Literaturgefluester

2021-05-23

Eurotrash

Jetzt kommt das vierte Buch der Belletristikliste des „Leipziger Buchpreises“ und ich muß sagen, diese Auswahl ist sehr interessant, äußerst unterschiedlich und zeigt, da würde ich die Frau Mayröcker, die ich nicht gelesen habe, ausnehmen, die Grenzen des Schreibens auf und Christian Krachts „Eurotrash“ kann man irgendwie und irgendwie auch nicht als Pendant zu Helga Schuberts Lebensgeschichtenband vom „Aufstehen“ sehen.

Ähnlich oder nicht, den Erstens ist der 1966 in der Schweiz geborene Christian Kracht sechsundzwanzig Jahre Jünger, als die 1940 in Berlin geborene Helga Schubert und dann gilt der Schweizer Buchpreisträger von 2016, glaube ich, als Skandalautor.

Gelesen habe ich bisher noch nichts von ihm. Habe aber sowohl sein „1979“ als auch „Die Toten“ in den Harlander Regalen stehen und habe die Bücher wohl bei den „Thalia-Abverkäufen“ erworben und wie bei Helga Schubert geht es um etwas Persönliches, um die Reise in sein Leben, heißt der Protagonist doch Christian Kracht und hat auch einen Roman namens „Faserland“geschrieben. Es geht auch um die NS- Vergangenheit seiner Familie. Der Unterschied ist wohl, daß Helga Schubert versuchte ihr Leben ernsthaft und künstlerisch aufzuarbeiten, während der Popliterat wohl wieder versucht seine Leser auf die Schaufel zu nehmen, an der Nase herumzuführen ode reinen Skandal auszulösen.

Muß man das wirklich tun, um aufzufallen oder für einen Buchpreis nominiert zu werden und was wäre, wenn ich das versuchen würde?

Bestseller steht wohl irgendwo über dem Buch und am Buchrückchen hat Peter Handke „Christian Kracht ist ein ganz schlauer Bursch“ schreiben lassen, was mich ein wenig wundert, daß er das so sieht und Daniel Kehlmann hat geschrieben: „ChristianKracht ist ein Meister der wohlgebauten Sätze, hinter deren Eleganz sich das Grauen verbrigt. Seine Romane handeln von Deutschland, von Gespenstern, von Krieg von Wahn und allen erdenklichen Schrecken, aber sie sind auch voll melancholischer Komik, und sie verbergen allesamt ein Geheimnis, dem man nie ganz auf den Grund kommt.“, das würdeich nicht so empfinden. Es wundert mich aber weniger, kommt Daniel Kehlmann in dem Buch doch vor, das heißt, der Held wird ein paarmal mit ihm verwechselt und er widerspricht nicht.

Das habe ich am Mondseeauch einmal erlebt, daß Gerhard Rühm dort von einen Passanten gefragt wurde, wer er sei und der, glaube ich, H.C. Artmann antwortete.

Aber das war ein GAV-Treffen, obwohl literarisch geht es in dem Buch auch hoch her, wohl der Versuch Christian Krachts seine literarische Bildung zu beweisen, trotzdem würde ich das Buch vor dem der Iris Hanika reihen, liest es sich doch leichter, dieses Roadmovie, wo ein Christian Kracht nach Zürich reist, um seine Mutter zu besuchen. Die ist über achtzig, lebt von Wodka und Psychopharmaka, war vor kurzem auch in der Psychiatrie in Winterthur und klagt über ihre Haushälterin, die sie ständig bestehelen würde. Vorher hat er über seine Familie, die autobiografische Züge trägt, resommiert, aber sehr reich und sehr furchtbar war und in NS- Greuel verwickelt und mit Axel Springer und anderen Berühmtheiten verbandelt. Diese Stellen erinnern ein bißchen an Thomas Bernhard und sein Geschimpfe.

Dann wird es aber zum Roadmovie, denn Kracht packt seine Mutter, die zieht sich ein gelbes Chanel oder anderes Kostüm an und macht sich mit ihr aufdie Reise. Vorher halten sie bei einer Bank in der Bahnhofstraße und heben sechshunderttausend Franken ab, packen sie in ein Plastiksackerl und setzen sich mit dem Vorsatz das Geld zu verschenken in ein Taxis. Die Mutter glaubt, er würde sie in ein Hotel bringen. Er hat aber vorher einen Öko-Pullover gekauft und dabei einen Prospekt zugesteckt bekommen, der auf eine Kommune hinweist. Sie fahren mit dem Taxi dorthin und geben dem Fahrer zweitausend Franken. In der Nacht werden sie, weil sie mitdem Geld geprahlt haben, fast überfallen. Sie hauen am nächsten Morgen ab.

