Literaturgefluester

2021-06-16

Lesen statt telefonieren

Filed under: Büchergeschichten — jancak @ 00:56
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Wir leben in Zeiten, wo jeder ein oder sogar mehrere Handies besitzt, also die Telefonzellen der Vergangenheit angehören. Es ist auch schon lange her, daß ich eine solche benützte, obwohl ich gar kein Handy habe und vor einigen Jahren ist, was ich als eine der wenigen sinnvollen Maßnahmen halte, die in letzter Zeit passierten, sind die offenen Buchschränken wie, die Schwammerln, wie ich immer schreibe, aus dem Boden geschoßen.

Sinnvoll deshalb,weil sonst ja alles registriert,verwaltet und kontrolliert wird und wenn man beispielsweise aus einer Mülltonne hinter einem Supermarkt etwas herausnimmt, kann man verhaftet werden, auch wenn man vielleicht Mndestrentenbezieher ist und die Sachen brauchen könnte. Aber hier kann man sich einfach Bücher aus dem Kasten nehmen oder hineinlegen, wenn beispielsweise, die Mutter gestorben, ist, man eine Wohnung ausräumen wil, etcetera.

2010 wurde der erste in Wien, glaube ich in der Zeglergasse von Frank Gassner initiert und da gab es auch ein Geschrei darüber, das Ganze „Obdachlosenakademie“ genannt, obwohl, wenn man da schon sarkastisch sein muß, „Bibliothek“, der passendere Ausdruck gewesen wäre.

Die Schränke wurden auch ein bißchen vandalisiert oder leer geräumt. Da gab es einmal einen alten Mann, der alles leerräumte, was Frank Gassner ziemlich ärgerte. Ich habei in der „Absturzgefahr“, darüber geschrieben und es gab auch das Gerede, die Leute nehmen sich die Bücher und verkaufen sie dann, was ich eigentlich nicht glaube, daß sich da Käufer dafür finden und deshalb wurden von Frank Gassner anfangs auch häßliche Bandagen darauf geklebt, die die Bücher eigentlich kaputt machten und später abgestempelt. Das hat sich inzwischen normalisiert und die Buchhändler hatten, was eigentlich wundern könnte, nichts dagegen und schrieen nicht auf, daß jetzt der Handel einbricht und die Schränke daher verboten werden müssen, sondern stellen sogar selber manchmal ihre Leseexemplare hinein und der Hauptverband regte sich auch nicht auf, sondern stellte einmal sogar Freikarten für die „Buch-Wien“zur Verfügung.

Die Schränke sind voll und ich bin erstaunt, was man alles daran finden kann. Habe schon echte Schmankerln herausgenommen und meine Bildungslücken aufgefüllt. Sveto, Updike, Kisch, etcetera, gelesen, an die ich sonst vielleicht nicht gekommen wäre und auch viele Lesexememplare, die vielleicht Buchhändler oder Rezensenten hineinstellen.

Frank Gassner verstand seine Aktion, glaube ich, als Kunstprojekt und gar nicht so als Leseförderung. Die Schränke wurden von Künstlern entworfen, der in der Zieglergasse beispielsweise von Hermann Nitsch, dessen Assistent Frank Gasser einmal war, erneuert. Es kam dann der Schrank im Hegerpark, wo es eine Zeitlang das „Rosa Winkel-Buch zu entnehmen gab“, den in der Grundsteingasse, wo ich mal gelesen habe und der, der in der Gumpendorferstraße Ecke Otto Bauergasse geplant war, hat es nicht gegeben.

Dann kamen bald die Nachahmer. Der Bezirk oder eine Partei stellte in der Josefstädterstraße einen hin und kupferte von Frank Gassner, der sich darüber ärgerte, ab. Es gibt den „Wortschatz“ am Margaretenplatz. Für mich eine reiche Quelle, weil ich da ja oft vorbei gehe und irgendwann bin ich auf die Zelle bei der „Seedose“am Viehofner See gestoßen. Das war die erste ehemalige Telefonzelle und eigentlich eine gute Idee, die Zellen, wenn man sie nicht mehr braucht, weil alle Leute Handies haben, in Bücherzellen umzufunktionieren und damit der Leseförderung zu dienen.

