Literaturgefluester

2017-03-19

Tsunami Blues

Weiter gehts mit den Neuerscheinungen, das heißt Marketa Pilatovas dritter Roman ist schon im Vorjahr erschienen und dann irgendwie verlorengegangen und auch die Lesung in der „Gesellschaft für Literatur“, die mich auf das Buch aufmerksam machte, habe ich wegen eines Kliententermins versäumt.

Habe aber, das erste Buch der 1973 in Kromeriz geborenen und jetzt in Lateinamerika tschechisch unterrichtenden Autorin gelesen, da es mir Herwig Bitsche schenkte, als ich damals den „Residenz-Verlag“ besuchte.

„Tsunami Blues“ erschien bei „Braumüller“ und bei einer Lesung im tschechischen Zentrum anläßlich einer „Buch-Wien“ bin ich auch einmal gewesen und weil das Buch höchstwahrscheinlich auch zu „Centrope“ passt, habe ich es am letzten Mittwoch auch in die Spengergasse geschleppt, aber zum Analysieren sind wir da noch nicht gekommen.

„Tsunami Blues“ ist ein wunderbares Buch könnte man fast pathetisch sagen oder eines nach meinem Geschmack.

Im Klappentext steht etwas von Graham Greenes Spuren auf denen die Autorin wandern würden. Das kann ich nicht beurteilen, so viel Greene habe ich noch nicht gelesen, obwohl man die Bücher ja in den Bücherschränken findet.

Es ist aber eines, das sich meiner Meinung nach, wohltuend von beispielsweise Eva  Menasses komplizierten Stil abhebt, wo man lange braucht, um mitzubekommen und die Handlung zu verstehen.

Hier versteht man auch nicht sofort, denn Marketa Pilatova pirscht sich langsam an das Geschehen an. Aber dann wird alles klar und ist eigentlich auch ziemlich linear erzählt, wenn es natürlich Rückblednungen gibt, die das Ganze erklären und auflösen.

Da ist Karla, ein sechzehnjähriges Mädchen, das in einer mährischen Kleinstadt lebt und bei dem Exilkubaner  Lazaro Trompete spielen lernte.

Sonst hat sie Schwierigkeiten mit ihren kleinbürgerlichen Eltern, die sie dann doch überreden, zu Weihnachten 2004  mit nach Thailand zu fahren. Man ahnt was kommt. Die eltern kommen bei dem Tsunami um und Karla irrt am Strand herum, um ihre Leichen zu suchen. Dabei wird sie vom Schatten einer schwarzen Frau verfolgt.

Es ist also auch magisch oder natürlich nur posttraumatisch und sie kann sich eigentlich nur durch einen mexikanischen Fotografen ein bißchen beruhigen oder ablenken.

Sie hat aber auch eine vernünftige Großmutter, die in der Kleinstadt Apothekerin ist und die schickt Lazaro, um sie zurückzuholen, was er auch tut. Karla kommt zurück, geht nach Olmütz in ein Studetnenheim, studiert bei der alten Jenufa Spanisch und schwört sich, nie wieder eine Trompete anzurühren.

Da ist es fast ein Glück, daß auch Jenufa kubanische Wurzeln hat, beziehungsweise, daß sie immer wieder dorthin fliegt, um Medikamente an Dissidenten zu verteilen. Allein kann sie das aber jetzt nicht mehr, da sie so an die Achtzig ist, so muß Karla mitkommen und jetzt wird es wahrscheinlich greenhaft spannend.

Sie bekommen statt eines Leihautos nämlich nur ein altes Motorrrad, landen in einem komfortablen Hotel, das sich als Buff entpuppt.

Jenufa wird am nächsten morgen verhaftetund Karla muß ihr nachfahren und mit einigen Schwierigkeiten kämpfen. Jetzt löst sich alles nach und nach auf und auch das ist äußerst spannend und, weil man ja nicht soviel spoilern soll, verrate ich nur, daß der Schluß gelingt. Karla kommt zurück nach Mähren, geht ins Leben und wird wieder Trompete zur Trompete greifen.

„Und was machst du jetzt?“, fragt Lazaro, „Spielen“, lautet der letzte Satz.

