Literaturgefluester

2017-01-17

Oberösterreich erforschen

Unter diesem Titel hat Helmuth Rizy, der gebürtige Linzer, schon vor einem Jahr oberösterreichische Autoren ins Literaturhaus gebracht: Waltraud Seidlhofer, Walter Kohl, Rudolf Habringer, da war ich leider nicht dabei, dafür aber Gregor M. Lepka, Waltraus Seidlhofers Gatte und der hätte im zweiten Teil lesen sollen, ist aber kurz nach seinem achtzigsten Geburtstag verstorben.

So las heute Helmuth Rizy nur einige seiner Gedichte vor und sagte dann kurz etwas zur oberösterreichischen Literaturszene, die ja weit verbreitet ist und auch in der GAV sehr vertreten und viele dieser Oberösterreicher leben auch in Wien oder waren heute im Literaturhaus, wie Judith Gruber Rizy, Ruth Aspöck, die eigentlich in Salzburg geobrene, Luis Stabauer dessen Buch „Atterwellen“ über seine Mutter ich ja erst kürlich gelesen habe. Die Ruth und Judith Gruber-Rizy treten auch nächste Woche in Linz im Stifterhaus auf und die Ruth wird von Bernhard Widder eingeführt, der auch heute im Literaturhaus war und die erste Autorin, die Helmuth Rizy vorstellte, ist gar keine Oberösterreicherin sondern kommt aus Bremen, wohnt aber in Ottenschlag, nämlich die 1969 geborene Corinna Antelmann von der ich schon zwei Bücher gelesen habe.

Das erste „Die Farbe der Angst“ hat mir ja einmal Dietmar Ehrenreich, der so unerwartet verstorbene „Residenz-Verleger“ geschickt, das zweite habe  „Hinter der Zeit“ hat mir die Autorin geschickt, als ich sie anläßlich ihrer GAV-Neuaufnahmelesung  2015 persönlich kennenlernte.

Sie hat auch heute daraus gelesen, was mir Gelegenheit gab, auf besonders schöne Sprachschöpfungen zu achten, die mir beim Lesen gar nicht so aufgefallen sind.

Der zwete Oberösterreicher, der1956 in Völklabruck geborene Hans Eichhorn, der auch als Fischer am Attersee tätig ist, ist mir ebenfalls kein Unbekannter, habe ich ihn doch, glaube ich, schon einmal in der „Alten Schmiede“ gehört, jetzt las er zwei Geschichten aus einem Prosaband, die mir vor allem durch ihre lakonische Realistik auffielen.

Die Erste spielte in einem Cafe, die Zweite von einem Neubau und es geht noch um hunderttausend andere Dinge und dann kam die 1978 in Linz geborene Dominika Meindl an die Reihe, die ich wahrscheinlich auch von den GAV-Neuaufnahmen kenne.

Sie organisiert Lesungen in Wels, ist auch irgendwo Präsidentin und las zwei Texte, einen ernsten und einen heiteren, wie sie sehr extravertiert erzählte.

Der Erste handelte von einer Frau, die in Südtirol schifährt  und vom Tod eines Großvaters. Der Zweite war ein Dramulett, wo alle auf der Bühne in verteilten Rollen, die Familie Putz, bekannt aus der Lutz-Werbung darstellten. Das Dramulett stammt, glaube ich, aus dem Shakespeare-Jahr und besteht, wie Dominia Meindl erklärte, größtenteils aus Originaltexten. Alle bringen alle um und ein paar gesellschaftkritische Anmerkung bezüglich der bekannten Möbelfirma brachte Dominika Meindl auch noch an.

Nachher gabs ein paar Hinweise auf die nächsten Veranstaltungen, die bezogen sich zwar auf Vorarlberg, beziehungsweise auf die der Rizys.

Aber ich kann gleich anmerken, daß übermorgen in der „Alten Schmiede“, die oberösterreichische Literaturzeitschrift „Die Rampe“, wo ich auch einmal ein paar Texte hatte, vorgestellt wird.

