Literaturgefluester

2017-01-15

Atterwellen

Jetzt geht es an den Attersee, da war ich zwar schon im Sommer 2015, als dort Luis Stabauer sein Buch, das er nach den Tagebüchern seiner Mutter geschrieben hat, in der dortigen Musikschule vorstellte, aber weil  der Alfred, das Buch, vom Autor signiert und schön dem „Literaturgeflüster“ gewidmet, kaufte, ist es kein Rzensionsexemplar und da dauert, vor allem weil ich 2015  noch eine andere Leseliste hatte, das Lesen etwas länger.

Macht ja nichts könnte man sagen, der Attersee hat  ohnehin wahrscheinlich mit dem Sommer oder der Sommerfrische zu tun, aber weit gefehllt, es gibt sogar ein Kapitel über Weihnachten darin, das, wie die meisten Erlebnisse von Luis Stabauers Mutter eher traurig war.

Und den 1950 in Sewalchen am Attersee geborenen Luis Stabauer, der, wenn ich das Buch richtig verstanden habe, eigentlich Karl oder Charly heißt, habe ich einmal bei dieser Kleinstverlegermessen im Amtshaus Hietzig kennengelernt, wo er so freundlich war, mit seine Bücher „Der Kopf meines Vater“ und die Anthologie, wo Texte  der Teilnehmer der „Leondinger Akademie“, die der Coach und Berater, der, wie auf seiner Homepage steht, sich immer mehr zum Schriftsteller entwickelte, seine Ausbildung machte.

Er macht auch Kurse bei der „Schule für Dichtung“, da habe ich ihm einmal beim „Schamrock-Festival“ lesen gehört und weite Südamerikareisen, darüber hat er auch ein Buch geschrieben.

Interessant, denn das Schreiben und die Schreiber sind ja vielfältig und wenn man sich für alles interessiert und über den Tellerrand hinausblickt, wie ich es zu tun versuche, bekommt man auch einen guten Einblick über das zeitgenössische Literaturgeschehen.

Das Buch ist in dem kleinen „Resistenz-Verlag“ erschienen, den manche Autoren hassen, manche wieder gerne ihre Bücher dort verlegen. Mir ist das, obwohl ich früher auch dort hinschickte, leider nie gelungen, aber angeblich bin ich ja nicht so gut und mache viele Fehler und Dietmar Ehrenreich, der rührige Verleger, der damals in Seewalchen das Buch verkaufte, ist ja leider inzwischen gestorben.

Luis Stabauers Mutter hat seit 1944 viele Tagebücher geschrieben, als der Sohn, der inzwischen schon einiges geschrieben hatte und gerade dabei war, wieder nach Südamerika aufzubrechen, besucht er die Mutter im Altersheim und fragt sie danach. Die sagt ihm noch, er soll seine Reise nicht abbrechen, wenn ihr inzwischen etwas passiere, denn die Pepperl und die Frieda, die beiden Schwestern würden schon für das Begräbnis sorgen und dann ist es soweit, Luis Stabauer ist in den Anden, als der Anruf kommt. Nimmt dort Abschied von der Mutter und, als er später in den heimatlichen Ort kommt und die Tagebebuchstöße sieht, beschließt er Geschichten aus den Erlebnissen der Mutter zu machen.

„Episodenroman“ steht auf dem Cover. „Memoir“ könnte man es wahrscheinlich auch nennen und Ernst Hackl hat ja auch ein sehr berührendes Buch über seine Mutter und derenJugend in Armut geschrieben und so war es auch mit der Erni, die ihren Poidl oder Leo gegen den Willen der Eltern heiratete und mit ihm von NÖ nach Seewalchen zog, denn der Briefträger und, ich glaube, auch ÖVP Politiker war kein guter Mann, hat getrunken und Katren gespielt, gut da hat er meistens gewonnen und sich so auch ein Haus erspielt. Er hat aber auch mit den Frauen geschäkert und die eigene unterdrückt, die Anfangs noch sehr blauäugig war, von ihren Freundinnen aufgeklärt werden mußte, daß die Kommunisten vielleicht doch nicht so böse sind, wie man in dem Dorf munkelte und, daß die armen Frauen oft keine Wahl haben, als ihre Kinder abzutreiben.

