Literaturgefluester

2020-07-31

Frühling der Barbaren

Jetzt geht es wieder zum Backlistbuchpreislesen, dem letzen wahrscheinlich, bevor es ab achtzehnten August zum richtigen „Buchpreisbloggen“ kommt, nämlich zum Jahr 2013, dem Jahr wo zwar nicht alles begann, ich mir aber zum ersten Mal überlegte, ob mich das nicht doch reizen könnte und ich das Leseprobenbüchlein besprochen habe.

Den 1976 in der Schweiz geborene Jonas Lüscher, der mit „Frühling der Barbaren“ auf der Longlist stand, habe ich damals nicht gekannt und die Perfektionistin in mir bemängelt auch, daß er eigentlich nicht darauf stehen hätte dürfen, ist das Buch doch eindeutig als „Novelle“ gekennzeichnet und wurde auch als solche geschrieben.

Sie stand trotzdem auf der Liste, die den besten deutschsprachigen Roman sucht und ich betone noch, daß Jonas Lüscher mit seinem Roman „Kraft“ 2017 nochmals auf der DBp-Liste gestanden ist und auf die Longlist des Bloggerdebuts kam, denn dann war es ja der erste Roman, also eigenlich ganz schön verrückt oder ein Hinweis darauf, wie sinnlos diese Gattungsbezeichnungen vielleicht sind.

Den Essayband „Ins Erzählen flüchten“ habe ich Anfang März gelesen und die Novelle, die sich in einem wahrscheinlich gewollt altmodischen Tonfall, sowohl der Finanzkrise, als sich auch dem arabischen Frühling annimmt, wurde überall hoch gelobt.

Man kommt in das hundertzwanzig Seiten starke Buch, zuminstest ist mir das passiert, nur schwer hinein, irritiert am Anfang doch der altmodische Tonfall, dann wird es aber packend und ich schließe mich den Kritikern an, eine köstliche Geschiche, die ja ein wenig an die Dystopie, die wir hier erleben, wo ein Virus die Wirtschaft zum Zusammenkrachen bringt, alle Masken tragen und im Frühling das Klopapier ausverkauft war, erinnert, obwohl das Buch ja schon früher geschrieben ist.

Ich habe ja nicht Literarurwissenschaft studiert, daß die Novellen früher, und ich nenne meine Sachen, der Länge wegen, auch manchmal so, obwohl sie nach den strengen wissenschaftlichen Kriterien wahrscheinlich keine sind, oft mit einem Erzähler beginnen, weiß ich aus den „Radiogeschichten“ und oft er erzählt der dann eine Geschichte, die ihm von einem, den er irgendwo kennenlernte, erzählt wurde.

in diesem Fall ist es der Schweizer Geschäftsmann Preising, das heißt, er ist ein reicher Erbe, offiziell Vorstand seiner Firma, die ihm längst von einem Bosnier aus der Hand genommen wurde, der ihm, wie die Geschichte beginnt, auf Urlaub nach Tunesien geschickt hat.

Jetzt befindet Preising sich in der Psychiatrie und erzählt dem Mitpatienten seine Geschichte, wie er da mit dem von der Haushälterin gepackten Koffer, in der sich lauter helle Wüstensachen befinden, zum Fugzeug chauffiert wird, selbst hat er kein Auto. In Tunesien erwarten ihn Geschäftsfreunde, einer will ihm mit einer seiner sechs Töchter verheiraten und zu krummen Sachen überreden. Er entkommt und ffährt mit der Tochter eines anderen in ein Wüstenressort, das bezeichneterweise „Tousands and one night“ heißt und nach der Phantasie aus Werbeprospekten nachempfunden wurde. Dort soll eine Hochzeit reicher britischer Finanzleute stattfinden. Preising freundet sich mit der Mutter des Bräutigams an und fährt am Vortag mit dem Vater auf Wüstenbesichtigung. Das wird ähnlich makaber geschildert, wie vorher die Kamele, die einen Bus zum Umstürzen brachten. Der Kameltreiber ist bankrott. Für Preising wäre es ein Knacks ihm das verlorene Geld zu geben, er überlegt und überlegt, tut es dann nicht.

