Literaturgefluester

2020-02-24

Über Peter Weiss

Ich bin ja keine Peter Weiss Spezialistin, kann mich aber erinnern, daß ich, als ich das erste Mal etwas über den „Tag des Buches“ mitbekam und da in die Buchhandlungen aufbrach, um mir mein Gratisbuch zu holen, beim „Hintermayer“, glaube ich, aus einer Kiste, ein Buch von oder über ihn herausholte.

Ob es die „Erimttlung“ oder die „Asthetik des Widerstandes“ war oder ein anderes, das sein Leben und sein Werk beschreibt, weiß ich jetzt gar nicht mehr so genau.

Ich habe auch nichts von ihm gelesen, aber als der Alfred mir sagte, daß er heute eigentlich zu einer Lesetheateraufführung mit Christa Kern gehen wollte, habe ich mich durchgesetzt und bin in die „Alte Schmiede“ gepilgert, wo Kathrin Röggla und Birgit Müĺler-Wieland mit  Günther Stocker über den 1916  bei Potsdam geborenen und 1982 in Stockholm verstorbenen Autor und Maler referierte und ich kann gleich sagen, ich habe es nicht bereut, so gut Christa Kern vielleicht auch gewesen ist, denn das Zwiegespräch, der beiden Dichterinnen von denen ich schon einiges gelesen habe mit dem Universitätsprofessor war sehr interessant.

Obwohl ich wegen meiner sechs Uhr Stunde etwas zu spät gekommen bin und gerade den Professor sagen hörte, daß er, weil wahrscheinlich nicht so bekannt, in das Leben Peter Weiss einführen will, was er dann sehr ausführlich tat.

Die beiden Autorinnen wurden wahrscheinlich schon vorher von Johanna Öttl vorgestellt und, daß es am Sonntag eine Filmaufführung von Peter Weiss „Abschied von den Eltern“ im Künstlerhaus gegeben hat, habe ich erst durch das Programm erfahren und die  1971 in Salzburg geborene Kathrin Röggla kenne ich, glaube ich, seit 1996, als ich in der Jury für das Nachwuchsstipendium war.

Ich habe auch einmal mit ihr in Salzburg, bei diesem „Sichten und Vermichten-Symposium“ gelesen. Sie hat dann mit ihren dokumentarischen Romanen einen steilen Aufstieg gemacht, einige von ihren habe ich gelesen und von der 1962 in Schwanenstadt geborenen Birgit Müller-Wieland habe ich das deutsch Buchpreisbuch „Flugschnee“ gelesen, weil es mir der Otto einmal schenkte.

Die erste Fragen von  Günther Stocker an die Peter Weiss-Kennerinnen lautete, wie sie zu ihm gekommen sind und was sie von ihm gelesen haben und da berichtete Birgit Müller-Wieland von einer Vorlesung und die einmal ein Student hineinstürzte und aufgeregte mitteilte Peter Weiß ist gestorben. Alle waren betroffen, sie hatte von ihm noch nicht viel Ahnung und da kann ich von einer Buch-Wien berichtetn, wo mitgeteilt wurde, daß das mit Ilse Aichinger so passiert ist, von der ich allerding schon einiges gelesen und gehört hatte.

Im Sommer 1982 hat dann das Arbeiterkind mit zwei Freunden die „Ästhetik des Widerstands“ gelesen, was seither zu ihrem Lieblingsbuch wurde, während Kathrin Röggla bekannte, daß sie den Text nach hundertzwanzig Seiten abgebrochen hat und ich, den Sommer 1977 mit Heimito von Doderers „Dämonen“ verbrachte, was mich damals auch ein sehr wichtiges Buch war.

Birgit Müller-Wieland hat auch ihre Disserataion über Peter Weiss geschrieben und die Peter Weiss-Gesellschaft mitbegründet und als Lesestelle hat sich sich die „Ästhetik“ ausgewählt und das gelesen, wo Üeter Weiss Kafka. als einen Arbeiterliteraten bezeichnete.

Kathrin Rögga las dagegen aus einem Buch über Orte und da beschrieb Peter Weiss Auschiwitz, als einen für ihn prägenden Ort.

Sehr interessant, die Veranstaltung und sicher anregend sich mit Peter Weiss  „Ästhetik“ oder seiner Person zu beschäftigten.

Och lese aber gerade sowohl George Eliots „Middlemarch“ als auch Cornelia Travniceks „Feenstaub“, habe heute vier Bücher, darunter zwei unverlangte bekommen und kann nur hoffen, daß die Leipziger Buchmesse nicht wegen des Corona-Virus, das schon bis Italien vorgedrungen ist, abgesagt werden wird.

Die Veranstaltung war aber sehr interessant und ich kann nur betonen, daß es sehr lohnend ist in die „Alte Schmiede zu gehen.

2019-07-06

Flugschnee

Filed under: Bücher — jancak @ 00:51
Tags: , , ,

Jetzt kommt das letzte Buch der 2017 dBp-Leseliste, womit ich, wie auch 2015m alle deutschen Buchpreisbücher gelesen habe, 2016 fehlt mir, glaube ich, ein und zwei vom Vorjahr, obwohl mir eines davon noch versprochen wurde, wie es 2019 wird, wird man sehen, ob ich da ein fünftes Buchpreisbloggen mache und wenn wieviele Bücher es werden?