Eine gute Idee für mich, die ja reichlich davon profitiere, ob die Leute dann wirklich mehr lesen, weiß ich nicht und würde da auch skeptisch sein und kann mich auch an das wahrscheinlich schon zitierte Beispiel erinnern, das ich auch einmal bei einer IG-GV vorgegtragen habe. Da stand ich in der Zieglergasse. Es lagen viele schöne alte „Jugend und Volk-Bücher“ darin. Ein Mädchen stürzte sich darauf. Die Mutter hielt sie davon ab und warnte „Das ist ja die alte Rechtschreibung und dann machst du wieder Fehler und bist verwirrt!“

Und ob wirklich soviele Migrantenkinder kommen und durch die Bücherschränkefunde lesen lernen, wie sich vielleicht die Politiker wünschen, weiß ich nicht und ebenfalls ist es mir unbekannt, ob es in Wien auch Büchertelefonzellen gibt oder doch, die vor dem Theater in der Wiedenr Hauptstraße ist eine solche, aber die ist rot angestrichen und wird von dem Theater betrieben.

In St. Pölten gibt es, um wieder zum Thema zurückkommen, den bei der „Seedose“, den ich vor circa zehn Jahren entdeckte. Da habe ich auch schon schöne Bücher gefunden und sie, beziehungsweise das Notizbuch das ich einmal darin fand, in meinen zweiten Corona-Buch erwähnt.

Seit zwei Jahren gibt es die Bücherzelle in Altmannsdorf. Da haben Verlage, als sie eröffnet wurden, schöne Bücher hineingelegt. So habe ich Ransmayer „Cox“ gelesen und lege selber öfter meine Bücher hinein, habe ich in Harland noch ein paar Schachteln von den „Hierarchien“ gefunden und so habe ich mir vorgenommen immer ein Buch hineinzulegen, wenn ich zu den Schränken fahre. Leider vergesse ich öfter, was vielleicht nicht soviel macht, denn Altmannsdorf ist ja eher klein. Da würden meine Hierarchien bald auffallen.

Es ist auch interessant, welche Bücher, die Leute hineinstellen. Frank Gasser wollte, glaube ich, anfangs soziologische Studien darüber machen. Ich weiß nicht, ob er es getan hat. In Wien findet man viele Leserexemplare und auch viel zeitgenößische Gegenwartsliteratur. Die habe ich auch schon in der „Seedose“ gefunden und zum Muttertag in Altmannsdorf Cornelia Travniecs „Junge Hunde“ und ein Skriptum einer Fahrschule. Das habe ich genommen, weil ich dachte, daß die Anna vielleicht ihre Fahrkünste auffrischen will und die „Jungen Hunde“, die ich schon gelesen habe, für Doris Kloimstein, mitder ich ja eifrig Bücher tausche und die Anna hat mir, als wir das letzte Mal in Harland waren gesagt, daß es da jetzt einige neue Bücherzellen gibt.

In Harland beim Amtshaus, da habe ich schon beim Vorbeifahren gedacht, das schaut fast so aus und dann noch eine in Stattersdorf. Das ist eine Initiative der ÖVP, die damit wahrscheinlich das Lesen fördern will und als ich mit der Anna, der Lia und dem Alfred zuerst beim beim Bäcker und dann am Spielplatz war, habe ich auch vier Bilderbücher für die Lia gefunden. Im Stattersdorfer Schrank gab es den älteren Bestseller „Schande“ von Nobelpreisträger J.M. Coetzee und sonst eigentlich Kinderbücher, ChickLits, Krimis und was sonst, die Leute lesen und Peter Klein, der ehemalige Programmleiter von Ö1, beklagte letzten Samstag im „Standard“ unter dem Titel „Unterbelchtete Bestseller und blinde Flecken“, daß die Leute meistens nicht das Lesen, was die Kritiker empfehlen und das, was auf den Bestsellerlisten steht,ist dann das, was Denis Scheck oft in die Mülltonne schmeißt. Das ist auch ein altes Problem beim „Deutschen Buchpreis“, das die Kritiker Hochwergtiges auswählen und die Buchhändler dann stöhnen, weil die Leute, das nicht kaufen und keine Krimis, ChickLits, Fantasy etcetera, was sie vielleicht kaufen würden, auf diese Listen kommen.

Petra Hartlieb, die engagierte Buchhändlerin und auch Krimis und Liebesromanautorin, hat sich darüber beklagt, als sie in derJury für den dBp war und wurde von den Kritikern, die sich angegriffen fühlten, angefeindet. Sie hat aber, glaube ich, recht und ich bin ja eine, die alles liest.

