Literaturgefluester

2020-10-20

Land in Sicht

Jetzt kommt wieder ein Debut nämlich das hundertsechzig bei „Blumenbar“ erschienene Büchlein, der1990 bei Stuttgart geborenen Ilona Hartmann und es ist eines, das schon von der Beschreibung her ungewöhnlich und originell, vor allem für mich als Wienerin, die schon ein paar mal die Donau entlang gefahren oder geradelt ist, klingt.

Jana vierundzwanzig ist ohne Vater aufgewachsen. Das ist einmal für die selbstbewußte schnoddrige junge Frau kein Problem, bis eine Freundin ihr erklärt, daß man ohne diesen nur ein halber Mensch ist. Das will sie natürlich nicht bleiben. Also schaut sie beim nächsten Mutterbesuch in deren Adreßbuch nach und erfährt ihr Vater Milan ein Tscheche ist Kapitän der MS Mozart, ein Kreuzfahrtschiff, das von Passau nach Wien und wieder zurück fährt und dort eine Woche lang beborzugt Paare über sechzig beherbergt. Also leiht sie sich das Geld von ihrer Großmutter und checkt ein. Der älteren Dame, die sie fragt, was sie hier macht, erklärt sie was von einer Großmutter, die die Fahrt bei einem Preisausschreiben gewonnen hätte, aber nicht fahren wollte und den Vater begegnet sie auch gleich, als sie zum ersten Abend vorüber an seinem Kapitänshäuschen geht. Der Bordmusiker Bob erzählt ihr eine Geschiche und fordert sie zum Mitsingen auf. Der Vater erklärt ihr, wie das mit dem Trappistenkloster in Engelhardtszell ist.

Dort versäumt sie das Schiff, weil sie sich verjoggt, also läßtsie sich mit einem Taxi nach Linz bringen. Dort bleibt das Schiff lange sehen. Ein Barbesuch mit dem Vater ist geplant. Die nächste Station ist dann schon Wien und ich dachte, wo bleibt das Stift Melk, aber zuerst geht es in den „Lachenden Esel“, ein Restaurant in der Augustinerstraße an dem ich immer vorübergehe, wenn ich von der „Gesellschaft“ komme. Dort outet sie sich dem Vater, der ein unstetes ungebundenes Leben hatte und viel auf Reisen war.

Sie radelt mitihm bis zum Zentralfriedhof, besucht dort Falcos Grab und man weiß nicht recht, hat das Ilona Hartmann aus dem Reiseführer oder wirklich eine solche Schiffreise gemacht?

Ich weiß auch nicht, ob es Kreuzfahrten von Passau nach Wien und zurck gibt. Bin aber einmal mit einem Schiff von Bratislava nach Wien gefahren und als Kind und noch einmal mit derAnna von Wien nach Dünstein. Geradelt bin ich das auch ein paarmal und das Vater Outing scheitert vorerst.

Mit vollen Kopf kommt sie aufs Schiff zurück, versäumt das Frühstück, läßt sich während ein zerstrittenes Paar das Schiff verläßt, vom Vater mit einen geborgten Auto durch die Wachau fahren, versäumt dann das Abschiedsdinner und steht mit ihm in Passau, wo er ihr eine Sonnebrille schenkt. Die Gleiche, wie er selber hat, etwas vom nächsten Mal murmelt, wo er ihr schöne Sachen zeigen wird und dann verschwunden ist, als sie noch denkt, daß es jetzt etwig so weitergehen könnte.

„Die Donau ist übrigens überhaut nicht blau“, lautet einer letzten schnoddrig schönen Sätze von denen ich mir einige angestrichen und ein interessantes Buch gelesen habe. Mal sehen, ob es auf die Bloggdebutshortlist kommt, dann wäre es wahrscheinlich neben dem Stefan Roiss schon eine Favoritin.

