Literaturgefluester

2018-07-08

Zweiundvierzigstes Bachmannlesen

Filed under: Literaturbetrieb,Literaturpreise — jancak @ 12:04
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Ich bin ja ein großer Fan des Bachmannpreises, verfolge ihn eigentlich seit seiner Gründung 1977, als in Nachfolge der Gruppe 47 von Marcel Reich Ranicki, Humbert Fink und ich glaube Ernst Willner ins Leben gerufen, obwohl es damals für eine Nichtfernseherin wahrscheinlich sehr schwer war, etwas mitzubekommen.

Nicht desto trotz hat Gert Jonke ihn gewonnen und ich habe oder hätte immer gerne dort gelesen, aber als realistisch schreibende Selbstdarstellerin wahrscheinlich keine Chance.

Das weiß ich jetzt, damals habe ich es nicht gewußt und habe auch, glaube ich, zweimal oder dreimal einen Text an die Juroren geschickt.

Seit man aber eine Verlagsempfehlung haben muß, tue ich das nicht mehr. Obwohl was würde passieren, wenn ich es trotzdem täte? Würde ich da eine Verwarnung kriegen?, habe ich mich damals, als das eingeführt wurde, bei den Orgnisatoren beschwert und seit es Internet gibt verfolge ich die Texte und das Lesen natürlich ganz besonders und war einmal, ein einziges Mal in meinem Leben, nämlich 1996, auf eigene Faust und eigene Kosten sozusagen live dort.

Jetzt würde ich wahrscheinlich auch eine Einladung brauchen, um am Eröffnungsabend teilzunehmen, aber die würde ich als „Literaturgeflüsterin“ wahrscheinlich bekommen und ich habe meistens auch Spekulationen angestellt, wer da eingeladen wird und die österreichischen Teilnehmer auch meistens gekannt. Die Deutschen, die Schweizer oder anderen Deutschhreibenden nicht so sehr und heuer sind die Teilnehmer erst sehr spät, nämlich am vierten Juni bekannt gegeben worden, dafür folgten die Videos, auf die ich immer wartete, gleich bald hernach und ich habe von den vierzehn Autoren, die von den sieben Juroren, von denen es heuer zwei neue gibt, nämlich Nora  Gominger, die Bachmannpreisträgerin von 2015 und Insa Wilke, sowie schon bewährt Hildegard Keller, Klaus Kastberger, Stefan Gmünder, Michael Widerstein und als sogenannter Vorsitzender Hubert Winkels, ausgesucht wurden, nur die einzige Österreicherin Raphaela Edelbauer und dann die in Wien lebende Ukrainerin Tanja Maljartschuk gekannt und von den deutschen Jakob Nolte, weil er mit seinem doch nicht Vampirroman „Schreckliche Gewalten“ im letzten jahr auf der DBp-Longlist gestanden ist und dann habe ich noch vom Namen Stephan Lohse und dessen Debutroman der „Ein fauler Gott“ ein Begriff und, daß  Bov Bjerg mit seinem Bestseller „Auerhaus“, der berühmtesten der heuer Eingeladenen ist, habe ich erst heute durch Wolfgang Tischers ersten Bachmannpodcast erfahren, der dafür die einzige Österreicherin vergessen hat. Die anderen Autoren werde ich wohl in den nächsten Tagen kennenlernen, denn ich werde mir  das Ganze, soviel, wie möglich geben, obwohl ich am Donnerstag, den ganzen Tag Stunden habe und am Samstag Omas Geburtstag zu feiern ist.

Zuerst ging es aber an die Eröffnung, die wieder nach bewährten Muster musikalisch begonnen wurde. Es spielte das „World Sounds Ensemble“ unter dem Jazzsaxophonisten Michael Erlan. Christian Ankowitsch moderierte und dann wurden zuerst wieder die Honoratoren vorgestellt und die Politiker und Preisstifter interwiet.

Die vierzehn Autoren waren hinten auf einer langen Bank aufgereiht, die Jury ist später feierlich einmarschiert und wurde platziert. Der Vorsitzende begann mit seiner Rede, wobei er erwähnte, daß Deutschland  in den letzten Tagen eine Krise erlebte und stellte die Frage, ob man sich Angesichts der bewegten Zeiten, wo an der Flüchtlingsfrage, eine Koalition  am Zerplatzen ist, vier Tage lang im schönen und schon viel regideren Österreich der schönen Literatur widmen kann, was er natürlich bejahte.

Ich denke zwar, daß das nicht so einfach ist, werde das aber ebenfalls tun und dann kam schon der Justitiar mit der Box und die Autoren durften anmarschieren und sich ihre Zettelchen mit der Lesereihenfolge ziehen. Raphaela Edelbauer wird am Donnerstag beginnen und dann folgte, mit Spannung erwartet, Ferdiun Zaimoglus Rede, der 2003 in Klagenfurt gelesen und gewonnen hat.

„Der Wert der schönen Worte“ hieß seine Rede, die sich sprachlich sehr kompliziert,  gegen die Rechten und die Patrioten wandte und für die Schwachen und die Menschlichkeit eintrat und großen Applaus bekam.

„Er rennt offene Türen ein, aber in Österreich sind die ja schon geschlossen!“, witzelte Wolfgang Tischler auf Twitter und dann ging es in Klagenfurt  ans Buffet in den schönen Garten, was wie ich später hörte, aber durch starken Regen nicht möglich war und am Donnerstag habe ich zwar in der Küche, die ganze Zeit den Livestream laufen lassen, aber zwischendurch meine Stunden gemacht, so daß ich nur zur Diskussion über Raphaela Edelbauers Text „Das Loch“, wo es um die Seegrotte in Hinterbrühl, einen Techniker und die Ermordung der Juden im dritten Reich ging, zurechtkam, der von Klaus Kastberger, der die Autorin und „Rauris-Preisträgerin“, auch eingeladen hat, verteidigt hat.

Mit  „Schnittmuster“ dem Text, der 1979 geborenen Schweizer Autorin Martina Clavadetscher, die von Hildegard Keller eingeladen wurde, in dem es um das Sterben einer alten Frau geht, ist es mir ähnlich gegangen und auch bei dem 1964 in Hamburg geborenen Stephan Lohse, dessen Text „Lumumbaland“  heißt, bin ich nur in die Diskussion gekommen, da war die Jury begeisteter, so daß sich da wahrscheinlich ein erster Favorit abzeichnen könnte.

Bei den zwei anderen Lesenden der 1990 in Rorschach geborenen und in Zürich lebenden Anna Stern, deren Text „Warten auf Ava“ heißt  und dem 1989 in Bayern geborenen Joshua Groß mit „Flexen in Miamai“ bin ich in meinen Pausen jeweils ein Stück in den Text hineingekommen und habe die Diskussion erst später nachgehört, wie ich auch die Texte, der schon erwähnten Autoren erst hören oder lesen mußte.

Dann sind wir, während die Prominenz in Klagenfurt zum Empfang nach Loretto pilgerte, nach Harland gefahren, so daß ich mir die Freitagstexte ganz und per livestream geben konnte und da hat es der in Zürich lebenden Zahnärztin Corinna T.  Sievers angefangen und die, deren Text „Der nächste Bitte“ heißt, eine  1965 geborene geschminkte Frau mit langen blonden Frauen und großer Brille, die, als ihre Vorbilder Michel Houllebecq, Martin Walser und Philip Roth angibt, scheint die besondere Variante des  heurigen Bachmannslesen zu sein, zuerst einmal ihr Beruf und dann ihre Fixierung auf die Sexualität, denn da steht dieZahnärztin mit ihren Instrumenten und wahrscheinlich Mundschutz vor ihrem Patienten, hat die Sprechstundenhilfe vorsorglich ins Wartezimmer hinausgeschickt und läßt  ihre erotischen Phantasien spielen „Weder die Länge des Penis…“ etcetera, während die Ärztin vor Lust ins Koma fällt und zu einem Psychiater geht sie natürlich auch. Und dann war ich gespannt, was die Jury zu diesem Text sagen wird, die dann sehr wissenschaftlich darüber diskutierte und interessant, die mangelnde Radikalität bemängelte, was Huberts Winkels bemerkte und Wolfgang Tischer hat unter dem Text, glaube ich, sehr gelitten, wie ich seinen Twitternotes entnehme.

Und wenn jemand meine Meinung wissen wollte, ich fand den Text lustig und interpretiere ihn auch, als eine Parodie auf  die männlichen Sexphantasien und hätte ein Mann diesen Text geschrieben, lieber Klaus Kastberger, hätte ich auch aufgeschrieeen.

Dann kam die 1984 geborene  Ally Klein, deren Debutroman „Carter“ erst erscheinen muß. Sie las mit stark empathischer Stimme einen Teil daraus, wo ein „Ich“ durch die Gegend rennt, dann ein Haus erreicht und  mit einer Person namens Carter konfrontiert wird. Die Jury war von der sprachlichen Gewalt begeistert und rätselte, wie der Text, der zu viele Adjektive hat, zu interpretieren ist? Ob das eine der Preisträgerinnen ist?

Dann kam Tanja Maljartschuk mit ihrem Text „Frösche im Meer“, eine sehr packende Geschichte von einem Mann ohne Pass, der in einem Park kehrt und eine demente alte Frau, die in einer Wohnung mit Frösche lebt, versorgt und dabei verhaften wird, während seine Mutter in der Ukraine ohne ihn begraben wird, den ich aber vorläufig  versäumte, weil ich mit der Anna und dem Ouzo mit dem Rad zum Bootshaus fuhr und dort den Alfred und die Oma traf und nach dem gebackenen Zander, erst wieder zurückkam, als ich Christian Ankowitsch abschließend über Bov Bjergs  Text „Serpentinen“ sagen hörte, daß er sehr stark wäre, der handelt von einem Mann, der mit einem Jungen einen Tag lang in seiner ehemaligen Heimat spazierenfährt, an seine Familie denkt, dabei das Handy in einer Dose versteckt und einen falschen Namen angibt.

Applaus tönte auf und dann kam der letzte Freitagleser, nämlich der 1973 in Hamburg geborenen Anselm Neft, der heute Geburtstag hat und der schon viel literarische Erfahrung hat. Sein Text heißt „Machs, wie Miltos“ undhandelte von einem Obdachlosen, der ebenfalls mit seiner Familie spricht, Hefte seiner Tochter verbrennt, weil die schon verstorben ist und den überfahren wordenen Hund, beerdigen muß.

Das wars für den Freitag und am Samstag habe ich noch vor der ersten Lesung, hoffentlich nicht wieder voreilig, wie vor ein paar Jahren, im Literaturcafe für Klaus Kastberger als den besten Juror abgestimmt, weil ich ja zu Mittag wieder ins Boothaus radeln werde, um mit der Oma ihren Geburtstag zu feiern.

Und in Klagenfurt hat der 1988 geborene Jakob Nolte, der von Hubert Winkels eingeladen wurde, mit seinem Text „Tagebuch einer jungen Frau, die am Fall beteiligt war“, begonnen, ein strebsam wirkender junger Mann in einem hochgeschlossenen hellblaugemusterten Hemd und runder Brille, der diesmal nicht von „Schrecklichen Gewalten“, sondern in einem Tagebuch von einem Mexiko-Aufenthalt und zwei Niederländerinnen las.

Die Lesung mußte wegen eines Kreislaufzusammenbruchs einer Zuschauerin kurz unterbrochen worden, was für einige Irritierung und Unsicherheiten sorgte. Es ist aber bald wieder weitergagen und bei der Diskussion waren sich die Juroren nicht einig, ob man ein Tagebuch so schreiben kann und warum man Kokain nimmt? Hildegard Keller war wieder sehr kritisch und unzufrieden und es wurde diskutiert, was ein“Unbedarftes Delirium“ ist und, ob der Autor seine Textfehler bewußt eingesetzt hat und das ein schlechter oder guter Text ist?

Dann kam ein noch surrealerer Text, den von Nolte habe ich gar nicht so verwirrend empfunden, des 1965 in Hamburg geborenen Stephan Groetzner, ein Romanauszug aus „DESTINATION AUSTRIA“, der von Gagausien, Haus der Landwirtschaft und Kultur, einem Grazer Kino und und ständig hinundherschwankte, der von Wolfgang Tischer, „als sprach schön gebauter reiner Nonsensetext“ beurteilt wurde und mir wahrscheinlich auch zu überdreht war, wenn er auch wahrscheinlich sehr politisch zu interpretieren ist.

