Literaturgefluester

2018-07-24

Madame Hemingway

Im März 2013 habe ich ernsthafte Bücherbeschränkungspläne geschwungen, alle meine ungelesenen Bücher in meine Leseliste eingetragen und mir geschworen mir wahrlich nie und nimmer mehr ein Buch zu kaufen, sowie ein solches aus einem Bücherschrank zu nehmen.

Das habe ich, glaube ich, gerade einen Tag eingehalten, denn dann bin ich in der Karwoche zu diesem verpatzten Vortrag in den Klub logischer Denker gegangen und da natürlich an einigen der Schränke vorbeigekommen.

Im „Wortschatz“ ist glaube ich Norbert Gstreins „Englische Jahre“ gelegen und in dem in der Zieglergasse,  Paula Mc Lain „Madame Hemingway“, ein Buch von dem ich zwar keine Ahnung hatte, um was es ging, das Cover ist aber damals in diversen Blogs aufgeschienen. Ich habe gedacht, du darst, brauchst, mußt nicht und habe dann nach dem Buch gegriffen, nach diesem und auch nach Michael Köhlmeiers „Idylle mit Hund“.

Am nächsten Tag habe ich mir zwar geschworen, die Bücher zurückzubringen, ging aber gar nicht so einfach, weil wir ja nach Harland in die Osterferien gefahren sind, dann habe ich sie behalten, Köhlmeiers „Idylle“ ist noch immer nicht gelesen, „Madame Hemingway“ auf meiner heurige Leseliste, ich habe da inzwischen ein bißchen umdisponiert, gerutscht und ist jetzt die zweite Biografie, in Folge, die ich lese, und nach Ralph Dutlis „Soutine“ wird noch Alfred Polgars „Marlene“ an die Reihe kommen.

„Madame Hemingway“, der Titel läßt schon darauf schließen, daß es sich dabei, um eine Frau oder Geliebte von Ernest Hemingway , dem Nobelpreisträger von 1954, von dem „Wem die Stunde schlägt“ im Bücherkasten meiner Eltern gestanden ist, „Fiesta“ und „in einem fernen Land“ habe ich gefunden, aber noch nicht gelesen, der „Alte Mann und das Meer“ ist, glaube ich, Schulstoff und hat mir nicht so besonders gut gefallen und Alkoholiker war Ernest Hemingway, glaube ich, auch.

Von seinen Frauen hatte ich aber keine Ahung und nicht gewußt, daß die 1891 geborene Hadley Richardson, die erste Frau des acht Jahre jüngeren Hemingway war und die 1965 geborene Paula Mc Lain, die kreatives Schreiben studierte und in einigen Künstlerkolonien gelebt hat, hat aus den biografischen Quellen, wie sie anmerkt, aus Briefen und Tagebüchern einen Ich-Roman mit der Stimme von Hadley daraus gemacht. Ein paar Szenen sind auch dem Meister selbst gewidmet, der dabei ziemlich unsympathisch hardcoremäßig daherkommt.

Hadley Richardsen, eine Pianistin hat den Jüngeren in den Neunzehnhundertzwanzigerjahren kennengelernt. Sie heiraten bald und  zog mit ihm nach Paris, wo sie in Künstlerkriesen lebten, mit Gertrude Stein, F. Scott Fitzgerald und anderen befreundet war.

Hemingway war in dieser Zeit journalistisch tätig, mußte während der Griechenland-Türkei Konflikte an die Krisengebiete reisen und ließ seine Frau ungerührt, für Monate allein zuirück. Er betrog sie auch mit anderen Frauen. Dafür hat sie seine Manuskripte, die sie in einen Koffer packte und zu ihm bringen wollte, im Zug verloren und schwanger wurde sie auch bald, obwohl Hemingway eigentlich kein Kind wollte.

Es wurde aber sohn Bumby geboren. Da ging das Paar kurz nach Amerika zrück, da Hemingway aber nur einen schlechtbezahlten Redakteursposten hatte und von seinem Chef schikaniert wurde, gingen sie bald, obwohl sie in prekären finanziellen Verhältnissen lebten, wieder nach Paris zurück, beziehungsweise nach Spanien zu den Stierkämpfen.

„Fiesta“ wurde geschrieben, die Sammlung „Three Stories and Ten Poems“ wurde veröffentlicht und Paula  McLain deutet an, daß Hadley Hemingway künstlerisch gefördert hat. Die Winter verbrachte das paar trotz der schlechten finanziellen Verhältnisse in Voralberg, in Schruns und da lernte  Hemingway bald Pauline Pfeiffer kennen, mit der er Hadley ungerührt betrog. Die Ehe wurde geschieden. Pauline wurde Hemingways zweite Ehefrau, die dritte Martha Gellhorn, die vierte Mary Welsh.

Hadley hat auch wieder geheiratet und Hemingway hat sich 1961 umgebracht. Vorher kam es laut Pula Mc Lain noch zu einer Begegnung der beiden und ich kann sagen, daß es sich gelohnt hat, die Vorsätze gebrochen und das Buch nicht zurückgebracht zu haben.

Jetzt habe ich mein Wissen über Ernest Hemingwax, der in dem Buch, wie schon geschrieben, nicht sehr sympathisch erscheint, aufgefrischt und das 2011 bei „Aufbau“ erschienene Buch scheint heute wieder vergessen,  auf jedenfall ist es von den Blogs verschwunden, aber ich habe ja, bevor das Herbstneuerscheungs- und das Buchpreislesen beginnt, vor, meine Backlist aufzulesen und mal sehen, viellecht kommt Hemmingway auch noch  im Original an die Reihe.

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2018-06-13

Stadt ohne Seele

Filed under: Bücher — jancak @ 00:38
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Jetzt kommt wieder ein Roman, der keiner ist, steht doch am Buchrücken von Manfred Flügges „Stadt ohne Seele- Wien 1938“, bei „Aufbau“ erschienen, vollmundig Zeitroman.

„Zeitpanorama“ wäre wohl passender, denn  das vierhundertsiebzig Seiten Werk des 1946 geborenen Romanisten und Historikers, der heute als freier Autor und Übersetzer in Berlin lebt, ist eine sehr genau Beschreibung der Stadt Wien, um den Anschluß. Die Geschichte, wie es dazu gekommen ist, wird erklärt und die Theorie untermauert, daß es mit den Auszug der Juden aus der Stadt, seine Seele, also seine geistige, musische, kulturelle, literarische, etcetera Hoheit verloren hat.

Das sieht eine 1953 in Wien geborene und in die 1968 Bewegung und die Wiener Avantgarde hineinsozialisierte Wienerin vielleicht ein bißchen anders, aber das Wien um 1938, der Anschluß und das, was vorher und nachher kam, hat mich schon immer sehr interessiert.

Ich habe schon einiges darüber gelesen und bin auch schon bei einigen Veranstaltungen der „Wien-Bibliothek“ gewesen, die sich ja gerade sehr intensiv mit dem Anschlußjahr beschäftigt und auf diese Art und Weise bin ich auch auf das Buch gestoßen, das ja am 15.Mai dort vorgestellt wurde.

Es gibt zwanzig Kapitel und einen sehr ausführlichen Anhang und im ersten wird ein bißchen was dazu erzählt, was an diesem Anschlußtag in Wien passierte, wann und wie Hitler nach Wien gekommen ist und wie es dort aussah.

Dann geht es erst einmal in die Vergangenheit. Denn der Antisemitismus war schon vor 1938 ein großes Thema und der Journalist Hugo Bettauer der im März 1925 von Otto Rothstock ermordet wurde, hat ja in „Die Stadt ohne Juden“ schon 1922 einen sehr erfolgreichen Kolportageroman zu diesem Thema geschrieben, der, glaube ich, auch verfilmt wurde.

Darin beschreibt er die Utopie, daß Wien ohne Juden bald den Bach hinunterginge, denn was täten die Frauen und die süßen Mäderln ohne die finanzstarken jüdischen Männer und nimmt auf sanft humoristische Art und Weise viel positiver vorweg, was später zur Horrorvision wurde.

1938 recherchierte Flügge lebten in Wien 170 00 Juden, vorwiegend in der „Mazzesinsel“, im zweiten Bezirk, die ärmeren, im neunten die bürgerlichen, wie Sigmund Freud, ergänze ich.

„1945 waren es noch 6000. Im Holocaust kamen mehr als 65 000 Wiener Juden um. Außer Landes gegangen waren etw 130 000.“

Dann geht es zur Geschichte. Im November 1918 wurde ja die erste Republik ausgerufen und die „Kaiserfamilie reiste am 23. März 1919 nach einer Messe mit dem Absingen der Kaiserhymne in die Schweiz.“

Der Adel wurde verboten, die Habsburger enteignet, obwohl sowohl der damalige Kaiser Karl, als auch Otto von Habsburg nie auf ihren Thronanspruch verzichtet haben.

„Bei den Neuwahlen im Februar 1919 durften auch erstmals  Frauen abstimmen.“

Es gab dann kurze Zeit das rote Wien, mit dem kommunalen Wohnbau, den schönen Gemeidebauten, dann kam es zum Austrofaschismus und 1934 und zu  Engelbert Dollfuß, der wie Manfred Flügge schreibt,“gern den starken Mann markierte und Uniform trug, obwohl er von Statur eher klein  war und daher auch „Taschenkanzler“ oder „Minimetternich“ genant wurde.“

Der wurde, die NSDAP wurde ja in Österreich am 19. Juni 1933 wegen terroristischer Aktivitäten verboten, wonach Deutschland die 1000 Mark Sperre erließ, was Österreichs Fremdenverkehr sehr beeinträchtigte, weil die Deutschen nicht mehr auf Urlaub und zu den Festspielen kommen konnten,  im Juli 1934 von den Nazis ermordet. Dann wurde Kurt Schuschnigg Bundeskanzler, der auch sehr autoritär regierte.