2020-08-04

Das Fest des Windrades

Weiter geht es mit den älteren Büchern auf der Leseliste, Isabella Straubs zweiten Roman, ein Fund aus dem Bücherschrank, den es im Vorjahr einmal dort gab, als ich mit dem noch nicht so gut verheilten Knöchel von irgendeiner Veranstaltung nach Hause gefahren bzw. gehumpelt bin und dvon der 1968 in Wien geborenen, in Klagenfurt lebenden Autorin habe ich durch den FM4 Wettbewerb, den sie einmal gewonnen hat, etwas gehört, das Buch hat das einiges Aufsehen erregt, Isabella straub hat auch bei einem Literaturhausfest daraus gelesen und jetzt habe ich mich mit Begeisterung darauf gestürzt, um so mehr da ich ja den dritten Straub-Roman gelesen habe.

„Das Fest des Windrads“ könnte man grob als Kapitalismuskritik bezeichnen, ein sich Lustig machen über die prekären oder sehr elitären Arbeitsverhältnisse von Heute.

Am Buchrücken steht etwas vom Leben am Land und von der Selbstfindung, das habe ich nicht so sehr empfunden und wirklich neu ist das alles wahrscheinlich auch nicht, wenn auch sicher originell.

Da ist Greta, eine Managerin in der Medizintechnikbranche. Sie fährt im Zug von Wien nach St. Marino, zu einer Fachmesse, träumt da von einem Abendessen mit einem ihrer Vorgesetzten und einer möglichen Beförderung. Sie ist die Hype-Frau von heute, die sich nur mit verheirateten Männern einläßt, Markenkostüme trägt, Champagner oder Cocktails trinkt, etcetera. Der Zug bleibt im Oed am tiefen Graben stehen. Das Zugspersonal verschwindet, sie springt aus dem Fenster und in das Taxi von Jurek Bach hinein, der eigentlich einen Botendienst hat. Er liefert in Oed, das der Beschreibung nach mehr eine Stadt, als ein Dorf ist und Ziffern statt Straßennamen hat, an seine Klienten Pakete ab.

Da gibt es beispielsweise einen dicken Diabetiker, den seine thailändische Frau verlassen hat, einen Doktor, der alle untersuchen will, auch wenn man nur Pakete von ihm holt, etcetera.

Jurek hat eine Tochter und eine gescheiterte Ehe hinter sich und hat das Elternschlafzimmer in dem Haus, das er bewohnt, versperrt. Dort erscheint nun seine Tochter Lynn mit ihrem Freund Alfred und will sich bei ihm einquartieren. Der Freund ist ein Versicherungsfachmann und hinterläßt, während er Jurek bei seinen Botengängen begleitet, überall seine Flyer, denn er versichert Emotionen, nicht nur Wasserschäden,

Greta will eigentlich aus dem Dorf hinaus, kann aber nicht, denn zuerst ist sie nach dem Schock zu betrunken, dann muß sie Joe, den Diabetiker in die Burnout-Klinik begleitet, schließĺich erleidet sie einen schwächeanfall, so bleibt sie zum Fest des Windrades, das ist das Wahrzeichen, das die Amerikaner nach dem Krieg dem Dorf hinterlassen haben, das soll jetzt verbrannt werden und alles wird wieder gut.

Denn Greta, die erfährt, daß sie nicht befördert, sondern gefeuert werden sollte, wird Versicherungsmaklerin und Jurek gewinnt beim Tombola, ihre Zugsfahrkarte, die sie nicht benützen konnte und kommt daher vielleicht aus dem Dorf hinaus, während sie dort bleiben und ihre Schulung machen wird.

2018-01-06

Der Weg nach Los Angeles

Filed under: Bücher — jancak @ 00:12
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Jetzt kommt das letzte Rezensionsexemplar von der 2017-Leseliste, die anderen Bücher, die ich von dort auf 2018 verschoben habe, waren die Geburtstagsbücher und eines, wie ich fast pathetisch sagen könnte, von den Jahresbüchern, denn es hat mich, obwohl ich ja nicht soviel von den großen Amerikanern halte, sehr beeindruckt und dabei habe ich von dem 1909 geborenen und 1983 verstorbenen John Fante, glaube ich, erst durch Charles Bukowkis Buch „Über das Schreiben“ erfahren.

