Literaturgefluester

2018-07-21

Soutines letzte Fahrt

Filed under: Bücher — jancak @ 00:02
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Jetzt kommt ein Vorgriff oder Rückgriff auf das Buchpreislesen, bei dem ich ja nicht ganz sicher bin, ob ich es heuer schaffe, mich wieder durch die Longlists des östBps und des dBps zu lesen.

2013 habe ich mich das auch nicht getraut, aber da hat „Buzaldrins Bücher“, das sogenannte offizielle Buchpreisbloggen durch die Aktion „Fünf lesen vier“ oder „Vier lesen fünf“ ins Leben gerufen und da stand Ralph Dutlis „Soutines letzte Fahrt“ auf der Ll des dBps, den öst hat es  damals noch nicht gegeben und ich hatte von dem Buch schon etwas gehört gehabt, weil es in Leipzig, glaube ich, auf dem blauen Sofa besprochen wurde und mich vielleicht auch etwas über Autor und Thema gewundert und es wohl damals noch für genausowenig literarisch gehalten, wie einer der „Amanzon-Rezensenten“.

Aber was ist literarisch? Nur der große Goethe und der große Bernhard? Wahrscheinlich nein, sondern vielleicht schon das, was dem Leser näher kommen kann und da sind fiktionale Biografien sicher ein sehr guter Weg, sich mit Personen der Geschichte auseinanderzusetzen, denn ich hatte damals sowohl von Ralph Dutli als von Chaim Soutine noch etwas gehört.

Ralph Dutli hat mich dann nicht ausgelassen, denn der ist 2015 wieder auf der Ll gestanden und da habe ich zwar nicht offiziell dBp gebloggt, aber wohl Buchpreis gelesen und dann bin ich einmal nach Ostern auf den Zentralfriedhof zu dem Begräbnis von Friedl Hofbauer und wieder zurückgegangen und bin da in die letzten Tage des Abverkaufs der Buchhandlung auf der Wieder Hauptstraße gekommen, wo heute die Kette „Hannibal“ ihre Servietten, Tees, Schokoladen und Pasteten verkauft und da gab es in dem schon sehr leergeräumtes Geschäft „Soutines letzte Fahrt“ um drei Euro zu kaufen und wieder hat es etwas gedauert, bis ich es auf meinen Badezimmerstapel geräumt von von dort wieder hinuntergenommen habe.

Eine fiktionale Biografie also, die der 1954 geborene Ralph Dutli  über den weißrussischen jüdischen Maler Chaim Soutine, einem Zeitgenossen von Chagall, Modigliani und Picasso, wie im Klappentext steht, geschrieben hat und der litt an einem Magengeschwür und fuhr am 6. August 1943, als in Frankreich schon die Besatzer waren, in einem angeblich oder tatsächlichen Leichenwagen nach Paris, um dort behandelt zu werden.

Am neunten August ist er jedenfalls in Paris gestorben und Ralph Dutli läßt ihn und das ist wohl der ewige Schmäh der fiktionalen Biografen, sein ganzes <leben durchleben und weil Chaim Soutine ein Maler war, macht Dutli es mit surrealen phantasitischen Bildern und erzählt so das Leben des  1893 in Weißrussland, als Sohn eines Schusters geborenenm, dem der Rabbi dort das Malen verbot. So ging er bald nach Minsk und dann nach Wilna, bevor er sich soviel Geld ersparte, um nach Paris zu kommen.

Im fiktionalen oder tatsächlichen Leichenwagen fährt auch Ma Be oder Marie Berthe als Krankenschwester gekleidet mit und das war zuerst, die Lebensgefährtin von Max Ernst, später die von Soutine und ein uneheliches Töchterlein, um das sich der Maler nie kümmerte, gab es auch und eine Gerda Groth aus Magdeburg und dann den amerikanischen Pharmahzeuten, der früh das Talent des Malers erkannte, der dafür berühmt war, seine Bilder mit denen er nie zufrieden war, zu zerstören. Er kaufte alle auf. Soutine wurde berühmt, wohl auch für seine Farben, die Farbe weiß und rot spielen eine große Rolle und am Cover des bei „Wallstein“ erschienenes Buches sieht man den Bäckerjungen, mit den Soutine wohl berühmt wurde.

Die Fahrt ist dann bald zu Ende. Die letzten Kapitel erzählen über das Begräbnis das am Montparnasse stattfand und das letzte sogar von einem Besuch des Autors an Soutines Grab und seine Beziehung zu dem Maler.

Ein interessantes Buch, eine interessante Biografie, die ich da so kurz vor dem heurigen Buchpreisfiebers gelesen habe und jetzt warten, wenn ich mich nicht sehr irre, noch ein Buch über Hemingway oder seine Frau auf mich und eines über Marlene Dietrich, das von Alred Polgar geschrieben wurde, bevor ich mich entscheiden kann, ob ich mich heuer wieder an die großen zwanzig machen werde oder das lese, was abseits davon in diesem Jahr erschienen ist.

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2016-01-26

Reisen wir?

Während im Literaturhaus die GAV beziehungsweise Helmut Rizy drei oberösterreichische Autoren vorstellte, ging es in der „Gesellschaft für Literatur“ zumindest auf dem ersten Blick ums reisen, stellte nämlich Mirko Bonne seinen ersten Erzählband „Feuerland“ und Wilhelm Hengstler den bei „Droschl“ erschienen Roman, Memoir oder „doppeltesReisebuch“ „flußabwärts, flußabwärts“ vor und ich habe mich gegen Rudolf Habringer, Waltraud Seidlhofer und Walter Kohl entschieden, weil ich Mirko Bonne, den 1965 in Tegernsee geborenen und in Hamburg lebenden n Autor kennenlernen wollte, der 2013 mit „Nie wieder Nacht“ auf der Shortlist des dBp und 2009 mit „Wie wir verschwinden“, da habe ich ihn kennengelernt.

