Literaturgefluester

2021-11-20

Mein Lieblingstier heisst Winter

Filed under: Bücher,Buchpreisbloggen — jancak @ 00:01
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Hurrah, hurrah, das deutsche Buchpreislesen ist jetzt abgeschlossen, bei der Öst bin ich bei Buch sieben, Ferdinand Schmalz „Mein Lieblingstier heißt Winter,“ dem 1985 in Graz geborenen Dramatiker, den ich im „Musa“ kennengelernt habe und der 2017 mit einem Kapitel daraus den „Bachmann-Preis“ gewonnen hat.

Bei den O-Tönen hat er mit Klaus Kastberger das Buch vorgestellt und hat da in vierzig Minuten tour wahrscheinlich, wie am Klappentext steht „Eine abgründige tour quer durch die österreichische Gesellschaft“ gemacht.

Hinter dem Absperrgitter stehend und von den vorbeiflanierenden Passanten abgelenkt,habe ich davon nicht viel mitbekommen, wohl aber die melidiös klingende Kunstsprache Wie ausgestorben liegt der da der Ot“, a la Nestroy, Bernhard.

Der allseitig erwähnte Horvath ist mir nicht so aufgefallen und, daß es da um einen Tiefkühlverkäufer nahmens Schlicht steht. Ja, Frau Heidegger, falls Sie mich noch lesen sollten, Ferdinand Schmalz hält es auch mit den sprechenden Namen. So hat der Vertreter der dem Herrn Dr. Schauer jede Woche ein Rehragout bringt, offenbar ein einfaches Gemüt und der Herr Dr. Schauer hat Krebs und einen makrabren Einfall.

Ja der Tod ist ein Wiener und ein makabres Geschäft oder doch nicht so ganz, tanzen doch die Leichen munter am Zentralfriedhof, wie das Klischee verlautet und der der jüngere Steirer, der, glaube ich, in Wien lebt und meistens einen Hut trägt, scheint davon auch einiges mitbekommen zu haben und den Parcour durch die österreichische oder wahrscheinlich auch internationalen Korruption skurril ausgestattet zu haben.

So will sich der Krebskranke in der Tiefkühltruhe einfrieren lassen und der Schlicht, wie es heißt, soll seine Leiche versorgen.

„Er der Schlicht, sieht sich in seinem Innersten, in seiner tiefsten Prägung, als, wie man so sagt, wüsten Chrarakter.“

Aber als der kommt, um sie abzuholen ist sie nicht da. Nur das aufgetaute Rehragout liegt herum und die Tochter Astrid, eine Zahntechnikerin taucht auf und beauftragt den Schlicht nach Papas Leiche zu suchen.

Einen Dinosaurier Park gibt es auch und eine Reinigunsfirmainhaberin namens Sabine Teufel. Die hat den Herrn Ministerialrat Kerniger, ihren Klienten, erpresst, weil er Naziweihnachtsschmuck sammelt, was wohl nicht wirklich verboten ist.

Dann gibt es noch einen, der sich in sein Haus einmauern läßt. Ja, der Tod muß ein Wiener sein und Wien hat einen morbiden Ruf, so landet der Schlicht auf seiner Leichensuche auch einmal im Spital, wo ihm ein Säugling in den Arm gelegt wird und das zweite Ml wird er Gegenstand eines „Lebendbegräbnis“, liegt dann scheintot in der Pathologie. Kann dem Tod noch einmal von der Schaufel springen.

Aber vorher war er noch bei einem makabren Abendessen bei der Frau Dr Bitter und deren Gatten, die diesen erst aus seinem künstlichen Koma erlösen muß, bevor sie ihm die Stopfleber serviert, die der dann ausspuckt.

Makaber, aber alles sehr musikalisch in schönster Bernhard-Manier, aber viel weniger negativ, man sieht, würde ich ihm unterstellen, das Lächeln auf Ferdinand Schmalzs Lippen, der diesen Namen wohl Ferdinand Schmatz gestohlen hat, mit dem er das Buch geschrieben hat, das herrlich altmodisch ist und einer wahrscheinlich auch konservativen Wiener Kommunistin daher gut gefällt. Bei den Buchpreisbloggern habe ich gelesen, daß es zu den Experimentellen gehören würde. Für den deutschen Geschmack vielleicht. Ich würde es eher der traditionellen österreichischen Theatertradition zuordnen und hätte es mir auf beide Shortlists auf einer war es und vielleicht sogar auf den Öst gewünscht.

2021-11-04

Der versperrte Weg

Buch neunzehn des dBps ist der Roman des oder über den Bruder des 1928 geborenen GeorgeArthur Godschmidt „Der versperrte Weg“ in dem er über dessen Leben oder die Beziehung der Brüder schreibt. Am Cover des „Wallsteins-Buchs“ sind die beiden Jungen, wie aus einer alten Fotografie herausgeschnitten, zu sehen. Der Kleinere, als Jürgen-Arthur geboren, sieht mit der lockigen Pagenfrisur und dem braunen Kleid oder Hosenrock fast wie ein Mädchen aus, der 1924 geborene Ältere trägt die damals üblichen Kniehosen und das Buch ist, was das Lesen fast ein wenig schwierig machte, aus der Sicht des Bruders, was aber nicht ganz eingehalten wurde.

Der erlebt in der Reibeckchen Bürgervilla ein Trauma, als 1924 der schreiende kleine Jürgen-Arthur geboren wird. Der Vater ist Rechtsanwalt, die Mutter hoffenbar eine leidende Hausfrau. Beide evangelisch getauft und so erlebt Erich, der sich als ein glühender Deutscher fühlt und sein Vaterland liebt ,eine Verunsicherung, als er plötzlich „Judenbub“ genannt wird und vom Gymnasium ausgeschloßen wird.

Der Vater verliert offenbar seine Stelle und die Eltern eröffnen den Kndern, daß sie nach England in ein Internat sollen. Das geht schief. So kommen sie nach Italien zu einer freundlichen Dame und dann nach Frankhreich zu einer reichen Cousine der Eltern, die sie aber in ein Iternat schickt. Erich schließt sich zwanzigjährig, als die Deutschen nach Frankreich kamen, der Resistance an. Geht später, weil er sich entwurzelt fühlt und Schwierigkeiten hat, die französische Staatsbürgerschaft zu bekommen, zur Fremdenlegion. Wird Offizier und der Kontakt zu den Brüdern ist offenbar abgerissen und George Arthur Goldschmidt, der auch in Frankreich geblieben ist und viel über seine Familie geschrieben hat, eines der Bücher wurde auch in der „Gesellschaft“ bei der „Leseauslese“ vorgestellt, schreibt im Nachwort, daß er zu der Idee des Buches kam, als er danach gefragt wurde, wieso der Bruder in seinen Autobiografien bisher nicht vorgekommen ist.