Im Kapitel „Roman der Seele“ werden einige Romanautoren genannt, die in den zwanziger und dreißiger Jahren in Wien gewirkt und geschrieben haben. Franz Werfel, von dem ich ja auch einige Bücher gelesen habe, hat sich mit der Frage beschäftigt, wie es nach dem Verfall der Monarchie mit dem kleinen Land weitergehen kann. Das hat meines Wissens nach auch Joseph Roth getan, der aber erst später erwähnt wird, wohl aber Werfels „Veruntreuter Himmel – die Geschichte einer Magd“, den er im Exil geschrieben hat.

Roberts Musils „Mann ohne Eigenschaften“ in dem es um die Parallelaktion, eine gemeinsame Feier Deutschlands und Österreichs geht, ist nie fertig geworden und der Autor mußte, glaube ich, auch emigrieren und ist im Exil gestorben.

Dann sind wir schon bei Sigmund Freund, den Flügge zwei Kapitel widmet, man sieht es ist eigentlich ein Buch, das eher Wien vor als nach 1938 schildert.

Freud hat den größten Teil seines Lebens, bevor er nach London emigrieren mußte, in Wien verbracht und in der Berggasse, die meisten seiner Werke geschrieben. Er lebte dort mit seiner Frau Martha und seiner Tochter Anna, hatte einige Hausangestellte, wie das katholische Dienstmädchen Faula Fichtl, ein Pendant zur Teta Linek, in Werfels Roman, wie Flügge meint

Den „Mann Moses“ hat er auch geschrieben und einige seiner Schüler wie C. G. Jung verloren, der sich nach dem Anschluß antisemitisch über Freud äußerte. Aber der hat seine Werke in sein Exil mitgenommen.

„Hitlers Wien Lüge“, wird anhand einiger Bücher, darunter auch dem von Brigitte Hamann analysiert. Denn der hat sich in „Mein Kampf“ offenbar ganz anders dargestellt, als er und es wirklich war.

Er war, wie Flügge analysiert, eigentlich gar nicht so antisemitisch eingestellt, hat viel von den Juden, die seine Bilder kauften, seine Mutter behandelten und ihm in den Wohltätigkeitsküchen versorgten, profitert, so daß er erst, weil er es für seine Politik brauchte, dazu mutierte. Er war auch ein großer Wagner Fan, ist viel in die Oper gegangen und hat Karl May geliebt.

In „Winterspiele“ werden die Ereignisse vom Februar 1938 geschildert. Bundeskanzler Schuschnigg fährt nach Berchtesgarden zu Adolf Hitler und wird dort schlecht behandeltn, die illegalen Nazis mehren sich in Wien, Seyß-Inquart wird Innenminister. Schnuschnigg bereitet für den 13. März eine Volksabstimmung vor, die Hitler mißfällt. So kommt es dann zu der berühmten Radiorede „Gott schütze Österreich!“ und es wird in der „Verhängnisvollen Frühlingsnacht“ einmarschiert.

Schuschnigg, der sich nicht auf den Flughafen oder in eine Gesandtschaft, sondern nach Hause bringen läßt, wird dort in „Ehrenschutz“ genommen, kommt später in das berühmte Hotel Metropol und bleibt bis zum Ende des Krieges Schutzhäftling in verschiedenen KZs. Später emigriert er nach Amerika, während in Wien nach dem zwölften März, die Reibpartien beginnen, die sogar von der SS als „Schweinereien“ bezeichnet werden.

Es kommt zu Verhaftungen und Misshandlungen. Egon Fridell stürzt sich aus dem Fenster, der Textdichter von Franz Lehar, der während des Krieges seine Karriere beibehielt, Friedrich Löhner- Beda kommt nach Auschwitz und wird dort ermordet, wie noch viele andere jüdische Künstler, wie Fritz Grünbaum, Peter Hammerschlag umgekommen sind oder ins Ausland, wie Karl Farkas fliehen mußten, wie Manfred Flügge im Kapitel „Wiener Requiem“ genau aufzählt.

Die Verwaltung geiet, wie man auch an der Ausstellung sehen kann, sofort in deutsche Hände, Juden wurden entlassen, die Theater wurden dazu einige Zeit geschlossen, bis sie ihren Spielplan anpassen konnten. Karl Böhm machte Karriere, die Familie Wessely-Hörbiger spielte sich durch die Unterhaltungsfilme und am Burgtheater, Josef Weinheber schrieb hymnische Texte an Hitler, während die anderen emigrieren mußten.

Im Kapitel „Amputierte Lebensläufe“ werden dazu Beispiele auch nicht so Berühmter aufgezählt. Zu den Berühmteren gehörte der Josefstadtdirektor und Autor Hans Lothar von dem ich ja außer dem „Engel mit der Posaune“, Paula Wessely spielte da in dem nach dem Krieg gedrehten Film, die Hauprolle, auch die „Mühle der Gerechtigkeit“ gelesen habe, er emigirierte mit seiner Familie und kam später als Kulturoffizier zurück und hat auch Romane über diese Zeit geschrieben.

Die Schicksale der Nobelpreisträger werden aufgezählt, die haben außer Konrad Lorenz das Land vefrlassen.  Ernst Schrödinger  schien sich ambivalent und das „Ja“ zur Volksabstimmung, empfohlen zu haben. Der Medizinpreisträger Otto Loewi mußte erst sein an der schwedischen Bank deponiertes Nobelpreisgeld den Deutschen übergeben, bevor er ausreisen konnte.

Im Juni reist Sigmund Freud mit seiner Familie, Paula Fichtl und seinen Ärzten, er ist über zweiundachtzig und schwer krank, auf Vermittlung von Marie Bonaparte und Ernest Jones nach London und wird dort triumphal empfangen, während seine Schwestern nach Theresienstadt deportiert wurden und umkamen. Und Wien ging, wie Manfred Flügge auf den letzten Seiten scheibt „nicht ur die Seele verloren. Es fiel auch die letzte Zuflucht der deutschen Geistesfreiheit, ein Gipfel an Kritik,Kreativität, Wissen, Philosophie und Wagemut, dazu eine ganz eigene Art des Humors….Und wenn seither immer wieder die Bäume blühen in den Wiener Gärten und Parks und die sorgenlösenden Walzer ihre Unschuld wiedergefunden haben, so treten im erinnerten März nicht nur frische Zweige hervor, sondern oft genug auch Zweifel und Schatten.“

2017-12-21

Das Mädchen und die Fremde

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:42
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Jetzt kommt nach Heinrich Böll, der Dichterrepublik und den Weihnachtsgechichten ein Thriller, mit dem man sich ja auch zu Weihnachten hinwegiebern kann, der zweite Emma Sköld-Krimi, der  1978 geborenen Sofie Sarenbrandt, dem neuen Krimistar aus Schweden möglichweise, „der seine Protgonistin nicht schont“, wie die Autorin im Klappentext verspricht und stimmt, tut sie wirklich nicht, obwohl ja eigentlich gar nicht so viel passiert.

Denn dieKrimialkomissarin liegt nach einem Reitunfall im Koma und wacht da nach fünf Monaten das erste Mal auf, das wird in über hundert kurzen Kapiteln von verschiedenen Personen erzählt und Irrtum es passiert natürlich doch sehr viel, das Meiste allerdings im Kopf der Protagonistin, die sich nach dem Aufwachen darüber wundert, daß Baby Ines schon so groß geworden ist  und sie ist auch überzeugt, es war kein Unfall.

Das glaubt ihr natürlich keiner, nicht ihr Vater, der pensionierte Hauptkommissar, nicht die Schwester Josefin und auch nicht der Lebenfgefährte Kristoffer, der inzwiwchen auf Vaterurlaub ist, um sich um die Kleine zu kümmern, aber irgendwie doch arbeitet, so daß er nur sehr wenig Zeit im Krankenhaus verbringt und die kleine Ines, was niemand wissen darf, seiner früheren Freundin Hillevi anvertraut, deren Kind gestorben ist und die deshalb auch lange in der  „Klapsmühle“ war.

So erwacht Emma also und schickt, den Kollegen Nyhlen los, um für sie zu recherchieren, während sie langsam wacher und wacher wird und  schon aus der Intensivstation hinausdarf und dann überschlagen sich die Ereignisse.

Nyhlen findet am Unfallsort ein Kettchen, das Kristoffer, als er mit der Kleinen doch einmal kommt, als das von Hillevi erkennt und mißtrauisch wird und den Fall des toten Polizisten, an dem Emma bevor der Unfall passierte, gearbeitet hat, will sie auch wieder aufnehmen.

Nyhlen bringt ihr auch die Akten ins Kankenzimmer, die verschwinden aber und Hillevi, die weltsamerweise in dem Krankenhaus auch als Putzfrau arbeitet, es gibt in dem buch sehr viele Wendungen und Spannungsbögen, schleicht herum und drückt ein Kissen auf Emmas Mund, die schon die ganze Zeit eine Frau in ihrem Zimmer sieht.

Es kommt zu einer Hinrblutung und Nyhlen den Emma, als sie davon wieder aufwacht, zu Kistoffer schickt, findet den tot in der Wohnung und die kleine Ines ist verschwunden.

Nyhlen wird nun selbst vom Vater und vom Vorgestzten verdächtigt und die labile Hillevbi, die sich nicht mit der Polizei anlegen will, bringt das Kind auch zurück und am Ende ist dann wieder alles anders.

Zweimal wird das Kissen noch auf Emmas Mund gedrückt, es war ganz anders, als erwartet oder unerwartet spannend, denn jetzt weiß ich nicht, ob diese Serie weitergehen wird?

