Literaturgefluester

2018-06-10

Sprachspiel.Biennale.West

Filed under: Veranstaltungen — jancak @ 21:00
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Der Dichter H. C. Artmann, der den Dialektband „Med ana schwoazzn dintn“ geschrieben hat, Mitglied der Wiener Gruppe war und den „Poetischen Akt“ proklamierte, wurde 1921 in Breitensee geboren, dort gibt es ein Kino, die „Breitenseer Lichtspiele“ und das fühlt sich offenbar H. C und seinen Werken sehr verbunden, wurde dort  doch ein Artmann-Festival „Schwarze Chansons-med ana schwoazzn Dintn“ lautete, das drei tägige Festival und das ist, kann ich sagen, schlichtweg falsch, ging es in dem Programm doch um vieles anderes und gesungen wurde, wenn, nur ganz am Schluß.

Das heißt, so richtig kann ich es eigentlich nicht sagen, denn ich war gestern, wo Julia Danielczyk eröffnet hat und es einen Eröffnungsvortrag von Thomas Eder zu diesem Thema gegeben hat, nicht dort, denn ich hatte einige Stunden, die zum Teil zwar ohnehin nicht stattgefunden haben, es war aber auch das Augustin-Grillfest und das hatte ich mir schon länger eingetragen und nochmals eigentlich habe ich am Samstag einen Stadtflanerie Spaziergang auf den Spuren Doderers machen wollen, der war aber bei meiner Anmeldung schon ausgebucht, dann ist die Einladung zu dem Festival gekommen, ich habe gedacht „Ich sollte eigentlich korrigieren!“ und dann „Das ist interessant!“ und so bin ich heute nach Breitensee hinausmarschiert, eine Gegend, die mir bekannt ist, weil ich als Kind meine Ferien oft bei meiner Großmutter, die in der Hütteldorferstraße 150 wohnte, verbrachte.

Die Breitenseer Lichtspiele sind so ein altes Kino, aus den Fünfzigerjahren, ob es noch als Kino benützt wird, weiß ich gar nicht so genau, aber die „Schwarzen Chansons“, von Sprachspiel. biennalewest. at organisiert, haben am Samstag jeweils immer mit einigen künstlerischen Kurzfilmen begonnen, dann gab es eine Autorenlesung und danach ein Gespräch mit einem Literaturwissenschaftler über das Gelesene.

In den Programmzetteln, die ich mir ausdruckte, steht noch etwas über die Absichte der „Sprachspiele“, die wollen H. C. Artmann und seine Werke dem Publikum nher bringen, obwohl am Samstag eigentlich gar nicht von ihm die Rede war.

Denn nach den ersten Kurzfilmen, wo ein Theater zertrümmert wurde und eine Frau von ihrer Vergewaltugung erzählt, kam sinone Hirt auf die Bühne und las aus ihrem Debut „Lied über die geeignete Stelle für eine Notunterkunft“, ein Buch das ich schon gelesen habe und ich muß sage, es schloß sich nahtlos, wie auch später mit Ferdinand Schmatz diskutiert wurde, an die gezeigten Filme an. Geht es da ja nicht um eine Zertrümmerung, sondern um eine Frau die mit einem toten Maulwurf in einem Keller haust und sich dort anhand eines Lehrbuchs der Betriebswirtschaft eine Notunterkunft zurechtzimmern will.

Der Realistin in mir, war das Buch ein wenig zu surreal, beziehungsweise habe ich es wahrscheinlich, weil ich es ja realistisch will, nicht so ganz verstanden, so daß es ein Glück war, daß nach der Lesung Ferdinand Schmatz auf die Bühne kam und Inhalt und Absicht erklärte. Einer Fleischertochter wurde nach dem Tod ihrer Eltern das Haus abgerissen und nun sitzt sie da und baut es surreal auf. Natürlich das war zu erwartet, daß bei einem Festival das H. C Artmann gedenken will, keine realistischen Autoren eingeladen waren.

So folgte nach der Pause, wo alle auf der Straße standen und sich küßten und umarmten oder ein Bier beziehungsweise Wein tranken und hier sah man sehr wohl das realistische Gefälle, denn neben und zwischen dem Kino mit dem Fünfzigerjahre Charme sind Pizza und Kebabbuden, die eine ganz andere Klientel haben, als die Leute, die zu dem Festival kamen, Max Höfler mit dem, bezeihugsweise seinem Roboter ich einmal am Volksstimmefest gelesen habe, dessen ersten Buch ich im Schrank gefunden habe, das zweite bei einer Lesung im Literaturmuseum hörte und das dritte, alle drei sind bei „Ritter“ erschienen vor und wurde dann von Alexandra Millner erklärt, die ich ja auch schon über H. C. Artmann referieren gehört habe.