Dieses Buch zwanzig der deutschen 2017 Liste habe ich nicht vom Verlag sondern vom lieben Otto bekommen, als wir ihn zu unseren Jahresanfangsfest, um die große von der Angela und vom Josef bekommene Weinflasche zu leeren, eingeladen haben.

Ein Longlistenbuch, der 1962 in Schwanenstadt geborenen und in München lebenden Birgit Müller-Wieland, deren Namen, ich wahrscheinlich von der GAV kenne und die in großen Verlagen einige Bücher hat.

Bei „Otto Müller“ ist das Buch erschienen und es besticht, dem würde ich mich anschließen, durch eine schöne Sprache, die Schnee- und Steinmetaphern und behandelt eine Familiengeschichte, deren Geheimnisse wieder Mal das gesamte Jahrhundert umfassen und in der es nichts gibt, was in ihr nicht vorkommt.

In zwei Strängen wird erzählt. Die Ich-Erzählerin Lucy, die nach dem Verzehr von Drogenpilzen, fast einen Haussturz hinter sich und ein Schädeltrauma abbekommen hat, die mit ihrem verschwundenen Bruder Simon spricht. Im Dezember passiert das in Berlin, wo sie mit Lisa und Samir in einer WG wohnt und dabei an das denkt, was zwanzig Jahre vorher in Hamburg zu Weihnachten in dem Haus der Großeltern passierte, das sie mit ihren Eltern und dem Bruder immer besuchte.

Der zweite Strang passiert dann in dieser Zeit in Hamburg und da wird abwechselnd von Arnold und Vera, das sind die Eltern und  Helene und Lorenz das sind die Großeltern erzählt.

Eine Urgroßmutter namens Johanna gibt es auch, aber die hat den Krieg nicht überlebt, ist sie doch statt in den Luftschutzkeller wieder nach oben gelaufen, um das Strickzeug zu holen, um die Socken ihres Sohnes weiter zu stricken oder in den Tod, weil sie nicht weiterleben wollte?

Man weiß das nicht so genau, wie auch alles andere, was da in dieser Familie, die von der Großmutterseite von Adeligen abstammt und alle angesehe Berufe haben, passierte, erst nach und nach klar wird.

Vera, die Mutter aus Österreich stammend, ist Bildhauerin von da kommen die Steinmetaphern und hat ohne Arnold zu informieren, das dritte Kind abgetrieben. Arnold, der Vater ist Historiker, Professor an der Uni. Aber er hat Jahre lang auf seine Ganztagsstelle warten müßen, weil ihm immer wieder andere, darunter auch Frauen wegen der Quote oder weil sie ein Techtlmechtl mit den Vorgesetzten hatten, vorgezogen wurde.

Der Großvater Lorenz war Arzt. Die Großmutter Helene war, glaube ich, Lehrerin, wurde aber von einer Demenz erfaßt und die ganze Familie delegiert sich an den zwei gleichen Büchern.

„Die Ästhetik des Widerstands“ von Peter Weiss und eines von einer Karin Boye und ja richtig ein größeres Geheimnis, ein Kind das von einem anderen Vater ist und der Gehörtne, das viel besser, als die Mutter weiß, gibt es auch noch und einen Großonkel, der den eigen Vater an die Gestapo denunizierte und dann im Krieg gefallen ist.

Also etwas, das man schon in vielen Varianten gelesen hat, also nicht wirklich neu ist, aber offenbar so schön geschrieben, das Birgit Müller- Wieland damit auf die Longlist des dBps kam. So experimentell, wie ich es mir eigentlich vorstellte, ist das Buch eigentlich nicht und die beiden Handlungsstränge, so gibt es beispielsweise Anspielungen, das der verschwundene Simon, ein Opfer oder Täter der IS geworden sein könnte und einen Flüchtling in der WG gibt es auch, sind eigentlich recht zusammenhanglos  aneinandergereiht, enthalten aber andeutungsweise wirklich alles, was im letzten Jahrhundert geschehen ist.

Und dazu fällt mir eine Anekdote ein, die eigentlich gar nichts mit dem Buch zu tun hat, die ich aber letzte Woche beim Bücherschrank in der  Josefstädterstraße erlebte. Ich hatte mir dort einige  Bücher herausgenommen und wollte sie, auf der Bank, die es in der Nähe gab und auf der eine Frau saß, einräumen.

„Was gefunden?“, fragte sie und ich gab die Frage zurück.

Sie schüttelte den Kopf, sagte etwas von Sachbüchern und, daß sie keine Romane lesen würde.

„Warum?“, wollte ich wissen.

„Weil ich das alles selbst erlebe!“, antwortete sie mir und war erstaunt, denn so unternehmungslustig sah sie eigentlich nicht aus und ich erlebe ja auch nur einen Bruchbruchteil von dem, was in den Bücher steht, damit sie spannend  genug und Buchpreiswürdig scheinen.

Erstelle kostenlos eine Website oder ein Blog auf WordPress.com.