Literaturgefluester

2022-12-13

Spitzweg

Filed under: Bücher,Buchpreisbloggen — jancak @ 01:11
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Jetzt das letzte Buch der heurigen deutschen Buchpreisliste und das sechste Shortlistbuch „Eckhart Nickels „Spitzweg“, von dem ich schon „Hysteria“ gelesen habe und von dem neuen Buch habe ich schon viel gehört. Es wurde auch sehr gelobt. Ein Künstlerroman oder eine Paradodie auf die Kunst, eines das auch in einem Museum spielt, etwas an den „Eistaucher“ erinnert. Denn da geht es auch um drei Schüler in einer Maturaklasse eines deutschen Gymnasiums, einer Kleinstadt, glaube ich und die sind in der philosophischen Krise, wie ich es 1973 auch war, lesen Bücher, interessieren sich für Kunst, haben ein geheimes Kunstzimmer und sind damit allesamt ein wenig altmodisch, denn in den heutigen Abiturentenklassen lernt man, glaube ich nur Sachhtexte schreiben und Literatur und wahrscheinlich auch die bildende Kunst ist kein Thema.

In dieser Klasse ist das anders. Da gibt es eine Frau Hügel und die läßt zu Beginn ein Selbstportrait malen. Kirsten, die begabteste Schülerin malt es und wird für den „Mut zur Häßlichkeit!“ gelobt, worauf sie empört die Klasse verläßt.

Carl und der ich-Erzähler beschließen sie zu rächen und hecken einen Plan aus. Kirsten verschwindet und hinterläßt ein Bild von einer Wasserleiche. Das hat natürlich ein berühmtes Vorbild, wie der Dandy Carl das in dem Bidermeiermaler Spitzweg hat und nun machen sich die beiden zuerst scheinbar auf die Suche nach der Schülerin auf und geraten da zuerst in einen park und dann in das Museum. Da spielt sich eine wahre Verfolgungsjagd ab. Denn die Klasse hat noch ein paar Außenseiter, die Flugblätter verteilen. Einen geheimen Gang in dem Spitzwegs „Gähnender Wachposten“ gibt es auch.

Das Bild verschwindet ebenfalls und kommt zurück. Der Pförtner, der offenbar das einzige Personal in dem Museum ist, versucht alles aufzuklären und schläft dabei ebenfalls ein und wir können uns jetzt fragen, das das Ganze ist oder soll?

Der 1966 geborene Eckhart Nickel gilt als Popliterat, keine Ahnung was das ist? Das gab es, glaube ich, noch nicht in meinem Deutschunterricht und hat mit „Hysteria“ schon überrascht. Also auch hier. Eine Satire auf den Kunstbetrieb, ein Nachhilfeunterricht in Sachen Kunst und glaube ich ein Mahnruf auf die Langsamkeit oder eine Sehnsucht nach dem Bidermeir, weg von dieser überlasteten modernen Welt.

So lebt Kirsten beispielsweise in einem Haus, wo es keine moderne Technik gibt. Das Museum ist auch schön altmodisch und Anspielungen auf Bilder und andere geheimnisvolle Begegnungen gibt es auch. Die „Uralte Morla“, die das buch besprochen hat, spricht davon, daß es nur für Nerds verständlich ist. Ja, mit dem heutigen Kunstunterricht hat man vielleicht Schwiergkeiten es zu verstehen und ich finde das Buch ganz spannend.

Mein Favorit ist es wahrscheinlich nicht, wie ich hier höchstwahrscheinlich überhaupt keinen wirklichen habe. Ein paar Bücher, die mir gut gefallen haben gibt es natürlich.

„Rombo“, „Freudenberg“, etcetera. Ganz klar und dieses fällt auch in diese Kategorie. Kann mir aber jetzt nicht sagen ob „Trottel“, „Nebenan“ oder „Spitzweg“ mein Favorit wäre. Spannend spannend und jetzt muß ich nur noch die österreichische Buchpreisliste beenden und mich dann an die Schweizer erBuchpreisliste machen und richtig die Blogerdebutpreisbücher müßten eigentlich auch noch kommen.

