Literaturgefluester

2017-10-09

Deutscher Buchpreis für Robert Menasse

Am Mittwoch beginnt die Frankfurter Buchmesse und am Montag davor findet dort im „Römer“ die Verleihung des deutschen Buchpreises statt. Seit ich blogge verfolge ich das ja mehr und weniger intensiv.

Seit 2015, wo ich mich zur inoffiziellen Buchpreisbloggerin machte und damals alle, im Vorjahr neunzehn, heuer siebzehn Bücher gelesen habe und seit ich blogge schaue ich auch ein bißchen in die Verleihung hinein.

Über den Computer und oft nur den Beginn, weil ich dann ja in eine Veranstaltung aufbreche, einmal habe ich selbst gelesen, ein anderes mal war Judith Gruber Rizy im „Republikanischen Club“ und der Alfred hat mir dann übers Handy ergololget, daß Terezia Mora gewonnen hat. Einmal bin ich eine Stunde spöter in die „Alte Schmiede“ gegangen und heute wollte ich eigentlich wieder dorthin, weil Gert Jonke bei den Grundbücher, um neunzehn Uhr, aber um achtzehn Uhr begann der livestream und, ob es dann ein Video gibt, war nicht so sicher, aber es ist ja auch der zweite Montag im Monat und daher im Amerlinghaus die „Wilden Worte“, und dann bin ich daraufgekommen, ich habe um sechs eine Stunde.

Uje uje, wenn die Klientin früher kommt, kann ich noch in die „Alte Schmiede“ und ein kurzes Video der Preisverleihung hat es ja immer gegeben und da habe ich auch ein bißchen mitzureden, beziehungsweise eine Meinung, weil ja fünf der Shortlistbücher gelesen.

Der Thomas Lehr wird ja wahrscheinlich, wie ich der Pressedame von „Hanser“ geschrieben habe, eine Lücke bleiben, weil ich die Trude die mich zumeistens vor meinem Geburtstagsfest fragt, welches Buch ich mir wünsche, nicht erreichen kann. Einladung zurückgekommen, vielleicht fragt mich der Alfred oder ich bekomme einen Gutschein, finde es im Schrank oder es  bleibt bei der Lücke, was ja nichts macht, die anderen habe ich gelesen und bei den Blogs habe ich immer gehört Franzobel, Robert Menasse, Marion Poschmann und Sasha Marianna Salzmann, die Debutantin, haben eine Chance. Bei der Letzteren habe ich noch immer nicht so ganz verstanden, was der so besondere einhzigartige Ton an dem Buch ist, den einige zu bemerken glaubten, aber vielleicht kommt es auf die Debutbloggershortlist, dann hätte ich das Buch schon gelesen und auch eine Chance, das noch herauszufinden.

Ich habe ja für Marion Poschmann gestimmt und mit Robert Menasse für den österreichischen Buchpreis gewünscht, für den er  auch nominiert ist.

Da wird er morgen sicher auch auf der Shortlist mit wahrscheinlich Paulus Hochgatterer, Doron Rabinovici, einem der zwei experimentellen Bücher und einem der restlichen stehen. Der Alfred plädiert für die „Außerirdischen“. Ich bin auf das Buch gespannt und habe mich den ganzen Tag gefragt, wie und was mache ich am Abend?

Um vier habe ich dann die Klientin angerufen, ob sie nicht am Dienstag oder Mittwoch kommen könne? Wir haben die Stunde verschoben, ich habe mir ein Glas roten Sturm eingegossen, ein paar Baguettescheiben mit dem französischen Grammelschmalz bestrichen, das der Alfred in dem Shop in der Margaretenstraße kaufte, denn eine Preisverleihung soll man ja feiern und beschlossen, ich lasse die „Wilden Worte“ aus und widme mich zur Gänze dem Buchpreisbloggen, beziehungsweise dem Buchpreisfeiern, denn man soll ja nicht  von Veranstaltung zu Veranstaltung hoppeln, sondern sich auf das Wesentliche konzentrieren und voila, ich war mit dem Brotestreichen gerade fertig, als aus dem off eine Stimme ertönte „Meine Damen und Herren, nehmen Sie Platz, in zwei Minuten beginnts und ich habe meinen Laptop in mein Schlafzimmer beziehungsweise meine höchstpersönliche Bibliothek transportiert, wo gerade der Wäscheständer steht und sich die Bücher stapeln.

Cecile Shortmann hat eröffnet oder eingeleitet, dann kam eine Politikerin, die, glaube ich, die auch einmal Kritikerin war und Heinrich Riethmüller vom Börseverein und im Publikum habe ich Benedikt Föger, den österreichischen Buchhandelspräsidenten gesehen, der mir in Leipzig, bei der dortigen Preisverleihung sogar die Hand gegeben hat.

Die Jury wurde vorgestellt und Katja Gasser-, die Sprecherin, deren Tätigkeit ich sozusagen seit der Leselauslese im Juni in der „Gesellschaft für Literatur“ verfolge. Richtig, das Buch der Birgit Müller-Wieland muß auch noch zu mir kommen, vielleicht finde ich es gemeinsam mit dem der Brigitta Falkner beim Literaturhaus Flohmarkt, -wurde von Cecile Shortmann befragt, warum drei „Suhrkamps“ auf der Liste?

„Weil, die am besten zahlen!“, antwortete sie und es war eine Weile still. Aber vielleicht sind es wirklich die besten Bücher, zwei davon haben mir ja sehr gefallen und auf den Doron Rabinovici bin ich noch neugierig.

Dann kam ein Schauspieler mit einer kurzen Lesung daraus und ein Video zu Buch und Preisträger und dann kam wieder Heinrich Riethmüller und verkündete „And the winner is Robert Menasse“ und man sah den Preisträger Hände schütteln, der keine Rede vorbereitet hatte, weil er arbeitet nicht mehr für die Schublade und während der einleitenden Worte sein Handy hervorzog und während ich spekulierte, ob er jetzt seine Frau oder Schwester anruft, um ihr die freudige Botschaft mitzuteilen, das Publikum fotografierte und dann erstaunlich freundlich war.

„Alle nominierten hätten den Preis verdient!“, sagte er und mußte sich mehrmals mit einem Stofftaschentuch schneuzen. Er lobte dann auch die EU, die verhindert hätte, da „Amazon“ die Buchpreisbindung aufheben konnte und meinte, daß wir nur hoffen können, daß wir nicht wieder vor einer Katastrophe stehen. Das hoffe ich auch und bin ja der Meinung, daß es ein zutiefst trauriges Buch ist, daß da gewonnen hat.

Aber in Frankfurt wird ja jetzt gefeiert, das Buffet ist eröffnet, meine Grammelbrotschnittchen sind aufgegessen, der Sturm getrunken. Ich werde mich noch ein bißchen durch das Netz surfen, um die Meiningen der anderen einzuholen und verlinke zur Dokumentation, die anderen nominierten Bücher und fange vielleicht mit denen an, die mir sehr gefallen haben und, ob ich sie so wirklich rangreihen kann, weiß ich nicht.

Das kann ja eigentlich gar nicht gehen, aber ein paar davon haben mir gefallen. Ein paar weniger und das sind, das ist ja interessessant, die die mitellalten Männer in ihren Midlifekrisen.

Die Jury, der diese Häufung auch aufgefallen ist, hat dafür, habe ich in der Einleitung gehört, schon einen eigenen Ausdruck und wird vielleicht im nächsten Jahr die Bücher der „Exit-Frauen“ nominieren und ich kann trotz aller Garatulation für Robert Menasse nur ein wenig schade finden, daß es das Buch, das sich über die „Exit-Männer“ lustig machte, nicht zum Preis geschafft hat und bin auch neugierig, wer jetzt den österreichischen Buchpreis gewinnen wird, denn das kann ja noch einmal  Robert Menasse sein und Jakob Noltes „Schreckliche Gewalten“, das auch nicht zu mir gekommen ist, würde ich auch sehr gern zum Geburtstag bekommen oder in den Schränken finden. Vielleicht hat einer meiner Leser auch ein Leseexemplar, das er mit mir tauschen möchte.

