Literaturgefluester

2019-04-19

Eure Heimat ist unser Albtraum

Filed under: Bücher — jancak @ 00:40
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Jetzt kommt ein Buch mit einem ziemlich provokanten Tiel, AFD, FPÖ und Patrioten werden vielleicht wütend in die Luft springen, das ich auf „Buzzaldrins-Blog“, den ich  früher viel gelesen habe, gefunden habe.

Die 1986 in Karlsruhe geborene, türkischstämmige Fatma Aydemir, die mit ihrem Debut „Ellenbogen“, 2017 großes Aufsehen erregte und Hengameh Yaghoobifarah, 1991 in Kiel geboren, haben, wie im Vorwort steht, im März 2018, die Idee dazu gehabt, als in Deutschland das Innenministerium in das sogenannte „Heimatministerium“ umbenannt wurde und haben dazu vierzehn Autoren und Autorinnen mit Migrationshintergrund eingeladen, einen Text oder Essay dazu zu schreiben.

Die Autoren und die Herausgeber sind sehr jung und sichtlich auch sehr selbstbewußt. So führen sie eine sehr laute, man kann auch sagen, rotzig freche Sprache, um sich wahrscheinlich auch gegen, die zu wehren, die ihnen das „Gendern“ verbieten und sie in ihre „Heimat“ die, vielleicht nie ihre war, zurückführen  wollen.

So wird in dem Buch auch sprachlich sehr gegendert und beispielsweise „frei – r Redakteur“ geschrieben, etcetera.

Ich verwende das wahrscheinlich nicht, obwohl ich für das Gendern bin und, wie meine Leser wahrscheinlich wissen, auch das Wort „Gutmenschin“ noch immer nicht als Schimpfwort betrachte, sondern eigentlich eine sein möchte.

Seit drei Jahren, das habe ich auch schon geschrieben, diskutiere ich dagegen mit dem Uli, den wahrscheinlich Bücher, wie dieses auf die Pame bringen und er mir eher die vom „Antaios-Verlag“ empfehlen möchte. Sehe, was sich da in letzter Zeit an Debatten abspielt und habe mich immer schon gewundert, daß die Migranten und Asylwerber, die dort angegriffen, beschimpft und, als Gewalttäter hingestellt werden, sich nicht dagegen wehren.

Die, die 2015 aus Syrien gekommen sind, sind wahrscheinlich noch nicht so selbstbewußt und können wohl auch nicht so gut Deutsch, um sich dagegen zu wehren.

Die Kinder der zweiten oder dritten Generation der Türken, die als sogenannte Gastarbeiter nach Deutschland oder Österreich gekommen sind, können es dagegen schon und wenn sie dann noch zufällig Autoren und Autorinnen sind, entstehen Bücher, wie dieses, wo man sich, denke ich, nicht von dem vielleicht etwas provokanten Titel abschrecken lassen, sondern sie lesen und  darüber nachdenken und darüber diskutieren sollte.

Die 1985 in der SU geborene Sasha Marianna Salzmann, die 2017 mit ihrem „Außer sich“ auf der Shortlist des dBp stand, ein Buch, ich schreibe es gleich dazu, das mir nicht so gefallen hat, weil ich das Besondere und Einzigartige darin nicht verstanden hat, beginnt den „Essayreigen“ und beschreibt in „Sichtbar“, die doppelte oder dreifache Diskrimierung, die sie als Frau, Lesbe, Jüdin und Migrantin ausgesetzt ist und verweigert sich gegen das sich Unsichtbar machen und das sich Verstecken.

Sie zitiert eine Studie in der über vierzig Prozent der Gefragten gemeint haben, daß „Homosexuelle nicht so ein Geschrei wegen ihrer sexuellen Orientierung machen sollen“.

Was ich verstehen kann, daß es einem sowohl nervt immer wieder gefragt zu werden, „Woher kommst du und, wie lebst du?“, als auch, wenn alle, um dich schreien, „Nur die Homosexuellen sind die wahren Menschen!“, wenn man selber heterosexuell ist.

So beginnt wahrscheinlich die Diskriminierung und das gegenseitige Mißverstehen, denn ich habe auch schon geschrieben, daß ich eigentlich immer gerne jemanden fragen möchte, woher er kommt, weil mir das ja mehr von dem Menschen vererät, aber ich schaue mir in Büchern auch meist zuerst, die Biografien der Autoren an und möchte  gerne wissen, wann sie geboren sind und halte das auch nicht für Diskrimierung.

Mit der Herausgeberin  Fatma Aydemir geht es weiter und die scheint, wie ebenfalls schon erwähnt, sehr selbstbewußt zu sein und erregte so mit ihrem Text „Arbeit“ auch den Unmut mancher „Amazon-Leser“, weil sie sich gegen das ewige „Burn-Out“ der Deutschen mokiert, während man den Gastarbeitern und Migranten, also ihren Eltern und Großeltern immer sagte, daß sie mehr als die Deutschen und auch immer nur die schlechtere Arbeit, die diese nicht wollten, verrichten müßen und sich dadurch ihre Gesundheit ruinierten.

Fatma Aydemir hat es als Enkeltochter eines Gastarbeiters auf die Universität geschafft, schafft es auch mit dem „Migrantenbonus“ zu einer Einladung für ein Volontariat zu kommen, wird darauf von einer deutschen Mitbewerberin abgesprochen , bekommt die Stelle am Ende nicht und schafft es vielleicht auch mit ihrem Schlußsätzen „Ich will den Deutschen ihre Arbeit wegnehmen. Ich will nicht die Jobs, die für mich vorgesehen sind, sondern die, die sie für sich reservieren wollen – mit der gleichen Bezahlung, den  gleichen Konditionen und den gleichen Aufstiegschancen.“, Unmut zu erregen und zu provozieren.

Der  1983 in Hannover geborene Deniz Utlu thematisiert in seinem Text, die Frage, wie man sich in einer Gesellschaft sicher fühlen und Vertrauen haben kann, wenn es jederzeit passieren kann, daß man sich am falschen Ort befindet und dann plötzlich, wie es 2002 Murat Kurnaz passierte, für vier Jahre in Guatanamo befindet und sich der deutsche Staat für den in Bremen Geborenen und Aufgewachsenen nicht sehr einsetzte.

Dann kommt ein Text der „Bachmann-Preisträgerin“ von 2016, die 1972 in London geborene Sharon Dodua Otoo, die von ihrem Sohn und seinen Erlebnisse erzählt, die er in der Grundschule hatte, als sich dort ein weißes Mädchen mit einem Radiergummi vor ihn hinstellte, um seine schwarze Hautfarbe von ihm zu entfernen, denn „Schwarze Haut kommt vom Teufel.“

Erlebnisse und Vorurteile, die schwarze Kinder schon im Kindergarten ausgesetzt sind und  dort meist nicht viel Unterstützung bekommen und der Sohn erst lernen mußte, damit umzugehen und solche Sätze vielleicht, als eine Schwäche derjenigen, die sie aussprechen, zu interpretieren, weil sie es nicht besser wissen.

Der 1982 geborene und seit 2011 in Berlin lebende Enrico Ippolito, Kulturchef von „Spiegel-online“, schlägt mit seinen Text „Beleidigung“  in dieselbe Kerbe und erzählt von einem, der als Kind immer „Sphaghettifresser“ geannt wurde und jetzt Jahre  später mit seiner „nicht rassistischen“ Freundin in einer Kneipe sitzt, ein Bier nach dem anderen trinkt und nicht weiß, ob er  paranoid oder vielleicht auch rassistisch ist, wenn er ebenfalls auf seine Wertsachen schaut, wenn beispielsweise ein Roma in seine Nähe kommt und oder einen Deutschen „Kartoffel“ nennt.

Und Hengameh Yaghoobifarah, eine nach eigenen Worten „dicke, queer, Kanakperson, erlebt die Diskriminierung von allen drei Seiten und muß immer wieder erlebn, von „deutschen Annikas“ ohne Erlaubnis fotografiert zu werden.

Die Kulturwissenschaftlerin Mighu Sanyal beginnt in ihren Text wieder mit der berühmten „No go- Frage“ „Wo kommst du eigentlich her“ und setzt sich danach mit der Entstehung des „Heimatbegriffes“ auseinander, was der 1987 in Berlin geborene Max  Czollek, der mit seinem „Desintegriert euch“ bekanntgeworden ist, aufgreift und in zwölf Bausteinen zur „Gegenwartsbewältigung“ weiter fortführt, während Olga Grjasnowa von der ich schon zwei Bücher gelesen habe, in ihren Text sich mit den „Privilegien“ beschäftigt, die die verschienen Zuwandererungsgruppen haben und meint, daß sie seit 2015 nicht mehr so oft gefragt würde, wann sie wieder nach Hause gehe, weil sich das Interesse auf die Migratengruppen verlegthat, „die als ungebildet und als religiöse Eiferer gelten, Frauen schlecht behandelt und teure Handies haben.“

Die 1974 geborene Vina Yan, die zu der zweiten Generation in Österreich lebenden koreanischen Einwanderer gehört, habe ich schon einmal im Literaturhaus gehört, sie beschäftigt sich in ihrem Text mit dem „Essen“, während sich die in Polen geborene Margarete Stankowski mit der „Bildung“ beschäftigt und in ihrem Text herausarbeitet, wie wichtig die Muttersprache für die zugewanderten Kinder ist, daß diese sich dafür aber oft genieren und sie in der Schulde auch nicht so gefördert und als besondere Qualifikation angesehen wird.

Die 1981 in Bremen geborene Sprach- Islam, Genderforscherin und Rapperin Reyan Sahin setzt sich wieder sehr provokant und offen mit der selbstbestimmten weiblichen Lust einer womögich türkischen kurdischen oder arabischen Frau auseinander, die in einer Gesellschaft, wie dieser unterdrückt oder mißverstanden wird.