Vorher kommt eine eigentlich spannende Szene. Weil die Mutter hat noch einen künstlichen Darmausgang und kann sich ihre Stomabeutel nicht selber wechseln, so daß der Sohn, dem dabei graust, helfen muß. Am nächsten Tag kommen sie zu einem kleinen Flughafen und wollen nach Basel fliegen, da werden sie auch fast um ihr Geld betrogen. Zum Glück taucht aber der Taxifahrer wieder auf und rettet sie. Dann will die Mutter auf einen Gletscher um dort die Edelweiße zu sehen. Sie treffen auf der Hütte aber nur auf drei alte Inderinnen, denen sie auch ihr Geld schenken wollen, das dann durch den Wind verweht wird. Sie bleiben noch in der Gondel stecken, dann will die Mutter nach Afrika, um dort ihr Geld zu verschenken. Der Sohn bringt sie aber in die Psychiatrie nach Winterthur und verabschiedet sich von ihr.

Tut mir leid so toll kann ich diesen „Trash“ nicht finden. Auch wenn es zugegeben, leicht und spannend geschriebend ist und noch eine Stelle hat, die ich zitieren will:

„Aber du solltest dir mal ein Beispiel nehmen an, an wie heißt der an, Knausgard oder an Houllebecq oder an Ransmayr oder Kehlmann oder an Sebald„, sagt die Mutter zum Sohn während sie zu den Edelweißfeldern fahren.

Die Frage warum das Buch „Euro- und nicht Frankentrash“ heißt, da es doch um diese geht, die ein „Amazon-Rezensent“ stellt, kann ich mir auch nicht beantworten.

2021-05-21

Vom Aufstehen

Buch drei der Belletristikliste der für den „Preis der Leipziger Buchmesse“ nominierten Bücher, „Ein Leben in Geschichten“, der 1940 in Berlin geborenen Helga Schubert, Psychologin und Schriftstellerin,von der ich noch enen anderen Geschichenband „Blickwinkel“ aus der „Edition neue Texte“, erschienen 1985 im „Aufbau-Verlag“ in meinen Regalen stehen habe, denn ich habe mich jadamals oder eigentlich überhaupt sehr die die DDR-Literatur interessiert und mir die schönen alten „Aufbau-Bücher“ in den Buchhandlungen, die, diese hatten oder beim Volksstimmefest, in Budapest, etcetera, regelmäßig gekauft.

Helga Schubert war in den späten Achtzigerjahren einige Zeit in der Jury des Bachmannpreises. Hätte dort auch lesen sollen, aber von derDDR keine Ausreisegenehmigung bekommen, was mich etwas wundert, lasen dort doch regelmäßig DDR-Autoren und haben auch gewonnen. 1989, glaube ich, auch Kerstin Hensel, mit der ich durch Christine Haidegger vermittelt, im Briefwechsel stand. Im letzten Jahr wurde Helga Schubert aus dem Dörfchen in dem sie mit ihren Mann wohnt, zugeschaltet und hat, glaube ich, mit der Titelgeschiche des jetzt erschienenen Bandes gewonnen und jetzt gibt es das „80 Jahre Leben in 29 Erzählungen“ zu lesen und das finde ich interessant, hat die alte Dame doch wirklich fast ein Jahrhundert Geschichte erlebt und ich bin, was den „Preis der Leipziger Messe“, betrifft, gespannt. Habe da ja meine Favoritin, deren Buch ich wahrscheinlich nicht lesen werde, aber sonst wäre ich sehr dafür.

Es beginnt in der Hängematte oder mit dem „Idealen Ort“, denn die kleine Helga, die 1947 eingeschult wurde, rief am letzten Schultag, die Mutter an, erzählte ihr von ihrem Zeugnis, ließ sich mahnen, wenn nicht alles „sehr gut“ war. Dann stieg sie in den Zug, um die Ferien bei der Großmutter zu verbringen, die die Enkeltochter im Dorf als die Tochter ihres gefallenen Sohnes vorstellte und der ist 1941 in Russland gefallen. „Die gnädige Frau!“, die Mutter wurde in einem Brief vom Kompaniechef davon unterricht, was die alt gewordene Helga Schubert, an das Brecht Gedicht „Und was bekam des Soldaten Weib aus dem weiten Russenland?“, erinnerte.

Vorher gibt es noch die „Vierte Strophe“ des Schlafliedchen, das die Mutter der kleinen Helga vorsang:

„Müde bin ich, geh zur Ruh, schließe meine Äuglein zu, Vater, lass die Augen Dein über meinem Bettchen sein“, die also lautet:“Kranken Herzen sende Ruh, müde Augen schließ zu, Gott im Himme halte Wacht, gib uns eine gute Nacht“, die die kleine Helga nie sag.

