Literaturgefluester

2019-01-22

Rosegger Leseausgabe

Die Mangeln an Alternativen haben mich heute, das erste Mal in diesem Jahr, in die „Gesellschaft für Literatur“ verschlagen, denn im Literaturhaus und in der „Alten Schmiede“ kein Programm und in der „Gesellschaft“ wurde die von Karl Wagner und Daniela Strigl herausgegebene vierbändige Werkausgabe zu Peter Roseggers hundertsten Todestag im Jahr 2018 vorgestellt und da war ich ja schon bei der Präsentation der „Buch Wien“ und Rosegger ja der Erfinder des „Waldbauernbuben“ und steirischer Heimatdichter, interessiert die urbane Stadtmenschin ja nicht, lautet das diesbezügliche Vorurteil, obwohl meine Großmutter hat mir eine 1913 erschienene Ausgabe von „Heimgärntners Tagebuch“ vermacht, die glaube ich, nicht sehr gelesen in Harland steht, „Jakob der letzte“ stand in einer „Büchergilde Gutenberg Ausgabe“ in dem berühmten Bücherschrank meiner Eltern und als ich das Buch lange von vor Blogzeiten gelesen habe, war ich sehr sehr begeistert und ich habe auch noch einiges anderes von ihm in den Schränken gefunden.

Das Meiste wahrscheinlich aber stehengelassen, denn ich habe ja schon so viele Bücher, wann werde ich das alles lesen, etcetera und dann habe ich auch vor einigen Jahren diese von „Tag zu Tag-Sendung“ in „Österreich 1“ gelesen wo eine Literaturgeschichte vorgestellt wurde, wo Peter Rosegger und Stefan Zweig aus dem österreichischen Janon hinaus und der Felderer hineingenommen wurde.

Nun das Stefan Zweig ein großartiger Dichter ist, wenn ich mich auch nicht unbedingt für seine Biografien erwärmen kann, hat sich inzwischen erwiesen, Peter Rosegger scheint jetzt zu folgen, denn da ja der 1843 geborene steirische heimatdichter, der wie Manfred Müller, der bekannte, ihn auch nicht sehr gelesen zu haben, einen Großteil seines Lebens in Graz verbrachte, nach Wien ist er offenbar nicht gekommen und nach London oder New York wahrscheinlich sowieso nicht, obwohl er, glaube ich, auch für den Nobepreis vorgeschlagen war, von den Nazis vereinnahmt wurde, 2018 seinen hundertsten todestag hatte, ist der leiter des Krieglacher Heimatmuseums oder der Rosegger-Stiftung zu Daniela Strigl gekommen und hat gesagt, wollen sie nicht einmal, weil sich sich ja vor kurzem mit der Ebner Eschenbach beschäftigt haben

Die hat geantwortet, allein traue ich mir das nicht zu und ist zu Karl Wagner gegangen, der offenbar über Rosegger dissertiert oder habilitiert hat und dann auf Verlagssuche, „Residenz“ zuerst, weil er ja ein Zeitgenoose der Ebner Eschenbach war, die hatten offenbar auch ihre Vorurtele und wollten nicht, „Zsolnay“ dann, die möglicherweise nicht so uninteressiert waren, aber da war das mit der Verlagsförderung noch nicht so geklärt, „Styria“, was mir ja nicht so unlogisch erscheint ist es dann geworden und aus der vierzigbändigen Werkausgabe die 1918 oder 16 herausgegeben wurde, sind vier Bände entstanden  „Waldheimat“, „Jakob der Letzte“, „Die Schriften des Waldschulmeisters“ und „Erdsegen“ und die beiden Herausgeber sprachen darüber heute in der „Gesellschaft“, die erstaunlicherweise sehr sehr voll war, Dine Petrik, Franz Blaha und noch viele mehr, habe ich gesehen, mit Manfred Müller über den großen steirischen Heimatdichters, dessen Werk wie Manfred Müller meinte verkannt sind, obwohl er ja früher sehr gelesen wurde, aber die Literaturwissenschaftler wohl, wie die Verlage und auch das Publkum immer noch die Nase rümpft oder, wie geschehen vor sich hinkicherte.

Es gab aber Leseproben aus jedem der Werke und Franz Blaha erzählte mir auch, daß er und seine Frau Rossegger Spezialisten wären und fast alles zu Hause hätten.

Damit kann ich nicht aufwarten, werde aber vermutlich in Zukunft genauer in den Schränken schauen und höchstwahrscheinlich weniger stehen lassen.

Wann ich das alles lesen werde, ist die Frage, aber spannend allemahl, wie sich der Kanongeschmack ändert kann. Peter Rossegger gehört ohne Zweifel hinein, obwohl ich den „Waldbauernbuben“, höchtwahscheinlich nicht in meinen Regalen suchen werde.

Ich habe aber in meinen Katalog nachgeschaut, ich besitze acht Rosegger-Bücher und da ist außer dem schon erwähnten „Heimgärtner-Tagebuch“ und dem „Jakob“, auch noch die „Schriften des Waldschulmeisters“, das „Rosseger-Hausbuch“ und der „Waldbauerbuch“. glaube ich. sogar zweimal vorhanden.

Franhz Blaha hat mir noch von einem Jesus-Roman namens „I.N.R.I“ erzählt, der höchstwahrscheinlich vergriffen ist und nachher gab es Erfrischungen, wie es so schön im Programm steht. Also Wein und Knabbereien und ich habe mich lange mit Franz Blaha unterhalten, der mein Rosegger-Interesse wecken und meine Vorurteile ein wenig zum Verschwinden bringen konnte.

Mal sehen, wie es weitergeht, ich bin gespannt.

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2018-05-01

Alles muß man selber machen

Filed under: Bücher — jancak @ 00:49
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Nun kommt meine „Befindlichkeitsbesprechung“ über Daniela Strigls bei „Droschl“ erschienen „Biographie- Kritik- Essayband“, der, glaube ich, aus Vorlesungen die sie in Graz zur „Praxis des Schreibens“ gehalten hat, hervorgegangen ist und der meine, weil ich ja sehr an der Literatur und dem Literaturbetrieb interessiert bin, Aufmerksamkeit geweckt hat, so daß ich Henirike Blum in Leipzig darauf angesprochen habe und auch bei der Buchpräsentation in der „Gesellschaft für Literatur“ war.

Ich kenne, kann ich gleich vielleicht auch biographisch hinzufügen, die 1964 in Wien geborenene Literaturwissenschaftlerin und Literaturkritikerin schon sehr lange. Ich glaube, ich habe sie in den Neunzigerjahren, als sie die damals noch existierende „Literatur im März“ kuratierte, kennengelernt. Dann 2000 wahrscheinlich bei einem „Paul Celan-Symposium“ im Radio Kulturhaus gesehen und mich nicht getraut sie anzusprechen, obwohl ich das gerne getan hätte.