Am Schluß gibt es eine Zusammenfassung, beziehungsweise einen Aufruf zur Solidarität und des sich miteinander Verbinden, um gegen Gewalt und Alltagsdiskriminierung aufzutreten,  der 1982 in Hanau geborenen Theatermacherin und Aktivistin Simone Dede Ayivi, was mich an die Anfangsdiskussion mit dem Uli zurückführt, denn unser politischer Streit hat ja  angefangen, als ich das Buch von Sasha Batiany gelesen und gemeint habe, daß es nicht so wichtig ist zu fragen, wie ich mich in der Vergangenheit verhalten hätte, sondern wichtiger in die Zukunft zu schauen, um aufzupassen, daß das niemals wieder passiert und ich denke, daß ein Buch wie dieses, so provokant und widersprüchlich es vielleicht auch ist und ich habe damit, daß ich jetzt nicht mehr fragen soll, wer der andere, mir gegenüber jetz ist, auch meine Schwierigkeiten, -dazu helfen kann, die anderen, die jungen aufmüpfigen Migranten und Migrantinnen der zweiten und dritten Generation besser und damit auch die gesellschaftliche Lage, in der wir leben, zu verstehen und kann das Buch allen und natürlich auch dem Uli sehr empfehlen, dem es aber wahrscheinlich zu provokant ist, deshalb noch ein Hinweis, auf die anderen gesellschaftlich relevanten Bücher, die ich in  letzter Zeit gelesen habe, da wäre einmal Robert Misik „Herrschaft der Niedertracht“, „No more Bullshit“ wendet sich vor allem gegen den Alltagsexismus.

„Das Herz verläßt keinen Ort an dem es hängt“, beschäftigt sich mit der Literatur derer, die um oder nach 2015 nach Deutschland gekommen sind und Dilek Güngür hat sich in „Ich bin Özlem“ auch mit diesem Thema auseinandergesetzt.

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2019-01-25

Das Herz verläßt keinen Ort an dem es hängt

Filed under: Bücher — jancak @ 00:50
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In Zeiten, wo sich die Rechten mit den Aufzählungen von Gewalttaten von Flüchtlingen und Asylwerbern stammen, regelrecht überbieten, ist es vielleicht gut, den klaren Kopf zu bewahren,  nach links und rechts zu schauen und vielleicht auch ein Buch lesen, das uns durch literarische Begegnungen, die Menschen aus Krisengebieten näherbringen kann, denn da hat es ja einen „Blog“ gegeben, der „Weiter schreiben“ hieß, wo  Annika Reich und Lina  Muzur geflüchtete oder noch in Krisengebieten lebende Autoren mit Einheimischen zusammenspannte.

Die Texte, die daraus entstanden sind, sind jetzt  in einer Anthologie entanden.

Ich hatte das Buch schon seit November in meinem Badezimmer liegen, bin aber durch Sabine Scholls Vorlesungen  „Frauen schreiben Krieg“ nochmals darauf gestoßen und habe jetzt einen etwas anderen Einblick in dieses aufgeheitzte Thema bekommen, das entspannen kann und daher sehr zu empfehlen ist. Einer dieser Tandempartner ist der ebenfalls aus Bosnien gefüchtete Sasa Stanisic, der mit einer in Damaskus lebenden Frau, die das Pseudonym Salma Samen wählte und der meint, daß das Buch ein Brückenschlag in beide Richtungen sein könnte: „Wenn wir mehr wüßten, von dem was andere wissen und wenn wir dieses Wissen in erzählte Geschichten auch anderen zur Verfügung stellen kömnen, dann würde vielleicht – hier und dort das Wissen die Empathie wecken und die Empathie das Handeln, das Handeln würde aber die Empathie nicht unnütz werden lassen.“

Wie wahr, denke ich und lese Salma Salems Text, die das Leben zwischen Beten und Bomben in Damaskus beschreibt, wo es kein Wasser gibt, um die Kleider zu waschen, die sie schon vor Monaten in die Putzerei brachte und als sie sie abholen will, ist die Putzerei geschlossen und sie erfährt von  einem Nachbarn, daß der Besitzer abgeholt worden ist.

Dann folgen drei weitere Syrierinnen,  die teilweise in Deutschland, teilweise in Syrien leben und spannend ist, daß bei dem Tandem Widad Nabi und Anett Gröschner um Häuser geht, die 1964 in Magdeburg geborene Anett Gröschner beschreibt eines, das in Berlin 1943 zerstört wurde, während die 1985 in Syrien geborene und in Berlin lebende Widad Nabi „von den Häusern die nicht mehr denen gehören, die sie verließen“ schreibt.

Und die 1980 in Suweida geborene Noor Kanj, die mit Svenja Leiber zusammenarbeite, schreibt ebenfalls „Wer bringt mir mein Haus zurück“, während die Damaskus lebende Rabad Haidar in „Das Herz eines Wolfs kochen“ eine sehr poetische Familiengeschichte geschrieben hat.

Dazwischen gibt es immer wieder Bilder und Illustrationen von ebenfalls syrischen oder afghanischen Künstlern, die ebenfalls sehr interessant anszuschauen sind.

Die 1983 in Tiflis geborene Nino Haratischwili, die ich ja gerne als letzte dbp-Trägerin gehabt hätte hat die 1989 geborene Syrierin Lina Atfah für den „Herta Koenig-Preis“ vorgeschlagen und verrät in ihrer Laudatio viel von der jungen Lyrikerin, die wegen eines Gedichtes politisch aufgefallen ist und dann jahrelang nicht mehr veröffentlichen konnte. Jetzt lebt sie in Berlin und bangte lang, um ihren Vater der in Syrien verhaftet wurde.

Der 1971 geborene David Wagner, der 2013 den „Preis der Leipziger Buchmesse“ kam, ging mit dem 1979 in Damaskus geborenen Fadi Jomar in Berlin spazieren, der wegen eines Liberetto, das er für eine Oper geschrieben hat, in Aix en Provence zum dortigen Festival eingeladen wurde und dann in Deutschland Asyl beantragte. Er lebte dann in einem Dorf und durfte erst nach Berlin, als er dort als Koch in einem syrischen Restaurant, eine Anstellung fand.

Die 1968 in Berlin geborene Tanka Dückers arbeitete mit dem 1987 in Saudi-Arabien geborenen Jemeniten Galal Alahmadi zusammen, der jetzt in Düren lebt und vier Gedichtbände auf Arabisch veröffentlicht hat.

Sehr beeindruckend sein  Gedicht „Vom Krieg“

„Die Kugel dringt ein durch den Ansatz der Seele

dringt ein durch überwachte Telefonleitungen

Abwasserrohre marode Stromkabel“

Die 1981 in St. Petersburg, damals wahrscheinlich Leningrad, geborene Lena Gorelik, deren Listensammlerin ich noch immer nicht gelesen habe, begleitete den 1983 in Homs geborenen Yamen Hussein, der derzeit zwischen Leipzig und München hin- und herpendelt und einen sehr beeindruckenden Text über seinen Großvater geschrieben hat, der  mit „Der Fluch des Gedächtnisses und die Schatten der Hubschrauber“ betitelt ist.

Der 1983 in Celle geborene Martin Kordic, dermit seinem bei „Hanser“ erschienenen Roman „Wie ich mir das Glück vorstelle“ Aufsehen erregte, begleitete den 1953 in Damaskus geborenen Ali Al-Kurdi, der ein palästinensischer Schriftsteller und Journalist ist, derzeit in Weimar lebt und als politischer Gefangener zehn Jahre im Gefängnis saß.

In seinem Text, geht es um seinen Vater, den er lange nur als Foto an der Wand kannte, weil er mit der Mutter allein aufgewachsen ist, die ihn jeden Morgen aufforderte, seinen Vater, beziehungsweise das Foto zu begrüßen und den er später im Gefängnis besuchte, weil er „Ansichten hatte, die dem Regieme nicht gefielen.“

Antje Ravic Strubel, die 2001 in Klagenfurt gelesen hat, von der ich mehrere Bücher in meinen Regalen habe, begleitete vorigen März die 1992 in Afghanistan geborene und in Berlin lebende Mariam Meetra durch den Schnee in Leipzig und zu einer Lesung am Stadtrand, bei der leider nur wenige Zuhörer waren.

Olga Grjasnowa, die ja auch von Baku immigrierte, kümmerte sich um den 1996 in Budapest geborenen Rom Samuel Mago, den ich sowohl von der „Exil-Preisverleihung“, als auch von der ersten Widerstandsdemo kenne, denn die Herausgeberinnen erläuterten in ihrer Einleitung, daß sie auch Angehörige der Roma in ihr Projekt einbezogen wurden.

Nora Bossong von der ich ihren Roman über Antonio Gramsci, der ja auch von den Rechten vereinnahmt wird, gelesen habe, kümmerte sich um die 1982 in Hama geborene Lyrikerin Rasha Habbal und der Ex-Hanser Verleger Michael Krüger, der in seinem Artikel betonte, wie wichtig es ist, auch syrischen und von anderswo herkommenden Dichter in den Literaturbetzrieb zu integrieren, um den 1988 in Syrien geborenen  Ahmad Katlesh, der ebenfalls in Düren lebt.

Die 1974 geborene Kristine Bilkau, von der ich noch nichts gelesen habe, war die Partnerin des 1988 in Bagdad geborenen Omar Al-Jaffal, dessen Vater Deutsch studierte und Heinrich Böll übersetzte, den Sohn als er zwölf war, aber aus der Schule nehmen mußte, jetzt hat der sich auch mit Böll beschäftigt und einen Brief an ihn geschrieben, den er das erste Mal bei der „Böll-Poetry-Gala“ in Halle an der Saale verlesen wurde.