Die letzten zwei Texte habe ich nach dem Mittagessen und der Geburtstagsfeier mit Annas Cremeschnitten und Omas alten Schulfreundinnen, Schwägerin und Schwager, Alfred und Andreas, wieder nachgehört und da gab es, wie ich Wolfgang Tischers Twitternotes entnahm, in der 1983 in Solingen geborenen türkischen Autorin Özlem Özgut Dündar, wieder eine Shortlistfavoritin, die  einen Romanauszug aus “ und ich brenne“ gelesen hat, in dem verschiedene „mütter“ eine Rolle spielen und es trotz der poetischen Form einen real politischen Hintergrund zu geben scheint, während der letzte Leser in der Runde, der 1992 in Braunschweig geborene Lennardt Loß, einen sehr überfrachteten Text hatte, in dem ein Mann sich zuerst in einem Flugzeug an einem Katalog, die Finger aufschneidet, dann stürzt das Flugzeug ab. Er sitzt mit einem schönen Mädchen, dem ein Zahn fehlt, er ist Zahntechniker, auf einem Flugzeugsitz im Pazifik und rast sein Leben durch. Es könnte aber auch, wie einer der Juroren bemerkte, auch nur seine Flugangst sein, die ihm dieses tuen läßt. Er hat jedenfalls eine Kugel im Bauch, deshalb ist er den Flug überhaupt erst angetreten, denn er war RAF-Terrorist und sein Ausbildner ein SS-Mann, der auch eine tötliche Tätowierung mit sich herumschleppte…

Vierzehn sehr unterschiedliche Texte also, die da in den letzten Tagen in Klagenfurt zu hören waren. Erstaunlich welch unterschiedliche Genres, da jetzt zugelassen werden und ab Samstag fünzehn Uhr bis Mittermacht konnte man wieder für seinen Favoriten abstimmen.

Weil ich das Ganze diesmal ein bißchen lockerer angegangen bin und mir auch nicht eine eigene Shortlist zusammenbastle, um dann am Sonntag enttäuscht zu sein, welche Namen auf der, der Jury stehen, die dann doch nur Platzhalter waren, verrate ich jetzt nur, daß mir die Texte von Tanja Maljartschuk und der, der erotikbesessenen Zahnärztin, den ich immer noch für eine Parodie auf die Männersexphantasien a la Martin Walser und Philip Roth halte, sehr gut gefallen haben und abgestimmt habe ich für die  „Frösche“, weil ich erotikbesessene Zahnärztinnen eigentlich doch nicht haben will.

Der Text über den Obdachlosen hat mir auch ganz gut gefallen, über die Politsatire von Stephan Groetzner müßte ich noch nachdenken und von Wolfgang Tischer, der ja wieder im Literaturcafe einen täglichen Podcast hatte und dort seine Einschätzungen gab, hörte ich, daß der Böv Bjerg für den Preisträger hält.

Am Sonntag kam wurde dann als Erstes die Shortlist verlautet:

  1. Raphaela Edelbauer
  2. Joshua Groß
  3. Ally Klein
  4. Anna Stern
  5. Tanja Malatschuk
  6. Bov Bjerg
  7. Özlem Özgül Dundar

Und dann habe ich diesmal recht gehabt,  Tanja Maljartschuk, dessen nächstes Buch, aus dem sie schon ein Stück damals im Literaturhaus geboren hat, wird demnächst bei  „Kiwi“ erscheinen wird, wurde die neue „Bachmannpreisträgerin“, gefolgt von Böv Bjerg mit seiner Vater Sohn Geschichte, die von Klaus Kastberger vorgeschlagen wurde.

Die dritte Preisträgerin wurde  Özlem Özgul Dündar, mit ihren vier Müttern, die ihren Text klein und ohne Punkt und Beistriche geschrieben hat.

Und die vierte Jurypreisträgerin wurde für mich überraschend, weil sie in der Diskussion gar nicht so gut weggekommen ist, die Schweizerin Anna Stern mit ihren Text „Warten auf Ava“ und was den Publikumspreis betrifft, ging die Folge, daß der an  Österreich geht, wie das glaube ich seit Cornelia Travnek so üblich ist, an Raphaela Edelbauer weiter, die aber diesmal in der Shortlist war und  bei der Jury über geblieben ist.

Dann zog Hubert Winkel den Vorhang zu und mokierte sich ein bißchen über Marlene Streeuwitz und Daniel Kehllmann, die im Vorfeld den Preis kritisiert haben und zu kapitalistisch hielten und ein paar Reden und Interviews gab es auch, bevor es im nächsten Jahr weitergehen wird und ich habe wieder einmal vier Tage interessante Literatur erlebt.

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2016-07-03

Der vierzigste Bachmannpreis

Filed under: Literaturbetrieb,Veranstaltungen — jancak @ 11:45
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Das „Literaturgeflüster“ wird acht, das „Bachmannlesen“ vierzig Jahre alt, denn 1977 hatten Humbert Fink und Ernst Willner, die Idee, in Anlehnung an die „Gruppe 47“ ein solches in Klagenfurt zu veranstalten, gewannen MRR als Vorsitzenden und hatten erst einmal Schwierigkeiten, Autoren dafür zu finden, denn die schrien von öffentlicher Verheizung ihrer Texte, wehrten sich zuerst und lasen dann schließlich doch.

Vor ein paar Jahren sollte der Preis dann eingespart werden, da gab es einen großen Aufschrei und so feiern wir heute vierzig Jahre „Bachmannpreis“ und den neunzigsten Geburtstag der Dichterin und der Preis hat sich inzwischen sehr verändert, das kann man merken, wenn man sich beispielsweise das Video zum fünfundzwanzigsten Geburtstag ansieht.

Denn da saßen ja in den ersten Jahren Größen, die heute fast schon Legenden sind, in den Jurorensessel, Hans Weigel, Friedrich Torberg, Hilde Spiel war, glaube ich, auch dabei, Gertrud Fussenegger, Marcel Reich Ranicky und und und..

Es haben auch inzwischen verstorbene Größen, wie Gert Jonke, den Preis gewonnen, Sten Nadolny hat den seinen verteilt, Karin Struck hat sich geweigert ihre Texte vorlesen zu lassen, ein Büchner-Preisträger hat sich die Stirn aufgeschnitten, ein Autor hat mal seinen Text gegessen, einer vom „Baby ficken“ gelesen und dann wurde über Geschmacklosigkeit beziehungsweise „Freiheit der Kunst“ diskutiert.

Es waren also eigentlich immer recht berühmte Autoren bei den Eingeladenen und einige von ihnen, meistens, die aus Österreich habe ich gekannt, diesmal ist es anders, diesmal sind mir gerade vier der vierzehn ein Begriff und Stefanie Sargnagel, die als die berühmte Facebookautoringehandelt wird und vielleicht als Nachfolgerin der Ronja von Rönne anzusehen ist, fungiert als einzige Österreicherin, weil sich „Klagenfurt“ heuer offenbar international geben will und den in Köln geborenen und dort lebenden Selim Özdogan als Türken führt und den in Salzburg lebenden Exilpreisträger Marko Dinic als Serben, früher hätte man das A und das D wahrscheinlich dazugeschrieben und ich hätte mir gedacht, daß Autoren, die in diesen Ländern entweder geboren wurden oder dort leben, lesen können.

So verstehe ich die Teilnahme des in Israel geborenen und dort lebenden Tomer Gardi, der zwar Stadtschreiber in Graz war und bei „Droschl“ verlegt nicht ganz und bin gespannt, ob er in Deutsch oder Englisch lesen wird, denn sein Video ist stumm und auch die Altersreihe ist heuer interessant, wurde die älteste Autorin, die sowohl in Frankreich als auch in Deutschland lebt, doch 1944 geboren.

Vielleicht sollte ich noch erwähnnen, daß ich von den Autoren noch Sascha Macht kenne, weil ich ihn in Leipzig und, ich glaube, auch in Wien schon einmal lesen hörte und Bastian Schneider kenne ich von einer der Studentenlesungen, beziehungsweise hat er glaube ich in der „Jenny“ einen Text.

Spannend  spannend und weil ich am Mittwoch in der „Alten Schmiede“ war, habe ich die Eröffnung zum großen Teil versäumt und bin gerade zu Burkhard Spinnen, dem langjährigen Vorsitzenden Eröffnungsrede „Mythos, Schmerz, Erfolg und Amt“ zurechtgekommen, dem dann noch von der Bürgermeisterin eine Ehrenmedaille für seine Verdienste überreicht wurde.

Die Auslosung habe ich auch versäumt, Stefanie Sargnagel wird aber, gefolgt von Sascha Macht und Marco Dinic mit dem Lesen beginnen und das „Carinthia Saxophonquartett“ hat auch gespielt.

Und dann ging es am Donnerstag los mit dem Text der 1986 in Wien geborenen, die mit einem roten Kappel auftritt, ein lustiges Video hat und mit ihren Facebook-Geschichten berühmt geworden ist.

Ihr Text heißt „Penne vom Kika“ und beginnt mit den Worten „Ich glaube es wird ein guter Tag, denn ich habe das Gefühl, ich habe mein Leben im Griff“,  auf den ORF-Seiten wird sie  sehr hochgelobt und eingeladen wurde sie von der Jurorin Sandra Kegel und, ich glaube, ein zweiter hätte das auch getan.

Spannend, wie die Jury auf diesen nicht sehr abgehobenen Text, der meinen, behaupte ich einmal, nicht so unähnlich ist, reagiert und die Reaktionen reichten von Begeisterung bis zur  Feststellung der „Banalität“. Die „Klugheit und die Tiefsinnigkeit“ wurde aber beispielsweise, „Steffi, du bist urgut!“,, von Klaus Kastberger sehr verteidigt und Stefanie Sargnagel, die ungewöhnliche, grinste sich ein und mischte sich immer wieder in die Diskussion ein, die so intensiv wurde, daß Sascha Macht oder Montag wie sich der Moderator Christian Ankowitsch versprach, erst zehn Minuten später an die Reihe kam. Sein Text heißt „Das alte Lied von Senor Magma“, der wieder etwas „Bachmannpreis“ konformer oder „Schreibschul“ geschult war, der dann von der Jury auch ordentlich verrissen wurde.

Danach ging es weiter mit dem 1988 in Wien geborenen und jetzt in Salzburg lebenden Serben Marko Dinic.

„Als nach Milosevic das Wasser kam“, auch ein sehr realisischer Text über den Krieg, Belgrad und Milosevic, der den Jugoslawienkrieg aus der Sicht des jugendlichen Erzählers in trotzig starker derber Sprache erzählt.

In der Mittagspause ging es mit Marica Bodozic beziehungsweise im Film von Katja Gasser nach Kroatien, also nicht sehr weit weg vom Sujet und mir auch ein bißchen bekannt.

Dann kam ein Auisschnitt aus dem Film von Ruth Beckermann „Die Geträumten“, wo sich zwei Schauspieler vor ihren Mikros stehend den „Bachmann-Celan-Briefwechsel“ vorlesen.

Weiter gings  mit dem 1981 geborenen in Köln und Wien lebenden Sprachkunst-Studenten Bastian Schneider und seinen Text „MEZZANIN – Stücke“, wo es um  ein „Halbstücke“, „Schuhstück“, „Handschuhstück“, etcetera, also um kurze Textminaturen und, um kein „Theaterstück“ ging, wie das Video vermuten ließ, mit denen sich die Jury wieder schwer tat und von einem bundesdeutschen Schriftsteller sprach, der in Wien in einem „MEZZANIN“ sitzt und seine Stücke schreibt und damit, füge ich hinzu, die Jury verwirrte.

Dann folgte der  1971 in Köln geborene Selim Özdogan, von dem ich einmal ein „Haymon“ E-Book gelesen habe, in dessen Text „Ein geheimer Accord“, es um einen Hasen, Urheberrechtsverletzungen, sowie um eine manisch depressive Mutter, also nicht um die „türkische Migrantenliteratur“, auf die er, wie ich Selim Özdogan einmal sagen hörte, so gerne festgelegt wird und der es in seiner Vielschichtigkeit, der Jury auch nicht so leicht machte.

Und Stefanie Sargnagel , die im Anschluß mit Marko Dinic im Garten zu ihren Leseerfahrungen zu hören war, twitterte „Alle die was negatives über mich schreiben sind blöd!“, denn  auch das ist neu am heurigen Bachmannpreis, daß es einen eigenen Twitter und Facebook-Account gibt.

Von Stefanie Sargnagel habe ich mir im Anschluß noch einige Videos angehört. Sie war, wie ich noch in Kroatien, beziehungsweise im Anschluß daranin Harland , bei den „Tonspuren“ im ORF, war am „Opernball“ und bei einem FPÖ-Fest und wird nun bald in einem großen Verlag verlegen.