Dann ist sie, glaube ich, schlagartig im Literaturbetrieb aufgestiegen, war beim „Bachmmann-Preis“ Jurorin, bis sie von dort wieder ausgestiegen ist, weil man ihr den versprochenen Vorsitz nach Burkhard Spinnen, dann doch nicht geben wollte, war in der Jury des „Deutschen Buchpreises“ und auch bei dem in Leipzig, war im Radio bei „Ex Libris“ tätig und kuratiert bei den „O-Tönen“, die Debutschiene und hat verschiedene Preise bekommen.

2001, den „Staatspreis für Literaturkritik“, da war ich, glaube ich, auch bei der Verleihung, hat zwei Biografien über Marlen Haushofer und über Marie von Ebner  Eschenbach geschrieben. Über Morgenstern, glaube ich, ihre Diolomarbeit über Kramer ihre Dissertation und sie ist was ich auch sehr interessant finde bei vielen Veranstaltungen zu finden, so daß man wenn man in Wien lebt und sich wenigstens ein bißchen für Literatur interessiert, nicht um sie herumkommt und ich sehr viele Anekdötchen über sie erzählen könnte.

Die Haushofer-Biografie wurde 2000 wahrscheinlich im „Radio-Kulturcafe“ bei einer literarischen Soiree vorgestellt. Da war ich mit dem Alfred. Es gab einen Quiz. Das heißt, einen Fragebogen den man ausfüllen konnte, wenn man das Buch gewinnen wollte. Ich habe vorher die „Ex-libris-Sendung“ darüber gehört und dachte, das weiß ich alles. Bin aber leider offenbar doch sehr schlampert, wie sich dann bei der Beantwortung herausstellen sollte. Ich habe mich auch mit dem neben mir sitzenden Herrn abgesprochen. Hatte dann gleich viel Punkte wie er. Die richtige Antworten auf die Stichfragen aber auch nicht gewußt .Er war aber so charmant mir das Buch zu überlassen. Nochmals vielen Dank dafür.

Die Ebner-Eschenbach-Biografie habe ich nicht, weil „Residenz“ ja irgendwann aufhörte, mir seine Vorschauen zu schicken, war aber beim Symposium und bei der Präsentation der Werkausgebe in der „Wien Bibliothek“ und ich habe auch, Detail am Rande die Junge Literatur aus Österreich-Bände gesammelt, die es in den Achtzigerjahren gegeben hat und wo einige heute bekannte Persönlichkeiten ihre Jugendwerke, darunter auch Daniela Strigl, ein paar ihrer Gedichte eingereicht haben.

Sie mischt sich, glaube ich, auch in die Tagespolitik immer wieder ein und hat sowohl mündlich als auch schniftlich eine sehr schlagfertige Art, was das Lesen ihrer Bücher und wahrscheinlich auch das Hören ihrer Vorträge sehr angenehm macht.

Das gar nicht so dicke Bändchen, ich habe wieder mal das PDF gelesen, gliedert sich in drei Teile „Biographie – Kritik – Essay“ umd im ersten Teil, der der Biographie gewdmet ist, werden natürlich die beiden schon erwähnten Biografien genannt und besprochen und die verschiedensten Fragen aufgeworfen, die es um das Biografieschreiben gibt.

Da ist, glaube ich, wahrscheinlich zwischen dem biografischen Roman und der wissenschaftlichen Biografie zu unterscheiden, der erster ist ja jetzt sehr modern und ich habe in letzter Zeit mehrere davon gelesen. Daniela Strigl hält sich natürlich an die Wissenschaft. Schreibt aber, wie erwähnt sehr witzig und scharfzüngig, was sehr angenehm beim Lesen ist und so wird im ersten Teil des Buches in einigen Punkten sehr viel über die beiden Biografien, bei meiner Haushofer Ausgabe, gibt es noch keinen Titel, die die späteren Ausgaben glaube ich, haben und über „Berühmt sein ist nichts“ über Marie von Ebner Eschenbach viele informationen und es werden sehr interessante Fragen gestellt. Nämlich, wie das mit den Geheimnissen so ist, die die betroffenen Personen vielleicht nicht gelüftet haben wollen.

Daniela Strigl hat bei ihren Recherchen in Tagebücher und Briefen da einiges ins Licht gebracht, was den Haushofer- Verwandten unangenehm war. Marie von Ebner Eschenbach hat ihre Tagebücher verbrannt und die Briefe nach dem Tod ihrer Freundinnen zurückverlangt. Bei denen an Josephine von Knorr ging das nicht. So hat Daniela Strigl manches aufgedeckt, wo ich mich die die Autheniztät aber auch die Selbstverantwortlichkeit wichtig ist, frage, ob das richtig ist, wenn ich in einer Biografie beispielsweise eine Homosexualität oder sexuelle Verklemmtheit aufdecke, die ich nur vermute  oder sich der Autor aber nicht outen  wollte?

Ene interessante Frage, auch die daß Biografien in der Literaturwissenschaft, als nicht seriös gelten. Die Leser aber gerne  Gschichterln über die berühmten Personen lesen und natürlich ist es, denke ich, wahrscheinlich besser das Original zu lesen.

Also Haushofers „Wand“ oder die Biografie statt den Essay darüber. Aber wir alle leiden ja am Zeitmangel. Haben zu wenig davon und so ist es sicher amusant und spannend sich in die Vorlesung einzuhören und in den Biografieband einzulesen. Die Wand habe ichtrotzdem gelesen und den Haushofer-Band wenigstens durchblättert.

Der zweite Tel ist der „Kritik“ gewidmet und das ist ein sehr interessantes Thema, obwohl mir beim Lesen wieder einmal die Frage aufgestoßen ist, warum das „Kritik“ heißen muß und warum muß der Kritiker kritisieren oder verreißen und warum darf es nicht genügen, bloß den Inhalt und seine Meinung, wie ich das ja beispielsweise ganz bewußt tue, wiederzugeben?

„Das ist keine Kritik!“, sagen die Fachleute und zitieren Beuispiele und Belege, was der Sinn einer Kritik zu sein und welche Teile sie zu enthalten hat. Daniela Strigl tut das auch, macht sich nur ganz leicht und nur ein bißchen über die sogenannten Laienkritiker im Netz lustig, die das Buch auf den Strand mitnehmen und dann schreiben: „Das hat mich nicht berührt oder das ist super supitoll!“

So darf Kritik nicht sein, denn sie muß sich ja mit dem Inhalt auseinandersetzen, den Hintergrund aufdecken, vielleicht auch neu zusammensetzen und noch vieles mehr und von da stammt auch offensichtlich das Titelszitiat, daß der Kritiker nicht oder schon alles selber machen muß oder soll.

