Literaturgefluester

2022-08-28

Johanne Amundsen trinkt zweimal Kaffee

„Shut up!“, dachte Johanne Amundsen ärgerlich, als sie das Cafe Hummel verließ, in dem sie sich mit Toves Günthi getroffen hatte. Der Liebste ihrer Freundin hatte jetzt doch angerufen und ihr angeboten sie auf einen Kaffee zu treffen.

„Ein kleines Zeitfenster geht sich aus!“

Und mit ihr über die österreichische Literatur zu plaudern und dann hatte der Rundfunkjournalisten sie abblitzen lassen, als sie ihn gefragt hatte, wer wohl auf der österreichischen Buchpreisliste stehen würde, die in zwei Wochen bekanntgegeben würde.

„Das kann ich dir nicht verraten, Johanne!“, hatte er überheblich geantwortet und arrogant die Achseln gezuckt.

„Das ist Amtsgeheimnis und hier wird nicht gespoilert!“

„Warum?“, hatte sie zurückgefragt.

„Bist du etwa in der Jury und hast ein Schweigelübde unterschrieben!“, hatte sie aufmüfig gekontert. Er hatte den Kopf geschüttelt und die Namen Edith-Ulla Gasser und Stefan Gmündner genannt. Die anderen hatte sie vergesen und auch nicht nachfragen können, denn Günthi hatte auf die Uhr geschaut, dann einen zehn Euroschein aus der Tasche gezogen, der Kellnerin gewinkt und sich verabschiedet, weil er schleunigst wegen eines wichtigen Termins in den Rundfund mußte.

„War schön mit dir zu plaudern, jetzt werde ich erwartet!“, hatte er gesagt und dann noch wissen wollen, ob sie ihre Autorin schon gefunden hatte?

„Ja!“, hatte die genickt.

„Eja Augustin, das Netz hat mir die Adresse verraten und ich habe auch ein Date mit ihr!“

Dorthin war sie jetzt unterwegs und klingelte an der Gegensprechanlage und bald einer braunhaarigen Frau mit Jeans und Pagenkopf gegenübergestanden, die sie freundlich anlächelte, in ihr Wohnzimmer bat und ihr auch einen Kaffee anbot!“

„Sie haben meine Bücher, die ich am Campingplatz von Senj vergessen habe, gefunden und bringen Sie mir zurück! Vielen Dank dafür!“2″, sagte sie, um gleich hinzuzufügen, daß Johanne sie gern behalten könne wenn sie ihr dafür eine Rezension schreiben würde.

Vom „Nobelpreis“ für den sie sie vorschagen könne, erwähnte sie nichts, schien sich das aber zu denken, so daß Johanne Amundsen schnell durchatmete, sich fast die Zunge an dem Kaffee verbrannte und, um vom heiklen Thema abzulenken nach dem österreichischen Buchpreis fragte?

„Denn ich interessiere mich für die österreichische Literatur, obwohl ich mich nicht sehr auskenne! Haben Sie eine Ahnung, wer darauf stehen könnte?“, fragte sie ohne besondere Hoffnung, eine zufriedenestellende Antwort zu bekommen, womit sie sich täuschte, denn die Augen der Selfpublisherin blitzen auf und antwortete, daß sie sich diese Frage auch schon gestellt hatte.

„Denn wissen Sie, ich lese mich immer gerne durch die Liste! Also danke für die Frage, überlegen wir gemeinsam, was ich in diesen Jahr von den Kollegen gelesen habe und wer darauf stehen könnte?“, sagte sie ein wenig neidisch und auch angestrengt und fügte dann den Namen Doron Rabinovici hinzu.

„Der hat eine „Einstellung“ geschrieben! Dann gibt es, glaube ich, ein neues Buch der Marlene Streeruwitz! Kaska Brylas „Eistaucher“ habe ich gelsen und Cordula Simons „Wölfe von Pripjat“. Tomer Gardis „Eine runde Sache“ hat schon den „Leipziger Buchpreis“ gewonnen und Marie Gamilschegg steht schon mit ihren „Meerestieren“ auf der deutschen Liste. Dort steht auch Reinhard Kaiser-Mühlecker, den würde ich auch für einen guten Kanditatn halte, obwohl ich das Buch nicht gelesen haben! Haben wir schon zehn Treffer? Zählen Sie nach und dann wird es auch drei Debutanten geben! Die wurden im Sommer auch bei den O-Tönen vorgestellt. Da habe ich auch noch nicht viel gelesen! Also bleiben wir bei Thomas Stangl, Anna Kim und Margit Schreiner, wenn Wolf Haas „Müll“ weil ein Krimi vielleicht nicht in Frage kommt und dann-!“, sagte sie und wurde ein wenig rot „gäbe es noch meine Bücher „Die gestohlenen Jahre“ und „Die Uhren haben ihre Zeit verloren -Ein Verschwörungsroman in vierzehn Episoden“, habe ich in diesem <jahr geschrieben. Da ich sie mir aber selber drucken lassen, habe ich leider keine Chance!“n sagte sie, um wieder hinzuzufügen, daß sie sich sehr überJohannes Interesse freue.