Die DDR wurde bald gegründet und als der Sohn der geschiedenen Helga Schubert, 1977 eine Lehrstelle suchte und Förster werden wollte, wurde sie vom Direktor des Institus für das er sich bewarb, gleich „Haben Sie verwandte ersten Grades im Westen?“,gefragt, denn dann hatte der Bewerbling keine Chance und die Sekretärin brauchte gar nicht erst einen Kaffee für die Mutter kochen.

Dann kam der 9. November 1989, mein Geburtstag, füge ich an, die Wende und der Fall der Mauer, die alles wendete und man in den Westen durfte. Die vorher verpassten Gelegenheiten werden aufgezählt und die Schriftstellerin wurde von einem deutschen Literaturprofessor vor kurzem gefragt, ob sie sich als DDR-Schriftstellerin verstanden hätte? Wenn ja, warum, wenn nein ,warum nicht?

Da gibt es die verschiedensten Antworten und die Märchen werden erwähnt. Da gibt es ja das von des „Kaisers neuen Kleider“, an das ich in der letzten Zeit auch öfter denken mußte und mich fragte, warum da nicht mehr Leute „Er ist doch nackt!“, schrieen und dann wird die Frage beantwortet, warum Helga Schubert ihren Osterrbaum immer erst sehr spät schmückt? Die Ostereier erst immer kurz vor der Auferstehung darauf hängt denn in der Nachkriegszeit hat die Religionlehrerin den Kindern, die Geschichte noch viel schreckhafter erzählt, als man das heute tun würde.

Dann kommt noch ein Verlagslektor in den kleinen Ort in dem Helga Schubert mit ihrem Mann lebt. Sie führt ihn herum und erzähllt ihm, was da alles einmal geschehen ist. Zum Beispiel gab es RAF-Terroristen, die dort im Mitropa-Restaurant ihre Bockwürste aßen und Helga Schubert erklärt dabei, wie das Geschichten schreiben, offenbar ihre Spezialität, geht und so springt Helga Schubert in ihren Geschichten durch ihr Leben. Springt nach vor und auch zurück. So erzählt sie, wie sie für einen Kollegen „Uwe Johnson“ in den Osten schmuggelte. Dann geht es in die Gegenwart und zu den Pflegeschwestern, die täglich kommen, um ihren Mann zu betreuen und wieder zurück zu den „Wahlverwandtschaften“ oder zu der wahrscheinlich schwierigen Beziehung zu ihrer hundertein Jahre alt gewordenen Mutter. Die hatte eine große Liebe zu ihrer Urenkelin Milli, einen Altersdiabetes,der nicht von den Süßigkeiten abhielt und eine Flucht vorden Russen mit der kleinen Helga gab es auch, die das ihrer Tochter immer wieder vorhielt, so daß diese relativ lange Geschichte recht distanziert klingt „Die Vater meiner Mutter“oder „Die Schwiegermutter meiner Mutter“ heißt es da sehr oft und ist wohl literarisch bewußt gewählt, aber nicht immer ganz einfach zu lesen und dann geht es an die Ostsee, wo die Schiffe nach Schweden und Dänemark fuhren und sich 1961 die junge Helga Schubert ausrechnete, daß sie in vierzig Jahren nach ihrer Pensionierung dorthin reisen können würde, dann sind es aber durch die Wende nur achtundzwanzig Jahre gewesen.

Dann gehts schon zum „Alt sein“.

„Ncht alt werden, nicht alt geworden sein, sondern, alt sein. Nicht Angst vor dem Alter, nicht Angst vor Siechtum und Tod, sondern: alt sein.“

Wie wahr. Die Pflegeschwester wird beim Hinausgehen nach ihren Dämmerungserfahrungen gefragt und sie erzählt von ihren Nahtoderlebnissen.

Zu Ostern geht es manchmal zu Fastenseminaren. „Von allem genug“, pregdigt dort die Fastenleiterin und im Sommer geht sie zu der jungen Kurpastorin, der sie beichtet, daß sie das vierte Gebotnicht halten kann.

„Ich kann sie nicht lieben, so wie sie mich nicht lieben kann. Du sollst deinen Vater und deine Mutter lieben, auf dass es dir wohl gehe…“

„Irrtum, sagt die Pastorin. Von Liebe ist in dem Gebot nicht die Rede. Sie brauchen sie nurzu ehren.“

Dann geht es über den „Ersten Tag im Jahr“, zur Titelgeschichte, die eigentlich und genau genommen eine Zusammenfassung des vorher geschrieben ist. Sie liegt im Bett und denkt über ihr Leben nach. Da kommt die Pastorin und das vierte Gebot vor und noch einmal die Mutter, die die Urenkelin mehr liebte als die Tochter und noch in ihrer Todesstunde sagte, daß sie sie dreimal töten hätte können.