Sie muß sich auch gegen ihren Mann wehren, bekommt ein Kind nach dem anderen, der Poidl ist nie da, sie muß beim Bauern mithelfen und so den kleinen Karli, damit er nicht vom Toperl rutscht, auch anbinden und die Schwester muß schon mit Dreizehn in einem Gasthaus servieren, obwohl Kinderarbeit inzwischen verboten ist.

Die Ehe der Eltern wird irgendwann geschieden, die Mutter hat inzwischen ein gut gehendes Gasthaus und besucht später die erwachsenen Töchter Frieder und Klara in Amerika und Andalusien.

Das wird, da die Mutter weder Englisch noch Spanisch spricht sehr lustig geschildert.

Ebenso lustig ist auch die Episode wo sich die Mutter am Telefon mit einem Fernmeldeamtsdirektor herumärgert.

Dann wird ein runde Geburtstag gefeiert, zu dem alle Kinder und auch Enkeln kommen, das Heimathaus wird besucht. Das Autofahren aufgegeben und zuletzt der Umzug in das Altersheim und Sohn Karl macht dann noch eine Familienaufstellung um seine Kämpfe und Krämpfe mit der Mutter abzuarbeiten.

2015-06-21

Ausflug an den Attersee

Filed under: Veranstaltungen — jancak @ 15:00
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Vom Schwerpunkt Wien ging es mit einem Umweg über Harland bei St. Pölten an den Attersee, da dort Luis Stabauer seinen Episodenroman „Atterwellen“ nach den Tagebüchern seiner Mutter präsentierte.

Und ich habe den 1950 in Seewalchen geborenen Luis Stabauer 2013, nach der GAV-GV, wo sein Name erwähnt wurde, bei der Kleinpublishermesse im Amtshaus Hietzing, wo er seine Bücher „Der Kopf meines Vaters“ und eine Anthologie mit Arbeiten aus der „Leondinger Akademie“, die er besuchte, kennengelernt.

Dann die Bücher gelesen und eigentlich versprochen zur Präsentation seines „Resistenz-Buches“ „Der Himmel reißt auf“ ins „Andino“ zu kommen und wollte auch zu den von Angelika Reitzer moderierten „Textvorstellungen“ im vorigen Jahr, aber da war glaube ich, gleichzeitig ein Abend mit den Werken der Sprachkunststudententen, so habe ich das Buch nur gelesen und Luis Stabauer in der „Kolik-Lounge“ und im Amerlinghaus gesehen, sowie bei dem „Schamrockfestival“ im Literaturhaus, wo er seine Arbeiten, die bei einem Workshop der „Schule für Dichtung“ mit Nora Gomringer, entstanden sind, präsentierte.

Man sieht, der Coach und Gründungsmitglied der „Textmotor-Literaturgruppe“ ist vielseitig, also sowohl experimentell als auch realistisch literarisch unterwegs, wird vielleicht auch noch GAV-Mitglied und hat mich  jetzt zur Präsentation seines neuen Buches, am Orte des Geschehens, in Seewalchen, eingeladen, so daß dieser Juni für mich ein Monat des Literaturtourismus bzw. der kleinen Reisen werden wird und wir deshalb am Samstag auch ganz früh nach Harland aufgebrochen sind, obwohl ich  eigentlich noch gerne zu „Rund um die Burg“ gegangen wäre.

Krauthäupl-Musi

Krauthäupl-Musi

Krauthäupl-Musi

Krauthäupl-Musi

Aber nach dem Rasenmähen, beziehungsweise dem traditionellen Würstelessen am Markt von St. Pölten, sind wir um vier losgefahren, nach sechs in Seewalchen angekommen, wo wir uns im Gasthof „Zur Post“, der Familie Stallinger, einquartierten.

