Literaturgefluester

2018-01-07

Lesen ist Leben

Nachdem das letzte Rezensionsexemplar von 2017 gelesen wurde und das erste 2018 auf meinem Wiener Badezimmerstapel noch ein wenig warten muß, habe ich Zeit für die älteren Bücher, die ja auch auf meiner Leseliste stehen und da habe ich mit ausnahme des „Engelchen“ aus dem „Partisanenworkshop“ schon ein halbes Jahr wegen des dreifachen Buchpreislesen nichts mehr davon gelesen und war doch in den letzten Jahren auf einigen Flohmärkten, wo sich so einiges Älteres, also das was vor ein zwei drei Jahren auf den Buchpreis oder Brstsellerlisten stand, bei mir angesammelt hat und weil ich ja gerne über das „Lesen von Büchern“ lese, habe ich da, als erstes Buch in diesem Jahr von meinem Harlander Stapel Cornelius Hell „Lesen ist Leben“ herausgesucht, bespricht der 1956, in Salzburg geborene Literaturkritiker, Essayist und Übersetzer, den ich auch regelmäßig bei literarischen Veranstaltungen oder auf der Donau Lounge bei der „Buch Wien“ treffe, seit Jahren zu Gedenktagen in Ö1 seine „Gedanken für den Tag“ und da ist 2009 bei „Wieser“ eine Sammlung der Texte herausgekommen, die ich mir vor zwei Jahren eben bei diesem „Lyons-Flohmarkt“ in St. Pölten vom Alfred kaufen ließ.

Ein paar Tage später war ich in der „Gesellschaft für Literatur“ wo ja Cornelius Hell zweimal im Jahr gemeinsam imit Katja GasserBuchempfehlungen gibt und da konnte man das Büchlein auch kaufen. Die Dame, die gerne zu solchen Veranstaltungen geht und mit der ich dann immer plaudere, hat es begeistert getan.

Ich auch, komme aber erst jetzt zum Lesen, habe aber, glaube ich, auch schon einige der Beitrage im Radio gehört.

Denn es sind die Originalbeiträge mit Ausnahme von Texten über Hannah Arendt, Ingeborg Bachmann und Christine Busta, die extra für das Buch geschrieben wurden, wie Cornelius Hell in seinem Nachwort schreibt, die  abgedruckt wurden.

Los gehts mit einem allgemeinen Essay übers Lesen, in dem Cornelius Hell sehr ehrlich beschreibt, wie ihm, der als Kind ein Außenseiter war, das Lesen gerettet hat.

Dazu kann ich, die ich meine Meinung über das Lesen, das ich ja auch sehr intensiv betreibe, regelmäßig äußere, nur sagen, daß Lesen natürlich nicht Leben, sondern wahrscheinlich schon oft Flucht davor ist, einen Außenseiter aber über seine Tristesse retten kann und ich habe auch immer schon sehr viel gelesen.

War als Kind wahrscheinlich auch eine Außenseiterin.Mir haben meine Eltern, bzw die Kinderfreunde das Lesen beigebracht. Der Bücherkasten im elterlichen Schlafzimmer dessen Exemplare jetzt bei mir in Harland stehen, waren meine Vorbilder. Als Studentin habe ich viel Geld in Buchhandlungen geleassen. Jetzt plündere ich die Bücherschränke und frage Rezensionsexemplare an, beziehungsweise lasse ich mir welche schicken und lese wahrscheinlich auch deshalb, weil ich herausfinden will, was die anderen besser, als ich können?

Sie sind wahrscheinlich gründlicher als ich, haben im Elititegymnasium wahrscheinlich besser, die Grammatikgelernt, experimentieren vielleicht auch mehr mit der Sprache, während ich politischer und realistischer bin.

Aber sonst sehe ich eigentlich nicht sehr viele Unterschiede und denke, daß ich wahrscheinlich mehr als die meisten anderen geschrieben habe. Aber natürlich wird man mir jetzt antworten, es geht um Qualität und nicht um die bloße Menge.

Also zurück zu Cornelius Hell, beziehungsweise zu Theodor W. Adorno, denn die Beiträge sind in dem blauen Büchlein alphabetisch angeordnet und sie wurden in Ö1 wahrscheinlich zu den Gedenktagen gesendet und wenn ich da eine Kritik aäußern darf, stört es mich, daß die Lebensdaten nicht oben angegeben werden und auch nicht steht, zu welchen Anlaß wann gesendet oder geschrieben wurde?