Robert Menasse hat ja alle zum Lesen aller Bücher aufgerufen. Ich muß das hier nur noch bei drei tun, dann hätte ich es geschafft:

  1. Marion Poschmann „Die Kieferninsel“
  2. Robert Menasse „Die Hauptstadt
  3. Sven Regener „Wiener Straße“
  4. Ingo Schulze „Peter Holtz“
  5. Monika Helfer „Schau mich an, wenn du mit mir redest“
  6. Feridun Zaimoglu „Evangelio“
  7. Christoph Höhtker „Das Jahr der Frauen“
  8. Michael Waidenhain „Das Singen der Sirenen“
  9. Christine Wunnike „Katie“
  10. Kerstin Preiwuß „Nach Onkalo“
  11. Robert Prosser „Phantome“
  12. Julia Wolf „Walter Nowak bleibt liegen“
  13. Franzobel „Das Floß der Medusa“
  14. Sasha Marianna Salzmann „Außer sich“
  15. Jonas Lüscher „Kraft“
  16. Mirco Bonne „Lichter als der Tag“
  17. Gerhard Falkner „Romeo oder Julia“
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2017-10-07

Das Floß der Medusa

Jetzt kommt Buch siebzehn des deutschen Bp 2017 und das letzte das ich wahrscheinlich lesen werde, Franzobels „Floß der Medusa“, eines das sehr gelobt wird und von dem ich schon im Sommer 2016 eine Lesung in der „Alten Schmiede“ hörte.

Damals war das Buch noch nicht fertig. Franzobel hat viel von der Entstehungsgeschichte und auch von der Geschichte der 1816 gestrandeten Medusa erzählt, wo die unteren Chargen auf einem selbstgebastetelten Floß sich selbst überlassen wurden und vierzehn Tage später nur mehr fünfzehn ausgemergelten Gestalten, die ihren Urin tranken und sich von Mernschenfleisch ernährten, gefunden wurde.

Darunter war der Schiffsarzt Savigny und der Wissenschafter Correard, die dann einen Bericht darüber geschrieben haben. Der französische Maler Gerricault hat ein Bild gemalt, das im Louvre hängt. Andere Schriftsteller, wie Julian Barnes haben auch schon über das Schiffsunglück geschrieben, bis Franzobel auf die Spur kam und, glaube ich, drei Jahre daran gearbeitet hat.

Zum Zeitpunkt der Lesung hatte er, glaube, ich dreihundert Seiten, zumindesten habe ich mir das so aufgeschrieben. Jetzt ist es mit fast sechshundert Seiten das zweidickste Buch der Liste geworden. Die Danksagung ist mit November 2016 datiert. Das Buch ist im Frühling erschienen und wurde auch bei den O- Tönen vorgestellt.

Also hatte ich schon ein bißchen was darüber gehört, kenne Franzobel mit dem ich ja auch in der „Ohrenschmaus-Jury“  bin, seit seinem Gewinnen des Bachmannpreises 1995 sehr gut.

Vorher hat er in Kleinverlagen wie das „Fröhliche Wohnzimmer“ publiziert und seine GAV-Aufnahme wurde auch heftig diskutiert. Dann kam der Erfolg und viele Lesungen des Autors, der immer mit einer Flasche Bier auftritt, die er aus seinen Rucksack nimmt.

Ich war bei vielen Lesungen, er schreibt ja auch Theaterstücke und überhaupt sehr  vielen Stilen. Bei seinem Krimi „Wiener Wunder“, den ich bei der „Buch Wien“ gewonnen habe, habe ich erkannt, daß er ein sehr sehr guter Schreiber ist. Ein Fabulierer und Wortspieler in allen Stilen zuhause mit einer überbordeten Phantasie und das ist ihm wohl auch hier zu Gute gekommen, wo er sich immer wieder als Erzähler einmischt und von Sachen erzöhlt, die erst später erfunden wurde. Es gibt auch immer wieder lockere Wendungen, wie „Dreimal neun ist Donnerstag“.

So machts das Lesen wahrscheinlich  spannend. Denn eigentlich ist es ja ein Thema, das mir nicht so besonders liegt.  Abenteuerromane, wie das Schiffsunglück, das vor zweihundert Jahren passierte, interessierem mich, die auch nicht, die ich  Karl May nie gelesen habe, so sehr.

Trotzdem ist das Buch lehrreich, obwohl, ich schreibe es gleich, ich es mir nicht auf die Shortlist wünschte und mir bei dem Sieger, der am Montag bekanntgegeben wird, eigentlich Marion Poschmann wünsche und für den Öst  Robert Menasse. Franzobel hat aber höre und lese ich immer gute Chancen und die meisten Buchblogger und Vlogger sind auf das Buch sehr neugierig.

Es beginnt mit der Entdeckung des Floßes am 18 Juli, 2016 .

„Nach einer wahren Begebenheit“, steht unter dem Roman und das ist, wie geschildert, eine bescheidene Untertreibung ist diese Begebenheit ja sehr gut dokumentiert.

Franzobel hat aber drastische Schilderungen mit denen er beschreibt, wie die Männer sich bei der Rettung wahnsinnig gebährdeten und von dem vielen Essen schwärmten, das sie nun zu sich nehmen würden.

Savigny kommt nach Frankreich zurück. Dort soll die Angelegenheit natürlich vertuscht werden. Es gibt dann noch ein Kapitel von einem in Frankreich herumirrenden Vollmatrosen, der in einem Armenspital landet, bevor die Geschichte von vorne erzählt wird.

Von der Abfahrt des Schiffes  und seinen Passagieren, ein Apotheker ist mit seiner Familie an Bord, ein Gouveneur, der mit seiner Truppe nach Senegal will, einige Wissenschaftler, ein Jude,  der ständig Witze erzählt, ein Missionar und der Kapitän ist eigentlich unfähig ein Schiff zu leiten, weil er früher Zöllner war. Er wird auch von einem angeblichen Freund, der sich als Hochstapler entpuppt, immer wieder Fehlgeleitet.

Zuerst wird aber die Auspeitschung eines Matrosen oder Soldaten, nur weil er fluchte, geschildert, der dabei stirbt. Ein anderer Matrose wird über Bord geschmissen.

Zwei Todesfälle, die das Unglück ankündigen und die Ratten, hat Franzobel geschrieben, haben das Schiff sowieso nicht erst betreten. Dafür gibt es einen Küchenjungen, namens Vikto. Einen Sohn einer begüteten Familie, der von zu Hause ausgerissen ist,er zuerst vom Schiffskoch schikaniert wird und später zu Savigniys Assistenten wird, der auf den Schiff Studien betreibt.

Als die Gefahr der Sandbank sichtbar wird, versuchen die Offiziere, den Kapitän zum richtigen Verhalten zu bringen, der wird aber von seinem Freund überredet, das falsche zu tun. Dann weigert man sich auch noc,h die unnötigen Sachen von Bord zu schmeißen. Zuwenig Rettungsboote sind da. Die Idee mit dem Floß kommt auf, auf die die niedigen Chargen geschickt werden.

Savigny ist aber auch darunter. Die versprochenen Leinen werden auch noch gelöst und so schaukelt das Floß vierzehn Tage am Meer und die Anwesenden reduzieren sich. Leichen werden gegessen, getötet und am Schluß sind nur noch die Fünfzehn übrig.

Es kommt dann doch zu einer Verurteilung des Kapitän. Aber die Strafe fällt sehr mild aus und wir können und auch bei Franzobel nachlesen, was da vor zweihundert Jahren geschehen ist.

Wie beschrieben, die vielen launigen Anmerkungen störten mich etwas und Abenteuergeschichten sind sowieso nicht das meine. Ich kann aber nicht verhelhlen, daß das Lesen durchaus interessant und spannend war und nun bin ich auf den Montag neugierig.

2017-10-06

Schau mich an, wenn ich mit dir rede

Buch sechzehn des dBp, ein Longlistbuch und wir bleiben in Österreich und sind  beziehungsweise dort angekommen, Monika Helfers kleiner feiner Roman über die Patchworkfamilie oder ist es eine Episodensammlung, das, was sich die 1947 im Bregenzerwald geborene Frau von Michael Köhlmeier und Mutter der früh verunglückten Paula, so ausdenkt, wenn sie eine Frau in der U-Bahn sitzen und mit ihrer Tochter schimpfen hört.