Eigentlich hätten wir ja nach der Veranstaltung in der Musikschule auch zurückfahren können, aber erstens gab es noch ein Abend- und ein Morgenprogramm und zweitens sind wir offenbar bequemer geworden.

Also ein kleiner Spaziergang an den Attersee, das Wetter war sehr kalt und regnerisch, aber der „Klimt-Weg“ war schon eröffnet und man konnte sich an den Schautafeln ein bißchen über die Sommerfrische der kulturellen Bohemien vor  hundert Jahren informieren, bevor es zur Musikschule ging, wo mir gleich zwei bekannte Gesichter aus der „Alten Schmieden-Crew“, von denen eines Luis Stabauers Nichte Annalena gehörte, entgegenkamen.

Sehr viele Besucher, Schulkollegen, Freunde, Verwandte des Autors, der, wie schon erwähnt in Seewalchen geboren undin Schörfling, was der Nachbarort sein dürfte, aufgewachsen ist, aber auch, wie er bei der Einleitung erwähnte, Mitglieder der literarischen Szene Wiens, da gehöre wohl ich dazu, sowie die „Textmotor-Literaturgruppe“ und die „Krauthäupl Musi“ spielte auf, bevor Dietmar Ehrenreich, der „Resistenz-Chef“ und selber Autor, sein Fußballbuch habe ich, ich bekenne es, noch immer nicht gelesen,  steht  aber auf meiner Leseliste, den Autor vorstellte und erwähnte, aus welchen Gründen er sich für ihn entschieden hätte, da bei seinen Autoren sowohl die Lebens- und die Berufserfahrung, als auch die Persönlichkeit stimmen müße, womit offenbar gemeint war, daß er genügend Publikum bzw. Käufer für das Buch in die Veranstaltung mitbringen müßte und sich für mich das Rätsel klärte, warum er mich nie genommen hat, obwohl ich ihm früher eifrig meine Manuskripte schickte und er mich einmal sogar deshalb angerufen hat.

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Luis Stabauer

Luis Stabauer

Aber stimmt, hundert Leute bringe ich für eine Lesung, zu der ja manchmal überhaupt kein Publikum kommt, nicht zusammen.

Der große Saal im zweiten Stock der Musikschule war aber bummvoll und Luis Stabauer begann dann auch mit der Lesung.

Das heißt zuerst zeigte er die Tagebücher seine Mutter, die diese von 1946 bis 2009, ihrem Tod, geschrieben hat und las ein paar Stellen daraus vor. Daraus sind dann die „Atterwelen“, ein Episodenroman in einundzwanzig Kapitel, geworden.

Das Cover stammt von der Schwester Maria und Luis Stabauer las ein paar Kapitel von der Wirtin Erna und ihren Kindern Pepperl und Karli, die Namen wurden geändert, erklärte Luis Stabauer, bis zu der New York Reise  und dem Lieblingslied der Mutter, die 2009 offenbar in einem Altersheim gestorben ist.

„Fischerl am Grund“ heißt es, das wurde dann von der „Krauthäupl-Musi“ gespielt, den Text gab es am Programm zum Mitsingen und nachher ein Pause, wo es Aufstrichbrote, Wein, Saft und Wasser, sowie die Bücher zum Kaufen und Signieren gab.

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Im zweiten Teil gab es nur noch die „Krauthäupl Musi“ zu hören und danach ging es in das Gasthaus Stallbauer zurück, wo es noch ein Zusammensitzen mit der Familie, den Literaten, der Musi, die noch ein Gute-Nachtlied intonierte, etc, gab und am Morgen den „Literarischen Frühschoppen“ im Cafe Trostmann, wo Luis Stabauer noch ein Kapitel aus dem Buch gelesen hat, beziehungsweise mit der Literaturgruppe über literarische Projekte, etc diskutierte.

Das haben wir versäumt, sind wir doch, weil der Alfred um eins im Gasthaus Ambichl in St. Georgen reserviert hat, schon um halb zehn wieder nach Harland gefahren. Ich habe aber sicher wieder Gelegenheit Luis Stabauer in Wien zu treffen und sein Buch zum Lesen, habe ich jetzt auch.

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