Denn eigentlich, wenn ich es recht verstanden habe, ist die Heldin ja gestorben, weil sie zuviel entdeckte und eine der wenigen aufrechten schwedischen Polizistinnen ist. Das kann aber nicht wirklich sein, weil Serien ja auf länger angelegt sind, wurde in dem Buch auch schon an ein paar früheren Stellen behauptet und der erste Band „Das Mädchen und der Mörder“ offenbar mit einem ähnlichen Cliffhanger endete.

Der dritte Band ist also vielleicht schon angelegt oder in Schweden bereits erschienen.

Ich habe die Geschichte in einem Zug gelesen und in der Badewanne auch sehr angefeuchtet, die vielen falschen Fährten haben mich aber auch ein wenig geärgert.

2017-12-17

Winterschwimmer

Filed under: Bücher — jancak @ 00:07
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Nun kommt das zweite Weihnachtsbuch der Saison, die bei „Aufbau“ erschienenen „Weihnachtsgeschichten“ des 1962 in Berlin geborenen Alexander Osang, der in Leipzig Journalistik studierte und nach der Wende als Chefreporter bei der „Berliner Zeitung“ gebarbeitet hat.

Die vierzehn in dem Buch enthaltenen Geschichten sind mit einer Ausnahme schon in der „Berliner Zeitung“ erschienen und handeln in Zeiten der Bankenkrise, des Neoliberalismus und ähnlichen Erscheinungen im ehemaligen DDR-Gebiet in der Weihnachtszeit.

Die Helden steht im Klappentext haben die „besten Zeiten schon hinter sich“, das dürfte sich wahrscheinlich aufs Alter beziehen, obwohl es sich  auch um Vierzighährige handelt und sie sind eigentlich Angehörige durchaus erfolgreicher Berufe, wie der Immobilienmakler, der  vorm Weihnachtsabend einer anderen Maklerin seine eigene Wohnung verkauft oder ihr den Schlüßel überläßt und sich mit einem Schlafsack in die Dachgeschoßwohnung zurückzieht, die er vorher zwei Interessierten gezeigt hat und, die sich sich vermitteln läßt.

Sehr skurille Geschichten also, die von Ausgeschlossenheit, Langeweile, Überdruß am schönsten Tag des Jahres handeln, die aufhorchen lassen und das Leben wahrscheinlich so zeigen, wie es  ist, wenn die Weihnachtsgass ein wenig angebrannt ist und der Christbaum schief, wie  in der Geschichte von den „Weißenseer Wölfer“, das sind die Geschäftsleute rund um den Weißensee, die von ihrer Bank zu einem „Weihnachtsbaumschlagen“ eingeladen wurden. Das heißt, sie ziehen mit einer Säge  in das abgegrenzte Waldgebiet, die Frauen warten beim Lagerfeuer und beim Wunsch und drinnen im Wald erweist sich die Konkurrenz, die es eben im Neoliberalismus gibt, wo man im Kampf unbedingt um jeden Preis, den schönsten Baum zu bekommen, den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr sieht.

„Die Schneekönigin“ ist eine Fernsehmoderatorin, die mit ein paar Freundinnen ein heruntergekommes Schloß aufgekauft hat und dort Weihnachten verbringen will. Sie geht mit ein paar Gläsern Champus in die Sauna, wirft sich dann in den Schnee, wie das eben so üblich ist, kann dann aber  nicht mehr in die Anlage hinein, soß daß sie dann in einem Müllsack gewickelt sich sozusagen auf Herbergsuche begeben muß, weil eben heute jeder aus Angst vor dem Fremden den Hilfesuchenden die Tür verschließt.

Dann erfährt einer, während des Christbaumeinkaufes, daß sein Vater in Thailand gestorben ist und muß in der Heiligen Nacht nach Bangkog zur Identifizierung fliegen und bei der „Kette“ wird es besonders arg. Da bringt ein Vorgesetzter nach der Weihnachtsfeier im Taxi eine junge Angestellte nach Haus, läßt sie aber aussteigen und will nichts von ihr, sie hat aber seine Jacke, wil ihr kalt ist und in der ist eine Kette von seiner Mutter, die er seiner Frau schenken soll. Sie hat die Jacke aber schon in die Caritas Box geschmissen. Er bekommt sie nicht mehr zurück, wird als er den Container aufstemmen will, gefilmt, das Video wird ins Internet gestellt und er verliert, wie beim „Fegefeuer der Eitelkeit“ keine Frau und seine Stellung.

In „Weißes Rauschen“, geht es zu einem Rundfunkmoderator, der am Heiligen Abend Platten auflegt, die Anrufer fragt, ob sie einsam sind und sich dabei lächerlich macht und dann  geht es in eine Altersheim und zu einem Pfleger, der dort Nachtdienst hat und dem ein Patient  stirbt. Alles nicht sehr weihnachtlich, aber durchaus realistisch und sehr beeindruckend geschrieben.

In „Drei deutschen Eichen“, geht es um eine Reihenhausanlage in Florida, in die sich hauptsächlich deutsche Rentner eingekauft haben, dort ihre private Sicherheitsarmee aufgebaut haben und nun bersprechen, ob es sinnvoll ist Saddam, der gerade gefangengenommen wurde, zu erschießen?

Sehr eindringlich und überraschend auch die nächste Geschichte, die in Berlin Mahrzahn spielt, in dem ein neues Flüchtlingszetrum gebaut werden soll, wogegen die Bürger jeden Montag demostrieren, so daß die Polizei schon die Baustelle, beziehunsweisen den Sportplatz, der sich dort befindet, bewachen muß.

Held ist Lars Petzold mit seinem Hund Pieck, der nach einem nicht so unsympathischen DDR-Politiker heißt, denn ein Hund namens Honecker geht ja nicht und der geht nicht Zigarettenholen, nein, denn das darf man in politisch korrekten Zeiten ja nicht mehr, trotzdem ist er mit allem unzufrieden.

Er ist Pressesprecher bei der Bahn und seine Frau schenkt und kocht ihm alles, was er nicht will. Die Fischsuppe zu Weihnachten beispielsweise, obwohl er Fische haßt, wie das Holzfällerhemd, den Rucksack, etcetera.

Er geht mit Pieck mal raus oder nein, er geht schon mit ihm zum Kiosk des Herrn Wang, um von ihm eine Zigarette zu kaufen, weil er ja offiziell nicht mehr raucht.

Der schenkt ihm, weil Weihnachten ist, zwei und so tappt er mit einer am Ohr, die andere im Mund in ein Fensehteam, das von ihm wissen wil, was die Bürger zu dem Flüchtlingsheim sagen und seine Frau Cathrin hat ihm fünf Minuten nachgeschaut, bis sie ganz sicher war, daß er nicht mehr zurückkommt, sich dann ein Glas Weißwein eingeschenkt und ein zweites und sich damit vor den Fernseher gesetzt und sieht nun was?

Ja, Überraschung, sie sieht ihrern Mann, in einem Hemd, das sie haßt, wie ihr auch die Fischsuppe auf die Nerven geht, die sie nur für ihn kocht. Sie bliebe lieber bei den Würstchen mit Kartoffelsalat, die sie früher gegessen haben, in die Kamera sagen „So leid mir das für Sie tut. Ich finde es richtig, dass wir uns um Flüchtlinge kümmern. Nicht nur zu Weihnachten.ich finde auch nicht, dass man die Stadtbezirke gegeneinander ausspielen sollte!“ und dann fragt er noch, ob die Reporterin weiß, wer Roul Wallenberg war, nachdem der Platz heißt, wo das Heim errichtet werden soll?

„Nein!“, sagt die Reporterin.

„Wallenberg war ein schwedischer Geschäftsmann, der im Zweiten Weltkrieg vielen Juden in Ungarn das Leben rettete. Anschließend haben ihn dann die Russen verschleppt. man hat ihn nie gefunden.“, wird dann erklärt.

„Wow!“, denkt wahrscheinlich Cathrin vor dem Fernseher und richtet für ihren Mann den Aschenbecher her.

Eine tolle Geschichte, gerade wegen ihr, sollte man das Buch  lesen.

Es ist zwar schon ein bißchen knapp vor Weihnachten, aber vielleicht geht es sich noch aus, sie jemanden, der sich vielleicht auch ein bißchen bedroht und unglücklich fühlt, unter dem Christbaum zu legen und dann geht es gleich weiter mit dem Aufzeigen der neuen deutschen und wahrscheinlich auch österreichischen Wirklichkeit.

Da ist Robert Reiter, ein arbeitsloser Journalist und jetziger Besitzer eines alternativen Reisebüros.

Die Bank hat unterstützt, im Geschäft steht ein Computer, es gibt eine Milchglasscheibe, so daß man Reiter dahinter sitzen sehen kann und so  denkt sich alternative Reise aus, beispielsweise die, wie man unter 2500 Euro um die Welt reisen kann. Die Kunden buchen zwar höchsten mal ein Themernhotel und so wird er bald mal mit der Bank sprechen müssen. Da geht die Türe auf und ein Mann kommt herein, der ein Ticket nach Grönland will, um dort mit „Fräulein Smilla“ den Schnee zu spren und nicht wiederzukommen und das diabolische ist noch dabei, daß es auf der Straße gegenüber, auch so ein Start-up-Unternehmen gibt, wo eine junge Frau hinterm Schreibtisch sitzt und zu ihr sieht Reiter den Mann auch noch gehen.

Ein bißchen, wie Martin Suters „Businessclass“, im Weihnachtstouch sind die Geschichten, die Alexander Osang da jährlich für seine <zeitung schrieb und haben alle einen unverwechselbaren Ton der erzählt, wie man wirklich abseits von allem Kitsch und Glammer Weihnachten feiert, etwa wenn der <mann vor sechzehn <jahre einen Schlaganfall erlitt und seither, wie „Balou“ der Bär oder ein Kind durch das Leben taumelt.