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2022-11-17

Nebenan

Buch neunzehn des dBps und das vierte Shortlistbuch, Kristine Bilkaus „Nebenan“, denn eigentlich hätte ichö das Buch von dem was ich über es gehrt habe, als ähnlich interessant, wie Danielas Dröschers „Lügen über meine Mutter“ eingeschätzt.

Aber nein, da gibt es Parallen zwischen meinen und dem Schreiben der 1974 geborenen oder es ist das, wie ich immer schreiben möchte und es gerade auch mit meiner „Flora Faun“ versuche. Mein Realismus, meine Alltagsbegegnungen, mein „Da passiert ja nichts!“ und dann wieder das Einbeziehen sämtlicher sprachlicher psychologischen Begebenheiten und Kristine Bilkau bringt dann noch das Kunststück zusammen allerhand Geheimnisse und surrealistische Elemente hineinzubringen, die sich dann sehr zum Ärger mancher Buchpreisblogger nicht auflösen.

Der Max von „KainUndAbel“ hat sogar ein „böses Video darüber gedreht „Wie man den Buchpreis 2023 garantiert gewinnt“ und dann all die Kritikpunkte aufgezählt, die er in dem Buch gesehen hat. Aber Kristine Bilkau hat 2022 den buchpreis nicht gewonnen, sondern die schillernde nonbinäre Person namens Kim de L´ Horizon, was vielleicht viel über das Literaturgeschehen aussagt.

Da passiert ja nichts oder doch sehr viel. Da sind zwei Frauen in einem kleinen Ort am Nord-Ostsee- Kanal, ein Ort, der durch den Kanal getrennt offenbar zwei Seiten hat und ein verlassenes Kleinstädtchen, wo die Geschäfte leerstehen und die Jugendzentren abgerissen werden.

Die eine, Julia, Ende dreißig mit unerfüllten Kinderwunsch ist mit ihrem Freund Chris dorthin gezogen und hat in dem Städtchen eine Keramikwerkstatt aufgemacht. Das Nachbarhaus steht leer. Die Nachbarn sind verschwunden und man weiß nicht, wo sind sie hin?

Sie haben sich nicht verabschiedet und es scheinen auch noch ungewaschene Teller und verschimmelte Mandarinen herumzuliegen, was natürlich Phantasien auslöst und dann gibt es Astrid, um die sechzig, praktische Ärztin in dem Städtchen mit Andreas, dem schon pensionieren Geschichtslehrer verheiratet und Mutter dreier Söhne. Sie kümmert sich um ihre alte, vielleicht dement werdende Tante Elsa, die Julia gegenüberwohnt und es beginnt, daß sie eine in der Badewanne verstorbene Frau begutachten muß, Hämatome entdeckt, die Polizei ruft und ab dann Drohbriefe bekommt.

So geht es hin und her. Abwechselnd einmal Astrid, einmal Julia, wie ich es ja auch gern mache. Die Realistik einer ärztlichen Untersuchung und dann wieder die surrealen Elemente, verlorene Briefe auf einem Feld, ein Junge, der im Nachbarhaus erscheint, der Mann, der bei einer Bürgerversammlung ein Gedicht aufsagt und der, der plötzlich in Astrids Praxis auftaucht und sie erschreckt.

Julia sinniert über ihre Mutter, versucht eine künstliche Befruchtung, die mißlingt, schaut sich Kindervideos an und all das Surreale ist vielleicht ganz einfach zu erklären oder bleibt ungaufgelöst stehen und löst bei den Lesern, die einen spannungsgeladenen Plot erwarten, natürlich Ärger aus.

Aber mir hat das Buch gefallen und ist wahrscheinlich so, wie ich mir die Literatur vorstelle, die dann zu banal und zu wenig abgehoben erscheint, aber wahrscheinlich doch so, wie das wirkliche Leben ist. Vielleicht wäre das jetzt mein Buchpreisbuch? Aber warten wir ab, was ich zu „Spitzweg“ sagen werde, das ich noch lesen muß und das wird erst in einiger Zeit geschehen, weil jetzt ja der österreichische Buchpreis kommt.