Also ChickLits, Krimis, Fantasie, aber meistens zeitgenößische Gegenwartsliteratur und in letzter Zeit, das von den Buchpreislisten und alles natürlich nicht. Denn ich kann ja nicht hunderttausend Millionen Bücher lesen, obwohl ich das gerne würde, sondern lese cirka hundertfünfzig bis hundertfünfundsiebzig im Jahr, was schon sehr viel liest. Peter Klein meint in seinem Artikel, daß man dreitausend Bücher in seinem Leben lesen würde.

Das hat Wendelin Schmidt-Dengler ausgerechnet und ist von einem Buch pro Wochen, also fünfzig im Jahr ausgegangen. Da kenne ich aber Statistiken, daß die Deutschen acht und die Österreicher neun Bücher im Jahr lesen würden oder ist es umgekehrt und viele junge Leute lesen gar nicht mehr, obwohl sich das Buch erstaunlich gut gehalten hat. Wird es ja immer noch gedruckt und die E-Books, die ich nicht so gerne lese, halten sich eher zurück. Das gute alte Buch hat sich also erhalten und wurde nicht so, wie man vor etwa zehn Jahren fürchten konnte und von den E-Bookreadern verdrängt, wom itich wieder zu den Bücherzellen zurückkomme.

Es gibt nämlich noch einen, wie mir die Anna letzten Freitag zuflüsterte, nämlich den beim Bootshaus und daran bin ich am Samstag, als ich zum Markt wollte, vorbeigefahren und habe auch etwas für den Alfred, passend zum Vatertag gefunden, nämlich einen noblen Bildband über „Toskanische Landhäuser“ und wenn am achten Juli , die Oma dort ihren Geburtstag feiert und sie mich mit meinen vierten G nicht hineinlassen, kann ich mich mit dem Takeaway-Kaiserspritzer, den ich vielleicht doch bekommen, zur Bushaltestelle setzen und in den eventuellen Funden schmökern.

2019-09-19

Der verschwundene Bücherschrank

Nach einem Arbeitstag, ein paar Stunden, ein bißchen Korrigieren am neuesten Projekt und ein bißchen Wahlkampfvideoschauen, denn das macht Spaß, informiert und weckt vielleicht auch die Schadenfreude, hat sie sich aufgemacht, um nach der Sommerpause das erste Mal wieder ins Literaturhaus zu gehen.

Zwar wartet auf die selbsternannte dreifache Buchpreisbloggerin drei solche Listen, die deutsche, österreichische und schweizerische mit entsprechend vielen aufzulesenden Büchern auf sie, was ohnehin ein bißchen schlechtes Gewissen macht, denn beim deutschen Buchpreis ist sie erst bei Buch sechs, beim österreichischen bei Buch zwei, wobei es sich um dieselben Bücher, nämlich, die der Marlen Streeruwitz und Raphaela Edelbauer handeln und bei dem schweizer hat sie zwar schon drei Bücher im Bad, beziehungweise E-Book Folder liegen, aber mit dem Lesen noch gar nichgt angefangen.

Aber trotzdem es gibt es Buchgeschehen, abseits der Buchpreislisten, natürlich ganz klar und im Literaturhaus wird auch ein solches vorgestellt, was sonst höchstwahrscheinlich an ihr vorbeigegangen wäre, sich also nach der letzten Stunde, beziehungsweise der letzten korrigierten Seite aufgemacht, um ins Literaturhaus zu gehen.

Da kommt sie am Margararetenplatz natürlich am „Wortschatz“ vorbei und kann trotz ihrer Bücherberge und Bücherstapel dort natürlich nicht vorüber gehen, denn sie könnte ja etwas versäumen, also kurz hineingeschaut und außer einem Sprachführer für den nächsten Italienurlaub nicht viel gefunden, natürlich nicht, was hätte sie erwartet, obwohl sie da und auch in den anderen Schränken schon manche Schmankerl, sprich ausgeschiedene Leseexemplare gefunden hat, an denen sie sich erfreuen konnte und das auch tat.

Manche Bildungslücken hat der Bücherschrank schon bei ihr gefüllt und sie ist auch eine absolute Freundin der solchen, die es in Wien seit 2010 gibt und die seither auch wie die Schwammerln aus dem Boden spießen.