Oder eine Managerin soll eine unrentable Geschäftsstelle auflösen, bekommt von ihrem Geliebten ein unverbindliches Geschenk und steckt dann ein paar Stunden, mit ihm, einem Betriebsrat und dem obersten Chef im Lift,  bevor es doch nach unten geht und der Portier fröhlich „Merry Christmas“ sagt.

In der Titelgeschichte geht es, um ein Weihnachtssonderangebot einer Sauna und Schwimmbadfirma und dann schleicht sich noch einer unerkannt, als Weihnachtsmann in seine eigene Familie ein.

Sehr bedrückend und ungewöhnlich Weihnachten einmal so zu sehen, würde ich sagen und wie schon bei meiner Lieblingsgeschichte getan, das Buch als Geschenkt  empfehlen, denn es bleibt, glaube ich, ein etwas anderer Blick auf das schönste Fest des Jahres zurück, wenn man sich durch diese Geschichten gelesen hat.

Und was den Adventkalender betrifft, gibt es hier zwar kein  Fenster, aber am siebzehnten Dezember vor zwei Jahren, habe ich die „Nika“ im „Readingroom“ vorgestellt.

2017-11-03

Kirchberg

Es ist ein verwirrendes Buch, der zweite Roman der 1977 geborenen Verena Boos und eines, von dem ich nicht sicher bin, ob ich es ganz verstanden habe. Hat es doch mehrere Ebene und es werden in verschiedenen Jahrzehntenten, beginnend von 1974 bis in das in die Zukunft gehende 2024, drei verschiedene Geschichten erzählt.

Zentrum ist das schwäbische Dorf Kirchberg, in das kehrt vermutlich 2016 oder vielleicht schon früher Hanna nach einem Schlaganfall, den sie nach einem Hirntumor hatte, auch das erscheint mir verwirrend, zurück.

Sie ist sprachlos, halbseitig gelähmt, stand kurz vor ihrer Habilition, die sie jetzt nicht mehr durchführen kann. Wollte eigentlich nach Amerika, ist jetzt ein Sozialfall, Frührente oder Hartz IV, sagt die Sozialarbeiterin. so bricht sie ihre Therapien ab, verläßt die WG in der sie mit Jessie wohnte und kehrt in das ehemalige Schulhaus zurück, in dem sie mit ihren Großeltern, Erich und Katharina aufgewachsen ist.

1974 ist sie geboren, da war ihre Mutter Maria am Buchanfang gibt es eine Tafel mit den Namen und den Geburtsdaten der drei handelnden Familien, zweiundzwanzig und sie ist in die Stadt München geflohen, war dort Krankenschester und sagt niemand wer der Vater ihres Kindes ist. Sie gibt es auch zur Adoption frei und fängt als Stewardesse bei der Lufthansa an. Erich und Katharina setzten die Adoption durch, die Mutter kommt später auf Besuch, bleibt fremd und bringt Barbiepuppen mit.

Hanna schläft im ehemaligen Schulzimmer in einem Schlafsack, beginnt langsam ins Leben zurückzufinden, versucht wieder einkaufen zu gehen und wird von Sabrina der Nachbarin und Patrizio, dem Jugendfreund,  Sohn einer italienischen Familie, die im Dorf eine Pizzeria hatte, versorgt.

Es gibt einige rührende Szenen, so läutet, die ein wenig ältere Sabrina an, lädt Hanna, die sich nicht helfen lassen wil,l zum Essen ein. Die fünfjährige Lisa erkundigt sich nach der komischen Frau, hat Angst, daß es ihr selbst so gehen könnte, bringt dann selbstgemalte Karten, die hanna ans Essen erinnern sollen. Sie geht auch mit ihr einkaufen auf den markt, Patrizio besorgt ihr Kleider und mietet sich  im Schulhaus ein, um einen Comic zu zeichnen oder um Hanna zu betreuen. Es gibt auch eine Daphe, die einen Raum mietet und Hanna das Haus reparieren hilft.

Dazwischen geht die Sprachlose in den Dekadenschritten ihr Leben durch. Es gab eine Beziehung zu einen Leo, Italien und Amerikaaufenthalte, die Frage wer ihr Vater ist, wird  gestellt und die Geschichte, der drei Familien, die der Hubers, Sabrinas Schwiegervater Ludwig ist eine Pflegefall,  wird von einer Rumänin betreut und war ein Konkurrent von Großvater Erich und die der Braglacias, den italienischen Einwanderern.

Vom Krieg und der Nachkriegsgeneration wird erzählt und vom Tod der neunzigjährigen Katharina, die allein sterben mußte, weil Hanna in dieser Zeit in Berlin war und ihrer Habilitation nachjagte.

Noch eine rührende Szene in dieser Vielschichtigkeit. Hanna ist ja nach Kirchberg geflohen, hat ihre Arzttermine vernachläßigt, so läßt Jessie nach ihr suchen. Ruft sie an, aber Hanna kann ihr Handiy nicht bedienen und auf die Idee Postkarten aus dem Briefkasten zu nehmen, kommt sie nicht. So läutet eines Tages die Polizei bei ihr, zieht aber wieder ab, denn sie wird ja von Sabrina und Patrizio versorgt.

Das Buch ist in sechs Kapitel in je zehn Jahresabschnitten gegliedert in denen Hanna durch ihr geht.

Im letzten, 2024 ist sie dann gestorben. Patrizio hat das Haus gekauft und feiert dort Weihnachten mit seiner alten Mutterr und ich bleibe etwas ratlos zurück, weil ich nicht sicher bin, ob ich die Geschichten, die das Buch erzählen wollte, alle verstanden habe und mir der Inhalt in seiner Fülle und der wechselnden Erzählweise auch sehr  verwirrend schien und ich wahrscheinich mit einem  Handlungsstrang, dem der Wiedereingliederung nach dem Schlaganfall, beispielsweise, zufriedener gewesen wäre.

Aber das Leben ist vielschichtig und wenn es ans Sterben geht, geht man wahrscheinlich sein ganzes Leben durch und versucht auch die Geheimnisse aufzulösen, die einem bisher verschlossen blieben.

2017-08-12

Das ist bei uns nicht möglich

Filed under: Bücher — jancak @ 00:29
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In meiner leicht legasthenen Ader hatte ich immer Schwierigkeiten Uptun Sinclair und Sinclair Lewis auseinanderzuhalten.

Der eine amerikanische Schriftsteller stand im roten Wien in den Zwischenkriegsjahren bevor die Austrofaschisten und die Nazis kamen in den Arbeiterbibliotheken und wurde dort an erster Stelle ausgeborgt.

In der Bibliothek meines Vater befanden sich auch einige Bände, die ich immer gerne lesen wollte, aber noch nicht dazugekommen bin und dann gibt es noch Sinclair Lewis auch ein Amerikander, der 1930 den Nobelpreis bekommen hat.

Von ihm habe ich auch einige  ungelesene Bücher in meinen Regalen und sein „Das ist bei uns nicht möglich“, kürzlich wieder aufgelegt, stand lange bei Anna Jeller in der Auslage.

Jetzt hat „Aufbau“ mir das Buch geschickt, das schon im Frühjahr erschienen ist, denn es gibt ja nicht zu übersehende Parallelen zu der gegenwärtigen amerikanischen  Präsidentenschaft, obwohl das Buch 1935 geschrieben und dann in Amsterdam in einem Exilverlag auf Deutsch erschienen ist und Sinclair Lewis, dessen Frau die Journalistin Dorothy Thompson, das Nazi Regime in Deutschland studierte und Hitler interviewte, beziehungsweise ein Buch über ihn geschrieben hat, hat auch wahrscheinlich Deutschland mit seiner Diktatur, die der da beschrieben hat, gemeint.

„It can`t happen here“ oder „Das ist bei uns nicht möglich“, wie es Hans Meissel, 1900- 1991, der Kleist-Preisträger, dann dann im Exil Thomas Manns Sekretärwar, übersetzte und angenehm für alle Sprachüter, „Aufbau“ ließ das Buch nicht neu übersetzen, so daß man den damaligen Sprachgebrauch „Neger“ und manchmal sogar „Nigger“ lesen, wenn gleich der wortgewandte Präsidentschaftskanditat und spätere Präsiident und Diktator Buzz Windrip, der mit dem Versprechen, allen von der Wirtschaftskrise gebeutelten fünftausend Dollar im Jahr zu geben, zu diesen in seinem Wahlprogramm nicht freundlich war.

Denn die sollten, wie die Frauen wieder an den Herd gedräng wurden, von allen Rechten ausgeschlossen, ein Populismus, der schon 1935 zog und so gewann der Gewaltige, die Wahl mit Bravour und verwandelte dann das Land frisch und fröhlich in eine Diktatur.

Das ist sicherlich von Nazideutschland angeschaut und ein bißchen schwer macht es das Lesen, daß da, glaube ich, immer reale Namen mit fiktiven vermischt werden. So kommen Hitler und seine deutsche Diktatur genauso vor, wie Mussolini und auch Upton Sinclair.

Die Hauptfigur ist aber der Zeitungsherausgeber Doremus  Jessup, seine Frau sagt „Dormaus“ zu ihm, der das „Can´t happen here“, wohl früher dachte.

Aber dann wandelte sich alles, nur die fünftausend Dollar wurden nicht eingelöst. Dafür gab es Arbeitslager in die die Arbeitslosen eingeliefert wurden, die sich dann bald Konzentrationslager nannte und eine private M M-Armee, die alles überwacht und bespitzelt, gab es auch.

Vorläufig residiert Doremus aber noch in seiner Villa mit Frau und Kindern. Es gibt eine rebellische Tochter namens Sisi oder Cäcilia und einen Sohn, der später Regimeanwalt wird, mit der Haushälterin namens Missis Candy und einem Hund namens Närrchen, nur der Diener Shad Ledue mit dem Doremus immer unzufrieden war, ihn aber aus humanen Gründen nicht entlasen wollte, hat schon früher das Lager gewechselt und ist nun der örtliche Gestaposchef.