2022-11-13

Aufruhr der Meerestiere

Schon Buch achtzehn des heurigen dBps, der zweite Roman, der 1992 in Graz geborenen Marie Gamilkscheg, die jetzt in Berlin lebt und von deren „Alles was glänzt“, das beim öst Debut gewann, ich bei Lesungen nicht so begeistert war, was sich dann als ich es gelesen habe, änderte.

Jetzt ist der Unterschied zwischen dem Gehörten und Gelesen nicht so groß und von dem Buch habe ich bevor ich zum Lesen kam auch schon viel gehört.

Das erste Mal glaube ich auf dem blauen Sofa in Leipzig, dann wurde es glaube ich in der „Gesellschaft“ besprochen und bei „Nachhallendes Nachhaltiges“, wurde es auch präsentiert und da kam man natürlich darüber spekulieren, was das Nachhaltige an dem Buch ist und wie es zu dem „Literatur im Herbst“ Thema passt, aber der war ja überhapt sehr vielschichtig variabel oder schwammig und bei dem neuen Buch geht es, glaube ich, um eine Coming of age Geschichte oder um die Midlifekrise einer Einunddreißigjährigen, denn das ist die Meeresbiologin Luise. Die stammt aus Graz arbeitet, aber an der Uni in Kiel, bzw. forscht sie an der Meereswalnuß, das ist eine offenbar sehr gefährliche Quallenart und da werden jetzt die Parallelen gezogen und Naturliteratur ist ja, wie ich auch im „Odeon“ merkte, derzeit sehr in.

Luise, die einen Freund namens Juri hat, beruflich offenbar sehr erfolgreich ist, die junge Wissenschaftlerin des Jahres, mit einer Neurodermitis und einer Eßstörung, die gezeigt, nicht beschrieben wird und die bekommt jetzt den Auftrag ihre Forschung im Tierpark von Graz vorzustellen und für zwei Wochen dort hinzureisen, denn der ist sehr berühmt und sein Direktor Rainer Schilling, war mit seiner Tiersendung im Fernsehen offenbar das Idol ihrer Jugend.

Die Beziehung zu ihrer Familie scheint nicht so gut zu sein, insbesondere, die zum Vater ist sehr schwierig, wie ich überall hörte und sie zieht auch in die Wohnung des Vaters ein. Der ist aber, obwohl er Toastbrot für sie besorgte und ihr den Schlüsselcode bekannt gab, nicht anwesend. Bei einem Kongreß in Wien, wie er ihr sagte. Er war Biologielehrer. Der Bruder, der in Nürnberg lebt, sagt ihr aber, der Vater ist bei ihm, weil er einen Herzinfarkt hatte.

Der Vater ist also abwesend und so reflektiert Luise über ihre Kindheit und ihr Leben. Da gibt es einige Geheimnisse. Im Tierpark wird ihr eine Jahreskarte und eine Fankappe überreicht. Da wird sie von einer Frau Popeschka betreut, muß einen Vortrag halten und wird interviewt. Den Direktor bekommt sie auch erst spät zu Gesicht, da bietet er ihr an, im Tierpark eine Forschungsstelle zu übernehmen, denn das soll in dem Zoo, der eine afrikanische Zone, ein südamerikanisches Restaurant und eine Vorarlberger Stube hat, die von dort importier wurde, errichtet werden und so hasten wir durch das Buch.

Ein Wochenende mit einer ehemaligen Schulkollein Leo, Luise wird von ihr und der Mutter Luis genannt, auf einer Hütte gibt es auch und am Schluß kommt der Vater zurück und das Weitere kann man sich ausmalen.