Antje Ravic Strubel hatte noch eine Tandempartnerin, nämlich die in Schweden lebende Syrierin Souad Alkhateeb, die sich in „Catharine Deneuve sieht mir nicht ählich“, mit dem Erwachsenwerden und ihrer ersten Regel beschäftigte.

Dann folgten noch Ramy Al-Asheq und Monika Rinck, die ich, glaube ich, schon einmal im Literaturhaus hörte, der syrisch palästinensische Autor hatte, als er das Mail mit der Einladung zu dem Projekt bekommen hat, noch nichts über Monika Rinck gehört, so hat er sie ergooglet und dann in einem Text geschrieben „Was Wikipedia nicht über Monika Rinck weiß und außerdem noch einige Gedichte für das Buch beigesteuert.

„Lesen wir sonst immer nur über die Menschen, die sich zu uns flüchten, kommen sie hier endlich zu Wort“, hat  Anna Vollmer in der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ und am Buchrücken geschrieben.

Da kann ich nur, wie wahr, hinzufügen und das Buch sehr empfehlen.

2018-03-29

Menschenfresser der Liebe

Filed under: Bücher — jancak @ 00:55
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Jetzt kommt eine Anthologie aus einem kleinen, aber feinen Verlag, der sich mit speziellen Themen zwischen Sci-Fi und Experiment gelegen zu beschäftigen scheint und den ich, beziehungsweise seinen Leiter Philip Krömer durch das Debutpreislesen kennengelernt habe.

Ja, man lernt, wenn man sich mit der Literatur beschäftigt und ein Plädoyer für das über den Tellerrand hinausschauen gebe ich damit wieder und somit die Empfehlung sich mit den „Menschenfressern der Liebe“ zu beschäftigen.

Ein eher dünnes zweihundert Seiten Büchlein, das aber nicht zu Trotz vierzig Texte zu diesem Thema, das, wie von den Herausgebern Joseph Felix Ernst und Philip Krömer in einer  Grußnotiz erklärt wird, allmufassend ist und nicht nur, wie man naiv meinen könnte, banale Texte über den Kannibalismus enthält, wie auch die Namen der teilnehmenden Autoren eindeutig beweisen, denn da gibt es, höre und staune, sowohl Texte aus der Bibel, von Wiliam Blake, Dante Alighieri, Ludwig Uhland, Heinrich von Kleist, Walter Benjamin, bis zu Marina Büttner, die ich ja eigentlich als Bloggerin kenne, Paul Peter Wipplinger mit dem ich einmal, lang lang ists her, in einer Jury saß und noch immer nicht so recht weiß, ob er jetzt Mitglied des PEN, der GAV oder vielleicht doch verbotener Weise bei beiden ist, Timo Brandt, der, glaube ich, einmal Sprachkunst studierte, Jan Snela, der beim Bachmannpreis gelesen hat, CRAUSS, den ich einmal bei einer Präsentation des Ritter Verlages in der „Alten Schmiede“ hörte und dessen Buch ich mir dann später bei einem „Morava-Abverkauf“ um zwei Euro kaufte, um es Christel Fallenstein zu zeigen, gelesen habe ich es noch immer nicht, denn ich lese ja keine „Ritter-Bücher“ und und und….

Das Buch ist ganz dem Thema entsprechend, in einem Menüplan aufgegliedert. So gibrt es Kapitel zur „Potage“, dann kommt das „Hors d òuvre“, „Entre“, „Poisson“, „Sorbel“, bis zu „Entremel de fromage“  zum „Dessert“ und nun hinein in die einzelnen Gänge, sich wacker durch das Buch gelesen und sich die Textproben köstlich auf der Zunge zergehen  lassen, von denen, ich kann es nur wiederholen, sich einige, aber nicht alle, mit der Liebe und dem Menschenfressen beschäftigen und die meisten einladen, sich weiter und genauer mit der Thematik zu beschäftigen.

So jagt die 1986 in Wien geborene Lena Rubey, die 2015 Finalistin beim Open Mike war, durch den Wald, während sich der 1980 geborene Jan Snela, der 2016 beim „Bachmann-Preis“ gelesen hat, mit dem „Frühstück“ beschöftigt und Sheik Nefzawi, auch als Abti Abdallah Muhammed an-Nafazawi bekannt, der um 1500 im heutigen Tunesien lebte, gibt ausführliche Anweisungen, wie man seinen Penis lustbringend vergrößern kann und schreibt am Schluß „Die Wirksamkeit aller dieser Mittel ist mir bekannt und ich habe sie selbst ausprobiert.“

„Aha!“, kann man da nur staunend sagen und zu den „Zwischengerichten“ weitergehen und hier besipielsweise ein Stück von Dante oder Ludwig Uhlands „Kastellan von Coucy“ lesen.

Dann kommt man zu den „Fischen“ und hier gibt es wieder erstaunliche Texte zu ergründen, beispielsweise, einen Reisebericht von Hans Staden, der 1525 im hessischen Homburg geboren wurde und als Landsknecht im Dienste Spaniens und Portulgals an mehreren Entdeckungsfahren nach dem heutigen Brasilien teilnahm. Dort in Gegangenschaft von Eigeborenen geriet und Zeuge von an  seinen Mitreisenden praktizierten Kannibalismus wurde, wie er auch in dem hier abgedruckten „Kapitel 29: Mit welchen Zeremonien sie ihre Feinde töten und essen. Womit sie sie sie totschlagen und wie sie mit ihnen umgehen“, schreibt, der wieder mit den Worten „Dies alles habe ich gesehen und bin dabei gewesen“, endet.

Zum  Sorbet gibt es die „Diagloge der Karmeliterinnen“, des 1971 geborenen CRAUSS, dessen „Motorradheld“ ja noch immer bei mir liegt. Dann geht es zum „Kamasutra“ und die 1978 in Linz geborene „Marianne von Willemer-Preisträgerin“ Marlene Gölz bringt in einem Gedicht, die Augen auf die Stirn: „dein auge auf meiner stirn meine lippen an deinen ohren deine nase in meinem mund so hab ich mir das nicht vorgestellt“.

Punktum aus oder weiter zum „piece de resistance“, dem „größten Fleischgang“ und da erzählt uns der 1967 in Saarbrücken geborene Christopher Ecker von seinen Phantasien, die er im Bus hat, wenn er neben jungen Frauen sitzt und sich vorstellt, wie es wäre, deren Arme zart mit Weißwein und Zitronenscheiben zu braten.

„Pervers, pervers!“, könnte man da sagen und zu Heinrich von Kleist übergehen.

Danach kommt bald der 1575 in Neapel georene Märchensammler Giambattista Basile, der von Felix Lebrecht, wie ich vermute sehr frei übersetzte wurde, der uns von einem Floh erzählt, von dem ein Königgebissen wurde, der darauf seine Tochter an einen wilden Kerl verheiratet , die dann von den wundersam starken sieben Söhnen einer alten Frau gerettet wird.

Man sieht, die Anthologie ist äußerst vielseitig in ihren Genres. Denn kurz danach erzählt uns, der schon erwähnte 1939 in Haslach geborene Peter Paul Wipplinger, der vor kurzem einen Unfall hatte, von dem er sich glaube ich, immer noch erholen muß, von seinen Erfahrungen in einem „kindergefängnis“, wo ihm die Erzieherin, ein „ehemaligen bdm-Weib“ in den Keller sperrte, was ihm zwar zum Phanatsieren brachte, ihm aber immer noch, trotz seiner „fünfundsiebzig jahre“ wütend macht, wenn er daran denken muß.

Der 1987 in  Schleswig-Holstein geborene Gorch Maltzen erzählt uns stattdessen in „Was passiert, wenn man in einem Vulkan springt“ von den sadistischen Spielchen zweier Freunde.

Und zum Käse gibt es die Jugenderinnerungen eines ebenfalls 1939 geborenen, nämlich die von Eckhard Sinzig, der in Krefeld geboren wurde, der wegen einer Frau nach Frankreich ging, sie dort in ihrer Wohnung in der Rue Erlanger 40, besuchte, aber als er das „Pflaster auf ihren Oberschenkel“ sah, erschlaffte, worauf sie ihn erstaunt „Est ce que tu ne m` aimes pas?“, fragte. Woran er als alter Mann wahrscheinlich noch ähnlich oft, wie Peter Paul Wipplinger, an sein „kindergefängnis“, beschämt denken muß.

Dann kommt ein Gedicht, des schon erwähnten, 1992 in Düsseldorf geborenen Timo Brandt „Man könnte meinen alles wär Prärie, vor allem die menschliche Seele“ und dann geht es wieder in die Vergangenheit nämlich zu dem Satriker Jonathan Swift, von dem man heute vor allem seine verharmloste Kinderversion von „Gullivers Reisen“ kennt, der aber in seinem „Bescheidenen Vorschlag im Sinne von Nationalökonomen, wie Kinder armer Leute zum Wohle des Staates, am besten benützt werden könnten“, eine sehr böse Anregung gibt, wie man die Armut von der Welt schaffen könnte. Denn die Körper der armen kleinen Kinder schmecken ja sehr lecker, wenn man sie vorher nur ein wenig aufpäppelt und dann sanft bratet. <ich habe gehört der „Gulliver“ soll im Original ähnlich  satirisch scharf gesellschaftskritisch sein.

Und schon gehts, wenn man da noch nicht kotzen muß, aber wir sind ja auch in unserer schönen heilen Welt, starke Kost gewohnt, zum Dessert.