Wolfgang Tischer macht mit Doris Brockmann wieder seinen Podcast und analysiert den Bewerb und am Freitag ging es mit der 1980 geborenen in Berlin lebenden, Julia Wolf weiter, die auf ihrem Video Portrait Männern den Mund verklebt, ein Bezug auf ihren Text „Walter Nowak bleibt liegen“, der ein Romanauszug ist und von einem alten Mann im Schwimmbad und von einer Yvonne handelt, der von der Jury  gut gemacht, als auch als seltsam altmodisch und noch in fünfundzwanzig Jahren gültig, beurteilt wurde.

Dann kam der, von Meike Feßmann eingeladene, 1980 geborene Open Mike Gewinner Jan Snela. Sein Text heißt „Araber und Schakale“, der sowohl im fernen Arabien, als auch in der Wohnung des Erzählers spielt und von verschiedenen Visionen handelt,  der bei Hubert Winkels einiges Unbehagen erzeugte und von Meike Feßmann verzweifelt verteidigt wurde.

Dann folgte die 1979 geborene, in Leipzig lebende Isabelle  Lehn, in deren Video, in dem sie auf einer Bank in Lepzig sitzt, auch Sascha Macht vorkommt.

„Binde zwei Vögel zusammen“ heißt ihr Textauszug, in dem es auch, um eine radikalisierte Welt mit arabische Visionen, geht.

Dann kam der Schock, denn die Bundespräsidentenwahl, die ja von den Freiheitlichen angefochten wurde, muß wegen plötzlich aufgetauchten Schlampereien, die es  wohl auch bei jeder voriherigen Wahl gegeben hat, wiederholt werden.

In Klagenfurt ging es aber in die Pause, beziehungsweise mit Feridun Zaimoglu nach Istanbul und dann kam für mich ein Rätsel, denn ganz klar ist mir noch immer nicht, wieso der in Israel geborene und dort lebende Autor, Tomer Gardi, als deutschsprachiger Autor gilt, obwohl es in seinen Text, um die „Muttersprache“ geht,  der, bei dem offenbar doch nicht Deutsch Sprechenden, in einer Kunstsprache geschrieben wurde, so daß ich, wie Meike Feßmann, glaube, daß die Kriterien des Preises noch einmal diskutiert werden sollte, die nach Klaus Kastberger, nur ein Text in deutscher Sprache wären, der nicht einmal gut sein muß.

So sein Problem gab es  auch schon einmal mit dem Brasilianer Ze do  rock, dessen „fom winde ferfeelt“, ich inzwischen gefunden habe, aber der spricht, wie mir kommentiert wurde, ein ausgezeichnetes Deutsch und die Frage könnte man dann wieder diskutieren, daß man zwar nicht gut Deutsch können oder schreiben muß, um beim Bachmannpreis zu lesen, aber Selbstpublisher darf man nicht sein und von sechshundert oder so Berwerbern, werden dannn nach subjektiven Kriterien vierzehn Autoren willkürlich ausgewählt und wieso darf dann ich mit meinen Fall- und Beistrichfehlern nicht lesen?

Natürlich, weiß ich schon, es geht da, um etwas anderes, trotzdem denke ich, daß man daran festhalten sollte, daß es ein Preis für entweder  in Österreich, Deutschland oder Schweiz geborenen oder dort lebenden Autoren sein sollte.

Bei der nächsten Autorin, der 1944 in Frankreich geborenen, Sylvie Schenk, die sich nach Deutschland verheiratete und jetzt in beiden Ländern lebt, ist das Problem leichter zu lösen und da ist es wohl das Alter der Autorin, die bisher in kleineren Verlagen und jetzt bei „Hanser“ verlegen wird, das aus dem Rahmen fällt. Ist sie ja, glaube ich, die älteste Autorin, die je gelesen hat und passt daher auch wieder nicht zu den eher dreißig bis vierzigjährigen Autoren, die sonst gelesen habe. Der Text heißt „SCHNELL, DEIN LEBEN“ und dürfte eine autobiografische Lebensbeschreibung sein.

Am Samstag ging es nach dem Aufmarschieren der Jury mit der Lesung der 1981 geborenenen Ada Dorian, die von sich behauptete, einige Romane in den Schubladen zu haben. Aus dem „Betrunkene Bäume“ genannten, las sie ein Stück, „denn es ist eine große Versuchung von sich erzählen zu dürfen“, wie es im Filmvorspann hieß, obwohl es in dem Text, um einen alten Mann mit Rußlandbezug geht, der mit einem Wald in seinem Zimmer lebt und nach dem das entdeckt wurde, ins Altersheim soll. Irn Eine sehr originelle Art über das Älterwerden zu erzählen, die von den Twitterer, natürlich „nicht risikobereit“ genannt wurde, Hubert Winkels korrigierte die Erzählhaltungen,  Stefan Gmundner wußte, welchen Nebensatz man weglassen hätte könnenund Klaus Kastberger bemängelte, daß der Text zu gut, zu brav, etcetera ist und, daß der Name Katharina sehr oft verwendet wurde, ist auch mir aufgefallen, die das in ihren Anfangsschreiberinnenjahren ebenfalls so tat. Und natürlich der Text, dem der Julia Wolf sehr ähnlich, wie auch Klaus Kastberger richtig erkannte.

Danach kam die in Berlin lebende in London geborene Sharon Dodua Otoo, aber ich drehte den Laptop ab und setzte mich aufs Rad, um den Alfred, wie jeden Samstag, den wir in Harland verbringen, auf dem Markt zu verbringen.

Zurückgekommen vom „Sommergrillen“, kam das Gewitter und ich hörte mir einmal den Literaturcafe.de Podcast von Tag zwei der Lesung an, danach war das Video von Sharan Dodua Otoo „Herr grttup setzt sich hin“ eingestellt, wo es im Vorfeld um eine Leseanweiseung, im Haupttext auch um einen alten Herrn ging, der in flüßigen Deutsch von der dunkelhäutigen Autorin gelesen wurde.

„Gestern blieb Herr Nowak liegen und heute setzt sich Herr Grttup hin!“, twittern Cornelia Travnicek und Wolfgang Tischer.

„Als deutsches Ei nicht hart zu werden ist keine große Leistung“, geht es dann wieder auf das offensichtlich unbewußte Thema dieser Veranstaltung zurück und Wolfgan Tischer twittert schon, die Autorin könnte Julia Wolf den Preis wegnehmen.

Die Jury sieht das, glaube ich, anders und dann folgte die 1979 geborene in Hamburg lebende Astrid Sozio mit „Das verlassenste Land“, ein Text in dem es um Flüchtlinge und um „Negerinnen“ geht und von de Jury dann auch tüchtig verisssen wurde, weil man angeblich nicht so schreiben darf oder man der Autorin davon abraten hätte sollen.

Der einzig Schweizer der Runde, der 1959 geborene Schweizer Diete Zwicky war der letzte Lesende. Sein Text trägt den Titel „Los Alamos  ist winzig“ und handelt von einem krebskranken Erzählung dessen Frau,  am Wasseramt arbeitet. Langsam und bedächtig trug der Autor im Schweizer Dialekt von der kleinen amerikanischen Stadt, dem Friseur, dem Sauerkraut und den Zauberer Rudy, den es dort gibt, vor.

Meike Feßmann lobte den gelungenen Abschluß und nun könnte ich abstimmen.

Eigentlich wollte ich das für Marko  Dinic tun, weil Stefanie Sargnagel wahrscheinlich auch ohne mich bei der Jury und vielleicht auch beim Publikum gewinnt.

Aber Ada Dorian, die mit ihren  zu „perfekten Text“ bei der Jury wahrscheinlich durchgefallen ist, hat mir auch gefallen und der Text von Bastian Schneider hätte vielleicht ein wenig Unterstützung verdient.

Also wieder mehr Kanditaten für die ich stimmen könnte und so weiß ich jetzt gar nicht, ob ich es überhaupt tun soll, um nicht nachher unbefriedigt zu sein und zu denken, das war war der Falsche, habe mir aber am Markt schon einige Begründungen ausgedacht:

„Ich stimme für Stefanie Sargnagel, weil sie ein so schönes rotes Mützchen trägt“, oder „Ich stimme für Marko Dinic, weil mir realistische Texte gut gefallen“, „Ich stimme für Ada Dorian, weil der Russe einer ist, der Birken liebt“ oder „Ich stimme für Bastian Schneider, weil ich gerne in Mezzaninen sitze und auch Schuhstücke mag“, beziehungsweise „Ich stimme für Tomer Gardi, weil er „Broken German“ spricht“,  nein, das vielleicht weniger, denn ich bin ja eine Pedantin und denke, um in Klagenfurt zu gewinnen, sollte man schon in Österreich, Deutschland oder der Schweiz geboren sein, beziehungsweise dort leben und ein „Broken Deutsch“ mit der deutschen Krähe genügt vielleicht nicht.

Für eine Shortlist könnte ich aber plädieren und denke, daß da Stefanie Sargnagel, Marco Dinic, Julia Wolf, Tomer Gardi und vielleicht auch Selim Özdogan, Sharon Dodua Otoo, Dieter Zwicky und Isabelle Lehn darauf stehen werden.

Mal sehen, ob ich es treffe und wer der Hauptreisträger wird, für den sich dann alle interessieren, ein besonders herausragender Favorit hat sich, abgesehen von dem Hype um Stefanie Sargnagel, ja eigentlich nicht ergeben und im „Literaturcafe“ kann man wieder für den besten Kritiker stimmen.

Da habe ich mich vor zwei Jahren aus Unbehagen, daß man für die Autoren schon abstimmen konnte, bevor alle Texte veröffentlicht waren, gedrückt, im Vorjahr stimmte ich am Vortag für Klaus Kastberger, denn den kannte ich ja schon aus Wien und habe mich am Samstag dann über einige seiner sehr überheblichen Bemerkungen geärgert. Wolfgang Tischer tat das, glaube ich auch, so konnte man heuer für beide Bewerbe  erst am Ende abstimmen und ich bin auch da ein wenig ratlos.

Hubert Winkels und Klaus Kastberger sind wahrscheinlich die herausragendensten Stimmen, aber Klaus Kastberger ist immer noch oder nach seinem vorjährigen Sieg vielleicht noch mehr, so sehr von sich überzeugt, daß man es schon fast ein bißchen überheblich nennen könnte.

Ich muß auch nicht überall meinen Senf dazugeben, denn es reicht ja schon, daß ich  im September oder Oktober zum dritten Mal in die Handelsakademie in der Margaretenstraße pilgere und Alexander van der Bellen wähle und wenn, der dann vielleicht wieder ein paar Stimmen zu viel hat, ein viertes oder fünftes Mal….

Dann habe ich natürlich doch abgestimmt, für Marko Dinic und Hubert Winkels und seltsamerweise kann man meine Begründung ziemlich vollständig auf der Literatucafe-Seite finden:

„Doch ich habe den ganzen „Bachmannbewerb“ gesehen und schwanke zwischen Klaus Kastberger und Hubert Winkels hin und her….“

Gewonnen hat dann  Klaus Kastberger ohne meine Stimme.

Und vor der Preisverkündung  wurde dann bei 3-Sat „Tabula Rasa-Ingeborg Bachmann und das große Wettlesen in Klagenfurt“ gesendet, das ich schon einmal gesehen habe, wo man sich noch einmal das „Bachmannpreis-Spektakel“ erklären lassen konnte.

Und dann kam die Überraschung bei der Shortlistplatzierung, denn Stefanie Sargnagel, die vorgeblich gehypte, ist nicht dabei, natürlich wahrscheinlich, schreibt sie doch sehr alltäglich und wahrscheinlich doch nicht so literarisch und auch Tomer Gardi gehlt. Dafür hat sich Meike Feßmann bezüglich ihres „Karl-May-Parodie-Autors Jan Snela durchgesetzt und sonst habe ich es ziemlich getroffen:

Marco Dinic, Selim Özdogan, Julia Wolf,Isabelle Lehn Sharon Dodua Otoo und Dieter Zwicky. Den Bachmann-Preis hat dann die 1972 in London geborene Sharon Dodua Otoo mit „Herr Gröttrup setzt sich hin“ gewonnen. Der Schweizer Dieter Zwicky hat dann den „Kelag-Preis“ gewonnen.

„Wir sind nicht verdutzt, nein wir sind verzwickt!“, sagte der Juror Jurij Steiner. Julia Wolf bekam dann für „Herr Nowak bleibt liegen“, wie von mir erwartet den „3-Sat“ und der auch öfter genannte Marco Dinic blieb wieder übrig.

Bitte nicht Marco Dinic zum jährlichen Durchreicher machen, twitterte Cornelia Travnicek, aber es gibt ja noch den Publikumspreis und den hat dank der zwanzig- oder zweihunderttausend Facebook Followers Stefanie Sargnagel gewonnen, die ja schon ein Vido hat, wo sie den Hauptpreis für sich votierte und die Preisträgerin hob zur Verleihung die Hand zur Faust und pries das „goldene Patriachat“.