Es kann also auch ganz einfach sein. Wwohltuend einfach und braucht nicht die komplizierten Konstruktionen, die das Lesen mühsam machen, aber als gute Literatur gelten, denke ich und wiederhole, daß mir das Buch sehr gefahllen hat und ich es jeden, aber wahrscheinlich besonders meiner Freundin Ruth, die ja einige Jahre in Kuba lebte, empfehlen kann.

2017-02-25

Musils Mörder

Weiter geht es mit den Neuerscheinungen, das heißt, die Erzählung oder Novelle des 1950 geborenen Regisseurs Jürgen Kaizik, der, wie ich Google entnahm, in den Achtzigerjahren, als ich auch gerade darüber schrieb, ein schönes ORF- Portrait über Paula von Preradovic, der Bundeshymnenschöpferin, machte, ist schon im letzten Dezember bei „Braumüller“ erschienen, war aber vor einigen  Wochen bei den „Beispielen“ im Radio und Robert Musils berühmter Roman von dem alle reden, den aber wahrscheinlich, die wenigsten gelesen haben, habe ich 1974 noch mitten drin in meiner philosophischen Phase im Gartenhäuschen meiner Eltern, das es wahrscheinlich nicht mehr gibt, in vierzehn Tagen gelesen und nichts verstanden.

Natürlich nicht, als ich das vor ein paar Jahren in der „Gesellschaft für Literatur“, Annas Schulfreundin, Anna L. sagte, die Germanistik studiert hat, hat die den Kopf geschüttelt und behauptet, sie hätte das getan.

Ja, die jungen Frauen sind selbstbewußt. Ein zweites Lesen würde ihr aber wahrscheinlich nicht schaden, mir natürlich auch nicht, aber höchstpersönlich komme ich bei meinen Bücherbergen, die ich mir  immer so bereitwillig anhäufe, nicht dazu das zu tun.

Der Regisseur und Autor, der, glaube ich, über Musil dissertiert hat, hat mir das vielleicht abgenommen oder besser mich ermahnt, das bitte doch zu tun, denn er hat das getan, was mir auch schon im Kopf herumschwirrte, vor einem Jahr zum Beispiel, als ich nicht wußte, worüber ich schreiben soll, er hat eine Figur aus dem Roman heraussteigenlassen und sie mit ihrem Autor konfrontiert.

Im „Mann ohne Eigenschaften“, daran erinnere ich mich noch, geht es um einen Ulrich und, um dessen Liebe zu seiner Schwester Agathe. Um den Zerfall der Monarchie und das Trauma, das das in dem Autor auslöste, geht es wahrscheinlich auch, bei dem erstmals 1930 erschienenen und unvollendet gebliebenen Roman und daran gibt es auch eine Figur eines Frauenmörders namens Christian Moosbrugger und die steigt jetzt  in Kaiziks Erzählung und eine, die den Roman mit Anfang zwanzig vor vierzig Jahren gelesen hat, kennt sich nicht recht aus.

Bei den „Beispielen“, ging es um eine Hedwig, die von ihrem Vater eine Buchhandlung erbte, die Monarchie ist schon zerfallen, sie denkt an den alten Kaiser und liest und liest, den Zauberberg, Hesse, eben das, was damals modern war und erschien und dann den „Mann ohne Eigenschaften“.

Da ist sie nicht von dem Ulrich, sondern von dem Mörder, wie man das ja den Frauen so zuschreibt und ich selber welche kannte und kenne, die das taten, fasziniert und der letzte Satz des Kapitel ist „Und Hedwig beschloß zu handeln“.

Ich habe auch gehandelt und das Buch bestellt und in dem schmalen hundertfünzig Seiten Büchlein, das Kaiziks Doktormutter Marie-Louise Roth gewidmet ist, erzählt der Mörder selbst und  ich habe lange nicht gewußt und weiß das vielleicht noch immer nicht so genau, ob der Christian Moosbrugger jetzt eine reale Figur ist oder nicht? Aber von irgendwo wird Musil die Idee dazu schon herhaben und jener Moosbrugger beginnt schon im Prolog zu erzählen.Er sitzt im Gefängnis, in der Strafanstalt Garsten vermutlich, hat eine Frau ermordet und das Gericht konnte sich wieder mal nicht einigen, zurechnungsfähig oder nicht?