Da nascht der Philosoph Walter Benjamin, der sich, der sich 1940, in Spanien auf der Flucht vor den Nazis, umbrachte von „Frischen Feigen“, der 1965 in Nürnberg, geborene Armin Steigenberger serviert uns „Kannibalische Kirschen“, die 1967 geborene, in Berlin lebende Marina Büttner, die Buchhändlerin war und jetzt Lyrikerin und bildende Künstlerin ist, kredenzt und die „Götterspeise“ und zum Schluß gibt es noch eine sehr witzige Geschichte, des 1951 in Ingelfingen gebornen Eugen Egner, der uns erzählt, was passieren kann, wenn die Eltern einen Dreizehnjährigen in den Konfirmandenunterricht schicken. Ein bißen erinnert es an „Hänsel und Gretel“ kann ich verraten oder spoilern und damit wieder  die Anthologie, die eine wirklich gelungene Mischung von alt und neu und zu meiner Überraschung auch sehr viel Österreichisches enthält, empfehlen.

Denn liest man die zweihundert Seiten, hat man wirklich einen Parcour durch die Literaturgeschichte gemacht oder kann sich natürlich nur entschließen, sich mit dem einen oder anderen Meisterwerkt, wie der Bibel oder der „Göttlichen Komödie“, beispielsweise weiter zu beschäftigen oder auch nur ergründen, was man in den Literaturinstituten lernt oder was sonst die jungen oder auch schön älteren deutschsprachigen Schriftsteller in ihren Schubladen haben und, daß es wahrtscheinlich besser wäre, möglichst auf den Fleischkonsum zu verzichten, weil man sich sonst vom Kannibalismus nicht wirklich unterscheidet, lernt man wahrscheinich auch oder nimmt den Gedanken wenigstens mit, wenn man sich vor den nächsten Hamburger oder das nächchste Schnitzel setzt. Aber jetzt haben wir ohnehin noch Fastenzeit und verzehrt am Gründonnerstag seinen Spinat oder Bärlauch mit Spiegeleiern.

2018-01-03

Aber sicher! – Die besten Texte aus dem Ö1 Literaturwettbewerb

Filed under: Bücher — jancak @ 19:41
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Jetzt kommt das Buch zum Wettbewerb, ich bin ja bei der Präsentation des Ö1 Literaturwettbewerb zum Thema „Aber sicher!“ ich glaube im November im Radio Kulturcafe gewesen, nachdem der Wettbewerb sonst an mir vorbeigegangen ist, ich höre jetzt weniger Radio, weil ich so viel bei den Booktubern surfe und bei Wettbewerben beteilige ich mich auch kaum noch, weil es bringt ja nicht, von wegen unverständlich schreiben oder mangelnden Stilgefühl, wie es der Uli sagen würde.

Aber zu der Veranstaltung habe ich mich entschlossen und mir dann auch gleich die dazupassende Anthologie bestellt und jetzt konnte ich die ausgewählten Siegertexte zur Gänze lesen, bei der Präsentation wurden sie nur angetippt und die Übertragung auf Ö1 habe ich mit Ausnahme der Wenger-Geschichte auch verpasst.

So passt es aber besser und ist viel „sicherer“, könnte ich in Anlehnung an das Motto sagen und habe mich zuerst durch die Juroren-Begleittexte gelesen, da war ja Edith Ulla Gasser, zu der ich ja lange meine neuen Bücher immer schickte und die mich auch zweimal auf Ö1 gesendet hat, dann eines vom Vorstand des Sponsering Partner der „Städtischen Versicherung“, die wahrscheinlich die Preise zahlten und dann noch eines von der anderen Ö1 Jurorin Gudrun Hamböck.

Die sparten nicht mit Bonmots und Anspielungen, lobten die Talente, neun Texte aus zweihundertfünfzig Einsendungen, da frage ich mich immer, was und wo sind, die anderen Texte und endeten meistens mehr oder weniger originell mit dem Slogan „Aber sicher!“

„Ist Österreichs Literatur gut?“, „Soll man alle Texte lesen?“, etcetera, ich habs getan  und der erste Text „Mein lieber Ali“, des 1982 in Grieskirchen geborenen Dominik Barta, der an der Sigmund Freud Uni und als Sprachtrainer für gefüchtete Menschen tätig ist, behandelt in einer sehr schönen Sprache, ein wichtiges, uns alle betreffendes Thema, die Flüchtlingsfrage und, wie geht man um mit den Flüchtlinge aus Afghanistan, die man vielleicht mit Machetten im Stadtpark trifft und sie zu den Anwältern und Dolmetschern begleitet.

Wie nahe kann und darf man ihnen kommen?

„Abgrenzung!“, sagt die Chefin und wenn man sie angreft und umarmen will, werden sie vielleicht rot und weichen zurück. Trotzdem gibt es den Ausflug auf den Kahlenberg, wo alles so scheinbar gut und leiwand ist. Trotzdem ist der Ali dann verschwunden, kommt nicht mehr zum Deutschkurs.

„Abgeschoben!“, vermutet der Freund und schickt ein Bild von jedem Ausflug und eines, das Ali  im sicheren Heimatland und in der Stadt Kabul zeigt.

„Zebraritäten“ von der 1983 in Friesach geborenen Miriam  H. Auer ist eine, wie Edith Ulla Gasser in ihrem Vorwort schreibt „eine poetische Geschichte, über das Daseinsgefühl gefährdeter Menschen am Rand der Mehrheitsgesellschaft“, die im Klartext von einer Ling, ihren Freier und wahrscheinlich auch vom safer sex erzählt und der 1969 in Salzburg geborene Anton Badinger erzählt im „Tank“ eine Annäherungsgeschichte eines Jugendlicher, der am Bahnhof seineeSpiel spielt, da kommt die Außeseiterin Flavia hinzu, steigt in den Tank, das Seil wird zerrissen, der Bursche holt Fanta und Gummibärli, um die  Angebetene zu erfreuen und bleibt dann selber „mit einem ziemlich guten Gefühl“ im Tank zurück.

„Bold Never Regular“ heißt Magdalener Schrefels Geschichte, in der ein Flughafen Angestellter von seiner, wie es Edith Ulla Gasser nennt, „allzu alltäglichen Sicherheitschoreografie“ einer Journalistin erzählt. Die Ausbilderin kommt dabei vor, die keine Ausnahmen duldet, der alte Mann, der in den Wartenschlagen in Ohnmacht fällt und ein anderer, der weil er sich zu seiner Sicherheit nicht anpassen will, von der jungen alleinerziehenden Kollegin zusammengeschlagen wird.

Sehr spannend die Geschichte des 1962 in Braunau geborenen Wolfgang Wengers, den ich ja seit meiner Jurytätigkeit für das Nachwuchsstipendien Ende der Neunzigerjahre kenne.

Im „Nautlus-Kalküs“, das Science Fi unter den neun Sicherheitsgeschichten, geht es um einen Chef einer Waffenfirma, der sich während des die Welt zerstörenden Kriegs in einem U-Boot abgesetzt hat und nun meint, alleine unter der Welt ganz ganz sicher zu sein. Er hat alles, die technischten Systeme, Apparaturen und Robotor, so zum Beispiel den Liebesroboter Ella, den er aber leider ein bißchen zu viel programmiert hat, so daß ihm sein Geschöpf dann über den Kopf gewachsen ist.Lakonisch grinsend zeigt der Autor auf, wie man sich, wenn man sich zu sicher wähnt, verkalkulieren kann.

„Tschopperl“ Cathrin A. Stadlers Geschichte, um zwei alte Leute und ihre rund um die Uhr Betreuerinnen, habe ich schon im „MUSA“ gehört, die Geschichte, wo die Frau Doktor und die Frau Helga von dem dementgewordenen ehemaligen Arzt erzählen, den die Frau Doktor dann bei der Umarmung mit der Betreuung erwischt und, als die vom Einkaufen zurückkommt, ist er leider tot und „Tschopperl“ hat der Herr Doktor, als er noch in Amt und Würden war, zu seiner Frau, die ihm drei Kinder geboren hat, immer gesagt.

Bekannt auch die „Inselfestung“ von Tanja Raich, die Programmleiterin von „Kremayr und Scheriau“, die, habe ich, glaube ich, in der „Alten Schmiede“ gehört, die Geschichte von der einsamen Inselbewohnerin die sich fürs Überleben rüstet.

In „Daily Selfie“ des 1965 in Klagenfurt geborenen Felix Kucher, von dem bald ein Roman bei „Picus“ erscheinen wird, geht es in die „Instagram“ und „Facebook-Welt“, einer Sachbearbeiter, die von sich ein tägliches „Selfie“ in das Netz stellt und dabei gestaklt oder gespamt wird, wie das in der Welt von „#style #beauty #hair # mylook #follow#follow#follow“,eben ist und vielleicht noch ein bißchen beklemmender ist die zweite Demenz Geschichte der 1983 geobrenen Magda Woitzuck von der ich auch schon einiges gehört und gelesen habe, wo ein hilfloser alter Mann, der sich plötzlich in einem Pub befindet von einem anderen ausgeraubt wird und das gar nicht bemerkt.

Das war also der gründlichere Rundgang durch die neun Sicherheitsgeschichten, die von Ö1 ausgezeichnet und von der Städtischen Versicherung gesponsert wurde.

Sicherheit in allen seinen Varianten und Formen, die in dem Buch mit dem roten Feuerlöscher zu lesen sind.

Aber sicher oder eigentlich nicht so sehr, denn da bleibt ja die Frage nach den anderen zweihunderteinundvierzig hier nicht zu lesenden Geschichten, die sicherlich und höchsttwahrscheinlich auch nicht so uninteressant gewesen sind und die „Literaturflüsterin“ ein wenig unbefriedigt zurücklassen.