Den besseren Roman schreiben beispielsweise und auf jedenf Fall alles besser wissen! Das ist aber etwas, was mich ärgert und deshalb lese ich auch selten Literaturkritiken. Ich lese eher die Bücher und schreibe dann meine Meinung darüber und verreiße nicht, weil ich das nicht notwendig habe.

Aber ich bin auch keine Rezensentin sondern bespreche eher als Erinnerungsstütze und für mein persönliches Archiv. Wenn, das dann noch jemanden weiterhilft und vielleicht zum Lesen anregt, um so besser und das unterscheiden meine Befindlichkeits- oder nicht-besprechungen, sicherlich von Daniela Strigl Rezensionen, die zuerst ein paar Zitate von Theodor Fontane bis Klaus Nüchern über den Niedergang der Literaturkritik bringt.

Dann zittiert sie ein paar Kritikertypen und resumiert darüber, ob die nun Platzanweiser, Raumpfleger, Polizisten, etcetera sind? Sie will das, glaube ich, nicht sein und Klaus Nüchtern versteht es offenbar durchaus als seine Aufgabe, die Leser davon abzuhalten, ihre Zeit mit einem schlechten Buch zu verplempern?

Aber bitte, was ist ein schlechtes Buch. Da scheiden sich die Geister, denn es gibt über ein und dasselbe Werk, in den literarischen Soireen und Quartetten ja die verschiedensten Meinungen und da will ich es lieber für mich selber herausfinden und deshalb lese ich wahrscheinlich auch selten Literaturkritiken und schüttele den Kopf, wenn die Kritiker abwehrend den Finger heben und laut „So nicht!“, schreien.

Daniela Strigl tut das, glaube ich nicht, bringt aber ein paar Beispiele ihrer Kritiken. So hat sie beispielsweise Andre Hellers „Buch des Südens“ verrissen und der hat mich ja einmal sehr zur Verweiflung gebracht, als ich ihn in einer „Ex Libris-Sendung“ sagen hörte, daß der Laie, fühge ich jetzt selbst hinzu, ja nicht zu schreiben anfangen soll, weil er damit den großen Goethe beleidigen würde.

„So ein Blödsinn!“, habe ich damals gedacht und mich sehr geärgert. Das „Buch des Südens“ aber nicht gelesen, so daß ich hier keine Gegenmeinung anbringen könnte und dann gibt es noch ein Beispiel, von etablierten Literaturkritikerm, die allen Ernstes behauptet haben, „daß schon solche Idioten, wie Günter Grass, Elfriede Jelinek und jetzt schon Bob Dylan den <nobelpreis bekommen hätten“.

„Ein noch größerer Blödsinn!“, denke ich und eigentlich der Abgesang der Literarurkritik. Dabiela Strigl führt aber noch weiter aus, warum sie dennoch Rezensionen schreibt und, wie man mit den Kritisierten umgehen soll, wenn man sie am  Abend bei einer Veranstaltung sieht und sie bedauert es dann auch, wenn die ihr Urteil persönlich nehmen und beleidigt sind.

Dann kommt auch sie auf ihre schon oben erwähnten Gedichte zu sprechen und zitiert einen Roman, den der große Wendelin Schmidt Dengler geschrieben, dann für schlecht empfunden und, wie sie anmerkt wahrscheinlich vernichtet hat.

Ich habe, kann ich anmerken, einmal in einem der Schränke ein Jugendwerkt des berühmten Hubert Winkels gefunden, der jetzt in Klagenfurt den Juryvorsitz hat und Wolfgang Herles und Helmuth Karasek haben ja auch Romane geschrieben und wurden von ihren Kritikerkollegen entsprechend verrissen.

Dabniela Strigl schreibt, glaube ich, keine Romane, aber Essays und die prägen den dritten Teil des Buches, wobei sie den Begriff als „Gattung der Freiheit“ definiert, in dem Portraits, Abhandlungen zu ästhetischen und gesellschaftlichen Fragen, Zeitkritik, Aphorismen, also das gesamte weite Feld der Literatur, das nicht in Lyrik, roman oder Erzählung einzuteilen ist, enthalten sind.

Nachdem dieser Begriff in vier Kategorien erläutert  Definitionen von Lichtenberg, Wolfgang Müller-Funk, der ja auch dichtet, etcetera anführt, kommt sie zu den Beispielen ihrer Feder und da hat sie sich neben literarischen Portraits über Ebner-Eschenbach, Gerstl, Buchebner, Kräftner, etcetera auch sehr persönlich geäußert und sich in Zeitungen wie „Falter“ oder „Standard“ über den „Niedergang der Lippizaner, der Kaisersemmerln, denn sie ist Bäckerenkeltochter, sowie über die Baustellen auf der Uni  geäußert. Daraufhin wurde sie zum Vizerektor zitiert, an der Direktion der Hofreitschule wurde nichts geändert, nur die Wiener Llinien, die vorher „Zug fährt ab“ und dann „zurückblieben bitte“ ausufen ließen, worüber Strgl sich mokierte, haben, wie sie befriedigt anmerkte ihr Tonband auf nicht mehr „Einsteigen“ bitte geändert.

Man sieht, daß dasLeben einer Germanistin sehr interessant sein kann und lobend ist wahrscheinlich das literarische Geschick, sowie ihr Witz und Ironie  zu erwähnen, in dem es ihr gelingt, die trockene Literaturkritik in etwas sehr Spannendes zu verwandeln.

Deshalb ist das Lesen des Bandes sehr zu empfehlen und vielleicht sollte ich doch mehr Strigl-Kritiken lesen, obwohl ich,  wie schon erwähnt, eher eine Direktleserin bin, die dann ihren eigenen Senf auf ihre eigene bewußt subjektive Art dazu gibt, was wenigstens ich, für sehr erfrischend halte und ehrlich ist es auch.

2018-04-17

Von der Forschungswerkstatt zur Literaturkritik

In der Wien-Bibliothek im Rathaus gibt es gerade zum Gedenkjahr 1938 eine Ausstellung. Da war ich bei der Eröffnung und da ist auf den Plätzen ein Folder gelegen, denn es gibt dazu ein umfgangreiches Begleitprogramm und da war ich heute bei der ersten diesbezüglichen Veranstaltung.