Eine Stelle hat mich besonders fasziniert, die ich zitieren will:

„Vor der Tür passierte ein Montag, als wäre das Wochenende nie gewesen. Die Stadt berichtete weiter munter vor sich hin. Erzählte von den grossen und kleinen Schandtaten, die grossen im Ausland, die kleinen im Inland, im Ausland gab es Kriege, Waldbrände, Menschen, die mit Reformen warben, Menschen, die mit Reformen drohten, und auch in Brüssel, Washington, und Kairo schienen sich die Menschen weiter uneinig zu sein, im Inand gab es eine ausgebüchste Pythonschlange, die sich in der Klomuschel versteckte und einem Mann mittleren Alters in den Hoden biss, einen Geisterfahrer auf der A2, es gab auch ein Gespräch zwischen einen berühmten Schriftsteller und einem berühmten Dirigenten, die sich getroffen hatten, um über alles zu reden, wirklich alles, es gab den Auftakt der Skisaison mit Schnee-, Wetter- und Touristenprognosen.“

Scheinbar hochaktuell, aber dann wieder sehr unverbindlich. Kein Wort von Corona, Krieg und Wirtschaftskrisen, obwohl das Buchwahrscheinlich in Corona-Zeitengeschrieben sein dürfte.

Das ist vielleicht das Besondere am Schreiben der Marie Gamillscheg, die von Katja Gasser am „Blauen Sofa“, als eine der interessantesten jungen österreichischen Schriftstellerinnen bezeichnet wurde.

Auf die österreichische Buchpreisliste ist das Buch aber nicht gekommen.

2022-11-12

Eine Liebe in Pjöngjang

Schon das siebzehnte deutsche Longlistbuch und ein interessantes widersprüchiges über das sich sicher viel nachdenken läßt.

„Eine Lebe in Pjöngjang des 1983 in Bonn geborenen Andreas Stichmann, der glaube ich beim „Bachmann-Preis“ gelesen hat, den „Bremer Förderungspreis“ bekommen hat und 2017 in Nordkorea gewesen ist, das hat ihn zu dem Buch veranlaßt um seine Reiseerlebnisse nicht nur in Sachbuchform zu verarbeiten, wie ich irgendwo gelesen habe.

So reist eine fünfzigjährige Bibliothekarin, Präsdientin des europäischen Bibliotheksverband, die eigentlich schon in Ruhestand gehen will, gemeinsam mit anderen deutschen Kuturschaffenden, Bloggern, etc, nach Pjöngjang, um dort die deutsche Bibliothek zu eröffnen.

Claudia Aebischer war schon einmal dort, so bleibt sie gelassen, als sie mit den Zug von China über die nordkoreanische Grenze fahren und da die Lichter ausgehen. Die Pässe werden später einkassiert, die Handies haben keine Empfang und Claudia Aebischer sieht im Gegenzug eine junge Frau, die ihr später auf einer gelben Vespa entgegengefahren kommt.

Sie ist ihre Dolmetscherin Sumni. Viel jünger und mit einen alten General verheiratet. Sie hat ihre Doktorarbeit über einen koreanischen Dichter und die deutsche Romantik geschrieben, spricht ein schönes altmodisches Deutsch und ich fragte mich, wo hat sie das gelernt? Ist sie doch nur von ihrem Heimatort an der chinesischen Grenze in die Hauptstadt gekommen und ob es dort wirklich soviele Germanisten gibt, wird ja auch später das deutsche Bibliotheksprojekt von der Regierung beendet und eigentlich hätten dort ohnehin nur Scheinbesucher Zutritt gehabt, ist fraglich.

Claudia Aebischer verliebt sich jedenfalls in die junge Frau und plant sogar mit ihr über die chinesische Grenze nach Berlin zu fliehen.

Der „umschmeichlnder Begleitservice“ ist aber Plan des koreanischen Überwachungsprogramm, so wird Sumni von einer Frauenstimme instruiert und verwanzte Kleider werden ihr auch zugestellt mit denen sie die Bibliothekarin verführen soll. Da geht es in eine Sauna, vom saunieren wird hier gesprochen, dann in eine Bowlinghalle, um der hochgewachsenen Deutschen, die andere Delgation ist schon abgereist, den Tourismus vorzuspielen und Claudia soll mit Sumni und ihren Überwachern zu einem Vulkan reisen, um dort eine Rede halten, um den nordkereanischen Tourismus anzukurbeln.