Und während die Hochzeit stilvoll von statten geht, krachen in England, die Banken zusammen und die jungen Leute haben nichts mehr, um ihre Rechnung zu bezahlen, denn ihre Konten sind gesperrt. So läßt Saida, die Hotelmanagerin, das frugale Frühstückbuffet abräumen, nur Preising hat seinen Extratisch. Es kommt zu Plünderungen. Der Kärntner Hotelkoch ist mit dem Schlüßel zur Speisekammer abgetaucht. So beschließen die betrunkenen Engländer ein Kamel zu braten. Das führt zu einem Wüstenlbrand und überstürzter Flucht und der letzte Satz des Buch auf die Frage des Erzählers, was Preising damit beweisen wollte, lautet „Du stellst schon wieder die falsche Frage“ und am Buchrücken steht „Eine Entdeckung, weil es ein so komplexes Thema, wie die Finanzkrise in einer schmalen ökonomischen Novelle bündelt, deren Schauplätze nicht besser gewählt sein könnten: eine psychiatrische Anstalt und die Wüste“, „Der Spiegel“, „Treffend beoabachtet, altmodisch und zugleich modern erzählt, urkhmisch und kühn“, „Die Welt“ und „Ein absolut brillantes Buch. Für mich ist Jonas Lüscher die große Endeckung in diesem Jahr“, Ijoma Mangold, „Die Zeit“.

2020-07-12

Im Stein

Weiter geht es mit Buchpreisbacklistlesen und zwar mit einem Shortlist Buch des Jahres 2013 und das warein sehr interessantes Jahr, denn da habe ich mich ja schon sehr für den dBp interessiert, habe begeistert von den wenigen Büchern, die ich gelesen habe, meine Prognosen abgegeben und kann mich erinnern, daß ich am Morgen der Longlistverkündung mit dem Rad in Traisen war, dann zurückkam, um mir die Ll durchzusehen und da hat ja Buzzaldrin mit dem Buchpreisbloggen beziehungsweise der Aktion „Vier lesen fünf oder fünf lesen vier“ begonnen.

Da hat es mich das erste Mal gejuckt mitzumachen, mich das dann nicht getraut, mir aber Nella Veremejs „Berlin liegt im Osten“ bestellt, sowie das Leseprobenbüchlein und über das dann gebloggt, daß, das nicht geht, beziehungsweise ich weder einen Eindruck noch Prognosen aus ein paar Seiten Text erstellen kann, habe ich bald erkannt und inzwischen auch schon vier Bücher von der Longlist gelesen, drei weitere habe ich inzwischen irgendwo gefunden oder aus der Abverkaufskiste gezogen, eines ist davon das Shortlist-Buch des 1977 in Halle an der Saale geborenen und in Leipzig lebenden Clemens Meyer, der bestimmt ein literarischer Außenseiter ist, Absolvent des Literaturinstituts, glaube ich, auch und Träger des „Leipziger Buchpreises“, „Die Nacht, die Lichter“ habe ich gelesen, beim Bloggen aber, glaube ich, „der Lichter“ geschrieben, was den Autor zu einem heftigen Kommentar veranlaßte und irgendwo habe ich dann auch gehört oder gelesen, daß er damals im „Römer“ bei der Buchpreisverleihung, wo Terezia Mora gewonnen hat, laut mit den Türen knallend das Gebäude verließ.

Das Buch habe ich mir bei einem „Morawa-Abverkauf“ um drei Euro gekauft und wollte es eigentlich schon vor drei Jahren lesen, aber dann hat mir Meredith Winter ihre zwei Bücher zugesandt und es ist sich nicht mehr ausgegangen, weil ja schon bald die neue Buchpreisliste kam.

Jetzt hätte ich eigentlich zuerst den „Pianisten“ aus lauter Angst, daß ich dann nicht mehr dazu komme gelesen, aber der war in Wien und ich brauche für Harland Lesestoff und schleppe mich sehr langsam durch das fast sechshundert dicke Seite Buch, von dem die „Amazon-Rezensenten“ schreiben, daß es schwer zu lesen ist, dabei habe ich ja damals mit den vier oder fünf um „Buzzaldrin“ darüber diskutiert, wie schwer und unverständlich, ein anderes Shortlistbuch, nämlich der Reinhard Jirgl ist. Von der Unlesbarkeit des Clemens Meyers wurde damals nicht viel diskutiert, zumindestens kann ich mich nicht daran erinnern, zumindest scheint das Thema, das Rotlichtmilieu im Osten von der Wende bis zur Gegenwart, interessant und es ist wieder, was, glaube ich, auch nicht thematisiert wurde, kein Roman, obwohl das draufsteht, sondern ein Kalaidoskop oder Szenenbild der Nacht des dunklen oder auch hellen Gewerbes der Prostiution und das zieht sich, vielleicht ähnlich, wie „Manhatten Transfer“ durch das Buch.

