen oder Bilder sind ja sehr interessant und es gibt ja einige davon, die auf den österreichen Buchpreisliste stehen oder standen, wie beispielweise Hanno Millesis „Vier Weltteile“ oder in der „Infantin“ von Helena Adler kommen ja auch in jeden Kapitel Bilder vor.

So habe ich mich bei Regine Koth Afzelius nach der Entstehungsgeschichte erkundigt und es gibt auch eine spezielle Geschichte zum Coverbild. Eine angeregte Diskussion, die eigentlich fast ohne Richard Weihs oder mit diesen nur im Hntergrund stattfand und die nächsten „Wilden Worte“ werden wieder zu einer ungewöhnlichen Zeit, nämlich am vierten Montag im November stattfinden und wer es wissen will, ich habe mir diesmal ein Gedicht zum Thema „H. C. ist weg“, um an den gestrigen Wahltag anzuknüpfen, gewünscht und bin gespannt, was Richard Weihs daraus machen wird?

2015-05-15

Luft und Liebe

Filed under: Bücher — jancak @ 00:45
Tags: , ,

Der nächste Fund beim „Thalia-Abverkauf-Stapel“ um den Jahreswechsel 10/11 oder 11/12 mag das wohl gewesen passt thematisch gut zu Peter Stamms „Agnes“, denn auch bei Anne Webers „Luft und Liebe“ geht es um das Schreiben über das Schreiben oder wie ich es mir interpretiere, um das Schreiben eines Liebesromans Anfang des dritten Jahrtausends ohne kitschig zu wirken.

Es könnte auch als eine Parodie auf einen Liebesroman zu verstehen sein und ich habe die Lesung daraus in der „Alten Schmiede“ schon gehört und da, wie ich bekennen muß, nicht wirklich verstanden worum es geht, beziehungsweise hat sich, die 1964 geborene, in Paris als Autorin und Übersetzerin tätige Anne Weber, die auch beim Bachmann-Preis gelesen und oder gewonnen hat, nicht in die Karten schauen lassen.

Es geht also, wie schon der Titel sagt, um einen Liebesroman, die Protagonistin, Ich-Erzählerin und Schriftstellerin, die wahrscheinlich,  wie das beim Schreiben so ist, nicht Anne Weber ist, hat schon, wie sie schreibt, einen schlechten Roman darüber geschrieben und ihn in den Mistkübel geworfen.

Da hat sie das selbst Erlebte, einer Kunstfigur namens Lea zugeschrieben und das Resultat hat ihr nicht gefallen, also noch einmal von vorn, wie das die Schriftsteller ja angeblich öfter so tun.

Die nächsten achtzig bis vielleicht hundert Seiten passiert in sehr schönen Worten, manchmal auch mit der französischen Übersetzung, nicht sehr viel.

Man erfährt, daß die Protagonistin, bzw. Leo schon  einmal verheiratet war und zwar mit einem Vladimir, der sich gleich nach Zeremonie wieder scheiden ließ, weil er die Bindungen des Ehstands nicht ertrug, dann taucht ein Interviewer, ein Adeliger, namens Enguerrand bei der Erzählerin auf, um sie zu inerviewen.

Er verschwindet, nach Jahren treffen sie sich wieder, es gibt auch einen Aufenthalt in Italien und der Roman, bzw. die spannende Handlung immer wieder vom Perspektivenwechsel unterbrochen, den die Erzählerin „Arme Ritter-Roman“ nennt beginnt.

Lea, im Papierkorb liegend, funkelt auch immer wieder dazwischen, aber jetzt werden die Protagonisten, die Prinzessin und der Ritter genannt, denn die Liebe ist ja offensichtlich ein Märchen, wie uns Anne Weber vielleicht sagen will und die Protagonistin schon über vierzig.

Also eigentlich nach heutige Auffassung nicht zu spät ein Kind auf natürliche Weise zubekommen. Die Protagonistin, die von ihrem armen Ritter, auf sein Schloß geladen wird und sich dort die Zimmer aussuchen darf, das Schreibkämmerchen, das Schlafzimmer und daneben das für das künftige Kind, das sie sich wünscht, der Ritter hat nichts dagegen, muß dazu aber die Fortpflanzungsspezialisten aufsuchen und viele Untersuchungen über sich ergehen lassen, denn nach dem Liebesakt vom Sperma keine Spur.

Der Ritter ist liebevoll und entledigt, wie er versichert, sich seines Spermas in der Kabine, als die Prinzessin aber ins Labor kommt, verkündet ihr der Chef betroffen, das Sperma ist nicht da.

Der Prinz ist reumütig, versichert die Prozedur zu wiederholen, entzieht sich aber wieder seiner Pflicht, obwohl er ihr doch schon vor Zeugen, die Hochzeit versprochen hat, als sie ihm in seinem Schloß anruft, hebt niemand ab, es kommt aber ein Brief, er hat sich reumütig und von Schuldgefühlen, ob seines Versagens geplagt, auf Reisen begeben.

Wie, denkt sich da die Prinzessin, die fortan die tote genannt wird, der Betrug hat ihr offensichtlich den Todesstoß versetzt, wie kann er das, geht er doch nie auf Reisen, weil das Personal fehlt, um das Haus zu hüten?

Also fährt sie hin, der Prinz öffnet verschämt und aus der Küche kommt eine Mathilde, Jeanne oder Benedicte, im siebenten Monat schwanger und stellt sich als die Schloßfrau vor.

Die Prinzessin rauscht beleidigt ab, sinnt auf Rache und wird fortan auch die Rächerin genannt. Sie kauft sich Farbe, Leinen und Holzrahmen, malt Transparente, auf denen  seine Schuld zu lesen ist, mietet sich in einem Hotel ein, um in der Nacht die Tafeln aufzustellen.

Nur leider wählt sie dazu den Hinterausgang, die Alarmanlage ertönt, der Wirt muß sich seine Hosen anziehen und ihr das Vordertor aufsperren, sie stellt die Tafeln trotzdem auf, wird anonym angezeigt und klaut ein Fahhrad, um mit vielen Plänen in die Zukunft davonzuradeln, kommt aber natürlich wieder in ihr Leben zurück.

„In ihrem ersten Liebesroman konstruiert Anne Weber ein elegantes Verwirrstück um große Gefühle. Aus einer eigentlich banalen zwischenmenschlichen Begebenheit wird so ein raffiniert aufgebautes  Lesestück in bester französischer Tradition“, kann man noch am Buchrücken lesen.

Dazu passen auch die beiden anderen kürzlich gelesenen Liebesgeschichten zum Vergleichen , wie andere Autoren, die schönste Sache der Welt beschreiben und eine „Dachkammer“, wo es um die Liebe geht, gibt es auch.

Das „Show, not tell“, das man, wie man in den Schreibwerkstätten lernt, unbedingt beachten soll, wurde hier jedenfalls nicht ausgeführt oder aber parodiert  und da dachte ich, wenn ich über das Erzählen reflektiere, wäre das, weil  ich es nicht besser kann.

Vielleicht schreibe ich also doch nicht so schlecht und bräuchte wirklich nur einen Lektor, der meine Fall. und Beistrichfehler korrigiert, über die sich meine Leser manchmal aufregen.

Bloggen auf WordPress.com.