Literaturgefluester

2017-01-06

Astronauten

Filed under: Bücher — jancak @ 00:38
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Jetzt kommt eines der Weihnachtsbücher von 2015, nämlich Sandra Gugics Debutroman „Astronauten“, deren literarischen Karriere ich ja auch von Anfang an verfolgen konnte.

1976 als Tochter von serbischen Gastarbeitern geboren hat sie 2008 den EXil-Literaturpreis gewonnen, dann war sie beim Klagenfurter Literaturkurs, hat in Wien und in Leipzig Sprachkunst studiert, im letzten Jahre den „Priessnitz-Preis“ bekommen, Hans Weigel-Stipendiaterin ist sie auch und 2015 ist bei Beck ihr Debutroman „Astronauten“ erschienen.

Da war ich bei der Präsentation in der „Gesellschaft für Literatur“ und habe da mit den Episoden von sechs Menschen die in einem Sommer über eine Stadt ziehen, gar nicht so viel anfangen können.

„Na ja!“, habe ich mir wahrscheinlich gedacht oder „Ein typischer Debutroman!“.

Ich habe auch versucht ihn mir zu bestellen, aber bei „Ch. Beck“ ist das schwer ein Mail zu schreiben und so habe ich  das Buch voriges Jahr auf meine Geburtstagsliste geschrieben und gemeinsam mit Cornelia Travniceks „Junge Hunde“ vorige Weihnachten bekommen.

Und Tiere spielen in dem Roman, der wieder keiner ist, sondern eine Andeinanderfolge voll Sprachkunst erzählter Episoden über sechs Menschen, die einen Sommer in einer Stadt verbringen. Sich miteinander vermengen, sich wieder verlieren, alle irgendwie einsam sind, wie der Klappentext verrät und den ersten schönen Satz „Gott ist ein Astronaut“ gibt es auch, den wir  in dem Buch auch noch öfter wiederfinden und ich habe mich ja vor der Präsentation gefragt, wieso Sandra Gugic dazugekommen ist ihr Buch so zu nennen?

Bei Birigit Birnbachers „Debut „Wir ohne Wal“ hat es mich ja gestört, daß dieser Roman eine Aneinanderfolge verschiedener Erzählungen ist, die eigentlich nicht viel mit sich zu tun haben. Hier gibt es keinen Plot und keine Handlung, aber Ereignisse und auch Verknüpfungen und das ist eigentlich etwas, was meinem Schreiben sehr ähnlich ist und ich es mit dem „Frühstücksprojekt“ auch gerade probiere.

Aber natürlich Kritiker, aufgepasst, meine Sprache ist nicht so schön und auch nicht so frisch modern, bin ich ja schon über sechzig, aber Sandra Gugic ist auch schon vierzig, hat aber einen sehr frischen Ton und bei „Amazon“ habe ich gelesen, daß das Besondere an dem Buch ist, das jede Person ihre eigene Sprache hat.

Warum geht es jetzt werden meine Leser jetzt schon ungeduldig fragen? Also da sind sechs Menschen, fünf Männer eine Frau, Darko, Zeno, das sind zwei Jugendliche, die wahrscheinlich aus Serbien oder sonstwo aus Exjugoslawien kommen oder dort ihre Wurzeln haben, Alen ist der Vater von Darko, Alex ein drogensüchtiger Kleinkrimineller aus guten Haus, wie im Klappentext steht, Niko ist Polizist und Mara ist eine Künstlertochter.

Die verleben jetzt ihren Sommer in drei Teilen, verknüpfen sich, verlieren sich und erzählen oder erleben auch sehr schöne Geschichten. Mara, die Künstlertochter ist die Meisterin darin, ihre erste Szene beginnt in einer Galerie. Da geht sie mit ihrer Schulklasse hin und dort hängt offenbar auch ein Bild, auf dem ihr Vater ihre Mutter malte.

Der Vater ist inzwischen verschwunden, die Mutter irgendwie seltsam depressiv, sitzt am Boden und betet ihren Guru an und Mara geht zu ihrer Therapeutin und da denkt sie sich Geschichten aus, nämlich, daß die Theraueutin nicht in das Institut, Anstalt darf man die Klinik, wo die Therapie stattfindet, nicht nennen, weil sie einen Hund überfahren hat, den begräbt sie dann nachts und ein Fuchs kommt und gräbt ihn wieder aus und Eichhörchen überfallen überhautpt die Stadt, dringen bis zur Schmerzgrenze in einen Supermarkt ein, man sieht, wirklich sehr schöne Bilder.

Es spielt aber auch die Kriminialität eine große Rolle, der drogensüchtige Alex und Zeno, dem von seinem Vater immer wieder angedroht wird, zurück nach Serbien oder sonst wohin gebracht zu werden, der halbgepackte Koffer steht immer im Zimmer, drehen krumme Sachen, der Polizist Niko soll vermitteln, während der Taxisfahrer Alen seinen Sohn deshalb im Sommer bei sich hat, weil der Großvater, wo er sonstwohnt im  Sterben liegt, Krebs hat und man ihm das nicht sagen darf.

Darko ist in Mara verliebt, die beginnt aber obwohl noch minderjährig ein Verhältnis zu Alen, sitzt in seinem Taxi, faltet Füchse oder fotografiert und am Schluß fahren alle irgenwohin und wir haben einen sehr poetischen Debutroman, einer sehr poetischen Autorin gelesen, die eine sehr moderne Sprache hat, die im Gedächtnis bleiben wird, obwohl nicht alle „Amazon Rezensenten“ dieser Meinung sind.

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