Jetzt ist das Buch, das in Los Angeles 1935/35 vom fünfundzwanzigjährigen Autor geschrieben wurde und das erst 1985 erschienen ist, weil damals ein Buch mit diesem frechen Tonfall, wie man sagen könnte, niemand drucken wollte, von Alex Capus übersetzt bei „Blumenbar“ herausgekommen und es hat mich, wie geschrieben, sehr beeindruckt, was wohl daran liegen könnte, wie Capus in seinem Nachwort schreibt, daß das Buch, das ja jahrzehntelang in der Schublade lag und nur die ersten Seiten von seinem Autor gekürzt wurden, unlektoriert veröffentlicht wurde und wenn ich unken würde, würde ich sagen, man merkt es an der Kraft und ich versuche mir gar nicht vorzustellen, was passiert wäre, wenn die Lektoren daran herumgestrichen hätten.

Alex Capus hat es, wie er schreibt ein bißchen getan und ein paar Fehler ausgemerzt und am Klappentext steht etwas, wie, daß man  den achtzehnjährigen Aturo Bandini, den Protogonisten und Alter Ego, des Autos ob seiner arroganten Grobschneuzigkeit lieben wird.

„Bookster“, der das Buch auch schon gelesen hat, meint, daß Bandini ihm sehr unsympathisch war und ich wundere mich  fast ein bißchen, daß ich das nicht auch schreibe, denn ich bin ja gegen die Gewalt, aber auch wenn mir das mit dem Krabbentöten zu  viel ist, kann ich das hier geschilderte psychologisch nachvollzuziehen und finde,  ist es ein großartiges Buch, das in einer ziemlichen Ehrlichkeit aufzeigt, wie das Aufwachsen in einem Vorort von Los Angeles in den Neunzehndreißigerjahren des vorigen Jahrhunderts so war.

Über das Leiden der mittelalten deutschen Männer habe ich in den letzten Jahren ja sehr viel gelesen und es ist immer das gleiche, dieser Arturu Bandini zeigt aber, glaube ich, sehr sehr stark die Widersprüchlichkeit der jugendlichen Seele auf und  übertreibt natürlich sehr dabei, hat er Psychologin aber sehrgefallen und „Hasenherz“ habe ich, glaube ich, ähnlich stark empfunden.

Interessant ist dabei auch, daß ja auch John Updike, wie auch John Fante noch Folgebande mit dem selben Protagonisten hat, die ich nicht gelesen habe, würde aber fast vermuten, daß ich die dann nicht mehr so stark empfinde. Mal sehen, ein paar sind ja schon bei „Aufbau“ erschienen, vielleicht kommen sie noch zu mir.

Ich weiß nicht, ob die deutsche Übersetzung, die gekürzte oder die ursprüngliche längere Fassung ist, wenn es die längere ist, wäre ich für die Kürzung und meine, daß das Buch stimmiger wäre, wenn es gleich mit dem sich Einsperren in den Kleidnerkasten beginnt und das paarmalige Stellenschmeißen weggelassen  würde, weil dann ja ohnehin die Arbeit in der Fischfabrik beginnt.

Da is also Arturo Bandini, ein achtzehnjähriger Junge, Sohn italienischer Einwanderer, der mit seiner Mutter und seiner sechzehnjährigen Schwester, die er bigott, katholisch und die „Nonne“ nennt, in einem Vorort von Los Angeless lebt. Er ist rotzfrech und wohl das, was man „himmelhoch jauchzend und zu Tode betrübt nennt“, überschätzt sich ständig, nennt sich den großen Bandini und ist dann wieder voll verstört und muß sich übergeben, als er in die Fischfabirik eingeführt wird, aber davon erst später.

Erst wirft er mit seiner frechen Schnaute ein paar Hungerjobs weg, geht dann in die Biblsiothek zu der schönen oder auch häßlichen Miss Hopkins, der er natürlich auf die Beine schaut, borgt sich von ihr Nietzsche, Schopenhauer und Spengler aus. Liest die Bücher ohne sie zu verstehen, zitiert deren geschraubte Sprache aber ständig und irgendwann kommt ihm auch die Idee der großte Schrifjtsteller auf Erden zu werden. Dazu kauft er sich einNotizbuch und schreibt dann Sätze hinein wie:

„Eine moralisch-philosophische Dissertation über Mann und Frau von Arturo Bandini

