Literaturgefluester

2021-02-19

Am Götterbaum

Filed under: Bücher,Uncategorized — jancak @ 00:50
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Von Hans Pleschinski habe ich, glaube ich, bei einem Frankfurter Buchmessensurfing das erste Mal etwas gehört, das heißt, ich habe ihn mit Ludwig Fels verwechselt, der vor kurzem verstorben ist, da wurde sein „Ludwigshöhe“ vorgestellt, das mich interessierte, weil ich mich mit dem Thema Sterbehilfe ja auch sehr beschäftigte. Bei dem Bücherkauf von Alfreds literaturversierter WU-Kollegin habe ich das „Bildnis eines Unsichtbaren“ um einen Euro wahrscheinlich, erstanden und ich gestehe es, immer noch nicht gelesen, auch „Wiesenstein“ das Portrait über den großen Gerhard Hauptmanns noch nicht. Das hatte ich bei „Beck“ angefragt, nicht bekommen, es mir dann aber einen Literaturhaus-Flohmarkt um fünf Euro gekauft, noch nicht, dafür aber, Kritiker hört her „Königsalle“ über den noch berühmteren Thomas Mann.

Woher ich das Buch bekommen habe, weiß ich nicht mehr, vielleicht wars im Kasten oder in einer Abverkaufskiste und bin so daraufgekommen, daß sich der 1956 in Celle geborene, in letzter Zeit für literarische Biografien interessiert, denn jetzt ist ein weiters Bildnis eines Unsichtbaren oder Unbekannten, herausgekommen, nämlich das Portrait des ersten deutschen Nobelpreisträgers von 1910 Paul Heyse und ich höre jetzt schon rufen „Paul Heyse wer wer ist denn das?“

Ein klein wenig Ahnung hatte ich schon, denn es gibt einen Briefwechsel zwischen ihm und Marie von Ebner- Eschenbach und da war ich mal bei einem Symposium und da hat ihn, glaube ich, Alexandra Millner oder war es Daniela Strigl vorgestellt und als ich einmal erschöpft von dem Writersstudio-Marathonschreiben nach Hause beziehungweise an einen Bücherschrank vorbeigegangen bin, habe ich dort ein Buch über die „Deutschen Nobelpreisträger“ gefunden, das dann auch in meine „Unsichtbare Frau“ hineingefunden hat.

Ein Biografie über einen unbekannten Nobelpreisträger, wie fad könnte man da unken. Wen interessiert denn das? Das ist doch altmodisch und verstaubt!

Mitnichten, liebe mögliche Vorauskritiker, denn Hans Pleschinski macht es sehr originell. Ich weiß jetzt gar nicht mehr, ob das auch schon beim Thomas Mann so war. Aber hier marschieren eines Abends in München drei Frauen um die sechzig, die Baustadträtin Antonia Silberstein, die Bibliothekarin Therese Flößer auf Krücken und die Münchner Literaturpreisträgerin Ortrud Vandervelt, die gerade von einer Lesereise aus Sibirien zurückkommt, vom Rathaus in die Luisenallee, wo sich das Haus befindet, in dem Paul Heyse 1914 wahrscheinlich gestorben ist oder zuletzt dort lebte. Heute ist das eine verfallene Villa in der alte Waschmaschinen stehen, ein Konditor und ein Uhrmachen mit ihren kinder leben und sich die Spekulanten reißen. Die Stadt München will aber ein Kulturzentrum daraus machen. Deshalb hat ein Praktikant, die drei Damen angemeldet, die dort noch einen Erlanger Heyse-Experten treffen sollen.

So stolpern die drei Frauen durch die Stadt und machen mancherlei Alltagsbeobachtungen dabei. Da wird eine taubenfütternde Alte vom Portier vertrieben wird, AfD-Wäher unterhalten sich, etcetera.

Die Bibliothekarin hat ein paar Heyse-Bücher im Rucksack. So werden immer wieder Gedichte zitiert, die man auch im Buch finden kann und über Paul Heyse, der 1830 in Berlin geboren wurde, erfährt man auch sehr viel. Der war damals ein berühmter Dichter, wurde sogar geadelt, hatte viele Künstlerfreunde und hat auch Künstlerkreise zum Beispiel einen namens „Krokodil“ gegründet. Hundertzwanzig Novellen, acht Romane und unzählige Theaterstücke hat er geschrieben. Da kommt dann eine Anspielung, daß man heutzutage keine Novellen mehr schreiben kann, weil keiner weiß, was das ist und sogar schon „Haikus“ als Romane betitelt werden.