Ich denke, es ist eine Episodensammlung und das Besondere an der Geschichte ist, daß es über die reine Patchworksammlung, wie sie etwa Ruth Cerha oder Elfriede Hammerl schreiben, hinausgeht, aber auch etwas, das man nicht gleich bemerkt.

Ich habe es jedenfalls nicht sofort und bin nach Robert Menasses „Hauptstadt“ auch nicht sofort in das Buch hineingekommen und habe mir bei der ersten Geschichte nur gedacht „Hey, was soll das und das ist jetzt jener platter Realismus, wie ich ihn ja angeblich immer schreibe und wie es dem Obdachlosen damals in der „Augustin Schreibwerkstatt“ auch nicht gefallen hat!“

Ist es nicht, aber das habe ich erst bei der zweiten Lesetrache gemerkt und Mariki Fallwickl, die offizielle Bücherbloggerin, hat es vielleicht auch zu wenig überhöht gefunden. Es sind aber kleine feine Geschichten, die sich Monika Helfer da ausdachte und sie haben mit der simplen Patchhcworkrealität, wie sie jetzt ja so viele Kinder erleben, gar nicht so viel zu tun und das Buch hat, denke ich, auch mit den Beschreibungen am Büchrücken und am Klappentext nicht so viel zu tun, jedenfalls würde ich es anders interpretieren.

Da fährt also eine Frau, ich denke, es ist die Erzählerin in der U-Bahn, beobachte,t wie eine Frau vor ihrem Kind über dessen Vater schimpft, bei dem die Kleine offenbart jetzt wohnt und dann denkt sie sich in den folgenden vierunddreißig Kapiteln Geschichten und zuerst einmal Namen für ihre Personen aus.

Die Kleine könnte Genoveva, Vev genannt, heißen, die Mutter Sonja, der Vater Milan und die Mutter wird als drogensüchtige, von einem Sozialarbeiter betreute Frau, die auch in einer Klinik war, beschrieben, was ich, die ich ja öfter solche Geschichten höre, nicht so ganz realitätsgerecht beschrieben fand.

Es geht aber gleich weiter und geht dann wirklich in die Phantasie und da wird es wirklich schöne heile Welt-Geschichte, die dann gar nicht kitschig ist.

Sonja geht nämlich nach der  Begegnung mit ihrer Tochter, die beim Vater und dessen neuer Frau Nati, einer Krankenschwester und deren zwei Töchtern lebt, auf den Karlsplatz, für die Nichtwiener, das ist ein Drogenumsatzplatz oder war zumindestens mal einer und  trifft dort, the Dude, den Weltretter, der eigentlich Eric heißt, der nimmt sie mit in seine Wohnung, putzt das Bad, gibt ihr Geld für schöne Kleider, etcetera. Das alles wird nach und nach in den kleinen Geschichten erzählt.

Milan ist vielleicht auch ein wenig unrealistisch, denn er arbeitet nichts und lebt vom Geld, das ihm seine Mutter zusteckt. Nati oder Natalie, ist die einzige, die arbeitet und die hat sich auch eine Traumwelt, nämlich „Natis schöne Welt“ oder so ausgedacht und da kommen  bei einer Krankenschwester natürlich die Ärzte vor.

Nati trifft sich in der Mittagspause öfter mit ihrer Freundin Eva in der Kantine, die zwar eigentlich nicht im Krankenhaus arbeitet, aber Nati hat ihr den Zutritt  verschafft und eines Mittags landet Nati im Zimmer vom Oberarzt Doktor Traxler, im sechstten Stoc, beziehungsweise auf seiner Liege, sie will nämlich noch ein Kind. Milan nicht, so will sie ihm eines unterschieben, während Milan inzwischen zu der Trafikantin geht, den Vev hat  bei dem letzten Besuch bei ihrer Mutter den Hund Nemo, das heißt Niemand, mitgenommen, der eigentlich Eric, genannt, the Dude, gehört.

Milan bringt ihn zu der Traffikantin, die auf ihn aufpassen soll, fängt mit ihr ein Verhältnis an und kümmert sich dann nicht mehr um den Hund, so daß ihn die Trafikantin zu sich mit nimmt und schließlich kommt ein Brief von the Dude, der die ganze Familie, Milan, Nati und die Kinder zu sich und Sonja in ihre neue große Wohnung, die er sich irgendwie ergaunert hat, zum Essen einlädt und die Wohnung ist so groß, daß sie für alle Platz hat.

So überlegt Vev, wenn sie dorthin geht, den Hund mitzunehmen, Nati geht wieder in Dr. Traxler Sprechzimmer und macht mit ihm Schluß und nur Milan überlegt abzuhauen und auszuwandern.

Ein schöne Traumgeschichte von der schönen heilen oder auch nicht so heilen Familienwelt, denn Milan wird in dieser von der Lehrerin in die Schule gebeten um über Vevs Aufsatz zu sprechen, in dem sie über ein Problem schreiben sollte, aber offensichtlich nur eines erfunden hat, was die Lehrerin, die ja über die Probleme der Kinder Bescheid wissen woll oder muß, erboste, so daß sie Themenverfehlung darunter schrieb.

So geht es auch und das ist, denke ich, Monika Helfer meisterhaft gelungen, obwohl ich mir ganz ehrlich, auch nur einen ganz gewöhnlichen Patchworkroman erwartet habe.

2017-09-30

Die Kieferninseln

Nun kommt Buch vierzehn der LL und das dritte Buch der Shortlist, eines das ich mir darauf gewünscht habe, denn ich habe Marion Poschmann 2013 als sie mit der „Sonnenposition“ nominiert war, sehr poetisch gefunden und es ist auch das Shortlistbuch, das mir bis jetzt am besten gefällt.

Die zwei österreichischen Bücher muß ich noch lesen und mir den Lehr erst schenken lassen, aber bis jetzt würde ich ihr den Preis wünschen, da ihn Ferdun Zaimoglu, mein ursprünglicher Wunschkanditat nicht bekommen kann.

Denn Marion Poschmann ist es mit den „Kieferninseln“ gelungen, einen sehr poetischen Roman zu schreiben, einen in dem es um die Natur, um die vielen Grünschattierungen beispielsweise und die vielen Nadelbäumesorten geht, die es in Japan gibt, aber auch einer, so würde ich es mir  interpretieren, der sehr ironisch mit dem Janpanmythos, sie zeigt auch seine Schattenzeiten auf, als auch mit dem beliebten Longlistthema der Sorgen des mittelalten intellektuellen Schriftstellers oder Professors umgeht.

Denn hier haben wir auch einen solchen, Gilbert Silvester, Privatdozent, weil es ihm entweder wegen der prekären Verhältnisse, weil ja jetzt schon alle sutdieren und er auch kein betuchtes Elternhaus hat, er scheint aber jede Menge Geld zu haben, nicht gelungen ist, an eine Professur zu kommen und sich jetzt von Projekt zu Projekt hantelt.

Momentatn forscht er über die Beziihung zwischen Bart und Gott im Film, man sieht schon die Ironie, denn gibt es das überhaupt?

Er ist verheiratet mit Mathilda einer erfolgreichen Lehrerin und er ist offenbar sehr frustriert, denn er träumt  seine Frau würde ihn betrügen und bricht deshalb gleich nach Japan auf.

So beginnt das Buch und scheint auch in der Leseprobe enthalten zu sein, denn die Blogger oder You Tuber, die sie durchsahen, haben sich an dieser Formulierung gestört und auch mir schien es anfangs unrealistisch, daß das jemand wegen eines Traums gleich tun kann, also wieder einmal viel zu viel konstruiert.

Dann schlägt man das Buch auf, ich habe das PDF gelesen und versteht , daß das durchaus nachvollziehbar ist, denn dieser Gilbert Silvester ist sehr unzufrieden. So schnappt er seine Reisetasche begibt sich auf den Flugplatz und  bucht den ersten Langstreckenflug den er bekommen kann.

Der führt ihn nach Tokyo und das ist, so scheint es, gar keine gute Wahl, denn Gilbert Silvester ist ein Vegetarier und Kaffeetrinker. In Japan trinkt man aber nur Tee. Jedenfalls schenkt ihm schon die ewig lächelnde Stewardess mit dem Geishaknoten im Flugzeug sofort Grüntee ein.