Hubert Winkels hielt die Schlußrede, in der auf die Wichtigkeit des Preises in Zeiten der sozialen Medien, wo jeder auf „Amazon“ rezensieren kann und eine Pressekonferenz gibt es seit dem letzten Jahr im Anschluß auch und, um mein Resumee zu ziehen, der vierzigste „Bachmannpreis“ war sehr interessant, sehr vielsprachig, sehr „risikoreich“ und gewonnen hat dann doch die „brave, große, echte, wahre Literatur“ und die Risikoautoren blieben über, mir hat es aber gut gefallen und ich bin mit der Auswahl auch einverstanden.

 

2016-06-25

Zum Bachmann-Geburtstag

Am fünfundzwanzigsten Juni 1926 wurde Ingeborg Bachmann in Klagenfurt geboren, die am siebzehnten Oktober 1973 in Rom ihren Brandtverletzungen erlegen ist. Da war sie siebenundvierzig und ich noch nicht zwanzig und hatte gerade mit meinem Psychologiestudium begonnen.

Ob ich vorher in der Straßergasse oder sonstwo viel von ihr gehört habe, weiß ich aber nicht. Die Todesnachricht habe ich wahrscheinlich durch das Fersehen mitbekommen.

„Eine der bedeutendsten Lyrikerinnen und Prsaschriftstellerinnen des deutschsprachigen Raums!“, wie heute in „Wikipedia“ steht.

Damals habe ich mich, glaube ich, noch nicht so sehr für die zeigenössische Literatur interessiert, obwohl ich schon geschrieben habe und mir im Sommer nach meiner Matura auch viele Bücher kaufte.

Stifter, glaube ich, Doderer, Musil.

„Den Mann ohne Eigenschaften“ habe ich, glaube ich im Jahr danach gelesen. Die Grazer Autorenversammlung hat sich im Sommer 1973 gegründet, das habe ich, glaube ich, im Gartenhäuschen am Almweg mitbekommen, aber ich wollte ja von der Bachmann schreiben und, wie sie mich beeinflußt hat?

Den  1976 entstandenen Film „Drei Wege zum See“, mit Guido Wieland, kann ich mich erinnern, habe ich in der Wattgasse im Fernsehen gesehen und er hat mich, glaube ich, mehr beeindruckt, als die Verfilmung des „Radetzkymarschs“, die es wahrscheinlich zeitgleich gegeben hat.

Und eine Bachmann-Gesamtausgabe, vier Bände, von der „Büchergilde Donauland“, wo zuerst meine Schwester, dann meine Mutter Mitglied war, habe ich einmal zu Weihnachten bekommen.

Ich weiß nicht mehr genau, wann, kann mich aber erinnern, daß ich einmal, ich bin in den Ferien, als ich noch in der Wattgasse gewohnt habe, aber auch später, öfter in den Türkenschanzpark gegangen und da den „Fall Franza“ vielleicht oder „Malina“ gelesen habe und das eher altmodisch und nicht so besonders gefunden habe.

So könnte ich auch nicht sagen, daß ich eine besondere Bachmann-Experitin oder Kennerin bin. Aber wenn man sich  für Literatur interessiert, kommt man natürlich nicht darum herum.

Und dann gibt es den „Bachmannpreis“, der 1976, der Klagenfurter Dichterin zu Ehren, die diese Stadt ja, glaube ich, nicht sehr gemocht hat und aus ihr zuerst nach Wien, später nach Rom geflüchtet ist, von Humbert Fink und Ernst Willner gegründet wurde und an den ich gerne teilgenommen hätte.

Was die Bachmann dazu gesagt hätte, ist fraglich und sehr viel hat das, was und wie die heutigen Autoren schreiben wohl nicht mit ihr zu tun, auch, weil dort ja keine Lyrik gelesen wird.

Aber da geht es um den Namen, den die zwei Herren gemeinsam mit MRR, der ja in den ersten Jahren in der Jury war, gewählt haben und die Stadt schmückt sich damit, während es, wie Josef Winkler einmal aufdeckte in der Stadt noch immer keine öffenliche Bibliothek gibt oder gab.

Das hat aber auch nicht sehr viel mit der Bachmann zu tun außer, daß man ihre Bücher dort hineinstellen könnte und ich habe mich in der Erzählung „Wilder Rosenwuchs“ ja mit einer weißhaarigen älteren Frau beschäftigt, die dort plötzlich im Studio auftaucht und sich mit einem geblümten Kleid in die erste Reihe setzt.

Das habe ich 2007 geschrieben und 2006 wäre die Bachmann achtzig geworden und da gab es ihr zu Ehren ein großes Symposium in der „Akademie der Wissenschaften“ und eine Ausstellung im Palais Palfy. Eine Führung durch Bachmanns-Wien hat es auch gegeben.

Da bin ich, glaube ich, an einem Sonntagvormittag zu Pfingsten mit ein paar Interessierten durch Wien herumgefahren, von der Ungargasse zum Cafe Raimund, wo ja einmal der Hans Weigel thronte und die jungen Dichter und Dichterinnen, um ihn herum in seinem Kreis aufnahm oder vielleicht auch nicht.

Die Bachmann hat er aufgenommen und sie zu seinem „Geschöpf“ gemacht, so habe ich gehört und einen Brief gelesen, den ich kopiert, einmal als Geburtstagsgeschenk erhielt, wo er sie aufforderte, sich doch nicht politisch zu betärigen.

Der junge Mann, der uns herumführte, erzählte von Hans Weigels „Unvollendeter Symphonie“, die ich jetzt endlich Dank dem „Atelier-Verlag“ und seiner Wiederauflage gelesen habe.

Und „Mythos Bachmann“ habe ich gelesen und ein Buch über die „Gruppe 47“ und als ich 2005, glaube ich, war es, in der Bücherei Pannaschgasse endlich einmal einen Preis gewonnen habe, die Edith Brozca hat mit zwei Cousinen, glaube ich, für mich gestimmt,  der Alfred und die alte Dame die uns einige Jahre zu einer Frauenlesung in die Galerie Heinrich eingeladen hat, habe ich einen „Thalia-Gutschein“ bekommen und mir dafür ein Bachmann-Bilderbuch eingetauscht und jetzt ist es wieder soweit, die Bachmann wäre neunzig geworden und der ORF hat einen Bachmann-Schwerpunkt.

Eine Veranstaltung im Literaturmuseum hat es vorige Woche auch gegeben, zu der ich leider nicht gegangen bin, weil wir vom Urlaub zurückgekommen, noch schnell den Martin mit der Linda treffen mußten, die zwei Tage später wieder nach Amerika flog.

Aber 2006 hat es, glaube ich, auch eine Veranstaltung im Radio Kulturhaus gegeben, da waren  ihre Geschwister und die hat man gefragt, warum sie keinen Widerstand geleistet hat?

„Meine Schwester war ein Kind!“, hat die jüngere Schwester, glaube ich, geantwortet. Sie hat aber ein Kriegstagebuch geführt, war mit einem jungen Juden befreundet und hat in Wien, wo sie Philosophie studierte, auch beim Sender „Rot weiß Rot“, im heutigen Literaturhaus gearbeit und da angeblich oder tatsächlich an einigen Folgen der „Familie Floriani“ mitgearbeitet. Das gleichnamige Buch habe ich inzwischen gefunden und den Celan-Bachmann Briefwechsel habe ich inzwischen auch gelesen.

So weit, so what und schon wieder was vergessen, denn ich habe ja noch einen Literaturpreisgewonnen, einen „Hörbuchpreis“ in jener „Thalia-Filiale“, wo ich auch den Gutschein einlöste, da gab es einen für Hörbücher und so habe ich eine Originalaufnahme von ihr, wo sie mit dünner Stimme ihre Gedichte liest, die mich sehr an die der Valerie Fritsch erinnert, die auch sehr lyrisch ist und Valerie Fritsch ist die heurige Stadtschreiberin von Klagenfurt. Nadine Kegele war es vor ein paar Jahren und hat jetzt einen Text über die Bachmann geschrieben, der vor ein paar Tagen im Radio zu hören war.

Die CD kann ich wieder hören, vielleicht sollte ich mir auch die Gesamtausgabe, die ich, glaube ich, nicht zur Gänze gelesen habe, wieder zu Gemüte führen.

Vielleicht verstehe und interpretiere ich die Bachmann heute anders. Ganz sicher sogar, aber ich habe wegen meiner langen Leseliste keine Zeit dazu und heuer schon Stefan Zweig und Heimito von Doderer gelesen und die Vicki Baum soll auch noch ihren Schwerpunkt haben.

Interessant dazu, daß es schon zwei neunzigste Geburtstage von Dichterinnen, die älter geworden sind, gegeben hat, deren Werk für die österreichische Literatur wohl die gleiche Bedeutung hat.

2015-08-01

Katzenberge

Filed under: Bücher — jancak @ 00:46
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Weiter geht es mit den Büchern, die ich mir 2012 bei diesem „Augustin-Flohmarkt“ kaufte, Rezensionsexemplare, die zwei oder drei Jahre früher erschienen sind und oft „Bachmann“ oder „Buchpreis-Nominierungen“ hatten.

Allmählich werde ich damit fertig und kann mich dann wahrscheinlich zeitgerecht entscheiden, ob ich in in einem Monat mit der Leseliste weitermachen oder die zwanzig  2015 Buchpreisbücher vorziehen will, bzw. einen Teil davon.

Sabrina Janeschs Debutroman „Katzenberge“ ist 2010 nicht auf der Longlist gestanden, sie hat aber daraus beim „Bachmannpreis“ gelesen.

Besonders aufgefallen ist sie mit dem Roman über ihre polnische Vergangenheit und die Spurensuche bis zu den Wurzeln nach Galizien, glaube ich, nicht. Es gibt aber inzwischen einige andere Romane  der 1985 geborenen deutsch/polnischen Autorin, die in Hildesheim studierte und auch Stadtschreiberin  in Danzig war.

„Ambra“ beispielsweise und „Tango für einen Hund“, 2012 und 2014 bei „Aufbau“, erschienen, Katzenberge erschien dort 2010, „Nicht vor dem 26. 7. besprechen“, steht auf meinem Leseexemplar.

Hanns-Joseph Ortheil, ich glaube, ein Hildesheimer Professor, hat die Widmung am Buchrücken geschrieben, ihm wird von der Autorin auch gedankt und das Buch ist der Familie, beziehungsweise dem Großvater gewidmet.

Und da ist Nele Leibert, eine junge Frau mit einer polnischen Mutter und einem deutschen Vater, offenbar in Deutschland aufgewachsen, in Berlin lebend. Sie ist Journalistin und hat gerade bei einem Magazin zu arbeiten angefangen.

Einen Freund namens Carsten gibt es auch, deren Großvater, Stanislaw Janeczko, von ihr Djadjo genannt, ist gestorben, sie fährt von Berlin aus nach Wrozlaw-Breslau, Schlesien zum Begräbnis, wird dort von der Tante Aldona aufgepäppelt, die Onkel Darek und Jozek gibt es auch und die Mutter, eine Historikerin, die mit dem deutschen Vater, der es bei der Verwandtschaft schwer hat, die auch zum Begräbnis gekommen ist, rät ihr noch ein paar Tage zu bleiben und in die Ukraine oder nach Galizien in die Heimat des Großvaters zu fahren, um sich alles anzusehen und die Familiengeheimnisse zu erforschen.

Das wird von der polnischen Verwandtschaft gar nicht so gern gesehen, denn in die Ukraine, dahin fährt man nicht, da gibt es gar keine Straßen, etc und die Schaffnerin weigert sich auch ihr eine Fahrkarte dorthin zu verkaufen und Nele hat wegen ihrer deutsch polnischen Doppelidentität ohnehin schon Schwierigkeiten. Sie spricht zwar akzentfrei Polnisch, die Deutsche sieht oder hört man ihr aber trotzdem an und es ist auch peinlich zu den Deutschen zu gehören, die mit ihren BMWs durch das kommunistische Polen gefahren sind und sich die Häuser  anzuschauen, so als wollten sie sagen, das sind unsere Häuser in denen ihr lebt, wir wollen sie wieder zurück.

Denn da gab es ja den Krieg und da wurden die Grenzen verwischt und so ist heute da die Ukraine, wo früher Polen war oder Polen dort, wo früher Deutschland und der Djadjo stammt aus Zastavne, früher Galizien heute Ukraine, hatte dort eine Frau, sein erstes Kind und auch den Bruder Leszek.