2021-11-02

Blaue Frau

Buch achtzehn des dBps, das letzte der Shortlist und das Siegerbuch, außerdem gehört es noch zu den der fünf aufmüpfigen diversen Frauen, ist auf meiner Shortlist und ich denke auch, daß es meinen bisherigen Favoritentip nämlich „Identit“ verdrängt. Ferdinand Schmalz habe ich noch nicht gelesen, mal sehen ob er auf meine Shortlist kommt?

Und die 1974 in Potsdam geborene Antje Ravic Strubel, die wahrscheinlich auch einmal in Klagenfurt gelesen kann, kenne ich, weil ich einmal ein paar ihrer Bücher aus der „Buchlandungs-Averkaufsliste“ fand, sie gelesen oder überflogen habe. Sehr beeindruckt haben sie mich, glaube ich, nicht. Dann hat sie in Leipzig als ich gerade „Paul und Paula“ geschrieben habe, aus den „Wäldern des menschlichen Herzen“ gelesen und vor kurzem war sie in der „Gesellschaft“ und hat dort über die „Blaue Frau“ gesprochen.

Weil das Buch erst spät zu mir gekommen ist, habe ich vorher schon einiges darüber gehört. Einigen Bloggern hat es gefallen, anderen glaube ih auch nicht. Ich habe es eher für ein Transbuch gehalten, weil sich Antje Ravic Strubel ja, glaube ich, auch dazu bekennt, es ist aber ein Buch über die Gewalt an Frauen und da wird das Thema sicher literarischer, als bei Bettina Wilpert und es spricht sich auch gegen die Diskriminierung aus.

Vor allem ist es, glaube ich, hervorragend geschrieben, poetisch und literarisch und die Hauptperson Adina, eine junge Tschechin ist schon in „Unter Schnee“ vorgekommen. Die ist als die letzte oder einzige Jugendlichen in einem kleinen tschechischen Ort im Riesengebirge aufgewachsen. Nennt sich in Chats „Der letzte Mohikaner“ und geht dann nach Deutschland, um zu studieren. Lernt dort eine Fotografin kenne und macht ein Praktikum in der Uckermarck. Dort erlebt sie sexuelle Gewalt, flüchtet damit, weil das niemand ernst nimmt, nach Helinski ,verkriecht sich dort in einen Plattenbau und die Geschichte beginnt.

Sie wird also von hinten nach vorne aufgewickelt und dazwischen gibt es immer wieder die „Blaue Frau-Passagen“, wo sich eine Schriftstellerin, ich interpretiere sie als die Autorin über das Schreiben unterhält, also so etwas wie das „Kaffeetrinken mit der Poesie“ der Simone Hirth.

Es gibt auch noch einen Leonides, einen estnischen Europaabgeordneten, mit dem Adina ein Verhältnis hat und der will an ihren Peiniger einen Menschenrechtspreis vergeben, worauf sie ihn verläßt, das führt wieder zu der Frage, ob man das Werk von der Person trennen darf?

Bei einem Menschenrechtspreis würde ich sagen, der gehört vielleicht nicht an einem Grapscher, aber da haben sich schon mehrer „weiße ältere Politiker“ an jungen Frauen vergriffen oder die sind vielleicht fünf jahre später kurz vor der Wahl daraufgekommen, daß sie das thematisieren könnten. Man sieht das Thema ist vielschichtig und ich denke immer noch, daß die Weinheber-Gedicht trotzdem großartig bleiben, auch wenn er ein überzeugter Nazi war und generell denke ich, wenn sich alle an den Hausverstand oder die zehn Gebote halten, wäre die Welt viel besser.

Dann gäbe es aber vielleicht auch keine Bücher, wie dieses und Andina kreist auch um die Frage, ob sie das zur Anzeige bringen soll? Die Anwältin rät ab, weil die Aussichten, daß ihr geglaubt wird, sehr gering und Antje Ravic Strubel hat, glaube ich, bei der Preisverleihung auch gesagt, daß sie während des Schreibens, sie hat acht jahre für das Buch gebraucht, daraufgekommen ist, wie häufig Gewalt an Frauen passiert.

Also auch ein sehr politisches Buch, wo ich wieder schreiben werde, daß es mir das literarischer, als bei Olga Flor ausgedrückt, vorkommt.

2021-10-28

Zandschower Klinken

Filed under: Bücher,Buchpreisbloggen — jancak @ 00:25
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Buch siebzehn des dBps und das fünfte Shortlistbuch, das ich gelesen habe, das zweite experimentelle, so habe ich jedenfalls gehört, als ich gerade den experimentellen Dath gelesen habe und da war ich natürlich schon gespannt und bin jetzt nach dem Lesen ein bißchen erstaunt über die Art, wie man Bücher machen kann, die dann auf der Shortlist stehen.

Der 1965 geborene Thomas Kunst, von dem ich, glaube ich, noch nicht sehr viel gehört und gelesen habe, ist auch Lyriker und hat in „Strandkörbe ohne Venedig“ schon einen Helden, Bengt Claasen, den er dann in seinen „Klinken „weiterführt und interessant ist auch, daß er mit einem Auszug aus dem Roman beim „Wartholzer Literaturpreis“ 2018 schon gewonnen hat und als ich die erste Beschreibung darüber hörte, habe ich eigentlich nicht gedacht, daß das Buch experimentell ist, sondern hätte es eher für sozialkritisch gehalten und habe „Interessant!“, gedacht.

So kann man sich irren oder auch nicht, denn in den Buchpreisfilmen sagt der etwas behäbige wirkende Autor lächelnd, daß er es liebt seine Leser in die Irre zu führen und, daß er keiner ist, der sich an Plots und Handlung hält, sondern einfach vor sich hinschreibt.

Ja so könnte man es auch machen.Das gilt bei den Romanschulen zwar nicht für professionell, aber wie man sieht, lassen sich Literaturpreise damit gewinnen.

Die Engangsszene hatte ich bei einigen Besprechungen auch schon gehört, da steigt einer der besagte Bengt Claasen aus oder will das tun, klemmt das Halsband des offenbar verstorbenen Hundes an das Amaturenbrett des Autor und nimmt sich vor, dort stehen zu bleiben, wo es hinunterfällt um dort sein neues Leben zu beginnen.