Er versucht Mathilder telefonisch zu kontaktieren. Kann sie aber nicht gleich erreichen. Dann glaubt sie ihm nicht, daß er in Tokyo gelandet ist und legt auf. Da merkt man schon, daß der Traum mit dem Betrügen ein Vorwand war, denn warum sollte er  dann versuchen sie zu erreichen, wenn er sie verläßt, weil sie ihn betrogen hat.

Am Flughafen in Tokyo kauft er sich japanische Literatur und zwar ein Buch von oder über den Dichter Basho, dann ißt er Sushi, obwohl er rohen Fisch auch nicht mag und entdeckt am Bahnhof einen jungen Mann mit einer Sporttasche und einem Ziegenbart.

Vorher hat er schon darüber nachgedacht warum die Japaner sowenig Bärte haben und der junge Mann, es ist der Student Yosa Tamagotchi, man beacgte die Namen, die offenbar auch zur genialen Ironiekonzeptierung gehören, hat vor, aus Prüfungsangst auf die Gleise zu springen und aus Angst überhaupt zu versagen, hat er sich dieses Bärtchen angeklebt, denn damit wird ihn keine japanische Firma einstellen und er erspart sich den Frust.

Gilbert Silvester, den einige der anderen Leser, als unsympathisch erlebten, tut was man in solchen Fällen tuen muß. Er beginnt zu reden, um den Studenten von seinem Vorhaben abzulenken und nimmt ihn in sein Hotelzimmer, das nur aus einem Bett und zwei spartansichen Würfel besteht, in denen aber eine ganze Minibar mit Teekocher eingebaut ist., mit. In der Reisetasche des Studenten befindet sich ein anderes Buch, nämlich ein Ratgeber zum Selbstmord, denn offenbar werden die Japaner, wenn sie versagen, in diesen gewzungen und Gilbert überredet ihn nun mit ihm zu kommen und einen besseren Platz für den Selbstmord zu finden, als ein Eisenbahngleis.

Gilbert hat aber inzwischen ganz andere Pläne, will er doch auf den Spuren der beiden Dichter Basho und Saigyo, die einmal ausgestiegen sind, eine Pilgerreise nach den Kieferinseln in Matsuschima machen. Aber erst muß er den Studenten nach den besseren Selbstmordorten begleiten. Dazwischen schreibt er immer wieder Briefe an Mathilda, um sie von seinen Erlebnissen zu unterrichten.

Der erste Ort ist ein Dach eines japnischen Sozialwohnbausilos, das scheint es in Japan auch zu geben und ist ebenfalls erbärmlch, dann fahren sie in einen Selbstmordwald, der von Marion Poschmann sehr skurril beschrieben wird.

Zuerst gibt es überall Warntafeln, „Tun Sie das Ihren Eltern und dem Staat der Ihre Ausbildung finanzierte nicht an!“

Dann liegen dort die Leichen herum, weil es kommennur einmal im Jahr die Tagelöhner, um sie wegzuräumen. Den anderen Müll lassen sie aber liegen. Also auch kein sehr geeigneter Ort. Sie müssen aber, weil es schon finster ist, dort übernachten und als sie am nächsten Morgen vor der Busshaltestelle stehen, um nach Tokyo zurückzufahren, hält er Chauffeur, es ist derselbe mit dem sie hergekommen sind nicht an, weil er sie für Geister hält, denn aus diesem Ort ist noch keiner zurückgekommen.

Von Tokyo soll es weiter zu den Kieferninsel gehen. Gilbert Silvester will aber zuerst zu den Kirschbäumen, der Student will ihm den kaiserlichen Park zeigen und ins Kabuki-Theater gehen sie auch.

In der Nacht erzählt der sehr  unsichere Student von einer Begegnung mit einem Mädchen, das er in ein Restaurant einlud, dann aber so gehemmt war, sie anzusprechen und, als sie aufs Klo ging, hat er  ihren Rock rot leuchten sehen, so daß er sie für einen Fuchs hielt.

Über die Fuchserscheinungen in Japan hat mich der deutsche Buchpreis auch schon ein Buch lesen lassen und der etwas überhebliche Gilbert meint sarkastisch, daß seine Studenten ihre Hemmungen nicht so mythisch beschreiben würden.

Sie reisen also weiter zu den Kieferinseln, beginnen Haikus zu schreiben und an einer unscheinbaren Zwischenstation, die aber einen sehr mondänen Bahnhof hat, verliert Gilbert, den Studenten. Er scheint ihn dann zwar wieder zu treffen. Aber da ist es nicht ganz klar, ob es sich dabei nicht, um Visonen handelt und es sein Geist ist, der sich vor ihm verbeugt und verrät, daß er schon seint jahrhunderten tot ist, man sieht es ist ein sehr mystisches Buch, wo die Grenze zwischen Traum und Wirklichkeit sehr oft verschwimmt.

Gilbert bezieht inzwischen ein Hotel, auch hier verbeugt sich der Rezeptionist, läßt ihn aus einem Fächer eine Karte ziehen und sagt, die gezogene Insel gibt es nicht mehr, die sei bei dem Tsunami umtergegangen und das Erdbeben, das es gegeben zu haben scheint, scheint überhaupt die Touristen vertrieben zu haben, so, daß Gilbert der einzige Gast ist, der die Kieferninseln mit ihren verschiedenen Farbschattierungen besichtigen will, ansonsten sind nur Baukräne zu sehen.

Es werden Haikus geschrieben, dann kehrt Gilbert ins Hotel zurück, wo der Rezeptionist gerade eine verbeulte Reisetasche wegträgt und er begibt sich auf sein Zimmer, um Mathilda anzurufen.

„Liebste Mathilda!“, würde er sagen. „Wir treffen uns Tokyo, es ist ganz einfach. Die Laubfärbung beginnt“

So endet das Buch, das eine wirklich sehr eindrucksvolle poetische Mischung zwischen Sozialkritik, Landschaftsbeschreibung und japanischer Mystik ist und in dem Marion Poschmann, wie ich es mir interpretiere, auch den vielen lebensmüden Midlifekrisismännern, ein sehr ironisches Pendant in weiblicher Sprache gesetzt hat.

2017-09-26

Romeo oder Julia

Buch dreizehn der LL und Buch zwei der kurzen Liste und das ist interessant, denn das dreizehnte Kapitel spielt in Gerhard Falkners „Romeo und Julia“, der schon im vorigen Jhr auf der LL gestanden ist, eine besondere Rolle.

Ich  habe beim ersten Lesen des Titels wohl ich auch  „Romeo und Julia“ gelesen und vielleicht gedacht „Hej, das gibt es ja schon!“

Aber Romeo und Julia sind ein berühmtes Liebespaar, das unbedingt zusammenkommen wollte, das aber durch Intrigen nicht konnte. Heute ist das aber anders, denn da trennt man sich. Da läßt Romeo schon einmal seine Julia zurück, um sich einen Literaturpreis abzuholen oder für ein Jahr nach New York zu gehen und Julia rächt sich dann, in dem sie Romeo entsetzlich stalkt und zum Schluß natürlich beim Fassadenklettern in die Tiefe stürzt.

Aber natürlich das ist alles nur Phantasie und der 1952 geborene Lyriiker versteht es vortrefflich daraus  einen Shortlistroman zu machen, der vielleicht sogar den Preis gewinnt, wie eine Vloggerin vermutet, die das Buch aber nicht beendet hatte, weil es ihr zu sexistisch und zu freauenfeindlich war.

Dafür hat sie sich allerdings einige Male entschuldigt, denn der Schsundsechzigjähjrige ist ja ein sehr sympathischer Mann, wie sie merhmals betont und noch hinzufügte, daß er, weil sie das Buch abgebrochen hat, jetzt sicher den Preis bekommt.

Das weiß ich nicht so genau und bin, was den Sexismus betrifft wohl auch ein wenig abgebrühter, als die jüngere Frau, denke mir nur, schon wieder ein Mainstreambuch mit schöner Sprache, wo einer künstlerisch 1a seine Midlifekrise schildert, aber was interessiert mich das?

Das Buch hat aber schon etwas Interessantes, etwas, was für mich unter das Neue oder vielleicht das Berührende fallen würde, was ja jeder „gute Roman“ haben muß.