Ich weiß noch nicht genau ob ich hingehen werde. Es gibt ja auch ein verlockendenes Paralellprogramm in der „Gesellschaft für Literatur“.

Im Literaturhaus gabs wieder Wein und Gespräche. So hat mich Bernhard Widder auf einige Literaturveranstaltungen angesprochen. Beispielsweise hat er mir erzählt, daß es gestern in der „Alten Schmiede“ sehr voll war, was ihn ein wenig gewundert hat, mich hat das auch.

Er war auch vorige Woche im MUSA, wo es ja sehr experimentell zugegangen ist und er wollte von mir wissen, wie mir Robert Schindels Roman „Der Kalte“ gefallen hat?

Er hat, glaube ich, soweit ich mich erinnern kann und im Bücherschtrank wo ich natürlich vorher wieder war, hätte ich Sabine Grubers „Daldossi oder das Leben des Augenblicks“, die ich ja gestern auch in der „Alten Schmiede“ sah, fast übersehen, so abgegriffen war das Leseexemplar, „bitte nicht vor dem 21. Juli 2016 besprechen“, daß ich es fast für „Stillbach oder die Sehnsucht“ was ja auf meiner Leseliste steht, gehalten hätte.

Dann habe ich aber doch danach gegiffen und frohlockt, Buch sechs der ersten österreichischen Buchpreislonlist und das dritte von der Shortlist, was ich nun habe.

Die Frage ist nur, wann ich es lesen werde? Ist meine Leseliste ja schon sehr lang und sehr voll, aber wieder eine Bestätigung, wenn ich nur lang genug warte, kommen schon die Bücher zu mir und „Stillbach oder die Sehnsucht“ das ich ja vom vorigen Jahr auf heuer verschoben habe, werde ich diesem Jahr lesen.

Aber ich schweife ab mit Oberösterreich hat die in Südtirol geborene Autorin nicht viel zu tun, obwohl sie ja manchmal mit Sabine M. Gruber verwechselt wird und die wurde ja in Linz geboren.

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2015-12-30

Hinter der Zeit

Die 1969 in Bremen geborene und in Linz lebende Corinna Antelmann ist eine Meisterin der psychischen Ausnahmezustände, Halluzinationen und ähnlicher Krisensituationen, habe ich doch 2009 von Dietmar Ehrenreich ihren „Resistenz-Roman“ „Die Farbe der Angst“ bekommen und mich in eine Psychose eingelesen, so habe ich mir die Geschichte jedenfalls interpretiert. Dann immer wieder mal von Corinna Antelmann gehört, daß sie den „Frau Ava Literaturpreis“ gewonnen hat, daß sie ein und dann noch ein zweites Buch bei „Septime“, von denen ich ja auch schon einige Bücher gelesen habe, verlegte, zuletzt, daß sie in die GAV-aufgenommen wurde und sich letzten Oktober bei der Lesung der neuaufgenommenen Mitglieder, am Vorabend der GV vorstellte.

Da ist sie vor mir in der ersten Reihe gesessen, ich habe sie auf ihr „Resistenz-Buch“ angesprochen, sie hat ein Stück aus dem neuen Buch gelesen und mir dann ein Mail geschickt, ob ich es nicht besprechen will.

Möchte ich natürlich gerne, denn ich interessiere mich ja sehr für die deutsche und die österreichische Gegenwartsliteratur und lese mich auch gern durch das Ouvre, der vielleicht nicht so ganz bekannten Autoren und voila schon das Cover ist sehr interessant.

Da steht eine Frauenfigur auf einer Wiese, die bis zum Busen und dann wieder vom Kopf abwärts in Schnürre eingewickelt ist und da hat man schon eine erste Ahnung von dem,, was einem im dem Roman erwarten wird.