„Nur der schwache Mann begeht die böse Tat, wieso sollte er aber schwach sein. Es ist besser stark zu sein als schwach, denn Schwäche bedeutet Mangel an Kraft. Vermeide Schwäche, auf, daß du stark werdest. Schwäche verzehrt das Herz des Weibes. Stärke  nährt das Herz des Mannes. Willst du zum Weibe werden? Wohlan, dann werde schwach. Es lebe die Stärke! O Zarathustra, schenke deinen Weibern Schwäche! O Zarathusra schenke deinen Männern Kraft! Nieder mit der Frau! Es lebe der Mann!“

Und zu seiner Schwester Mona hat er Sätze, wie „Nenn mich nicht Trottel, du Neurose! Du verklemmte frustrierte, sabbernde, geifernde Halbnonne!“, gesagt.

Vorher hat er sich aber in dem Kleiderkasten, des offenbar einzigen Zimmers der Wohnung, seines Studierzimmers, wie er das nennt, eingesperrt und sich dort mit „seinen Frauen“, die aus Zeitungen ausgeschnitten hat, beschöftigt. Die zerstört dann in einem Anflug an Größenwahn, um es dann gleich wieder zu bereuen.

Himmelhoch jauchenz und zuTode betrübt, wie man merkt und ein Luftgewehr hat er sich auch gekauft, um damit, die Krabben, die er am Wege findet zu töten.

Da würde ich „Halt!“, sagen, sonst erscheint mir der jugendliche Ungestüm aber sehr authentisch. Das Schneiden und das Ritzen, um sich zu spüren und sich den Daumen abbeißen,, was man heute „Borderline“ nennt,  kommt auch vor. Die Schwester, die offenbar gesünder ist, nennt ihn dann herablassend „Spinner!“ und lacht  über sein Erstlingswerk und nennt es „doof“, während die Mutter sich in mütterlicher Liebe windet, es des Sohnes wegen, großartig findet, dann aber gesteht, daß es ihr der Katholikin viel zu unmoralisch ist.

Es kommt auch der Onkel Frank, der die Familie unterstützt und verschafft dem Neffen eine Stelle in einer Fischfabrik. Da wird auch sehr köstlich beschrieben, wie der große Arurto, sich großspurig aufbäumt und sagt, er tue das alles nur, weil er eine Studie über die Bedingungen in einer Fischfabrik schreiben will. Ja, er ist sogar vom Präsidenten dorthin gesandt worden. Dann steht er am Fließband, um die Konserven zu ettiketieren, für fünfundzwanig Cent in der Stunde soll er das tun und speibt sich an.Von den Kollegen, den Filippos, Japanern und Mexikanern, die er verächtlich „Nigger!“, nennt, wird er dann gehänselt. Sie stecken ihm auch einen Fisch in die Hose und nehmen ihm dann nicht sehr ernst.

Er bleibt auch nicht lange dort, denn er hat eine Frau in einem lila Mantel gesehen, ist ihr gefolgt und beginnt dann in dieser Erleuchtung seinen ersten Roman, den, den die freche Schwester dann „doof“ nennt und sich vor Lachen überkugelt, zu schreiben.

Diese Szenen habe ich als sehr rührend empfunden und als der Chef ihn zu sich holt, weil er das am Klo tut, lügt er vor, die Mutter wäre sterbenskrank, so daß er zu ihr geschickgt wird und im Park weiterschreiben kann.

Er greift dann auch die Schwester an, stiehlt der Mutter den Ehering und  anderen Schmuck, verkauft ihn, um hundert Dollar bei einem Pfandleier und geht dann los nach Los Angeles um ein Schriftsteller zu werden.

„Mit  dem Koffer in der Hand ging ich hinunter zum Bahnhof. Ich musste zehn Minuten warten, bis der Mitternachtszug nach Los Angeles fuhr.  Ich setzte mich hin und dachte über den neuen Roman nach.“

So endet das Buch und John Fante füge ich hinzu, wird das 1935 oder 36 wohl auch so getan haben und seinen ersten Roman dann dort an einige Verlage geschickt haben, die ihn als undruckbar  zurückschickten, so daß er erst nach seinem Tod erscheinen konnte, nachdem Charles Bukowski erklärte „John Fantes Romane gehören zum Besten, was die amerikanische Literatur je hervorgebracht hat.“

2017-08-04

Sieben Nächte

Jetzt kommt offenbar das neue Kultbuch der Saison und eines das in den letzten Tagen ständig in den Blogs und Booktube Videos auftauchte und inzwischen auch schon auf der „Longlist des Bloggerdebutspreis“ gelandet ist.