„Ja oder nein, Plakate zur Volksabstimmung am 10. Apruil 1938. Da hätte es vorher zwar eine Volksberfragung geben sollen, wo man sich zu Schuschnigg und zu Österreich bekennen hätte sollen. Das wäre im März gewesen, da sind aber vorher schon die Nazis in Österreich einmarschiert und haben dann das Volk pro forma dazu befragt.

Der Kreis in dem man mit „Ja“ ankreuzen sollte, war ungefähr dreimal größer als der mit „nein“. So sollten wohl damals schon die Werbepsychologie wirken und es hat, glaube ich, auch keine richtigen Wahlzellen gegeben, so daß das Ergebnis dann 99 oder so Prozent lautete.

Meine Mutter hat trotzdem mit „nein“ gestimmt. Das hat sie mir erzählt und ich glaube es ihr auch. Von meinem Vater weiß ich es nicht, aber der war ein aufrechter und aktiver Sozialist und wird sich wahrscheinlich auch dementsprechend geäußert haben.

Julia König hat die Veranstaltung „Aus der Forschungswerkstatt“ im Seminarraum der Wien-Bibliothek, es gibt auch noch Ausstellungsrundgänge und Ausstellungsgespräche im Programm, geleitet. Das heißt, sie hat die Plakate projeziert, die es diesbezüglich gegeben hat.

Ich interessiere mich ja für die Geschichte Wiens der Zwischenkriegsjahre, während des Nationalsozialismus, etcetera. So habe ich mir einige besonders interessante Veranstaltungen aus dem Programm in meinem Kalender eingetragen und hätte trotzdem fast nicht hingehen können. Denn die Veranstaltung war um fünf. Da hatte ich mir keine vier Uhr Stunde eingeteilt, hatte dann aber eine um sechs und da wäre ich, nachdem die Veranstaltung eine dreiviertel Stunde dauerte, nicht rechtzeitig in meiner Praxis gewesen und um sieben wollte ich schon in die „Gesellschaft für Literatur“.

Ich konnte aber die Stunde auf vier verschieben. Die Klientin ist auch ein wenig früher gekommen, so daß es sich sehr schön ausgegangen ist und ich nachher ganz bequem und langsam mit einem Umweg über die Buchhandlung Kuppitsch und, nein, das Klaus Modik-Buch „Konzert ohne Dichter“, um 5. 95 habe ich mir nicht gekauft, obwohl das eigentlich ein Versehen war und es mir nachher fast leid tat, in die Herrengasse spazieren konnte und da gab es auch ein besonderes Programm. Stellte da doch die wahrscheilichlich nicht nur in Österreich sehr bekannte Literaturkritikerin Daniela Strigl ihr bei „Droschl“ erschinenen Erssayband „Alles muß man selber machen“ vor und das hat mich sehr interessiert, obwohl mir Henirke Blum das PDF schon geschickt hat und ich das Buch demnächst lesen werde.

Wenn ich es schon gelesen hätte, wäre ich wahrscheilich eher ins Literaturhaus zu der Lesung von Cordula Simon neuem Buch „Der Neuauber“ gegangen, obwohl ich das Buch auch auf meinem Badezimmerstapel liegen habe, weil ich ja eher nicht zu Veranstaltungen gehe, wenn ich das Buch schon gelesen habe, aber das habe ich noch nicht und ein wenig Hintergrundinformation dachte, ich wäre auch sehr gut.da

Der Veranstaltungssaal sehr voll, obwohl ich schon sehr früh eingetroffen bin, kein Wunder, wenn Österreichs bekannteste Literaturkritikerin liest, die außerdem noch sehr charmant und schlagfertig ist, kommen die Leute und für mich gab es auch eine Überraschung, lagen doch auf dem Tischchen mit der freien entnahme die „Hammer 95“ und wahrscheinlich 96 auf und da habe ich ohnehin schon fast alle verteilt, die mir Kurt Neumann zuschickte. So nahm ich mir einen Stoß und verteilte sie dann munter an das Publikum. Dine Petrik war da, Frau Schmidt-Dengler, Helga Köcher, und und und…

Manfrend Müller leitete ein und erklärte, es gäbe Biografie, Essays und Kritiken in dem Buch und die 1964 in Wien geborene, die glaube ich über Theodor Kramer dissertierte, ein Buch über Marlen Haushofer und eines über Marie von Ebener Eschenbach geschrieben hat, bekannte in ihrem ersten lesen Block, das ihr das Schreiben über ihre Persönlichkeit eher schwer fiele. Esg ibt eine Menge Ebner Eschenbach-Aphorismen in dem Buch, die sie zitierte. Dann las sie über die Rolle der Kritik und dann noch etwas Persönliches. Dazwischen gab es Gespräche mit Manfred Müller, die sie zu den Biografien befragte. Die wräen  jetzt modern und ich habe in der letzten Zeit auch eine ganze Reihe gelesen und die Leute lesen sie offenbar lieber als Romane. So erzählte Daniela Strigl von einer Frau, die sie angesprochen hat, als die Haushofer Biobgrafie vorgestellt wurde und sie von ihr wissen wolle, ob sie nun Haushofer lesen würde.

„Nein!“, sagte die Damie.

„Ich lese nur Biografien!“

Das ist wohl eine Enttäuschung für die Bigorafin. Dann ging es weiter zur Literaturkritik und zu den Verrissen. Das ist ja recht schwer, wenn man mit dem Autor befreundet ist und in Österreich kennt ja jeder jeden, meinte Manfred Müller. Das trifft zumindestens auf das literarische Publikum in Wien zu und eine Konkorrenz der Literaturkritik ist ja bekanntlich auch die Kritik im Netz. Daniela Strigl nannte sie leicht belustigt, Befindlichkeitskritik und meinte, da würden die jungen Mädchen ihr Buch in die Höhe halten und stolz sagen „Das habe ich am Strand gelesen!“ und das ist natürlich etwas anderes, als die Feuilletons und auch das was Ḿarcel Reich Ranicki vor einiger Zeit betrieben hat. Daniela Strigl zitierte sich auch durch die Geschichte und brachte Außerungen von Kurt Tucholsky, der schon vor achtzig oder so Jahren, beklagte, daß die Leute keine Kritiken+ mehr lesen würden.

Nun muß ich gestehen, ich lese sie eigentlich auch nicht sehr viel, weil ich ja keine Verrisse mag und auch nicht, wenn der Kritiker glaubt, allles sehr viel besser zu wissen, werde mich aber wenn ich meinen „Koran-Krimi“, den mir „Literturtest“ geschickt hat und auch die Amerikareportagen von Martin Amanshauser, die er übrigens heute beim „Thalia“ vorstellte und bei denen der Alfred war, der ja im Kuni wieder nach Amerika fährt, ausgelesen habe, auch an eine Befindlichkeitskritik machen, wie ich Henrike Blum und Manfred Müller schon andeutete. Bei Daniela Strigl habe ich mich das nicht ganz getraut zu sagen, habe sie aber beim Weggehen nicht mehr gesehen.