Das klingt schon einmal interessant und spannend, nur wenn die Handlung fehlt und das Buch aus sehr vielen Wiederholungen und wechselnden Perspektiven besteht, bei „Amazon“ wurde ausgerechnet, daß das halbe Buch daraus besteht, tut man sich schwer.

Also weil es keine Handlung gibt, kann ich weder nacherzählen noch spoilern, sondern nur die Sätze oder Satzteile zitieren, die immer wieder auftauchen.

Er fährt also bis Zandschow und bleibt da stehen, braucht aber dennoch drei Monate bis er aus (dem Auto) steigt, das ist einer dieser Wiederholungen.

Und in Zandschow diesen erfundenen ostdeutschen Ort, offensichtlich eine Art Aussteigerkolonie gibt es einen „Getränke-Wolf“, das ist offenbar der Boss und der hat zwei Sklaven, was oder wer die sind, habe ich nicht wirklich herausbekommen und gibt das Bier zu Schleuderpreisen her. Er hat afrikanische Biersorten und wenn man das Bier kauft, kann man eine Weile nach „Sansibar“ gehen oder streamen.

Es gibt in dem Ort einen Feuerlöschteich, darauf schwimmen offenbar Plastikschwäne und besagter Wolf veranstaltet jährlich ein „Darajani Fest“ und ansonsten gibt es sreng strukturierte Wochenrituale. Das ist eine Stelle, die auch immer wieder vorkommt, wie die „Briefe aus dem zwanzigsten Jahrhundert, die mal verlassen, mal zerrissen mal zurückgelassen werden“.

Dann gibt es noch ein Reh oder eine Taxifahrerin, die mal in Kolumbien, mal im Ostdeutschland herumfährt.

„Der Starttarif beträgt einundzwanzig Euro oder hunderttausend Pesos. Man muß ja sehen, wo man bleibt“ und mit dem „Schwesterchen im Wald lebte.“

Auch das wird mehrmals wiederholt und so habe ich mich in dem Bemühen die Handlung zu erfassen eher schnell durch das Buch gelesen und war, als ich den Text am Schluß, der wohl der war, den ich anfangs hörte, las wieder sehr erstaunt:

„Mit unbändiger Fantasie und viel Witz erzählt Thomas Kunst in „Zandowscher Klinken“ von einer solidarischen Gemeinscchaft, die sich am eigenen Schopf aus der Misere zieht -trotzig und stur, frei und eigensinnig. Er entwirft eine Utopie in unserer globalisierten Gegenwart und findet für sie eine Sprache von bezwingender Musikalität.“

Aha, das habe ich gelesen, interessant und ich frage mich wieder, was passiert wäre, wenn ich einen Text mit so vielen Wiederholungen und so wenig Handlung nach „Wartholz“ geschickt hätte?

2021-10-27

Im Menschen muß immer alles herrlich sein

Filed under: Bücher,Buchpreisbloggen — jancak @ 00:16
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Buch sechzehn des dBps ist der zweite Roman der 1985 in Wolgograd geborenen Sasha Marianna Salzmann, die schon 2017 mit „Außer sich“ ich glaube sogar auf der Shortlist gestanden hat, ich kann mich erinnern, daß ich Schwierigkeiten mit dem Buch hatte, weil ich es als sehr kompliziert emfpand.

Dieses hat mir zumindest zu beginne besser gefallen, vor allem, die wirklich gut gezeigten Stellen sind mir bei der Theaterautorin aufgefallen, so daß ich dachte, endlich kann ich mal das berühmte Show not tell wirklich in einem Text finden. Am Schluß ist es mir dann aber als zu wenig strukturiert erschienen.

Von dem Buch habe ich inzwischen viel gehört. Auf der FBM ist die Autorin, die sich, glaube ich, als divers bezeichnet, mehrmals interviewt worden. Sie scheint sehr selbstbewußt zu sein und das Buch erzählt von vier Frauen, zwei Mütter und zwei Töchter. So habe ich im Vorfeld öfter gehört und das ist es auch, was ich als zu wenig struktiert empfand.

Beginnt es doch, daß Edi, das ist die Tochter von Lena, zusammengeschlagen wird. Dann geht es, glaube ich, in die Siebzigerjahre und in die Ukraine zurück, wo Lena in Gorlowka aufwächst. Die Mutter arbeitet, glaube ich, als Chemikerin, der Vater ist Lehrer und Lena hat Schwierigkeiten mit der Mutter. Mit dem Vater versteht sie sich besser. Sie verbringt ihre ersten Sommer immer bei der Großmutter in Sotschi und hilft ihr da bei der Haselnußernte.

Bevor sie in die Schule kommt, erzählt ihr der Vater, während er ihr ein Eis kauft, das ist so eine dichte Show not tell Stelle, daß es diesmal anders wird. Denn er muß sie auf die Schule vorbereiten. So kommt die Großmutter zu ihnen. Da wird es dann aber eng in der Wohnung und für die Schule muß Lena auch lernen und in den Sommern ins Pionierlager fahren.

In der Ukraine herrschte damals die größte Korruption. Alle muß man schmieren. Lena muß oft der Ärztin ihrer Mutter Kuverts bringen, die sie dann trotzdem falsch behandelt und Lena will Medzin studieren, schon um die Mutter behandeln zu können. Aber ohne Beziehungen oder ohne Geld fällt man durch bei der Aufnahmsprüfung oder kann nur Zahnärztin werden. Lena will aber Neurologin werden. Also arbeitet sie ein Jahr bei einem Professor in der Klinik, als Sekretärin, der sie dann empfiehlt.

Inzwischen stirbt die Mutter und die Neurologin empfiehlt Lena in die Dermotologie auszuweichen. Dort muß sie aber nur die Geschlechtskrankheiten von Parteigenossen behandeln. So emigriert sie Ende Achtzigern oder Anfang Neunziger, als die Perestoika den Juden die Aureise ermöglicht mit ihrem ständig Witze erzählenden Mann nach Deutschland emigireirt, den Vater holt sie 2015 nach, auch eine sehr dichte Stelle und arbeitet als Krankenschwester. Das ist ein großer Teil des Buches den ich sehr interessant und dicht erzählt fand, mich ein wenig über die Korruption wunderte und das ganze im Vergleich zu „Außer Atem“ als eher konventionell erzählt fand.