Dann wurde er in einen Zug gesetzt, er und einige andere Ukrainer und vier Tage bis nach Schlesien gebracht, dort sollten sie sich ein Haus aussuchen. Djadjo wählt sich eines im Wald, ein wenig abseits und hat dann in der Nacht Alpträume, denn er hört die ganze Zeit Geräusche. Am Morgen geht er auf den Dachboden und findet dort den Bauer Dietrich mit dem Hakenkreuz erhängt am Dachboden. Djadjo begräbt die Leiche, die Geister von Schuld und Sühne kann er  trotzdem nicht vertreiben. Er holt aber die Frauen nach und die können es  besser mit Waldmeistersud etc.

Das ist ein bißchen mystisch, die Baba Jaga, kommt auch einmal vor und damit tue ich mir ein wenig schwer, auch wenn man es wahrscheinlich poetisch interpretieren kann  und vielleicht auch der polnische Aberglaube so ist.

Das war auch die Stelle, die Sabrina Janesch in Klagenfurt gelesen hat.

Tante Aldona gibt dann doch nach, denn da gibt es noch ein Familiengeheimnis und gibt Nele die Adresse der Adamczyks, die in einem Dort in Ostpolen wohnen. Dorthin fährt sie mit dem Bus. Die haben auch ein Geheimnis mit der deutschsprechenden dementen Uroma.

Aber Djadjo hat mit Maria,  seinen Bruder und Eltern, eine Zeitlang nach der Vertreibung dort gelebt und soll den Bruder umgebracht haben. Nele, die eine sehr enge Beziehung zu ihrem Djadjo hat, das Buch ist in abwechselnden Perspektiven bzw. Zeitabschnitten geschrieben und der Großvaterteil beginn immer mit „Großvater sagte“, das erinnert mich ein bißchen an Irene Dische, die das glaube ich, auch mal tat, will das nicht glauben, fährt nach Zastavne und wird dort von einem Kind angesprochen, dessen Großmutter wissen will, was sie hier macht?

Und diese Oma, Malina Rafailiwna, klärt sie dann auf, daß  Leszek vor wenigen Jahren in Lemberg gestorben ist. Nele ist erleichtert, kann wieder nach Bagno, wo die Katzenberge sind und an das Grab des Großvaters zurückkehren und ihren Freund Carsten, bei dem sie sich lange nicht gemeldet hat, kann sie auch anrufen.

Dazwischen gibt es noch Begegnungen in einem ehemaligen Schloß, daß in der Kommunistischen Zeit zu einem Erholungsheim umgewandelt wurde, vorher wurde die Baronin von dort vertrieben, ihre Bücher, zum Beispiel „Brehms Tierlieben“ mußte sie zurücklassen und Djadjo, der von der Gemeinde einen Lohn erhält, wenn er mitumbaut, findet das Buch und ist gerührt, denn er ist in eine Schule gegangen, wo das einzige Buch, das es gegeben hat, dem Lehrer gehörte.

Spannend, spannend von der deutsch polnisch ukrainischen Vergangenheit zu lesen, mit der ich mich während unserer Masurenreise vor vier Jahren auch ein bißchen beschäftigt habe und mit einem Bus bin ich Anfang der Neunzigerjahre auch vier Tage lang nach Lemberg und Krakau gefahren, was ich ein bißchen in meiner „Reise nach Odessa“ verarbeitet habe.

2015-07-19

Vielleicht Esther

Weiter geht es mit einem Buch einer Autorin aus dem russischen Raum, mit Katja Petrowskajas „Vielleicht Esther“, die 2013 mit dieser Geschichte den Bachmann-Preis gewann, 2014 mit dem Buch, das nicht als Roman sondern mit „Geschichten“ bezeichnet ist, für den „Leipziger Buchpreis“ nominiert wurde.

Da war ich dort, habe mich für das Buch interessiert, Katha Petrowaskaja daraus gelesen gehört. Gewonnen hat Preis Sasa Stanisisc mit „Vor dem Fest“.

Beide haben dann auch in Krems und Göttweig gelesen, zusammen mit Lukas Bärfuß, dessen Buch ich schon besrpochen habe.

Alle drei Bücher hätte ich gerne haben wollen, aus Sparsamkeitsgründen habe ich mir  nur den Bärfuß und „Vielleicht Esther“vom alfred kaufen lassen. Katja Petrowskaja, die auf einer Bank beim Büchertisch in Göttweig ziemlich einsam saß, hat es mir signiert.

Das Buch ist  im Gegensatz zu dem von Sasa Stanisic und Lukas Bärfuß nicht auf der Longlist 2014 für den dBp gestanden. Vielleicht weil es mit dem Gattungsbegriff „Geschichten“ bezeichnet wurde und wahrscheinlich genausowenig ein Roman, wie Lukas Bärfuß „Koala“ einer ist.

Als Memoir, Familiengeschichte, Erinnerungsbuch würde ich es bezeichnen und, daß die 1970 in Kiew geborene Katja Petrowskakaja, die in Estland Literaturwissenschaften studierte, seit 1999 in Berlin lebt, mit einem Deutschen verheiratet ist, der sie auf die Idee zu diesem Buch brachte, über einen besonderen witzig ironischen Ton verfügt, ist mir erst beim Lesen des Buches aufgefallen.

Beim Bachmannpreis, wo schon nach dem ersten Sätzen bei den Twitterern kursierte „Das ist die Preisträgerin“ ist mir das nicht so aufgefallen und ich habe gedacht „Wieder eine Holocaustgeschichte, da habe ich doch schon einige gelesen!“

Es kreist um die Wurzeln der Familie von denen viele in Babij Jar den Tod fanden, viele Taubstummenlehrer, wir würden Gehörlosenpädagogen sagen, weil es ja keine Taubstummen gibt, waren. Einer der Ururgroßväter wurde sogar in Wien geboren und hat dort eines der größten Taubstummenistitute aufgebaut.In den Archiven findet man ihn aber nach Katja Petrowskaja, als Gründer des Blindeninstiuts.

Der Kommunismus spielt für die 1970 geborene, die in einem dreizehnstöckigen Haus in einer Plattensiedlung in der Ulicia Florenzij in Kiew aufwuchs, natürlich eine Rolle und die Namen Marx und Liebknecht auch.

Die beiden Großmütter hießen Rosa und Margarita, blumige Namen und polnische Wurzeln, weil die Ukraine ja einmal zu Polen gehörte, gibt es auch. En Groß- oder Urgroßvater hat in Warschau in der Ulica Cipela vor dem Krieg eine Taubstummenschule betrieben, dann wurde er ausgewiesen, nahm einen Teil seiner Familie, seine Schüler und einen ebenfalls gehörlosen Lehrer nach Kiew mit.

Ein paar alte Familienfotos schmücken das Buch, das in einige Teile und Kapitel gegliedert ist und in einige Reisen, nach Polen, Mauthausen Österreich, etc, gefördert von der „Robert Bosch- Stiftung“ im Rahmen eines „Grenzgängerprojektes“, das der Schriftstellerin ermöglichte, die Orte aufzusuchen und das Buch darüber zu schreiben, wie einem beiliegenden Folder, das als Lesezeichen verwendet werden kann und auch der Danksagung der Autorin, zu entnehmen ist.

Beginnen tut es mit einem Prolog oder der Abfahrt von Berlin auf diese Reise und am Bahnhof von Berlin gibt es ein Schild „Bombardier Willkommen in Berlin“ steht darauf und ein Amerikaner, ein Jude, der auch nach seinen Wurzeln sucht, geht auf Katjja Petrowskaja zu und fragt sie, was das bedeutet?

Wieso begrüßt Berlin mit seinen Bombern? Sie fängt zu flunkern an und sagt, das wäre eine Werbung für ein Musical und weist darauf hin, daß die Phantasie das Romanschreiben begleitet. Daniel Kehlmann, der auch schon auf der Longlist stand hat in seinem „F“ auch behauptet, daß Romanschreiben lügen wäre, was ich nicht so formulieren würde und irgenwo, weiter hinten in dem Buch heißt es auch einmal, daß es oft ein Fünkchen Phantasie bedarf, um die Wahrheit wirklicher oder verständlicher zu machen. Dem stimme ich zu und dann geht es hinein in die Reisen beziehungsweise in die Familiengeschichte.

Katja Petrowskaya erzählt von ihrer Oma Rosa und der Tante Lida, ihren Rezepten und auch vom Großonkel Judas Stern, einem Stduenten, der 1932 ein Attentat auf einen deutschen Botschaftsrat in Moskau verübte, worauf ihr Vater etwas zu früh auf die Welt gekommen ist und ein Geheimnis in der Familie vertuscht wurde. Dann kamen die Nazis und es gab Babij Jar, ein Name der in Deutschland ziemlich unbekannt ist, so daß die Bibliothekarin, als Katja Petrowskaja in Berlin nach Büchern darüber fragte, sich erkundigte, ob sie „Babyjahr“ meine?

Aber nein, alle Juden mußten sich in Kiew im September 1941 auf der Straße versammeln, wurden zu der gleichnamigen Schlucht getrieben, mußten sich dort ausziehen und wurden erschoßen.

Einige von Katja Petrowskajas Vorfahren waren dabei, eine der beiden Großmütter des Vaters, die, die vielleicht Esther hieß oder die andere, so genau wußte das der Vater nicht mher, da er die Großmutter ja nur Babuschka nannte, war dabei oder auch nicht, denn sie war alt und konnte nicht mehr so gut gehen. Deshalb wurde sie, als die Familie ein Monat vorher flüchtete, nicht mitgenommen. Der Fikus einer anderen Familie auch nicht, den nahm der Großvater vom Wagen herunter, damit sein Sohn, Katjas Petrowskajas Vater darauf und sie geboren werden konnte, während sich Babuschka von Katja Petrowskaja konsequent, vielleicht Esther genannt, als der Befehl zur Versammlung kam, stur auf den Weg machten, obwohl ihr sogar der Hausmeister, der das alles kontrollierte, davon abriet und den Herrn Offizier auf Jiddisch oder das, was sie für Deutsch hielt, danach fragte, worauf sich der nicht lange aufhielt, sondern die Alte gleich erschoß.

In den Jahren der SU wurde das Massengrab in dem es dreiunddreißigtausend oder sogar viel mehr Leichen gab, vertuscht und die, die sich trotzdem jedes Jahr auf den Weg machten, um die Toten zu besuchen, wurden zum Teil wegen Ruhestörung und Sachbeschädigung wegen des Niederlegens der Blumen verhaftet.

Katja Petrowskaja hatte aber auch einen Großvater, der in Mauthausen war, so machte sie sich mit den Mitteln dieser Stiftung auf den Weg dorthin, traf vorher noch den Schriftsteller O. P. Zier,  fragte in Linz nach dem Bus und war  erstaunt, daß dort auch Leute mit Schwimmflügerln, die auf dem Weg in ein Bad waren und sogar eine Frau mit einer Klobrille saß, denn das Leben geht weiter und Xaver Baxyer hat ja, glaube ich, auch von den Schülern geschrieben, die nach dem Mauthausen-Lehrausgang in der Mc Donald Filiale saßen und das, was sie gerade erlebt haben, durch Witze verarbeiteten.

Ein spannendes Buch, das jeden der nach seinen Wurzeln sucht und sich über die Geschichte informieren will, zu empfehlen ist und wenn ich entscheiden hätte sollen, ob es oder Lukas Bärfuß auf die Liste kommen hätte sollen, hätte ich mich für „Vielleicht Esther“ entschieden, was nur zeigt, das solche Listen, auch wenn sie dem Durchschnittsleser die Buchwahl für Weihnachten erleichtern können, Unsinn sind, denn es gibt natürlich mehr, als zwanzig gute Bücher, wobei ich mich ja überhaupt weigere, die Frage, was ein gutes Buch ist, zu beantworten.

Jedes Buch ist gut, wenn es nicht gerade negative Propaganda macht oder als Witzbuch geschrieben wurde, obwohl mich das Longlistlesen ja sehr interessiert und ich die Bücher auch gerne noch später lese, die nominierten, aber auch die, die nicht auf diese Liste kamen.

2015-07-16

Die schärfsten Gerichte der tatarischen Küche

Filed under: Bücher — jancak @ 00:32
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In Zeiten zwischen Bachmannpreis und Verlautbarung der dBp-Longlist kommt jetzt wieder ein Buch aus dem „Augustin-Flohmarkt“, ein Leseexemplar „Bitte nicht vor dem 19. August 2010 besprechen“, Alina Bronskys „Die schärfsten Gerichten der tatarischen Küche“, die damit damals auf der Longlist gestanden ist und 2007 mit „Scherbenpark“ beim Bachmannpreis gelesen hat.