Der Mörder bestand, wie erst kürzlich auch, auf das Erstere und so sitzt er und erzählt und der Kaiser stirbt der Krieg ist aus, es kommen die „Roten“ ins Gefängnis und singen selbstbewußt „Brüder zur Sonne zur Freiheit““ und „Völker hört—“

Später werden sie dann kleinlaut und die neue Repubik christlich sozial und dann wird Moodsbrugger entlassen. Hedwig holt ihn ab und gibt sich, was mich noch einmal verwirrte, als die Krankenschwester seiner verstorbenen Mutter aus, dann führt sie ihn ins Cafe Museum und zeigt ihm in der dort anwesenden Dichterunde, Robert Musil und eröffnet ihm, sie hat die Buchhandlung verkauft und  dafür ein Haus in Bayern, das der gelernte Dachdecker reparieren soll. Die beiden ziehen dorthin, Moosbrugger, entdeckt in einen Koffer Bücher, entdeckt den „Mann ohne Eigenschaften“, liest darin seinen Namen, stellt Hedwig zur Reee und bringt sie um.

Als zuerst ein Brief von Musil, der inzwischen schon in die Schweiz emigrierte, wir sind jetzt mitten im World War II, an das „Verehrte Fräulein Hedwig!“, kommt und dann die Polizei, um das Haus zu durchsuchen, flieht er in die Schweizer Berge.

Das heißt, er  flieht nicht, sondern sucht den Dichter auf, der in ärmliche Verhältnissen, mit seiner älteren Frau Martha, in einem Haus in Genf lebt, mit dem Bildhauer Wotroba, der ebenfalls dort das Exil verbrachte und seine Büste schuf, befreundet ist und am 15. April 1942, einen Schlaganfall erlitt.

Vorher konfrontiert Kaizik Musil noch einmal mit seiner Figur, was im Buch dann wahrscheinlich zu dem Schlaganfall führt und Moosbruggers Leiche wird mit dem berühmten Schihzophrenen-Hirn, wahrscheinlich das damaligen Stait of the Art, auch noch in der Nähe des Tatorts gefunden.

Interessant, interessant und ein bißchen verwirrend, wenn eine, wie ich so wenig Ahung von Musils Leben und seinem berühmten Roman hat.

Was lernen wir daraus? Den „Mann ohne Eigenschaften“ lesen. Erstmals oder nochmals, wie auch in einer der beiden schon vorhandenen „Amazon-Rezensionen steht“.

Ja, natürlich, etwas besseres als das, gibt es allemal nicht. Aber wann werde ich mir die Zeit nehmen, dazuzukommen?

2017-02-04

stella maris

Filed under: Bücher — jancak @ 00:52
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Jetzt kommt die erste österreichische Neuerscheinung aus dem „Braumüller-Verlag“.

Mit „Stella Maris“, der 1976 geborenen Isabella Feimer, die zeitgleich mit Cornelia Travnicek beim „Bachmann-Preis“ gelesen hat, im Vorjahr „Hans-Weigel- Stipendiatin“ war und von der ich schon zwei Bücher gelesen haben, ein sehr poetischer dystopischer Roman gelungen, ein Science Fiction der Poesie könnte man so sagen, es geht um Eva, das Urweib, die unsterbliche, die zwar nicht aus dem Paradies, aber von den Schmetterlingen gekommen ist, jetzt auf der Raumkapsel mit der sie sich, als die Welt in Scherben lag, mit dem Captain, Ines der Dschungelfrau die dort die Pflanzen retten soll und noch zwei Männern zurückgezogen hat.

Der Captain vermutet, daß sie dorthin den Teufel bringt, aber Eva, die urweibliche sucht nur nach ihren Stern, den „stella maris“ und geht dazu durch die rote Tür der Erinnerungen.

In Fragmenten tauchen diese auf und so wird auch nicht von der ganzen Weltgeschichte erzählt, sondern stichpunktartig frühere Lebenserfahrungen in Rom und und Paris mit Luigi, Joe und auch der Signora, die immer Orangenlikör trinkt, bei der Eva wohnt wiedergegeben.