Er ist es dann auch, der Doremus, als der einen rebellischen Artikel selber setzt, weil es seine Angestellten nicht mehr wollen, verhaften läßt, Doremus kommt aber noch nicht ins Konzentrationslager. Er muß noch seinen  Nachfolger einschulen.

Ein Fluchtversuch nach Kanada scheitert. So begibt sich Doremus mit ein paar kommuinstischen Freunden in den Widerstand, fertig mit seiner Frau und seiner Tochter Handzetteln an. Zuerst wird ein anderer statt ihm deshalb verhaftet. Man kommt sehr leicht ins KZ, es genügt schon, wenn ein anderer seine Stelle haben will oder man einen Witz erzäht. Später trift es den ehemaligen Herausgeber aber doch, er wird gefolter, geprügelt und kommt dann schon über sechzig zu siebzehn  Jahren in das Straflager, das einmal eine Mädchenschule war.

Inzwischen lebt der Präsident in Saus und Braus in einer Hotelswuite und läßt nur seine Frau aus der Provinz im weißen Haus residieren, hat aber in seinen Reihen natürlich seine Feinde. Wird gestürzt und der Nachfolger dann auch ein paar Wochen später vom nächsten Feind ermordet, der ein strafferes Regime aufzieht und Krieg mit Mexiko beginnen will. Das gibt dem ehemaligen Präsidentschaftkanditaten und Gegner Windrips, der nach Kanada geflohen ist, Aufwind. Doremus konnte inzwischen auch fliehen und kehrt dann, um den Widerstand zu leiten, nach Amerika zurück. Dort hat er zuerst eine Viso vom freien Leben, bevor er kalt geweckt wird, läßt sich aber  nicht unterkiregen, denn ein „Doremus Jessup,“ wie der letzte Satz des Buches lautet, „der stirbt nie.“

Es gibt ein Nachwort von Jn Brandt, das die damalige Situation erklärt. Das deutsche Buch, wurde 1936 von den Nazis verboten. Es gab dann in den Achtzigerjahren eine, glaube ich, ostdeutsche Wiederauflage und jetzt das Remake.

Donald Trumps Populismus macht es wohl möglich, ein Kultbuch daraus zu machen, mögen sich die Herausgeber gedacht haben und es fängt auch erschrecklicken ähnlich an, obwohl es damals das Radio war und nicht die Twitternews, die die Zuhörer, den verarmten Mittelstand fesselte und von Buzz Windrips Populismus verleiten ließ und so ist es sicher interessant  Siclair  Lewis Nazi-Parodie der Neunzehndreißiger Jahre zu lesen und in den ersten Kapiteln gibt es immer wieder Textauszüge aus „Die Stunde Null“ von Berzelius Windrip, wo er seinen Wahlwolk alles und jedes verspricht und nach der Wahl wurden dann alle „Anti Buzz“ sofort aufs Bitterste verfolgt.

Jetzt muß ich noch die anderen Bücher des amerikanischen Nobelpreisträger, wie der „Gottsucher“ oder „Die Benzinstation“ lesen.

Mal sehen wann ich dazu komme und bis dahin können wir uns an Donald Trumps Hoppalas und seinen Fehlbesetzungen  freuen und darauf vertrauen, daß das in Amerika hoffentlich doch nicht alles möglich ist und passieren kann.

2017-06-30

Warum soll man nicht auf bessere Zeiten hoffen

Filed under: Bücher — jancak @ 00:28
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Victor Klemperers Leben in Briefen. Der „Aufbau-Verlag“ hat jetzt auf über sechshundert Seiten mit vielen Bildern, Anhängen und Erläuterungen die Briefe herausgegeben, die der deutsche Romanist und Germanist von 1909 bis 1960, seinem Todesjahr geschrieben hat und darunter ist einer, das ist ganz besonders interessant, den er1910 in einem Hotel am Nordbahnhof logierend, mit „Sehr geehrte gnädige Frau!“ und nicht Frau Gräfin oder Baronin betitelt, an Marie vonEbner- Eschenbach geschrieben hat, die er besuchen wollte, weil er sich für dieösttereischische Literatur interessierte.

Ich kenne Victor Klemperers Tagebücher und sein LTI, habe einiges davon gelesen, ich glaube, die Ute hat mich drauf gebracht und mir eines seiner Bücher gegeben, ich habe aber auch etwas von ihm einmal bei den Büchertürmen bei der „Literatur im März“ gefunden.

Im Centrope Workshop hat Stephan Teichgräber, der ja aus der DDR kommt, auch einmal seinen Namen erwähnt, da habe ich noch auf das Buch gewartet, das glaube ich, im Mai erscheinen sollte und jetzt am vierzehnten Juni herausgekommen ist und das ist, glaube ich, nicht nur für Philologen und Wissenschaftler interessant, sondern auch für die, die wissen wollte, wie es sich im dritten Reich lebte, wenn man durch seine arische Frau gerade gedeckt war, man aber nicht mehr die öffentlichen Bibliotheken besuchen durfte und die Pension zuerst gekürzt und dann wahrscheinlich ganz gestrichen wurde und weil es damals ja  keine Mails und kein Handy gab, hat man sehr viele Briefe geschrieben und darin ist das Alltagsleben, die Ängste, die Verwzweiflung und das Bemühen um Ausreise undÜberleben sehr gut zu ersehen.

Victor Klemperer wurde 1881 in Lemberg an der Warthe geobren, hatte sieben Geschwister und war der Sohn eines Rabiners.

Das Buch ist in verschiedenen Jahresabschnitte gegliedert und immer mit einer treffenden Überschriftt übertitelt, in der  ersten 1090-1910 „Da ich nunals freier Schriftsteller von meiner Feder lebe“, stammt der Brief an Marie von Ebner Eschenbach, er hat 1902 Germanistik und Romanistik strudiert und ist 1903 zumProtestantinsmus übergetreten und 1906 die Pianistin Eva Schlemmer geheiratet, im ersten Weltkrieg hat er sich freiwillig gemeldet und war  ab1920 bis zum Beginn des dritten Reiches  ordentlicher Professor an der technischen Hochschule in Leipzig, in diesem Abschnitt „Endlich will ich als Lehrer mit einem Paukenschlag beginnen- 1920-1933“ gibt es vor allem Briefe an seinen Lehrer Karl Vossler mit dem er seine Sorgen als „idealistischer Philologe bespricht, manche Bedenken bei der Herausgabe seiner Werke hat und auch mit manchen seiner Kollgegen unzufrieden ist.

Dann kommt das dritte Reich und das beginnt mit Briefen seines Verlegers Hans Ehlers, der ihm den Rat gibt, seine Abhandlungen über die französische Literatur des achtzehnten Jahrhunders an der er gerade arbeitet, bei einem ausländischen Verlag weiterzuverlegen, weil in Deutschland der Absatz und das Interesse dafür nicht mehr vorhanden ist.

Später kündigt er ihm den Vertrag, da Verträge mit nicht arischen Personen nicht mehr einklagbar sind. Klemperer verliert seine Stelle, muß sich mit einem Dittel seiner Einnahmen begnügen, seine Familie beginnt langsam zu emigrieren, er zögert aber, kann sich nicht vorstellen im Ausland einen gleichwertigen Posten zu bekommen und beginnt sogar, was ich sehr interessant finde, mit fünfzig das Autofahren zu lernen.

Er schreibt da selbst an seinen Fahrlehrer bei dem er sich für die Geduld bedankt, daß er sich dabei sehr ungeschickt angestellt hat.

Ein gebrauchtes Auto wird gekauft, da hat man in den Dreißigerjahren noch einen Mechaniker dazubekommen, der einem die ersten Wochen einschulte,  mitfuhr und ins Lenkradgriff, wenn man gerade einen Blödsinn machte.

Klemperer lernt langsam das Fahren, das ihm große Freude macht, weil er alleine nicht spazieren gehen will seine Frau, obwohl sie denGarten betreut und auch eine Terrasse und Garage anlegt, offenbar gehbehindert ist und ihn nicht begleiten kann.

Nur leider ist das Auto ständig kaputt und die Mechaniker versprechen zwar es wieder in Schuß zu bringen, das gelingt aber nicht und das Geld wird auch langsam knapp.

Das schreibt Klemperer vor allem seiner Familie, der Bruder Georg ist inzwischen nach Amerika emigriert, mit einer Schwester plant er Ausflüge in die nähere Umgebeung, muß sie aber um die Bezahlung bittet, weil es bei ihm nicht reicht,er bringt ihr dafür auch einen Koffer Bücher mit, über die es auch ein genaues Verzeichnis gibt und interessant, eine Pearl S.Buck ist dabei.

Er darf zuerst nicht mehr die öffentlichen Bibliotheken benützen, später von dort auch keine Bücher mehr ausleihen, was seine Arbeit an dem Band über das „Dixhuitieme“, für die er aber ohnehin keinen Verleger mehr hat, sehr befindert, so bekommt er die Idee seinen Lebenslauf beziehungsweise seine Tagebücher zu schreiben, weil er dafür keine Unterlagen braucht.

Die Eingeengtheit des Lebens, die gänzliche Isolation und die Geldknappheit wird mehrmals beklagt.

So heißt es etwa im Abschnit V „1936-1937-Von Freunden ist nichts mehr zu berichten, denn es sind keine mehr da“ und langsam langsam will Klemperer auch weg, weiß er ja nicht mehr, wie lange er seine“Villa noch bewohnen“ kann und Autofahren darf er auch bald nicht mehr.

