Literaturgefluester

2016-06-17

Verwundung, Sprache, Evidenz am zehnten Dichterabend

Es war ja schon der zehnte Abend der „Poliversale 2016“,  wie Michael Hammerschmid am Donnerstag in der „Alten Schmiede“ erklärte und diesmal wurden zwei wirklich sehr verschiedene Dichterinnen, in einem sehr vollen Schmiederaum präsentiert, von denen ich Christine Huber, die „Dicht-Fest-Organisatiorin“ und ehemalige GAV-Generalsekretärin, schon kannte, beziehungsweise ihren bei der „Ediotn Art und Science“ erschienenen Band „Sand im Gegenschuß“ schon im „MUSA“ hörte.

Die 1963 in Wien geborene Christine Huber ist ja für mich die experimentelle Dichterin, die, wie  wieder Michael Hammerschmid erklärte, mit der Sprache spielt, jongliert, ihr entschlüpft, sich alle Wege offen läßt und sich besonders darüber freute, daß Michael Hammerschmied, im Programmheft schrieb, „daß sie zeigt wie sehr   Sprache unser Denken und Vorstellung lenkt“.

Es gibt auch acht Graphiken in dem Band, die eigentlich Gedichte sind oder Überschriften und kein Inhaltsverzeichnis, aber über die Graphiken, kann man den verstehen. meinte Christine Huber und dann ging es bei  1970 geborenen und in Südtirol auf einem Bauerhof lebenden Roberta Dapunt, die in Italienisch und Ladinisch schreibt, weg von der konkreten Poesie, in die Natur,  die Landschaft und die Religion.

Um Poesie geht es in dem bei „Folio“ erschienen Band „Dies Mehr als Paradies“, der schon 2008 auf Italienisch erschien und von einem Übersetzerkollektiv auf Deutsch übertragen wurde, auch.

Roberta Dapunt, las glaube ich zwölf Gedichte, einige davon mehrsprachig, daß sie von der Trauer handeln, hat Michael Hammerschmid schon vorher erklärte, der dann etwas sprachlos wurde und nicht recht wußte, was er Roberta Dapunt zu ihren starken Texten fragen sollte?

So daß sie  erklärte, daß sie seit zwanzig Jahren in einem stark religiös motivierten Haus wohnt, in dem nichts verändert wurde und sie das Ladinische, ihre Muttersprache in sich trägt, wenn sie Italinisch schreibt, so daß sie ihren ganz eigenen Sprachstil hat und sich natürlich auch über ihre Poesie und das Schreiben freut.

Also wieder zwei sehr interessante Dichterinnen und der Kontrast vom Experimentellen zu der Natur und der ursprünglichen Frömmigkeit ist ein nicht zu überbietenter, hatte aber seinen Reiz.

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2016-03-02

Musik im MUSA

Wieder einmal „Literatur im MUSA“, wieder einmal eine Stipendiatin und ein Stipendiat der Stadt Wien, diesmal war auch Musik dabei und die Ausgezeichneten waren mir zwei alte Bekannte, nämlich Christine Huber und Daniel Wisser und Daniel Wisser, den ich einmal, lang lang ist her, bei einer Wohnzimmer-Veranstaltung“ im Amerlinghaus kennenlernte, wo er sein „Ritter-Buch“ „Dopplergasse 8“ vorstellte und ich mir dachte, so realistisch bin ich auch, hat schon einmal das „Canetti-Stipendium“ bekommen und seinen „Weißen Elefanten“ im MUSA vorgestellt. Mit „Standby“ hat er beim Bachmannpreis glesen, mit dem „Elefanten“, war er bei den „Alpha-Finalisten“ und eine seiner „Solo-Performances“ habe ich im Literaturhaus auch einmal gehört und Christine Huber, die experimentelle Lyrikerin, GAV-Generalsekretärin und „Dicht-Fest-Veranstalterin“, kenne ich auch schon sehr lange. Einmal als sie noch nicht so experimentell war, wurden wir beide nach Klagenfurt zum „Preis der Arbeit“ eingeladen. Sie hat neben Bernhard C. Bünker mit einem Text über ein Zimmermädchen gewonnen und jetzt hat sie ihre Gedichte aus einem „Art und Science Band“ gelesen.

Sehr experimentelle Gedichte, deren Sprache ein wenig an Jandl erinnerten und sie hat dann Julia Danielcyck auch genau erklärt, wie sie ihre Lyrik verstanden haben will.

Wenn sie das Wort Pfirsich schreibt, stellt sich jeder das runde Ding vor. Sie will aber keine Geschichte darüber schreiben, sondern die Sprache verknüpfen und ärgert sich immer, daß es seit zwanzig Jahren keine Avantgarde mehr gibt, sondern, daß das Erzählen wieder in ist, weil sich die amerikanischen Romane angeblich so gut verkaufen lassen, was sie immer ärgert.

Mich ärgert das nicht so sehr, obwohl ich ja keine so goße Freundin der großen Amerikaner bin, aber realistisch psychologisch vor mich hin erzähle und Daniel Wisser, dessen „Ritter-Buch“ ich damals sehr realistisch fand, überraschte mich mit seiner Performance aus seinem eneuen „Klever-Buch“ „Kein Wort für Blau“ mit seiner Realistik oder war das erst bei dem Musikbeitrag, wo Liese Lyon einhändig begleitet von Oskar Aichinger vier seiner Lieder sang, die erstaunlich erzählend und erstaunlich konventionell klagen.

Ja so dreht und wendet sich alles nach vorne und auch nach zurück und das neue Buch besteht aus lauter kleinen Erzählungen, nach wahren Begebenheiten, wie Daniel Wisser betonte und so stand er wieder mit dem Wasserglas vor dem Mikrophon, sagte dreimal den Titel der Geschichte und dann sprach er seine Texte ab, von denen ich einige, wenn ich mich nicht irrte, schon bei seiner letzten Performance im Literaturhaus hörte.

Sehr viel Publikum, Gerhard Jaschke, Susanne Ayoub, die mich sehr freundlich begrüßte, Herbert J. Wimmer, Alexandra Millner, Walter Famler, Dine Petrik, Wolfgang Helmhart und und und es gab wieder Brot und Wein, Gespräche und die Bücher der beiden Stipendiaten konnte man sich auch kaufen und nach Hause mitnehmen, um dort in Ruhe lesen, was wie Julia Danielcyck im Gespräch erwähnte, vor allem bei Christine Hubers Gedichten sehr hilfreich ist.

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