In Rom gibt es nicht nur die Ruinen, sondern auch in den Duce und den Faschismus, in Paris wird  zum Widerstand gerüstet und Eva, die unsterbliche, die weibliche, die für die Liebe nicht für den Teufel lebt, rast durch ihre Vergangehheit und ihre Lieben, sucht die auch auf der Kapsel, mit Roul dem Maschinisten, mit Jaques, sowie den Captain, der vielleicht auch unversterblich ist, sich aber in seinen Glassarg zurückgezogen hat.

Sehr kunstvoll wird all das von der Liebe, den Schmetterlingen und den Drachen erzählt. Den wirklichen Science Fiction Liebhabern wird Isabella Feimers Sprache vielleicht zu schön und das Ganze zu poetisch sein.

Aber man streicht immer wieder Sätze und Wendungen an, die mir nicht so kitschverdächtig, wie Valerie Fritsch letzter dystopischer Roman erschienen und mir das Buch auch verständlicher war, als die „Tropähen“, die ich zweimal lesen mußte, um die Handlung mitzubekommen.

Hier ereichte das eine Mal und Handlung gibt es eigentlich auch keine zu erzählen, denn es ist eine Gesang an die Liebe, eine Erinnerung an die Natur und ihre Pflanzenwelt, die Sehnsucht nach den Sternen, dem Unzerstörbaren, wärend die Welt unter den Unsterblich gewordenen längst in Trümmern liegt.

„wir sind gefallen, Eva, sagt der Captain, alles war umsonst, nichts ist es wert gerette zu sein. nein, wiederhole ich, denke Licht, Sonnenstrahl, denke mich für einen Augenblick zurück in den Ozean meiner Erinnerung, nichts weiter   als ein vergessener Stern ist der Mensch, sagt der Captain, nichts ist der Mensch, nein sage ich, blicke mich um, sichtbar das All und das was hinter Dunkelheit und Stille liegt.

„Du hattest recht, mein Captain sage ich leise, der Mensch ist ein vergessener Stern, er hat sich in seinem eigenen Licht verloren“

So schließt das Buch und die Liebhaber der Sprachräusche und der schönen Worte, haben einige Stunden Poesie gehabt, bevor sie zurückgehen in diese Welt  und vielleicht das Radio aufdrehen, um von Regierungs- undFlüchtlingkrisen, Terroranschlänge und den neuen Plänen des neuen amerikanischen Präsidenten zu hören.

2016-03-13

Der Sommer in dem F. Scott Fitzgerald beinahe einen Kellner zersägte

Es geht gleich weiter mit den Künstlerbiographen, beziehungsweise mit einem preisverdächtigen Kanditaten für den  längsten oder ungewöhnlichsten Buchtitel.

Hat doch die1984 in Oxford geborene Emily Walton, die mir  2009 oder 2010, als sie noch für den „Kurier“ Rezensionen schrieb, durch ihre Publikationen  in „Ecetera“ oder  der „Wortlaut-Anthologie“ aufgefallen ist, ein Kapitel aus dem Leben des „Great Gatsby-Erfinders“, dem amerikanischen Schriftsteller Scott Fitzgerald, der von 1896 bis 1940 lebte und als knapp Dreißigjähriger mit seiner Frau und seiner kleinen Tochter seine Sommer an der Cote d` Azur verbrachte, geschrieben.

Emily Walton, die 2012 Stadtschreiberin im Alsergrund war und in diesem Jahr auch ihr „Mein Leben ist ein Senfglas“ herausbrachte, hat inzwischen auch einige Reiseführer, darunter einen über Straßbourg, den wir vor eineeinhalb Jahren brauchen hätten könnten, geschrieben hat, ist für ihr bei „braumüller“ erschienenes Buch, „nach Princetowon, New York, Antibes und Paris“ gereist, wie ich dem Klappentext entnehme und hat ein sehr lebendiges Bild von dem kleinen verschlafenen Fischerdorf an der Cotes d` Azur gezeichnet, das 1926, wo das Buch hauptsächlich spielt, noch keinen Sommertourismus kannte.

Scott Fitzgerald ist zu dieser Zeit, der „Große Gatsby“ war schon geschrieben,  sehr bekannt gewesen, hat auch gut verdient und ist nach Europa gekommen, weil er seinen neuen Roman schreiben wollte und wahrscheinlich auch, weil in Frankreich leichter an Alkohol, als in Amerika heranzukommen war.