Sein Bruder Georg besorgt ihm durch seinen Sohn ein Affidavit, aber da muß man schon Jahre auf die Einreise warten und Englisch spricht der Romanist eigentlich auch nicht. So mietet er sich einen Lehrer um schreibt Brief um Brief, wo er sich als Lehrer oder Verlagsmitarbeiter, egal wo, „denn Lehrer braucht man wohl überall“ anbietet und die gärtnerischen Fähigkeiten seiner Frau, die auch Organistin ist,  anpreist.

Die Klemperers müssen dann in ein Judenhaus, er muß Zwangsarbeit in Fabriken machen und als das Haus 1945 zerbombt wird, können sie fliehen und nach dem Krieg an dem Wiederaufabau arbeiten. Sie kehren in ihr Haus nach Dölzschen zurück, aber die Bibliothek ist weg und die Nazis haben dort einen Gemüsehändler einquartiert.

Klemperer bekommt wieder seine Professur zurück, arbeitet auch an der Volkshochschule und versucht sich politisch zu betärigen, tritt in die KP ein, korrespondiert mit dem „Aufbau-Verlag“, wegen LTI, der „Sprache des dritten Reiches“ und auch seiner anderen Publikationen und muß Briefe an die beantworten, die eine Rehabilitation und eine Bestätigung von ihm wollen, daß sie nie und unter keinen Umständen etwas davon wußten und ohnehin zumindesten im Geheimen immer dagegen waren. Klemperer reagiert hier freundlich aber unerbittlich.

Er bekommt einen Wagen mit Chauffeur, davon ist auch ein Foto abgebildet und rast damit sozusagen von Lehrstuhl zu Lehrstuhl, von Sitzung zu Sitzung: „Noch immer im Amt und mehr denn je“, heißt so auch das Kapitel, das die Jahre von 1948-1951 schildern.

Da kommt aber schon Kritik an seiner LTI auf, ein Kapitel, wo er Hitler mit Herzl vergleicht oder nicht vergleicht wird als antisemitisch betrachtet und muß hinaus, davon gibt es Briefe vom damaligen „Aufbau-Verlag“, beziehungsweise dem Verlagsleiter oder Lektor Erich Wendt, ich habe ja über die frühe „Aufbau-Phase“ auch zwei Bücher gelesen und einen Briefwechsel mit Stefan Hermlin, der seine Literaturgeschichte kritisiert, gibt es auch.

Es sterben dann sein Lehrer Karl Vossler,  der Kollege Otto Lerche, als auch 1951 seine Frau Eva, 1952 heiratet er, was ich ja nie so ganz verstehe, aber vielleicht sind ältere Männer ohne ihre Frauen hilflos, seine viel jüngere Studentin Hadwig Kirchner, was er selbst in einem Brief an die Kollegin Rita Schober ambivalent beschreibt.

Die Reisen und die Lehraufträge gehen weiter, die Krankheiten kommen und auch die Schwierigkeiten mit der Partei und den Verlagen, die seine Artikel kürzen oder nicht drucken wollen oder ihn rügen, weil er an irgendwelchen Sitzungen nicht teilnah.

Er bekommt auch viele Ehrungen, so zum Beispiel den Nationalpreis und dann einen Brief vom „Untersuchungsauschuss Freiheitlich Juristen der Sowjetzone“, die ihn dafür zwar nicht gratulieren, aber Geld für die durch die Sowjetzone ungerecht behandelten wollen, während Freunde ihm aus Israel ond der “ großartigen Weiterentwicklung der Deutschen Deomkratischen Republik“ schreiben. Es gibt auch einen Briefwechsel mit Lion Feuchtwanger, dem er sein LTI schickt.

Im Feburaur 1960 stirbt Victor Klemperer in Dresden, mit seinen Tagenbüchern in denen er,  das Leben im dritten Reich beschreibt, wird er weltberühmt und jetzt sind seine gesammelten Briefe von Walter Nowojski und Nele Holdack unter Mitarbeit von Christian Löser erschienen, die wirklich sehr zu empfehlen sind.

2017-04-30

Realitätsgewitter

Filed under: Bücher — jancak @ 00:48
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Jetzt kommt ein Buch, von dem ich vor ein paar Monaten in „Ex Libris“ gehört habe, das ich ja gar nicht so oft konsumiere.

Das Buch, der mir unbekannten Autorin Julia Zange namens „Realitätsgewitter„, das im vorigen November erschienen ist und von dem der Moderator sagte, die Eltern hätten die Autorin daraufhin geklagt oder eine einstweilige Verfügung verlangt.

Das ist interessant und macht neugierig, also habe ich mir das Buch gestellt, das nur hundertfünfzig Seiten stark ist und am Cover ein sehr eindringliches Bild einer schwarzen Katze mit gelben Augen trägt. Das macht auch neugierig.

Am Buchrücken, hat dann Maxim Biller, der gestrenge Kritiker, der inzwischen aus dem literarischen Quartett ausgestiegen ist um wieder mehr zu schreiben geschrieben: „Das kann nur Julia Zange:Alle zehn Jahre ein Buch schreiben, das man nicht mehr vergisst!“

Das macht noch mehr neugierig also goolge ich nach und erfahre bei „Wikipedia“, daß die Autorin, eine trotzig dreinschauende blonde junge Frau, entweder 1983 oder 1987 geboren ist, 2006 den renommieren „Open Mike“ gewonnen hat. 2008 den Roman „Die Anstalt der besseren Mädchen“ bei „Suhrkamp“ herausgegeben hat und als Schauspielerin in Berlin lebt.

In der Biografie, die im Buch enthalten ist, steht keine Altersangabe und zusätzlich zu dem schon Erwähnten, steht noch, daß sie  als Redakteurin tätig ist.

Interessant, interessant. Der Klappentext verrät, „daß ‚Marla alles super hingekriegt hätte, die Vorlesewettbewerbe, das Abi und vor allem das richtige Lächeln an den richtigen Stellen. Dann ist sie in die Großstadt gezogen und fühlt sich verloren, bis sie, um ihrer Einsamkeit zu entkommen, sich in ihre Heimat zurück und ans Meer begibt, wo sie sich dann selber findet.“

Das von dem „Erwachsenenwerden und dem sich Selberfinden“, steht auch noch einmal am Buchrücken und irgendwo habe ich noch etwas von sehr vielen Facebookfreunden gelesen.

In den fünfzehn Kapiteln des Buches wird dann gar nicht soviel Vorgeschichte erzäöhlt, sondern man wird gleich hineingeworfen in das Leben, der jungen Frau, die zu Weihnachten allein in ihrer WG ist. Die finnische Mitbewohnerin ist nach Hause gefahren. MarlasEltern sind in Indien,  SMSen, daß es keinen Weihnachtsbaum und keine Weihnachtsgans dort gibt und kündigen ihr später noch den Scheck, weil sie jetzt alt genug ist, für sich selbst zu sorgen.

Sie hat aber ihr Philosophiestudium abgebrochen und kein Geld, aber viele Freunden, einen Ben, einen  Dylan, einen Lorenz, die sie zum Teil schon von ihrer Schulzeit kennt, zum Teil  kennenlernt, während sie durch das Berliner Leben taumelt.

Da sie Geld braucht, sucht sie eine Stellung, so geht sie in ein Geschäft hinein, das eine Aushilfe sucht. Aber dafür ist sie nicht passend genug angezogen und man braucht, als Aushilfe in einer Boutique offenbar auch ein abgeschlossenes Studium und andere Sprachkenntnisse, als Englisch und ein bißchen Französisch. Also wird nichts aus dem Job.

Englisch wird in dem Buch aber ohnehin sehr viel geredet, ist Marla doch total global vernetzt und die Freunde die sie in den Bars und Lokalen trifft, kommen oft auf dem Ausland.

Ein Holger verschafft ihr dann, sie hat inzwischen eine Zara-Klamottentüte zurückgetragen und mit den fünfundzwanzig Euro, die sie dafür bekommen hat, Lebensmittel eingekauft, einen Job als Redakteurin in einem Modemagazin. So reist sie herum und geht zu Pressekonferzenen, interviewt Star und seltsame Typen, die ein „Forever life“ Konzept entwerfen und mißbilligend auf sie schauen, wenn sie sich zwei Stück Zucker in ihren Cappucino kippt und sich ein Tomaten Mozarella Ciabatta bestellt.

Dann wird die Oma neunzig und sie fährt nach Haus. Die Eltern hatten mal eine Fabrik, die der Großvater, der schon vierundneunzig ist, gegründet hat. Jetzt  arbeitet der Vater in einem Center für Medical Research und die Mutter hat in dem Haus, wo sie wohnen eine Praxis als Lebensberaterin.

Als Marla dorthin kommt, empfängt sie nur die ihr unbekannte Haushaltshilfe. Später kommt die Mutter, sagt zuerst „Marla mein Schatz, ich hab dich vermißt. Du siehst gut aus,-viel erwachsener!“

Dann „Ich kann inhaltlich nicht mit dir reden, Marla. Wenn du etwas Tiefergehendes mit mir besprechen möchtest, können wir das gerne mit einem Psychologen oder Mediator machen“

Dann wieder „Natürlich, ich liebe dich mehr als mein Leben, Marla“ und schließlich:

„Ich schlage vor, du übernachtest bei deinen Großeltern oder fährst wieder zurück in dein Drecksloch. Ansonsten werde ich nämlich dieses Haus verlassen!“

Marla geht in ihr ehemaliges Zimmer, die Mutter in ein Hotel, was ihr der Vater, der vor dem Fernseher sitzt, mitteilt, als sie in der Nacht von Schreien, die sie im Garten hört, aufwacht.

Jetzt verläßt sie mit der geklauten Kreditkarte des Vaters das Haus und fährt nach Sylt. Am Bahnhof kauft sie sich noch die ersten Zigaretten ihres Lebens und ein Feuerzeug mit einer Katze. In der Villa der Eltern hing auch ein Katzenbild, das die Kinder einmal den Eltern schenkten, die Mutter aber daran etwas auszusetzen hatte.