Die Gruppe torkelt weiter durch die Stadt, kommt dann zu der Villa, aber zuerst nicht hinein. Die Bibliothekarin hat Schwierigkeiten mit den Krücken und bekommt Alpträume, wo sie sich an ihren Schreibtisch wähnt. Dann dann gibt es auch ein Zwischenkapitiel in Italien, denn da besucht 1905 offenbar der berühmte Verleger der Cottta´schen Buchhandlung, den alten Dichter in seiner Sommerredsienz am Gardasee, denn der war sehr Italophil, hat das auch studiert und Ende eine Villa dort gehabt. Frau Anna fragt was sie kochen soll? Der Verleger deutet schon den möglichen Nobelpreis an

Dann geht es wieder zurück in dieLuisenstraße, beziehungweise in das Cafe nebenan, wo die die fünf, der Erlanger Spezialist vom Department of literatur, auch so eine Anspielung mit seinem chinesischen Mann ist inzwischen auch eingetroffen, um sich zu stärken. Dann kommen sie doch in die Villa hinein und am Ende erscheint noch der Direktor vom Touristenbüro von Gardone Riviera, der dort ein Paolo Heyse- Centro errichten will und bietet der Baurrätin oder der Stadt Münschen seine Vorschläge an.

Interessant merke ich an, sehr orignell und gewagt. Bin gespannt, was die Literaturkritik dazu sagt? Mir hat es jedenfalls gefallen und wieder viel gelernt. Vor allem das man Literatur und auch biografische Romane anders schreiben kann und kann das Lesen des „Götterbaums“ oder auch Paul Heyse selbst, von dem ich gar nicht weiß, ob der noch lieferbar ist, sehr empfehlen, der aber vielleicht verstaubter wirken kann, als das Buch über ihn.

2020-09-30

Himmel auf Zeit

Filed under: Bücher — jancak @ 00:38
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Mit den Frauen aus den Neunzehnhundertzwanzigerjahren geht es gleich weiter, bevor es wieder an das Lesen der deutschen Buchpreisliste geht und zwar hat da Karen Grol einen fiktiven Roman über die vergessene Malerin Anita Ree, die in Hamburg in einer jüdischen Kaufmannsfamilie 1885 geboren und protestantisch erzogen wurde und deren Bilder sich in der Kunsthalle Hamburg befinden, geschrieben.

Im Nachwort gibt es Hinweise auf die verwendeten Materalien und beginnen tut es mit einer Rahmenhandlung.

Da kommen 1937 die Nazis in die Kunsthalle, um sich die Bilder für ihre Ausstellung der „Entarteten Kunst“ in München zu holen. Der Hausmeister oder Assistent Wilhelm, dem wir noch öfter begegnen, holt gerade die Bilder, um sie unter seinem Bett zu verstecken.

Dann erfahren wir viel von der schüchternen Künstlerin, Karen Grol hat ja in ihrem Nachwort geschrieben, daß sich der Roman, nicht Biografie aus Fakten und Fiktion zusammensetzt, die gerade von einer Sommerschule zurückkommt, wo sie sich bis 1910 etwa bei einem Arthur Sibelist ausbilden ließ.

Das ist ihr aber zu wenig. Sie will nach Paris, um sich an Matisse, etecerta zu orientieren. Das geht aber in einer gehobenen Kaufmannsfamilie nicht, obwohl der Vater für das Studium der Tochter Verständnis hat. Die Mutter zu der es offenbar ein schwieriges Verhältnis gab, das eher nur bis zur Eheschließung duldete. Anita reist aber nach Berlin, um Max Liebermann ihre Arbeiten zu zeigen. Der lobt ihr Talent und ein Matisse-Schüler namens Franz Nölken nimmt sie ans Schülerin an.

Sie verliebt sich in ihn, er will aber davon nichts wissen und fällt später im ersten Weltkrieg. Sie geht nun doch für einige Monate nach Paris, lernt dort Aktzeichnen, orientiert sich an Renoir, Cezanne und Leger und als der erste Weltkrieg kommt, ihre Schwester Emilie hat sich inzwischen verheiratet, leidet sie an Hunger. Es gibt überall nur Steckrüben zu essen und das Geld des Vaters ist auch durch die Inflation verschwunden. So muß sie Portraits malen und verkaufen.