Sein Buch ist nach Dante „Göttlicher Komödie“ geschrieben, also in drei Akten oder Teilen, aber natürlich viel moderner, denn es geht um das Internet, den Neoliberalismus und interessant. Es tauchen real existierende Personen auf, nämlich beispielsweise der Schauspieler Peter Simonischek, der ist bei Höfler allerdingjs ein Politiker, whrend H. C. Strache ein Autor ist.

Dann kam nochmals eine Pause und dann Erwin Einzinger aus OÖ, der dort als Lehrer arbeitete und den ich schon bei „Literatur und Wein“ lesen hörte. Er las Fragmente, beziehungsweise Märchensplitter, die demnächst bei den „Mansukskipten“, die ich ja nicht mehr bekomme, erscheinen werden und danach kam das Finale mit einerLesung der Artmann Witwe Rosa Pock aus ihrem Buch „Die Hundekette, mein eigenes Revier“ und wurde dabei von Peter Ahorner, beziehungsweise den Musikern Hannes Löschel und Vinzenz Witzelsberger unterstützt.

Am Sonntag ging es am Vormittag mit Kurzfilfmen von Peter Kubelka und einer Performance von Jörg Pieringer den ich schon von einigen Veranstaltungen kenne. Er projizierte das Alphabet an die Wand und machte dann sehr sinnliche Sprachspiele daraus. Anschließend gab es ein Gespräch mit Fritz Ostermayer und am Nachmittag ging es dann direkt in die Wiener Gruppe, beziehungsweise zu Gerhard Rühm, dem Doyen, den ich ja erst am Donnerstag im Literaturhaus gesehen habe, jetzt wurde ein Hörspiel zum Thema „rhythmus r“, also alles r Worte, wie er erklärte, gezeigt und dann gab es einen Stummfilm zum Thema Regen aus den Zwanzigerjahen von Joris Ivens mit der Musik von Hanns Eisler.

Dann kamen die „Dental Princes“, sprich Ann und Lucy Cotten mit Mario Schlager, Ann Cotten schwarz geschminkt im Kimono und da gab es dann feministische schwarze Chansons, wenn man so sagen kann, wo alles in Oarsch ist und man sich nicht aufrgen soll oder doch.

Das Gespräch führte wieder Alexandra Millner.Sie interviewte auch gleich Hannes Löschel, der ja am Samstag Abend aufgetreten ist.

Dann kamen Kurzfilme von Linda Christanell, der Frauenbewegten, sehr schöne Filme, der letzte allerdings in einer sehr schlechten Tonqualität. Dann sollte Friedrich Achleitner, ebenfalls ein Mitglied der Wiener Gruppe folgen, der aber nicht kommen konnte. So las Fritz Ostermayer seine Texte und der Impulsvortrag von Marc Oliver Schuster fiel ebenfalls aus. So kam es gleich zum Podiumsgespräch mit Daniela Strigl, Ferdinand Schmatz und Fritz Ostermeyer, und Thomas Eder unter der Leitung der ORF-Journalistin Judith Brandter, wo gerklärt wurden, was die Ziele der Wiener Gruppe waren?

„Die bösen Buben wollten nach der Nazizeit die Gesellschaft provozieren!“ sagte, glaube ich, ungefähr Daniela Strigl, und wurde von Gerhard Rühm unterbrochen, der erklärte, daß eigentlich gar nicht ihre Absicht war. Aber die Publikumsbefragung kommt erst spöter erklärte Judith Brandtner etwas ungehalten und Ferdinand Schmatz erkundigte sich , ob man weiter machen sollte?

Natürlich, die Experten wissen es ja besser, als die die damals dabei waren. Gerhard Rühm ließ sich aber nicht beirren und Linda Christanell ergänzte die Rollen der starken Frauen, die es damals auch gegeben hat, die sich aber in anderer Art und Weise äußerten, beispielsweise daß sie die AUF gründeteten oder Experimantalfilme machte. In der Wiener Gruppe waren, glaube ich, ja nur Elfriede Gerstl und Friederike Mayröcker, aber auch erst spät und die Gerstl hat sich ja, glaube ich, eher an den Rand gedrängt gefühlt.

Dann kam es zur Präsentation der H.C.Artmann-Klasse der Schule für Dichtung, die unter der Leitung des Trio Lepschi, beziehungsweise Stefan Slupetzky, einige Songs nachgedichtet  oder neu geschrieben haben,  die sie jetzt mehr oder weniger gut vorbereitet,  mehr oder weniger gut gesungen vortrugen.

Sie bekamen großen Applaus. Eine Danksagung der Festivalorganisatoren gab es auch noch und es war  eine sehr schöne Veranstaltung in einen eher kleinen Rahmen des literarisch interessierten Insiderpublikums und soll, wenn ich es recht verstanden habe, in zwei Jahren wiederholt werden und da wäre es schön, wenn die Akteure der Wiener Gruppe soweit vorhanden, selber zu Wort kommen könnten.

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