Dann geht es in die Jetztzeit oder zum fünfzigsten Geburtstag von Lena, die die Familie, m sich haben will. Wir sind in Berlin bei Edi, eine Journalistin, die prekär jobt, eine Frau oder Freundin hat, bzw. sucht und ebenfalls Schwierigkeiten mit der Mutter, die von ihr will, daß sie sich um Tatjana kümmern soll. Das ist eine Cousine von einer Kollegin, die Lena samt ihrem Kind bei sich aufnahm als sie ebenfalls nach Deutschland kam. Die liegt im Krankenhaus und will, daß Edi niemanden etwas von ihrer Krankheit verrät Dann fahren sie nach Jena zum Familienfest und erst am Schluß geht es bei ein paar Seiten, um Tatjanas Tochter Nina, ein paar jahre jünger als Edi, so daß sie immer ihre Strampler auftragen mußte.

Man erfährt viel über die Ukraine in den Sechziger- siebziger- achtzigerjahre und den Sorgen der jüdischen Emigranten und Sasha Marianna Salzmann erzählte auch bei ihren Interveiws daß sie sich viel mit ausgewanderten ukrainischen Frauen unterhalten hat und antwortete auf die Fragen, was sie als nächstes schreiben würde, daß sie sich nicht nur mit sowetischen Auslwanderern beschäftigen wolle.

Und ehe ichs vergesse der Buchtitel ist ein Zitat von Tschechow aus dem „Onkel Wanja“, den Sasha Marianna Salzmann vielleicht schon einmal inzensierte.

2021-10-23

Der zweite Jakob

Buch fünfzehn des dBps ist das vierte der Shortlist und da ist interessant, daß ich die erste Seite daraus schon bei der österreichischen Bchpreisverleihung 2019, wo Norbert Gstrein mit ,“Als ich jung war“ gewonnen hat, hörte.

Ein paar Leute haben sich darüber aufgeregt, ich habe es interessant gefunden und mich wahrscheinlich gefragt, wann ich es dann lesen werde. Das Buch ist, glaube ich, im Februar erschienen. Die Präsentationen wurden lockdown ,bedingt dann ein paar Mal verschoben. Im Juni habe ich mich in die „Alte Schmiede“ gestreamt und dann gleich die Präsentation aus dem Lteraturhaus Salzburg nachgehört. Jetzt noch die aus dem Stifterhaus und meine Leser wissen es wahrscheinlich, ich bin kein besonderer Gstrein-Fan, weil er mir etwas zu gewollt konstruiert erscheint, war aber bei etlichen Lesungen, habe auch einiges gelesen und er ist ja auch schon auf mehreren Buchpreislisten gestanden.

Jetzt ist er sechzig geworden und da kommt er natürlich, vielleicht doch irgendwie überraschend, in die „Alte weiße Männer Liste“ die sich mit ihrem Leben, ihrem Sex und ihrem Krebs beschäftigen.

Norbert Gstrein tut das zugegeben sehr elegant und führt, die geneigten Leser mit seinen autobiografischen Anspielungen auch gewollt in die Irre und wieder ist der Plot sehr kompliziert und äußerst vielschichtig konzipiert und der Erzählstil, wie eine Vloggerin meinte, nach soviel experimentellen auf der Longlist erstaunlich konventionell, fast altmodisch erzählt.

Trotzdem war es nicht ganz leicht mit der so vielschichtigen Handlungen mitzubekommen, deshalb habe ich mir, als ich fertig war, auch so viele Gespräche angehört und bin da wirklich vom hundersten ins tausendste gekommen.

Es beginnt ganz konventionell. Der Schauspieler Jakob Thurner, der eigenlich „Gestirn“ heißt, eine Anspielung auf seines Autors Namen, feiert seinen sechzigsten Geburtstag und soll deshalb eine Biografie bekommen.

Das haßt er, zum Unterschied zu mir, sehr, kann sich um seinen Biografen Elmar Pflegerl aber nicht drücken, obwohl eri hm später fast tätlich angreift und das führt bei ihm zu der Frage ,wie er seine Biografie verfälschen kann, beziehungsweise gerät er, der sich darob nicht festlegen will, in mehrere Versionen, die mir das Verstehen und um das Herausbekommen, um was es hier eigentlich, geht erschwert, aber wahrscheinlich Norbert Gstreins Absicht war.

Jakob Thurner war dreimal verheiratet, hat eine etwa zwanzigjährige Tochter namens Luzie, die laut Johanna Öttl eine Autismusspektrum-Störung hat. Ich muß gestehen, habe das nicht gemerkt, habe aber auch hier eher flüchtig gelesen und hätte, die eher, dem ersten Jakob, dem Onkel unterstellt und der erste Satz des ersten Buches „Einer“ heißt „Jetzt kommen sie und holen Jakob“ und der erste Jakob, der achtzigjährige Onkel hat sich jedesmal, wenn ihm die Kinder, das nachriefen, wochenlang im Keller versteckt, denn die Großmutter gab den etwas „komischen“ Buben auf Anraten Anfang der Vierzigerjahre in eine Anstalt und konnte ihn dann noch gerade herausholen. Ja diese Ansspielung mußte natürlich sein.

Der zweite Jakob war aber nicht nur dreimal verheiratet, sondern hat auch dreimal einen Mörder gespielt. Etwas was den Biografen natürlich zu Verknüpfungen bringt, die Jakob erzürnen und ihm droht seine Zustimmung zur Veröffentlichung zurückzuziehen, worau er natürlich erpreßt wird.

Dann kommt die Tochter Luzie, die alles genau wissen will und daher fragt „Was ist das Schlimmste in deinem Leben, Papa, was dir passierte?“ und das war ein Filmdreh in den Neunzigerjahren an der mexikanischen Grenze. Da hat Jakob einen Grenzer gedreht, ist dann selber, noch halb in der Uniform von Texas nach Mexiko und dort in einem Club gefahren und dort einer Prostiutierten oder sie ihm zu Nahe gekommen und ist dann mit einer Kollegin noch einmal darüer gefahren, die betrunkene Xenia hat eine Frau angefahren und die Beiden haben die Leiche liegen lassen, was Luzie so erschütterte, daß sie den Kontakt mit dem Vater abbrach und sich sogar die Pulsadern aufritze, dabei wollte Jakob mit der Tochter zum sechzigsten Geburtstag nach Amerika reisen.

Beim Dreh in den Neunzigerjahren ist er noch George W. Bush begegnet, den der im Buch

„Dubya“ nennt und Gstrein hat Johanna öttl oder war es Tomas Friedman, auch erkläert, daß er es sehr genau mit seinen Namen hält um am Schluß gibt es, glaube ich, keine Biografie, aber eine Statue aus China, die im Heimatort aufgestellt werden soll, Jakob stammt, wie wahrscheinlichauch sein Autor, aus einer Tiroler Hotelierfamie und deshalb schaut der Schauspieler ein bißchen asiatisch aus.