Der Erste wurde dort in der Zieglergasse-Westbahnstraße von Frank Gassner aufgestellt und zwei Jahre später sogar mit Hilfe von Hermann Nitsch erneuert und gewidmet, dann gibt es den beim Heger-Park in der Grundsteingasse, da hat sie schon einmal gelesen, beziehungsweise ihre „Mimi“, dort vorgestellt, in der es ja auch eine Bücherschrankbenützerin beziehungsweise Betreuerin gibt, denn die Bücherschränke haben sie nicht nur bezüglich Lesen bereichnert, nein, sie hat auch immer wieder darüber geschrieben und findet ein solches Tauschverhalten im öffentlichen Raum sehr gut, gibt auch zu, daß sie mehr Bücher hinaus als dort hineinstellt, ist sie doch eine Sammlerin, die sich eigentlich nur ungern von ihren Büchern trennt, aber die eigenen Werke finden regelmäßig nach Erscheinen hinein und, daß es Leute gab, die sich über die Schränke lustig machen, sie sogar zerstören und beschmieren oder sie als „Sandlerbibliothek“ beschimpfen hat sie nie verstanden und glaubt auch, daß sich diese Vorurteile und auch die, daß die Leute sich dann nur der Bücher bedienen und sie verkaufen würden, ein Argument, daß vor allem Anfangs sehr zu hören war, glaubt sie nicht so recht, sondern hat sogar den Verdacht, daß sich die Antquariate eher ihrer Ladenhüter dort entledigen, als Bücher von dort ankaufen, dazu gibt es in Zeiten der „Make it small-Philosophie“ höchstwahrscheinlich zu viele Bücher und sich der Bücher, statt sie in den Mist zu werfen, sie in den Bücherschrank zu stellen, wenn man zum Beispiel eine Verlassenschaft zu entsorgen hat, ist sicher eine gute Idee, an der sie sich, sie gibt es zu, schon öfter daran bereichert hat und manchmal die Bücher auch eine Weile bei sich stehen hat, bis sie dazu kommt sie zu lesen.

Auch das gibt sie zu, aber als sie diesen Sommer in die Schweiz auf Urlaub gefahren ist, hat sie sich vorher in ihren Regalen umgesehen und dort sogar drei ehemalige Buchpreisbücher gefunden, die sie dann in Locarno nach und nach aufgelesen hat, dort in einem Bücherschrank in einem Kaff einen aktuellen Krimi fand und sich nur ärgerte, daß sie „Herrmann Hesse antwortet…. auf Facebook“, das sie einmal vom Schrank nach Hause trug, dann aber nicht rechtzeitig gefunden hat, um es  in Montagnola stilgerecht aufzulesen.

Egal, das Buch ist jetzt gefunden und kann gelesen werden, wenn sie sich wieder in die Schweiz begibt oder nein, doch nicht so ganz denn der nächste Schweiz-Urlaub geht nach Basel zur Verleihung des „Schweizer Buchpreises“ und da wird sie sich wahrscheinlich eher die Buchpreisbücher“, als den Hesse mitnehmen, denkt sie, während sie an dem noch leeren und im Dunklen liegenden Literaturhaus, es ist zwanzig Minuten vor Veranstaltungsbeginn und sie eine  pünktliche Person, vorübergeht, um vorher noch in Richtung Schrank und Westbahnstraße hinaufzugehen, denn es könnte ja sein, daß Daniela Strigl, die ja glaube ich in der Nähe wohnt, ober ein anderer Rezensent Sibylle Bergs „GRM“, eines der Schweizer-Buchpreisbücher, das sie wahrscheinlich nicht bekommen wird, aber unbedingt lesen will, hineingelegt hat, denkt sie wieder, um dann etwas erstaunt, in das Gesicht von Barbara Zeman zu schauen, die gerade an ihr vorübergeht.

Aber natürlich, sie ist ja die Moderatiorin der Veranstaltung, wie sie sich sogleich erinnert und an den vielen Baustellen vorbei, die sich momentan offenbar in ganz Wien und daher natürlich auch in der Zieglergasse befinden vorübergeht und ihre erwartungsvolle Vorfreude kurz darauf  verschwinden läßt, beziehungsweise diese einen Dämpfer bekommt, denn was ist denn das, das kann es doch nicht sein, an der Ecke Zieglergasse Westbahnstraße, wo sich der Schrank und seit kurzem auch ein paar Sesseln befinden, in denen man sich während des Büchersuchens ausruhen oder vielleicht gleich ein bißchen lesen kann, gibt es nur mehr den Briefkasten, der sich auch  dort befindet, ansonsten ein Absperrgitter, einen Baustellenzaun: „Betreten verboten, Eltern haften für ihre Kinder!“, heißt es da und kein Bücherschrank.