 

2016-12-14

Auserlesen

Seit fünfundzwanzig Jahren gibt es die „Hans WeigelLiteratur Stipendien“, die vom Land Niederösterreich vergeben werden. Da war am achtzehnten November im Palais Niederösterreich in der Herrengasse eine große Feier und eine diesbezügliche Anthologie, wo die Stipendiaten seit 2004, vorher hat es eine andere Anthologie gegeben, mit Texten vertreten sind, gibt es auch.

Barbara Neuwirth selbst einmal NÖ Stipendiattin, weil 1958 in Eggenburg geboren, ist die Herausgeberin und betont in ihrem Vorwort,  die Wichtigkeit von Stipendien, weil von Lesungen und Buchverkauf allein kann man nicht leben.

Wohl wahr , das Problem daran ist wahrscheinlich nur, daß Jahr für Jahr viel mehr Auoren, als die zwei, die dann ausgezeichnet werden, ansuchen und ich, die ich ja dazu gehöre, obwohl ich mich schon lange nicht mehr, um Stipendien bewerbe, stelle mir  schon genau so lange die Frage, was dann mit denen passiert?

Barbara Neuwirth geht in ihrem Vorwort diesbezüglich sogar ein, in dem sie betont, daß eine Nichtzuerkennung natürlich kein mangelnden Qualitätsmerkmal sein muß, die Zuerkennung, aber auf jeden Fall ein solches.

Ebenfalls wahrscheinlich richtig, den Übergebliebenen wird das wahrscheinlich nicht viel helfen. Sie werden es weiter versuchen oder aufgeben, ihre Bücher selber machen, bloggen, etcetera, da gibt es ja mehrere Möglichkeiten.

Ich habe mich für das Weiterschreiben und das über den Tellerrand schauen entschieden und so die Anthologie mit Interesse gelesen, weil ich ja immer gerne wissen will, wer ein Stipenddium bekommt und was die Stipendiaten schreiben?

Barbara Neuwirth hat offenbar nach neuen Texten gefragt und 2004/2005 waren Martin Prinz und Silvia Unterrader die Stipendiaten.

Martin Prinz, 1973 in Wien geboren und in Lilienfeld aufgewachsen, war  auch  Stadt Wien Stipendiat und als solcher habe ich schon Auszüge aus seiner „Letzten Prinzessin“ im MUSA gehört, die in einem deutschen Verlag und nicht mehr bei „Jung und Jung“ erschienen ist.

Jetzt gab er Einblick in sein neues Romanprojekt, „Dahinter nichts“ ist der Titel und es geht darin, um zwei Leute, die ein Haus beziehen und ich bin schon sehr gespannt, was, wann, wo ich noch darüber hören werde und Sylvia Unterrader 1959 in Mödling geboren, kenne ich glaube ich von dem Kreis um Georg Bydlinsky, sie ist oder war  auch bei den Krimiautoren, als solche habe ich ihr einmal meinen selbstgemachten Krimi „Tauben füttern“ geschickt, der dann verschwunden ist, er hätte als „selbstgemachtes“ aber höchstwahrscheinlich ohnehin keine Chance gehabt.

2005/2006 haben für mich zwei bisher unbekannte Autoren, die Auszeichnung bekommen, nämlich der 1976 in Wieselburg geborene Hermann Niklas und der 1977 in Wien geborene und in Wiener Neustadt lebende Paul Eisenkirchner, was ich sehr interessant finde, da ich ja regelmäßig zu Literaturveranstaltungen gehe und auch in Literaturzeitschriften blättere oder mich bezüglich Debuts informiere.

2006/2997 war es anders, denn da waren Cornelia Travnicek, 1987 in Traismauer geborenen und Fritz Widhalm, 1956  geboren, die Stipendiaten und beide kenne ich sehr gut.

Cornelia Travnicek habe ich ja 2008 durch meinen Blog, beziehungsweise ihre Publikationen, sie hat damals  auch bei der Veranstaltung im Palais Niederösterreich gelesen, die Edition NÖ, die ja auch Bücher von ihren Stipendiaten macht, hat „Die Asche meiner Schwester“ herausgegeben und für 2017 habe ich ganz fest vor, sowohl „Chucks“, als auch „Junge Hunde“ ihre anschließend erschienenen Romane zu lesen.

Cornelia Travnicek ist aber auch Lyrikerin, hat vor kurzem einen Gedichtband herausgebracht und ihre Textproben sind auch Gedichte, da gibt es sogar ein „Wiener Haiku: in wean is olas  punschkrapfalrosa sogar unsa hoss“.

Nun ja ein Klischee oder Vorurteil, könnte man nun unken. Es gibt aber auch ein längeres, das den Zeitgeist, beziehungsweise das Getriebensein in einer Welt, wie dieser treffend beschreibt:

“ Es tut mir so leid,dass ich mein  gesicht hinter dem halbleeren Kaffeebecher verstecke  wenn du spendensammler mir von den bienen erzählen willst“

Und Fritz Widhalm kenne ich auch sehr gut, von der GAV  und vom „Fröhlichen Wohnzimmer“, beziehungsweise dem xxx-small, als es das noch gegeben hat. Seit 2013 haben wir uns auch bei „Westbahn spontan“ regelmäßig getroffen, so daß ich seine Schreibweise hautnah mitverfolgen konnte:

„Ich bin hzuversichtlich  und bin auch froh, sauer werde ich auch noch hinkriegen, dann hocke ich mich in eine Ecke“, lautet der erste Satz, seines Textes „Von oben hat man bestimmt eine gute Aussicht.“

2007/2008 waren es Maria Seidenbacher unc Zdenka Becker und von der 1978 geborenen Maria Seisenbacher, von der es Gedichte in der „Anthologie“ gibt, habe ich in der „Gesellschaft für Literatur“ schon einmal etwas gehört, während ich die 1951 in Eger geborene und in St. Pölten lebende Zdenka Becker ebenfalls gut kenne und sie gelegentlich auch am Markt etcetera sehe und mindestens zwei ihrer Bücher gelesen habe.

Sie hat wieder einen Auszug aus einem Work in progress beigesteuert.

„Samy“ ist der Titel und es geht darum, um das Aufwachsen und die Diskriminierung eines in der Slowakei aufgewachsenen dunkelhäutigen Kindesund ich  bin schon sehr gespannt, wann das Buch erscheinen wird.

2008/2009 war ein Schmankerljahr, wurden da ja die Stipendien Magda Woitzuck und Richard Schuberth zukerkannt, da war auch die Veranstaltung im Palai Niederösterreich, wo ich die 1983 in Wien geborene, die ihre Schulzeit in NÖ, ich glaube, in St. Pölten, verbrachte, kennenlernte und wir sehen wieder, wie schon bei einigen anderen, es gibt Doppelwohnsitze und daher auch Doppelzuerkennungen, habe ich Magda Woitzuck ja vor kurzem auch im MUSA aus ihrem neuen Roman lesen hören, gut, wie Barbara Neuwirth in ihrem Vorwort schreibt, fürs Überleben, wenn auf ein Stipendium das nächste folgen kann, schlecht wahrscheinlich wieder für die, die überbleiben, vielleicht dann ihre Bücher selber machen und auch noch  Hohn bekommen oder nur im Literaturhaus lesen, wenn dort das Publikum angefragt wird.

Magda Woitzuck ist mir ebenfalls eine „alte“ Bekannte, hat sie mit ihrem Hörspiel „Doggod“ doch 2010 den Kritikerpreis für das künstlerisch anspruchvollste Hörspiel des Jahres bekommen und ihr Buch „Ellis“, das die „Literaturedition Nö“ herausgebracht hat, habe ich dank Gabriele Eckers freundlicher Gaben auch gelesen.

Ihr Text der „Walskandal“ halte ich für einen Höhepunkt des Buches, denn da wird im Garten oder an dessen Grenzen eines amerikanischen Richters der gern Bürgermeister werden will ein toter Wal gefunden. Nachlesen was sich daraus entwickelt, kann ich nur  empfehlen.

Der 1968 in Ybbs a. d. Donau geborene Richard Schuberth, es gibt meistens einen älteren und einen jüngeren Stipendiaten, beziehungsweise einmal eine Altersgrenze das zweite Mal nicht, ist mir ebenfalls schon  bekannt, weil er mir immer die Einleidangungen zu seinen Veranstaltungen schickt und ich die „Chronik einer fröhlichen Verschwörung“, die ich mir voriges Jahr zum Geburtstag wünschte, unbedingt noch heuer lesen will.

Mal sehen, ob ich schaffe, ansonsten gibts wieder eine Vorschau auf einen neune Roman, der von einen Polizisten handelt, der um den Naschmarkt schlecht, dort mit einem türkischen Lebensmittelhändler Cay trinkt, in eine Lisi  verknallt ist, uns so weiter und so fort…

2009/2010 war Vea Kaiser Stipendiatin, hat aber keinen Text im Buch, sowie Jessica Lind, 1988 in St. Pölten geboren, die auch, als Filemacherin tätig ist und deren „Nach Burt“ ein sehr symbolhaft beeindruckender Text über eine Frau ist, die sich nach der Geburt ihres Kindes auf den Weg in eine Hütte macht um sich dort offenbar von der Welt zurückzuziehen.

So kommen wir gleich zu Gertraud Klemm, 1971 in Wien geboren und in Baden aufgewachsen, die ja inzwischen Karriere machte, habe ich den zuerst bei „Arovell“ erschienenen Auszug  aus „Muttergehäuse“ doch bei den „Textvorstellungen“ gehört und mit ihr auch beim Volksstimmefest gelesen.

Das nächste Buch erschien dann schon bei „Droschl“ und als sie aus „Aberland“ beim „Bachmannpreis“ las, ist die Jury vor Beigeisterung beinahe ausgezuckt, obwohl mir diese Litanei, um die Mutterschaft, gar nicht mehr so neu erschienen ist, trotzdem Longlist des dBp 2015 und der Auszug aus dem neuen Buch, wo es um eine „Stieftussie“, also eine junge Frau, die die Geliebte, eines älteren Radiomoderators, die den Sohn in Vertreteung des Vaters und der Mutter, am Sonntag auf den Fußballlatz begleiten muß und dabei an ihre eigenen „Ballgefühle“ erinnert wird, sehr spannend.