Sie ist mit verschiedenen Künstlern, wie beispielsweise Ida Dehmel, der Gattin des Dichters befreundet, geht zu Vorträgen von Gerhard Hauptmann und Gottfried Benn, erlebt den anwachsenenden Antisemitismus und geht 1922 für einige Jahre nach Italien. Dort wird sie von einer neuerlichen Liebe, dem Buchhändler Christian Selle öfter besucht, raucht mit ihm Opium und malt die verschiedensten Modelle. Dann muß sie nach Deutschland zurück, da ihre Familie das Elternhaus verkaufte, zieht von Wohnung zu Wohnung, verkauft einige Bilder und hat auch schöne Ausstellungen, trotzdem scheint sie an Depressionen zu leiden und unglücklich zu sein.

Ein Ekzem an der Hand behindert sie auch am Malen und am Schreiben, das sie offensichtlich ebenfalls betreibt. Die Nationalsozialisten kommen und entlarven ihre jüdische Herkunft, so daß sie einige Aufträge, Bemalungen an Kirchenwände verliert.

Geplante Auslandsaufenthalte scheitern, das Geld geht aus. Die letzte Zeit verbringt sie in einer kalten Dachkammer in Sylt, wo sie sich 1933 das Leben nimmt und das Buch endet im Jahr 1947, als alles vorbei ist und der Hausmeister Wilhelm, die Bilder mit seiner Anna wieder zurück in die wiedereröffnete Kunsthalle bringt, die inzwischen von einem Freund von Anita Ree geleitet wird.

Interessant eine mir bisher unbekannte Künstlerin kennenzulernen, am Klappentext gibt es ein Selbstportrait der Malerin, die venezuelanische Wurzeln hat, zu sehen. Im Netz sind weitere zu finden und interessant ist auch, daß die 1964 geborene Karen Grol, wie Robert Seethaler ebenfalls den Kunstgriff mit einer nicht so bedeutenden, wahrscheinlich erfundenen Person, die die Hauptpersonen begleiten, wählte.

2018-05-19

Und Marx stand still in Darwins Garten

Filed under: Bücher — jancak @ 00:07
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Nun kommt, etwas verspätet zum zweihundertsten Geburtstag, ein Buch über Marx oder eigentlich ist es doch eher eines über den berühmten Naturforscher Charles Darwin, denn die am Bodensee aufgewachsene Germanistin und Journalistin Ilona Jerger entdeckte, daß beide Herren nicht nur ungefähr zur selben <Zeit gestorben sind, sondern sie haben auch in unmittelbarer Nähe gelebt.

Marx in seinem Exil in London mit seiner Haushälterin Lenchen, die ein Kind von ihm hatte, seine Frau Jenny ist kurz vor ihm gestorben,  Charles Darwin mit seiner gottesfürchtigen Emma und dem Pudel Polly in der Nähe Londons und obwohl der Buchtitel es vermuten ließe, sind die beiden sich nie begegnet, wie Ilona Jerger in ihrem Nachwort schreibt, in dem sie auch sehr schön erläutert, wie das Schreiben von biografischen Romanen, das mich ja sehr interessiert, vor sich geht.

Einige in dem Buch vorkommenden Personen, wie Marx und Engels, Darwin und sein Vetter Francis Galton sind rela existiert habende Personen und dann gibt es wieder die erfundnen, wie den freidenkenden Arzt Dr. Becket, der das Verbindungsglied zwischen Marx und Darwin stellt.

Denn das Buch spielt 1881, Darwin in den Siebzigern, erforscht gerade das Leben der Regenwürmer, seine fromme Frau leidet unter seiner Gottlosigkeit und überlegt, daß sie ihn dann ja nach seinen und ihren Tod nie wieder sehen wird können, denn ein Ungläubiger kommt ja nicht in den Himme und da er sehr leidend ist, wird er von Dr. Becket betreut, der ihm erzählt, daß er jetzt auch einen anderen berühmten Patienten hat, nämlich den sechzigjährigen Marx, den sein letzter Hausarzt wegen  seiner Zahlungsunfähigkeit verlassen hat, denn Marx  lebt in seinem Exil unter ziemlich prekären Verhältnissen, das Silber wird ins Pfandhaus getragen, obwohl Friedrich Engels seinen „Mohr“ wie Marx genannt wird, sehr unterstützt und auch bereit ist Dr. Beckets Rechungen zu bezahlen.