Die Fluchtpläne werden erweitert, scheitern aber, als bei Claudia im Kulturpalast ein Kreuz entdeckt wurde, so etwas Ähnliches ist Andreas Stichmann auch passiert, wie er bei einer Lesung im Berliner Literaturhaus erzählte. Dort hat er auch sein Filmmaterial, tanzende und singende Kinder, vorgeführt und erzählt, wie er zu der romantischen Sprache in Sumnis Dissertation gekommen ist.

Er hat nämlich einmal die einer einer chinesischen Studentin gelesen und die hat so geschrieben. Am Schluß stiribt der General, Claudia bekommt ihren Paß zurück und Sumni fährt mit der Leiche nach Pjögjang, um weiter im Tourismusbüro zu abeiten.

Ein widersprüchiges Buch, das viele Reaktionen auslöste. Dem „Papierstau-Podcast“ hat es nicht gefallen und sie haben es sogar als Zumutung empfunden, weil hier nur Klischees widergegeben würden.

Andreas Stichmann sagte bei der Lesung, daß er die Überwachung in Pjöngjang gar nicht so arg erlebt hätte und mit seinen Dolmetschern gut ausgekommen wäre.

Ich habe den Sprachstil als sehr einfach empfunden um mich daher anfangs über die Longlistenominierung auch gewundert. Später, als ich dann die anderen Rezensionen gehört habe, bin ich in das Buch hineingekommen und habe es als sehr interessant gefunden über Nordkorea, über das ich wirklich nicht viel weiß, etwas zu erfahren.

Das mit der Liebe im Titel ist vielleicht auch ein wenig widersprüchig, denn über eine lesbische Liebe geht es eigentlich nicht wirklich oder wurde von Andreas Stichmann vielleicht nur dem Zeitgest wegen so angedeutet.

2022-11-08

Trottel

Filed under: Bücher,Buchpreisbloggen — jancak @ 01:38
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Das sechzehnte Longlistund das vierte Shortlistbuch des heurigen dBps und ich muß sagen, ich hätte „Trottel“ des 1951 in Prag geborenen Jan Faktor den Vorzug gegenüber „Blutbuch“ gegeben.

Beides sind sprach sehr ungewöhnliche experimentelle Bücher, beide Autofiktion und mich, die ich ja nur zwei Jahre jünger, als Jan Faktor bin, gebe dessen Memoir mehr den Vorzug, als einem Buch von dem ich nicht sicher bin, ob es sich nicht vielleicht um eine Modeerscheinung handelt, obwohl es sprachlich durchaus eindrucksvoll und ungewöhnlich war.

„Trottel“ ein sehr ungewöhnlicher Titel über den ich Anfangs auch stolperte und nicht recht wußte, wie ich es einordnen soll. Es wurde in der Rezension auch öfter als Schelmenroman bezeichnet, diesen Eindruck kann ich mich nicht anschließen und eigentlich auch nicht so recht verstehen, wieso ihn einige Buchblogger abgebrochen und davon gesprochen und geschrieben haben, wieso das Buch sie nervte.

Das kann ich auch nicht bestätigen, obwohl auch ich über einige Stellen drüber gelesen habe, denn da wird ja wirklich über über den Krautgarten des Lebens des Autors geschrieben, der, wie ich mir vorstellen könnte, wirklich mit dem Stil experimentierte, um aufzufallen und bei den vielen Bücherbergen etwas Besonderes zu bieten.

Es geht, um das Leben von Jan Faktor und da wundert es mich wirklich, daß am Buchbeginn „Es handelt sich bei dem Buch um ein fiktionales Werk. Namen, Figuren, Orte und Vorkommnisse sind entweder Erfindungen des Autors oder werden fiktiv verwandt. Alle Ähnlichkeiten mit tatsächlichen Ereignissen, Örtlichkeiten, lebenden oder toten Personen wären gänzlich zufällig.“

Ob diese Sätze vom Autor oder Verlag stammen, weiß ich nicht. Blättert man aber in Jan Faktors Lebenslauf nach, findet man wahrscheinlich viele Ähnlichkeiten und Zufälle und das Buch ist auch in Ich-Form geschrieben und genervt haben die Buchblogger wohl auch die zweihundertsechzig Fußnoten, in die man sich beim E-Book aber leicht klicken kann und, daß er wirklich von hundersten ins tausensten kommt und sich dabei und das finde ich sehr originell noch Schreibanweisungen gibt oder erzählt, was sein Lektor, seine Großmutter, seine Frau von seinem Schreiben hält.