Katharina Tiwald, 1979 in Wiener Neustadt geboren und im Burgenland, glaube ich, lebend, war ebenfalls 2010/11 Stipendiatin und mir auch eine literarische Bekannte, habe ich sie ja auf einigen Lesungen, beispielsweise bei den „Wilden Worten“ gehört, ihr Roman „Die Wahrheit ist ein Heer“, einmal aus einer Abverkaufskiste gezogen, wartet auf meiner Leseliste und sie auch eine sehr spannende Autorin, gibt es ja nicht nur das „Requiem für eine“, das auch noch wartet, sondern, auch eine Übertragung von Dantes „Inferno“ in „Jungen Deutsch“, das, wie ihrem Lebenslauf zu entnehmen ist,“ in der Erstfassung 2014, die Grundlage eines Theaterprojekts mit dem Erich Fried Gymnasium und dem ErinnerungsBunder Alsergunrd war.“

20011/2012 haben Stefan Bayer und Friedrich Hahn die Stipendien enthalten.

Von dem1989 geborenen Stefan Bayer, den ich schon bei einem „DichtFest“ hörte, sind in dem Buch ebenfalls, zum Teil sehr politische Gedichte enthalten.

Gedichte hat auch der 1952 geborene Waldviertler Friedrich Hahn zu der Anthologie beigesteuert, der, wie ich seiner Biografie entnehme, schon dreißig Bücher geschrieben hat.

Einige davon habe in meinen Regalen. Ich kenne ihn schon lange, hat er doch einmal,  einen meinen Texte in einer Literaturzeitschrift, ich weiß gar nicht mehr in welcher, veröffentlicht. Zu den „Textvorstellungen“ in die „Alte Schmiede“ hat er mich auch einmal eingeladen und auf die Idee zu meinen sechzigsten Geburtstag dreißig Minuten aus meinem damals vorhandenen dreißig Büchern zu lesen, hat er mich auch gebracht. Weiters veranstaltet er, glaube ic,h Schreibwerkstätten, war oder ost Bezirksrat der Grünen und hat im neunten Bezirk auch eine Veranstaltungsreihe, die an verschiedenen Orten in der Porzellangasse stattfindet.

Die 1976 in Wien geborene Lale Rodgarkia-Dara habe ich vor Jahren bei einem Interview für  den „Tag der Freiheit des Wortes“, im Radio Orange, kennengelernt. wir haben gemeinsam beim „Volksstimmefest“ gelesen und sie ist bekannt, glaube ich, für ihre sehr experimentellen, nicht so leicht verständliche Texte. Einen solchen mit dem Titel „Gefallene Worte – reden von zukünftrigen dikatorinnen“-„Die Diktatur ist die Utopie der Empathielosigkeit, das Vorfeld der Ergomanie der Eliten in der Schutzzone der Gewaltmonopole. Die entkörperlichten Worte – unbeseelte Handlungsmechanismen vorm Blitztod – schweben in der Willkürlichkeit des Tötens“,so der erste Absatz, hat die Stipendiatin von 2012/2013 auch der Anthologie beigesteuert.

Das zweite Stipendium hat in diesem Jahr, der1992 in Mistelbach geborene Mario Wurmitzer bekommen, der schon 2010 einen „Jugendroman“ veröffnetlich hat, ansonsten ist er dramatisch tätig und hat in diesem Jahr auch einen Hörspielpreis bekommen.

Sein Text heißt „Große Pause“ und handelt in der Schule, wo sich die Beziehung zwischen Marie und Simon abzuspielen scheint. Ein sehr talentierter junger Mann, auf dessen literarische  Weiterentwicklung ich mich schon freue und 2013/2014 ging es mit Cornelia Hülmbauer und Robert Seethaler weiter, der ja spätesten mit seinem Roman „Ein ganzes Leben“, wo er, glaube ich, auch „Wien Stipendiat“ war, berühmt geworden ist, aber auch keinen Text in dem Buch hat.

Cornela Hülmbauer, die mich ja einige Zeit auf meinen Blog begleitet hat und mit Kommentare schickte, wurde 1982 in Amstetten geboren und lebt in Wien. Sie hat 2013 auch einen der „Exilpreise“ bekommen und gibt in dem Buch Beispiele aus dem Zyklus „Fotzenlieder, oder :spill your darlings“.

2014/2015 waren Verena Dür, 1982 in Wien geboren und in NÖ aufgewachsen, die mir  bisher unbekannt war und Regina Hilber, die ich, glaube ich, schon bei mehreren Lesungen hörte und die 1970 geboren wurden, die Stipentiatinnen.

Von Verena Dürr gibt ein in dem Buch ein Langgedicht, von Regina Hilber, die ich ja bisher eher als Lyrikerin kannte, einen Auszug aus einem in Arbeit befindlichen Roman, der auf einer Berghütte  im Gebirge spielt.

Und auch die Stipenditaten von 2015/2016 Isabella Feimer und Simone Hirth sind mir bekannt.

Von der 1976 in Mödlinhttps://literaturgefluester.wordpress.com/wp-admin/post.php?post=48589&action=editg geborenen Isabella Feimer, die 2012 gemeinsam mit Cornelia Travnicek beim „Bachmannpreis“ las, habe ich auch schon zwei Bücher gelesen und war im Literaturhaus, als ihr bei der „Literaturedition NÖ“ erschienenes Buch vorgestellt wurde. Bei der großen Gala am achtzehnten November ist sie auch aufgetreten und hat erzählt, was das Stipendium für sie bedeutet und in der Anthologie einen sehr langen und sehr anspruchsvollen „Das vierzigsten Jahr“ genannten Monolog beigesteuert.

Die letzte in dem Buch ist die 1985 in Deutschland geborene Simone Hirth, deren Debutroman ich gelesen habe und auch bei der Präsentation in der „Gesellschaft für Literatur“ war. In dem Buch sind von ihr einige kurze Textstücke enthalten, die mich stark an den Roman erinnerten und sowohl von ihrer Großmutter, als auch von alleilei Skurrilen, wie das Beschwören eines Grießkochs oder von ganz geraden Bahnstrecken handeln.

Ein sehr interessantes Buch, dessen Lesen ich sehr empfehlen kann, sieht man in ihm ja nicht nur welche Autoren in dem letzten Jahren vom Land NÖ gefördert wurden. Man hat wahrscheinlich auch einen kleinen Vorgeschmack auf ein paar Romane bekommen, die vielleicht in den nächsten Jahren erscheinen und auf diversen Buchpreislisten stehen werden und darauf bin ich ganz besonders gespannt.

 

2015-12-04

Ungarn

Filed under: Bücher — jancak @ 21:52
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Weiter geht es mit den „Modernen Erzählern der Welt“  Literatur aus Ungarn, die 1957 herausgegeben wurde und Erzählungen enthält, die in etwa um den zweiten Weltkrieg spielen.

Den ersten Teil habe ich während unseres Frühjahrsaufenthalts in Bük, teilweise im Freien auf einer Bank in der Sonne gelesen, jetzt geht es weiter in der Badewanne, die das Hotel Repce ja hat, was allerdings weil es dann im Stockwerk unten tropfte, zum Teil nur möglich war.

Bis György G. Kardos, von dem ich in Harland eine ganzes Buch liegen habe, bin ich im April gekommen, jetzt habe ich weiter mit dem 1912 geborenen Geza Ottlik und seiner Erzählung „Am Donaukai“ gemacht, da geht ein Schauspieler im Krieg in der Nacht über die Donaubrücke zu Freunden um dort zu übernachten, damit der nicht verhaftet wird, am Morgen ist die Brücke weg, er ist verwundet, muß einige Woche bei dem Mädchen Lona bleiben und glaubt, daß seine Frau bei einem Bombenabwurf ums Leben kam, was aber nicht passierte.

In der Erzählung „Jetzt und in alle Ewigkeit“ des 1893 geborenen Pal Szabo, wird ein Schloß neu verteilt, beziehungsweise zerstört, weil es erst eine Demokratie geben kann, wenn es keine Schlößer mehr gibt, wie einer der Dorfbewohner zu sagen pflegt.

„Beim Zöllner“ der Erzählung, des 1902 geborenen Gyula Illyes muß einer der aus Rom und Paris kommt, an der Grenze alle seine Sachen auspacken und in der Erzählung „Gottes Geschöpfe“ des 1931 geborenen Istvan Szabo will ein Kind wissen, wie ein Mensch entsteht und versucht seinen Lehmfiguren Leben einhzuhauchen, was seine Mutter in Rage bringt.

Der 1918 geborene Ivan Mandy, dessen Spezialität es ist, wie in der Biografie beschrieben steht, das Leben der kleinen Leute darzustellen, beschreibt in „Biller war hier“, das Leben eines Studenten, der in der Zeit wo die reichen Leute und die Witwen der Offiziere abgeholt und in ein Arbeitslager gebracht werden, der von Vorträgen in Lehrlingsheimen für die Volksbildung lebt, aber nur Augen und Gedanken für seine Margit hat, die ihm in einem Cafe sitzen ließ und sich mit einem Ingenieur traf.

„Biller war hier!“, schreibt er auf eine Wand und seine Spuren verwischen sich.

In den nächsten zwei Geschichten in Josef Lengyels, 1896- 1975, „Nekeresi berichtet über Nesterov“ und in des 1894 geborenen   Tibor Derys „Liebe“ geht es um Flucht, beziehungsweise überraschende Entlassung aus Lager beziehungsweise Gefängnis.

