Literaturgefluester

2019-11-23

Blaumann

Buch sechs des östBps, langsam wird es was und ein, wie es, glaube ich auf der Werbeschiene heißt, nach Franz Innershofers  wieder mal ein Text zur Arbeitswelt, da gibt ja eher wenige in der Literatur, weil die Schriftsteller da vielleicht auch wenig Einblick haben, des 1975 in Mürzzuschlag geborenen Harald Darer, den ich bei einer „Kolik-Lesung“ im Schauspielhaus kennenlernte und von dem ich „Herzkörper“ gelesen habe.

Sehr viel Thomas Bernhard ist dabei, kann ich verraten und natürlich, das bitterbös total skurill Komische, wie es schon der Klappentext verspricht und ich eigentlich nicht so mag und denke, daß man die Arbeitswelt ja auch realistisch schildern könnte, als sie zu verarschen.

Da ist also der Ich-Erzähler, der hat seinem Lehrlingskollegen Frank Sonnenschein versprochen, sich fünfundzwanzig Jahre nach ihrem Lehrabschluß wieder an der Stelle, wo sie sich kennenlernten, zu treffen. jJetzt ist es soweit und die Frau drängt den Helden hinzufahren, weil sie, wie er vermutet mit ihrer Freundin nach Prag will.

So tut er es. Frankenschein, wie er den Lehrlingskollegen immer nannte, kommt nicht. So sinniert er über seine Lehre nach und das ist, stimmt sehr skurril.

Zuerst kommt die Szene, wo er im TGM gemobbt wurde und die Schule verlassen muß. Der Vater bietet ihm drei Lehrstellenversuche an, so landet er beim „Elektrogeier“, wo er nichts lernt, denn der Juniorchef ist ein Looser, hat im Keller ein Reptilienkabinett, wo der Held, die Tiere füttern muß, macht seine blauen Briefe nicht auf.

Der Lehrling wird aber erst dem behinderten Kollegen zugeteilt, der vom Chef wegen der Behindertenprämie eingestellt wurde. Der soll reperieren, tauscht aber meistens die Geräte nur aus und fährt mit dem Erzähler ins „Siechenheim“, sprich, ins Altenpflegeheim, wo er dem am nächst Sterbenden, den Fernseher vom zuletzt Verstorbenen teuer verkauft. Schließlich kommt der Held an den Bau, da muß er stemmen, holt sich Hämorrhoiden, was auch sehr übertrieben geschildert wird, freundet sich aber mit den Hausparteien, deren Wohnungen zerlöchert werden, an, was wieder einige skurille Geschichten gibt, von denen manche, ich gebe es zu, durchaus spannend zu lesen waren.

Zum Beispiel die. wo er im Spital liegt, die junge Ärztin einem alten Mann am brandigen Fuß was wegsäbelt, ständig „Sie sind sehr gtapfer!“, zu ihm sagt, während der Primar Essiggurkeln und Kantwursht in sich hineinmampft, nun die ist eher unappetitlich, daß aber die Enkel vergessen die Sportzeitung für denOpa zu kaufen, ihm dann aber den Fünfhunderter aus dem Geldbörserl klauen, war sehr beeindruckend.

Andere waren es wieder weniger, denn  nach dem Spital, geht der Junior in Konkurs. Der Erzähler macht die Lehramtsprüfung und kommt dann aufs Arbeitsamt zu einem Umschulungskurs, weil er nicht mehr stemmen will. Da wird ihm eine skurille Geschichte einer Arbeitssuchenden erzählt, die bei ihrer Bewerbung gefragt wurde, ob sie ansteckend ist, weil das offenbar für die Einstellung ein Qualitätskriterium ist.

Er verläßt dann den Kurs, was er die nächsten fünfundzwanzig Jahre machte, kam dann eher unklar heraus.

Jetzt geht er jedenfalls in ein Stehcafe, trifft dort einen „Kollegen“, trinkt mit ihm und geht dann mit ihm in dessen ehemaliges Werk, wo der dann eine wieder sehr skurille Nummer mit dem „Dosendeckelstapler“ abzieht, als der Portier die Polizei holt, rennen sie davon, bekommen einen Lachanfall und der Held fährt ohne seine Sachen aus dem Hotel abzuholen, nach Hause.

Dazwschen gibt es noch einen Brief, den seine Frau an Frank Sonnenschein geschrieben hat.

Ein gut konstruierte, vielleicht doch ein wenig unlogische und für mich manchmal eher schwer zu lesende Satire im Thomas Bernhardstil über die Arbeitswelt?