Norbert Gstrein hat es faustdick hinter den Ohren und spart nicht mit den aktuellen Anspielungen und so kommen nicht nur die mexikanischen Frauenmorde, sondern auch die asiatischen Billigwaren vor und vorher gibt es noch, wie Gstrein erwähnte zwei Bonuskapitel.

Ein Ausdruck, den ich nicht kannte, aber sehr interessant fand. Das eine ist die Krankheit, die dem Sechzigjährigen diagnostiziert wird, die zweite, die um dreißg Jahre jüngere Freundin und in der „Alten Schmiede“ hat er die Zuhörer aussuchen lassen, aus wechen Kapitel sie etwas hören wollten.

Gekonnt konstruiert, kann ich nur wiederholen, vielschichtig listig und wahrscheinlich nichts ausgelassen und ich habe mich beim Lesen öfter gefragt, um was es hier wirklich geht?

Um die zurechtkonstruierte Biografie eines noch gar nicht so alten Schauspielers, Nazivergangenheit den Frauenerfahrungen und interessant ist noch eines, was die meisten nicht erwähnten, erkannte, Jakob hat eine Filmrolle, einen Prostituiertenmörder adarzustellen, den später John Malkovich spielte und der war in einem Gefängnis, hat dort zu schreiben begonnen, was Jakob ein wenig verächtlich erwähnt, wurde dann auf Grund von Iterventionen der österreichischen Autorenschaft entlassen und ein paar Jahre später als Prostiuertenmörder verurteilt und sich in der Nacht danach in seiner Zelle erhängt. Vorher hat er in der „Editon Wortbrücke“ meine „Hierarchien“ ,herausgegeben und ich habe auch einmal, bis er aus der GAV weil die ihm zu sozial war, ausgetreten ist, mit ihm gelesen.

Eine Vloggerin fragte sich warum das Buch auf die Shortlist gekommen ist? ich habe das erwartet und vielleicht sogar gedacht „Uje, dann muß ich es lesen!“

Müßte ich natürlich nicht, wenn ich es nicht anfragen würde. Als Gewinnerbuch wünsche ich mir von den vier von mir bis jetzt gelesenen Shortlistbüchern, aber immer noch Mithu Sanyal „Identiti“ und da kann man den Unterschied zwischen dem weiblichen und dem männlichen Schreiben auch sehr gut erkennen.

2021-10-21

Identiti

Jetzt kommt schon Buch vierzehn des dBps,das dritte Shortlistbuch und meiner Meinung nach das zweitbeste, das ich in diesem Jahr gelesen habe und daher das, das ich mir bisher als Preisbuch wünschen würde.

Es ist auch das Dritte, der fünf, die von Frauen geschrieben wurden, die sich mit Diversitäts- oder Migrationsfragen beschäftigten.

acism würde das wahrscheinlich Saraswati, die Professorin aus Mithu Sanyals Buchs in ihren Postcolonialstudies-Vorlesungen so nennen würde und das versöhnlicher, als Shida Bazyars „Kameradinnen“ ist und mir deshalb gut gefallen hat, weil es ungewöhnlich modern das beschreibt, was derzeit sehr chaotisch und turbulent , um uns passiert.

Ich habe von der 1971 in Düsseldorf, als Tochter einer polnischen Mutter und eines indischen Vaters Geborenen, die schon zwei Sachbücher geschrieben hat, noch nichts gelesen und gehört und bin jetzt über den frischen Ton sehr erfreut und auch, was ich gar nicht erwartet habe, trotz aller Chatsbeiträge, Twittermeldungen zwischendurch und was mich ein bißchen irritierte, immer wieder englische Ausdrücke und Redemeldungen bzw. Abkürzungen, die mir nicht so geläufig waren, eine spannende Handlung und eine durchaus verständliche Geschichte gibt.

Da ist also Nivedita Anand, wie ihre Autorin, Tochter einer polnischen Mutter und eines indischen Vaters und daher mit ihrer identität im Wickelwackel, die in Düsseldorf an der Heinrich Heine Uni Postcolonialstudies bei Professorin Saraswati studiert, die dafür bekannt ist, daß sie in ihren Seminaren alle weißen Studenten hinauswirft, also ganz schön brutal. Aber das ist vor kurzem ja auch wirklich so geschehen, daß auf einer Uni einer Stelle ausgeschrieben wurde, dwo sich Weiße nicht bewerben sollten.

Das Buch beginnt mit einem Interview, das Nivedita ,die den Blog „Identiti“ führt, mit einem Sender führte. Dann platzt die Bombe, Saraswati ist gar keine people of colour, als PoC, sondern die weiße Sarah Vera Thielmann, sowie und Zahnarzttochter.

Der Shitstorm beginnt und Nivedita, die eine in England aufgewachsenen Cousine namens Priti, sowie einen Freund namens Simon hat und in einer WG lebt, fält aus allen Wolken. Sie zieht dann zu der Professorin, die sehr cool und selbstbewußt auf den Shitstorm reagiert.

Oluchi ,eine Studentin mit, glaube ich, afrikanischen Hntergrund zettelt eine Demo an. Die Professorin wird von ihrer Uni zur Entschuldigung aufgefordert und später, glaube ich, entlassen. Die Anwältin schaltet sich ein und es kommt heraus, Priti hat Saraswatis Bruder, Konstantin der die Schwester geoutet hat, ein Foto gegeben und der stellt sich heraus, hieß eigentlich Raji und wurde von dem Zahnarztpaar, weil keine Knder kamen adoptiert. Dann kam, wie üblich, die kleine Schwester und hat, sich stellt sich schließlich heraus, um den Bruder die Identität zu erleichtern zu einer Hormonbehandlung entschlossen.