Interessant, interessant der Gang durch das Leben von Helga Schubert. Schade, daß ihre Psychotherapeutenerfahrung weitgehend fehlt. Der Krieg und die DDR ist für die Verlage natürlich wichtiger und spannend wieder, wer wird gewinnen oder ist die FM eine Konkurrenz?

Für den Peter Henisch beim österreichischen Buchpreis war sie es. In Leiphzig ist das wohl anders, obwohl Helga Schubert sie auch erwähnte und davon geschrieben hat, daß sie einmal in ihrem Wohnzimmer saß und ihr gestand, daß sie“ keinen Tag hier leben“ könne.

2021-05-16

Daheim

Buch zwei der Belletristikliste der für den „Preis der Leipziger Buchmesse“ nominierten Bücher. Iris Hanikas „Echos Kammern“ habe ich ja schon gelesen und war etwas verwirrt von dem verwirrenden Inhalt oder der verwirrenden Schreibweise und von der 1970 geborenen Judith Hermann, die durch ihre Erzählungen bekannt geworden ist und auch den „Erich Fried-Preis“ bekommen hat und ich muß schreiben, das Buch hat mir gut gefallen undwürde es, als einen eher leisen, verständlich geschriebenen Roman, der von den Katastrophen und Problemen, der heutigen Welt erzählt beschreiben. Das ist nicht ganz richtig, so einfach strukturiert ist er gar nicht, da ist, glaube ich, schon System dahinter und eine Metaphernvielfalt gibt es auch.

Die Ich-Erzählerin, sie hat, glaube ich, keinen Namen, springt gleich ein in das Sujet und erzählt von der zeit vor dreißig Jahren, als sie eine junge Frau war, richtig Mietz Medusa, die Romanfiguren wachsen mit ihren Heldinnen und diese Protagonistin ist, glaube ich, siebenundfünzig und vor dreißig Jahren hat sie in einer Einraumwohnung über einer Tankstelle gewohnt und in einer Zgarettenfabrik gearbeitet. Sie hat sich geweigert „Mahlzeit!“, im Betrieb zu sagen, wurde daher abgemahnt und galt als rebellische Person. Eines Tages oder Abends ging sie in die Tankstelle, um etwas einzukaufen und wurde da von einem alten Mann angesprochen, der ihr anbot seine AAssistentin zu werden. Er war Zauberer und wollte sie in eine Kiste legen und dort zersägen. Es gab einen Probelauf im Beisein seiner Frau dann lud er sie ein mit ihm auf eine Tournee auf ein Kreuzschiff nach Singapur zu fahren.

Das war vor dreißig Jahren. Sie ist nicht gefahren, sondern hat einen Otis geheiratet und eine Tochter namens Ann bekommen. Jetzt hat sie beide verlassen und ist in ein Haus am Meer gezogen und arbeitet bei ihrem Bruder, der dort eine Kneipe hat, als Kellnerin. Dem Otis schreibt sie kurze Nachrichten, mit Ann die durch die Welt reist, hat sie Skypekontakt und weil sie einmal nachts, die Türe, die sie versperrt hat, offen fand, kauft sie Pfeffersprax und legt ihn unters Bett.

Die Nachbarin Mimi, eine Bildhauerin, die nackt auf der Wiese tanzt, beruhigt sie, das ist nur der Wind. Es gibt aber auch ein Tier imHaus, einen Marder wahrscheinlich, Mimis Bruder ein Schweinebauer, baut für sie eine Falle auf, aber darin fängt sich nur eine Katze und ein Vogel und die Falle erinnert sie an die Kste, in die sie damals gestiegen ist.

Eine andere Kiste gibt es auch noch, in die wurde Nike, die zwanzigjährige Freundin des sechzigjährigen Bruders, ihren Beschreibungen nach, in ihrer Kindheit von ihrer Mutter oft gefangengehalten und Sascha und die Erzählerin mußten auch oft auf den Stufen des Wohnhauses auf die Mutter warten, wenn die sich ihre Freiheit nahm und daher nicht daheim war, wenn sie aus der Schule kamen.

Mimi erzählt ihr einer Sage von einer Nixe, die von Fischern aus dem Meer gezogen und dann gequält und gefoltert wurde, so daß, die den Sturm dann in die Gegend schickte. Jetzt gibt es aber keinen Regen mehr, die Fische kann man sich auch nicht mehr besorgen und die Erzählerin knüpft eine vorsichtige Beziehung zu Mimis Bruder an. Mit seinem Vater Onno freundet sie sich auch an und Nike wird eines Tages überfahren auf der Straße gefunden.