Der Arzt erzählt beiden Patienten vom jeweiligen anderen und schummelt dabei auch ein wenig. Denn Marx hat dem berühmten Naturforscher zwar einmal sein „Kapital“ mit Widmung geschickt und der hat sich auch brav dafür bedankt. Hat es aber nicht gelesen, denn der Naturforscher ist ja, obwohl von Gott abgewandt, eigentlich sehr büerglich und hält so nicht besonders viel vom Kommunismus.

Dr. Becket eher schon und so ist er auch erfreut, daß Marx einmal bei einem Abendessen bei den Darwis war. Da war nicht nur Emmas Hausgeistlicher, sondern auch drei Herren, die von einem Kongreß aus London kamen und mit Darwin diskutieren wollten, eingeladen. Einer davon war Marx Schwiegersohn und der hat ihn gleich mitgebracht, was zu peinlichen Szenen während des Mahles führte, denn die fromme Emma hält nicht viel von Kommunisten und Gottesleugnern, obwohl sie dem Heiseren bereitwillig durch den ebenfalls fiktiven Diener Joseph Hustensaft offerieren läßt.

Der Priester fällt infolge des Disputes vom Sessel, was zu einem dramatischen Höhepunkt der Szene führt, Marx geht mit Darwin indessen in den Garten und der steht dort still herum, erstens weil ihm die Ärzte das Schweigen emphlen haben, zweitens weil er vielleicht nicht soviel mit Darwin diskutieren will und in den folgenden Kapiteln kommt es zu zwei weiteren Todesfällen.

Zuerst stirbt der Ältere, Marx kommt zum Begräbnis und vorher ließ Emma auch den Priester holen, zündete die Kerzen an und bittet ihn um die heiligen Sakramente, die Darwin aber verweigert.

Marx ist etwas später, nämlich 1883 gestorben und wird auf dem Highwigate Cemetery, in dem Grab beerdigt, in dem schon seine Frau Jenny liegt, die 1881 an Krebs verstorben ist.

Darwin hatte, obwohl von der Kirche ausgestoßen ein, wahrscheinlich gegen seinen Willen, kirchliches Bebgräbnis und Detail am Rande wie Ilona Jerger schreibt, der Hund <polly ist nur einen Tag später als Darwin gestorben.

Ein interessantes Buch, das sicher einen kleinen Einblick in das Werk der beiden großen Köpfe geben kann. Wer also nicht gleich das „Kapital“ oder das „Kommunistische Manisfest“, das ich ja in den berühmten DDR-Ausgaben irgendwo in meinen Regalen stehen habe, beziehungsweise „Über die Entstehung der Arten“ oder das „Buch über die Regenwürmer“ lesen will, kann hier ein bißchen in das Leben und Wirken der Beiden eintauchen.

Darwin ist in dem Buch ein größerer Platz eingeräumt. Hier begleiten wir ihn durch mehrere seiner Träume, die ein bißchen sein Leben und sein Werk erklären. Marx kommt ein bißchen weniger vor.

Trotzdem hat man nach der Lektüre, glaube ich, ein gutes Zeitbild bekommen und, daß Marx und Darwin gleichzeitig gelebt haben ist sicher eine Erkenntnis, die vielleicht nicht so präsent ist. Zumindest schreibt auch Ilona Jerger in ihrem Nachwort, daß ihr das gar nicht so bewußt gewesen ist.

2018-04-28

Jack

Filed under: Bücher — jancak @ 00:50
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Was ist der Unterschied zwischen einem Roman und einer Biografie? Eine spannende Frage in Zeiten, wie diesen, wo auf allen Büchern aus Marketinggründen Roman und oft auch noch Debut steht, obwohl der Autor beispielsweise schon mit einer Novelle auf der Long oder Shortlist des dBp stand?

Für eine Nchtgermnistin und offenbar Content-Bloggerin nicht so leicht zu beantworten oder doch natürlich, obwohl ich gestehen muß, daß ich als ich mir vor ein paar Monaten Anthony Mc Cartens „Jack“ bestellte, keine Ahnung hatte, daß das, was jetzt ein Roman eine Biografie oder was auch immer über den berühmten Beatpoeten Jack Kerouac ist, von dem ich zwar schon einiges gehört aber noch nichts gelesen und wenn ich mich nicht irre „Unterwegs“ oder „On the road“ auf meinen Bücherstapeln liegen habe, weil irgendwo gefunden.