Das ist die Geschichte, die man so eigentlich logisch oder auch kitschig, je nach Geschmack nennen könnte. Interessant wird sie, glaube ich, durch die immer wieder erfolgenden theoretischen Einschüben und Erklärungen, Bücher werden genannt, Studien erklärt, einen Anhang gibt es auch und man fängt in einer so chaotischen Zeit wie dieser, wo Bahnhöfe und Restaurants umbenannt werden, Joanne K. Rowling und Morddrohungen bekam, als sie postete, daß es (nur) zwei Geschlechter gäbe, glaube ich, eigentlich auch oder Elke Heidenreich, die gerade einen Shitstorm auslöste, weil sie sich bei Markus Lanz bezüglich der neuen Grünsprecherin Sarah-Lee Heinrich kritisch und gegen das Gendern äußerte, zu überlegen an und denkt, „Hey, Michael Jackson hat sich ja eigentlich auch eine weiße Identität gegeben!“

Warum darf man sich dann nicht auch in eine „People of colour“ verwandeln? Weil das ein Rassismus ist? Da gab es ja auch Aufregung, weil sich Kindergartenkinder nicht mehr als IndianerInnen verkleiden durften. Was ich auch für Blödsinn halte und interessant ist auch, daß Mithu Sanynal, die wirklich intellektuell darüber stehen dürfte, die polnische Mutter auch davon sprechen läßt, daß sie mehr über „ageism“ als über „raceism“ leidet.

Ja älter werden darf man auch nicht und muß sich stattdessen liften oder Botox spritzen lassen, wenn man sich das leisten kann. Viele können das nicht und altern, während andere ewig jung bleiben und, daß mit dem nicht Wohlfühlen in der eigenen Haut, ist ja auch ein Problem, das die Psychologin beschäftigt, die schon bemerken konnte, daß man auch nach Brustoperationen oder Geschlechtsumwandlung unsicher bleibt und, daß es wahrscheinlich die Toleranz ist, die unsere Gesellschaft braucht und die gegenseitige Gesprächsbereitschaft und das ist es auch, was mir an dem Sanyal-Buch gefälllt und ich bei Shida Bazyar ,die ja ein ähnliches Thema bearbeitete, vermißte.

Daß man nicht „Woher kommst du?“, fragen darf, wird auch thematisiert und damit habe ich auch Schwierigkeiten. Weil, wenn ich das nicht mehr fragen darf, bin ich zum Schweigen verdammt und das gegenseitige Näherkommen fehlt und das passiert ja jetzt auch, wenn ich, wenn ich sage, „Ich lasse mich nicht impfen!“ oder „Finde die Maßnahmen übertrieben!“, gleich in der Verschwörungs- und Nazikiste lande und mit denen spricht man dann nicht mehr!

Dann bleibt der Rest Schweigen und das ist, denke ich, auch nicht gut, deshalb würde ich mir „Identiti“, ich spreche es Deustch aus und finde das gerade besonders interessant obwohl das Österreichische das Wort „Titen“ für den Busen eigentlich nicht verwendet, als das Buchpreisbuch wünschen und es allen, vielleicht auch den Uli zum Lesen empfehlen.

Mithu Sanyal hat, habe ich beim Lteraturcafe gelesen, den Brief unterschrieben, wo sich, glaube ich, Künstler beschwerten, daß keine schwarzen Frauen für den „Leipziger Buchpreis“ und da wird es auch ein bißchen schwierig, denn ich habe ja auch ein Problem mit den Auswahldefinitionen.

Kein Selbstgemachtes darf darauf, aber da gab es bis vor kurzem viele ältere „weiße“ Manner mit ihren Midlifekriseproblemen und keine schwarze frau und gleich viele Männer, wie Frauen müßen eingeladen werden und der Prozentsatz mit Migrationshintergrund muß auch stimmen!

Dann bleibt vielleicht die Qualität unberücksicht und so schlage ich wieder vor, alles lesen!

Von weißen, schwarzen, gelben Männern und auch solchen Frauen. Bücher aus den Groß- und den Kleinverlagen, aber auch aus der Selfpublisherschiene und dann selber urteilen!

Und diese Liste, ich wiederhole es noch einmal, finde ich sehr interessant und auch ausgewogen, weil da zwar nicht alles aber vieles von vielen drinnen ist und von den vierzehn Büchern, die ich bis jetzt gelesen habe, sind fünf von Frauen auf meiner Shortliste und jetzt werde ich zu Norbert Gstrein übergeben, dem „weißen alten Mann“ auf der Liste, aber das ist ein Ausdruck, den ich, ich betone es noch einmal, nicht mag, halte mich auch nicht für eine „alte weiße Frau“ und lege mich auch gerne unter die Sonne.

Bin also im Sommer eher braun, aber selbstbewußt, als älter werdende Frau, die sich ihre Haare nicht färben läßt und plädoyiere wieder für das Miteinander und Philip Roth, der ja auch so ein „weißer alter Mann“ war, der sich mit seinen Midlifeproblemen beschäftigte, hat, erinnere ich mich, auch ein Buch mit dem Titel „Der menschliche Makel“ geschrieben, wo einer mit seiner Identität nicht zufrieden war und sie daher veränderte.

Also miteinander statt gegeneinander! Mit allen reden, auch vielleicht „Woher kommst du?“ und das dann nicht gleich als Rassismus empfinden, wäre das, was sich die Psychologin und nicht so erfolgreiche schreibende, aber über den Tellerrand lesende Frau, wünschen würde!

2021-10-16

Die Nibelungen

Buch dreizehn des dBps ist das dritte, das sich auf moderne Art und Weise mit historischen Stoffen beschäftigt und diese mehr oder weniger neu deutet, beziehungsweise umschreibt und dieses ist von der 1960 in Hameln geborenen „Büchner-Preisträgerin“ Felizitas Hoppe, die ich 1996 in Klagenfurt kennengelernt habe, als sie dort glaube ich aus dem „Picknick der Friseure“ gelesen und auch gewonnen hat und es ist wahrscheinlich auch das vierte experimentelle aus der Reihe, auch wenn es nach außen konventioneller als die anderen wirkt und, daß Felizitas Hoppe eine eher schwer zu verstehende oder schwer lesbare Autorin ist, habe ich spätestens beim „Picknick der Friseure“ bemerkt und sie ist auch originell, so hat sie, glaube ich, auch ein Buch mit dem Titel „Hoppe“ geschrieben und sie kommt in dem vorliegenden im Abspann auch als „Zeugin und Drehbuchautorin“ ,bzw. als Erzählerin vor und das Nibelungenlied, das große deutsche Epos, kennen wir wohl alle. Ich habe es beispielsweise als Hauptschülerin, als deutsche Heldensage gelesen und war schwer begeistert.

Später als Studentin bin ich öfter zu den Wagner-Opern gegangen und habe den Stoff ansonsten wieder vergessen und das ist wahrscheinlich das Problem an dem Buch, das man sich, wenn man die Heldensage nicht gut kennt, wahrscheinlich sehr schwer zu verstehen und mitzubekommen und, wie beim Franzobel würde ich fast sagen, daß es wahrscheinlich besser ist, die Sage zu lesen, als Felizitas Hoppes Neudeutung, die sehr kompliziert ist und sehr künstlerisch, das gebe ich schon zu.