2017-02-01

Biografien

In der „Gesellschaft für Literatur“ gibt es eine neue Gesprächsreihe in der man sich den literarischen Biografien annähern will und die ersten zwei Gäste, zwei bekannte Persönlichkeiten des Wiener Literaturbetriebs, Daniela Strigl und Klaus Nüchtern, beide Staatspreisträger für Literaturkritik und ehemaligen „Bachmann-Juroren“ haben im letzten Jahr eine solche geschrieben.

Das heißt Daniela Strigl hat sich mit „Berühmt sein ist nichts“ Marie von Ebner-Eschenbach angenähert, deren vierteilige Werkreihe sie ja beim „Residenz-Verlag“ auch mitherausgegeben hat.

Beim „Falter-Redaktuer“ Klaus Nüchtern ist das anders, der hat zum sechzigsten Todestg von Heimito von Doderer keine Biografie, sondern Essays geschrieben mit denen er sich dem „Kontinent-Doderer“ angenähert hat.

Sagte er zumindestens und beide Autoren erwähnten im Gespräch mit Manfred Müller, was mich ein wenig erstaunte, daß sie die Daistanz zu ihren Autoren gebraucht hätten und Daniela Strigl meinte noch, daß es in der Germanistenwelt, als unwürdig gilt sich mit der Biografie zu befassen, während die Leser vielleicht nach ihr greifen, um sich das Werk zu ersparen, wie das Publikum kritisch unkte, was von Manfred Müller widersprochen wurde.

Nun für die Psychologin ist die Biografie und das Leben wichtig und ich lese bei Büchern, als erstens den Lebenslauf und fluche, wenn ich, wie bei älteren Büchern üblich, den nicht finde und da habe ich, weil ich kein Literaturlexikon besitze, zu Zeiten wo es noch kein „Wikipedia“ gab, schon manche Verrenkungen gemacht, nämlich mir von Konstanze Fliedl etwas über Vicki Baum und von Eleonore Zuzak über Adrienne Thomas schicken lassen und habe den „Nachtigallenzyklus“ des Ulrich Becher auch lang liegen lassen, weil ich noch nichts von der Biografie des Autors wußte und, um vielleicht wieder einmal ganz eitel bei mir zu beginnen, richtige Biografien lese ich eher weniger, habe aber kürzlich, die von Hans Fallada gelesen, aber da hatte ich mich mich schon vorher durch das Werk gewühlt, dann aber sofort nach der Neuerscheinung gegriffen beziehungsweise die mir schicken lassen und von der Ebner Eschenbach habe ich, glaube ich, außer Band II der Werkausgabe, noch nicht sehr viel gelesen, höchstens den „Muff“ in der Schule.

„Das Gemeindekind“ habe ich in meinen Regalen, inzwischen, wie ich fürchte von meiner Leseliste aber wieder hinuntergenommen und „Kontinent Doderer“  mir zum letzten Geburtstag schenken lassen, nach dem ich im Vorjahr, da ich da ja meine Protagnostien sowohl ein Stück über ihn schreiben ließt, als ihn auch mit Stefan Zweig in den Himmel schickte, sowohl das „Doderer Buch“ als auch die „Wasserfälle „ und die „Merowinger“ wieder gelesen habe und da habe ich mich natürlich auch mit Zweig beschäftigt, den Film über seine letzten Jahre gesehen, die „Welt von gestern“ seine wenn man so will, Autobiografie wieder gelesen und mir auch die „Arte Dokumentation“ mehrfach angewchaut. Biografie habe ich  keine gelesen, würde aber Volker Weidermanns Buch „Ostende“ gerne finden.

Nun gut, zwei Biografien und zwei Biografen am Tisch der „Gesellschaft für Literatur“ und Manfred Müller stellte viele Fragen, von denen ich einige Antworten  schon wußte, war ich im letzten Jahr bei mehreren Ebner Eschenbach Veranstaltungen mit Daniela Strigl aber auch bei der Vorlesung von Ruth Klüger und beim Doderer Symposium im Herbst in der „Gesellschaft“ bin ich auch gewesen, sowie im Literaturmuseum.

Beide Autoren wurden, glaube ich, von den Verlagen zu den runden Sterbetagen zum Schreiben aufgefordert und beiden meinten sie hätten eigentlich nur wenig Zeit dazu gehabt.

Daniela Strigl meinte noch sie hätte sich eher klassisch an das Biografieschreiben gemacht und würde das wegen der oben erwähnten Distanz eigentlich nicht so wollen, hat sich aber in ihrer Dissertation oder Habilitation mit Theodor Kramer beschäftigt und zum achtzigsten Geburtstag, die Haushofer Biografie geschrieben, ein Buch,d as ich im „Radio Kultur Cafe“ einmal gewonnen habe, obwohl ich bei demQ iiz den es damals gab, gar nicht soviel wußte, beziehungsweise mir von einem Herrn helfen ließ, der mir das Buch dann auch überließ.

Die Ebner Eschenbach Biografie ist  nicht mehr zu mir gekommen und in der Diskussion ging es wieder, um das Entstauben, beziehungsweise um das Frauenbild und zu der Frage, ob die Ebner Eschenbach wirklich das gütige liebe Muttchen gewesen ist oder nicht doch eine scharfsinnige, sozialkritische, feministische Frau, die einmal der weibliche Shakespeare werden wollte, von ihrer adeligen Familie aber sehr behindert wurde?

Und Doderer war zumindest Klaus Nüchtern nicht sehr sympathisch, weil sehr widersprüchig und sperrig und in dem Stück, das er aus dem Buch las, merkte man auch seine Ironie beziehungsweise Zynismus, das wurde auch  von Manfred Müller so angesprochen.

Daniela Strigl merkte noch an, daß das Biografienschreiben ihr Wissen über die Autorin erweitert hätte, so hat sie sich durch Novellen gelesen von denen sie keine Ahnung hatte und da kann ich gleich anmerken, daß das bei mir bezüglich Stefan Zweig, den ich ja in den „Berührungen“ verarbeitet habe, auch so gewesen ist.

Jetzt weiß ich er war ein guter Schriftsteller, zumindest, was die „Welt von Gestern“ und seine Novellen betrifft. Bei der „Ungeduld des Herzens“ trifft das auch so zu, bei seinen Biografien und beim Brasilien Buch bin ich mir nicht so sicher, das waren vielleicht auch Auftragsarbeiten.