Da ist Irina, eine junge Frau und alleinerziehende Mutter einer zwölfjährigen Tochter. Sie ist Restauratorin und soll in ein tscheichisches Dorf, um dort eine Kirche zu renovieren. Aber vorher schleppt sie die Tochter in das Altersheim, in dem ihre demente Mutter lebt, denn Zoe interessiert sich im Gegensatz zu Irina für die Familiengeschichten.

Irina, die Unabvhängige hat dafür kein Interesse und sie hat sich auch von ihrem Kindesvater schon längst getrennt, hat jetzt eine Beziehung zu einem Mann namens Henrik, der mehr an ihr, als sie an ihm hängt.

Es gibt ein Sushi Essen, dann wird Zoe zu ihrem Vater gebracht und Irina fährt mit ihrer Freundin, beziehungsweise Assistentin Astrid ab nach Tschechien. Dort werden sie ihm Pfarrhaus einquartiert, der Pfarrer empfängt sie  sehr freundlich und wundert sich, daß Iriana zu erst in die Kirche und dann erst zum Abendessen will und teilt ihr mit, daß sie leider, leider, das Zimmer mit Astrid teilen muß. Das wird ein Problem, denn die neigt zum Schnarchen, so kann Irina nicht schlafen, wir erleben eine köstliche Szene und die Schlaflosigkeit ist vielleicht der Beginn der seelischen Ausnahmezustände, in die sich Irina die nächsten zweihundertfünfzig Seiten begeben wird.

Sie geht in dem Dorf spazieren, vorher hat sie in der Kirche noch einen Tomas kennengelernt und mit ihm ein Verhältnis begonnen, kommt zu einem verfallenes Gehöft, sieht Hendln darüber laufen und eine junge Frau, die sie zuerst füttert, später Bratsche spielt, aber das ist schon eine halluzinatorische Erscheinung, denn das Gehöft ist verfallen unf verwaist, da wohnt niemand mehr.

Sie lernt aber auch eine alte Frau am Friedhof kennen, eine Kräuterhexe, die ihr von dem Tod ihrer zwölfjährigen Tochter vor Jahren oder Jahrzehnten erzählt, was Irina  in Panik versetzt, kann sie doch Zoe nicht erreichen, dafür meldet Henrik sich bei ihr, von ihm will aber sie nichts wissen.

Hinter den barocken Fassaden, die sie in der Kirche restaurieren wollen, verbergen sich gotische Fresken, was zu einem Baustop führt, denn jetzt müssen neue Gutachten eingehoben werden. Das Team reist ab, Irina bleibt zurück und verliert sich in der Geschichte. Sieht, daß auf dem großen Platz vor dem Rathaus, 1942, Tschechen von den Deutschen erschoßen werden, erfährt, daß die junge Frau von einem Ivo ein Kind erwartet, dann aber vertrieben wird und wir erfahren allmählich, daß es Irinas Großmutter Vera ähnlich ging.

Vera ist die junge Frau, die das Kind auf der Flucht verlor, deshalb nicht freundlich zu ihrer Tochter sein konnte und Irina konnte das nicht zu ihr und auch nicht zu Zoe. Aber allmählich ändern sich die Verhältnisse.

Irina kommt zurück, besucht mit Zoe  die Mutter und schließlich befinden wir uns wieder in der Kirche des tschechischen Dorfes, Irina sagt „Ahoj“ zu einer anderen jungen Frau, die nur ein Wort tschechisch spricht und ihr erzählt, daß sie mit ihrer zwölfjährigen Tochter hergekommen ist, um ihr die Kirche zu zeigen, die ihre Mutter einmal restauriert hat…

So zerfließen die Grenzen von der Gegenwart in die Vergangenheit und von dort zurück in die Zukunft und Corinna Antelmann hat wirkliche ein besonderes Gespür mit psychischen Ausnahmezuständen zu spielen und uns dadurch   Geschichte beizubringen und so kann ich das Buch, allen, die ein bißchen über den Tellerrand der LL- Bücher blicken wollen, sehr empfehelen und bin  auch auf die psychischen Ausnahmezustände ihrer anderen Bücher sehr gespannt.

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