Dort ist sie, glaube ich, nicht sehr aufgefallen, das Buch hat mich aber sehr beeindruckt, so daß ich es mir zu Weihnachten oder zum Geburtstag wünschte, es dann 2009 besprach und die Besprechung muß irgendwo gelandet sein, denn sie wird immer noch sehr häufig aufgerufen.

Inzwischen hat sich die 1978 in Jekaterinburg geborene Alina Bronsky, der Name ist, glaube ich, ein Pseudonym, dem Jugendbuch zugewandt und ihr  „Spiegelkind“ mit dem sie auch auf der „Buch-Wien“ war und vor Schulklassen auf der FM-4 Bühne gelesen hat, habe ich vorige Woche beim „Morawa-Abverkauf“, um, glaube ich, zwei Euro bekommen.

Jetzt also, die Geschichte von der lebenspraktischen energischen tatarischen Oma Rosalinda, um keine Irrtümer zu erwecken, das ist eine Pädagogin um die Vierzig, die sich immer sehr schön schminkt, die Lippen rot und Make up auflegt und mit ihrem Mann Kalganov, der Tochter Sulfia und der Hebamme oder Spitalsputzfrau Klavida in einer Gemeinschaftswohnung in Moskau wohnt.

Rosa ist Tatarin, das mußte man in der SU aber offensichtlich verbergen, so wurde Sulfia nur Sonja gerufen und die schöne Rosa ist mit ihrer Tochter, die  für dumm und faul empfindet, sowieso sehr unzufrieden.

Die ist Siebzehn und eines Morgen schwanger, denn sie hat in der Nacht von einem Mann geträumt, ja so bekam man in der SU offenbar die Kinder oder erzählte das den Müttern.

Rosa zwingt sie deshalb in die Badewanne, engagiert dann Klavida, aber das Bäuchlein rundet sich, worauf die Hebamme stolz behauptet, es waren eben Zwillinge und das für das sie bezahlt wurde, hat sie auch getroffen.

So kam die kleine  Aminat oder Anja oder Anna auf die Welt und der Kampf zwischen Mutter und Tochter beginnt.

Das heißt zuerst ging Sulfia wieder in die Krankenschwesternschule zurück und die Großmutter riß alles an sich und brachte die Kleine in die Kindergrippe. Später zog Sulfia mit dem Kind ins Schwesternheim, die Großmutter raste, als sie das Kind in der Gehschule allein mit Windpocken vorfand, holte sie  zurück und erzählte allen im Kindergarten, die Mutter wäre geisteskrank.

Dann kam die TBC und Aminat in ein Heim, als sie aber dort Scharlach bekam, durfte die Großmutter sie wieder abholen und eines Tages als sie in den Kindergarten kam, hatte die Mami die Kleine schon geholt, den Sulfia inzwischen Krankenschwester, hatte einen Physiker namens Sergej geheiratet.

Die Großmutter nähert sich der Familie wieder an in dem sie ihnen tatarisches Essen kocht, obwohl sie das eigentlich  nicht kann, weil sie in einem sowetischen Waisenhaus aufgewachsen ist und die Männer, zuerst Kalganow, dann Sergej verlassen ihre Frauen wegen anderen.

Sulfia beginnt zu trinken und legt sich ins Bett, die kleine Aminat, die schon in die Schule geht, verwahrlost und die Großmutter muß wieder einspringen, mit einer Bonboniere zur Lehrerin in die Schule gehen und Aminat die Haare abschneiden, damit sie wieder ein ordentliches Mädchen wird.

Dann beginnt sich Rosa zuerst wieder für Männer zu interessieren, später bekommt sie heraus, daß doch die Enkeltochter das Wichtigste für sie und Sulfia hat am Krankenbett einen Juden kennengelernt, einen Michail Rosenbaum, der sie schwängert, so besucht Rosa seine Eltern und bringt die Rosenbaums dazu, Sulfia zu heiraten.

Die kleine Lena, wird der Liebling von Aminat, die von Rosa mit einer Katze dazu erpresst wurde, ihrer Mutter im Haushalt zuhelfen.

Dann passiert eine Explosion am Hauptbahnhof und die Rosenbaums müssen zu Rosa und der jungen Familie ziehen. Zum Glück entsteht der Plan nach Israel auszuwandern, Rosa hätte nichts dageben, nur Aminat soll mit und beginnt schon Hebräisch zu lernen.

Rosa besorgt sich bei ihrer Nachbarin Schlaftabletten und macht sich schön für den Tod, erwacht aber und sieht Sulfia an ihrem Bett sitzen und den Puls messen, sie und Aminat sind zurückgeblieben, die kleine Lena mit den Rosenbaums davongeflogen und die Ehe wird geschieden.

Jetzt kommt bald die Wende, beziehungsweise eine Hungersnot und Rosa hat große Sorgen für ihr Enkelkind genug Milch oder Vitamine zu besorgen. Da kommt wieder ein Mann an Sulfias Station.

Ein zusammengeschlagener Ausländer, ein Deutscher namens Dieter Rossmann, ein Journalist, der sich für die tatarische Küche interessiert. So beginnt Rosalinda wieder zu zaubern und den Deutschen einzuladen, der sich allerdings weniger für Sulfia, als für Aminat interessiert.

Rosalinda muß wieder ein bißchen arrangieren, bis die gewünschte Einladung für drei Personen nach Deutschland und der Flug über Moskau nach Frankfurt kommt.

Tochter und Enkelin sind noch nie geflogen und in Moskau wird gerade die erste Mc Donald filiale eröffnet, wo alle Schlange stehen, um die in Streifen geschnitten Kartoffeln und die Hamburger in Pappkartons, das tolle Essen aus dem goldenen Westen zu ergattern.

Alina Brosky ist wirklich eine begnadete Schriftstellerin, die das Leben der Russen vor und nach der Wende in satirischer boshafter Schärfe darzustellen versteht und sich über das, was sie möglicherweise selbst erlebte, lustig macht.

Aber in einem Roman, der auf der Longlist steht muß man natürlich gehörig übertreiben und, wie am Buchrücken steht „von der durchtriebensten Großmutter aller Zeiten“ schreiben.

So wird es auf den etwa dreihundertzwanzkig Seiten vollends verwirrend und die Ereignisse überschlagen sich.

Der, was mir nicht so gefällt, Verdacht auf Kindesmißbrauch taucht auf, wird aber nur angerissen, beziehungsweise von den weiteren Ereignisse überschwappt, Sulvia reist zurück, um die Hochzeitspapiere zu holen, kommt aber nie wieder, weil es den kranken Vater zu pflegen gilt.

Die Lehrerin Rosa wird Putzfrau und natürlich, wie kann es anders sein, die beste Putzfrau aller Zeiten, deren Kundinnen sie auf ihre Skiurlaube mitnehmen. Es gibt auch einen Oberarzt, der die Medikamente für die kranke Sulvia besorgt und Rosalinde, die jetzt auch Medizin studieren will, einen Posten als Putzfrau an der Gynäkologie besorgt, dort weiß sie auch alles besser als die Ärzte, wird entlassen und Sulvia stirbt.

Das wirft Rosa, die ja so scheinbar nichts von ihrer Tochter hielt, vollends aus der Bahn. Sie holt die Urne nach Deutschland, beginnt mit der toten Tochter zu reden, hört zu putzen auf und sich um Aminat zu kümmern, die abhaut und verschwindet.

Ein alte Engländer, den Rosa aus der Depression in die er nach dem Tot seiner Frau gefallen ist, holte, kümmert sich nun um sie und im Fernsehen tauchen Bilder einer Aminat auf, die einen Sogcontest nach dem anderen gewinnt. Allerdings ist nicht ganz klar, wie real oder eingebildet diese Erlebnisse sind. Aber diese Aminat berichtet in den Medien von Kindesmißbrauch, Magersucht und einer Großmutter, die sie an einen Deutschen verkaufte, nur um eine Aufenhaltsgenehmigung zu bekommen.

Dieter stirbt und hinterläßt außer Fots von Aminat viele unvollendete Rezepte der tatarischen Küche und am Schluß steht Rosalinde wieder in einer Küche und fängt zu kochen an, denn was soll sie denn sonst tun, wenn „Gott sie schon verläßt“.

Ein sehr verwirrendes Buch mit sehr viel wahren Inhalt natürlich, das eine und das andere wird den russischen Emigranten schon in der Phantasie oder n Wirklichkeit passiert sein.

Ob es wirklich eines der besten in Deutschland erschienenen Bücher des Jahres 2010 ist, bin ich mir nicht sicher. Ich hätte es wahrscheinlich nicht auf die Longlist gesetzt, weil ich nicht so gerne über das Elend oder die Schrullen der anderen lache.