Ansonsten gilt, was auch bei anderen Büchern, beispielsweise bei den Hettches Essays, die ich vor kurzem gelesen habe, zu sagen ist, können, wie auch Cornelius Hell selber anmerkt, die fünfmal  zwei bis drei Minuten Texte, nur eine kleine Anregung sein, sich selber weiter in die Werke der Geehrten zu vertiefen und als solches sind es sicher  sehr wertvolle Gedanken für den Tag!

Von Theodor W. Adorno, von dem die meisten wahrscheinlich, mich eingeschlossen, Hand aufsHerz nicht sehr viel im Original gelesen haben, gibt es einige berühmte Sätze, die in aller Munde sind und dann meistens noch, wie Cornelius Hell anmerkt,, falsch zitiert werden:

„Bei vielen Menschen ist es bereits eine Unverschämtheit, wenn sie Ich sagen“, ist so einer. Aber noch viel berühmter „Es gibt kein richtiges Leben im falschen“ oder „Nach Auschwitz ein Gedicht zu schreiben ist barbarisch“

Da kann ich gleich anmerken, daß es da ein sehr sehr Berühmtes gibt, aber das wird wahrscheinlich erst beim Buchstaben „C“ zitiert und wir sind  erst beim A. und weil ein Blogbeitrag ja keine Buchlänge haben soll, lasse ich das hier so stehen und gehe weiter zu Hans Christan Andersen, dem berühmten dänischen Märchendichter. Von dem kennen wir „Des Kaisers neue Kleider“, „Die Nachtigall“, wo die Menschheit und ihr Irglauben entlarvt werden.

Ich füge aus eigener Erinnerung noch den „Schweinehirten“ und wo ich immer noch, wenn ich es lese weinen muß „Das Mädchen mit den Schwefelhölzern“ hinzu. Da kann man über meine Psyche nachdenken oder  wieder zurück zum Autor gehen und da erwähnt Cornelius Hell, daß Andersen, der Sohn eines atheistischen Schusters und einer frommen Wäscherin war, sich zeit seines Lebens mit der Gesellschaft schwer tat, Angst vor dem scheintot hatte und sein Leben in seiner Biografie offenbar selbst ein bißchen schönfärbte.

Dann kommen wir, die biografische Auflistung machts möglich, daß beim Lesen ein „literarischer Kraut und Rüben-Salat“, entsteht zu Hannah Arendt, die obwohl Jüdin mit Martin Heidingerr ein Verhältnis hatte, die Eimann Prozesse iin Jerusalem für dieZeitschrift „New Yorker“ 1961 beobachtete und dann von der „Banalität des Bösen“ sprach.

Dann kommen wir schon zu Ingeobrg Bachmann, sie hat den Einmarsch der Nazis, als entscheidenend Schnitt in ihre Kindheit erlebt, dann das Hörspiel „Der gute Gott von Manhatten“ und natürlich die Gedichtsammlung die „Gestundete Zeit“ geschrieben und ein paar Seiten Eintrag ist natürlich viel zu wenig, das gesammelte Leben der Dichterin zu erfassen, also ran an die Werkausgabe. Es gibt aber auch genügend andere Bücher in dem man sich mit dem „Bachmann Mythos“ beschäftigen kann.

Gottfried Benn wird, wie Bertold Brecht sehr widersprüchlich geschildert. Bei Brecht merkt Cornelius Hell an, daß er auch viele schlechte Texte geschrieben hat, welche, das wären scheibt er nicht, kommt dann zu seinen Frauenbeziehungen, wo er viele sehr schlecht behandelt hat.Einer Frau wollte er, obwohl sie krank war, sogar  nicht behalndeln lassen, weil er sie brauchte, dann ließ er sie aber in einem Spital zurück. Trotzdem meint Hell, hat Brecht sehr schöne Liebesgedichte geschrieben und ich merke an, obwohl ich mich nur sehr wenig mit Brecht beschäftigt habe, daß ihn das in meinen Augen auch eher unsympathisch macht, obwohl ich ja gerade über einen anderen literarischen Unsympather etwas anderes geschrieben habe.

Da habe ich jetzt noch Heinrich Böll ausgelassen, der ja inzwischen seinen hundersten Geburtstag hatte, die Gedanken sind vielleicht zu seinem neunzigsten  erschienen und da werden auch die Kriegserfahrungen, sein Katholizismus und einige seiner Werke erwähnt.