Da ist der Sommer schon fast vorbei, die Erzählerin hat sich eingelebt,also angekommen und läßt jetzt freiwillig ihre Haustür offen und ich denke mir, so geht es auch, so kann man auch heute noch einen Roman schreiben, der fesselt und auch die gewünschten Geheimnisse hat und dabei hatte ich doch das Vorurteil Judith Hermann könne keine Romne schreiben. Da habe ich mich, glaube ich, getäuscht.

2021-04-13

Die neuen Leipziger Buchpreisbücher

Die Leipziger-Buchmesse, die im März wie immer stattfinden hätte sollen, wurde schon vor langen aufden Mai verschoben,dann hieß es pandemiebedingt wird sie im Mai stattfinden und dann, daß sie wieder nur, wenn überhaupt Online stattfinden wird. Was heißt das dann fürden“Preis der Leipziger Buchmesse“,den ich im Vorjahr zum ersten Mal zum Lesen angefangen habe, nachdem ich das schon seit 2015 mit dem deutschen Buchpreis, 2016 mit dem österreichischen und seit 2019 mit dem Schweizer-Buchpreis tat?

Wird im Rahmen des Leipzig-liest-Extra stattfinden, dreihundertneunundachtzig Bücher wurden vorgeschlagen und die Liste der nominierten dreimal fünf Bücher, Belletristik, Sachbuch und Übersetzungen wird am 13. April bekannt gegeben.

Voila da ist die Liste, zeitgleich zum Rücktritt unseres Gesundheitsministers, habe ich sie erfahren. Wui heute ist allerhand los und die Liste bietet wieder Überraschungen, denn als ich so nachgedacht habe, was denn darauf kommen könnte, ist mir eigentlich nur Raphaela Edelbauers „DAVE“ um patriotisch zu bleiben, Martin Mosebachs „Krass“, was ich angefragt habe und dann noch Benedikt Wells „Hard Land“ eingefallen, aber Corona oder Veranstaltungsstop bedingt, bin ich da vielleicht auch nicht auf dem Laufenden, obwohl ich das Wochenende ja in Rauris verbracht habe und da den Katalog auch schon zugeschickt bekommen habe.

Also auf der Belletritikliste stehen:

1. Iris Hanika „Echo Kammern“, daswurde ja aufder letzte Leseauslese vorgestellt und als mir dann der Alfred einen Thalia-Gutschein in die Hand drückte, den die Schwiegermutter nichtmehr einlösen kann, habe ich an das Buch gedacht, als ich vor Weihnachten auf den Markt gefahren bin und es dann vergessen der Doris Kloimstein die für mich in den Thalia gegangen ist, anzusagen. Henrike Blum vom Literaturbüro hat es mir aber schon als PDF geschickt, so daß ich es gleich zum Lesen anfangen kann, wenn ich mit den Rezensionsexemplaren, die noch vorher auf der Liste stehen, fertig bin.

2.Judith Hermanns „Daheim“, da hat sich die Legasthenikerin in mir gleich einmal verlesen und an Juli Zeh gedacht, denn die hat ja einen Corona-Roman glaube ich geschrieben, den mir die Doris <kloimstein schon empfohlen hat und ich dachte „Fein!“, bis ich daraufgekommen bin, das ist ja eine andere. Aber von JudithHermann habe ich schon etwas gelesen und einiges gefunden, bin also gespannt, ob das buch zu mir kommen. Denn ich habe ich schon angefragt.

3. Christian Kracht „Eurtrash“ von dem habe ich noch nichts gelesen, von dem Autor schon viel, von dem Buch noch nichts gehört, das Cover ist aber häufig im Netz zu finden, ich bin also gespannt.

4.Friederike Mayröcker „da ich morgens und moosgrün Ans Fenster trete“. Da würde ich ja sagen, hoffentlich die Gewinnerin, obwohl ich nicht so ein unbedingter FM Fan bin, aber schon bei Lesungen war, im Schrank außer“Larifari „noch nichts von ihrgefunden habe, die Fan geben offenbar nichts her und die anderen lesen sie vielleicht nicht, „Und ich schüttelte einen Liebling“ habe ich gelesen und bin jetzt neugierig, ob „Suhrkamp“, mir das Print oder das PDF schickt, denn gespannt bin ich schon darauf und ebenso auf

5. Helga Schuberts „Vom Aufstehen: Ein Leben in Geschichten“, denn das ist ja wahrschein der Text aus dem sie beim „Bachmannpreis“ gelesen undgewonnen hat.

