Literaturgefluester

2018-09-25

Amerika

Weiter geht es mit der Parallelliste und das ist ja das spannende am heurigen Herbstlesen, daß ich einen Einblick geben kann, was so abseits der Mainstreamlisten passiert und das Buch, das jetzt folgt, Kai Wielands „Amerika“ ist in mehrerer Weise interessant.

Erstens ist der 1989 in Backnang geborene einer der Shortlistfavoriten des vorjährigen „Blockbuster-Preises“, wo sich ja die prominenten Literaturblogger, um sich zu profilieren, unter Denis Schecks Oberjury einen Forum schafften, ein unentdecktes Literaturgenie zu finden.

Daß sie dabei meiner Meinung nach die Latten viel zu hoch setzen und man wahrscheinlich schon besser als ein dBp-Favorit sein muß, um da überhaupt vorgeschlagen zu werden ist ein anderer Kaffee und etwas was mir nicht gefällt.

Ich habe mir aber im Vorjahr die Preisermittlung im Internet angesehen, wo es drei Favoriten gab und ein Buch über B.Traven gewann, daß ich mir auf der letzten „Buch-Wien“ fast gekauft hätte, wenn es noch auf dem „Thalia-Stapel“ der Messebuchhandlung gelegen wäre.  Daß alle der Finalisten einen Verlag verdienen, was für ein seltsames Wort, habe ich bei mehren Kommentaren gelesen, Gunnar Kaisers „Unter der Haut“ ist dann auch bei „Piper“ erschienen und ich habe es gelesen, weil die mir ihre Vorschau schickten.

Bei Kai Wieland bin ich schon beim „Blogbuster-Leseproben-Buch“ oder vorher aufmerksam geworden, weil ich ihn, wie es mir öfter passtiert, mit Kai Wayand verwechselt habe, der ja mit „Applaus für Broniskowski“, 2015 auf der „dBp-Longlist“ stand, schau an, wie prominent, habe ich gedacht, gemerkt, das ist ein anderer und dann auf Buch und  Autor vergessen, das in der Leseprobe ja noch „Ameehrikah“, hieß und statt in dem gelobten Land in einem schwäbischen Provinzdörfchen spielt.

Dann habe ich meiner heurigen Buchpreis-Vorausschau geschrieben und einen „Gefällt mir“ von einem Kai Wieland bekommen und bin darauf gekommen, daß der nicht nur in der Stadt oder dem Dorf lebt in dem Alfreds Tante Edith, die Zahnärztin aus der DDR, lebte oder arbeitete und das ich in den Neunzigerjahren mehrmals besuchte, sondern daß sein Buch „Amerika“ Ende August erscheint.

Da habe ich es angefragt, gleich bekommen und kann jetzt einen weiteren Einblick in das ungeheure Schaffensreichtum der deutschsprachigen Literatur geben.

„Ein eigener Ton, eine eigen Weltsicht, ein schwäbischer William Faulkner, der zur Endteckung eindlädt“, hat Schirmherr- Scheck auf das Buch schreiben lassen, das kann ich, weil ich in Faulkner nicht sehr eingelesen bin, zu wenig beurteilen. Das mit dem Ton stimmt aber, obwohl es wieder eines der unzähligen Bücher ist, das in den letzten Kriegstagen spielt oder nein, stimmt gar nicht, denn der Chronist, kommt erst in der Jetztzeit in das kleine Dorf, setzt sich in das herunterkommene Wirtshaus und läßt sich von seiner Wirtin und den drei Stammgästen, alle über sechzig, seine Geschichte erzählen, die ja, wie so oft von den Kriegserfahungen handelt und die meisten der Protagonisten damals Kinder waren und mit ihren Eltern und Großeltern, die da Oberscharführer oder etwas Ähnliches waren, leben mußten.

Eine weitere Eigenwilligkeit des Buches ist wahrscheinlich der Titel und irgendwo habe ich auch etwas von den noch vorhandenen Unfertigkeiten des jungen Verlagsangestellten gelesen oder gehört, denn so ganz klar, wieso das Buch so heißt, ist mir das nicht geworden.

Gu,t es gibt eine amerikanische Flagge und einer der Protagonisten, der alte Alfred, der im zweiten Stock des Wirtshauses lebt, war, glaube ich, auch in den Neunzigerjahren mit seiner Frau in dem gelobten Land und hat dort die Grabstätten der Familie Kennedy aufgesucht.

Ansonsten geht es auch viel um das Sterben und das dürfte auch eine der Metaphern sein, mit denen der junge Autor spielt. Es passieren sehr viele Selbstmorde in dem kleinen Dörchen Rillingsbach, das nur zwei Straßen, das heruntergekommene Wirtshaus, das einmal ein Hotel war und eine aufgelassene Schule hat und, wie das so ist, werden da auch einige Morde vertuscht über die man lebenslang rätsel kann.