Die 1915 geborene und 1987 verstorbene Lyrikerin Christine Busta, ist inzwischen, glaube, ich etwas vergessen. Ich habe eine Lesetheateraufführung ihrer Gedichte einmal im Literaturhaus gehört, im Radio war sie zu ihren Gedenktagen, glaube ich, auch öfter und in der „Gesellschaft für Literatur“ gab es glaube ich einmal ein Symposium. Cornelius Hell  geht in seinem für dieses Buch geschriebenen Text von ihrer proletarischen Herkunft aus. Die Mutter war Dienstmädchen und Verkäuferin. Christine Busta war bis zu ihrer Pensionierung Bibliothekarin der städtischen Büchereien, wie so manche anderer Dichter und hat ihre Gedichte ihres Empfindens nach, wie Cornelius Hell erwähnt, offenbar nur nebenbei, geschrieben.

Von Albert Camus, der 1913 in einem kleinen Dorf bei Algir geboren wurde, haben wir in der Straßergasse die „Pest“ durchgenommen, beziehungsweise habe ich die, glaube ich, 1973 nach meiner Matura, als ich stark in der philosophischen Krise war und mir die Welt erlesen wollte, selbst durchgenommen. 1960 hatte er einen Autounfall und den Nobelpreis hat er, glaube ich, auch bekommen.

Dann gehts zu Paul Celan und zu seiner „Todesfuge“, aber auch anderen Gedichte und „Herzzeit“, den Briefwechsel mit Ingeborg Bachmanm habe 2009 gelesen, der mich sehr beeindruckt hat.

Günter Eich war der Ehmann von Ilse Aichinger und der Vater von ihrem Sohn Clemens, das habe ich als ich 2016 bei der Buch-Wien beim Bücherquiz angetreten bin, verwechselt, er ist inzwischen fast vergessen schreibt Cornelius Hell und zählt seine Gedichte und Hörspiele auf und eine Gedichtzeile, ähnlich beeindruckend, wie Paul Celans Frage an die tote Mutter aus  „Nähe der Gräber „Und duldest du Mutter, wie einst, ach, daheim, den leisen, den deutschen, den schmerzlichen Reim?“

Das hat Paul Celan geschrieben und von Günter Eich ist das Gedicht, das die harmolse Frage, „Wie gehts?“ auf sehr traumatisierte  Art beantwortet: „Es geht, es geht, aber wenn der Krieg vorbei ist, fahren wir nach Minsk und holen die Großmutter ab“, gemeint ist damit nicht seine, sondern die von Ilse Aichinger, die ja von den Nazis deportiert und ermordet wurde, was sie, glaube ich, auch in der größeren Hoffnung“,  beschreibt.

Dann kommen Gedanken über Goethe, Heinrich Heine und Johann Gottfried Herder und ein Kapitel oder eine Radiowoche ist seltsamerweise dem Gespann Immanuel Kant und Thomas Bernhard gewidmet, die auf dem ersten Blick ja scheinbart  nichts gemeinsam haben.

Doch, klärt  uns Cornelius Hell auf, beide hatten am zwölften Februar ihren Todestag und Bernhard hat außerdem noch ein Tbheaterstück namens „Kant“ geschrieben, wo der Hhilosoph einen Papagei hat, der immer „Imperativ, Imperativ!“ schreit und nach Amerika fährt, um sich ein Ehrendokorat abzuholen und sich einer Augenoperation zu unterziehen.

Ödon von Horvath und „seinem Gott der Wahrheit“ ist ein Kapitel gewidmet und den habe ich als Studentin viel gelesen und seine erbarmungslosen Schilderungen der armen Frauen, in „Geschichten aus dem Wienerwald“ oder „Glaube, Liebe, Hoffnung“, das ich einmal mit dem Alfred und der Anna, während unserer Donauradfahrten im Landestheater Linz gesehen habe, haben mich sehr beeindruckt.

„Die Jugend ohne Gott“, habe ich glaube ich auch einmal gelesen oder war das „Der ewige Spießer?“ und geboren wurde Horvath am 9. Dezember 1901 in einem Vorort von Rijeka und ist dann mit seinen Eltern nach Belgrad, Budapest und München gekommen.  Gestorben ist er 1938 in Paris, da wurde er von einem Baum erschlagen und das ist ein Motiv, das ich in meinen „Krimis“ „Tod eines Jurymitlglieds“, sowie „Taubenfüttern“ verwendet haben.

Dann kommen wir zu Erhard Kästner, Erhard, nicht Erich, denn der wurde am 13. März 1904 in Schweinfurt geboren, war einige Jahre Sekretär von Gerhard Hauptmann und außerdem Bibliothekar in Dresden, sowie nach dem Krieg Leiter der Herzog August Bibbliothek in Wolfsbüttel und außerdem hat er sich offenbar sehr für Griechenland interessiert und einige Bücher darüber geschrieben, was mir, wie ich bekennen muß, bisher entgangen ist.