Es beruht auf einen wahren Vorfall. Das tut zwar wahrscheinlich jeder Roman, aber Gerhard Falkner spricht das offen in einem Interview an und hat das dem Buch auch als Nachsatz angefügt.

Daß ihm bei einem Kongreß in Innsbruck wirklich einmal seine Schlüßel und seine Notizbücher in seinem Hotelzimmer gestohlen wurde und, daß dort auch eine verwirrte Frau ihr neugeborenes Kind aus dem Fenster warf, was für ihn Anlaß war, diese Geschichte zu einem Roman zu verarbeiten.

Das Buch, das ich ja ziemlich spät lese, hat für mich auch eine Vorgeschichte, denn „Literaturlärm“ hat es bei ihrem „Longlist-Rundgang“, ja als eher uninteressant bezeichnet. Mir erschien die Vorschau aber ziemlich spannend und so freute ich mich auf das Lesen und das tat besagte Vloggerin, die dann später abgebrochen hat, auch und mir erging es beim Lesen fast ebenso.

Das heißt, ich habe nicht abgebrochen, das tue ich ja nie, bin aber über das erste Kapitel gestolpert, weil es mir viel zu konstruiert und abgehoben geschrieben erschien.

Das wird später besser und man kommt in das Buch hinein, das in drei längere und einem kurzen Teil geschrieben ist, die alle Städtenamen tragen. Innsbruck, Moskau, Madrid, Berlin.

Man sieht, die Shortlistschriftsteller kommen viel herum und werden überall von den den Goethe- und andere Instituten eingeladen, fahren zu Kongreßen und Festivals, wohnen dort in großen Hotels und saufen und vögeln sich durch die Veranstaltungen.

Das ist für mich nicht wirklich neu, obwohl ich ja an der anderen Seite sitze. Es ist aber, wie auch einige andere auf der LL, ein sehr gelehrtes Buch.

Anspielungen aus  Literatur, Kunst und Musik fliegen herum und Kurt Prinzholrn, so heißt der Held, hat auf seinen Kongreßen auch zwei Bücher mit, wo er nicht zu lesen kommt und ich rätsle jetzt herum, welches anderes Longlistbuch es war, wo der Protagonist, da gibt es ja auffällige viele Universitätsprofessoren und Schriftsteller, zwei Bücher mithatte.

Warhscheinlich war es „Das Singen der Sirenen“, denn „Die Kieferninseln“ muß ich noch lesen. Aber da habe ich schon gehört,  kommen auch ein Forschen und Bücher vor. Soviel nur zu dem Neuheitsanspruch der „guten Bücher“ und jetzt zurück zum Plot.

Kurt Prinzhorn reist also zu einem Schriftstellerkongreß oder Festival, das ist nicht so ganz klar und wird auch, glaube ich, doppelt benannt, nach Innsbruck und wird dort gestalkt.

Das heißt, in seiner Badewanne liegen lauter schwarze Haare, das Notizbuch und die Schlüßel sind weg und niemand glaubt ihm das sorecht.

Dann reist er weiter nach Moskau, weil er dort wieder auf einen Schriftstellerkongreß erwartet wird. Dort werden kleine Zettelchen in sein Hotelzimmer geschoben. Er logiert in einem Riesenhotel am roten Platz, wo man sich mit einer Schlüsselkarte ausweisen muß, um in sein Zimmer zu gelangen. Die Prostiutierten schmieren aber die Wächter und wecken dann früh Morgens die westlichen Touristen auf und Prinzhorn macht und das ist eine sehr schöne Schilderung, die Bekanntschaft mit einem streundenden Hund, den er „“Raskolnikov“ nennt.

Für den stiehlt er die Wurst vom Frühstücksbuffet und wenn man beim Frühstücken nicht aufpasst, zieht einem die Servierin Olga, die vollen Frühstücksteller weg. Man sieht, der Lyriker hat schöne Bilder und schiebt sie in seinem Stalkerkrimi, wo der mittelalteSchriftsteller sich durch seine Lesungen vögelt und säuft, auch immer wieder ein.

Er beginnt sich auch dem Rätsel auf die Spur zu begeben, sieht in dem Hotel mehrmals eine Frau mit Kapuzenjacke auftauchen und wird von ihr, als er weiter nach Madrid zu einem Vortrag und zu seiner Freundin Elsa reist, auch nicht verschont.

Er trifft die Verfolgerin, die Julia, die zwanzig Jahre später eine Pistole auf ihren Romeo richtet, weil er sie schmählich verlassen hat, in einer dunklen Gasse. Sie schießt aber noch nicht auf ihn, denn wir haben ja gelernt, in einem Roman muß alles spannend sein. So dringt sie erst einen Tag später in das Hotelzimmer ein, als unser Kurt Prinzhorn sich schon wieder in Berlin befindet. Dort erwartet ihn dann auch die Polizei und fragt ihn nach seinem Alibi, beziehungsweise zeigt sie ihm eine Postkarte, die des Rätsels Lösung ist, das ich zwar, weil das Ganze ziemlich kompliziert aufgebaut ist, nicht so ganz verstanden habe, obwohl andere Vlogger meinten, daß sie das Ende durch seine Banalität enttäuscht hätte.

Gerhard Falkener, glaube ich, ist aber sehr gewifft und versteht es, gekonnt seine Leser zu narren und ich muß schon schreiben, obwohl ich das mit den vögelnden Schriftsteller schon hundertmal gelesen habe, daß das Buch durchaus spannend war, vorallem weil Falkner offenbar versuchte, die Krimiform hineinzubringen, was bei einem Shortlistbuch, ja, glaube ich, als ziemlich unstatthaft gilt.

Also wieder ein Spiel der Ironie und noch etwas hätte ich jetzt fast vergessen, in Innsbruck taucht auf einmal unter lauter mir unbekannten und daher für fiktiv gehaltene Schriftstellernahmen Robert Schindel auf, aber vielleicht habe ich die anderen trotz meines weiblichen Lerserinneninteressen nicht erkannt. Was weiß man schon so genau und ich wünsche Gerhard Falkner für das Gewinnen natürlich alles Gute und werde mich jetzt an die drei anderen SS machen, weil ich den Lehr, der ja wahrscheinlich auch ganz gute Chancen habe, noch nicht bekommen habe.

2017-09-21

Außer sich

Jetzt kommt Buch zwöf der LL, mein erstes Shortlist Buch, eines von den vier mir bisher unbekannten Autoren, ein Debut, denn die 1985 in der Sowetunion geborene und in Berlin lebende Sasha Marianna Salzmann, die 2009 auch den Exil -Dramatikerpreis der Wiener-Wortstätten gewonnen hat, ist bisher als Theaterautorin bekannt und leitet auch ein Studio im Maxim Gorki Theater.

Ein Buch das hochgelobt wurden und von dem ich vorher mindestens drei verschiedene Inhaltsangaben gehört habe.

Da ist die von dem Anton der aus Deutschland mit seinen Addias- Schuhen nach Moskau zurück auf Besuch zu den Großeltern kommt und von seinen ehemaligen Freunden, die sauer sind, weil sie nicht ausreisen dürfen, als „Schwuchtel“ und „Judensau“ beschimpft wird.

Dann die von Alissa die nach Istanbul reist, um dort ihren Zwillingsbruder Anton zu suchen, das deutsche Asylbewerberheim, in dem die aus Russland emigrierte Familie zuerst wohnt, kommt auch vor und dann scheint es auch ein Transgenderthema zu geben.

Ganz schön verwirrend, aber auch etwas das neugierig auf das Buch machte, mit dem ich dann, ich schreibe es am besten gleich, nicht so ganz warm geworden bin.

Es hat, da die Autorin in Hildesheim Theater, Literatur und Medien studierte, eine sehr schöne Sprache, eine „You Tuberin“, die Russisch spricht, hat lobend, die kyrillischen Worte erwähnt, die immer wieder in dem Buch vorkommen.

Das ist ungewöhnlich, der Ton ist stark und frisch, das Transgenderthema habe ich selten so brutal offen behandelt gesehen, der Gezi Park und die politischen Unruhen in Istanbul kommen vor und irgendwo habe ich auch gelesen, daß es jetzt schick ist, seine Romanhandlungen nach Istanbul zu verlegen.