Vielleicht kommt es auch noch auf die Longlist des dBp und mit etwas Verspätung ist „Sieben Nächte“ des 1988 in Berlin geborenen Simon Strauß auch zu mir gekommen.

Und ich kann sagen, das kleine dünne Büchlein mit dem traurigen Männergesich am Covert hat wirklich eine starke Sprache und scheint den Nöten der gerade Dreißigjährigen, die, die der trauigen Freiheit des Prekatriats gegenüber oder gegenunterstehen mit einem Faustischen-Bekenntnis und den sieben Todsünden, die man offenbar begehen muß, um dieser Tristesse zu entkommen gegenüberzutreten.

„Was für ein leidenschaftliches, angstfreies, traditionstrunkenes, zukunftsgieriges Kampfbuch gegen die Abgeklärtheit, gegen die Müdigkeit der in-Spuren-Geher. Ein Pamphlet für die Offenheit der Herzen“, schreibt der literarische Quartett Guro Volker Weidermann am Rücken des bei „Blumenbar“ erschienenen Büchleins, was ich ein wenig übertrieben und auch nicht ganz eingehalten finde.

Die starke Sprache und die stille oder laute Verzweiflung des noch nicht Dreißigjährigen, wie ich es mir interpretieren würde, hat mich aber auch beeindruckt.

Das sitzt einer „Vor dem Anfang“ und schreibt gegen die Angst. Der tut das dann auch in den folgenden sieben Nächten, wo die sieben Todsünden beschrieben werden und er tut das, jetzt schreibe ich das, glaube ich, schon zum dritten Mal, sehr stark:

„Das hier schreibe ich aus Angst. Aus Angst vor dem fließenden Übergang. Davor nicht gemerkt zu haben, erwachsen geworden zu sein. Ohne Initiation, ohne Reifeprüfung einfach durchgerutscht  bis zur Dreißig“

Und so weiter und so fort, die Handlung ist dagegen schnell erzählt und haben mir schon die Blogger und Booktuber verraten.

Dem gerade noch oder schon Dreißigjährigen, der die besten Chancen und Angst vor der Verbürgerlichung hat, kommt ein  Bekannter, nein kein Pudel, entgegen und macht ihm das Angebot sieben Nächte lang je eine Todsünde zu begehen.

Die werden kapitelweise beschrieben. Im Buch steht dann beispielsweise “ I Superbia“ und weiter hinten im sogernannten Glossar „Superbia-Hochmut Das Hochhaus 07. September“ und von diesem Hochhaus springt der Hochmütige sogann oder läßt sich davon abseilen. Bevor er das tut, läßt er aber wieder seine sprachgewaltigen Pamphlete aus:

„Wie mich diese Welt braucht. Wie sehr sie mich nötig hat. Jetzt. Heute. Hier. Nicht morgen. Nicht irgendwann, sondern  jetzt“.

In der zweiten Nacht oder Sünde geht es  um die „Völlerei“. Da sitzt er dann vor dem Restaurant, damit ihn alle sehen können und läßt sich in Zeiten, wo das ja verpönt ist, die Fleischberge kommen , während er den Bettlern, die höflich auf ihn zugehen, ohne nachzusehen erklärt, gerarade kein Kleingeld zu haben.

Das nächste ist die „Faulheit“, da bleibt er zu Hause und telefoniert mit einem Marketinginstitut und ich denke, das wäre für mich Erstens keine Sünde und Zweites würde es mich wundern, daß der Marktforscher in der Nacht anruft.

Dann gehts zum Thema „Habgier“ auf die „Trabrennbahn“, er setzt zwei Euro gewinnt zweiundvierzig und ärgert sich, beobachtet dabei einen Familienvater, er nennt ihn, glaube ich, leicht verächtlich „Superdaddy“, der seinem Kind, auch in der Nacht?, Nutella Crepes besorgt.