Das wäre jetzt wieder ein Grund für das unerwünschte Spoilern, zu sagen, wer den Ungustl Erwin, der glaube ich, auch die kleine Wirtstochter Martha vergewaltigen wollte, umbrachte und ich kann auch, wie weiland Sasha Mariana Salzmann im „Literarischen Quartett“ sagen, auf Seite 223 steht es. Aber vielleicht der Reihe nach:

Da kommt also der nicht weiter beschriebene Chronist in das Wirtshaus, setzt sich zu Alfred, Frieder und der „wilden Hilde“, läßt sich von Martha ein Fanta servieren und die Ereignisse der letzten Jahre erzählen, die waren, daß Erwin eines Tages tot in einem Schuppen aufgefunden wurde.

Selbstmord sagen, die noch amtierenden Besatzungspolizisten und kümmern sich nicht weiter darum, daß das Gewehr dafür nicht an der richtigen Stelle liegt.

Seine Frau, die später sowohl das „Amerikahaus“ in Murrhardt betreut, könnte es gewesen sein, denn sie blüht auf,  geht fortan auffällig oft in die Kirche und löchert den Pfarrer damit, wie es in der Hölle aussieht. Auch gottlieb, der Vater Marthas, der damals noch ein Hotel betrieb oder die anderen Dorfbewohner.

Da gibt es den eehmaligen Oberscharführer Wilhelm, den Nazilehrer Mangelhardt und auch einen Nazidichter, der zu Kriegsende in dem damaligen Hotel wohnte und sogar ein Gedicht für dien kleinen Alfred geschrieben hat, von dem vielleicht seine Amerikaobsession kommt.

Die wilde Hilde, 1949, nach dem Tod ihres Vaters Erwin geboren, verließ mit mit neunzehn das Dorf, ging im Kreisstädtchen auf die Polizei und verlangte daß der Tod des Vaters untersucht werden muß. Der Polizist wehrt ab und Hilde verließ die Heimat und kehrte erst mit Sechzig wieder nach Rillingsbach zurück. Dazwischen hat sie „Heilbronn, Stuttgart und sogar Freiburg gelebt und der Mutter immer erst dann Briefe geschrieben, wenn sie die jeweilige Adresse schon wieder verlassen hat.

Außer Amerika gibt es noch ein Thema, das sich durch das Buch durchzieht und das auch mir sehr sympathisch ist, nämlich die Bücher und das Schreiben. Sowohl Martha, als auch Hilde haben das versucht.Martha hat es, obwohl ihr einmal, noch als Schulmädchen, ein amerikanischer Soldat, einen Erzähband von Hemingway gegeben hatte, den sie nicht lesen konnte und sich den Autor auf „Ernst „Heimweg“ übersetzte, gleich aufgegeben. Sie hat aber, bevor sie nur mehr Wirtin wurde, Elisabeth im „Amerikahaus“ sehr geholfen und auch Hilde schrieb, glaube ich, ihre Memoiren, die der Bürgermeister im Rathaus, neben dem Nazibuch, aufbewahrt.

Ein sehr interessantes Buch also, in dem man die Schreibprozesse und das Autorwerden gut nachvollziehen kann. Kai Wieland meint in seinem Nachwort, daß er ohne den „Blogbusterpreis“ keinen Verlag gefunden hätte.

Nun man kann es ja inzwischen selber machen und hat dann vielleicht auch nicht viel weniger Leser, als wenn man auf einer der Buchpreislisten steht, geht ja, wie man überall nachlesen kann, das Leseverhalten der Leute stark zurück.

Es ist aber eine sehr interessante Neuerscheinung, die sonst wahrscheinlich an mir vorbei gegangen wäre, so bin ich Kai Wieland für sein „Gefällt mir“ sehr dankbar und neugierig, ob er auch das hier liest und ob Edith Neumann vielleicht seine Zahnärztin war?

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2017-04-03

Blogbuster-Preis

Die Literaturblogger und auch die Booktuber sind eine sehr engagierte Gruppe. Die sogenannten Booktuber sind meist eher junge Frauen, die mehrmals im Monat Videos ins Netz stellen, wo sie über ihre im Vormonat gelesenen Bücher sprechen, die zeigen, die sie im Monat darauf lesen wollen, Fragen, sogenannte Tags, zu bestimmten Themen, beispielsweise, wie hoch ihr SUB ist, etcetera, beantworten, auf Buchmessen fahren und sich dort auf Booktubertreffen  versammeln und das dann meistens auch ins Netz stellen.