In Sylt bekommt sie in einem Hotel, das in einem Hochhaus liegt, ein Zimmer für vier Tage, trifft einen Ole, den sie über eine Kontaktbörse kennenlernte, fährt mit einem Elektrorad den Strand entlang und dann wieder nach Berlin zurück, wo die Mitbewohnerin sie empfängt und sie schließlich zum Essen ruft.

Wie das mit der Selbstfindung und dem Erwachsenwerden ist, habe ich nicht ganz mitbekommen, wie mir überhaupt der Klappentext etwas konstruiert erschien und ich das Buch auch nicht als Roman, sondern, zugegeben als, scharf und pointiert geschriebene Episoden interpretieren würde.

Einen Roman müßte man erst darauf komponieren, würde die Kritikerin in mir sagen und dazu fällt mir auch noch auf, daß das Buch, das zu Weihnachten beginnt und bis zum Sommer 2016 handelt, der Brexit und der Anschlag von Nizza wird erwähnt und immer wieder taucht das Portrait von Andela Merkel auf, wenn es schon im November erschienen ist, sehr schnell geschrieben worden ist.

Der Titel „Realtitätsgewitter“ deutet wohl auf die Überforderung der jungen Frau hin und da habe ich ja schon einige diesbezügliche Romane gelesen, die die Überforderung der jungen Leute von heute zeigen, aber damals vor hundert oder achtzig Jahren, ist es wahrscheinlich auch nicht viel besser gewesen.

Wenn die Eltern von Frau Zange klagten, müßten sie sich wohl betroffen und angesprochen gefühlt haben, in diesem Fall wäre wohl wirklich ein Gespräch mit oder auch ohne Psychologen und Mediator zu empfehlen.

Ansonsten kann ich nur sagen, daß mir die Autorin bisher unbekannt war, daß ich die Episoden scharf und pointiert geschrieben empfunden habe und sie wohl auch sehr viel von der Überfordertheit ausdrücken, denen die jungen Leute heute wohl ausgesetzt sind und was man vielleicht auch lesen will.

Ansonsten ist es dieser Marla, trotz ihrer harten oder neurotischen Eltern, eigentlich nicht so schlecht gegangen. Der Job war ja da und die Freunde, wenn vielleicht auch oberflächlich auch und ob sie sich nach vier Tagen Sylt wohl wirklich gefunden und erwachsen ins Leben zurückgekeht ist, erscheint mir fraglich.

Wär schön wenn das so einfach wäre und wer hat das einmal zu mir gesagt, ein Roman ist etwas ganz anders und braucht wohl auch mehr, als vier Monate, um zu entstehen.Er muß auch berühren und etwas Neues, noch nie dagewesenes beinhalten?

Nun berührt haben mich die pointiert beschriebenen Szenen schon. Neu ist der Inhalt wahrscheinlich nicht und in Berlin, Wien und woanders, werden wahrscheinlich noch viel mehr entwurzelte junge Leute herumlaufen, die per Facebook kommunizieren, moderne Klamotten haben und sich mit ihren Eltern nicht verstehen.

Interessant ist vielleicht auch noch die „Amazon-Bewertung“, die ich ja sehr gerne zu Rate ziehe. Von ein bis fünf Stern ist da alles zu finden und zu den pointierten Bildern, mit denen auch das moderne Szene Berlin beschrieben wird, durch das Marla torkelt, fällt mir noch das „Mimikry-Spiel des Lebens-Buch“ ein, das ja auch bei „Aufbau oder zu der Verlagsgruppe gehörendenen Verlag“ erschienen ist und das in einem Sommer in diversen Künstlerwohnungen entstanden ist, die vielleicht denen gleichen, durch die Marla zieht und literarische Anspielungen kommen in dem Buch auch einige vor, scheint Marla oder ihrer Autorin ja sehr belesen.

2017-02-17

Mein schlimmster schönster Sommer

Im „Aufbau-Verlag“ ist gerade als Spitzentitel ein Roman der 1970 geborenen Unternehmensberaterin Stefanie Gregg erschienen, die jetzt nur noch fürs Schreiben in der Nähe von Münschen lebt und die Inhaltsangabe war eine, die mich sofort faszinierte.

Geht es da ja auch um eine Unternehmensberaterin namens Isabell, die vom Krankenhaus mit einer Krebsdiagnose, eine Männerfaust im Bauch, kommt, sich einen gelben Campingbus kauft und damit für vierzehn Tage  in die Provence fahren wird.

Das erscheint mir doch bekannt, habe ich doch in „Und Trotzdem“ etwas ähnliches mit dem Rad ans schwarze Meer beschrieben und in „Im Namen des Vaters“ geht es um die Behandlungsverweigerin und Campingbusse mit denen pensionierte oder auch betrogene Frauen um die Welt oder nach Kroatien fahren, gibt es bei mir auch.

Meine Romane interessieren aber niemanden, sind angeblich schlecht geschrieben, also der Meisterin mit der Startauflage von zwanzigtausend Exemplaren über die Schulter gucken und das Themas ist ja auch sehr interessant, werden Krebsdiagnosen ja täglich gestellt und was macht man dann, Chemo, Strahlentherapie, Operationen oder fährt man ihm davon und verschwindet der dann auch wirklich, wenn man das tut?

Das Buch ist rassant und flott geschrieben, verblüfft aber immer wieder durch Zickzackwendungen, die vielleicht auch die Ratlosigkeit in einer solchen Extremsituation ausdrücken.

Zuerst spielt Isabell, die jetzt vierzehn Tage Urlaub hat, wie ihr der freundliche Arzt emfiehlt, bevor es unter das Messer geht, mit  der Kirsche, dem Tennisball, dem Taubenei in ihrem Körper, dann fährt sie im Taxi davon und sieht auf einmal einen gelben Campingbus auf der Straße stehen, zu verkaufen steht darauf, sie steigt aus, ruft an, ein Typ mit Rasterlocken meldet sich und will 2800 Euro haben, sie gibt ihm zweitausend für vierzehn Tage und will gleich einsteigen.

Er muß aber zuerst nach Freilassing, die Urne seiner Mutter abholen, also fährt er bis dahin mit. Isaell hinterläßt ihrem Freund Georg ebenfalls ein Unternehmenberater, das sind die die Leute entlassen und dabei viel Geld verdienen, so daß sie immer in schwarzen Kostümen oder Hosenanzügen herumlaufen, eine Nachricht auf dem Handy und dieses auf den Tisch und sie fahren los.

Daß sie in die Provence will, weil sie dort einmal eine Seiltänzerin gesehen hat, fällt ihr noch ein und daß „Der Himmel über Berlin“ ihr Lieblingsfilm ist, also das was man vielleicht klischeehaft nach einer solchen Diagnose macht.

Es kommt aber anders, denn Rasso, das ist der Rastertyp will zuerst die zweitausend Mark bei einer Bank einlegen, richtig einen Hund namens Streuner haben sie inzwischen auch gefunden und aus der Bank kommt plötzlich ein Bankräuber gesprungen und flieht über die Dächer davon.

Die pflichtbewußte Isabell will eine Zeugenaussage machen, aber Rasso, der verhinderte Musiker, hat zufällig fünf Kilo Haschisch im Auto liegen und rast damit und mit ihr davon.

Sie besteht darauf das Zeug im Wald zu verbrennen und als sie danach zum Auto zurückkommen, liegt plötzlich die Tasche mit den erbeuteten Geldscheinen darin und ein seltsamer Guru taucht auch noch auf und nimmt im Bus Platz, weil er die beiden für seine Götter hält.

In diesem Moment habe ich gewußt, was in dem Buch anders, als bei meinen depressiven Frauen, wo angeblich nichts passiert, ist und, daß Stefanie Gregg ihr spannendes Handwerk erlernte oder kann, war einen Moment versucht es wegzulegen oder habe jedenfalls „Uje!“, gedacht.

Es geht aber rassant und genauso unlogisch weiter und das kann ich gleich verraten, in die Provence zu den Lavendelfeldern kommt Isabell nie und es kommen auch immer wieder Zwischenkapitel vor, die von dem eigentlich sympathischen Georg, den Isabell sofort vergessen hat, erzählen, wie er dasteht mit dem Handy und der Angst, daß er nichts von seiner Freundin weiß, denn es ruft noch der diensttuende Arzt an und erzählt und das ist vielleicht die Wendung und das Unerwartete daran, denn meine Helga Schwarz wird ja vielleicht am schwarzen Meer gesund, die Veronika stirbt und Isabell hat nicht nur eine Männerfaust im Bauch sondern auch einen Tumor im Kopf und sollte sofort operiert werden.

Und während Isabell ihren schlimmsten schönsten Sommer erlebt, sich dabei in ihren Traummann verliebt, es ist nicht Rasso, der Hippie, plagen sie immer wieder Schmerzen und die Polizei ist ihnen, beziehungsweise dem verschwundenen Geld, auch auf der Spur.

Im Epilog ist es dann noch einmal unlogisch, denn jetzt ist es ein Jahr später und Rasso, der inzwischen zu seiner Caro zurückgefunden hat und im Begriff ist, als Musier Karriere zu machen, wird zu einem Notar nach München bestellt, um dort noch einmal sehr viel Geld zu bekommen.

Wie die Geschichte mit dem Bankraub ausgegangen ist und woher Isabell auf einmal soviel Geld zum Vererben hatte und was sie nach ihrer Verhaftung machte, erfährt man aber nicht.

Trotzdem spannend und rasant zu lesen, obwohl ich anmerken möchte, daß wenn man seinem Krebs davonfährt mit Sicherheit nicht soviel auf einmal passiert und, daß die Taschen mit den Millionen auch nicht so herumfliegen und sich der Bankräuber in echt wahrscheinlich auch, um sein Geld gekümmert und die beiden verfolgt hätte, aber der kommt ja dann nie wieder vor.