Vorübergehend geschlossen, abmontiert, entfernt.

„Wird nach Beendigungen der Bauarbeiten wieder aufgestellt!“, wird sie später auf der betreffenden Facebookseite lesen. Zuerst einmal aber nur entäuscht und ein bißchen verloren dreingeschaut, aber dann angesichts der eldendslangen Bücherliste und dem sechsten deutschen und zweiten österreichischen Buchpreisbuch, dem der Raphaela Edelbauer, das ihr sehr gefällt und das sie ohnehin  in der Tasche trägt um bis zu Veranstaltungsbeginn noch ein bißchen darin zu lesen, die Achseln zucken und „Macht ja nichts!“, denken.

Macht ja nichts, denn es gibt im intensiven Bücherherbst der Neuerscheinungen und des dreifachen Bücherbloggens ohnehin sehr viel zu lesen und wenn die Bauarbeiten bis Dezember beendet sind, kann sich der Schrank nach Weihnachten ja wieder dort befinden, um die ungewünschten Weihnachgtsgeschenke oder eventuelle Duplikate aufzufangen und vielleicht ist dann, wenn sie wieder dort vorbei kommt, sogar eines der Buchpreis-Bücher darin, das sich momentan nur in ihrem E- Bookfolder befinden, denn sie ist ja eine Büchersammlerin und außerdem, auch wenn sie an keinen Buch riecht, leckt oder schmeckt, der Meinung, daß nur ein Printbuch ein richtiges Buch ist und sie ein solches lieber hat.

2018-08-17

Berner Bücherkastentour

Filed under: Büchergeschichten,Reisebericht — jancak @ 12:05
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Bern

Bern

Bern

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Die Stadt Bern, die heimiche oder offene Hauptstadt der Schweiz, scheint auch in Sachen Bücher ganz vorn zu liegen, wenigstens was die Bücherschränke betrifft, denn zwei hat der Alfred in „Wikipedia“gefunden und eine „Kornhaus Tauschkreis-Initiative“ scheint es auch zu geben, denn da gibts zwei mit Anleitung ausgeschriebene Bücherkästen an der Aare und im ehemaligen Bürgerspital, wo man die Bücher mitnehmen, aber auch vor Ort lesen kann und ich dann relativ neue Bücher von Silvia Bovenschen, Julia Franck, Elisabeth Strout und natürlich auch etwas Schweizerisches, wie das Büchlein von Dragica Rajcic, die ich glaube ich, einmal in der „Alten Schmiede“ hörte und das „Senter Tagebuch“ von Angelika Overath einer in Deutschland geborenen aber in der Schweiz lebenden Autorin, die auch im „Auftritt-Gastland Leipzig-Lesebuch“ von 2014 erwähnt wird, fand.

Bern

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Bücherschrank in Fribourg

Bücherschrank in Fribourg

Aber Schweizerisches habe ich kurz danach auch im der Abverkaufsteilung der „Weltbild-Buchandlung“ in der Getreide- oder Kramgasse gefunden, nämlich Peter von Matts „Das Kalb vor der Gotthardpost“ und Franz Hohlers Kletterbuch „Immer höher“, um einen Franken.

Dafür hatte Arno Geigers „Unter der Drachenwand“, einen roten Punkt und kostete daher fünf Fränkli, aber das, habe ich gelernt, darf man nicht sagen. Fünf Franken also für das neue Longlistenbuch und, daß es auf der Buchpreisliste steht, habe ich dem Verkäufer erst gesagt, als es der Alfred schon bezahlt hatte „Wissen sie ohnehin-!“, aber der hat auch beim zweiten Mal mein österreichisches Deutsch wahrscheinlich nicht verstanden.

Der erste „offizielle Bücherschrank“ befand sich dann im Universitätsviertel, da stand auch etwas darauf um welche Initiative es sich dabei handelt und außer mir gab es da auch andere Anwärter, die sich dafür interessierten. Sehr voll mit Bücher mit und ohne den „Kornland- Aufkleber“ und mit der schon vollen Büchertasche habe ich mich dann zuerst vor das „Haupt Atelier 14 B“ am Falkenplatz, der kleinen feinen Buchhandlung, gesetzt, später, als der Alfred von dort hinauskam, bin ich auch hinein, habe auf die Frage, ob ich „Luaga?“, möchte, „Nur schauen!“, geantwortet und sowohl die Elisabeth Wandeler-Deck also auch F. Ms „Pathos und Schwalbe“ gefunden, „Bleib bei mir“ lag da, das neue „Picus-Buch“ vom Felix Kucher und was die Buchpreisliste betrifft, das Schweizerische von Adolf Muschg und Gianna Molinari.