Es sind einzelne Geschichten, die schöne Titel tragen, kürzer oder länger sind und manchmal auch in mehreren Teilen, erzählt werren, beinahe namenlose Gestalten, aber auch Figuren, die immer wieder auftauchen und mehr oder weniger poetisch, die gar nicht so poetischen brualten Nachtgeschichten erzählen und dabei einen mehr oder weniger deutlichen Handlungsrahmen haben, der das Ganze dann vielleicht doch wieder zu einem unchronologischen Roman zusammenfügt.

Da gibt es, die Mädchen, die Frauen, die an den zur Tagesmiete geheuerten Zimmern am Fenster stehen, der alte Jockey, der seine Tochter sucht, den, derdavon lebt, daß er die Zimmer zu den Tagesmieten, an die Frauen vermietet, die von dem alten Polizisten, der Betablocker nimmt und morgens um acht zu einer fetten Hure geht, die ihm fröhlich mit einem Glas Sekt und „Guten Morgen, du Lieber!“, begrüßt. Dann geht er ins Moor und denkt an seine Leichen, die er jemals dort gefunden hat.

Es gibt den Ecki Edelkirsch, der im Äther oder Internet über die Vorzüge der meist aus Ungarn stammenden „Grabennympfen“ in den „Wohnungen der Nacht“ reimt und in „Den City“, in dem es auch einen Naschmarkt gibgt, wohl ein Synomym für das Rotlichtmilieu agiert.

„Schön bid du meine Freundin ja, du bist schön!“ und dann den Mister Orpheus, den Herrn des Ganzen darüber interviewet, ob er Zwangsprostiution, beziehungsweise Sklavenhandel mit siebenzehn bis achtzehn Stunden Arbeitszeit betreibt.

In „Am Grenzfluß“ fährt ein „Graf“ genannter Macher der Nacht gegen Osten, um sich dort mit einem Oberst zu treffen und einiges zu erleben und der taucht in den anderen Geschichten auch immer wieder auf, da gibt es den Hans, den Nachtclubbesitzer, der in den Achtzigerjahren, in die Großstadt kommt, versucht es seinen Damen recht zu machen, dann plötzlich, weil in Diamantengeschäfte verwickelt, wo wir schon eine Anspielung auf den Romantitel haben, eine andere sind wohl die steinernen Katakomben, auf denen Eden City oder die Stadt der Engeln des Rotlichtmilieus erbaut wurde, einem Erpresser gegenüber steht und eine Leiche zu versorgen hat. Später fährt er dann im schwarzen Anzug zum Begräbnis seines Vaters und trifft eine Jugendfreundin wieder.

Im „Kongreß der Huren“ berichtet eine solche von den Schwierigkeiten mit dem neuen Prostiutinsgesetz und eine ältere Führerscheinlose, die aus dem Osten kommt resumiert über ihr bisherigen Leben, während sie zur Arbeit fährt oder auf das Klingeln wartet.

Dann wird sehr eindrucksvoll offensichtlich von Kindesprostitution erzählt, in dem Walt Disney Figuren auftanzen, von einem Herr Duck und einem Bertel die Rede ist und am Schluß ganz lapidar geschrieben steht, „daß die Wohnung in der Mecklenburgerstraße im März 1993 geräumt wurde und daß der Betreieber zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilt wurde.“

Der Osten, der Untergang der DDR und die Veränderung zur Marktwirtschaft mit ihren nächtlichen oder Nachtclubthemen wird thematisiert, etcetera.

Und Arnold Kraushaar, der mit den Wohnungsvermietungen und Freund vom Hans und anderen Protagonisten, auch AK genannt, was mich immer an die Arbeiterkammer erinnert, fährt in „Tokio im Jahre Null“ fast surreal nach Japan, trifft dort die alte weißhaarige Frau Sansuri, die gut Deutsch spricht, Heine zitiert und trotzdem eine Geschäftskollegin ist, geht ins Kabuki-Theater etcetera.