Das buch ist auch seiner Frau gewidmet. Jedenfalls steht am Beginn der Dank an sie und, daß sie es vielleicht nicht lesen konnte und dann geht er, was die Blogger auch störte, manchmal äußerst ambivalent mit ihr um und beschwert sich beispielsweise darüber, daß sie nicht nur anspruchsvolle Literatur, sondern auch Krimis liest oder verschlingt und das Berührendste an dem Buch ist sicher auch der Selbstbmord des Sohnes, der mit dreiunddreißig Jahren vom Dach des Hauses sprang und deshalb die Eltern auch in eine starke Krise und in den Gebrauch von Psychopharmaka, die er sehr ausführlich beschreibt, stürzte.

Es beginnt aber und das hat mich auch anfangs irritiert, mit der Beschreibung von Käse, den man nicht essen soll und den Unterschied zwischen Prager Weinstuben und Bierkneipen erklärt. Richtig, Jan Faktor wurde in Prag geboren, studierte dort auf Anraten der Großmutter, zu der er offenbar eine liebevolle Bezieung hatte, Informatik, brach das dann ab und fuhr für eine Armeebäckerei die Waren aus, denn im kommunistischen Prag mußte man ja arbeiteten und wurde verhaftet, wenn man das nicht tat.

Später kam er in die DDR. Hat sich dort verheiratet und beschreibt dann das Leben am Prenzlauerberg, bezieht sich auf seinen Sohn, den er mehrmals, als sehr schön beschreibt und dessen Absturz in eine Schizophrenie und ich habe, glaube ich, ein gutes Buch gelesen und das Schelmische daran ist wohl dabei, daß er er sich gleichzeitig über die Schulter schaut und sein Schreiben kommentiert oder kritisiert.

Die Blogger haben das als Distanzierung von dem eigentlichen Thema, der Traueraufarbeitung, bezeichnet. Kann sein, kann aber auch sein, daß Jan Faktor ein so routinierter Schreiber ist, daß er das gar nicht nötig hatte. Ich stelle mir aber schon die Frage, wie persönlich das Schreiben sein kann oder soll, denn wenn man diese persönlichen Details den Lektoren und der Öffentlichkeit preisgibt, ist man sehr verletzlich. Das zeigen auch die Rezensionen.

Wie geschrieben, bis jetzt würde ich in „Trottel“ obwohl mir der Titel nicht sehr gefällt und er mir zu augenhzwinkernd ironisch ist, „Blutbuch“ vorziehen. Mal sehen, was die Literaturgeschichte dazu sagen und die Zukunft weisen wird und ich werde weiterlesen. Warten doch noch vier deutsche Buchpreisbücher auf mich und vor allem „Spitzweg“, das ich als letztes lesen werde, wurde sehr gelobt.

2022-10-31

Blutbuch

Hurrah, hurrah, jetzt kommt das fünfzehnte deutsche Longlist-, das dritte Shortlist-Buch, das auch auf der Schweizer Buchpreisliste steht und das auch erwartungsgemäß oder nicht den deutschen Buchpreis 2022 gewonnen hat, Kim de L`Horizons „Blutbuch“ und der ist offenbar eine Kunstfigur, steht doch in der Biografie „Geboren 2066 auf Gethen. Heute hat aber Kim genug vom „Ich“ studiert Hexerei bei Starhawwk, Transdisziplintät an der ZHdk und textet kollektiv im Magazin DELIRIUM“ und ich muß in meinem Longlistartikel gleich einen Fehler bekennen, habe ich dort doch von „Ssieben Männern und dreizehn Frauen“ geschrieben. Stimmt nicht, denn Kim, wie er sich nennen will, ist eine nonbinäre Persönlichkeit, hat kurze dunkle Haare, einen Oberlippenbart, sehr geschminkt und trägt auffallend bunte Kleider.