Bücherschrank Falkenplatz Bern

Bücherschrank Falkenplatz Bern

Bücherschrank Lagerweg 12, Bern

Bücherschrank Lagerweg 12, Bern

Sehr schön, sehr fein und dann ging es nach dem Essen, wo wir in einer sehr hektischen Pizeria am Hauptplatz landeten, wo sie nach uns, dann alle Tische reservierten, offenbar, um in die Siesta zu gehen, zu dem zweiten angegeben Bücherschrank, der eigentlich aus den  ehemaligen Briefkästen aus einem offenbar besetzten Haus bestand. Wir waren also im Alternativviertel Berns gelandet. Brot lag in einer Schachtel und in den Kästen nichts für mich Interessantes An Nicolas Sparks und Ludmilla Ujutzkaya auf Ungarisch kann ich mich aber noch erinnern. Nebenan gab es ein Loklal, den „Wartsaal“, wo sich die jüngern und älteren Alternitiven trafen, ich meinen Hugo trank und einem älteren Herrn beim Telefonieren zusah.

Bern ist eine Bücherstadt, denke ich und werde mich über das Arno Geiger Schnäppchen wohl immer freuen und die Anektdote munter weitererzählen. Leider haben wir  in Zürich keinen „Weltbild-Laden“, wo sie sie im Keller die anderen Frühjahrsnomierungen abverkauften, mehr gefunden.

Lokal "Wartesaal" in Bern

Lokal „Wartesaal“ in Bern

Bücherschrank im Generationenhaus in Bern

Bücherschrank im Generationenhaus in Bern

2018-06-17

Spaziergang durch den Neunten

Ich bin ja jetzt, wie im vorigen Jahr auch, seit zwei Wochen „Strohwitwe“, weil sich der Alfred ja mit dem Karl in den USA befindet und von dort fast täglich schöne Fotos schickt. So weiß ich, daß er kürzlich in einer Bibliothek in San Fransico war und sich jetzt im Yellostone Nationalpark befindet und ich befinde mich oder sollte das, neben  meiner täglichen Praxisroutine auf einem intensiven Korrigierretreat, um möglichst bald mit der „Unsichtbaren Frau“ fertig zu werden und etwas Neues zu beginnen.

Im Vorjahr, wo der Alfred mit dem Karli in einem anderen teil der USA war, habe ich die „Besser spät als nie-Szenengeschichten“ geschrieben und habe mit der Ruth den öffentlichen Raum erforscht, woraus sich, was mir damals gar nicht so bewußt war, dachte ich doch, das ist eine schöne Schreiberei und Ablenkung beziehungsweise Fingerübung, bevor ich mit meinem nächsten Jahrhundertromanprojekt beginnen kann,- eine schöne Veranstaltungs- und Veröffentlichungsreihe entwickelte, die im letzten April begonnen hat.

Denn die Ruth hat das Projekt bei der GAV eingereicht und dreimal drei Spaziergänge zu den jeweiligen Orten mit einer Lesung und einem kunstgeschichtlichen Exkurs von Robert Eglhofer geplant. Den ersten diesbezüglichen Spaziergang haben wir, wie schon erwähnt, im April gemacht und sind da vom Heldenplatz über die Schlüssel vom Servitenplatz zum Thuryhof gegangen und vorher hat es einige der Texte mit sehr schönen Fotos, die der Alfred im Februar machte, im „Hammer 95“ der Zeitschrift der „Alten Schmiede“ gegeben, die auch der Straßenzeitung „Augustin“ beigelegt war.

Ja und da ist die Ruth mit der Leiterin der VHS des neunten  Bezirks ins Gespräch gekommen, die so einen Spaziergang durch den neunten Bezirk in ihrem Programm ankündigen wollte.