„Ein deutscher Stummfilm “ seht am Cover und da gab es ja einen Stummfilm von Fritz Lang und in der Stadt Worms gibt es offenbar „iNbelungenfestspiele“ und das Buch tarnt sich auch als eine solche Aufführung und die Erzählerin Felizitas Hoppe, wo mir lange nicht klar war, wer da spricht, führt in einigen Teilen durch die Aufführung, die der „Rhein“, die „Donau „und dann immer wieder „Pause“ heißen, wo die Darsteller interviewt werden und so erzählt Felizitas Hoppe, die Geschichte neu, führt einen Laiendarsteller ein, der den Tod spielt und auf einem Boot herumrudert, eine Dreizehn gibt es auch, die Brüder Günther, Gernot und Giselher treten in Kellnerkostümen auf. Krimihild wird „deutsche Superwitwe“ genannt und in Wien, wo es die Hochzeit mit Etzel gibt, gibt es eine Tortenschlacht, die offenbar auch in dem Stummfilm vorkommt.

Sehr gelehrig mit sicherlich vielen Anspielungen, so heißt die Regisseurin, glaube ich, auch so, wie jemand aus dem Film, durch die Sage gezogen und ich denke wieder ,vielleicht besser die Sage lesen als Felitzas Hoppes Neudeutung, was für sie sicherlich sehr spannend war.

Aber eigentlich will ich mich mit diesen Stoff, der ja auch in der Nazizeit sehr gebraucht oder mißbraucht wurde, nicht sonderlich beschäftigen, denn die Geschichte ist ja sehr blutrünstig. Am Ende sind alle tot. Aber, wie geschrieben, als Zwölfjährige hat mich die Geschichte sehr begeistert, jetzt weniger und so wird auch Feliztas Hoppes Neudeutung nicht auf meine Sortlist kommen, wie sie auch auf der Richtigen nicht steht.

2021-10-10

Vater und ich

Nach Vati“ kommt gleich das zweite Vater-Buch der heurigen Longlist, es ist zwölfte das ich jetzt schon gelesen habe und das zweite ,der 1972 in schwäbisch Gmünd geborenen Tochter einer türkischen Familie, das ich gelesen habe, das zweite aus der Longlist, das von den aufmüpfigen jungen Frauen stammt, die sich mit Diversitions- oder Migrationsthemen beschäftigt und es klingt weniger aggressiv, als Shidar Bazyars „Kameradinnen“ und es ist eigentlich kein Roman, sondern, wie ich meinen würde, eine hundert Seiten dicke Erzählung, die sich mit der Beziehung einer Tochter zu ihrem Vater beschäftigt.

Zu einem türkischen Vater, denn die scheinen sehr autoritär zu sein und dann ist es eben schwer mit ihnen zu reden, wenn man erwachsen ist, selbst wenn man inzwischen in Berlin lebt, als Journalistin im Radio arbeitet und deutsche Freunde hat.

Da ist also Ipek, die iin Berlin lebt und übers Wochenende nach Hause fährt, weil sie und ihre Freundinnen, die Mutter mit deren Freundinnen für ein paar Tage in ein Wellnessthotel geschickt haben und jetzt der Vater betreut werden muß, weil Väter nicht allein sein können.

„Das kann er schon!“, sagt die Mutter zwar. Die Tochter kommt trotzdem und wundert sich, als erstes oder stellt fest, daß der Vater sie nie vom Bahnsteig abholt, sondern immer vorm Auto auf sie wartet.

Er kommt noch zu spät, weil er noch etwas zu besorgen hatte, denn er und die Mutter wohnen in einer ehemaligen Schusterwerkstatt. Der Vater hat hinten seine Tapeziererwerkstatt. Die Mutter eine Schneiderei, hat aber <zettel aufgehängt, daß keine Kundenkommen sollen und so sitzen sich Vater und Tochter eine Weile sprachlos gegenüber. Die Tochter resümiert darüber und auch über ihr Leben als Kind einer Gastarbeiterfamilie, wie sie ihren Eltern die Häseleien der Mitschüler verschwieg. Ein Nachbarbub hat ihr beim Lernen geholfen und als das französische Austauschkind kam, hat sie sich dafür geniert, daß die Eltern nichts verstanden, wenn sie sich mit ihm auf Französisch unterhielt. Dafür hat sie in der Schule behauptet kein Türkisch zu können. Das hat sie aber mit dem Vater gesprochen, mit der Mutter Deutsch.

Der Vater geht in seine Werkstatt, weil da der Hausharzt Dr. Funke kommt, um seine Polsterstühle abzuholen, denn er hat fünf Katzen, die sie ständig zerkratzen, die Mutter schimpft darüber, hält den Doktor für verhaltensgestört und schimpft über ihn, wie auch über ihren Mann, weil das alle türkischen Frauen tun, die ihre Männer für Schwachklöpfe halten.

Das ist interessant, sich diese Hierarchien einmal genauer anzuschauen.

Am Abend wird gegrillt, es gibt Köfte und am nächsten Tag geht der Vater einkaufen. Da muß die Tochter immer zur Haustür kommen und ihm die Einkäufe abnehmen. Eine der Freundinnen kommt und dann nähern sich Vater und Tochter über das Haarschneiden an.

Richtig, das Buch „Mehmet mein Falke“ von Yasar Kemal, das die Tochter, dem Vater einmal kaufte, weil es sie an seine Kindheit erinnerte. Der Vater ist auch einmal von zu Hause ausgerissen, weil er die Schule weiterbesuchen wollte und deshalb nach Deutschland gekommen ist, wird auch noch erwähnt. Am Schluß bringt der Vater die Tochter wieder zum Bahnhof und fragt, ob er sie am Bahnsteig begleiten soll?

„Nein!“, antwortet die, weil man alte Gewohnheiten nicht verändert soll und hat sich trotzdem dem Vater angenähert und wir haben viel über das Leben eines türkischen Gastarbeiterkindes, das es geschafft hat, aufzusteigen, gelernt und, daß es Dilek Güngör leiser als Shida Bazyar tat, habe ich sehr gut gefunden und ihren ersten Roman „Das Geheimnis meiner türkischen Großmutter“ habe ich schon vor längerer Zeit im Schrank gefunden und wurde, als ich nach unserer Ausmalaktion einige Bücher von Wien nach Harland mitgenommen habe, daran erinnert, daß ich die Autorin schon länger kenne, als ich mich erinnern kann.