Man sieht, ich bin etwas verwundert, weil der Inhalt nicht so ganz hält, was er verspricht, da sich die Sünden, wenn sie überhaupt welche sind, eher im Kopf, also in der verpönten „Tell statt show-Zone“ abspielen.

Und dann gibts es noch den „Neid“ und die „Wolllust“, die Todsünde „Neid“ wird in der Universitätsbibliothek, die „Wolllust“ auf derm Maskenball betrieben und der Jähzorn spielt sich während einer „Autofahrt“ ab.

Da kommt ein Asylwerber vor, der sich darüber ärgert, daß er seine Qualifikation trotz Traumatisierung erst nachweisen muß und das das wütend machen kann, ist ja leider auch in manchen rechten Publikationen zu lesen, während dem Helden der Geschichten, der schreibende Erzähler „Vor dem Ende“ von seinem Bekannten zur „Bestandenen Reifeprüfung“ gratuliert wird und ich bleibe bei dem neuen „Kultbuch“etwas verwirrt zurück.

Denn wäre es wahrscheinlich spannender, den Helden wirklich beim „Maskenball“ mit einer Schönen vögeln und sein Geld verspielen zu lassen, etcetera, bevor er dann nach Studienabschluß bav heiratet und seine Kinder zeugt.

Aber das hatten wir schon merhmals und wäre nicht so originell und ich kann gestehen, bei mir selber wieder „Neidgefühle“ entdeckt zu haben, als ich bei den „Amazon-Kritiken“, die auch nicht alle so euphorisch sind, entdeckte, daß es sich  bei Simon Strauss, um den Sohn des berühmten Botho handeln könnte und habe etwas neidig „Aha!“ und „Da sieht mans wieder!“, gedacht, da war es auch noch  nicht Nacht und bei den anderen Sündenarten wäre ich wahrscheinlich resistenter.

Die „Faulheit“ würde ich als „Müßigang“ oder „Entspannung“ sogar eher zu den Tugenden rechnen.

Enen Satz kann ich am Schluß noch anfügen, er stammt aus Kapitel I „Auf der Rolltreppe (und nur da) stehe ich immer rechts“.

Später habe ich dann nicht mehr so schöne Sätze gefunden, aber vielleicht war ich da die Sprachgewalt schon gewohnt und habe sie nicht mehr so wahrgenommen.

2016-05-18

Literatur Fälschungen

Im Literaturhaus wurde heute ein sehr interessantes und auch ungewöhnliches Buch präsentiert, „Mimikriy, der große Literaturschwindel“, erschienen bei „Blumenbar“ und als ich vor ein paar Wochen im Literaturhaus gesessen bin und das neue Programm studierte, ist mir die Veranstaltung aufgefallen, da ich ja eine Büchersammlerin, eine literarische Rätselraterin und Literaturquizzinteressierte bin und weil mir „Aufbau“ immer seine Bücher schickt, habe ich es  angefragt, leider bin ich dabei aber auf die Beantwortung der Herbstvorschauwünsche gekommen, so daß mein Wunsch wahrscheinlich untergegangen ist, was aber gar nichts macht, denn erstens habe ich ja schon eine so elendslange Bücherliste, daß ich bezüglich meines Recherchelesens nicht und nicht zu meinem „Vicki-Baum-Schwerpunkt komme, von allen anderen Plänen ganz zu schweigen und zweites stand im Programm, konnte man das Buch ja auch bei der Veranstaltung gewinnen und da ich ja keine so ganz unbedarfte Literaturkennerin bin, habe ich mir eine gewisse Chance ausgemalt, erstelle ich mir ja immer selber meine Leserätsel und wahrscheinlich auch meine Literaturspiele und, um ein solches handelt es sich auch bei „Mimikry“, dem von Philipp Albers und Cornelius Reiber herausgegebenen Buch, das auf Grund eines Spieles entstanden ist, das im letzten Sommer in Berlin stattfand und zwar wurden da immer einige Literaturexperten, Autoren, Kritiker, Intellektuelle etcetera zu einer Runde eingeladen und dann wurde aus dem jeweiligen Bücherregal ein paar Bücher herausgesucht, erinnert mich ein bißchen an meine „Wurf- und Greifworte“ mit denen ich mich ja in letzter Zeit bevorzugt beschäftigte.