2015-07-05

Neununddreißigstes Bachmannlesen

Filed under: Literaturbetrieb — jancak @ 11:45
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Am Mittwochabend begann in Klagenfurt wieder das Bachmannlesen oder wie es richtiger heißt, die „Tage der deutschsprachigen Literatur“ und ich bei der Eröffnung wieder per live stream dabei, obwohl es diesmal etwas schwierig war, weil erst mit einer Verspätung begonnen. Dann begannen in dem Raum mit dem kargen weißen Bühnenbild, „Es kommen härtere Zeiten!“, sollte etwas später die Frau Direktor mit Ingeborg Bachmann den Sparkurs zitieren, die Cellistin Asia Valcic und der Akkordeonist Klaus Paier zu spielen. Christian Ankowitsch moderierte und versprach sich vermehrmals dabei, interviewte aber wieder die Politiker, es gibt eine neue Bürgermeisterin und die Sponsoren, fragte sie nach ihren Lieblingsbüchern und ließ sich von ihnen bestätigen, daß Literatur und Kultur, auch in Zeiten wie diesen, sehr sehr wichtig sei, so wurde am Buffet eingespart, wie die Frau Direktor betonte, was Wolfgang Tischer vom Literaturcafe, der schon zwei Podcats zeigte,  freuen wird, aber auch an einen Preis, den „Ernst Willner-Preis“, den die Verlage früher stifteten, gibt es nicht mehr und nach den Eröffnungsreden mit den teilweisen neuen Gesichtern, marschierte die Jury ein, die auch drei neue Mitglieder und einen neuen Vorsitzenden hat. Hubert Winkels hielt so zum ersten Mal die Eröffnungsrede und zählte auf, wie oft er schon dabei war, einundzwanzig Mal, glaube ich und er erzählte auch, was sonst immer ich tue, daß sich das Verständnis des Preises im Laufe der Jahre geändert hat. Am Anfang gab es großen Widerstand der österreichischen Autorenschaft vor der öffentlichen Vorführuung, jetzt ist der Preis den Leuten schon zu zahm, aber das könnte sich bei der Frauenpower und den Performancern die heuer antreten, vielleicht ändern und so wurde dann auch ausgelost und die Reihenfolge bestimmt. Erst dann kam Peter Wawerzinek, der Bachmannpreisträger von 2010 mit seiner Eröffnungsrede „Tinte kleckst nun mal“, die es auch als schön gebundenes Heftchen gibt und in der er sich als Wahl-Klagenfurter outete, beziehungsweise seine literarische Selbstdarstellung dort ansiedelte. So hat er zweimal dort gelesen, einmal 1991 das zweite Mal hat er nicht nur den „Bachmannpreis“ sondern auch den Publkumspreis gewonnen, war also Stadtschreiber und Seeschreiber am Wolfgangssee war er auch, also schon ein halber Österreicher, der Rostocker mit dem polnischen Namen, der auf Deutsch Seidelbast bedeutete. Eine sehr lustige Rede, die vom Publikum sehr belacht wurde und eine reine Selbstdarstellung, während sich ja andere in früheren Jahren eine Bibliothek für Klagenfurt wünschten oder über MRR herzogen und am Donnerstag ginges um zehn mit der ersten Lesung der 1971 in Moskau geborenen und seit 1979 in Deutschland leben Katerina Poladjan weiter, die auch eine zweisprache Identität aufzuweisen hat. Der Text war ein Ausschnitt aus dem demnächst erscheinenden dritten Roman „Es ist weit  bis Marseille“, leider hat es eine Weile gedauert, bis der Text im Internet abrufbar war, was die Bachmann Twitterer auch sehr urgierten und die Geschichte von einem Mann, der sich in der Nacht in einem Bett mit einer Frau in einem Hotel befindet, am Morgen ist die Frau und das Auto verschwunden und er beegibt sich auf einen Berg hinauf, obwohl er ja eigentlich nach Marseille will, wurde von der Jury, in der ja heuer Klaus Kastberger, Sandra Kegel und Stefan Gmünder neu sind, kontrovers diskutiert. Dann wurde es spannend, nämlich ein One Woman Kabarett und die 1980 geborene und in Bamberg lebende Nora Gomringer  habe ich ja schon in Wien und in Göttweig gehört „Recherche“ hieß der Text, in der eine Nora Bossong, das ist eine 1982 in Bremen geborene Autorin, ein Haus besucht, um über den Tod eines verunglückten Jungen zu recherchieren und die Bewohner zu befragen. Franz Werfel kommt dabei vor und auch der CoPilot der vor ein paar Monaten sich selbst und noch die anderen sich im Flugzeug befindenen Seelen  in den Tod riß, Klaus Kastberger gab bei der Diskussion eine grandiose Zusammenfassung, daß der Text für den Sieg konstruiert wäre und alle dabei zu Mitspielern machte, Nora Gomringer ist am Schluß sehr bejubelt worden, was ich nicht ganz verstanden habe, was aber daran liegen kann, daß ich inzwischen Buzzaldrin auf ihren Beitrag warum sie „Blogs mag“ kommentierte, denn die Diskussion, daß Blogs schlecht sind, weil sich die Bloggerinnen mit Kaffee und Kuchen und den Büchern präsentieren und wenig kritisieren,  dafür eine Komfortzone schaffe, geht weiter und in Klagenfurt ist es mit Saskia Hennig von Lange weitergegangen, die, wie die Twitterer vermeldeten, es schwer hatte, denn eine ruhige junge Frau mit einem ruhigen Text, in dem ein Mann oder eine Frau, das war nicht so ganz klar, in einem Lastwagen sitzt, die Autobahn hinunterrollt und dabei über das Leben und das Kind, das man bekommen soll und  nicht mag, resumiert. Dann ging es in die Pause, beziehungsweise zu Zitha Bereuther in den Garten und die empfing den Wahlösterreicher Peter Wawerzinek, unterhielt sich mit ihm und zeigte dabei das Musilhaus, das Klagenfurter Literaturmuseum, das sowohl dem Dichter Musil, der dort, glaube ich, geboren wurde, als auch der berühmten Bachmann und Christine Lavant, die diese Woche hundert werden würde, gewidmet ist. Dann ging es zu der derzeitigen Stadtschreiberin Gertraud Klemm, die, wenn ihre Facebookseite nicht trügt, gar nicht in Klagenfurt ist, sondern gestern in Hamburg gelesen hat, weiter und ein Kunstmuseum  und das, das in Griffen dem anderen großen Kärntner Peter Handke gewidmet ist, wurde auch gezeigt. Cornelia Travnicek, die 2012 den Publikumspreis gewonnen hat, 2013 Stadtschreiberin war, deren Roman „Chucks“ verfilmt wurde und deren zweiter Roman „Junge Hunde“, demnächst erscheint, einen Ausschnitt daraus, hat sie 2012 gelesen, war aber in Klagenfurt und wurde zusammen mit Katharina Podjadan am Nachmittag von Zita Bereuther inerviewt, sie twittert auch eifrig und hat die gestrigen Aufstrichbrote beim Sparbuffet bemängelt. Aber erst ging es zu den nächsten Lesung und da war um halb zwei Sven Recker, ein mir bisher unbekannter Deutscher dran, der wahrscheinlich nicht gewinnen wird, aber dessen Text, der sowohl in der Psychiatrie, als auch im Arbeitsamt, bzw. bei den dort angebotetenen Jobkursen spielt, hat mir naturgemäß sehr gut gefallen und auf Valerie Fritsch, die ich ja sozusagen in meiner „Literaturgeflüsterzeit“ neben Anna Weidenholzer und Cornelia Travnicek entdecken konnte, war ich sehr gespannt, weil ich wissen wollte, wie die junge Frau mit der dünnen Stimme und der seltsamen monotonen Sprechweise in ihrer hochliterarischen Art ankommen würde? Nun sie ist angekommen, die Twitterer haben über die Sprechweise gelästert und bemängelt, daß der Text erst abrufbarwar, als sie schon fast fertig gelesen hat. „Hallo Herr Ankowitsch, als wichtigter Mann bei den tddl können Se bestimmt befehlen, daß die Texte pünktlich online gestellt werden“, und der hieß  „Das Bein“ und handelte in der bekannten Fritschen  Art von einem Mann der im Sommer sein Bein verloren hat und sich im Winter darauf erschießt“. „Winters Garten“ könnte man vermuten, wird aber nicht so sein, denn der Roman ist ja schon erschienen. Die Jury war überzeugt und auch die, die, wie Hubert Winkels kritisieren wollten, hatten eigentlich keinen Einwand, obwohl die Twitterer „O weh der Jury gefällt dieser schwülstige Bein ab Text“ mokierten, ein Urteil dem ich mich ein klein bißchen anschließen kann, obwohl ich Valerie Fritsch, wie schon oft geschrieben für sehr begabt halte. Am Freitag ging es dann mit dem 1967 in Klagenfurt geborenen Peter Truschner, dier in Berlin lebt und schon einmal auf der dBp-Longlist stand mit „RLT-Reptil weiter. Ein sehr realistischer Text der von Mülltonnen, Sozialschmarotzern und Handies handelt, obwohl das Vorstellungsvideo viel Körperlichkeit des feschen Mannes im schwarzen T-Shirt aufwies. Um illegalen Spielschulden und Errektionen geht es dabei auch. Schließlich wird noch eingebrochen und eine alte Frau umgebracht. Ein Text der mir wegen seines Realismus gefällt, aber doch auch ein wenig zu männlich und gewalttätig ist und von der Jury auch sehr zerpflückt wurde. Dann folgte Michaela FALKNER deren Buch ich gelesen habe und die ich auch in der BIM, bei der Hörspielnacht und im MUSA hört mit ihrem Manisfest 47 „Krieger sein Bruder“ sein, in dem es in gewohnt FALKNERISCHER Manier das Töten und das Auspucken von Kirschenkerne ging. Der Schweizer Tim Krohn folgte mit einem Auszug aus seinem Roman zum Paradies, in dem um Adam und Eva und ebenfalls um das Töten von Tieren, als Rechtgertigung des Menschentums ging. Nach der Pause in der zuerst über Christine Lavant und dann über den Poetry Slam diskutiert wurde, ging es mit der 1972 in Zürich geborenen Schauspielerin Monique Switters weiter. Dazwischen habe ich noch auf Wolfgang Tischers „Literaturcafe“ für Klaus Kastberger als besten Kritiker abgestimmt und das damit begründet, daß er uns allen auf nonchalanter Weise das Wesen der Literatur erklärt. „Esche“ heißt der Switters Text, in dem es um einen Beziehungsreigen, Gräber und eine demente Frau ging. „Das Knäckebuch kracht, Nathanael lacht!“, ein Textbeispiel aus der Beziehungsgeschichte. Die Jury schien begeistert und  als letzte für den Freitag, die dreiiundzwanzigjährige Ronja von Rönne, die ja mit ihren provokanten Feminismustext, die Gemüter erregte und für sehr viel Aufmerksamkeit sorgte, obwohl kein Videoportrait und nur sehr spärliche literarische Angaben, möglicherweise ein Hildesheimbesuch und der erste Roman soll nächstes Jahr bei „Aufbau“ erscheinen. „Welt am Sonntag“ hieß der Text, der mit den Worten „Ich wache auf und mir ist schlecht“ beginnt, in einem Hotelzimmer spielt und die junge Frau mit den ausdrucksvollen Augen trägt ein blaues Kleid mit einem weißen Kragen und sieht sehr mädchenhaft damit aus. Um einen Wettbewerb, den der gewinnt, der den langweiligsten Traum hat, geht es in dem Text auch. Ein sehr jugendlicher flotter Text, der mir eigentlich recht gut gefällt. „Klara und Wolf, wer hätte das gedacht, daß ihr jetzt bald Kinder macht!“, wird auf einer Hochzeit gedichtet, nachdem das Hotelzimmer verlassen würde und um den Streß der neuen jungen Leistungsgesellschaft, in der man immer unzufrieden sein muß, geht es dabei auch. „Ein Text mit Pose“ kommentiert Meike Feßmann und die Twitterer haben auch schon über die Popliteratur, die sie nicht mehr mögen, geunkt, Ich bin ein bißchen ambivalent und gespannt, was noch alles von der etwas provokanten Frau zu hören sein wird. Dann ging es wieder in den Garten, wo eine polnische Literaturkritikerin die Texte kommentierte und Gertrud Klemm, die aus Hamburg wieder zurück zu sein scheint, erklärte, daß sie mit den guten oder schlechten Jahrgängen Schwierigkeiten hat. Nachdem ich dann statt dem Film vom Bachmannleser Trojanow zuzusehen, auf die Wiedner Hauptstraße gegegangen bin, um an meinem siebenten Bloggeburtstag selbst zu lesen, ging es am Samstagweiter in Klagenfurt, Wolfgang Tischer gab seine Prognosen, bis jetzt gelten ja Valerie Fritsch, Nora Gomringer und Monique Switters als Favoritinnen, von dem letzteren Text bin ich nicht ganz überzeugt, aber es lesen ja noch vier, drei Frauen und ein Mann und der  1980 in Bern geborene Jürg Halter, ist vielleicht auch ein Favorit, zumindest hat mir sein Autorenportrait, wo er Gedichte fängt, sich mit einem selbstgemachten Apple präsentiert und sich hinter einer Laterne versteckt, sehr gut gefallen und auch sein lapidar vorgetragener Text „Erwachen im einundzwanzigsten Jahrhundert“ „Da sitzt ein Mensch um  5 Uhr 20. Früher als er es wollte, ist er erwacht.“ Eugen Roth hat ja auch von „Einem Menschen“ geschrieben, Jürg Halter ist, glaube ich, philosophischer, hintergründiger und twittern tut er, genau wie Ronja von Rönne, Klaus Kastberger, Cornelia Travnicek auch. Leider schloß sich die Jury, offenbar am Anfang noch etwas verschlafen, nicht meiner Meinung an, sprach von Gott und Nietzsche und schien beleidigt, aber ich kann ja bis fünfzehn Uhr selber abstimmen und werde das vielleicht für Jürg Halter tun, bis jetzt hätte ich gedacht, ich mache es für Seven Recker, aber es kommen noch drei Damen und die in Klagenfurt lebende und in Zagreb geborene Anna Bahr, kam als nächste dran. Ihr Text heißt „Die Farbe des Granatapfels“ und so heißt auch der Roman, der demnächst bei „Wallstein“ erscheint. Dann war es elf vorbei und ich bin mit dem Rad durch die Sommerhitze auf den Markt nach St. Pölten gefahren und als ich zurückkam, war gerade noch die Diskussion von Dana Grigorcea zu hören, mit der ich ja schon einmal fast mit dem Schiff von Bratislava nach Wien gefahren wäre und ihr erstes Buch gelesen habe. Ihr Text hieß „das primäre Gefühl der Schuldlosigkeit“ und het in ein Bukarest zurück, wo man mit den Fernsehen, aber auch mit der Securitate ein wenig schummeln muß, dann kommt Michael Jackson als große Hoffnung, läßt sich abseien und ruft euphorisch „Hey Budapest!“ Auf einmal war der Ton weg und so habe ich mich zu Teresa Präauer gezapt, die ja mit ihrem letzten Buch für den Leipziger Buchpreis nominiert war. Ihr Text heißt  „O Schimmi“ und handelt von einem jungen Mann, der sich als Affe verkleidet, um bei seiner „Ninni“, die ihn gar nicht zu mögen scheint, zu landen. Ein Text, der von Teresa Präauer sehr flott gelesen wurde und dann, weil man nur bis drei abstimmen kann, wieder zu Anna Baar und zum Granatapfel zurück. Den „Preis der Automatischen Literaturkritik“, der im vorigen Jahr auf fünftausend Euro hinaufgecrowdfundet wurde, scheint es nicht mehr zu geben, also abstimmen, sich dann in Ruhe die Jurydiskussionen anhören am Sonntag werden  um elf die vier Preise vergeben, wo es jetzt ja neben Fritsch, Switters, Gomringer, wie ich der Bachmannseite entnehme, zwei neue Favoritinnen mit Teresa Präauer und Dana Grigocea geben soll. Klaus Kastberger hat, erfahre ich gerade, auf dem Literaturcafe, das Jurorenranking gewonnen, ich bin ja immer zu schnell und würde mein Urteil jetzt auch revidieren und Juri Steiner, dem dünnen schwarzen Schweizer meine Stimme geben, der mir, ich gestehe es, erst gestern durch das Tischer-Interview so richtig aufgefallen ist und jetzt geht es wieder los in Klagenfurt und die Shortlist wird  bekanntgegeben: Anna Baar,  Valerie Fritsch, Nora Gomringer, Dana Grigorca, Jürg Halter(fein und nicht erwartet( Teresa Präauer und Monique Switter. Der Bachmannpreis fünfundzwanzigtausend Euro vergeben von der Stadt Klagenfurt ging nach einigen Stichwahren an Nora Gomringer, der Kelag Preis wurde dann zwischen Präauer und Fritsch gewonnen und der, wie ich ebenfalls glaube, literarischste Text der Runde „Das Bein“ hat gewonnen. Die Bachmann, das, denke ich auch, wie einer der Juroren sagte, hätte dem zugestimmt, ein bißchen zu viel Pathos ist es für mich allerdings auch. Und beim dritten  dem „3Sat-Preis“ unterlag Teresa Präauer wieder in der Stichwahl und Dana Grigorcea gewann, was wie ich ebenfalls finde ein wenig schade ist und der Publikumspreis mit siebentausend Euro und dem Stadtschreiberposte ging für mich überraschend, ich hätte Gorminger oder von Ronja von Rönne gerechnet, ebenfalls an Valerie Fritsch. Ich gratuliere herzlich und findes es ein wenig schade, daß keine Männer dabei sind. Hubert Winkels hielt das Schlußwort und jetzt gehts ins Sommerschreiben und zum Longlistenlesen.