Das weiß ich nicht so genau, da ich wahrscheinlich mehr ältere Männer Mainstreamliteratur als die von aufmüpfigen jungen Frauen lese, dachte aber beim Lesen und das war nicht so ganz leicht, da die Autorin chronologisch hin und herspringt, daß es erstens eigentlich keine Handlung hat, sondern eher, wie eine autobiografische Auseinandersetzung mit seiner persönlichen und der Familiengeschichte klingt und das gilt, habe ich auch gehört, ja eigentlich nicht, als große Literatur und es ist auch nicht die erste russisch jüdische Familien-Auswanderungsgeschichte, die ich gelesen habe.

So habe ich mir beim Lesen der Geschichte, es beginnt damit, daß Ali oder Alissa, lobenswerter Weise ist dem Buch am Beginn ein Personenregister angefügt, sonst hätte ich mich nicht ausgekannt, nach Istanbul reist, um ihren verschwundenen Zwillingsbruder Anton, der seiner Mutter eine Karte von dort geschrieben hat, zu suchen, nicht leicht getan.

Eigentlich beginnt es aber mit der Ausreise aus Moskau der Familie, wo Alissa, die sich Ali nennt, ein Marmeladeglas an die Brust drückt.

In Istanbul sucht, beziehungsweise findet sie ihren Bruder nicht, lebt beim Onkel ihres Exfreundes, lernt in einem Szenelokal Katho oder Katüscha kenne, eine Frau, die sich selber Testosteron spritzt. Ali macht das auch, so sprießt der Bart und sie wird immer mehr zu Anton, zu dem es auch so was, wie ein inzestiöses Verhältnis oder eine Geschwisterliebe gegeben hat und dazwischen während sie sich zum Mann verwandelt, interessant, es wird dann auch die männliche Erzählform gewählt, wie ich es dann ja auch in „Paul und Paula“ machte, geht sie die Familiegeschichte durch.

Da gibt es Valentina und Konstantin, die Eltern, die Mutter ist Ärztin, der Vater Techniker, hat sich zu Tode gesoffen, beziehungsweise ist er vom Balkon gestürzt, was Anton, der auch eine Stimme hat, „peinlich“ nennt.

Emma und Daniil sind die Großeltern, der Großvater ist mit nach Deutschland gekommen und spricht immer davon, die Großmutter nachzuholen. Schura und Etja, die Urgroßeltern, alle oder die meisten jüdischer Abstammung, die meisten auch Ärzte, die Unterdrückung, der Krieg und die Gewalt wird auch erzählt, während sich im Gezi Park die Unruhen abspielen.

Anton, den Alissa nie findet und vielleicht auch nicht wirklich sucht, sie wird ja währenddessen selbst zu ihm, lebt eigentlich dicht an ihrer Seite, hat die gleichen Istanbuler Bekannten und sie begegnen auch einander, aber erkennen oder treffen sich nicht.

Später bin ich mit dem Buch, nachdem ich schon geschrieben habe, daß ich den Hype, um es herum, nicht verstehe und auch nicht ganz, warum es auf die Shortlist gekommen ist und es eigentlich das ist, das mir bis jetzt von den LLs am wenigsten gefällt, wärmer geworden. Die Shortlistplazierung verstehe ich noch immer nicht, sie ist mir aber eigentlich egal, weil ich  ohnehin gegen jede Platzierung bin und denke, daß das ja nicht geht und immer irgendwie, falsch und ungerecht sein wird.

Aber „Das Jahr der Frauen“ und „Das Singen der Sirenen“, Bücher von vielleicht auch noch nicht so bekannten Autoren, die ungewöhnlich, kompliziert und verwirrend geschrieben sind, die auch nicht auf die Shortlist gekommen sind, was ich auch gar nicht annahm, haben mir wahrscheinlich besser gefallen. Aber das ist natürlich nur mein subjektiver Eindruck und ich wünsche Sasha Marianna Salzmann für den Buchpreis alles Gute.

2017-09-18

Peter Holtz

Jetzt kommt Buch elf der LL 2017, eines das nicht auf der Shortlist steht, obwohl ich mir auf Grund des Namens des Autors, des1962 in Dresden geborenen Ingo Schulze, der glaube ich 2009 mit „Adam und Evelyn“ darauf stand, das dachte und mir beim ersten Drittel des fünfhundertsiebzig Seiten dicken Schelmenromans dachte, daß ich es mit Zaimoglu und Regener auf meine tun würde.

Inzwischen bin ich mir nicht mehr so sicher. Einen Rekord hat das Buch auf jeden Fall. Es ist das zweit oder dritt dickste der LL.

Da gibt es ein You Tube-Video, das die Bücher der Dicke nach präsentiert. Das Dickste ist der Lehr, dann kommt Franzobel und danach Ingo Schulze. In fünf Badewannensessons und an einem Wochenende habe ich das Lesen geschafft. Es liest sich leicht, ist aber insgesamt, glaube ich, etwas zu lang und, wie ich bei „Amazon“ und den Blogs entnehme, gefällt das Buch nicht allen, einige fühlen sich verarscht dabei und sagen so wars in der DDR nie.

Ach richtig, es ist auch ein DDR-Roman, das mögen die Blogger ja auch nicht so sehr, der wievielte wahrscheinlich, soviel Jahre nach der Wende. Aber ich lese DDR-Romane sehr gerne und eigentlich, wenn auch nicht alles neu ist, was in dem Buch steht, ist Ingo Schulze damit schon ein Schelmenstreich gelungen.

Das Buch ist in zehn Büchern aufgesplittet, die alle so zehn oder mehr Kapitel haben und als Überschrift wird in jedem auch genau erzählt, wie es dem Peter in dem Kapitel geht. Das stammt, glaube ich, von E. T. A  Hoffmann und Ingo Schulze von dem ich ja schon einiges gelesen habe und ihn auch, langs lang ists her einmal in der alten „Alten Schmiede“ hörte, tut das so bei seinen Büchern und der Anfang ist, glaube ich, wenn schon nicht genial gewählt so doch sehr eindrucksvoll.

Da ist der zwölfjährige Peter aus dem Waisenhaus, in dem er lebt, ausgerissen, um den Heimleiter Paul Löschau, der jetzt ein Heim in der Ostsee leiten soll, zu suchen und ihm heimzubringen, denn mit dem neuen Heimleiter geht es bergab, da wird der Sozialismus nicht genügend hochgehalten.

Wir sind mitten in den Siebzigerjahre und Peter verzehrt ein Eisbein mit Sauerkraut und Brause in einer Gaststätte, hat kein Geld und erklärt dann dem Personal, das der Staat für alle und sowieso für seine Kinder zu sorgen hat. Die Logik ist einleuchtend, ob das Kinderheim oder die Gaststätte ist eigentlich egal und der Peter kommt damit auch durch, findet an der Ostsee den Heimleiter aber nicht. Er macht Rast in einem Bungalow, wo das Paar, das dort lebt, so begeistert von ihm ist, das es ihm gleich adoptiert.

Jetzt geht es rassant aufwärts mit Peters sozialistischer Karriere, er vernadert gutmeinend andere, will Berufssoldat werden, gerät aber in die junge Gemeinde, wird irrtümlich oder weil sich der Sozialismus mit dem Christentum ja gut verträgt, Christ, also ists aus mit der Karriere. Die Stasi verhört ihn, macht ihn zum Informanten und fühlt sich von ihm verarscht.

Mit der Armee ist es auch aus, so wird er Bausoldat und später Maurer und bekommt von der Besitzerin des Hauses, der Frau Schöntag dieses, als er achtzehn oder so ist mit einem Trabi geschenkt, damit er sich besser, um die Verwaltung kümmern kann. Ja, es ist auch eine Hans im Glück-Geschichte „Peter Holtz-sein glückliches Leben von ihm selbst erzählt“, steht am Cover.

Peter tritt dann, weil ihm die SED nicht mehr will, in die CDU ein und als das Jahr 1989 und die Wende kommt, engagiert er sich in Reden für die CDU und für den Sozialismus, er hat inzwischen einige Häuser übertragen bekommen und nach der Wende ist er plötzlich reich.