„Lebensnah, erdig und fesselnd. Harald Darer taucht tief in die Abgründe eines Arbeitsleben und schafft damit eine bitterböse, grotesk-komische Realsatire“, steht jedenfalls im Klappentext.

2018-11-20

Wie hoch die Wasser steigen

Jetzt kommt  Buch sechzehn des dBp und eines von dem ich vorher schon sehr viel hörte, ist Anja Kampmanns „Wie hoch die Wasser steigen“ doch auch für den „Preis der Leipziger Buchmesse“ nominiert worden und Anna Bozena Badura hat mir das Buch, als wir in Essen bei ihr wohnten gezeigt und die 1983 in Hamburg geborene, in Leipzig wohnende Autorin auch auf der Buchmesse interviewt und in den Blogs war das Buch auch sehr oft zu sehen.

Es ist das Debut der Autorin, die sich offenbar schon als Lyrikerin einen Namen machte und das habe ich öfter gelesen, merkt man dem  Buch, an dem die Autorin offenbar sehr lang gearbeitet hat auch an, die Sprache nämlich sehr verdichtet, obwohl das Buch ja einen eher unlyrischen Inhalt hat, was es wahrscheinlich so außergewöhnlich macht.

Geht es doch um die rauhe Arbeitswelt, um die Welt der harten Männer, die auf Bohrinseln leben und oft schon jahrelang ihre Familien nicht gesehen haben und daher, obwohl sie dabei viel Geld verdienen, entwurzelt und vielleicht auch verloren sind.

Das Buch ist ein Debut, daher wundert es mich ein wenig, daß es nicht auf der heurigen und auch nicht, wie ich ursprünglich annahm auf der vorigen Bloggerdebutpreisliste steht.

Jetzt ist es zu spät es zu nominieren und ich habe mir mit dem Lesen auch nicht sehr leicht getan, war für mich der Inhalt des Roadmovies wahrscheinlich ähnlich oder anders verwirrend, als das des Denis Pfabe, das ja auch sehr lyrisch und verdichtet und auch noch viel kürzer ist.

Es geht um Wazlaw oder Wenzel, einen im Ruhrgebiet aufgewachsenen, dessen Familie aus Polen stammt und der schon seit zwölf Jahren auf den Bohrinseln lebt und arbeitet. Sechs Jahre machte er das mit seinem Freund Matyas, hatte zu ihm offenbar auch eine sehr  vertraute Beziehung, eine Wohnung in Tanger und einen Meldesitz in Malta aus Steuergründen. Man sieht die Globalisierung und Matyas kehrt eines Tages nicht mehr auf die Plattform zurück. Ist offenbar im Meer verschwunden, verunfallt. Man weiß das nicht so genau. Die Gesellschaft sucht auch nicht nach ihn, sondern schickt Wazlaw nur mit seinen Sachen nach Ungarn, um sie seiner Schwester zu bringen.

Der üernachtet bevor er das tut, ein paar Nächte im „Gellert“ in Budapest und läßt sich von einem Schneider einen Anzug schneidern. Dann übergibt er die Sachen, kehrt aber nicht mehr auf die Insel zurück, sondern irrt durch die Welt und durch sein Leben.

Denn da gab es ja eine Beziehung zu Milena, mit der er ein Leben in Polen aufbauen wollte, was aber nicht glückte. So fährt Waczlaw gegen Norden, übernachtet in <hotels, besucht in Italien seinen Onkel Alois, der ihm eine Brieftaube übergibt, die er ins Ruhrgebiet, wo er aufgewachsen ist, bringen soll.

Milena erfährt er, liegt im Koma. So reist er nach Polen, spricht mit ihrer Schwester und dann immer weiter bis das Buch in einem Epilog endet.

Ein interessantes Roadmovie fasse ich zusammen, interessant wegen des eher unlyrischen  Inhalts, der von der rauhen Welt der Männer, die auf Bohrinseln leben, spielen, saufen, lieben und die Wurzeln zu ihrer Heimat schon lang verloren haben.

Interessant ist auch, daß Anja Kampmann sehr lang an dem Buch gearbeitet hat, viel dafür recherchierte, wie auch im Anhang steht.

2017-04-10

Amok und andere Alltäglichkeiten

Richard Weihs

Richard Weihs

Bettina Gärtner

Bettina Gärtner

Diesmal war die 1962 in Frankfurt geborene und seit 1969 in Wien lebende Bettina Gärtner zu Gast bei den „Wilden Worten“.

Eine Autorin, di, mir was eigentlich nur sehr selten passiert, nicht bekannt war, obwohl sie die „Leondinger Akademie“ absolvierte und schon ein Buch „Unter Schafen“ herausgegeben hat.