Da ist für den Spzaziergan der neunte November, der Tag meines fünfundsechzigsten Geburtstags, so daß wir nachher schön feiern,  Sekt trinken und Torte essen können. Wir haben aber nur zwei Objekte im neunten Bezirk beschrieben, in dem Folder von dem und mit dem wir ausgegangen sind, gibt es aber noch ein anderes Kunstwert, das zwar vielleicht nicht so ganz zu der Zeitgeschichte der zwei anderen passt, aber sehr schön und idyllisch anzusehen ist, denn am Zimmermannplatz an dem ich ja, seit es dort den offenen Bücherschrank gibt, der ja eigentlich auch ein Kunstwerk des öffentlichen Raumes ist, aber vom Künstler Frank Gasser initiiert wurde und daher nicht in dem KÖR-Folder enthalten ist, vorübergehe, wenn ich vom klinischen Mittag komme, gibt es auf der anderen Seite ein Projekt ohne Namen oder eigentlich einen Garten mit Brunnen, den die brasilianische Künstlerin Ines Lombardi gestaltete und der 2009 von Stadtrat Mailath-Pokorny eröffnet wurde und so bin ich heute früh aufgestanden und habe mit einer Bücherkastentour, weil sich das ja schön ausgegangen ist, weil ich sowohl am „Wortschatz“, als auch an dem in der Zieglergasse und dem in der Josefstädterstraße über den Frank Gasser sehr sauer war, weil ihn der Bezirk, ohne ihn zu fragen, einfach von ihm abgekupfert hat, vorüberkomme, wenn ich zum Zimmermannplatz will.

Interessant ist dabei vielleicht noch, daß ich in der Zieglergasse zwar ein abgegriffenes dünnes „Haymon-Bändchen“ von Bernhard Aichner „Das Nötigste über das Glück fand“, aber erst am Zimmermannplatz, bei dem ich jetzt schon lange nicht mehr war, so richtig fündig wurde, denn dort gab es ein Reprortagebändchen vom „Augustin-Blattmacher Robert Sommer „Wie bleibt der Rand am Rand“, den ich in der letzten Woche dreimal gesehen habe und dann noch ein kleiner „Meeresroman“ von Petri Tamminen aus der „Edition Mare“. Einen dicken Simmel gab es auch, aber den habe ich mir auf unseren Spaziergang durch den neunten Bezirk nicht mitgenommen und einen Roman von Carlos Ruiz Zafon, von dem ich nicht ganz sicher bin, ob ich ihn nicht schon habe?

Die Ruth ist schon auf einer der Bänke neben dem Schrank gesessen, wir sind zu dem Brunnen in dem verwunschenen Garten auf die  andere Seite hinübergegangen, den ich obwohl ich ja öfter über die Platz gegangen bin, nie gesehen habe und der wirklich ein idyllisch schönes Kunstwerk ist. Ein Stück Märchenlandschaft mitten in der Stadt zwischen AKH und St. Anna Kinderspital gelegen. Ein Steinbrunnen auf dem ein Kübel steht, dem gegenüber ein Rabe auf einem Holzscheit sitzt, aus dessen langen Schnabel sich der Wasserstrahl in den Kübel ergißt und das Ganze ist von dichten Büschen und Rosenhecken umgegeben.

Ein verwunsche Märchenlandschaft mitten in der Stadt sehr idyllisch und ich bin in der sommerlichen Vormittagshitze auf der gegenüberliegenden Bank gesessen und habe das Ganze begierig aufgeschrieben und dann sind wir, um die Zeit für unseren Spaziergang abzustoppen, noch zu den zwei anderen Kunstwerken des Neunten gegangen, beziehungsweise sind wir mit der Straßenbahn dorthin gefahren, weil wir ja nicht wissen, ob die Teilnehmer und Teilnehmerinnen des Spazierganges im November wirklich so weit gehen wollen oder können.

Sind also zuerst zum Thuryhof gegangen und haben den Recken mit dem Schwert angesehen, geschrieben und gelesen haben wir nicht, denn das haben wir ja schon getan und sind dann mit einer anderen Straßenbahn zur Grünetorgasse gefahren und haben uns auf die Bank vor den „Schlüßel gegen das Vergessen-Installation gesetzt und dann in den Straßengarten eines Restaurants in der Servitengasse um Mittag zu essen. Backhendlsalat und roter Spritzer ich, die Ruth hat es mit einer Kokussuppe und einem Eiscafe versucht und ich habe einen intensiven Sommervormittag im öffentlichen Raum verbracht und kann mich jetzt wieder meinem Korrigierprojekt widmen.

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