Aber da wurden ein paar Seiten aus einem Buch vorgelesen, um auf den literarischen Stil des Autors hinzuweisen, danach der erste Satz und dann mußten die Anwesenden so zwischen fünf  und acht Personen, Rona von Rönne war dabei und Iloma Mangold, der aber angeblich immer falsch geraten hat, einer war der Spielleiter, die nächsten Sätze weiterschreiben.

Der Spielleiter schrieb die Richtigen und nachher mußte man raten, welcher Satz  vom Originalautor aus dem Originalbuch war. Da gab es, glaube ich, achtzig Bücher und einige Runden und so ist dann die Idee entstanden,  ein Buch daraus zu machen, wo die jeweiligen Spielabende mit Fotos und den falschen und den richtigen Texten enthalten sind.

Die beiden Herausgeber erzählten das, dem ziemlich leeren Literaturhaus, obwohl, glaube ich, in dem Vorraum sogar die Videowand hergerichtet war, falls ein großer Andrang wäre, weil ja als Literaturexperten und Rätselerrater Tex Rubinowitz, der Bachmannpreisträger vor zwei Jahren, bei dem ich schon einmal in einem sehr vollen Literaturhaus war und dann noch Hanna Engelmeier eingeladen wurden.

Das Publikum durfte  mitraten und das tue ich ja sehr gerne und würde ja auch einmal beim Literaturquizz der „Buch-Wien“ teilnehmen, so waren Zettel ausgeteilt und dann ging es los mit den vorbereiteten fünf beziehungsweise sechs Bücher.

Das erste war von Werner Herzog, die „Eroberung der Nutzlosen“, der ja, glaube ich, eher ein Filmregisseur war, so hatte ich keine Ahnung, was ich raten sollte und bin auch falsch gelegen, die beiden Experten lagen aber richtig, obwohl Tex Rubinowitz immer ziemlich herumredete und den Ahnungslosen markierte.

Beim zweiten war es dann leichter, denn „Amerika“ ist so ziemlich der einzige Kafka den ich gelesen habe und daß Karl Roßmann dorthin geschickt wurde, weil er das Dienstmädchen seiner Eltern geschwängert hat, habe ich mir gemerkt, obwohl ich mir das Buch, glaube ich, schon als Studentin kaufte.

Dann durfte man zwischen Houllebeque und Beigbeder wählen, das Publikum entschied sich für die „Ausweitung der Kampfzone“, das habe ich dann richtig erraten, während ich mir bei Nietzsche „Also sprach Zarathrustra“ und Felizitas Hoppe „Hoppe“, die ich ja vor kurzem in Göttweig aus diesem Buch lesen hörte, mehrere Alternativen vorstellen hätte können.

So brachte ich es dann schließlich auf vier richtige Antworten, habe das Buch aber trotzdem nicht gewonnen, das tat eine junge Kunststudentin, deren Hund man dann bewundern konnte und Wein und Bier und mehr oder weniger intellktuelle Gespräche gab es auch und wenn ich mit den „Berührungen“ dann fertig bin, kann ich ja wieder nach meinen „Wurf und Greifgeschichtenbüchern“ fassen und sozusagen für mich selber „Mimikry“ spielen und mir aus dem gefundenen Wort meine eigenen Geschichten machen und den Spaß meine eigenenen Romananfänge aufzuschreiben, habe ich mir auch einmal gemacht.

2016-04-16

Florian Berg ist sterblich

Als ich im März in Leipzig war, war ich  auch bei einer Lesung von Absolventen des „Leipziger Literaturinstiuts“ und da ein Stück aus Janko Markleins bei „Blumenbar“ erschienenen, wahrscheinlichen Debutroman „Florian Berg ist sterblich“ gehört, den der 1988 in Bremen geborene, der 2010 den „Open Mike“ gewonnen hat, über einen jungen Studenten, der an der Leipziger Uni im ersten Semester Philosophie studiert und nun vor einer Beschwerdestelle wartet, weil er keinen Platz für ein Proseminar bekommen hat und stattdessen einen Französischkurs besuchen solll, geschrieben hat.