Da kommen wir zu einer anderen spannenden Frage, nämlich der ob man jetzt das Original oder die Geschichte darüber lesen soll.

Daniela Strigl hat sie vor ein paar Tagen in der „Gesellschaft für Literatur“ aufgeworfen und ich schreibe ja auch regelmäßig unter meine Buchbesprechungen und jetzt müßte oder sollte ich den O-Ton endlich einmal lesen, aber wann genau, wenn man in solchen Bücherbergen und Listenvorgaben steckt, wie ich.

Und es ist auch zu vermuten, daß die berühmten Autoren, vielleicht deshalb zu biografien über die noch berühmteren Vorbildern greifen, weil ihnen sonst nichts mehr einfällt, die Leute das gerne lesen, etcetera.

Von dem 1961 in Neuseeland geborenen Anthony Mc Carten habe ich auf einem meiner Frankfurter Buchmessensurfings das erste Mal etwas gesehen oder gehört. Denn da war das „Blaue Sofa zu Ende, die Kamera aber noch nicht abgedreht, so setzte sich der Autor darauf und ließ sich fotografieren und wenn ich mich nicht wieder irre, habe ich auch ein paar Mc Carten Bücher auf meinen Sub, aber keine Zeit zum lesen, etcetera.

„Jack“ habe ich jetzt aber gelesen, obwohl ich statt diesem Buch zuerst eigentlich Connie Palmens „Du sagst es“ bekommen habe und das einige Zeit so ließ, bevor ich bei „Diogenes“ anfragte und das richtigstellte und, um es mit einem Wort zu sagen, Anthony Mc Cartens Biografie, Roman oder was auch immer, verstand es mich viel mehr zu fesseln, als das Connie Palmens Biografie über Sylvia Plath zu standebrachte. Vielleicht weil der Autor viel dazu geflunkert hat und es von Anfang an Spannung, Peep und Schwung in seine Geschichte über den Beatpoeten Jack Kerouac hineinzubringen.

Da sind wir also im Jahr 1969 und stehen auf dem Friedhof bei Jack Kerouacks Begräbnis, der wie der Biograf verlautet, irgendwann einmal beschlossen hat, sich zu Tode zu saufen.

Aber halt, auf dem Friedhof steht die Biografin und die ist achtzehn, zweiundzwanzig oder siebenundzwanzig Jahre alt, man weiß das nicht so genau, denn in dem Buch wird ja viel geflunkert oder wie das auch in den Romanen so ist, ein Spiel zwischen Dichtung und Wahrheit ist. Sie hat auch verschiedenene Namen heißt einmal Jan Weintraub und ist eine Jüdin, dann wieder Jan Haverty, wie Jack Kerouacs zweite Frau, am Schluß wird noch der Name Andrea Zehnder ins Spiel gebracht, also ganz schön verwirrend.

Aber das war der berühmte Beatpoet wohl auch, der nach dem Buch irgendwann beschlossen hat, zehn Romane zu schreiben, dann mit „On the road“ berühmt wurde, weil es das Herz und den Zeitgeist der amerikanischen Jugend von damals getroffen hat. Sein Ruhm wurde ihm aber zu viel, so fing er zu trinken an und versteckte sich vor der Öffentlichkeit, etcetera.

Der Berkely Studentin oder Dozentin Jan  ist es aber gelungen, seinen Wohnort in St. Petersburg, im Haus seiner Mutter oder Onkels herauszufinden. So setzt sie sich ins Auto, packt ihren Hund dazu und ruft ihren Pofessor, dem eigentlichen Biografen an und verrät ihm, daß sie on the road zu Jack ist.

Dann steht sie vor seiner Tür und sagt ungefähr „Guten Tag, ich bins, Ihre Biografin!“

Der wundert sich zwar, daß eine Dozentin so jung aussehen kannan, schlägt ihr aber vor, ihm einen zu blasen, was sie entsetzt das Haus verlassen läßt. Sie kommt aber wieder, als die Kerouacks, Jack mit dritter Frau und Mutter in der Kirche sind und stöbert in seinen Briefe, wird von ihm erwischt und outet sich als seine Tochter.

So endet der erste Teil, man ist verwirrt und gleichviel voller Spannung und fragt sich, ist das wahr oder erfunden und noch bevor man bei „Wikipedia“ nachschlagen und das klären kann, kommt der Cousin auf Heimaturlaub von seinem Vietnameinsatz, findet Jan in seinen Zimmer vor und wird ausquartiert, was sein Mißtrauen wachsen läßt, umsomehr, als Jan bei einer Routinekontrolle der Polizei keinen Führerschein vorweisen kann.