Wird zum Kapitalisten ohne es zu wollen, alles fliegt ihm zu, er will seine Häuser, es gehört ihm inzwischen auch ein Bordell, verschenken, aber irgendwie gelingt ihm das nicht umd am Ende steht unser Peter da, verkauft alles, stiegt zuerst in die Kunst ein und steht schließlich auf der Straße um seine Tausend-Mark-Scheine zu verbrennen, weil nur das der Sinn des Lebens ist und landet schließlich in der Psychiatrie und ist dort auch noch glücklich.

Ein wahrer Schelmenstreich könnte man so sagen und denkt mituntert mehrfach, das ist ja alles wahr.Einige Sachen sind in dem Buch trotzdem unlogisch, beziehungsweise habe ich sie nicht verstanden. So beginnt es ziemlich am Anfang mit Peters Lese-Rechtschreibschwäche, die aber später nicht mehr vorkommt und zum vierzehnten Geburtstag oder so läßt er sich von seinen Adoptiveltern einen Föhn schenken und föhnt sich später mehrmals die trockenen <haare, warum und wieso ist mir nicht ganz klar geworden. Ist das ein Phallus-Symbol? Die einzelnen Kapitel erscheinen oft auch in sich abgerundet, haben dann aber manchmal keine Übergan zum nächsten. So als ob sie für sich geschrieben worden wäre.

Dem Autor, würde ich meinen, hat das Schreiben großen Spaß gemacht.Beim Lesen denkt man manchmal, das weiß ich doch schon alles oder habe es schon gelesen. Diese Abrechnung mit der DDR und dem Kapitalismus ist aber recht vergnüglich, obwohl unterm Strich gesagt, so einfach ist es wohl nicht und deshalb haben manche Leser das Buch vielleicht auch so schlecht bewertet oder fühlen sich verarscht.

2017-09-16

Nach Onkalo

Jetzt kommt Buch zehn der LL und eines das Malte Bremer vom „Literaturcafe“ gut gefallen hat, er hätte es auf die Shortlist gesetzt. Dorthin ist es nicht gekommen, es ist aber wirklich ein beeindruckendes Buch, denn es erzählt einmal nicht von der Milifekrise des intellektuellen Mannes, sondern von den kleinen Leuten, die irgendwo dort wohnen, wo man eigentlich wegzeht, wenn man es kann, dort wo die Füchse gute Nacht sagen und die Mütter vielleicht immer noch ihre vierzigjährigen Söhne mit dem Besenstil an der Decke wecken und ihnen das Frühstück richten.

Das hat einer You-Tuberin, die sich durch sie Longlistproben las, nicht gefallen und hat von Sklaverei gesprochen. ich denke es ist aber nur die ganz gewöhnliche Beziehung zwischen einer Mutter und dem noch bei ihr wohnenen erwachsenen Sohn, der keine Familie hat.

Da kenne ich einige davon und es ist, glaube ich, auch nicht die Geschichte einer Depression, sonder ein  depressives oder depressiv machen könnendes Buch, das die 1981 in Mecklenburg geborene Kerstin Peiwuß, die am  „Literaturinstitut in leipzig“ studierte und beim „Bachmann-Preis“ las, da geschrieben hat.

Ich habe es übriges für alle die es wissen wollen, doch in Buchform gelesen, obwohl es das einzige Buch  war, was ich bei „Netgalley“ öffnen konnte und es beginnt sehr eindrucksvoll.

„Mutter ist weg. Stimmt nicht, sie liegt noch im Bett, aber Matuschek kann nichts anders mehr denken.“

Das ist, denke ich, wirklich sehr eindrucksvoll beschrieben, das was wir alle vielleicht einmal erleben werden oder schon erlebt haben und das uns dann ratlos macht.

Bei Matuschek, dem wortkargen Wetterbeobachter am Flughafen, gibt es soetwas noch, ist das so und er rennt erst einmal durchs Haus, dann zu seinem Nachbar Igor, der mitkommt, Kaffee macht, die Ärztin ruft und den „Towarischtsch“ dann in sein Haus nimmt um ihm Wodka zu kredenzen.

Er verschafft ihm auch eine Frau, nämlich die Cousine seiner Frau, Irinia und es ist auch nicht so, daß Matuschek noch keine Erfahrungen hat. Die Mutter hat sehr oft wegen der hohen Telefonrechung an Sexhotlines geschimpft, nur ins Haus durfte ihr offenbar keine kommen und mit Irina, der ebenfalls wortklargen Russin klappt es auch nicht so ganz, denn die hat schon einen Sohn und verheimlicht ihm das.

Matuschek hat noch ein Hobby, nämlich das Taubenzüchten und außer Igor noch den alten Witt mit seinen Weltuntergangsphantasien als Freund.

Er verliert dann seine Arbeit und Igor mit dem er öfter angeln war, ertrinkt. Der hinterläßt ihm sein Boot, Galina zieht aus. Ein anderer Nachbar, ein rauer Kerl namens Lewandowski, der alle übern Tisch ziehen will, zieht ein und es macht vorerst den Eindruck, als würde es mit Matuschek bergab gehen. Er macht seine Post nicht auf, Staub liegt überall, auch die Tauben verkommen und er liegt schließlich nur besoffen in dem Boot, so daß ihn der Nachbar retten muß, der das mit rauhen Ton auch tut, dafür aber das Boot haben will.

Es kommt dann zu einer Kehrtwende, Matuschek nimmt sich zusammen, geht einkaufen, beobachtet dort, auch eine berührende Szene, eine alte Frau, die stundenlang vor einer Ampel steht und wartet und die er dann ins Pflegeheim zurückbringt.

Der alte Witt hat sich in seinen strahlensicheren Kellner eingebunkert und dort gestorben, so daß Matuschek seinem rauen Nachbarn, der von Inport und Export lebt, sprich, alles verkauft, anbietet auch sein Haus zu verkaufen und mit seinen und mit Witts Tauben in einen Wohnwagen zieht und dort offenbar in einem aufgelassenen Kernkraftwerk neue Arbeit und Freunde findet.

Für eine gewöhnliche Depression passiert hier eindeutig zu viel, das ist schon der Einfluß des Literaturinstituts zu merken und Mariki Fallwickl eine der heurigen offizielen Buchpreisblogger schreibt bei ihrem Buchpreischeck auch, das es kein Buch für jeden wäre.

Ja und nein, würde ich da antworten, eigentlich schon, weil wir ja alle einmal sterben und unser Leben meistern müßen, aber es kann in seiner Tristesse einen oder eine auch ganz schön hinunterziehen. Es ist aber sicher ein sehr literarisches Buch und eines das in schöner Sprache vom Leben der kleinen Leute, die es nicht so einfach haben in diesem Leben und dieser Welt und das mir deshalb ebenfalls sehr gut gefallen hat.

2017-09-15

Das Singen der Sirenen

Weiter geht des mit dem dBp und da mit dem achten Buch und, wie ich irrtümlich glaubte, mit dem zweiten mir bis dato unbekannten Autor.

Dabei habe ich den 1958 geborenen Michael Wildenhain wahrscheinlich 2015 in Leipzig gesehen, denn da wurde „Das Leben der Alligatoren“ für den „Preis der Leipziger Messe“ nominiert und das Lesen des bei „Klett-Cotta“ erschienenen Romans „Das Singen der Sirenen“ war anfänglich, glaube ich, genauso schwierig, wie „Das Jahr der Frauen“ und das Buch hat,  genauso einen ungewöhnlich frischen Ton und es erzählt viel, wahrscheinlich wieder einmal viel mehr, als man erfassen kann und daher war es zumindest am Beginn sehr kompliziert. Später wird es einfacher und entpuppt sich wahrscheinlich sogar als ein „ganz gewöhnlicher Liebes- oder Lebensroman“.

Also, da geht es um einen Frankenstein-Forscher namens Jörg Krippen und der fährt nach London weil er dort auf  einer Uni ein Schreibseminar halten, beziehungsweise über den berühmten Roman der Mary Shelley schreiben will.

Er kommt an und das ist schon kompliziert, weil man vorher schon auf ein paar anders gedruckten Seiten in den Text hineingeworfen wurde.