Aer durch meine Romanarbeit bin ich ihm nähergekommen, bei Doderer war das nicht ganz so, aber da hatte ich die Bücher ja schon gelesen und mein „liebstes Buch“ ist immer noch die „Dämonen“, das ich aus Zeitgründen nicht nochmals gelesen habe, das tue ich ja nur sehr selten und obwohl es von Klaus Nüchtern, glaube ich, eher an letzter Stelle gereiht wurde.

Er meinte, man sollte mit den „Mord den jeder begeht“ beginnen, sein liebstes Buch sind glaube ich „Die Wasserfälle von Slunj“.

Das Bild davon hängt in der Gesellschaft und stammt aus Doderers Besitz und Doderer hat zur Eröffnung der „Gesellschaft für Literatur“ aus den damals noch unveröffentlichten „Merowingern“ gelesen, während Erika Pluhar etwas von der Ebner-Eschenbach las.

Klaus Nüchtern empfahl bezüglich Ebner Eschenbach das „Gemeindekind“, sollte ich vielleicht lesen und „Bozena“ und ich bin jetzt gespannt, welche Biografien, als nächstes in der „Gesellschaft“ besprochen werden und würde da die von Peter Walter über Rudolf Dietzen sehr empfehlen.

2016-11-07

Wiener Wissen in Kunst, Kultur und Alltag

Offenbar eine Reihe bei den „WienerVorlesungen“ und eine Diskussion zwischen Daniela Strigl und Eva Bliminger  mit Hubert Ch. Ehalt, dem ich heute den Vorzug vor der „Lesart“ mit Hanno Millesi und Dieter Sperl in der „Alten Schmiede“ gegeben habe, weil die Hans Weigel-Veranstaltung in der „Wien-Bibliothek“ erst am Mittwoch ist und da wird ja die „Buch-Wien“ eröffnet, zu der ich erst die Einladung bekommen muß.

Ich gehe ja nicht sehr oft zu den Wiener Vorlesungen, die ja nicht nur literarische Themen zum Inhalt waren, aber das letzte Mal, war ich kurz nach der Präsidentenstichwahl da, wo ich schon glaubte, daß wir einen mit dem Namen van der Bellen haben, während jetzt gerade wieder die ersten Ständer für die Wahlwiederholung aufgestellt werden und da präsentierte Daniela Strigl ihr Buch über die Marie Ebner von Eschenbach und Daniela Strigl ist ja ein Name, der anzieht und mich interessiert und der Wiener Alltag besteht ja auch aus Literatur.

Zumindest habe ich einmal unter diesem Titel auch mein „Literaturgeflüster“ im Amerlinghaus vorgestellt und als ich  den Festsaal im Wiener Rathaus betrat und mit einen Platz suchte, winkte mir auch gleich Elfriede Haslehner zu, dann wurde es aber gleich etwas weniger literarischer, begann die Rektorin der „Akademie der bildendenen Künste“ ihr Eingangsstatement doch mit der „Wiener Küche“, nun ja die gehört auch zum Wiener Alltag, keine Frage und ein diesbezügliches Wissen kann auch nicht schaden.

Daniela Strigl wurde dann auch literarischer, ging ins Barock und las ein Stück aus Abraham a Santa Clara „Merkks Wienn“, wo es um den Wiener und sein Verhältnis mit dem Tod geht und alle Straßennamen mit dem Tod bezeichnet werden. In der Singerstraße singt er, in der Herrengasse, trägt man diese hinaus, denn Angesichts des Todes sind ja alle gleich und da gibt es keine Standesunterschiede.

Der Wiener Dialekt kam auch vor und die Wiener Gruppe, die ja diesen „mit aner schwarzn Tintn“ beschrieben hat, kurz ging es noch um Nestroy, dann ging es schon zu Elfriede Jelineks „Burgtheater“, das, wie Danieal Strigl listig anmerkte, nie in diesem gespielt wurde, aber dem Dialekt eine besondere Nuance gibt, wenn damit die Euthanasie und das Sterben am Spiegelgrund beschrieben wurde.

Diese beiden Statements waren nur kurz, dann schaltete sich das Fernsehen mit einer Signation ein, es gab noch einmal eine Antrittsrede und dann eine einstündige Diskussion mit Hubert Christian Ehalt, die Elfriede Haslehner zu lang war, so daß sie früher weggegangen ist und auch einige Klischees bediente, nämlich ausgehend mit dem Wiener Kongreß und der Revolution von 1848, zu den Wiener Titeldünkeln kam, den wirklichen und unwirklichen Horäten, obwohl es den ja schon seit 1918 nicht mehr gibt, die Hofrähte aber schon. Dann ging es zu den Talaren, der Univ-Professoren mit dem falschen oder echten Hermelin.

Ich habe Anfangs 1980 ja noch eine solche Promotion hinter mich gebracht und Daniela Strigl meinte auch, daß ihr solche Traditionen gefallen würden und die Eltern für ihre Kinder sie auch wünschen, wenn diese in das akademische Leben entlassen wurden.

Die Diskussion endete mit Josef Weinhebers „Wann i verstehst was zreden hätt, i schaffert alles ab“, was Eva Blimiger, die sich ja auch mit den Restitutionen beschäftigt hat, nicht gefiel, denn ja, Weinhaber war ein Nazi, aber auch ein guter Dichter und sein „Wien wörtlich“ ist ein Stück Literatur, das vielleicht von der Wiener Kultur nicht wegzudenken ist, aber dann kamen schon die Publikumsfragen und da hat man sich auch nach dem „Mundl“ erkundigt, jenem proletarischen Wiener, der Österreich, als die Serie, ich glaube, es war in den späten Siebzigerjahren gesendet wurde, erschüttert hatte, denn der Wiener ist ja, wie Daniela Strig erklärte, außerhalb Wiens sehr unbebliebt und jetzt „kann er nicht einmal richtig Deutsch!“.

Sehr interessant, die Diskussion, wenn sie auch etwas Klischee behaftet war und den K und K-Mantel noch ein bißchen um hatte, denn Hubert Ch. Ehalt fragte nach den Kreisen, die man, wie Eva Bliminger korrigierte, heute Netzwerke nennen würde.

Da wären wir schon bei der Social Media, aber die wurde nicht erwähnt, denn auch Eva Bliniger schwenkte „von der Partie zu der Partei“ oder auch umgekehrt und meinte überhaupt, daß das „Scha ma mal!“ ein sehr beliebter Wiener Ausdruck ist und dazu kann man vielleicht  die Wien Literatur des „Holzbaum-Verlags“ empfehlen, die ja vom „Unmöglichen Wien Wissen“ bis zum „Schimpfen wie ein echter Wiener“ reicht und ich bin es sie ja auch, eine echte Wienerin, mit der „behmischen“ Großmama.