So das wars in der Belletristik, die Sachbuchschiene lasse ich wohl komplett aus, da gibt es aber was übern Krieg, über Foucaults, die Freiheitsgrade, die Bauern und die Affen und beim Thema Übersetzung geht es zu Ann Cotten, die aus dem Englisch „Pippins Tochter Tacschentuch“ von Rosmarie Waldrop übersetzte. Klingt spannend und ist ebenfalls bei „Suhrkamp“ erschienen und Ann Cotten habe ich ja vor kurzem in der „Alten Schmiede“ gehört.

Angefragt habe ich dann noch Hinrich Schmidt-Henkels übersetzung von Tarjei Vesaas „Die Vögel“ und Times Tankos Übersetzung von „Apropop Casanova- Das Brevier des heiligen Orpeus“ von M klos Szenkuthy, klingt ein wenig schwierg, wie es wahrscheinlich auch das dicke

John DosPassos Buch „USA-Trilogie“ ist. Das hat tausendfünfhundert Seiten und liegt momentan neben mir, beziehungsweise seit November im Badezimmer habe ich es mir ja zum Geburtstag gewünscht, also kann ich hier ein wenig Backlist lesen und

„Den großen Absturz. Stories aus Kitchike von Louis-Karl Picard-Sioui habe ich noch nicht angefragt, könnte es aber, wie das eine oder andere Sachbuch noch tun.

Die Preisverleihung findet jedenfalls am achtundzwanzigsten Mai um sechzehn Uhr in der Kongreßhalle am Zoo in Leipzig statt. Dazu wird es einen Stream geben. Ich bin sehr gespannt und habe bis dahin auch schon da eine oder das andere gelesen. Denn lesen kann man, wie ich immer schreibe und in pandemischen Zeiten sogar besonders gut, noch dazu da in Wien und in NÖ der Lockdown ja bis Anfang Mai verlängert wurde.

In der Jury, füge ich noch an, sind Jens Bisky, Anne-Dore Krohn, Tobias Lehmkuhl, Andreas Platthaus, Marc Reichwein, Katrin Schumacher und Katharina Teutsch gesessen.

2020-04-12

Allegro Pastell

Jetzt kommt das dritte Buch der Belletristik-Schiene des „Leipziger-Buchpreises“, „Allegro Pastell“, des 1983 in Frankfurt am Main geborenen Leif Randt, den ich durch seine „Bachmannpreis-Lesung“ kennenlernte und dessen „Leuchtspielhaus“ ich mir einmal aus einer Abverkaufsliste einer Traffik gezogen haben.

Ein Buch, das das Lebensgefühl der Dreißigjährigen spiegeln soll. Ein schrilles schräges Buch in dem seitenweise  Ausdrücke verwendet werden, die ich nicht verstehe, weil ich dafür wahrscheinlich dreißig Jahre zu alt bin, um das Lebensgefühl zu verstehen, wie die Bücher von Katrin Weissling etwa, vielleicht noch zugespitzer oder sachlicher erzählt bzw. beschrieben. Der Erzählton erinnert manchmal an die Streeruwitz und die ist, kleiner Trost für mich, ja, glaube ich, drei Jahre älter als ich.

Es geht um Tanja und Jerome. Sie ist eine Kultautorin und hat gerade ihren dreißigsten Geburtstag gefeiert, das Buch spielt in mehreren Phasen von Frühling 2018 bis Sommer 2019. Er ist, glaube ich, Webdesigner und lebt  in Frankfurt, sie in Berlin. Sie führen also eine Fernbeziehung, besuchen sich also zu gewissen Zeiten, an gewissen Orten, trinken  Kaffee und feiern Partys, beziehungsweise, den Silvester in einer dafür gemieteten Hochhauswohnung, die für die Feier dreihundert Euro kostet und nachher aufgeräumt werden muß.

Sie haben nebenbei noch andere Beziehungen, so schreiben sie einander  Mails, skypen, chatten und interessant ist, daß Jerome, als sich Tanja zögernd „entschließt ihm zu fragen, ob er Lust hätte mit ihr im <oktober eine Woche auf die kanarischen Insel zu fliegen“, antwortet, daß er das  nicht könne, da er zu dieser Zeit Vater würde, es also ungünstig ist.

Vorher oder nachher wird noch, die Entscheidungsfindung beschrieben, die man offenbar derzeit macht, wenn ein Baby geplant ist oder sich schon angekündigt hat. Ist das nun gut oder schlecht für die C02 Belastung? Was kann man ihm bieten? Wie wird es das Leben einschränken?  und so weiter und so fort.

Tanja hat auch eine depressive Schwester, die sich öfter in psychiatrischer Behandlung befindet, Tanja muß sich dann um den Hund kümmern, den sie eigentlich betreut.

Es ist also ganz schön kompliziert das Leben der überforderten Dreißigjährigen, die einerseits im Luxus leben, koksen, feiern, trinken, asiatisch essen, wie es ihnen gefällt, aber auch ihre Instragram und andere Homestorys auf ihre Seiten stellen.