Das heißt, wie ich gerade aus dem Archiv ersah, das stimmt auch nicht so ganz, denn sie ist im Herbst bei den „Neuerscheinungslesungen der GAV“ aufgetreten und wenn ich mich recht erinnere, hat sie da auch ein Stück aus ihrem Roman, ein Krimi glaube ich, aus dem Pharmazeutenmilieu, gelesen.

Jdenfalls hat Richard Weihs in seiner Einleitung erwähnt, daß er auf sie durch das Neuerscheinungsherfterl aufmerksam wurde und sie deshalb eingeladen hat und Bettina Gärtner ergänzte, daß sie einmal dachte, sie müsse jemanden umbringen oder zu schreiben anfangen und hat sich dann für das letztere entschieden.

Deshalb vielleicht auch die „Leondinger Akademie“ besucht und für ihr zweites Buch, hat sie, glaube ich, auch ein Stipendium und eine Buchprämie wahrscheinlich für das erste erhalten.

Zuerst kamen aber drei Texte, 2008, 2009 und 2010 geschrieben, wie sie erklärte.

Der erste handelt von der Selbständigkeit, da geht das Ich, die Protagonistin, die, wie Bettina Gärtner für die zweite Geschichte erklärte, nicht unbedingt mit dem Autoren-Ich ident sein muß, auf eine Party und unterhält sich am Buffet, während der Würstchen im Schlafrock und den Canapes über den Vorteil der Freiberuflichkeit, denn da kann man sich die Zeit einteilen, etcetera.

Bettina Gärtner

Bettina Gärtner

Richard Weihs

Richard Weihs

In der zweiten Geschichte „Verzahnungen“ ist das „Ich“ dann ein Mann und gerade dabei seine Firma aufzulösen, diesbezüglich geht er nach Schönbrunn oder an einen anderen Ort spazieren, um Ruhe zu haben, wird dabei aber sowohl von einer Kindergartengruppe, als auch von Eichhörnchen gestört, die sich als sehr gefräßig erfweisen und  über die Kindergartentante herfallen.

Man sieht Bettina Gärtner, die auch im Marketing gearbeitet hat oder noch arbeitet ist sehr offensiv und hat auch sehr ungewöhnliche, fast kafkaeske Einfälle, denn in der dritten Geschichte, wo die Protagonistin schon in die Selbständigkeit in ihrer Wohnung geflüchtet ist, kommt ein armloser Fliesenleger und irritiert sie in ihrer Zeiteinteilung.

Dann kam ein kleines Stückchen aus dem ersten Roman, den die Autorin auch in einem großen Stoß vor sich abgestellt hatte und dann ein längeres aus dem zweiten in Arbeit befindenen, das von einem Hermann, einem pragmatisierten Postbeamten handelt, der in seiner Abteilung mit einem prekär beschäftigten Fräulein kämpft.

Interessant, interessant und das war auch das nachfolgende Gespräch in dem die Autorin Einblick in ihren Arbeitsalltag gab und erklärte, wieso sie zu ihren Themen gekommen ist und Richard Weihs seine Begeisterung an den Texten ausdrückte.

Dann ging es  zu den Wunschgedichten und ich habe mir diesmal eines zum Thema oder mit dem Titel, wie könnte es auch anders sein „Ostern“ gewünscht, das mit den Worten „1, 2, 3 ein Osterei“ beginnen soll und dann habe ich mir noch, um es Richard Weihs schwer zu machen drei eher nicht dazu passende Worte, wie „Gewitter“, „Arbeitslosigkeit“ und „Schweinsbraten“ dazu gewünscht.

Mal sehen was er daraus macht. Live werde ich ja das nächste Mal nicht dabei sein, weil wir da ja schon mit der Ruth um den Bodensee radeln und das Thema Ostern hat sich auch schon im Vormonat jemand anderer gewünscht, was ja jetzt aktuell ist, während zum Mai eher der Maiaufmarsch, der Maibaum etcetera passen würde, man sieht aber, ich bin meiner Zeit nicht voraus, hinke  eher nach und Bettina Gärtner hat noch, das fällt mir jetzt ein, zu ihrer ersten Geschichte von der Selbständigkeit erzählt, daß es der Protagonistin zum Halse heraushing, sich immer zu Ostern Osterhasensprüche ausdenken zu müssen, was sie im Gespräch mit Richard Weihs dahin ergänzte, daß es sich dabei, um  autobiografische Erfahrungen gehandelt hat.

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