In „Import/Export 90“ denkt der alte Randy an seine Zuhälterkarriere zurück, wie das war wie er mit der Claudi und der Rosie mit dem Pommeswagen des Kuchenklaus in das Land der gefallenen Mauer gefahren ist und dort seine Dienste angeboten hat.

Nicht leicht zu lesen, wirklich nicht, dieser nicht chronologische, Geschichtenroman,in dem man erst spät in Verwicklungen der handelnden Prtagonisten AK, Hans Pieszeck hineinkommt aber eine schöne Sprache, ein schöner aber auch harter Sound, der wohl, als die Meyerische Spezialität gerechnet wird, die sich durch das Buch zieht, das eine Welt beschreibt, die den meisten Lesern von „Buchpreisromanen“ wohl eher unbekannt ist, aber dennoch äußerst faszinierend ist und wofür Clemens Meyer, wenn schon nicht den dBp, dann doch den „Bremer Buchpreis bekommen hat und 2020 auch den „Klopstock-Preis“.

Mit hat das Buch trotz seiner teilweisen Unverständlichkeit weswegen ich auch sehr lange zum Lesen brauchte, gut gefallen.

Ob es den DBp verdient hätte, kann ich nicht sagen, habe ich von der LL- 2013 bis jetzt ja nur fünf Bücher gelesen, der „Frühling der Barbaren“ von Jonas Lüscher, käme jetzt als nächstes dran, da jetzt aber die Neuerscheinungen kommen und mir Doris Kloimstein kürzlich den „Corona Fehlalarm?“ von dem Ccorona kritischen Arzt Sucharit Bhakadi brachte, der mich themenbedingt natürlich sehr interessiert, weiß ich aber nicht, wann ich dazu komme.

2018-07-21

Soutines letzte Fahrt

Filed under: Bücher — jancak @ 00:02
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Jetzt kommt ein Vorgriff oder Rückgriff auf das Buchpreislesen, bei dem ich ja nicht ganz sicher bin, ob ich es heuer schaffe, mich wieder durch die Longlists des östBps und des dBps zu lesen.

2013 habe ich mich das auch nicht getraut, aber da hat „Buzaldrins Bücher“, das sogenannte offizielle Buchpreisbloggen durch die Aktion „Fünf lesen vier“ oder „Vier lesen fünf“ ins Leben gerufen und da stand Ralph Dutlis „Soutines letzte Fahrt“ auf der Ll des dBps, den öst hat es  damals noch nicht gegeben und ich hatte von dem Buch schon etwas gehört gehabt, weil es in Leipzig, glaube ich, auf dem blauen Sofa besprochen wurde und mich vielleicht auch etwas über Autor und Thema gewundert und es wohl damals noch für genausowenig literarisch gehalten, wie einer der „Amanzon-Rezensenten“.

Aber was ist literarisch? Nur der große Goethe und der große Bernhard? Wahrscheinlich nein, sondern vielleicht schon das, was dem Leser näher kommen kann und da sind fiktionale Biografien sicher ein sehr guter Weg, sich mit Personen der Geschichte auseinanderzusetzen, denn ich hatte damals sowohl von Ralph Dutli als von Chaim Soutine noch etwas gehört.

Ralph Dutli hat mich dann nicht ausgelassen, denn der ist 2015 wieder auf der Ll gestanden und da habe ich zwar nicht offiziell dBp gebloggt, aber wohl Buchpreis gelesen und dann bin ich einmal nach Ostern auf den Zentralfriedhof zu dem Begräbnis von Friedl Hofbauer und wieder zurückgegangen und bin da in die letzten Tage des Abverkaufs der Buchhandlung auf der Wieder Hauptstraße gekommen, wo heute die Kette „Hannibal“ ihre Servietten, Tees, Schokoladen und Pasteten verkauft und da gab es in dem schon sehr leergeräumtes Geschäft „Soutines letzte Fahrt“ um drei Euro zu kaufen und wieder hat es etwas gedauert, bis ich es auf meinen Badezimmerstapel geräumt von von dort wieder hinuntergenommen habe.

Eine fiktionale Biografie also, die der 1954 geborene Ralph Dutli  über den weißrussischen jüdischen Maler Chaim Soutine, einem Zeitgenossen von Chagall, Modigliani und Picasso, wie im Klappentext steht, geschrieben hat und der litt an einem Magengeschwür und fuhr am 6. August 1943, als in Frankreich schon die Besatzer waren, in einem angeblich oder tatsächlichen Leichenwagen nach Paris, um dort behandelt zu werden.