2021-10-09

Vati

Monika Helfers Vati“ ist das elfte deutsche Buchpreisbuch, das dritte auf der öst List ,das ich gelesen habe, beim deutschen Buchpreis ist es auf die Shortlist gekommen, beim Öst kann ich mir das auch gut vorstellen und sogar als das Preisbuch denken.

Mal sehen, mit „Bagage“ dem Vorläuferbuch ist die 1947 geboreneschon im Vorjahr auf der Öst gestanden auf der dBp mit „Schau mich an wenn ich mit dir rede“ und kennengelernt habe ich die Frau von Michael Köhlmeier und Mutter der Paula, glaube ich, bei einer langen Hörspielnacht, wo eines ihrer Hörspiele vorgestellt wurde. Ich war einmal in der „AS“ bei einer Buchpräsentation und hatte da wie ich mich erinnern kann mit dem vorgestellten Buch Schwierigkeiten, über „Bagage“ habe ich, glaube ich, auch drübergelesen und wenn ich die Blogger davon schwärmen hörte, habe ich das nicht ganz verstanden.

Jetzt verstehe ich es, denn es wäre neben den „Kameradinnen“ und dem „Dracula-Buch“ das dritte Shortlist Buch, vielleicht weil es darin über Bücher geht, denn der Vati, Sohn aus ärmlichen Verhältnissen war wahrscheinlich ein ähnicher Büchernarr , wie ich und hat einmal ein Buch abgeschrieben, was ich, wie ich mich erinnern kann, bei einem Jugenbuch vielleicht war es „Kleine Damengröße“ von Erika Mitterer in meiner Hauptschulzeit auch einmal versuchte, bin aber,glaube ich, nicht so weit wie der Vati von Monika Helfer damit gekommen, der sich Vati nennen ließ, weil er das für modern hielt und das war es damals auch, denn so haben wir zu unseren Eltern auch gesagt und Monika Helfers Buch fällt meiner Meinung nach durch ihre Sprache auf, die nur vordergründlig einfach ist, weil hier der Dialekt, glaube ich, kunstvoll eingeflochten ist, obwohl das, was sie da erzählt, ja vordergründig schlicht ist, was auch die Blogger bemerkten und meinten, daß es ein gut lesbares Buch für alle wäre und daher auf die Buchpreisliste gehört, da habe ich noch gewundert, daß die Familiengeschichte, der Monika Helfer wirklich alle Schwiergermütter unter dem Christbaum haben wollen, obwohl es, glaube ich, viel und gut besprochen wurde.

Da ist also, der Vati im Lungau aufgewachsen, Sohn einer sehr armen Magd, die nicht einmal den Sonntagsstaat besaß, der Vati war der illegitime Sohn des Bauern und hat schon frühzeitig aus einer alten Zeitung lesen gelernt, das heißt, sich selber beigebracht. In der Schule war er Vorzugschüler und eine Bibliothek hat es bei einem Baumeister gegeben mit dessen Sohn er in die einklassige Volksschule ging. Dort ist er immer lesen gegangen, der Baumeister förderte das, bis er darauf kam, daß er Scotts „Ivanhoe“ in geklaute Schulhefte abschrieb. Da graute ihm dann vor dem Josef, das heißt, er schenkte ihm das Buch und hat ihm nie mehr eingeladen. Ins Gymnasium ist der Josef trotzdem gekommen.Durch Vermittlung des Priesters. Das sollte er dann auch werden. Kam aber nicht so weit, weil er ähnlich, wie mein Schwiegervater, noch vor der Matura einrücken mußte und dann im Rußland ein Bein verlor. Monika Helfers Mutter hat er in einem Lazarett kennengelernt, wo sie Krankenschwester war und ,die kennen wir schon von der „Bagage,“ weil da ja die mütterliche Familie beschrieben wurde.

Nach dem Krieg wurde der Vater, der eigentlich studieren wollte, Verwalter eines Kriegsversehrtenheims auf der Tschengla, das einem deutschen Verein gehörte. Da kamen nur ein paar Monate des Jahres die Kriegsversehrten hin. Einen, den der Krieg das halbe Hirn weggeschoßen hatte und der, der Sohn eines Geisteswissenschaftlers war, hat er ein ganzes Jahr dort behalten und für ihn Leseabende veranstaltet. Dafür hat der Vater, dem Heim eine Bibliothek mit Kant-, Hegel- Schillerbänden und was auch immer in schönen Lederbänden vermacht und als das Heim in ein Hotel verwandelt wrerden sollte, das keine solche brauchen würde, hat der Vater, der inzwischen zu studieren angefangen hat, einen Teil der Bücher abgezwickt, sich aber, als einer vom Verein kam, der das Inventar überprüfen sollte, einen Selbstmordversuch in seinem Labaratorium, er wollte Chemie studieren, gemacht.

Monika Helfer hatte, glaube ich, eine ältere Schwester und einen kleineren Bruder. Die zweite Schwester Renate, die später in Berlin lebte, wurde auch geboren und die Mutter starb bald darauf an Kriebs, was den Vater sehr verstörte. Die Kinder wurden auseinandergerissen, zu verschiedenen Verwandten gebracht. Er lebte einige Zeit in einem Kloster, bis ihm eine zweite Frau, die Stiefmutter, vermittelt wurde, die die Knder wieder zusammenbrachte. Der Vater arbeitete im Finanzamt, bekam noch zwei Kinder und später, in seiner Pension, wurde er Leiter einer Leihbbliothek, wo er sich die Bücher aussuchen durfte und von denen wurde er dann in seinem siebenundsechzigsten Jahr fast erschlagen, etwas was mir der Alfred auch schon propezeite.

Ein interessantess Buch, das mir packender als die „Bagage“ erscheint, dssen Inhalt, ich gestehen muß, schon fast vergessen habe. Monika Helfer kommt immer wieder in die Gegenwart, erwähnt die Tochter Paula, ihren Mann, der seltsamerweise keinen Namen hat und die Armut ihrer Kindheit wird immer wieder thematisiert. Ihr literarischer Aufstieg nicht, nur daß sie dem Vati ihre ersten zwei Bücher brachte, die er dann, glaube ich, in seiner Bibliothek neben Heine reihte.

Velleicht wird das im nächsten Buch thematisiert und seien wir gespannt, ob und welche Buchpreisträgerin sie werden wird.

Interessant ist auch, daß dem Buch, das mir „Hanser“ freundlicherweise in Printform schickte, eine Karte beilag, in dem mir viel Freunde am Bloggen und mit dem Buchpreis gewünscht wurde und die habe ich auch.

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