2015-05-30

Frauenpower beim Bachmannpreis

Am Donnerstag sind die Namen der vierzehn Autoren, zehn Frauen und vier Männer, die heuer bei den „Tagen der deutschsprachigen Literatur“ in Klagenfurt lesen dürfen, bei einer Pressekonferenz bekanntgegeben worden und so ich bin darauf gekommen, daß Valerie Fritsch, Teresa Präauer, Michaela Falkner, Nora Gomringer, Dana Grigorcea, Saskia Hennig von Lange und noch acht andere, die ich nur vom Namen oder gar nicht kannte, nominiert wurden. Zehn Frauen, fünf Österreicher, das klingt schon einmal toll, noch dazu, wo man ja jetzt immer hört, das Kärnten bankrott ist und sparen muß. Deshalb wird es auch einen Preis weniger geben und wie ich auf Wolfgang Tischers Seite erfuhr, der immer gegen die Buffets wettert, wahrscheinlich nur Soletti und billigen Wein, wie im Literaturhaus und es gibt  auch eine Veränderung in der Jury. Burkhard Spinnen hat den Vorsitz im Vorjahr zurückgelegt, den scheint man dann Daniela Strigl angeboten, aber nicht gegeben zu haben, so daß sie auch zurücktrat. Arno Dusini tat das auch, so daß jetzt Sandra Kegel, Stefan Gmünder und Klaus Kastberger neu im Team sind, Hubert Winkels hat den Vorsitz und das merkt man an der Auswahl der Kanditaten. Denn die sind überraschend neu und frisch. Ganz jung vielleicht nur Ronja von Rönne, 1992 geboren und Valerie Fritsch, 1998, die Zeitungen schrieben auch von schon erfahrenen Autoren. Ja, Valerie Fritsch hat ihren neuen Roman bei „Suhrkamp“ und hatte bei der Vorstellung in der „Alten Schmiede“ ein sehr volles Haus und mich würde sie beinahe ein bißchen an die Bachmann erinnern, Nora Gomringer, die ich bei „Literatur und Wein“ hörte, ist, glaube ich, eine bekannte experimentelle Autorin und Lyrikerin, Michaela Falkner mit ihren Manifesten ist sicher auch sehr provokant und spannend, wie sie in Klagenfurt aufgenommen werden wird? Die gebürtige, in der Schweiz lebenden Bulgarin, Dana Grigorcea, deren „Baba Rada“ ich gelesen habe, habe ich auf dem „Literaturschiff“ kennengelernt und sie ist, glaube ich, auch voriges Jahr beim Schweiz-Schwerpunkt in Leipzig, aufgetreten, Teresa Präauer ist sein ihrer Nominierung für den „Leipziger Buchpreis“ bekannt und Saskia Henning von Lange, die ich einmal bei „Rund um die Burg“ hörte, ist auch sehr bekannt. Spannend, spannend, habe ich gedacht, das wird ein interessantes Lesen und ein Match zwischen Gomringer und FALKNER und vielleicht wird Valerie Fritsch genauso verrrissen, wie vor ein paar Jahren das andere Sprachtalent Andea Winkler, vielleicht bekommt sie auch den Preis.

Als ich dan noch auf die Namensliste schaute, fielen mir abgesehen, daß ich den Namen Peter Truschner kannte und den Autor vielleicht schon einmal gehört habe, auch die Namen Monique Switter und Ronja von Rönne auf, sprechende Namen, habe ich gedacht und keine Zeit mich weiter damit zu beschäftigen, gab es ja im „Theaterbrett“ ein „Literaturfestival“ und meine „Bibliophilin“ will ja auch korrigiert werden. Aber ich bin neugierig, die anderen Blogs begannen sich auch schon mit der Bachmannpreisnominierung zu beschäftigen und googlete nach.

Buzzaldrin schrieb, daß Ronja von Rönne durch ihre politische Tätigkeit bekannt wäre, eine sehr junge Frau, 1992 geboren, interessant, schau einmal nach, was sie schon für Veröffentlichungen hat.

Sie scheint noch keine Bücher zu haben, obwohl man seit ein paar Jahren ja eine Verlagsempfehlung braucht, sondern auf „sudelheft de“, der „Welt“ und „der Welt am Sonntag“ zu veröffentlichen. In ihren Blog scheint man nicht mehr hineinzukommen, es gibt aber eine Facebookseite und da war zuerst zu finden, daß sie sich über die Nominierung für die „Hungergames of Klagenfurt“ freuen würde.

Ja, mit dreiundzwanzig Jahren ist man eben cool und aufmüpfig und hat einen frechen Ton. Valerie Fritsch hat bei den „Textvorstellungen“ vor Jahren auch gesagt, daß sie in einem Bordell recherchiert hätte, weil sie alles genau wissen will. Dann geht es aber weiter: „Ich habe ein neues Haustier. Es nervt und will ständig Aufmerksamkeit. Brauche Tipps, wie ich es schnell loswerde. Ebay Kleinanzeigen schon probiert. Will keiner. Es soll sterben.  Ganz schmerzhaft“.

Weiter konnte ich nicht lesen, weiß daher nicht, wie es weitergeht und würde raten, es vielleicht mit einem Tierheim zu probieren. Die Heldin von Olga Grjasnowas ersten Buch, tötet, glaube ich, auch einen Hasen, als Ausdruck ihrer Traumatisierung und in der Literatur ist vielleicht einiges erlaubt, was im wahren Leben verboten ist, wenn man die Hintergründe kennt. Ich googlete also weiter und kam auf einen Artikel in der Welt „Warum mich der Feminismus anekelt“, der mit „Ich bin keine Feminismus, ich bin Egoistin. Ich weiß nicht ob „man“ im Jahr 2015 in Deutschland den Feminismus braucht, ich brauche ihn nicht. Er ekelt mich eher an. Feminismus klingt für mich ähnlich antiquiert wie das Wort Bandsalat.“ Uje, uje uje, vielleicht eine neue Helene Hegemann?

Klagenfurt kann spannend werden! Und da habe ich in den letzten Jahren schön öfter gehört, daß dort zu wenig los ist. Heuer ist vielleicht wieder  etwas los und bringt vielleicht wieder einen neuen Skandal, wie damals Urs Alleman mit „Babyficken“ oder  als Rainer Goetz sich mit einem Messer die Stirn aufschlitze, etc. Vielleicht wollen, die Juroren, die Journalisten, das Publikum, etc das? Ich will, glaube ich, aber keine Egoisten und bin auch bei sehr jungen Frauen, die sich auf diese Art und Weise provozieren wollen oder müssen, ein wenig skeptisch. Natürlich gibt es die Pubertät und natürlich muß man sie ausleben und natürlich ist das Erwachsenwerden, in einer Gesellschaft, wie unserer schwierig und natürlich ist Selbstbewußtsein wichtig. Aber Rücksichtnahme auf andere ist vielleicht auch in Zeiten, wie diesen ein wichtiger Wert, selbst wenn sie auf dem ersten Blick nicht so cool, wie der Satz von der „Egoistin“ scheint.

Ich will keine Demonstration, wie man ein Haustier am schnellsten tötet, das ist auch der Tierschutz sicher dagegen und Debatten, ob sich der Feminsimus, angesicht der deutlich sichtbaren Diskrimierung der Frauen, die täglich nicht nur in Saudi Arabien, sondern wahrscheinlich auch in Deutschland passietiert, überholt hat, sind vielleicht, ob solcher Artikel, immer noch notwendig, aber beim Bachmannpreis sollte es, um Literatur und nicht um Skandale und wer sich das meiste traut, gehen.

Jedenfalls kann ich soviel jugendlicher Rotzheit, so interpretiere ich das einmal, so nicht widerspruchslos stehen lassen. Deshalb jetzt auch ein zusätzlicher Blogartikel, obwohl ich eigentlich mit der „Bibliophilin“, die sicher viel harmloser, als die Debatte ist, wie man seinen Hamster möglichst schmerzhaft umbringt, fertig werden wollte, bevor ich am Spittelberg zu einer Lesung über „Joseph Roth und der Film“ gehen werde. Der Bachmannpreis wird heuer sicher spannend werden, das habe ich schon gedacht, noch bevor ich auf Ronja von Rönnes Facebookseite gekommen bin und die Proteste, die auf ihren Feminismusartikel folgten, gelesen habe.

Jetzt habe ich ein ungutes Gefühl im Bauch und bin natürlich auch auf die anderen Autoren, über Monique Schwitter, von der ich inzwischen gehört habe, daß sie Schauspielerin ist und die, die ich noch gar nicht kenne und daher nicht weiß, ob sich vielleicht nicht noch ein paar Skandalautoren darunter verbergen, gespannt.

Ja und ich bin natürlich immer noch neidig, daß ich nicht beim „Bachmann-Preis“ lesen darf, weil meine harmlosen, viel zu wenig abgehobenen Texte, keine Chance dabei haben, weil sie niemanden interessieren, obwohl ich mich schon lange nicht mehr bewerbe.

Aber ich denke, es werden sich viel mehr als vierzehn Autoren beworben haben und die vierzehn ausgewählten, die genommen worden, sind sicher priveligiert, ich will jetzt nicht spekulieren, ob das deshalb ist, weil sie schöne junge rotzfreche Frauen sind, die dann vielleicht doch, ohne, daß sie es wollen, von den Fortschritten des Feminismus profitieren, denn im neunzehnten Jahrhundert hätte man sie vielleicht weder studieren noch öffentlich lesen lassen.

Valerie Fritsch, Teresa Präauer, Nora Gomringer, Saskia Hennig von Lange, etc, sind aber auf jedenfalls starke Talente. Bei Ronja von Rönne weiß ich es noch nicht, weil die zitierten Sätze ja nicht literarisch sind. Es ist aber ein Privieg in Klagenfurt lesen zu dürfen und vielleicht hat das, die junge Frau, die keinen Feminismus zu brauchen glaubt, doch einigen Bevorzugungen zu verdanken, die die anderen nicht haben und vielleicht sollte man auch daran denken, bevor man sagt, daß einem der Feminismus, als Ausrede für die unterpriveligierten Frauen, die einen  gar nicht intererssieren, vorkommt? Wahrscheinlich interessieren auch nicht, die unterpriveligierten Autoren, die nicht beim „Bachmannpreis“ lesen dürfen, weil sie nicht so spekulär erscheinen, nicht so viel literarische Qualität, Action, oder Aufregung versprechen?

Ich weiß es nicht, habe mich jetzt ein wenig abreagiert, denn das bin ich diesmal wirklich empört und hilflos, mehr als sonst. Bin bezüglich des „Bachmannpreises“ gespannt, werde wieder genau beobachten, was dort passiert und wenn nötig, auch wieder meine Stimme erheben, wenn mir etwas nicht gefällt und über Valerie Fritsch, als Preisträgerin würde ich mich freuen.

Bei Ronja von Rönne weiß ich es nicht, denn ich kenne ihre Texte nicht, glaube aber an den Feminismus und bin auch dagegen andere zu quälen, etcetera.

Ronja von Rönne, scheint, wie ich während des Blogschreibens herausbekam, offenbar inzwischen  eine Morddrohung aus rechtsradikalen Kreisen bekommen haben, bzw. wurde sie für rechtsradikal gehalten und hat deshalb ihren Blog geschloßen und ich bin noch ein bißchen ratloser, wie zuvor, während sich das Literaturcafe in seiner zweiten Bachmann-Analyse sehr ausführlich mit der Statistik der ausgewählten Autorenschaft und der Farbe die die Promotionstaschen diesmal haben werden, beschäftigt.

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