Am neunten August ist er jedenfalls in Paris gestorben und Ralph Dutli läßt ihn und das ist wohl der ewige Schmäh der fiktionalen Biografen, sein ganzes <leben durchleben und weil Chaim Soutine ein Maler war, macht Dutli es mit surrealen phantasitischen Bildern und erzählt so das Leben des  1893 in Weißrussland, als Sohn eines Schusters geborenenm, dem der Rabbi dort das Malen verbot. So ging er bald nach Minsk und dann nach Wilna, bevor er sich soviel Geld ersparte, um nach Paris zu kommen.

Im fiktionalen oder tatsächlichen Leichenwagen fährt auch Ma Be oder Marie Berthe als Krankenschwester gekleidet mit und das war zuerst, die Lebensgefährtin von Max Ernst, später die von Soutine und ein uneheliches Töchterlein, um das sich der Maler nie kümmerte, gab es auch und eine Gerda Groth aus Magdeburg und dann den amerikanischen Pharmahzeuten, der früh das Talent des Malers erkannte, der dafür berühmt war, seine Bilder mit denen er nie zufrieden war, zu zerstören. Er kaufte alle auf. Soutine wurde berühmt, wohl auch für seine Farben, die Farbe weiß und rot spielen eine große Rolle und am Cover des bei „Wallstein“ erschienenes Buches sieht man den Bäckerjungen, mit den Soutine wohl berühmt wurde.

Die Fahrt ist dann bald zu Ende. Die letzten Kapitel erzählen über das Begräbnis das am Montparnasse stattfand und das letzte sogar von einem Besuch des Autors an Soutines Grab und seine Beziehung zu dem Maler.

Ein interessantes Buch, eine interessante Biografie, die ich da so kurz vor dem heurigen Buchpreisfiebers gelesen habe und jetzt warten, wenn ich mich nicht sehr irre, noch ein Buch über Hemingway oder seine Frau auf mich und eines über Marlene Dietrich, das von Alred Polgar geschrieben wurde, bevor ich mich entscheiden kann, ob ich mich heuer wieder an die großen zwanzig machen werde oder das lese, was abseits davon in diesem Jahr erschienen ist.

2016-01-26

Reisen wir?

Während im Literaturhaus die GAV beziehungsweise Helmut Rizy drei oberösterreichische Autoren vorstellte, ging es in der „Gesellschaft für Literatur“ zumindest auf dem ersten Blick ums reisen, stellte nämlich Mirko Bonne seinen ersten Erzählband „Feuerland“ und Wilhelm Hengstler den bei „Droschl“ erschienen Roman, Memoir oder „doppeltesReisebuch“ „flußabwärts, flußabwärts“ vor und ich habe mich gegen Rudolf Habringer, Waltraud Seidlhofer und Walter Kohl entschieden, weil ich Mirko Bonne, den 1965 in Tegernsee geborenen und in Hamburg lebenden n Autor kennenlernen wollte, der 2013 mit „Nie wieder Nacht“ auf der Shortlist des dBp und 2009 mit „Wie wir verschwinden“, da habe ich ihn kennengelernt.

Dann kam Alfred bibliophile WU-Kollegin und verkaufte um je zwei Euro ihre Buchbestände darunter „Der eiskalte Himmel“ 2006 erschienen, das steht immer noch auf meiner Leseliste und „Nie mehr Nacht“ habe ich dann voriges Jahr im Schrank gefunden.

Daß er einen Erzählband namen „Feuerland“ geschrieben hat, wußte ich nicht und die „Gesellschaft für Literatur“ war auch nicht besonders voll, Marianne Gruber moderierte und entschied im Vorgespräch, daß der 1944 in Graz geborene Willi Hengstler, der mir  vom Namen her ein Begriff war und von dem ich „fare“ auf der LL habe, beginnen soll.

Sie hielt auch eine ihrer sehr langen und sehr gelehrten bemühten Einleitungen, die Mirko Bonne, glaube ich, zum Lächeln brachte, wies auf Gemeinsamkeiten zwischen beiden hin, daß sie nämlich daß „er“ zum „Ich“ machen würden oder umgekehrt, wenn ich es richtig verstanden habe.

