Literaturgefluester

2018-03-02

Lucky Lawyer

Filed under: Uncategorized — jancak @ 23:21
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Ich habe ja vor kurzem erst ein Buch gelesen, das von dem Autor stammte, von dem mir Frau Führer vor Jahren eines meiner ersten Rezensionsexemplare zukommen hat lassen. Dann hat sie zur „Buch-Wien“ gewechselt, „Braumüller“ vertreten und mir jetzt Ulrich Mannsfeldts Krimi über das Frankfurter Anwaltsmilieu zuikommen lassen. Das Debut eines Frankfurter Rechtsanwalts, der offenbar im Ruhestand zu schreiben begonnen hat, ein Buch das mir höchstwahrscheinlich sonst entgangen wäre und das in vieler Hinsicht sehr interessant ist.

Ich mag ja irgendwie Krimis, obwohl ich keine schreiben kann, weil ich Gewalt ablehne und meine Morde daher immer an den Haaren herbeigezogen und auch keine sind, ich lese sie aber eigentlich gerne, obwohl das ein Genre ist, bei dem die Literaturblogger meistens die Nasde rümpfen, einige Autoren, die ich kenne, aber welche zu schreiben anfangen, weil man damit offenbar noch immer Leser findet und die Herren Rechtsanwälte in Ruhestand dabei offenbar ein schönes Hobby haben, in dem sie vielleicht auch ihre Berufserlebnisse aufarbeiten können. Sie scheinen auch einen Verlag zu finden und wenn man jetzt die Nase rümpt, kann man auch gleich den Kopf schütteln, denn das Buch ist verdammt spannend geschrieben könnte man so sagen.

„Ein außergewöhnlicher Thriller aus dem Frankfurter Anwaltmilieu mit einem ganz eigenen rasanten selbstironischen Stil“, steht am Buchrücken, solches findet man glaube ich auch bei „Amazon“ und das stimmt genau.

Denn das Buch ist wieder einmal so nahe an der Autobiografie, daß man wahrscheinlich nicht so leicht unterscheiden kann was jetzt wahr ist und was erfunden oder doch natürlich alles, denn es geht ja hier um Ebola-Viren, um Spionage und auch um einen rasanten Sturzflug in die Arme oder geschützt durch den des CIA und dann beginnt es, Wolfgang Tischer aufgepasst, aber es geht ja hier nicht um den Blogbuster, mit einem Prolog, wo der  Ich-Erzähler erklärt, daß er jetzt wo er im Ruhestand ist, alles aufschreiben möchte und dann beginnt, die rasante Geschichte, die sich in sechs Tagen von Mittwoch oder Dienstag bis zum darauffolgenden Montag abspielt und sie fällt auf, daß sie sich einerseits fast bis zur Lächerlichkeit an das Krimimuster, das wir vom „Tatort“ und Konsorten kennen hält, dann aber wieder drüber steht und sich gehörend darüber lustig gemacht.

Der Ich-Erzähler ist, wie sein Autor Partner einer renomierten Anwaltskanzlei und er muß mit seinem Partner eine Pharmafirma vertreten, die nach Amerika verkaufen will. Da kommt es zum Streit mit dem Partner, Jochen Ehring, dem der Erzähler Paul Balmer Geldgier und Unehrlichkeit vorwirft. Der kommt dann,  um sich zu entschuldigen. Balmer weist ihn ab und als er dann auf der Autobahn zurück nach Frankfurt fährt, kommt er in einen Unfall und sieht das Auto seines Partner, das gegen eine Brücke gefahren ist.

War es Selbstmord, Mord, ein Unfall, der Sturm oder was auch immer? Die Ereignisse überschlagen sich rasant und das was ich mit der Lächerlichkeit meine, ist die Stelle, wo Balmer zu Imogen, Jochens Witwe, in die er heimlich verliebt ist, geht, um ihr zu kondolieren und die bittet ihm gleich in ihr Schlafzimmer ins Bett.

Nicht so kitschig, habe ich gedacht und etwas später vermutet, daß sich der Autor hier ganz bewußt lustig über die herkömmlichen Krimis macht und er macht sich auch über anderes lustig, über seine oder Paul Balmers Schwierigkeiten mit dem Computer. Er kann gerade mal E-Mails lesen und das Internet benützen, so daß ihm die <juniorpartner, die ja unter ihm stehen, in dieser Weise über den Kopf wachsen und er auch ihre Hilfe braucht.