Die macht inzwischen Interviews mit ihrem Vater und will mit ihm sogar nach San Francisco fahren, als der Neffe mit dem Professor zurückkommt, um ihm die Wahrheit  über dieBetrügerin, die Jack zuerst nicht hören will, aufzudrängen.

Jan oder Andrea Zahnder wird verhaftet, kommt auf die Psychiatrie und steht am Ende, denn das alles ist, glaube ich schon im Vorjahr passiert, auf dem Friedhof und will Erde in das Grab werfen und, als der Neffe sie daran hindern will, ruft sie ihren neuen Freund Stanley  zu Hlfe, der verzweifelt „Jan? Was geht hier vo? Jan? Jan?“ ruft und wir haben ein sehr spannendes Buch gelesen. Fast einen Krimi und dabei sehr sehr viel über Jack Kerouac, den Beatpoeten erfahren.

Aber natürlich, wie ich wieder schreibe und sicher auch Daniela Strigl raten würde, ist es besser zu den Originalen zu greifen undbevor man zur nächsten Biografie übergeht, endlich wenigstens „On the Road“ zu lesen.

2017-07-30

Sunset

Jetzt kommt das nächste Leseexemplar aus dem offenen Bücherschrank:„Liebe Buchhändler nicht zu besprechen vor dem 1.3.2011“, da scheine ich wirklich einen Glückstag gehabt zu haben, denn die damals gefundenen Bücher, die ich jetzt nach und nach alle lese, waren sehr interessant und das ist es auch, was da so alles 2011 erschienen beziehungsweise geschrieben wurde, Bücher an die ich sonst wahrscheinlich nicht gekommen wäre und interessant ist auch der zeitliche oder inhaltliche Zusammenhang.

Nämlich das dritte Buch das in den Fünfzigerjahren handelt und auch das dritte, wenn auch in anderen Exemplaren, das von berühmten Dichtern, berziehungsweise Künstlern handelt, die das dritte Reich nach Amerika brachte,  beziehungsweise von dort schon wieder zurückgekommen waren.

Vermutlich stammt Hans Pleschinskis „Königsallee“ ein Buch über Thomas Mann auch vom selben Buchhändler oder vom gleichen Bücherschub, Michael Köhlmeiers „Zwei Herren am Strand“ ist wahrscheinlich auch ein Leseexemplar, aber das stand erst 2014 auf der LL und interessant ist auch, daß sich die Verlage offenbar alle Romane über bekannte <persönlichkeiten bestellen oder sich die Schriftsteller solche aussuchen.

Nun denn, ich lüfte das Geheimnis, der neuerliche Fund heißt „Sunset“ und ist von dem 1951 in Oldenburg geborenen Klaus Modick, dessen Namen ich seit einigen Jahren kenne und mir auch einmal dachte, er würde mit „Konzert ohne Dichter“ auf LL kommen.

Ist er nicht, er hat aber auch „Klack“ geschrieben und das habe ich  ebenso gefunden und „Klick“, ein Buch von einem anderen Autor, habe ich im Frühjahr gelesen und leicht legasthen, wie ich zu sein scheine, die beiden Bücher auch miteinander verwechselt, oder gedacht „Klack“ wäre noch heuer zum Lesen dran, ist es aber nicht und „Sunset“ spielt in LA , am gleinamigen Boulevard, wo sich während des dritten Reiches ja viele Dichter hinflüchteten und da lebt jetzt im Jahr 1956 mit seiner Frau Marta, der berühmte Schriftsteller Lion Feuchtwander, ist  da 1884 geboren schon ein alter Herr und allein zu Haus, denn seine Frau ist in San Diego um etwas wegen der Einbürgerung zu erledinge, die Sekretärin Hilde in New York und er macht zu Beginn  am Morgen, das Buch spielt an einem Tag, Liegestütze, worauf ihm alles wehtut. Es läutet aber an der Tür, ist es wieder die Einwanderungsbehörde mit ihren unbequemen Fragen, bezüglich Kommunismus?

Nein, es ist der Postbote mit einem Telegramm vom DDR-Kulturminister Johannes R.Becher und der teilt ihm mit B. B. oder Bertolt Brecht ist in Ostberin gestorben und lädt ihn zum schon am nächsten Tag stattfindenden Staatsakt ein.