Und“ flußabwärts flußabwärts“ ist, wie schon der Name sagt eine doippelte Reisegeschichte und auch ein deja vue Erlebnis, denn da will einer mit dem Rad die Donau hinunter ans schwarze Meer fahren, bereitet sich darauf schon vor, dann bekommt er einen stechenden Schmerz im Bein und muß den Sommer statt auf dem Rad im Spital verbringen. Da beschließt er aus dem Spitalsaufenthalt eine Reise im Kopf oder Zimmer zu machen und als er später gesund wird, holt er die Reise nach und geht dabei, wie Marianne Gruber in ihrer Einleitung erwähnte, an seine Grenzen, denn er ist ja offenbar schon über siebzig, will, wie alle Männer, wie Marianne Gruber vermutete, keine Schwäche zugeben, ringt sich die Fahtrt also ab und die beiden Geschichten dürften auch ineinander verschachtelt sein und richtig, außer seiner Frau nimmt er noch „Proust auf seine Reise mit.

Wo ist da das Deja vue Erlebnis werden meine Leser vielleicht fragen?

Nun 2007 bin ich mit Ruth Aspöck und der Dichterkarawane die Donau von Ybbs bis Regensburg entlanggefahren und dann zurück gekommen und habe in „Und Trotzdem“ meine Helga Schwarz eine Krebsdiagnose bekommen lassen, worauf sie beschließt mit dem Rad bis an das schwarze Meer zu fahren.

Interessant, interessant, die Parallelen und dann kam Mirko Bonne an die Reihe und Marianne Gruber erzählte von den elf Erzählungen, die den Band umfassen, die erste heißt der „Eichelhäher“.

Da erzählte sie den Inhalt nach und interessant ist, daß es dem Protagonisten, der sich vorher von seiner Mutter verabschiedet hat, um auf eine Reise ins „Feuerland“ zu gehen, ähnlich schlecht, wie vorher vielleicht Wilhelm Hengstlers Erzählfigur ging. Er kommt auch, wie Mirko Bonne dann erklärte, gar nicht ins Feuerland an und das ist das Gemeinsame der Geschichten, das zwar in allen irgendwo das Feuerland vorkommt, aber keine der Geschichten dort spielt.

Mirko Bonne hat lange an den Erzählungen gearbeitet, Romankapitel, Auftragsarbeiten und auch Geschichten, die Romane werden hätten sollen, hineinverwoben und las die zwölfte, die nicht in dem Buch enthalten ist, weil sie der Verlag nicht wollte, wo Väterlein Stalin Boris Pasternak anruft und von ihm will, daß er sich für Ossip Mandelstamm einsetzt.

Das hatte ich schon einmal, beziehungsweise vor kurzem über Ossip Mandelstamm gelesen und Mirko Bonne las dann noch eine „Der Kuß“ genannte Geschichte, wo sich das Feuerland in einem Buch befindet und ein Vermieter sich in die Freundin seines Mieters verliebt, bezeihungsweise mit ihr Pfingsten verbringt.

„Ist der Kuß real?“ fragte am Ende Marianne Gruber.

„Er eröffnet dem Leser Vorstellungen oder Weiten!“, antwortete, glaube ich, Mirko Bonne und ich fragte mich, wie wohl er sich bei der Lesung gefühlt haben mag?

Er hatte aber, glaube ich, Fans beziehungsweise Experten im Publkum und die wollten wissen, wieso einer der soviele Romane geschrieben hat plötzlich Erzählungen schreibt?

Die Antwort habe ich schon beschrieben und  ist auch für mich interessant, denn ich habe ja als nächstes auch ein Erzählprojekt vor und meine persönliche Antwort wäre, weil ich ein wenig ausgeschrieben bin, will ich mich an kürzere Texte wagen.

Das mag ein wenig unprofessionell klingen oder auch sein, „literarische Restlverwertung“ hat es Christl Greller, die auch im Publikum war, genannt und Mirko Bonne hat ihr widersprochen, aber ich werde mir meine Themen ja erst erwerfen oder finden.

Habe heute wieder einen sehr interessanten literarischen Abend gehabt und einen Autor kennengelernt, den ich, wie ebenfalls Marianne Gruber, die von ihm noch wissen wollte, ob er Hemingway mag, erwähnte, wahrscheinlich sobald nicht mehr sehen werde, freue mich auf „Nie mehr Nacht“, den „Eiskalten Himmel“ und natürlich auch auf die Erzählungen, wenn ich sie mal finden sollte, bezeihungsweise auf die, die ich vielleicht demnächst schreiben.

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