2016-05-23

Eine moderne Zeitgenossin

Die Literaturwissenschaftlerin Daniela Strigl ist ja schon seit längeren bemüht Marie von Ebner Eschenbach, die vor hundert Jahren, genau wie Kaiser Franz Joseph, gestorben ist und ihr Werk zu entstauben.

Hat sie ja gemeinsam mit Evelyne Polt-Heinzl und Ulrike Tanzer, die vierbändige „Residenz-Werkausgabe“ herausgegeben, deren zweiten Teil ich gelesen habe und eine Biografie  „Berühmt sein ist nichts“, herausgegeben.

Es gab im März ein Marie Ebner Eschenbach-Symposium und Ruth Klüger hat vor ein paar Wochen im Wiener Rathaus die Festrede gehalten und heute wurde dies im Rathaus im Rahmen der „Wiener Vorlesungen“ durch einen Vortrag von Daniela Strigl „Marie von Ebner-Eschenbach- Zeitgenossin der Moderne“, ergänzt und  Elisabeth Orth, die Burgschauspielerin, hat zu Beginn  die Erzählung „Die Großmutter“ gelesen, wo eine arme alte Frau ins anatomische Institut kommt und nach der Leiche ihres Enkels, ihres einzigen Verwandten fragt.

Ja, die Baronin, die als Komtesse Dupsky 1830 in Mähren geboren wurde, war schon sehr sozialkritisch und hat sich für alle Stände und Gesellschaftsschichten eingesetzt und Daniela Strigl betonte in ihrem Vortrag wieder das Bild der Matrone, der alten Frau, die wir im Kopf haben, wenn wir an die Ebner Eschenbach denken, von der wir in der Schule höchstwahrscheinlich „Krampambuli“ und „Die Spitzin“ gelesen haben.

Sie hat betonte Daniela Strigl selbst an diesem Image eifrig gearbeitet, das vergessen machte, daß sie einmal jung gewesen ist und so verwegen, daß sie im Damensattel in den ersten Stock des Schlosses Zdislawitz geritten ist und dann wollte sie schon als unges Mädchen, die berühmteste Dichterin aller Zeiten und als Dramatikerin der weibliche Shakespeare werden, obwohl solches für eine Adelige ja als nicht standesgemäßt galt.

Sie hat aber geschrieben und geschrieben, nach dem sie mit einem Stück durchgefallen ist, hat sie das Drama aufgegeben und ist zur Prosa übergegangen, hat das in ihrer Familie verteidigen müßen, berühmt ist aber doch geworden und um 1900 die erste Ehrendoktorin der Universität Wien.

Dann kam die Aufzählung der Werke, „Unsühnbar“ ist dabei und die Erzählungen, die auch Ruth Klüger in ihrem Vortrag erwähnte, wo es um das Thema Vergewaltigung gegangen ist.

Die Gräfin war auch sehr widerspüchig, einerseits modern, dann wieder konservativ und mit den Dichterkreis. um Jung Wien mit Freud und Schnitzler hatte sie ihre Schwierigkeiten, weil wahrscheinlich zuviel Sexualität, aber als Schnitzler ihr geschrieben hat, hat sie höflich geantwortet.

Der Festsaal in dem diese Vorlesung stattfand, war sehr voll, ich bin neben meiner Hauptschulkollegin Christa U. die ich manchmal bei literarischen Veranstaltungen treffe, gesessen und gemeinsam haben wir uns gefreut, daß jetzt doch Alexander van der Bellen der neue Bundespräsident geworden ist, ob das auch die Gräfin Dubsky gefreut hätte, die mit Grillparzer befreundet war, wissen wir nicht.

Sie wurde jedenfalls wie Daniela Strigl erwähnte, auch in der DDR verlegt, in ausgewählten Ausgaben, wie sie betonte und eine solche habe ich vor kurzem im Schrank gefunden, eine 1982 bei „Aufbau“ in der Bibliothek der Klassiker erschienenes „Werk in einem Band“, in dem es am Beginn das berühmte Matronenportrait gibt, eine Photografie um 1900, also wahrscheinlich schon die Frau Ehrendoktor , darin enthalten sind:  „Die Freiherren von Gemperlein“, „Krambambuli“, „Er läßt die Hand küssen“, „Das Gemeindekind“ und der „Vorzugsschüler“.

„Das Gemeindekind“ habe ich ja noch in einer anderen Ausgabe einmal gefunden und einen Band mit „Krambambuli und andere Erzählungen“, habe ich auch.

Also sehr viel Lesestoff für eine, die sich ja eigentlich auch mehr für die zeitgenössische Literatur, als für das Neunzehnte Jahrhundert interessiert, sich aber gerade durch Zweig und Doderer gelesen hat, beziehungsweise den letzteren immer noch liest und das hat Hubert Christian Ehalt in der Diskussion von Daniela Strigl, die ja eine sehr schlagfertige und redegewandte Diskutantin ist, wissen wollen.

Wie das mit der Literatur des Neunzehntenjahrhunderts ist?  Daniela Strigl hat ja ihre Habilitation über Marie Ebner von Eschenbach geschrieben, bei der Literaturwissenschaft und auch in den Schulen ist ja wegen der Zentralmatura wenig Platz und Zeit dafür und leider hat der „Residenz-Verlag“ nur eine vierbändige Ausgabe gestattet, sonst hätte man auch ihre Autobiografie „Aus den Kindertagen“ wiederauflegen müßen.

Es war also sehr interessant nach soviel Zweig, den ich in den letzten Wochen gelesen habe, wieder mein Wissen über die Baronin aufzufrischen, obwohl es mich ja auch schon wieder nach dem Zeitgenössischen drängt.

Daniela Strigl antwortete Hubert Christian Ehalt auf die Frage, wie es ihr damit geht, daß sie sich davon manchmal durch die Lektüre aus dem neunzehnten Jahrhundert erholt. Ich würde dagegen sagen, daß ich mich jetzt schon auf das Literaturrätselspielbuch „Mimiky“ aus dem „Aufbau“ bzw. „Blumenbar-Verlag“ freue, das vielleicht noch vor dem Urlaub zu mir kommt, um mein zeitgenössisches Literaturwissen aufzufrischen, beziehungsweise zu überprüfen und das neue Buch von Annika Bühnemann soll auch zu mir kommen, es geht also rund zu mit meinem literarischen Wissen, wo ich, wie ich glaube, ja auch ohne literaturwissenschaftlichen Studium ziemlich bewandert bin und mich auch für Selfpublishing, Chicklit, Thriller und anderes interessiere, aber diesen Vortrag über die moderne Aphoristikerin, Erzählerin, Dramatikerin, etcetera sehr genossen habe und die Biuografie sollte ich vielleicht auch einmal finden, das wäre schön, obwohl ich  ja ohnehin schon so viele Bücher habe.