Sie besprechen ihre Leselisten und ärgern sich manchmal auch über die, die zu viel oder zu wenig lesen, zu viel jammern, sich mit ihren Büchern unter Druck setzen, etcetera und insgesamt gibt es  auch das Gerede, daß sie vielleicht zu wenig professionell seien, aber eigentlich betonen sie, daß sie das Booktuben Hobbymäßig betreiben und großen Spaß an der Sache haben.

Bei den Buchbloggern, von denen es inzwischen, glaube ich, schon an die tausendzweihundert im deutschen Sprachraum gibt, ist das ein wenig anders, da sind, wie ich in Leipzig sehen konnte, auch Männer und durchaus ältere dabei und einige von ihren streben durchaus in die Proffessionalität und haben auch Berufe, wie Journalisten oder Verleger und haben auch Literaturwissenschaft studiert.

So haben sich nach dem Mara Giese von Buzzaldrin 2013 mit ein paar anderen, die Idee hatte, die Longlist des dBps zu lesen, dann zwei Jahre später, die sogenannten offiziellen Buchpreisblogger gegründet, die sehr viel Werbung dafür machten und auch sehr selbstbewußt auftraten und inzwischen haben sich gerade in diesem Umkreis einige weitere interessante Aktionen gegründet.

So gibt es seit dem Vorjahr den Bloggerdebutpreis, bei dem einundzwanzig Blogger, da war ich auch dabei, aus einer Shortlist von fünf Debutanten Shida Baziyar „Nachts ist es leise in Theran“ ausgewählt haben. Ein Preis, der glaube ich,demnächst in Essen vergeben wird und für 2017 wurde der Preis wieder ausgeschrieben.

Da war die Teilnahme  sehr offen und, ich glaube, es konnteeigentlich jeder Blogger, der mehr oder weniger regelmäßig Literatur bespricht daran teilnehemen, bei anderen Aktivitäten wie bei dem „offiziellen Buchpreisbloggen“, muß man ausgesucht sein, um sich so nennen zu können, obwohl ja eigentlich jeder, die Buchpreisbücher lesen und darüber schreiben kann und ich angestachelt davon, das auch auf eigene Faust seit 2015 betreibe und 2016 höre und staune sogar neunzehn der Bücher von den Verlagen zugeschickt bekam.

Einer der Shortlistfavoriten beim „Bloggerdebut-Preis“, dem unter anderen auch Sophie Weigand von „Literaturen“, und Marina Büttner von „Literatur“ erleuchtet in der Jury angehörten, war Philiph Krömers „Ymir“ aus dem „Homunculus-Verlag“, das ist ein kleiner aufstrebender unabhängiger Autorenverlag und der hat jetzt ein anderes Bloggerprojekt herausgeeben, nämlich ein Buch mit dem Titel „Warum ich lese – 40 Liebeserklärungen an die Literatur“, dem ein Aufruf des Bloggers Sandro Abbate vorausgegangen ist, der vierzig  bekannten Blogger, wie Tobias Nazemi, Sophie Weigand, Jochen Kienbaum, Marc Richter von „Lesen macht glücklich“, Claudia Pütz vom „Grauen Sofa“, etcetera, diese Frage gestellt wurde.

Ein Buch das ich demnächst lesen und besprechen werde und Tobias Nazemi vom „Buchrevier“ auch einer der „Buchpreisblogger“, auf dessen Blog ich auch  gern kommentiere und ihn lese hat noch eine andere Idee gehabt, nämlich den sogenannten „Blogbuster-Preis“, wo er, glaube ich vierzehn oder fünfzehn Blogger, die sich für die Gegenwartsliteratur interessieren, aussuchte, an die man dann, wie er auf letzten „Frankfurter Buchmesse“ bekannt gab, ein Mansuskript schicken konnte und diese  Blogger haben dann aus über zweihundertfünfzig eingereichten Manuskipte eine sogenannte Longlist zusammengestellt.

Das heißt, jeder hat sich aus den ihm zugesandten Manuskripten einen Favoriten oder Favoritin ausgesucht, die dann auf seinen Blog vorgestellt und inzwischen gibt es auch ein sogenannte Longlistlesebuch mit einer Textprobe der ausgewählten Romane, die werden jetzt von Tobias Nazemi, Dennis Scheck und noch einigen anderen professionellen Kritiern, durchgeschaut, im April gibt es eine Shortlist und im Mai wird dann in einem Literaturhaus der Sieger oder die Siegerin vorgestellt, bekommt einen Verlagsvertrag und bei der nchsten „Frankfurter Buchmesse“ gibt es dann das ausgesuchte Buch.

Toll, könnte man so sagen und ich finde Bloggeraktivitäten und Selbstbewußtsein auch sehr schön. Das Ausgewähltwerden  gefällt mir weniger, aber beim „Buchpreisbloggen“ ist das ja kein Problem, da kann  ja jeder die Bücher lesen und darüber schreiben und ich kann auch inoffiziell in Leipzig über das blaue Sofa bloggen, die offizielle Bloggerin war da heuer Mara Giese und wenn sie etwas dafür bekommen hat, ist das auch sehr schön.

