Literaturgefluester

2016-06-15

Mimikry

„Mimikry- das Spiel des Lesens“, ein Buch für mich könnte man so sagen und es ist jetzt doch zu mir gekommen und auch noch gerade rechtzeitig vor dem Urlaub, so daß ich es mitgenommen habe, damit ich, wenn alle Stricke reißen, etwas zum Lesen habe, obwohl es ja mit Kroatien nicht so viel zu tun hat.

Die Stricke sind auch nicht gerissen, aber als ich in Montenegro keine Lust  auf Zagreb hatte und den Bora Cosic schon gelesen hatte, habe ich mir ein paar Abende gegeben und am Samstag bin ich in Motovon mit Jagoda Marinic II fertig geworden und habe auch noch ein bißchen geraden.

Dann bin ich mit dem unfertigen Buch nach Harland gekommen und habe da zuerst einmal gebloggt und gebloggt und mich dann mit dem Buch in die Badewanne begeben, da rauchte aber schon der Kopf und ich war nicht mehr so ganz aufmerksam, aber ich habe ja  im Literaturhaus begeistert mitgespielt und mich auch schon ein bißchen eingelesen.

Ein Buch oder Spiel für mich, das die Mitglieder der zentralen Intelligenz Agentur austüftelten und vorigen Sommer durch die Berliner Schickeria gespielt haben, Ann Cotten war auch dabei, aber die wohnt, glaube ich auch dort und wenn ich das Prnzip dieser ZIA richtig verstanden habe, sehen sie in dem Spiel einen anderen Sinn als ich.

Sie wollen, glaube ich beweisen, daß man Literatur fälschen, planen, vorauskonstrueren, erraten, etcetera kann und so hat Kathrin Passig ja auch vor einigen Jahren den Bachmannpreis gewonnen, indem sie angeblich oder auch tatsächlich ihren Siegertext sozusagen nach den vermuteten Bachmyann Kriterien konstruierte.

Jetzt meinen sie, wenn ich es richtig verstanden habe, es gäbe keine Originale und die Fälschuingen sind oft besser. Mir macht an dem Buch, glaube ich, das Raten am meisten Spaß und meine eigenen Romanfänge habe ich auch schon zu Jahresanfang hier gebloggt und mit der Wurfgeschichtenidee habe ich meinen letzten Roman geschrieben. Also auch ein bißchen konstruiert, könnte man sagen, aber da war ich in einer Schreibblockade, so daß ich nach den rettenden Strohhalm griff, aber die habe ich, wie es aussieht in Kroatien verloren, aber nun zurück zum Buch beziehungsweise zum Spiel.

Da haben sich also im vorigen Sommer immer ein paar Leute der Kulturschickeria in einer Wohnung, einmal auch in einer U-oder S-Bahnstation getroffen, es gab einen Gastgeber, der kochte und einen Chronisten, der alltes aufschrieb und nach dem Esen und Trinken setzte man sich zusammen, holte ein paar Bücher aus den Regalen, las ein paar Seiten vor, um sich in den Stil einzulesen, dann las der Spielleiter, den man bestimmte den ersten Satz und die anderen schrieben den nächsten Absatz im Stil der Autors.

Der Spielleiter schrieb das Original. Dann wurde vorgelesen und danach geraten und es gab, glaube ich, zwei Sieger, der der richtig riet und der dessen Text noch besser als der des Autos war.

Damit hätte ich niun meine Schwierigkeiten und es stellt sich auch in Zeiten, wo ich beispielsweise öfter schon Klagsandrohungen bekommen habe, auch die Frage, ob man das eigentlich darf, ein Buch in seinen Sinn weiterzuschreiben?

Offenbar darf man das, „Aufbau“ wird sich schon erkundigt haben und das Raten ist ja auch sehr interessant.

Neunzehn solche Abende hat es gegeben und sie werden in dem Buch genau kommentiert. Es gibt sogar eine mit Bildern untermalte Spielanleitung, obwohl man die eigentlich nicht braucht.

Im Literaturhaus habe ich mitgespielt und fast gewonnen, ein bißchen hätte ich, ich gebe es zu,  geschummelt dabei und jetzt war es auch sehr interessant mit den Stilen der Autoren, denn einige Bücher und Autoren waren darunter, die mir völlig fremd waren.