Dann kam Alfred bibliophile WU-Kollegin und verkaufte um je zwei Euro ihre Buchbestände darunter „Der eiskalte Himmel“ 2006 erschienen, das steht immer noch auf meiner Leseliste und „Nie mehr Nacht“ habe ich dann voriges Jahr im Schrank gefunden.

Daß er einen Erzählband namen „Feuerland“ geschrieben hat, wußte ich nicht und die „Gesellschaft für Literatur“ war auch nicht besonders voll, Marianne Gruber moderierte und entschied im Vorgespräch, daß der 1944 in Graz geborene Willi Hengstler, der mir  vom Namen her ein Begriff war und von dem ich „fare“ auf der LL habe, beginnen soll.

Sie hielt auch eine ihrer sehr langen und sehr gelehrten bemühten Einleitungen, die Mirko Bonne, glaube ich, zum Lächeln brachte, wies auf Gemeinsamkeiten zwischen beiden hin, daß sie nämlich daß „er“ zum „Ich“ machen würden oder umgekehrt, wenn ich es richtig verstanden habe.

Und“ flußabwärts flußabwärts“ ist, wie schon der Name sagt eine doippelte Reisegeschichte und auch ein deja vue Erlebnis, denn da will einer mit dem Rad die Donau hinunter ans schwarze Meer fahren, bereitet sich darauf schon vor, dann bekommt er einen stechenden Schmerz im Bein und muß den Sommer statt auf dem Rad im Spital verbringen. Da beschließt er aus dem Spitalsaufenthalt eine Reise im Kopf oder Zimmer zu machen und als er später gesund wird, holt er die Reise nach und geht dabei, wie Marianne Gruber in ihrer Einleitung erwähnte, an seine Grenzen, denn er ist ja offenbar schon über siebzig, will, wie alle Männer, wie Marianne Gruber vermutete, keine Schwäche zugeben, ringt sich die Fahtrt also ab und die beiden Geschichten dürften auch ineinander verschachtelt sein und richtig, außer seiner Frau nimmt er noch „Proust auf seine Reise mit.

Wo ist da das Deja vue Erlebnis werden meine Leser vielleicht fragen?

Nun 2007 bin ich mit Ruth Aspöck und der Dichterkarawane die Donau von Ybbs bis Regensburg entlanggefahren und dann zurück gekommen und habe in „Und Trotzdem“ meine Helga Schwarz eine Krebsdiagnose bekommen lassen, worauf sie beschließt mit dem Rad bis an das schwarze Meer zu fahren.

Interessant, interessant, die Parallelen und dann kam Mirko Bonne an die Reihe und Marianne Gruber erzählte von den elf Erzählungen, die den Band umfassen, die erste heißt der „Eichelhäher“.

Da erzählte sie den Inhalt nach und interessant ist, daß es dem Protagonisten, der sich vorher von seiner Mutter verabschiedet hat, um auf eine Reise ins „Feuerland“ zu gehen, ähnlich schlecht, wie vorher vielleicht Wilhelm Hengstlers Erzählfigur ging. Er kommt auch, wie Mirko Bonne dann erklärte, gar nicht ins Feuerland an und das ist das Gemeinsame der Geschichten, das zwar in allen irgendwo das Feuerland vorkommt, aber keine der Geschichten dort spielt.

Mirko Bonne hat lange an den Erzählungen gearbeitet, Romankapitel, Auftragsarbeiten und auch Geschichten, die Romane werden hätten sollen, hineinverwoben und las die zwölfte, die nicht in dem Buch enthalten ist, weil sie der Verlag nicht wollte, wo Väterlein Stalin Boris Pasternak anruft und von ihm will, daß er sich für Ossip Mandelstamm einsetzt.

Das hatte ich schon einmal, beziehungsweise vor kurzem über Ossip Mandelstamm gelesen und Mirko Bonne las dann noch eine „Der Kuß“ genannte Geschichte, wo sich das Feuerland in einem Buch befindet und ein Vermieter sich in die Freundin seines Mieters verliebt, bezeihungsweise mit ihr Pfingsten verbringt.

„Ist der Kuß real?“ fragte am Ende Marianne Gruber.

„Er eröffnet dem Leser Vorstellungen oder Weiten!“, antwortete, glaube ich, Mirko Bonne und ich fragte mich, wie wohl er sich bei der Lesung gefühlt haben mag?

Er hatte aber, glaube ich, Fans beziehungsweise Experten im Publkum und die wollten wissen, wieso einer der soviele Romane geschrieben hat plötzlich Erzählungen schreibt?

Die Antwort habe ich schon beschrieben und  ist auch für mich interessant, denn ich habe ja als nächstes auch ein Erzählprojekt vor und meine persönliche Antwort wäre, weil ich ein wenig ausgeschrieben bin, will ich mich an kürzere Texte wagen.

Das mag ein wenig unprofessionell klingen oder auch sein, „literarische Restlverwertung“ hat es Christl Greller, die auch im Publikum war, genannt und Mirko Bonne hat ihr widersprochen, aber ich werde mir meine Themen ja erst erwerfen oder finden.

Habe heute wieder einen sehr interessanten literarischen Abend gehabt und einen Autor kennengelernt, den ich, wie ebenfalls Marianne Gruber, die von ihm noch wissen wollte, ob er Hemingway mag, erwähnte, wahrscheinlich sobald nicht mehr sehen werde, freue mich auf „Nie mehr Nacht“, den „Eiskalten Himmel“ und natürlich auch auf die Erzählungen, wenn ich sie mal finden sollte, bezeihungsweise auf die, die ich vielleicht demnächst schreiben.

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