Maker die Erzählung des 1902 geborenen Endre Illes „Andris“, da ist ein Junge am Vormittag allein zu Haus, die Eltern in der Arbeit, die Schwester in der Schule und er plant sich einen schönen Tag zu machen.

Das heißt er läßt sich an einem Seil in die sich darunter befindende Doktorwohnung und klaut dort vierhundert Forinth, dann geht er ins Gasthaus essen, die Mutter, die Friseuse ist, schickt ihn dorthin, weil das einfacher ist, wenn sie nicht vorkochen muß, er kauft sich Zigaretten und geht dann, statt zur Schule nach Hause und probiert noch etwas Besonderes aus.

Als der Vater am Abend von der Arbeit nach Hause kommt, findet er den Jungen am Seil erhängt.

In „Wolfsabenteur“ von Imre Sarkadit, 1921-1961, hetzt ein Schifahrer in angeblicher Todesangst einen Wolf zu Tode und in den „Bericht über fünf Mäuse“ des 1921 geborenen Miklos Meszölny, wird in den Weihnachtstagen, ab dem zwanzigsten Dezember, eine Mäusefamilie ausgerottet, dafür ergibt sich in Erzsebet Galgoszis „Doppelfeiertag“ eine junge Lehrerin in Budapest einem Mann und der 1934 geborene György Modova läßt einen Schauspieler, den „Ungarischen Vater“ spielen, der seinen Sohn zuerst im Namen des Kaisers, dann in den der Sozialisten, Kommunisten in den Krieg hetzt, bis er schließlich im Museum steht.

Die 1917 geborene Magda Szabo, von der ich schon ein Buch gelesen habe, läßt einen ungarischen Emigranten, der in Hamburg, Stockholm, Rom lebte und dort seine Verwandten empfing mit den Gedanken spielen wieder nach Ungarn zurückzukehren, was zu seinem Erstaunen, der Familie gar nicht gefällt.

Der 1932 in Budapest geborene Akos Kertez, der in seinen Erzählungen, die am Ende der Fünzigerjahre erschienen sind, die das Leben der Arbeiter überzeugend schildert, demonstriert das in dem Neuen, während der 1926 geborene  Gyula Hernadi in „Schenkungsurkunde“ einen Brief an „Seine Exzellenz General Charles de Gaulle, Präsindent der Republikc Frankreich“ schreibt.

Die 1932 geborene Anna Jokai beschreibt eine „Ungarischstunde“, wo die Lehrerin nicht zum Unterrichten kommt, weil ihr die Kinder von ihren blauen Flecken und den Prügeleien, denen sie ausgesetzt sind, erzählen und in Istvan Csurkas „Happening“ geht ein Intellektueller mit einem Küchenmädchen ins Bett, beziehungsweise in den Winkel hinter der Küche, wo dieses steht und wundert sich sowohl über den Schmutz, als auch die vielen Bücher in der Zimmer-Küche-Wohnung, in der sie mit Mutter und Schwesterlebt, das Bild ihres Bräutigams, der sich umbrachte, steht am Bettkästchen, das er gleich erkennt, weil es nicht „Stalin“ ist und sie trägt auch feine Unterwäsche, weil sie herzkrank ist und daher öfter in Ohnmacht fällt.

Peter Nadas, der mit Geburtsjahr 1942, jüngste Autor dieses Bandes,  schildert einen sehr ausgelassenen Kindergeburtstag zu dem der kleine Sany eingeladen wurde und Istvan Csaszar, 1936 geboren,  in „Nichts als Einbildung, oder?“ das verhinderte Bohemienleben oder die Dreiecksgeschichte zwischen Geza, Anna und Karoly und dann gibt es noch „Mininovellen“ von Istvan Örkeny, die unter anderen auch einen Fragebogen beinhalten: „Was halten Sie von der Vereinsamung des Menschen im XX. Jahrhunders? Sprechen Sie manchmal mit den Hausmester oder „Was halten Sie von der Regierung? „Finden Sie sie gut, schlecht oder würden Sie lieber in Wien leben?“

Spannende Erzählungen aus dem vorigen Jahrhundert unseres Nachbarlands von einigen bekannten und einigen wahrscheinlich längst vergessenen Autoren.

Inzwischen hat sich nicht nur das pollitische System verändert, so daß es gut ist, daß ich auch Anna Mwangis Roman auf diesen Ungarn-Aufenthalt mitgenommen habe.

Terezia Moras „Einzigen Mann auf dem Kontinent“ werde ich dann später lesen.

2015-04-20

Übergrenzen in der Hauptbücherei

Filed under: Veranstaltungen — jancak @ 21:54
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Während in der „Alten Schmiede“ Erich Hackl und Robert Streibel aus ihren Büchern lasen, beziehungsweise vielleicht miteinader über die sogenannte Dokumetarliteratur diskutierten, ging es in der Hauptbücherei über Grenzen, denn da hat der „Septime-Verlag“  die Anthologie „übergrenzen“ vorgestellt, die von Marlen Schachinger, der Überfrau offenbar herausgegeben wurde und die die Veranstaltung sowohl moderierte, als auch selber im Duett mit Michael Stavaric ihren Text las.

Marlen Schachinger deren literarischen Aufstieg von ihrer ersten Veröffnetlichung bei der Ruth in der „Edition die Donau hinunter“ zu ihren Leseauftritten in der “ Frauen lesen Frauen- Lesegruppe des ersten Wiener Lesetheaters“ bis zu ihrer Mitwirkung in dem Schreibinstitut in Ottakring, wo Selbstpublisher nicht an den von ihr angeboteten Schreibwerkstätten teilnehmen durften.

Jetzt ist sie Doezentin an ihrem eigenen Schreibinstitut, hat zwei Bücher bei „Otto Müller“ und eines bei  „Leykam“ herausgegeben und im Februar die Betty Paoli Vorlesung im Wiener Rathaus gehalten.

Nun also auch Herausgeberin einer Anthologie, weil sie seit einigen Jahren in Laa an der Thaya,  der Grenze nicht so weit entfernt lebt und die literarischen Grenzen, wie das Fabulieren, Lügen, Flunkern, scheint sie, wie ich einem Video auf ihrer Seite entnehme, auch sehr interessieren, aber auch die physischen Grenzen, so sind in der Anthologie sowohl sehr bekannte Autoren wie  Ilia Trojanow, Karl Markus Gauss, Josef Haslinger, als auch sehr junge mit ihren ersten Texten vertreten und offenbar sowohl Österreicher als auch Migranten, wie Radek Knapp und Michael Stavaric.

Christian Jahl leitete ein und erwähnte, daß der „Septime Verlag“ das erste Mal am Urban Loritz Platz präsentiert wurde, aber 2013 gleich zwei Werke auf der „Alpha Shortlist“ standen und über den „Alpha“ für den er offenbar gerade wieder liest, habe ich mich mit ihm vor der Veranstaltung auch kurz unterhalten.

Denn es ist ja sehr spannend sich vorzustellen, wer da ab August auf der Shortlist stehen wird?

Valerie Fritsch mit ihrem neuen bei „Suhrkamp“ erschienenen Buch sicher, falls es noch nicht mehr als das dritte ist,  den Namen Karin Petschka hat er genannt, Elisabeth Klar, Harald Darer habe  ich vor kurzem gelesen. Aber jetzt zurück zu den Grenzen und zu der Anthologie und da begann Michael Staravic mit einem Text aus der „K und K Monarchie“  und von den Kaisern, die damals herrschten, von dem mit der Sissi bis zu Kaiser Franz Klammer und die Grenzen haben sich inzwischen auch verwischt.

Wer dann folgte, war der andere Migrant, der 1976 von Polen nach Österreich übersiedelt ist, nämlich der 1964 geborene Radek Knapp, der einmal bei der Exil Juroren Lesung gelesen hat, 2008 war das und ich kann mich an das Schragl oder Schragerl noch genau erinnern und daran, daß Radek Knapp noch immer nicht weiß, was das ist, aber als er 1976 zum ersten Mal in seinem Leben österreichische Grenzer gesehen hat und sich für deren Pistolen genausosehr, wie sie für seinen Paß interessierte, hat er sich mit der deutschen Spraqche schwer getan oder auch nicht, denn in Polen lief damals eine Fernsehserie über den zweiten Weltkrieg und mit den zwei Sätzen, die dort gesprochen wurden, ist er locker durch das nächste Jahr gekommen, denn in Wien spricht man sowieso nicht Deutsch, sondern Wienerisch und so wurde, der etwas ältere Radek bei einem Praktikum von Halle A nach Halle B geschickt, um dort ein Schragl zu holen, was dann aber keines war.

Sehr lustig  der Text von Radek Knapp, wie immer, der über einen großen Humor verfügt, während die Debutantin des Abends, die 1992 in Wien geborene Lisa Veronika Glawischnig es viel ernster auffaßte und einen sprachlich schönen Text von einer Selbstmörderin las.

Dann folgte Marlen Schachinger, die Autorin mit „Realitäten in Fabulatorien“ und darin schildert sie drei Gespräche die sie mit Michael Stavaric im Schanigarten des Kaffee Jelineks übers Schreiben, beziehungsweise darüber führte, wie sich eine Katze fühlt, wenn sie am nächsten Tag als Maus erwacht, bzw. was sie darüber denkt. Ein Ameisenbär kommt in dem Text auch vor und eine zerbrochene Flasche und am Ende ist alles erstunken und erlogen und die Gespräche haben so nie stattgefunden. So weit waren wir schon.

