Literaturgefluester

2018-08-25

Unter der Drachenwand

Jetzt kommt das erste Buch von der heurigen dBp-langen Liste, eigentlich eim Abverkaufbuch, daß ich in Bern im Keller des „Weltbild-Ladens“ um fünf Franken fand, denn es ist ja schon im Frühling erschienen und ich habe daraus schon im April bei der „Literatur und Wein“ in Göttweig und im Juli bei den O-Tönen gehört.

Der 1968 in Vorarlberg geborene Arno Geiger und dBp Buchpreisträger von 2005 ist mir auch nicht unbekannt, habe ich ihm doch schon, als er das noch war, 1996 in Klagenfurt lesen hören und habe auch zwei seiner Bücher, nämlich „Alles über Sally“ und „Es geht uns gut“ gelesen, die mir eigentlich eher etwas zu ausschweifend waren.

Bei „Unter der Drachenwand“ ein Buch das, das Jahr 1944 und die letzten Kriegstage schildert, war das anders, da erschien mir das bei den zwei Lesungen sehr dicht und es ist ja auch sehr interessant, daß in der letzten Zeit einige Bücher erschienen sind, die das letzte Kriegsjahr schildern.

Arno Geiger hat bei der Lesung im Museumsquartier Daniela Strigl erzählt, daß er sehr lange und sehr gründlich über den Krieg recherchiert hat und die Nachbemerkung macht auch den Eindruck, als ob es die darin beschriebenen Personen wirklich gegeben hätte.

Es geht um Veit Kolbe, der sozusagen von der Matura nicht auf die Uni sondern auf die Front nach Russland kommt, dort verwundet wird und Ende 1943 oder ist es schon 1944 auf Heimaturlaub geschickt wird.

Er fährt nach Wien zu seinen Eltern, die in der Possingergasse wohnen, es gibt einige Schwester, eine namens Hilde, die immer wieder erwähnt wird, ist schon an Tuberkolose gestorben. Der Vater ist ein vom Krieg und seinen Sinn überzeugter. So hält es der junge Mann bei den Eltern nicht lange aus und zieht sich  an den Mondsee unter die Drachenwand zurück, wo sein Onkel Kommandant der Polizeistation ist.

Der ist ein starker Raucher und verschafft ihm bei einer eher unangemeehmen Dame und ebenfalls überzeugte Parteigenossin, im Buch die „Quartiersfrau“ geannt, ein Zimmer. Dort ist es kalt, die Matratze ist schlecht und anfangs friert Veit Kolbe entsetzlich.

Nebenan wohnt die „Darmstätterin“, eine junge Frau mit einem kleinen Kind. Mit ihr freundet Veit sich an und erlebt im Krieg und das war Gegenstand der Diskussion im MQ, seine erste große Liebe.

Es gibt in dem Ort, der Schwarzindien heißt, aber auch ein Heim mit aus Wien ausquartierten Mädchen, die von ihrer Lehrerin betreut werden.

Eine ist die frühreife Nanni Schaller, die an der Drachenwand verunglückt und erst Monate später schon als halbes Skelett gefunden wird. Es gibt auch den „Brasilianer“, das ist der Bruder der Quartiersfrau, der hält aufmüpfige Reden gegen den „F“. oder den „H“. und kommt daher ins Gefängnis. Und Veit versucht sich um den Krieg, der ihm immer sinnloser erscheint, herunmzudrücken.

Er hat auch Angstzustände und Panikattacken. Nervöse Anfälle hat das, glaube ich, damals geheißen. Das Wort Traumatisierung war wohl noch unbekannt und wurde erst von Paulus Hochgatter für seine Heldin aufgegriffen.

Veit muß regelmäßig nach Wien zur Kontrolle fahren und versucht sch solange, wie möglich für untauglich zu erklären. Dafür fälscht er auch Dokumente und erschießt auch seinen Onkel, als der den Brasilaner, ein zweites Mal verhaften will.

Was aber nichts nützt. Obwohl der Krieg zu Ende scheint und schon die Russen anrücken, muß er Ende des Jahres doch noch einrücken und wahrscheinlich als Kontrast hat Arno Geiger noch einen Juden der mit seiner Frau und einem seiner kinder nach Budapest flüchtet, eingeführt.