Das wird sehr schön und umständlich geschildert, Feuchtwanger hat nämlich nur eine Turnhose an und daher kein Trinkgeld in der Tasche, so muß er ins Haus hecheln, in der Brieftasche sind aber nur Scheine. Soll er nocheinmal zurück, nein und, um auch nicht als geizig zu gelten, hält er dem Boten einen Dollarschein hin, der bedankt sich übereifrig und wünscht noch einen schönen Tag!

Der soll es dann nicht werden, oder doch, denn die Mitteilung des Todes, des Freundes der viel jünger war, regt den Dichter zum Nachdenken über sein Leben an, beziehungsweise Klaus Modick, der auch eine Dissertation über Lion Feuchtwanger schrieb, hat den entsprechenden Rahmen gefunden, in zwölf Kapiteln über das Leben der beiden Dichter und ihre Beziehung zu schreiben.

Nun habe ich von B.B. schon nach meiner Matura, beziehungsweise noch in der Schule ein paar Theaterstücke gelesen und Feuchtwangers wahrscheinlich bei „Aufbau“ erschienene Bücher, lagen schon vor längerer Zeit in den Bücherkisten, so habe ich einige gekauft und gelesen, darunter auch sein „Moskau 1937“, wohin er von Stalin  eingeladen wird und den Staat überschwänglich lobte, was ihn dann viel Ärger und vor allem auch unangenehme Verhöre durch die McCarthy Behörde einbrachte.

Brecht hat er aber nach dem ersten Weltkrieg kennengelernt, da hat der an seiner Tür geläutet, ihm eines seiner Theaterstücke hingehalten und Feuchtwanger hat sein Talent aber auch sein großes Selbstbewußtsein erkannt.

Von Kapitel zu Kapitel tauchen wir in das Leben der beiden Dichter, aber auch in die damalige Zeit ein, erfahren, daß Brecht ein großer Frauenheld war und viele uneheliche Kinder hatte. Er war aber auch sehr offen und ehrlich, so hat er die McCarthy Behörde nicht angelogen, hatte da aber schon das Rückflugticket in der Tasche und ist ja wie ,bereits erwähnt, in Ostberlin gestorben, obwohl er viel jünger als Lion Feuchtwanger war.

Der biografische Roman ist, ich wiederhole es, durchaus raffiniert aufgebaut, denn während Feuchtwanger denkt und denkt und auch noch einen Brief von Arnold Zweig bekommt und versucht ein Beileidschreiben an Brechts Frau Helli, beziehungsweise Helene Weigel zu verfassen, geht der Tag dahin und Marta Feuchtwanger hat ihrem Lion genau aufgeschrieben, was und wann er essen soll.

Zum Frühstück Obstsalat und Orangensaft, zu Mittag soll er sich das Gulasch mit Sauerkrau und Knödel aufwärmen, das der geborene Münchner gerne ißt, und das Marta im „Bavarian Deli“ in der Nähe einzukaufen pflegt. Er läßt es anbrennen, so gibt es wieder nur Obstsalat zu Mittag. Deshalb beschließt er am Abend den Speiseplan zu mißachten und in ein Fischlokal zu gehen und die Katzen und die Schildkröten füttern, muß er zwischendurch auch.

So geht es durch das Leben. Feuchtwanger hat noch den „Jud Süß“ geschrieben, mit dem er berühmt geworden ist, den die Nazis aber sehr mißbrauchten und schreibt gerade an seinem letzten Buch.

Denn er ist bald danach, nämlich im Dezember 1958 an Magenkrebs gestorben, wie in der angefügten „Note“ steht.

Einen Tag später hat seine Frau erfahren, daß dem Einbürgerungsansuchen stattgegeben wurde. Sie wurde da von der Behörde noch einmal gefragt, ob sie Kommunistin wäre, was sie bejahte und trotzdem eingebürgert wurde.

So ist viel später, nämlich erst im Oktober 1987 gestorben und wurde neben ihrem Mann beigesetzt.

Ja und mit den oben erwähnten Persönlichkeiten, wie Charly Chaplin und Thomas Mann waren die Feutwangers auch bekannt. Ebenso kommen die Werfels und andere Persönlichkeiten in dem Buch vor, die nach Amerika emigrieren mußten und mit  den Feuchwangers befreundet waren.

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