Und obwohl man sich damals noch nicht das Meer zum Sonnenbaden legte und es noch keinen Massentourismus gab, hat es in Juan-Le Pins, sowas wie eine Künstlerkolonie gegeben, nämlich, die „Villa America“, wo die Familie Murphy, Gerald und Sarah, mit ihren drei kleinen Kindern, ihre Künstlerfreunde wie Ernest Hemingway, Dorothy Parkers, etcerta einluden.

Die Fitzgeralds waren dabei und der Endzwanziger etravagant und, wie ein Dandy gekleidet, dem Aklohol nicht abhold, obwohl er ihn nicht vertrug, fiel dort, wie Emily Walton, wahrscheinlich recherchierte und dann blendend beschrieb, durch schlechtes Benehmen auf.

Man kann auch excentrisch sagen und Emily Walton meint auch, er war auf Ernest Hemingway eifersüchtig, der gerade von Spanien kam und an seinem „Fiesta“ schrieb. Ein Buch, das ich auf meiner Leseliste habe und heuer lesen will, wenn ich es nicht durch zuviele Neuerscheinungen verdrängen lassen, denn Scott Fitzgerald fiel gerade nicht sehr viel ein, die Murphys waren von ihm aber begeistert, so versuchte er ihm an seinen Verlag zu vermitteln und ihm auch bezüglich seines Mansuskriptes zu beraten. Aber sonst zerbrach er auf den Parties Gläser, stellte sich provokant vor die Gäste auf, fragte, ob sie homosexuell seien oder wieviel Geld sie verdienen und steckte auch einmal einer Prinzessin eine Feige in den Ausschnitt, worauuf er von den Murphys  Hausverbot bekam.

Das mit dem Zersägen des Kellners, hat er wohl in einer Geschichte beschrieben und vielleicht auch wirklich versucht, der Kellner wurde aber gerattet und als der Sommer vorbei war, war der Roman nicht geschrieben, die Frau Zelda krank. Sie hat den Rest ihres Lebens in Nervenheilanstalten verbracht. Die Murpys hatten ihren neuen Schützling und  selber ein paar Scicksalschläge. Die Cote d` Azur zur Modegegend und auf die verrückten Künstler, die sie 1926 dazu gemacht habt, weist heute, wie Emily Walton bei ihrer Recherche am Ort herausfand, ein Fitzgerald Menue hin, obwohl die wenigstens Gäste, eine Ahnung von dem Dichter haben, der 1940 an einem Schlaganfall verstarb, später aber durch die Verfilmung des „Great Gatsby“, ein Buch, das auch auf meiner Leseliste steht, ich glaube sogar auf Englisch, wieder berühmt wurde.

Durch Emily Waltons  dünnes Buch kann man sich eine Vorstellung von dem exentrischen Künstlerleben in den berühmten Zwanzigerjahren machen. Mir ist der gute Scott zwar nicht sehr sympathisch gewesen, aber trotzdem spannend zu erfahren, wie die Avantgardisten ihre Karriere machten oder sich zu Tode soffen, während anderswo Buchhänderlehrlinge für den Sozialismus kämpften und dann überhaupt eine große Krise über Amerika und Europa hereingebrochen ist.

Spannen auch wieder von Emily Walton zu hören, die ich persönlich, glaube ich, bei der „Texthobellesung“ kennenlernte und inzwischen auch in die GAV aufgenommen wurde, die aber nicht mehr soviel bloggt.

 

2015-10-25

Trophäen

Es ist eine seltsame, schwer verständliche Geschichte, die Isabella Feimer, in ihrem neuen, bei „Braumüller“ erschienenen Roman da erzählt.

So schwer verständlich, daß ich es zweimal lesen mußte, um mir einen Reim zu machen, bin ich ja eine, die alles ganz genau verstehen will.

Eine Verhaltenstherapeutin und keine Psychoanalytikerin, obwohl das, für Isabella Feimers Poetik, ihren Nacht- und Schattengewächsen hilfreich sein könnte.

Um nicht zu untertreiben, einiges habe ich schon verstanden, beziehungsweise mir zusammengereimt, obwohl es am Anfang nur die schönen Worte, Sätze, Sprachbilder waren, die haften blieben und mich  der  unerwartete aggressive Inhalt störte.