Der „Bloggerdebutpreis“ war auch sehr toll, denn da durfte  jeder mitmachen und ich habe mich sogar noch angemeldet, als der Anmeldeschluß schon fast vorüber war.

Beim „Blogbusterpreis“, bin ich wie beim „Bachmannpreis“ ein wenigskeptisch, denn ich habe jetzt das Longlistenlesebuch vor mir liegen, die Proben noch nicht gelesen und werde da wohl auch nicht wirklich fündig werden, denn was sagen schon zwanzig dreißig Seiten, daß müßte ich wohl alles lesen, um einen Eindruck zu bekommen, bin aber sicher, daß mir mehr als ein Text gefällt und, was mich wirklich stört ist die Frage, was passiert da mit den zweihundertneundvierzig oder so anderen Manuskripten, die eingereicht haben und nicht ausgesucht wurden.

Ich habe nicht eingereicht, weil ich sicher war mit meinen Rechtschreibfehlern nicht ausgewählt zu werden, denn die Blogger  und die vierzehn Texte, die in dem Buch drinnen sind, sollen, habe ich gehört, eine große Qualität haben, also die Besten von den Besten sein, denn die Blogger sind ja nicht nur sehr selbstbewußt, sondern auch sehr streng, so hat Jochen Kienbaum keinen Kanditaten ausgewählt, weil keines der Manuskripten seinen Ansprüchen genügt hat. Er hat das auf seinen Blog ausführlich begründet. Aber ich denke mir jedesmal wenn ich mir Literatursendungen, wie beispielsweise die „Literarische Soiree“ oder den „Literaturclub“ ansehe, daß da Bücher sehr sehr unterschiedlich besprochen werden.

Was dem einen gefällt, nennt der andere Schwachsinn oder umgekehrt und ich habe beispielsweise mit dem Longlistbuch von Joachim Meyerhoff im letzten Jahr nicht viel anfangen können, obwohl die meisten andern sehr davon schwärmten.

Also denke ich, vielleicht hätte Dennis Scheck oder die anderen Großkritiker ausgerechent Jochen Kienbaum Kanditaten, der jetzt keine Chance hat ausgewählt. Aber wenn das so wäre, bleiben noch die anderen über und das ist etwas was mir ja, wie ich sehr oft schreibe, nicht so gefällt.

Macht ja nichts, kann man denke, wenn die Manuskripte so gut sind, werden sie schon eine Agentur und einen Verlag finden und die Blogger wollen wahrscheinlich gerade mit ihrer Strenge ihre Professionalität beweisen und man kann sich seine Bücher auch inzwischen selber machen.

Viele tun das, aber trotzdem haben zweihundertfünfzig Leute ihre Texte eingereicht, vierzehn wurden für die Endbewertung ausgewählt, dann gibts bald eine Schortlist  und schließlich entsteht ein Buch. Die Blogger frohlocken, und die anderen schönen Texte bleiben über, finden eine andere Option und machen es selbst…

So ist es auch in Klagenfurt und abgesehen, daß ich immer die Frage nach den zweihundert anderen Texte stelle, bin ich natürlich  auch gespannt, wer da am Ende das Rennen macht? Glaube aber, wie auch beim dBP nicht, daß am Ende das beste Buch gewinnt, stehe dieser Auswahl- und Bestensucht skeptisch gegenüber und auch das andere lesen und mich für die Selfpublisher interessiere.

Man kann zu diesem Preis auch noch anmerken, daß man da auch schon etwas selber verlegt haben durfte, das ist ja bei den deutschen oder österreichischen oder Debutpreisen ausgeschlossen, da dürfen keine Selfpublisher ran, hier darf man keine Genres also keinen Krimi und keine Phantasy schreiben, was die Selfpublisher oft tun. Man sieht immer Regeln, Grenzen Stolpersteine.

Die Blogger sind aber sehr stolz auf ihre Favoriten, urteilten hart und zweihundertdreißig Bewerber bleiben über oder haben vielleicht gar nicht erst eingereicht.

Ich wnsche aber allen viel Erfolg und viele Leser, wenn sie dann ihr Buch trotzdem bei einem Verlag oder auch selbst herausbringen. Freue mich über die Bloggeraktivitäten, habe gestern wieder mein interessan am Bloggerdebutpreis angemeldet und da auch zwei Vorschläge für die Longlist gemacht, werde höchstwahrscheinlich wieder Buchpreisbloggen und auch selber publizieren, sowie gespannt sein, wer  den Preis gewinnt und auch neugierig, ob ich von den übergebliegenen Longlistkanditaten noch etwas hören oder lesen werde.

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