Danach gab es ein Gespräch am Podium mit dem Verleger Jürgen Schütz, der sich sehr freute, als Marlen Schachinger ihn eines Tages anrief und ihm die Anthologie vorschlug, obwohl sich Anthologien an sich nicht so gut verkaufen lassen, wo das Thema Grenzen von allen seinen Seiten diskutiert wurde und sich Radek Knapp darüber beschwerte, daß er von den Reporter immer noch als Migrant gehandelt wird, der gefälligst Migrantenliteratur zu schreiben hat.

Michael Stavaric nahm das gelassener und erzählte, daß er als er 1979 von Brno nach Laa an die Thaya übersiedelt ist, die Tschechei immer, von Österreich aber lange nicht sehr viel gesehen hat.

Dann war er Sekretär bei Jirsi Grusa und Thomas Klestil war der österreichische Bundespräsident, Vaclav Klaus der tschechische und wenn man nicht weiß, wer wer ist, konnte man das sehr leicht verwechseln, genauso wie im Prager Telefonbuch immer noch sehr viele deutsche Namen stehen und im Wiener tschechische.

Spannend also die Anthologie der Grenzen, die von Marlen Schachinger durchaus auch literarisch bzw. graphisch verstanden wurde, so daß in dem Buch wahrscheinlich auch sehr experimentelle Gestaltungen enthalten sind und die dann noch zur Diskussion im kleinen Kreis beziehungsweise zum Kaufen des Buches aufforderte.

2015-04-04

Fledermausland

Filed under: Bücher — jancak @ 00:36
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„Diverse Wahrheiten über Wasserstände, Paranoia, Jounalismus und Hunter S.Thompson“, sind in einer, beim „Gonzo-Verlag“ herausgegebenen Anthologie, die anläßlich des zehnten Todestages des US-amerikanischen Schriftstellers Hunter S. Thompson, der sich am  20. Februar 2005 erschoßen hat, zu finden.

Hunter S. Thompson, keine Ahnung wer das ist, noch nie etwas von  dem Journalisten und offenbar auch Beat Poeten gehört und auch von einem Gonzo-Verlag nicht, der  2007 von der damaligen fünfundzwanzigjährigen Studentin Miriam Spies, der Name basiert auf den Gonzo-Jounalismus, den von Hunter S.Thompson prägte, gegründet wurde.

Wieder etwas gelernt und das erste unverlangt zugesandte Rezensionsexemplar, das gleich als E-Book mitgeschickt  wurde, habe ich von Miram Spies vor ein paar Wochen auch bekommen und mir beim Lesen und beim Rezensieren ein wenig schwer getan, denn erstens von dem Beat-Poeten keine Ahnung und auch von die in derAntholgie versammelten Autoren, waren mir bisher unbekannt, so daß ich beim Lesen sehr viel nachschauen mußte und fast denke, daß ich mir mit einem herkömmlichen Printexemplar leichter getan hätte, da ich aber sehr neugierig bin und gerne, wie ich immer schreibe, über den Tellerrand schaue, habe ich mich durch die vier Teile, die auch noch englische Namen tragen, durchgesurft und allmählich  etwas von dem mir bisher ungekannten Autor mitbekommen.

„It never got weird enough  for me“ heißt der erste Teil und ein Vorwort von Miss Gonzo, wo sie ein bißchen die Schwierigkeiten der Herausgabe schildert und auch die Frage öfter kommt, wer Hunter S. Thompson war, offenbar war das auch nicht allen eingeladenen Autoren geläufig, gibt es auch.

Dann geht es schon in Medias Res da schildert die 1966 geborene Susan Klossek, die in Leipzig Germanistik und Slawistik studierte, wie sie sich beim „Frühstück mit Hunter“, plötzlich im Jahr 1974 und mitten in der Beatgeneration befindet.

Ein Autor bekannte, daß er nichts von gelesen hat, dann aber tauchen immer wieder, die selben Titel im Inhaltsverzeicnis auf.

„Angst und Schrecken in Bochum, auf der Buchmesse“ etc und ich kapiere, daß „Angst und Schrecken“ oder „fear and lLoathing in Las Vergas“ offenbar ein bekanntes Buch des Autors war. Dann gibt es noch das „Rum Diary“  und ein sehr schönes Gedicht von Florian Günther, 1963 in Ostberlin geboren, gibt es in der ersten Sektion auch.

„Gespannte Ruhe:  Als sich Stifter die Kehle durchschnitt…, als  Fallada mit einer  Rothaarigen anbändelte…, als der alte Jäger mit seiner Schrottflinte.., als Scott  Fitzergerald auf den Boden seiner letzten Flasche sank, war er so unbekannt wie ich…. Doch irgendetwas hielt ihn noch zurück.“

In „…which is only fun for amateurs“, vielleicht ein Hunter S. Thompson Zitat, gibt es Gedichte von Pablo Haller „Leda“ und  Marco Kerbler „Fahrt zum Literaturfestival“ und auch sonst einiges Schreibspezifisches, so behauptet Klaus Bittermann alles über die „Frankfurter Buchmessse 2012“ zu verraten, wo China viel gewonnen hat, Robert Menasse auftrat und der „Kommunst und Wespennest-Herausgeber Walter Famler angeblich einen  Skandal aufdeckte“ und der 1966 geborene Kersten Flenter berichtet in recht flapsigen Ton vom „Literarischen Leben“, nämlich den Literaturschreibwerkstätten, die sie in Hamburg Altona über Rockmusik macht, einen Poetry Slam aufführen läßt und die dabei enstandenen Texte gnadenlos zerlegt, damit sich nicht noch mehr Schreiber untereinander konkurrieren machen.

Um Hunter S. Thompsen geht es natürlich auch, so haben Mara Braun und Klaus Pfeiffer in  „gONZo loves you“, die richtige Schreibweise des Verlags, eine atmemlose Geschichte verfaßt, wo eine Journalistin auf der Suche nach dem Drogencocktail in einem Hunter S.Thompsen Shop einen Schriftsteller trifft,  der für eine Anthologie einen Text über Rotwild und Greifvögel schreiben soll und sich dabei mit ihm in einen Drogen- und Liebesrausch bzw. ins „Fledermausland“ verirrt.

Geschichten von echten Beatpoeten gibt es natürlich auch, so hat der 1935 geborene Lufthansa Pilot, Jürgen Ploog, der mit Jörg Fauser und Carl Weissner eine Literaturzeitschrift gründet hat, über Tristeza & der Matrose“  geschrieben und Stefan Gaffory schildert, wie das ist, wenn man „54 Stunden in einem Stück wach ist“, aufregend kann ich sagen und wechsle in die dritte Abteilung hinüber.

Da wurde die für mich eindrucksvollste Geschichte „Der richtige Zeitpunkt“ wieder von Kersten Flenter geschrieben und spielt nach dem Tod von Wolfgang Herrdorf, da sitzt der Erzähler nach einer Lesung mit drei über Sechzigjährigen zusammen und überlegt, welches Alter das richtige zum Sterben ist. Sechzig beschließt, der noch nicht Fünzigjährige, der bis dahin seinen großen Roman schreiben will, die Älteren sind betroffen.

Ein paar Texte über Leipzig gibt es auch, wie überhaupt sehr viele Autoren einen Ostdeutschen Hintergrund haben.

Der 1981 geborene Max Schober hat sein „Kaktuseis“ nach der Leipziger Buchmesse geschrieben, entnehme ich den Biografien undMax Beckmanns „Tag der deutschen Einheit“ dort und Hadayattuah Hübsch wurde als Paul Gerhard Hübsch 1946 in Chemnitz geboren, er war Schriftsteller und Aktivist der 68 Bewegung, sowie Imam in der Nuur Moschee und Leiter des Freitagsgebet. 2011 ist er gestorben, bei you Tube kann man sein Begräbnis sehen, das Gedicht „Es ist Sonntag“ ist Anne Waldman gewidmet und ist eine Hommage an die Beat Generation.

Dann kommen zwei Reportagenteile, in denen es seltsamerweise auch Gedichte gibt.

Das von Marcus Mohr „Selbstmord“ beispielsweise „Sie sagte sie würde es mit Rattengift machen. Er sagte er würde sich nen Strick nehmen, ihn an die Reling der Dentzer Brücke binden und abspringen. Und du, fragten sie mich, wie würdest du es anstellen? Mein Leben weiterleben.“

Während Andrea Mohr, verwandt, verschwägert oder verpseudonymisiert, aus ihrem ebenfalls sehr interessanten Leben erzählt, bzw. im Gespräch mit einem Psychiater in ihre Kindheitserinnerungen geht.

1963 ist sie geboren und hat als Drogenschmugglerin internationales Aufsehen erregt, war mehrere Jahre in Melbourne inhaftiert und kam dann zurück nach Deutschland, um ihre Autobiografien zu schreiben, die sowohl bei „gONZo“, als auch im österreichischen „Driesch-Verlag“, den ich ja kenne, erschienen sind.

Und Robsie Richters Reportage „Antropophagus“, die eigentlich auch mehr eine Short Story“ ist, geht ins Kannibalen- oder Menschenfreßermilieu. Da besucht einer eine entsprechende Seite, stellt sich als Opfer zur Verfügung und trifft sich dann mit dem, der ihn verspeisen will, in einem Mc Donald Restaurant.

Ein höchst ungewöhnliches Buch, wie schon zu bemerken war, auch wenn die nächsten Reportagen sich dann viel friedlicher gegen die „Hygiene“ oder „Passwörter“ wenden.

In der zweiten Reportageabteilung „like falling down an elevator shaft…“ folgend dann einige Aufsätze über den Journalismus, die sich auch auf Hunter S.Thompson beziehen, darunter ein Text des Liedermachers Konstantin Weckers und schließen tut es wieder mit einem Gedichts des zum Islam konvertierten  Hadayadullah Hübsch,  ich habe einige sehr interessante Autoren kennengelernt und danke Miss Gonzo sehr für das Rezensionsexemplar.

 

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