Ronja von Rönne und Helene Hegemann haben auch darüber geschrieben und die leben, glaube ich, auch in Berlin, in dieser Kultstadt, die, wie ich in den rechten Videos höre, sich derzeit in Verfall befindet und gar nicht mehr so lebenswert ist.

Um der Schwester Sarah, die weinachtliche Heimreise nach Kiel zu den Eltern zu ersparen, veranstaltet Tanja, die Weihnachtsfeier in ihrer Zweizimmerwohnung, dafür bestellt sei bei „Amazon“ gebrauchten Weihnachtsschmuck und ich, glaube, asiatisches Essen. Der Vater, ein Arzt, hat zu süßliches Parfum, sie begrüßt aber ihre Mutter mit „Merry Christmas, Miss Douglas!“

Der Vater verläßt später auch die Mutter Ulla, eine Psychotherapeutin, um zu seiner Freundin nach Bremen zu ziehen und teilt das seiner Tochter mit und vorher kommt  noch eine interessante Stelle, nämlich eine Lesung im Literaturhaus Wien.

Das muß ich, die ich ja auch öfter darüber schreibe, natürlich besonders erwähnen und das Kapitel beginnt, daß sich Tanja während des Anfluges nach Wien „Entschieden hat sich nicht für dieses Stadt zu begeistern.“

Das sagt schon viel aus über das lebensgefühl und des Stil des buches. Weil der Flieger Verspätung hat, zahlt ihr das Literaturhaus das Taxi. Das wird  real schon so sein. Spannend ist dann, daß die Lesung im „gelben Scheinwerferlicht vor einem Bücherregal“, stattfand, wo ich mich dann fragte, ob Leif Randt schon jemals im Wiener Literaturhaus war, bevor ich seinen Namen nachgooglete und so erfuhr, daß er, 2016 dort in der Bibliothek den „Fried-Preis“ bekommen hat.

Daß die Hälfte des Publkums aus Studierenden „aus mutmaßlichgeisteswissenschaftlicher Fakultäten“, die andere Hälfte aus „Seniorinnen und Senioren aus mutmaßlich gehobenen Einkommenschichten“, bestehen, wird manchmal zutreffen, manchmal auch nicht und ich fragte mich, wie genau man ein Literturhaus kennen muß, um darüber zu schreiben?

Da kann ich mich  selber an der Nase nehmen, denn ich schreibe ja auch öfter über Orte, an denen ich nie persönlich war und es geht dann auch weiter nach der Lesung, wo die  Veranstalter mit den Autoren nachher essen gehen. Das tun sie im Literaturhaus machmal, das weiß ich. Der Leiter heißt aber Robert Huez und die Programmverantwortliche Barbara Zwiefelhofer und nicht  Beatrix.

Spätestens da habe ich aufgegeben ihn bei nächster Gelegenheit, wenn ich das Literaturhaus wieder besuchen kann, was wohl nicht vor dem Sommer passieren wird, darauf aufmerksam zu machen.

Vielleicht hat Leif Randt das auch  absichtlich so entfremdet, weil man das so macht oder vielleicht auch das Lebensgeühl beschreibt und man kann nicht nur in Zeiten, wie diesen, wo das hier Beschriebene momentan ja gar nicht möglich ist und sich der CO2-Haushalt durch die Krise vielleicht gerade erholt über das Buch nachdenken und ich weiß auch gar nicht, was ich darüber denken soll, außer, daß ich es interessant gefunden habe, aber, um es wirklich zu verstehen, wohl dreißig Jahre zu alt bin, was Leif Randt wahrscheinlich anmerken würde, aber man soll sich ja für alles interessieren und Tanja, füge ich hinzu, schreibt ja auch an einen Text über eine adelige Pflegerin eines Seniorenheims, weil ihre Großmutter dort verstorben ist.

„Leif Randt erzählt vom Gück. Von Tanja und Jermome, von einer Fernbeziehung zwischen Berlin und Maintal, von Badminton, idealen Zuständen und den Hochzeiten der anderen. Eine Lovestory aus den späten Zehnerjahren“, steht am Buchrücken, der, das sa auch interessant aus einem beigen Leinenband mit einem Rhombus artigen Sechseck besteht, also eigentlich nicht dem Zeitgeist entspricht.

2020-02-19

Preis der Leipziger Buchmesse

Den „Preis der Leipziger Buchmesse“, der in Leipzig immer am Donnerstag, ich glaube, um vier, direkt in der Glashalle verliehen wird, gibt es seit 2005, also genauso lang wie den „Deutschen Buchpreis“, der Unterschied dazu ist wahrscheinlich, Erstens die Verleihung direkt auf der Messe und dann, daß dieser Preis in drei Kategorien: „Belletristik“,“ Sachbuch und Essayistik“ und „Übersetzung“ verliehen wird und pro Kategoerie jeweils fünf Bücher nominiert sind.