Das sind auch die Stellen, die er sowohl in Göttweig, als auch im MQ gelesen hat und etwas verwirrend fand ich beim Lesen, daß alle Nebenstränge in der Ich-Perspektive geschrieben wurden. Einige der Personen, wie beispielsweise die Mutter der Darmstätterin Margot, als auch die der Mutter der Nanni Schaller oder ihres Freundes Kurt in Briefform geschrieben sind, so daß ich mich nicht recht auskannte.

Ansonsten ein sehr genau und sorgfältig recherchiertes Buch, in dem der 1961 Geborene wohl versuchte, das Jahr 1944 lebendig zu machen und seinen Lesern vor Augen zu führen. Die jungen Leute, die über den dBp bloggen, finden das, habe ich schon gelesen, manchmal zu aufgesetzt.

Und ich, die ich ja 1953 geboren wurde und eine um elf Jahre ältere Schwester hatte, kann mich an manches noch aus den Erzählungen und Fotoalben meiner Eltern erinnern.

Besser als „Alles über Sally“ und „Es geht uns gut“ habe ich das Buch empfunden, da mich ja das Thema interessiert. Aber manchmal habe ich auch  gedacht, das habe ich doch schon hundertmal gelesen, ob es wirklich so war und, ob die jungen traumatisierten Soldaten damals so aufmüpfig dachten, wie Arno Geiger es seinem Veit in den Mund legt?

2018-08-20

Die deutsche Longlist, etwas verspätet

Filed under: Buchpreisbloggen — jancak @ 01:20
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Für die, die sich vielleicht schon gewundert haben, warum ich diesmal nichts über die deutsche Longlist schreibe, obwohl ich doch so eifrig Buchpreis blogge und auch jetzt schon die Verlage angeschrieben habe, obwohl ich heuer ja eine Neuerscheinungsleserin bin, in meinen Badezimmerstapel in Wien an die zehn Herbstbücher warten von dem nur ein einziges auf der LL steht und wahrscheinlich während ich auf Urlaub war, noch eiige andere im Briefkasten oder im Postamt auf mich warten, ich war im Urlaub, in der Schweiz, während die für den deutschen Buchpreis nominierten, bekanntgegeben wurden und habe mich da zwar auch für die Liste interessiert, da ich aber auf einem Campingurlaub keinen Laptop mitgenommen habe, blogge ich erst jetzt darüber.

Erfahren habe ich die neue deutsche Longlist diesmal auch erst ein wenig später, weil der Alfred sich erst in Bern einloggen mußte und dann war ich enttäuscht, daß die Liste wieder einmal so ganz anders, als erwartet war, denn ich habe heuer ja, glaube ich, schon an die sechzig Neuerscheinungsbücher gelesen und hätte da eigentlich Heinrich Steinfest erwartet, Bernhard Schlick, Milena Michiko Flasar, Andre Kubitschek, Julia Schoch, Margit Schreiner, Helmut Krauser, Gunnar Kaiser, Wlada Kolosowa, Bücher, die mir sehr gefallen haben und eigentlich auch Norbert Gstrein, Robert Seethaler und dann habe ich wieder sehr viele von den Büchern, die auf der Lste standen nicht gekannt, von einigen schon etwas gehört, zwei habe ich bestellt und finde sie vielleicht schon vor, wenn ich demnächst nach Wien kommen werde und eines liegt schon über ein Monat in meinem Badezimmer, das Lesen ist sich aber urlaubsbedingt nicht ganz ausgegangen und ein anderes habe ich auf der Rückfahrt von der Schweiz schon zu lesen angefangen, damit ich ich trotz Urlaub nicht ganz in Verzug komme, aber davon sopäter.

Da ist sie also die Longlist 2018, die diesmal sogar von einem Blogger mitausgesucht wurde und wahrscheinlich, sofern die Bücher zu mir kommen, noch einige Überraschungen für mich enthalten werden:

  1. Carmen  Francesca Banciu „Lebt wohl ihr Genoßen und Geliebten“, noch nie etwas, glaube ich, von dem Buch, sowie von der Autorin gehört.
  2. Maria Cedilia Barbetta „Nachtleuchten“, ebenfalls.
  3. Maxim biller „Sechs Koffer“, hier ist es anders, den Autor kenne ich von seinen, meiner Meinung nach nicht sehr qualifizierten Äußerungen im literarischen Quartett, einen Erzählband habe ich auf der Leseliste, die „Sechs <koffer“ könnten schon in der Krongasse oder auf dem Postamt auf mich warten und ich bin auf das Lesen sehr gespannt
  4. Susanne Fritz „Wie kommt der Krieg ins Kind“, das Buch habe ich glaube ich schon einmal auf einem Blog gesehen.
  5. Arno Geiger „Unter der Drachenwand“, das ist eines der Bücher, wo ich die Nominierung erwartet hätte, weil bei den O-Tönen vorgestellt und dann gehe ich am Mittwoch einen Tag nach der Verkündung, in Bern in die „Weltbild-Buchhandlung“ in den Kellner mit den Abverkäufen, sehe es hat einen roten Punkt, kostet also nur fünf Euro, und weil „Hanser“ ja nicht immer Bücher für  Blogger hat, habe ich es schon zu lesen angefangen.
  6. Nino Haratischwilli „Die Katze und der General“ auch eines der Bücher, das ich bekommen sollte und von dem ersten Bestseller der Autorin habe ich natürlich gehört und sie hat auch schon in Göttweig gelesen.
  7. Franziska Hauser „Die Gewitterschwimmerin“, noch nie etwas gehört
  8. Helene Hegemann „Bunglow“, da gab es ja den „Plagiatsskandal“  wegen „Axolotl Roadkill“, das ich gelesen habe und von dem nominierten Buch habe ich, glaube ich,, noch nicht viel gehört.
  9. Anja Kampmann „Wie hoch die Wasser steigen“ ist schon länger erschienen, zumindest hat mir Bozena Anna Badura sehr davon vorgeschwärmt, als ich sie im März in Essen besuchte.
  10. Andrea Klüssendorf „Jahre später“, davon habe ich schon gehört und das Buch auch bestellt, mal sehen ob es jetzt zu mir kommt?
  11. Gert Loschütz „Ein schönes Paar“ mir auch ziemlich unbekannt.
  12. Inger Maria Mahlke „Archipel“, da hat die Autorin, glaube ich, 2012 beim „Bachmannpreis“ gelesen, 2015 stand sie schon Mal auf der LL,  das Buch liegt schon länger in meinem Badezimmer. Der Ingrid K. habe ich es, als wir sie vor kurzem besuchten, auch geschenkt.
  13. Gianna Molinari „Hier ist noch alles möglich“, hat, glaube ich, auch beim „Bachmannpreis“ gelesen und das Buch wurde, glaube ich, von den Bloggern auch auf die LL gewünscht und ich habe es, sowohl in Bern, als auch in Zürich in einigen Buchhandlungen liegen sehen, ist sie ja eine Schweizer Autorin.
  14. Adolf Muschg „Heimkehr nach Fukushima“, der Autor ist mir dem Namen nach bekannt, ich habe ihn glaube ich auch schon auf der „Buch-Wien“ lesen gehört und das Buch, da der Autor auch ein Schweizer ist auch in den Schweizer Buchhandlungen gesehen.
  15. Eckhart Nickel „Hysteria“, hat auch 2017 beim Bachmannpreis gelesen.
  16. Josef Oberhollenzer „Sülzrather“ den Namen des Autors habe ich, glaube ich, schon einmal gehört, sonst weiß ich über ihn und das Buch aber nicht sehr viel.
  17. Susanne Röckel „Der Vogelgott“, wurde, glaube ich, von Cornelius Hell bei der letzten Leseauslese in der „Gesellschaft für Literatur“ sehr empfohlen.
  18. Mathias Senkel „Dunkle Zahlen“ auch sehr unbekann.t
  19. Stephan Thome „Gott der Barbaren“, der Autor stand glaube ich schon auf den deutschen Listen und ich habe, glaube ich, ebenfalls ein paar ungelesene Bücher von ihm.
  20. Christina Viragh „Eine dieser Nächte“, ebenfalls nicht sehr bekannt.

Sehr viele Frauen, sehr viele kleinere unbekannte Verlage und wenig Österreicher könnte man auf dem ersten Blick so sagen. Nach dem Arno Geiger, werde ich wahrscheinlich die Mahlke und auch heuer wieder drei oder viergleisig lesen und kann wieder nur darauf hinweisen, es gibt sehr viele Bücher und auch wenn ich heuer soviele Neuerscheinungen, als nie zuvor gelesen habe, bürgt die Longlist für Überraschungen, da kann man nichts dagegen machen und es ist ja auch egal.

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