Er wird, weil er verwirrt ist und sich nicht recht auskennt, wo er jetzt hinsoll von einer Inderin angesprochen, die zu ihm sagt „You look so lost“

Die kommt dann in sein Schreibseminar, wo man einen Text schreiben soll, „in dem ein künstlich erschaffenes Wesen… eine tragende Rolle spielt.“

Sie heißt Mae und forscht im Bereich der Stammzellenforschung und der Klappentext verspricht etwas von den „Fragen nach dem Verhältnis von Geistes- und Naturwissenschaften.“

Das klingt sehr interessant und das hat mich auf das Buch auch neugierig gemacht, umsomehr, da es bei „Katie“ und bei „Ikarien“ um ähnliche Inhalte geht.

Michael Wildenhain hält aber nicht, was er verspricht, könnte man so sagen oder aber auch, er erzählt sehr viel mehr und wenn man so in seinem Lebenslauf nachschaut, ist wahrscheinlich wieder einiges Autobiografisches dabei.

Jörg Krippen  älter als die junge Mae, war nämlich bevor er Wissenschaftler wurde, Dramatiker und hat da einige Theaterstücke geschrieben, dann aber damit aufgehört und Mae hat ihn auch nicht zufällig angesprochen, sondern ihn erwartet, sie war nämlich vor Jahren in Berlin und hat ihn da beobachtet.

Das Ganze wird in abwechselnden Kapiteln erzählt, die in London oder Deutschland spielen und von seiner Familie ist auch sehr viel die Rede. Seine Frau Sabrina, eine Supermarktkassierin ist nämlich  mit ihm sehr unzufrieden. Er hat auch einen fünzehnjährigen Sohn. So etwas hatten wir schon bei „Kraft“ und sie wirft ihm auch vor ihn zu betrügen.

Jörg Krippen fliegt dann, was mir nicht so ganz klar wurde, bald auch aus dem Seminar heraus, muß aus seiner Uniunterkunft ausziehen und zieht zu seinem Kollegen Simon, der, was heutzutage wahrscheinlich auch ein wenig ungewöhnlich ist, sich weigert ihn zu duzen und er hat dann eine Begegnung mit einem elfjährigen indischen Buben einen Schach- und Rugbyspieler. Eine andere Inderin führt ihn zu ihm oder ist es umgekehrt und es stellt sich heraus, daß er sein Sohn sein soll.

Das ist dann zwar nicht ganz sicher, ein Vaterschafttest scheint es zu widerlegen und es beginnt auch ein leidenschaftliches Liebesverhältnis zwischen Mae und jörg, die die jüngere Schwester der anderen Inderin ist.

Dazwischen wird auch von der Vergangenheit Jörg Krippen erzählt. Er war wie sein Autor politisch aktiv und er versöhnt sich trotz der großen Liebe am Ende wieder mit seiner Frau und kehrt, obwohl er inzwischen mit Mae auch in Amerika war, zu seiner Familie nach Berlin zurück.

Wo bleibt da der Frankenstein und der Konflikt zwischen der Natur und der Geisteswissenschaft könnte man so fragen, denn eigentlich geht es ja um die anarchistische Vergangenheit des Protagonisten und um die politischen Verwirrungen auf dieser Welt.

Ich fand das Buch  trotzdem literarisch spannend, werde mir den Autor sicher merken und es war auch sehr interessant es in Vergleich zu den anderen Buchpreisbüchern zu setzen.

Einen kritischen Nachsatz muß ich auch noch anfügen. Das Buch hat mein zweimaliges Badewannenlesen nur sehr schlecht ausgehalten.

2017-09-14

Wiener Strasse

Nun gehts nach Berlin und nicht ,wie der Titel glauben machen könnte nach Wien oder wenigstens St. Pölten und zu dem neunten Buch der dBp LL und einem das, was ich nicht nur aus Lokalpatriotismus sehr schade finde, nicht auf die Shortlist gekommen wäre, denn das wäre, glaube ich, zumindestens für Berlin der Verkaufshit, den sich die Buchhändler immer für den Buchpreis wünschen und beklagen, daß da soviel „Kunstscheiß“ daraufsteht, aber das ist schon die Sprache von Kerstin, der reschen feschen Schwester von Erwin, dem Besitzer des Cafe Einfall und steht in der Wiener Straße in Berlin und wir gehen, was ich auch sehr sympathisch finde, weil es Erinnerungen an die „Jugend“ weckt, in die Achtzigerjahre des vorigen Jahrhunderts zurück und den Erwin und den Frank kennen wir schon vom „Herrn Lehmann“, denn der heißt ja Frank mit Vornamen und will nicht Frankie genannt werden und das Buch könnte man so sagen ist ein einziger Klamauk, aber auch eine Satrie auf den Kustbestrieb und es ist, was ebenfalls sympathisch findet, sehr einfach, kein „Kunstscheiß“ eben, geschrieben und reißt eine trotzdem mit.

Es beginnt in einem Baumarkt, denn dahin gehen die wackeren Kunden des Cafes, die eigentlich Künstler sind, um, was man erst später mitbekommt für eine Vernissage im Kunsthaus Werkzeug zu besorgen, während ins Cafe Einfall dauernd Leute kommen, die einen Job wollen.

Erwin Kächle ärgert sich mit seiner Nichte Chrissie und heuert dann Frank Lehmann zum Putzen an, was der mit großer Hingabe versieht. Chrissie wird dann als Kellnerin angestellt und soll am Morgen schon aufsperen und Kaffee ausschenken, denn es gibt ja eine alte, zwar unbrauchbare Kaffeemaschine in dem  Cafe. Sie soll auch Kuchen backen, der erste brennt an. Dann wird gleich ein Kunstwerk mit deutscher Fahne daraus gemacht und je für zwei Mark am Stück an Japaner verkauft, worauf sich die Diskussion entspinnt, ob sowas überhaupt geht und man den Verkäufer auf Schadenersatz klagen kann?

Sowas hatte, glaube ich, schon Beuys mit einer Putzfrau, die seine Kunst ahnungslos in den Mülleimer schmiß und richtig, österreichische Aktionskünstler, als Anklang wohl auf die Wiener Straße, gibt es auch und da eine urige Slapstickszene auf dem Dach.

Köstlich, köstlich und die Behauptung, daß es in Berlin keinen Tafelspitz zu kaufen gäbe. Ich weiß nicht, ob das stimmt, habe aber durch einen österreichischen Film erfahren, daß man das sogar in New York kann. Es geht aber gleich weiter, denn Kerstin, Chrissies Mutter und Erwins Schwester macht sich Sorgen, um die Tochter im geteilten Berlin und fährt deshalb, was man ja damals mußte transit durch die DDR, was natürlich auch zu Schwierigkeiten führt.

Indes wird im Cafe Einfall Apfelkuchen gebacken und Kakao ausgeschenkt. Die Vernissage wird vorbereitet, dafür ein Baum geklaut, was den Kontaktpolizisten, der sich, um seinen Bezirk kümmer soll, auf den Plan bringt. Frank Lehmann wird zum Weinausschank im Kunsthaus angeheuert und Erwin geht indessen mit seiner Freundin Helga, die schwanger ist, zum Geburtsvorbereitungskurs und rennt einen Tag lang mit einem Schwangerschaftsbauch herum, um auch mitzubekommen, was die armen Frauen so durchmachen müßen.

Köstlich, köstlich, die Satire, würde ich wieder sagen und am Schluß gibt es noch einen Knalleffekt im Kunsthaus, der damit endet, daß Erwin mit verrutschten Bauch und seinen Kellner Karl im Straßengraben sitzt. Der öffnet sein Kunstobjekt, nimmt eine Flasche Bier heraus und antwortet auf Erwins Frage „Und das soll Kunst sein?“, genüßlich „Jetzt nicht mehr!“

Das Buch ist es, würde ich sagen und auf jeden Fall sehr unterhaltsam, obwohl ich das ja an sich gar nicht so sehr mag und schadem schade, liebe Leute von der Jury, daß es nicht auf die Shortlist gekommen ist.

„Aber ihr habt ja nur Augen für das schwer Verständliche und Experimentelle!“, würden jetzt wohl die Buchhändler sagen.

Dem Buch ist noch ein Lesezeichen beiglegt, wo man Sven Regeners Lesetourneetermine ablesen kann. Er kommt für alle Interessten am sechzehnten und siebzehnten November in den Rabenhof.

Da muß man  sicher Eintritt zahlen. Aber das muß man in Deutschland auch und Erwin hat den Kaffee und den Kuchen im Cafe Einfall ja auch pro Portion um zwei Mark verkauft.

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