Er braucht auch die hilfe seiner Putzfrau, die ihm immer die Blumenarrangements besorgt und seiner Sekretärin, da ist dieser Paul Balmer ganz konservativ und auch überheblich, andererseits gibt es aber berührende Stellen, wie beispielsweise, die mit der wahrscheinlich ukrainischen Reinigungsberaterin, einer Putzerei, die noch nur gebrochen Deutsch spricht und der Rechtsantwalt ahmt sie automatisch nach und schämt sich dann darüber.

Es geht auch um Low und order, um die Fragen, wie viel man lügen muß, um durch das Leben zu kommen, ob Geld alles ist und, wie korrupt man als Anwalt wird und ob man eine Chance hat, dem zu entkommen?

Die Ex-DDR spielt eine Rolle, Jochen Ehrling kam von dort und war ein Stasi-Mitarbeiter, wie auch der Pharmamann, dessen Firma er betreute und die war in miese Geschäfte mit Ebola-Viren verwickelt, wie Paul Balmer bald herausfindet, als er plötzlich von zwei Arabern verfolgt wird, die ihn für den dritten Geschäftspartner halten und von ihm ein Päckchen wollen.

Es geht dann auch, um eine CD hinter der, der CIA her ist und Imogen, die schöne Witwe ist, als Paul zu dem Date mit ihr kommen will, plötzlich verschwunden. Zuerst vermutet er, daß sie von dem Pharmamann entführt wurde, fährt zu ihm und wird bedroht, da gibt es auch ganz schön spannende Stellen mit viel gewollter Action, bis zum Mord durch einen Polizisten und der Gewissensfrage, wie es einem solchen nachher geht.

Sie wurde aber vom CIA entführt, soll den Namen eines Anrufers bekanntgeben, tut das aber nicht, weil sie ein Gewissen hat, und der CIA ihr nicht garantieren kann, daß er nicht zum Opfer wird, wenn er denPakistani, inzwischen geht es auch um terroristische Anschläge der IS, die mit den Viren ausgeführt werden sollten, in die Hände fällt.

Jetzt schalter sich Paul Balmer ein, wird vom CIA nach Amerika geflogen, die Szenen die sich da in dem Flugzeug abspielen, sind durchaus köstlich und sehr zum Lesen zu empfehlen und am Ende, das kann die spamerin in mir, auch noch verraten, geht alles gut aus.

Paul bekommt seine Imogen, wird sogar zum späten Vater und einen Epilog gibt es auch und ich, die ich das Frankfurter Milieu, ja nur von den zwei Buchmessen kenne, ich ich einmal dort besucht habe, habe ein sehr interessantes Buch gelesen, das ich jeden Krimilieser, der die spannende Unterhaltung liebt und vielleicht auch noch ein bißchen Drumherüber haben will, nur empfehlen kann.

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2015-04-25

Agent Storm

Filed under: Bücher — jancak @ 09:00
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Seit den Anschlägen in Paris im Jänner auf Charlie Hebdo boomen die Berichte über den radikalen IS-Terrorismus. Michael Köhlmeier hat am Freitag in den „Beispielen“ in „Ö1“ die Geschichte des John Walker Lindh oder des „amerikanischen Taliban“ gelesen und die „Müncher Verlagsgruppe“, mit der ich durch Judith Grohmanns Buch in Kontakt gekommen bin, hat auch zwei Bücher zu diesem Thema veröffentlicht, die mich interessieren, weil ich mich ja selber, wenn auch auf viel weniger radikalere Art gerade in der „Bibliophilin“ mit diesem Thema auseinandersetze.

So habe ich den „Konvertiten“, einem Thriller eines Ex Polizisten und Ex-Hooligans vor einer Woche gelesen.

„Agent Storm – Mein Doppelleben Al-Quaidia und der Cia“ von Morten Storm und den  Journalisten Paul Cruickshank und Tom Lister geschrieben folgt und es ist ein interessantes Buch, obwohl ich von den Geheimdiensten und, wie es dort zugeht nicht wirklich viel Ahnung habe und mich Thriller auch nicht wirklich interessieren.