2015-03-17

Tacheles reden

Filed under: Uncategorized — jancak @ 21:43
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Aus Leipzig zurückgekommen, geht es gleich weiter mit dem Literaturbetrieb, nämlich mit einer neuen Veranstaltungsreihe in der „Gesellschaft für Literatur“.

„Daniela Strigl lädt mehrmals jährlich AutorInnen aus dem gesamten deutschen Sprachraum ein“ und hat damit mit Kathrin Passig, der Bachmannpreisträgerin von 2006, angefangen. Zwar hätte es in der Wien-Bibliothek ein Parallelprogramm geben, nämlich eine Buchpräsentation von Robert Streibel, aber der stellt sein anderes Buch am Freitag in Krems vor, da versäume ich dann die „Lyrik im März“ meiner GAV-Kollegen und Daniela Strigl versäume ich morgen, wenn ich statt ins Literaturhaus in die „Alte Schmiede“ gehe.

Das ist die Qual der Wahl einer fernsehlosen Veranstaltungsgeherin und Daniela Strigl habe ich vor einer knappen Woche in Leipzig gesehen, war sie  doch in der Jury für den „Leipziger- Buchpreis“  und sorgte da in der Sparte Belletristik für Überraschungen und Sensationen, in Klagenfurt hat sie das im letzten Jahr mit Tex Rabinowitz getan und ist bei der von Wolfgang Tischer ausgerufenen „Wahl des besten Jurors“, Siegerin geworden, worauf ihr für den ausscheidenen Burkhard Spinnen zuerst der Juryvorsitz angetragen und dann wieder weggenommen wurde.

Sie hat aber, wie Manfred Müller in der Einleitung erklärte, noch viele andere Qualitäten, ist Literaturwissenschaftlerin und Literaturkritikerin, hält viele Vorlesungen, hat eine Dissertation über Theodor Kramer und ein Buch über Marlen Haushofer geschrieben, das ich glaube ich, bei der ersten literarischen Soiree, im Radio Kulturcafe gewonnen habe, weil ich mit einem Herrn ein bißchen schummelte und hat mit Kathrin Passig sicherlich eine sehr interessante ungewöhnliche Frau des Literaturbetriebes zu ihrer ersten Veranstaltungen eingeladen.

Eine Literatin, die keine ist oder sein will und, die sich 2006 oder so hinsetzte, um einen Text zu schreiben, um damit nach Klagenfurt eingeladen zu werden, mit dem sie dann auch noch gewonnen hat.

„Sie befinden sich hier!“, hat der glaube ich, geheißen und Daniela Strigl erwähnte, daß sie damit Unmut bei den Feuilletisten etc, erregte, Kathrin Passig hat hier abgewehrt, aber ich erinnere mich, daß ich auch einen Leserbrief an „volltext“ geschrieben habe, in dem ich mich darüber mokierte, daß man einen Bachmannpreis am Reisbrett so einfach konstruieren kann und es wirkte „Was muß das dann für ein Preis sein?“, habe ich wahrscheinlich geschrieben.

Vielleicht muß dazu  aber auch sehr intelligent sein und eine „Zentrale Intelligenz Agentur“, hat sie mit Sascha Lobo, Aleks Scholz, auch einem Bachmannpreisträger und Wolfgang Herrndorf auch gegründet.

Aber ich bin eben eine ziemlich humorlose Petson, die für Satire nicht viel übrig hat und Kathrin Passig ist auch sonst noch sehr ungewöhnlich, hat sie ja schon vor Jahren ihre Bücher aus ihrer Wohnung geschmissen, liest nur mehr „E“ und war auch eine der wenigen, die den „bösen Amazon“ öffentlich lobte.

Sie hat dann auch den „Preis der Riesenmaschine“ oder der „Automatischen Literaturkritik“, der in Klagenfurt seit 2007, vor der Preisverleihung zu fünfhundert Euro vergeben wurde, mitbegründet. Jetzt beträgt er Fünftausend und man kann sich daran beteiligen und wie es zu diesem Preis gekommen ist, hat sie in der Zeitschrift „Volltext“ beschrieben und auszugsweise aus ihrem Reader vorgetragen.

Da gibt es einen Themenkatalog mit Gut und Schlechtpunkten, wie ein Vogel oder ein Hund im Text oder Brückenaufnahmen im Portrait und dann setzten sich die Mitglieder dieses Preises hin,  zählen ganz stumpfsinnig die Punkte zusammen und verarschen damit wieder die Kritik, wie Daniela Striegl anmerkte, Kathrin Passig verneinte, aber natürlich, gibt es denn das, daß man sich die literarische Qualität von einer Maschine berechnen läßt?

Gibt es und 2008 hat Tilmann Rammstedt mit einem Text, der mir als Text gut, als Buch, weil zu übertrieben gar nicht, gefallen hat, sowohl den ALK, als auch den Publikums und Bachmannpreis gewonnen.

Kathrin Passig macht aber noch andere Sachen, sie schreibt Gedichte, bzw. läßt sie sich diese auch von einer Maschine erstellen und  hat ein paar davon vorgetragen.

„Ich bin nicht Handke“, laute beispielsweise eine Zeile daraus und dann hat sie noch ein Literaturportal, wo sie ihre gelesenen E-Books hineinstellt und mit bis zu fünf Sternen bewertet, meist sind es englische oder französische Werke, Arno Geigers „Alter König“ war aber auch dabei und Sachbücher gibt es auch einige und als Autorin scheint sie sich gar nicht zu bezeichnen, sondern „als Sachenausdenkerin“.

Interessant, interessant und etwas gewöhnungsbedüftig, wie mir die Dame, die gerne zu den literarischen Soirees geht, am Schluß sagte, ja natürlich und interessant war auch die Zusammenstellung des Publikums, würde ich ja der „Gesellschaft für Literatur“ ein eher konventionelles unterstellen und das war da, dann nocht Zitha Bereuther von FM4, Semier Insaif und andere junge Leute, aber auch Dine Petrik, etc und interessant  ist wahrscheinlich auch die Frage, wem Daniela Strigl als nächstes einladen wird?

Mich wahrscheinlich nicht, denn ich habe ja zu viele Rechtschreibfehler, habe aber auch einen Blog und bin, wie zumindest ich behaupten würde, ein literarisches Original, aber natürlich nicht „in“ und wohl auch zu wenig selbstbewußt.

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