So gibt es zum Beispiel von  Franz Josef Wagner offenbar ein Buch, das sich mit dem Flüchtlingsmädchen beschäftigte, das vor einem Jahr vor Angela Merkel weinte, die es dann gestreichelt hat.

Ein Glückkekstext wurde auch weitergedichtet, aber sonst habe ich einige Bücher gelesen, den „Cirkle“ von Dave Eggers beispielsweise und das Original trotzdem nicht erkannt.

Es ist also nicht ganz so leicht,  man vergißt auch viel und die Mischung der vorgestellten Bücher war auch beachtlich. Jeder der neuzehn Abende wird also ganz genau beschrieben, dann gibt es einen Biografienteil, wo sich immer zwei der Spieler gegenseitig vorstellen und das meist auf eine Art und Weise tun, daß man sie eigentlich nicht erkennt oder nachher nicht viel mehr von der Person weiß, als man ohnehin schon wußte.

Die Spieler waren Autoren, Büchermenschen, Verleger, Journalisten. Annika Reich war dabei, Ronja von Rönne, Jan Böttcher,  sehr viele „Aufbau-Autoren“ also, aber auch Elke Schmitter, die ich ja jetzt bald lesen sollte, aber nicht und nicht dazu komme, weil ich mir vorher immer wieder andere schöne Bücher bestelle oder sie angeboten bekomme. Ursula März und Ijoma Mangold, die Kritikergrößen haben auch mitgespielt.

Es gibt dann auch noch einen ausführlichen Bildteil, wo man die Speisen, die Bücher und auch die Spieler sehen kann und den Rat nun selber zu spielen und das habe ich auch vor zu tun, beziehungsweise würde ich gerne, wenn meine Leser mitspielen, die „Berührungen“ in einer „Mimikry-Runde“ vorstellen.

Ich weiß, das ist bei mir schwierig. Ich versuche es trotzdem und stelle den ersten Satz meines Work on Progreß ins Netzt, der lautet:

„Es war ein trüber Märzmorgen, als Anna Augusta Augenstern in ihren orangeroten Filzpantoffeln zum Fenster tappte, die Vorhänge beiseite schob und auf die Terrasse blickte.“

Wie könnte es weitergehen? Es wäre schön, wenn ich drei bis vier Romanfortsetzungen von ungefähr einer Absatz Länge hätte.

Für jeden, der mir was schickt, gibts dann das Buch nach Erscheinen. Ich stelle dann die Vorschläge mit dem Original bei der Vorschau statt den Qizzfragen ins Netz und dann kann man raten!

Wer es errät, bekommt dann wieder ein Buch. Wäre schön, wenn ich Mitspieler fände, denn die Idee gefällt mir eigentlich  recht gut und literarisch spielen ist auch sicher kreativ!

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2016-01-20

Wir sind Cyborgs

Filed under: Bücher — jancak @ 00:45
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Jetzt kommt ein Sachbuch aus dem „Blumenbar-Verlag“ des auf „Grenzgänger-Reportagen“, spezialisierten  Alexander Krütztfeldts zu einem brissanten Thema, die Bindung des Menschen zur Maschine oder, „wie uns die Technik unter die  Haut geht“, beziehungsweise, ob wir unsere Leistung verbessern, wenn wir uns Chips einpflanzen lassen und ob wir das nur tun dürfen, wenn unsere Sehkraft schon im Argen ist oder ob es Sinn macht, sie von hundert auf hundertachtzig Prozent zu verbessern oder, ob wir nicht geradezu verpflichtet sind, das zu tun, weil wir unser Unfallrisiko und das unserer Kinder dadurch stark reduzieren?

Ein bißchen mag das alles noch in der Zukunft liegen und die Wissenschaftler, die Alexander Krützfeldt dazu befragte, wie beispielsweise Thomas Stieglitz, vom Instutut für Molekularbiologie in Freiburg, sehen das auch noch ein wenig skeptisch und abwartend, aber Alexander Krützfeldt, 1986 geboren, nahm sich ein Jahr dafür Zeit, bereiste die USA und Deutschland, befragte Experten und machte auch Ausflüge in Literatur und Film, um dieses Themas umfassend zu erleuchten.

Zuerst vielleicht die Definition, ein Cyborg, ist ein Mensch, der sich Technik, also Implantate, Chips, Magnete, etcetera einsetzen läßt, um seine Leistung zu steigern, Spaß zu haben, Defizite zu beheben und so weiter.