Damit habe wohl ich meine Schwierigkeiten, mit der Gewalt des Unbewußten, obwohl man in seiner Kindheit ja nicht nur Schönes erlebt, so daß man seine Narben, Wunden, Verletzungen mit sich trägt und oft auch, die Messer in sich spürt, die die Narben schnitzen.

Da sind zwei Schwestern oder eine Ich- Erzählerin, beziehungsweise ein sie, die machmal die Ich-Form schreibt, eine Namenlose, wenn ich alles verstanden habe und es am Ende, nicht vielleicht doch nur eine war, die auf die andere ihre Wünsche, Ängste, Abgründe überträgt.

Natalia ist jedenfalls das Feindbild, die Kranke, die fast gestorben wäre, die auch Narben mit sich trägt, die alleinerziehende Mutter, weil ihr alle Männer davongelaufen sind.

Sie im Hochzeitskleid haben stehen haben lassen, so kümmert sie sich scheinbar liebevoll um ihren Steffen. Er mag das, wie Kinder  eben sind, anders sehen und sie, die nicht Henriette heißt, denn das war, wenn ich richtig verstanden habe, die Jugendfreundin, vielleicht auch eine lesbische Liebe, die die böse Schwester ins Wasser stieß, lernt am Beginn des Buches in einem Zwischenreich, einen Maler und Tierpräparator kennen.

Geht mit ihm in den Zoo, stößt dort auf die Schwester, die sie nur hämisch „Schwesterlein“ nennt, die will die Beiden zum Essen einladen, will auch, daß sie zu Weihnachten kommt und sich um Steffen, der nur wertvolle Geschenke bekommt und seine Videospiele verstecken muß, kümmert, wenn sie für eine mögliche Hochzeit ein Brautkleid kaufen will.

Ein Mann ist zwar nicht in Sicht, aber es ist ja auch eine untergründiche, psychoanalytische Geschite, eine, die an E. T A. Hofmann erinnern könnte und den habe ich ja als Psychologiestudentin gern gelesen, die Isabella Feimer da erzählt.

Sie stellt sich jedenfalls ihren ebenfalls namenlosen Maler, als Henriette vor, lügt ihn an, es gibt auch einen Marco, der sie in dem Hotel besucht, in dem sie in der Nacht als Rezeptionistin arbeitet und bringt Steffen in das Zwischenreich, das ist das Lokal einer Hilla, in dessen Hinterzimmer, der Präparator seine Tiere ausstellt.

Natalia ist entsetzt, als sie das erfährt und liegt schließlich am Tisch, um sich vom Präparator malen oder vom Maler die Haut abziehen zu lassen und verschwindet schließlich im Schatzkästchen der Erinnerung ihrer Schwester, die sich dadurch vielleicht von ihrer Vergangenheit, Ängstn und Dämonen befreien kann.

Vielleicht auch nicht, denn die sind, wie auch die Verhaltenstherapeutin weiß, ja hartnäckig und die Seele ein weites Land, tief und unergründlich, wie schon Arthur Schnitzer formulierte.

„Wunden heilen, sage ich,

sagst du mir deinen Namen? fragt er

ja sage ich,  beuge mich zu ihm

er lacht, vielleicht war es doch nur ein Spiel,

ich sage

lüge, lüge  nicht,

war kein Spiel, ist vielleicht Liebe“, lauten jedenfalls die letzten Sätze.

Die 1976 gebore Isabella Feimer, hat jedenfalls 2012 beim Bachmannpreis gelesen, war 2013 mit dem „Afghanischen Koch“ beim „Alpha“ nominiert und ist es heuer mit ihrem zweiten Roman „Zeit ist etwas sonderbares“ wieder“

Ihre poetischen Reisenotizen hat sie vor kurzem im Literaturhaus vorgestellt, da habe ich von ihrem neuen Roman erfahren, der am 21. 10 vorgestellt wurde.

Regisseurin ist sie auch und sehr poetisch, wenn auch eine, die diesmal mit den dunklen Seiten des Lebens spielte und es mir mit dem Lesen daher nicht ganz leicht machte.

 

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