Wenn man eine fünfzehnjährige Schülerin aber nach Syrien schicken will, sollte man schon ein wenig darüber wissen und ich habe zufälligerweise auch letzte Woche zwei Bücher über das Frauenbild des Islams in den Schränken gefunden, so daß meine Beschäftigung mit diesem derzeit sehr aktuellen Thema weitergehen und mein ursprünglich geplante Leseliste weiterdurcheinanderkommen wird.

„Agent Storm“, ein dickes rotes Buch auf dessen Cover ein dicklicher Mann mit Bart, weißer Tunika und Kalaschnikow zu sehen ist, erzählt die Geschichte des 1976 in Dänemark geborenen Morten Storm und belegt es mit vielen Beweisen in Form von Bildern, Protokollen und mehreren Anhangtafeln, die Auskunft über die handelnden Personen, über Radikale in Jemen, ein Agentenarchiv, etc und diese Geschichte gleicht dem, was man sonst so über das Hineinschlittern in die radikale Szene der Konvertiten hört.

Da ist also ein sehr umtriebiges Kind einer alleinerziehenden Mutter, das frühzeitig in der Schule durch seine Gewalttaten und Unruhe auffällt, das zuerst zu einem Kleinkriminellen wird, ins Gefängnis kommt und dann in die Bibliothek seiner Heimatstadt Korsor, davon gibt es zwei Fotos zu sehen, wo ihm ein Buch über den Islam in die Hände fällt und er beginnt zu lesen.

Offenbar sucht auch er Halt und Geborgenheit in dieser so rauhen Welt, findet sie im Islam, konvertiert, geht zuerst nach England, später in den Jemen, wo er mit dem Haßprediger Awlaki in Berührung kommt, beziehungsweise an dessen Studienkreise teilnimmt.

Er kehrt wieder nach England oder Dänemark zurück, verheiratet sich mit einer muslimischen Frau, bekommt von ihr zwei Kinder, die Ehe wird getrennt, weil die Frau ihn nicht aushält. Der Kontakt zu den Kindern bleibt aber und die Prediger, die man in England oder Dänemark so zu hören bekommt, gehen ihm bald auf die Nerven, so daß er sich zuerest dem dänischen Geheimdienst, dann den britischen und schließlich noch dem CIA anschließt.

Das wird in dem Buch sehr eindringlich geschildert, wie er sich mit seinen Betreuern trifft und zum Beweis für seine neuerliche Konvertierung anfängt Bier zu trinken und Schweinefleisch zu essen. Er besucht auch wieder Bordelle, was seiner zweiten verschleierten Ehefrau zu schaffen macht, die lange nichts von seinen Geheimdienstaktivitäten ahnt, er reist aber viel herum, unter anderen auch nach Wien um Alwaki eine kroatische Muslima als Ehefrau zu besorgen.

Damit kommt er in Schwierigkeiten mit dem CIA und als die dann noch Alwaki ausschalten, verschärft sich der Konflikt, so steigt er etwa 2012 aus den Geheimdiensten wieder aus, offenbart sich einer dänischen Zeitung, schreibt schließlich 2014 mit den beiden Journalisten das Buch, wird zum gesuchtesten Feind aller Seiten, erleidet ein posttraumatisches Belastungssyndrom, seine Kinder zeichnen Bilder, die den Vater, als Helden darstellen, die Mutter wird, wie die ehemaligen Freunde auch, wahrscheinlich erleichter sein und Morten Storm freut sich, daß er nicht mehr beten muß, um den anderen Radikalen nicht als Ausgestiegener aufzufallen und wieder Jeans und Leiberln tragen darf.

Ich bin ich nicht ganz sicher, was ich von der Authetinzität des Buches halten soll, habe ein bißchen nachgegooglet interessant ist es aber sich in Zeiten, wo wir soviel von der radikalen IS, den Geheimdiensten und den Dreizehnjährigen, die sich plötzlich nach Syrien oder in den Jemen aufmachen, hören, sicher, die Geschichte des Morten Storms zu lesen und sich Gedanken über seine und unsere Welt zu machen.

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