Interessant vielleicht auch zu überlegen, wie das Buch auf Menschen, die wirklich von dieserDiagnose betroffen sind und es zwischen ihrer Chemotherapie, Operationen und Strahlenbehandlungen lesen, wirkt.

Vielleicht kann da die Absurdität und die rasante Handlung helfen mit dem eigenen  Alltag und dessen Schwierigkeiten besser fertig zu werden und ich nehme mir für mein Schreiben mit, zwar bei der Realistik zu bleiben, aber meine Szenen vielleicht auch etwas bunter auszuarbeiten, zuviel Slapstick wird es bei höchstwahrscheinlich aber trotzdem nicht geben.

Und zwei Hinweise auf andere Bücher mit Krebsgeschichten gibt es hier.

2017-01-23

In meinem fremden Land

Filed under: Bücher — jancak @ 14:56
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Nach den Impressionen aus einem idyllischen Ex-DDR-Dörfchen geht es weiter mit Hans Fallada, nämlich mit der Neuauflage seines Gefängnistagebuch von 1944 und das ist wahrhaft ein „wahnsinniges“ Stück Zeitgeschichte.

Im besten Sinn des Wortes, denn da schießt einer im August 1944 im Alkoholdelirium auf seine Frau und wird eines übergenauen Richters wegen, in ein Gefängnis für geisteskranke Kriminelle eingewiesen und dort schreibt er für oder gegen sein Leben.

So genau läßt sich wohl nicht definieren, denn was macht der einseits angepasste Schriftsteller und Gutsherr Rudolf Dietzen, der andererseits ein für die Nazi unerwünschter Schriftsteller geworden ist, der aber wahrscheinlich doch sehr gut an den Unterhaltungsromanen, die er in dieser Zeit geschrieben hat, verdiente.

Hier sind vielleicht auch Vergleiche mit Rudolf Brunngraber angebracht, von dem man auch nicht so go genau weiß, ob er jetzt ein Nazi war oder nicht.

Fallada schreibt zwar fast unleserlich und auf den Kopf gestellt, so daß, die ständig hereinkommenden Wächter, es nicht gleich erkennen und an Geschichten für Kinder, glauben, seine Erinnerungen und Erlebnisse an diese grauenhafte Diktatur.

Dazwischen gibt es immer eingeschoben Berichte von Leuten, die von den Nazis hingerichtet wurden, weil sie beispielsweise einen Koffer oder eine Druckereipresse versteckten und ein Fall für die Euthanasieprogramme wäre der Alkoholiker, Nervenkranke und Morphinist höchstwahrscheinlich auch gewesen.

Sei es wie es sei, Hans Fallada hatte ein sehr ungewöhnliches Leben und war wahrscheinlich auch ein sehr widersprüchlicher Charakter. Das kann man schon an seinen Pubertätskrisen sehen und ist sowohl bei „Wikipedia“, als auch in der vor kurzem erschienenen Biographie von Peter Walther nachzulesen.

Im Netz findet man auch, daß es bei dem bei der bei „Aufbau“ am 19. Jänner erschienenen Auflage, schon eine Ausgabe von 2009 gibt, eigentlich findet man im Netz derzeit fast nur Informationen über sie und in dem von Jenny Williams und Sabine Lange herausgegebenen Buch, steht auf Seite 287: „Hans Falladas bisher unveröffentlichtes Gefängnistagebuch aus dem Herbst 1944 wird als Teil des „Trinkermanuskripts“ in der Akademie der Künste, Berlin, aufbewahrt.“

Das stimmt, würde ich sagen, insofern nicht, daß die 2009 Ausgabe ein ganz anderes Cover hat, also wäre ein größerer Hinweis, als der im Impressum, daß die Erstausbage 2009 bei Aufbau erschien, wenigstens für mich sehr hilfreich gewesen.

Ansonsten finde ich das Buch vor allem als Psychologin sehr interessant.

Denn das, was da von der Entstehungsgeschichte berichtet wird, klingt so unglaublich, daß man es auf den ersten Blick für erfunden halten könnte und in dem sehr ausführlichenNachbemerkungen, ist auch mehrmals zu lesen, daß Fallada, seine Tagebuchnotizen  sehr romanhaft mit Schilderungen, Bildern und Szenen angelegt hat.

Er hat sie auch sehr schnell geschrieben, im wesentlichen im September 1944, denn im Dezember wurde er wieder entlassen. Und dazwischen gibt es auch, die Kindergeschichten und das Buch „Der Trinker“ und an seinem nichantisemitischen antisemitischen Roman hat er auch gearbeitet.

Sehr viel Zeit zu überarbeiten hatte er im Gefängnis wohl nicht, später, vor der Herausgabe hat er das dann  getan und einiges verändert und in den Anmerkungen kann man auch sehr genau nachlesen, wo Fallada sich irrte und, wo etwas nicht stimmt.

Einiges war mir schon aus der Biographie von Peter Walther bekannt und es beginnt, wie man auch in den Anmerkungen sehr plastisch nachlesen kann, im Jänner 1933 in der Weinstube Schlichter in Berlin. Da saß Fallada mit Ernst Rowohlt,  seiner Suse und dessen Frau und Ernst Rowohlt, der berühmte Verleger pflegte sein Publikum auch zu unterhalten, in dem er sich ein Sektglas servieren ließ und dieses dann zum Erstaunen der Zuschauer genüßlich zerbiß. Jetzt wird er aber durch den Kellner unterbrochen, der den Gästen aufgeregt verkündet „Der Reichstag brennt!

So hat das tausendjährige Reich in Deutschland  angefangen, in Österreich passierte das erst fünf Jahre später und Fallada plaudert weiter, daß Ernst Rowohlts dritte Gattin, sein drittes Reich, steht irgendwo später, dem kleinen Töchterlein immer schön, das „Heil Hitler-Grüßen“ beibrachte, was derVerleger, der Fallada immer Väterchen nannte, insofern sabotierte, in dem er der Kleinen „Rotfront- Ein Arschist blond!“, zu skandieren beibrachte,  was höchstwahrscheinlich auch nicht so ungefährlich war.

Dann geht es weiter mit dem Bericht von dem Häuschen in dem Fallada mit Frau und dem ältesten Sohn, die Zwillinge wurden gerade erwartet, wohnte, das einem ehemaligen Fabrikanten gehörte und sehr verschuldet war. Fallada wollte es ihm abkaufen, der wandte sich aber an die Nazis, die Fallada in Schutzhaft nehmen ließen, ihn, wie er meinte, gerne auf der Flucht erschoßen hätten, dann hätte der Vermieter aber auch nichts davon gehabt, der ihn, als er von Fallada gekündigt wurde, mit der SA erpresste, sodaß er ihm weiterhin die Miete zahlen mußte und auch seine Möbel einbehalten wurden.

Gerettet aus dieser Misere hat Fallada Peter Suhrkamp, der in den Kriegswirren, die Furcht von Bertram Fischer ausnützte und dessen Verlag übernahm.

Ja, die Verlage haben gewechselt, Ernst Rowohlt mußte emigrieren. Der Verlag gehörte plötzlich jemanden anderen und Fallada zog sich mit seiner Familie nach Carwitz, das in dem Buch Mahlendorf genannt wurde, zurück.

Ganz so schlecht ist es ihm dort aber nicht gegangen oder doch, wollte er doch ein Drehbuch seines „Eisernen Gustavs“, er hat ja im Krieg Unterhaltunsromane geschrieben, für Emil Jannings schreiben, hat das auch getan, Goeblels oder auch Minister Rosenberg haben das aber verhindert und so wurde Fallada zum unerwünschten Schriftsteller und mit den Bürgermeistern und Lehrern, die es in dem Dörfchen Carwitz gab, gab es auch Probleme, denn die waren bald aufrechte und aktive Nazis, die die Dorfbewohner und natürlich auch Fallada erbärmlich schikanierten.

Es kamen, je länger de Krieg wehrte, auch immer wieder Einberufungen, Fallada mußte zu den Musterungen und dort sagte man ihm, wie einmal dem braven Soldaten Schwejk, daß eine Schizophrenie, Epilespisie, wie überhaupt jedes Nervenleiden egal sein, man darf in diesem Fall zwar keine Kinder kriegen, fürs Vaterland sterben aber schon.

Ein ehemaliger Hausarzt rettet ihn und schreibt ihn endgültig kriegsuntauglich und am Schluß, dazwischen gibt es immer wieder Einschübe und Rechtfertigungen, wieso Fallada nicht emigrierte und, daß das, was er da mache eigentlich wahnwitzig und gefährlich sei, eine Vision, daß er sich mit seiner Familie im Keller seines Hauses gemütlich macht, während oben zuerst die Ratten herumlaufen und der Krieg dann irgenwann einmal doch beendet ist.

In Wahrheit bekam Fallada im Oktober oder so Ausgang, so schmuggelte er das Manuskript hinaus, schrieb dann offenbar bis zu seiner Entlassung an dem Antisemitischen Roman weiter, der nie erschienen ist und ich kann die Aufzeichnungen jeden, der über diese Zeit des Zwanzigstenjahrhunderts etwas erfahren will, sehr empfehlen und die Biographie natürlich auch.

Es ist auch ein kleiner Folder beiglegt, der auf die Biographie hinweist, ein paar Fotos zeigt, die dort enthalten sind, außerdem sind da auch die aktuellen Romanausgaben, die „Aufbau“ ja nach und nach unzensuriert wieder neuauflegt, enthalten.

„Jeder stirbt für sich allein“ habe ich schon gelesen, den „Blechnapf“ und den „Kleinen Mann“, in älteren Ausgaben, „Wolf unter Wölfen“ wartet in meinen Regalen, „Ein Mann will nach oben, Der Trinker“ und „Der Alpdruck“ müssen noch zu mir kommen.

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