Bei der Preisverleihung hat er sich die Haare abrasiert, alle umart und geküßt und ein Happening aus der Veranstaltung gemacht und in den Blogs habe ich gelesen, daß die sich das Buch als Gewinner wünschen.

Da bin ich, eine Frau, fast siebzig und wahrscheinlich doch eher konservativ, etwas gespalten, denn ich habe, als ich ich mir überlegte, wer den Preis wohl gewinnen wird eher an Jan Faktor und Eckhardt Nickel gedacht, dann an Fatma Aydemir und „Blutbuch“ hat vielleicht auch Chancen!“, aber nicht wirklich daran geglaubt und mir mit dem Lesen auch nicht ganz leicht getan.

Daß das Buch aber sehr ungewöhnlich ist und auch Sprachexperimente wagt, kann ich bestätigen. Kim de L`Horizon hat sehr lang dran geschrieben und sagte nach der Preisverleihung auch, daß er vor zehn Jahren wahrscheinlich höchstens in einem Kleinverlag erschienen wäre.

Jetzt hat das Buch schon den „Literaturpreis der Jürgen Ponto Stiftung“ gewonnen, liegt in der Zeit, obwohl der Inhalt dann vielleicht doch nicht so ungewöhnich ist, setzt sich da einer oder eine mit der Familiengeschichte auseinander. Kim verwendet aber das * dabei und nennt, er ist in der Schweiz aufgewachsen, seine Großmutter „Grandmeer“, Grandmeer habe ich gelesen, wäre das Bernerdeutsch für die Großmutter und darum geht es. Die Erzählfigur namens Kim erfährt, daß seine Großmutter an Demenz erkrankt ist und setzt sich daraufhin auf dreihundert Seiten und fünf Kapitel mit seiner Identität und der Familiengeschichte auseinander.

Das Buch ist wahrscheinlich auch ein Stück Naturlyrik, denn es geht, wie schon der Name sagt, um die Blutbuche, oder nein, stimmt wieder nicht. Denn das Buch heißt „Blutbuch“ und da hätte ich zuerst an ein blutiges Buch gedacht und jeder der fünf Teile ist auch in einen anderen Stil geschrieben.

Da geht es in einem also sehr um die Buche und kehrt bis in achtzehnte und neunzehnte Jahrhundert in den Wörlitzer Park und zu Johann Wolfgang von Goethe zurück, während es sich dann wieder um die Mutter und Großmutter, um Hexen und, um ein verschwundenes Kind, die erste oder zweite Rosmarie geht.

Kim ist sehr sexbesessen. Das ist auch Thema und der letzte Teil, die Briefe an die Großmutter ist überhaupt nur in Englisch geschrieben. Kann man das nicht lesen, muß man das Buch umdrehen, denn da gibt es eine Übersetzung. Kim macht also auch etwas mit seinen Lesern und zwingt sie zu Aktionen und im Teil vorher wird die Großmutter in einem modernen Pflegeheim für Demenzen geschildert, wo jedes Zimmer oder Stockwerk einen anderen Zeitabschnitt spiegelt. Das habe ich auch schon gelesen und fand ich sehr interessant. Im Brief an die Großmutter heißt es aber dann, daß die noch gar nicht in einem Heim ist, sondern den Enkel noch erkennt und noch zu Hause lebt da erzählt er der Großmutter auch, daß er sich mit zwei anderen in einer alten Schokoladefabrik im Tessin auf einer Art Schreibwerkstatt befindet, berichtet ihr von seinem Sex und dem Bemalen der Nägel.

Um Sprache und das Schreiben geht es auch dabei und ich komme jetzt wieder zu der Frage, für wen der deutsche Buchpreis eigentlich ist?

Um das Kaufverhalten der Bücher zu fördern, glaube ich, die Buchhändler haben sich am Anfang auch sehr empört, daß da nur Literaturwissenschaftler in der Jury saßen und niemand den Jirgl und den Petzer lesen oder der Schwiegermutter zu Weihnachten schenken will.