Eine Satire über das Studentenleben würde ich es interpretieren, auch ein Buch über das Erwachsenwerden und bei „Amazon“ kann man lesen, daß dieser Florian Berg sehr unsympathisch ist.

So habe ich das teilweise auch empfunden, aber das ist wahrscheinlich Absicht des Romans und der Clou, Florian Bergs Unentschloßenheit zu zeigen, dem dann in einem Seminar, das er auf Vermittlung der Studentenvertreterin Line, doch bekommt, demostriert wird, das er sterblich ist, denn alle Menschen sind das, Florian Berg ist ein solcher, etcetera…

Denn er ist ein Sohn zweier Pastoren, aus einem kleinen Dörfchen, die Mutter ist für die Beerdigungen zuständig, der Vater für die Hochzeiten und deshalb schwankt der liebe Junge, wie ein Baum im Wald, na ja.

Es wird in zwei Strängen erzählt, der erste ist Florians Studentenleben, Line, die sich in ihm zu verlieben scheint und ihn küßt. Er tut das nicht, hält aber still, weil sie sich für ihn ja einsetzen will. So bekommt er ein Seminar bei einer Anna Kuszlak, mit der will er nun Kontakt und auf Kaffee und Kuchen gehen…

Sie verhält sich abwartend, nimmt ihn aber dann doch auf einen Spaziergang mit, wo sie die Deutschlandfahnen von den Autos entfernt, sie ist nämlich sehr politsch.

Line besetzt inzwischen die Uni, um gegen die Bildungsmisere zu kämpfen. Das wollen, die Wirtschaftstudenten, die gerade Vorlesung haben, aber nicht und Anna fährt dann auch noch nach Santiago de Chile, um die dortigen Proteste zu unterstützen.

Florian reist ihr nach, wohnt bei einem Couch-Surfer im siebzehnten Stock eines Hochhauses und weil der Lift gerade kaputt ist, muß der arme Portier seinen riesigen Rucksack hinaufschleppen.

Im zweiten Strang wird von der Kindheit erzählt. Den Eltern die sich streiten, der Depression des eher hilflosen Vaters, der immer zu dem Sohn ins Zimmer geht und mit ihm reden will, beispielsweise, ob er weiß, wie man ein Präservativ verwendet?

„Ich muß lernen!“, antwortet der dann und schickt ihn hinaus.

Mit seinem Freund Ole, einem Bauernsohn hat er einen Bund gegründet, der keine Mädchen zulassen will, eines drängt sich hinein, verwirrt die Burschen und schließlich wird die „Grüne Garde“ eine grüne Jugendorganisation, Florian besteht sein Abitur und zieht nach Leipzig.

Jugendbuch habe ich bei „Amazon“ gelesen. Ja, Janko Märklein ist noch sehr jung und sieht auf dem Foto am Klappentext auch so aus.

Der Roman ist, was man wahrscheinlich im „Literaturinstitut“ lernt, sehr gut konstruiert und mich hat die satirische Seite, die lapidar schlapsige Art, wie der junge Mann da von den Initialriten des jungen Florian erzählt, sehr angesprochen.

Um in den Bund hineinzukommen, muß man Käfer essen und Hunde töten. Das ist vielleicht kein besonderes Zeichen der Neuzeit und war schon früher so. Die Lieblingslektüre von Florian Berg und seinen Freunden ist aber „Harry Potter“. Den liest er noch als Student, neben philosophischen  Schriften. Aber er und seine Freunde lesen ihn nicht nur auf Deutsch oder vielleicht in der englischen Originalfassung, sondern auch auf Japanisch, Lateinisch etcetera.

Was ich mir, als die Überforderung der heutigen Jugend interpretieren würde und daher sehr froh bin, auf das Buch aufmerksam geworden zu sein, das sonst, ist es ja schon 2015 erschienen, an mir vorbeigegangen wäre und jetzt ja ein anderes Buch einer noch jüngeren Frau über die Schwierigkeiten des Lebens in aller Munde ist.

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