Das unterscheidet ihm vom Roboter, die Maschine, die dazu konstruiert wurde, um beispielsweise, den Haushalt zu steuern, alte Menschen zu pflegen, Kinder zu sitten, etcerta, in Japan sollen Pflegeroboter schon Standard sein.

Das Buch beginnt mit einem Prolog, beziehungsweise in Amerika auf einer Cyborg-Konferenz. Da hat sich Krützfeldt mit einigen dieser Spezialisten unter anderen mit Tim Cannon „Cyborg, Hacker, Menschmaschine“, getroffen, übernachtet mit ihnen im Motel, resumiert über denamerikanischen Way of life, nämlich, daß man fast schon ein Taxi braucht, um von der einen Seite der Straße auf die andere zu kommen und, daß man Europäer daran erkennt, daß sie das zu Fuß versuchen wollen.

Der Cyborg Cannon raucht E-Zigareten und ernährt sich wahrscheinlich von Pizza aus der Schachtel und interessant, wird diese Konferenz dadurch, weil die Teilnehmer aufgefordert werden, sich einen Chip für fünzig Doller einsetzen zu lassen.

Krützfeldt, ein Brillenträger, lehnt ab, also käme eine Laserbehandlung für ihn in Frage und eine an der Konferenz teilnehmende Ärztin ist entsetzt, daß das von nicht medizinischen Personal durchgeführt werden soll.

Es sind, glaube ich, die Piercer, die das machen und dann wird gleich die Frage diskutiert, ob man schon ein Cyborg ist, wenn man ein Smartphone besitzt?

Nein, denn das kann man theoretisch weglegen, trotzdem beginnen viele ihren Tag damit und beenden ihn auch so.

Krützfeldt fährt nach Deutschland zurück, wo man vielleicht noch nicht so weit entwickelt ist, trifft aber einen Cyborg, der sich einen Magneten ein- und dann wieder auspflanzen ließ, um dieses Gefühl, das man dann hat, kennenzulernen und spricht auch mit einem, der, weil schwerhörig, Besitzer eines Cochlear-Implantates ist.

Da stutzte ich ein wenig, denn mit dieser Technoligie, bin ich schon in den Achtzigerjahren, als ich Assistentin an der  II. HNO-Klinik war, in Berührung bekommen, ja und ein Herzschrittmacher ist auch eine Cyborg-Technologie.

Die Literatur und die Filme kommen vor,  gibt es ja „Matrix“, sowie den“Terminator und Aldous Huxley hat ja schon vor vielen Jahren, die schöne neue Welt beschrieben, Dave Eggers erst vor kurzem, aber sein „Circle“ erinnert mich ein bißchen an die Cyborg-Theorien, beispielsweise an die Frage, ob man sich die Augen lasern muß, weil man damit für seine Kinder sicherer ist?

Krützfeldt beschäftigt sich auch mit den Technikverweigerern, also den Leuten, die Smarthphones, Chips zur Gesundheitsmessung und Leistungssteieigerung für unnötig halten und vergleicht sie mit den „Amish people“, das sind die Leute in Amerika, die immer noch mit Pferdekutschen fahren und altmodische Kleider tragen.

Das würde ich ein bißchen anders sehen und war über die Geschwindigkeit und die vielen Stil- und Perspektivenwechsel des Grenzgänger-Reporters, Krützfeldt bezeichnet auf der Danksageseite sein Buch selbst als „verrückt“, ein bißchen verwirrt, weil mir nicht immer ganz klar war, was ist jetzt real und was gehört in den „Sci Fi-Bereich“?

Aber die Idee mit der freiwilligen Selbstbeschädigung zur Leistungsotimierung, Schönheitsoperationen gehören auch dazu und sind wahrscheinlich schon „State of the Art“, läßt vielleicht ein bißchen an die Borderlineproblematik denken, Selbstverstümmelung scheint es bei den Piercern und Chipseinsetzern ja zu geben oder vorzukommen.

Also sicher ein interessantes Buch für die Handyverweigerin, die auch sehr oft als Erstes am Morgen nach dem Laptop  greift und nach dem sie ihn abgeschaltet hat, schlafen geht und bezüglich, der Zukunft, da stimme ich, Alexander Krützfeldt zu, ist es sehr spannend zu beobachten, was davon Wirklichkeit werden wird und was in der Spekulation verbleibt?

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