Dann gehts zu Immre Kertez dem Nobelpreisträger von 2002, da waren wir gerade in Frankfurt auf der Messe und ich habe das an irgendeinem Stand durch György Dalos erfahren und habe sogar einen Moment gedacht, das wäre der Preisträger. Kertez, der mit Fünfzehn ins KZ kam und dann mit dem „Roman eines Schicksallosen“ berühmt wurde, wurde dafür für die Aktion „Eine Stadt ein Buch“ ausgewählt, das war aber, glaube ich nur das Drehbuch von dem berühmten Buch und Cornelius Hell führt in seinen „Gedanken“ genauer die vier Teile aus, in denen sich Kertez mit seinen Holocausterfahrungen beschäftigt und bringt auch seine Gedanken zur „Reichskristallnacht“, die ja, glaube ich, heute politisch korrekt „Novemberprogrom“ heißt.

Dann kommen große Namen, von denen heute die meisten niemand etwas gelesen hat oder höchstens, die Älteren im Gymnasium etwas von ihren hörte. Cornelius Hell gedachte, sowohl  Friedrich Gottlieb Kloppstock, über den Lessing sagte „Wer wird nicht einen Klopptstock loben – doch wird ihn jeder lesen?“, als auch Nikolaus Lenau und Eduard Mörike, von letzteren stammt, die Novelle „Mozarts Reise nach Prag und viele schöne Gedichte, zu ihrem zweihundertsten Geburtstag und unbekannt ist heute wahrscheinlich auch Karl Philph  Moritz, der hat den „Anton Reisner“ geschrieben, das weiß ich auch, sonst aber nicht sehr viel und auch den evengelischen Theologen, der dann vom Papst zum katholischen Kardinal ernannt wurde, John Henry Newman habe ich nicht gekannt.

Dafür natürlich Thomas Mann, denn den habe ich in meiner Studentinnenzeit auch sehr intensiv gelesen und wahrscheinlich nicht verstanden und interessant ist, daß es da nur zwei Kapitel gibt. Was war da los? Hatte die Woche da nur zwei Werktage oder entstand der Text aus einem anderen Grund? Im Nachwort wird das nicht erwähnt.

GeorgeOrwells „1984“ habe ich auch als Studentin gelesen, von ihm gibt es aber, wie Cornelius Hell meint, bessere Texte und zitiert das Leben des 1903 als Eric Arthur Blair in Bengalen geborenen, der längere Zeit Kolonialpolizist in Burma war. Dort einen Elefanten erschießen mußte und einen Gefangenen zu seiner Hinrichtung begleitete. Er hat auch die „Farm der Tiere“ geschrieben, wo er das Sowetregime  karikierte. Dieses Buch hat Hell, als er in der ehemaligen SU Lektor war, geschenkt bekommen und mußte es, weil dort streng verboten, versteckt lesen, das hat ihm, schreibt er geprägt. Von „1984“, das George Orwell weltberühmt machte, scheint er dagegen nicht viel zu halten.

Das war der Parcour durch die Gedenktage, wo man sich in zwei oder drei Minutentakt an die Berühmtheiten der vergangen Jahrhunderte erinnern, ihrer gendenk und sie wieder lesen konnte.

Dann gibt es noch einen Text über die literarischen Verarbeitungen der Jungfrau Maria. Das habe ich, glaube ich, auch einmal versuchen wollen, bin aber gar nicht zum Anfangen gekommen und am Schluß auch sehr interessant, nachdem ich ja erst vor kurzen die besten Texte des „Tagebuch Slams“ gelesen habe, einen Gedankenreigen über das Tagebuchschreiben, wo Hell bedauert, das lange Zeit nicht getan zu haben.

Ich habe es und tue es im „Literaturgeflüster“ immer noch und jetzt raucht mir der Kopf, ob der schnellen Gedenkrunden, stelle das Buch wieder in das Harlander Regal zurück, das jetzt schon viel viel voller ist und werde mich demnöchst den Frühjahrsneuerscheinungen auf meiner Leseliste widmen und da kommt, das kann ich schon verraten, Bernhard Schlink, als erster dran.

P.S. Einen Text über Simone Weil, die französische Philosophin und Mysterikerin, die  1943 mit vierunddreißig Jahren an Tuberkulose und Unternährung gestorben ist, gibt es auch noch. Habe ich sonst noch etwas vergessen?

Natürlich, all die anderen neuen Hell Gedanken, die seither in Ö1 zu hören waren und da war ja, erst letzte Woche Rose Ausländer dran. Also sollte es schon einen Folgeband geben.

Advertisements

Erstelle eine kostenlose Website oder Blog – auf WordPress.com.