Ansonsten ist das Procedere, glaube ich, gleich und ich bin 2010  in Leipzig auf den Preis gestroßen und einmal in dem Jahr als auch die Bloggerlounge eingeführt wurde und man auf Wolfgang Tischers Seite die Aufforderung sich als Blogger zu akkreditieren lesen konnte, hat es auch die Aktion der Buchpaten gegeben, die im letzten Jahr vom „Deutschen Buchpreis“ aufgegriffen wurde und vielleicht die „Buchpreisblogger“ ersetzen.

Da konnte man sich jedenfalls als“ Bloggerpate“ bewerben, ich habe es getan, wurde aber nicht ausgewählt. Im nächsten Jahr hat es diese Aktion  nicht mehr gegeben und ich habe mich, muß ich gestehen, eigentlich auch nie so besonders für die Bücher interessiert, obwohl ich den Preisverleihungen, wenn ich in Leipzig war, immer regelmäßig live und sonst per livestream folgte,  schon einiges gelesen und einige Bücher ungelesen zu Hause habe und andere, was wohl auch daran liegen mag, daß ich mich nur für bestimmte Sachbücher interessiere und über die eher nicht blogge.

Dann kam aber 2015 und seit dem blogge oder lese ich ja den deutschen Buchpreis, 2016 gab es dann das österreichische Pendant, für den „Schweizer Buchpreis“ habe ich mich erst im letzten Jahr besonders interessiert, da heißt die Bücher angefragt und gelesen, weil wir ja nach Basel gefahren sind, in der “ Bloggerdebutpreisjury“ bin ich auch schon seit 2016 und habe in den letzten Jahren auch immer regelmäßig relativ viele Debuts gelesen.

Aber der „Leipziger Buchpreis“, ein Stiefkind, warum eigentlich, wenn ich doch regelmäßig, im Gegensatz zu Frankfurt, wo ich das nur 2000 und 2002 tat, nach Leipzig fahre.

Warum wohl? Ich weiß es nicht und habe meistens nach der Nominierung mit den Titel nicht sehr viel angfangen können, auch nicht sehr viel davon gelesen, aber heuer extra die Seite aufgeschlagen, als ich erfahren habe, am 11. 2. werden die Nominierungen bekanntgegeben und dann habe ich mich hingesetzt und in einigen schlaflosen Stunden zuerst die fünf Belletristik- Bücher angefragt, die aus

1. Verena Günther „Power“

2.Maren Kames „luna luna“

3Leif Randt „Allegro Pastell“

4.Ingo Schulze „Die rechtschaffenen Möder“ und

5.Lutz Seiler „Stern 111“,  also drei bekannte und zwei mir eher unbekannte Namen bestehen.

Drei Zusagen habe ich schon bekommen und Maren Kames sehr poetisches Buch, das wohl auch einen „Schönsten Bücher-Preis“ bekommen könnte, liegt schon auf meinen Badezimmerstapel.

Dann habe ich das Anfragen vorerst gelassen, weil ich mir ja eigentlich vorgenommen habe, diesmal nicht so viele Bücher anzufragen, sondern lieber Backlistzu lesen, weil es ab August ja wahrscheinlich ohnehin wieder hitzig werden wird.

Mich nachdem ich mich zu diesem Artikel entschloßen habe, aber  nicht daran gehalten, sondern auch die fünf Übersetzungen angefragt, die das sind:

1.Fran Ross „Oreo“

2.Clarisse Lispector „Tagtraum und Trunkenheit einer jungen Frau“

3.Angel Igov „Die Sanftmütigen“

4.George Eliot „Middlemarch“ und

5.Charles Baudelaire „Der Spleen von Paris“

Die Sachbücher habe ich noch immer ausgelassen, obwohl mich das bei Zsolnay erschienene „Ivo Andic-Buch interessieren würde, aber da ich nicht so gerne E-Books lese und außerdem auch meine Backlist schaffen will….

Mal sehen, was zu mir kommt, den dBp und den Öst lese ich jetzt ja immer fast vollständig und ich werde mit den Lesen auch sofort anfangen und Mal sehen, wie weit ich damit bin, wenn wir dann am 11. 3. nach Leipzig fahren.

Akkreditiert habe ich mich, der Alfred hat auch schon seine Karte, einen Verlagstermin und ein Bloggertreffen ist auch schon ausgemacht. Es kann also nur spannend werden und eigentlich ist der „Leipziger Buchpreis“ ja auch sehr interessant.

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