„Wenn Sie mir eine Rezension schreiben könnten, wäre das sehr toll!“

2022-07-28

Zwei Literaturkritiker am Strand

Elf Uhr Vormittag in der Marina-Cafebar in Sutivan. Zwei Männer in Badehosen an einen der Tische, vor sich den Laptop und das Handie, trinken einen Chappuccioo und schauen auf das Meer.

„Erich, sei so gut und verrate mir welche Kanditaten du nächste Woche für die deutsche Buchpreisliste vorschlagen wirst!“, sagte der eine und schaute den anderen herausfordernd an, der den Kopf schüttelte und abwehrend die Hand hob.

„Keine Chance, mein Lieber! Das ist alles, wie du weißt, streng geheim und ich bin, wie dir ebenfalls bekannt sein müßte streng gehen das Spoilern!„, sagte der und griff nach seiner Tasse.

„Gut, Erich, Geheimnisträger ich habe verstanden! Dann versuche ich es selbst und beginne zu vermuten was von den Neuerscheinungen auf der Liste stehen könnte! Da habe ich vor kurzem Helmut Kraussers „Was mit Jeanne begann“ gelesen. Das ist zwar ein verrücktes Buch, ich gebe ihm aber durchaus Chancen und dann natürlich Heinz Strunks „Sommer in Niendorf“. Das ist doch sicher wichtig, obwohl die Gruppe 47 falsch datiert wurde und wir uns momentan an einen ganz anderen Ort, als an einem Ostseestrand.

Der Erich genannte hob wieder abwehrend die Hand und schüttelte den Kopf.

„Hör mir doch um Gottes Willen mit den alten weißen Männern auf! Die will, glaube mir, mein Lieber, niemand mehr hören und sogar die Blogger und die Bloggerinnen regen sich in ihren Instagram-Stories schon darüber auf!“

„Dann halten wir uns an die jungen Frauen mit Migrationshintergrund oder an die Literatur von Transpersonen! Das dir der neue Uwe Tellkamp wahrscheinlich zu politisch inkorrekt erscheint und du ihn deshalb vermutlich nicht empfehlen wirst! Da sind zwar schon im Vorjahr fünf der engagierten jungen Frauen auf der Liste gestanden und die Antje Ravic Strubel hat mit ihrer „Blauen Frau“ gewonnen. Was gibt es da Neues, verrate mir, was du das an Vorschlägen hereinbekommen hast, denn die jungen diversen Frauen werden sicher mit dem Schreiben nicht aufgehört haben?“ fragte er und blickte den anderen herausfordernd an, der wieder nur den Kopf schüttelte..

„Auch da gibts keine Informationen, mein Lieber und wenn du meine ganz persönliche Meinung wissen willst, zuviel Trans ist nicht gut, löst nur Verwirrung aus und fünf moderne junge Frauen sind genug! Das will das Publikum, gaub es mir, nicht lesen! Denk nur an die Diskussion vor ein paar Jahren, die da Frau Hartlieb auslöste, als sie lauter Bücher lesen sollte, die sie in ihrer Buchhandlung ihren Kundennie und nimmer verkaufen konnte!“

„Also lassen wir die jungen Frauen und wenden uns einem anderen aktuellen Thema „Covid und das Corona-Virus“ zu! Das sehe ich dich schon wieder den Kopf schütteln, empört schauen und höre dich bereits kontern, daß Schwurbler-Bücher auf keinen Buchpreisliste ndürfen! Ich hätte auch keinen konkrete Vorschläge, denn der Covid- Roman der Marlene Streeuwitz „So ist die Welt geworden“Jahren erschienen. „Die gestohlenen Jahre“ und „Die Uhren haben ihre Zeit verloren“, sind soviel ich weiß im Eigenverlag erschienen und haben daher keine Chance, wie auch der Krimi des griechischen Autors Petros Markaris „Verschwörung!“

„Richtig, Kollege!“, antworgtegte Erich gemütlich und schaute in sein Handy.

„Lassen wir auch diese Einbahnstraße und gehen wir zu den Neuerscheinungen! Da hast du einige vergessen. Oder liest du die nicht mehr?“, fragte er ein wenig provozierend und nun schüttelte der andere den Kopf.

„Kein Provokationen, Erich! Natürlich habe ich das! Also würde ich Arno Camenischs „Welt“ vermuten und Tom Kummers „Unter Strom“, die beide schon auf der Liste gestanden sind! Aber gehen wir zu den Österreichern, um auf der Insel Brac unseren Nationalismus herauszulassen! Da hätten wir ja einiges im Köcher! Cordula Simons „Wölfe von Pripyat“ oder Kaska Brylas „Die Eistaucher“ fallen mir da ein! Aber du wirst jetzt sicher einwerfen, das gehört auf die österreichische Liste und ist ein anderes Thema! Also lassen wir das Spekulieren und wenden uns dem schönen Örtchen Sutivan und seinem großen Sohn Sreten Calic sprich Bogumil Balkansky zu, der zwar auch kein aktuelles Buch zu bieten hat, das auf deiner Liste stehen könnte, aber schon seit Jahren immer wieder Glossen über seinen Heimatort postet! Beschäftigen wir uns damit und lassen wir das Spekulieren! In vier Wochen werden wir es wissen und du mußt deine Geheimniskrämerei aufgeben“!

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