Jetzt frage ich, wer wird „Blutbuch“ seiner Mama schenken oder lesen? Die jungen Leute, die sich für das Queer und die political Correktness interessieren, wahrscheinlich. Aber kaufen die Bücher, um fünfundzwanzig Euro und lesen sie noch soviel? Die Schwiegermütter wahrscheinlich nicht und, ob es seinen Platz in der Literaturgeschichte finden wird, wird die Zukunft zeigen.

2022-10-26

Kangal

Jetzt kommt Buch vierzehn der deutschen Longlist, langsam, langsam werde ich fertig und es ist das zweite Buch das von einer jungen Deutsch-Türkin geschrieben wurde, das auch auf der Bloggerdebutliste steht „Kangal“ von der 1990 in Frankfurt geborenen Anna Yeliz Schentke, die offenbar eine türkische Mutter hat und sie zeigt eine mir bisher eher unbekannte Perspektive auf, beschäftigt sie sich nämlich nicht mit dem ehemaligen Gastarbeiterleben und seinen Schwierigkeiten, sondern beschreibt das Leben der jungen kritischen Türken in Istanbul nach dem Putsch von 2016, obwohl sie, wie am Klappentext steht, seit 2015 nicht mehr in Istanbul gewesen ist.

Sie schildert in kurzen knappen Passagen das Leben von drei Protagonisten. Da gibt es Dilek, Tekin und Ayla, die abwechseln ihre Stimmen heben und das Buch beginnt, damit, daß Dilek Istanbul verläßt und nach Frankfurt zu ihrer Cousine Ayla flieht, denn eine ihrer Freudninnen ist verhaftet worden und so fürchtet sie, die sich im Netz „Kangal1210“ nennt, daß ihr das Gleiche passieren könnte.

Ihr Freund Tekin bleibt zurück und wußte gar nichts von ihrer Ausreise und hat in Folge Schwierigkeiten Kontakt mit ihr aufzunehmen, da sie ihr Profil gesperrt hat. So sucht er befreundete Anwälte auf, um sich zu erkundigen, ob Dilek auf der Verhaftungsliste steht und Ayla ihre Cousine, lebt in Deutschland ein ähnliches Leben, wie es vielleicht Fatma Özdemir schildert.

Es beginnt, daß sie ihren Mann Yusuf verläßt, weil er sie geschlagen hat, obwohl ihre Mutter ihr davon abrät, denn das tut eine gute Türkin nicht. Ayla hat auch gegen den Willen ihrer Eltern studiert, die eigentlich wollten, daß sie in ihrem Lebensmittelhandeln arbeitet und Dilek und Alyas Mütter haben sich zerstritten.

Alyas Mutter war die von Dilek zu progressiv. Ihr gefiel es auch nicht, daß Dilek mit Tekin unverheiratet zusammenlebt.Jetzt ziehen die beiden Frauen zusammen und ich fand es sehr interessant einmal etwas von den jungen progressiven Türkinnen und ihren Schwierigkeiten, die sie in Istanbul haben, wenn sie politisch tätig sind, zu hören.

Ein spannendes, dünnes Büchlein, das leicht und schnell zu lesen ist und da kann ich auch anführen, daß ich das letzte Drittel in der Buchhandlung „Morawa“ gelesen hatte. Da bin ich nämlich nach dem kulturpolitischen Arbeitskreis und der GAV-Neuerscheinungslesung gegangen, habe es aus dem Regal genommen, weil es nicht auf den Bücherstapeltischen gelegen ist. Ich kann es aber sehr empfehlen und finde es aus den schon erwähnten Gründen vielleicht sogar interessanter als „Dschinns“, denn dessen Inhalt war mir von meinen Beschäftigungen mit Gastarbeitern schon bekannt, während ich seit 1987 nicht mehr in Istanbul gewesen bin und das politische Geschehen dort auch nicht wirklich mitgekommen habe.

2022-10-19

Lügen über meine Mutter

Schon Buch zwölf des dBp 2022 und das zweite Shortlist-Buch. Daniela Dröschers „Lügen über meine Mutter“, ein autofiktionaler Roman der 1977 geborenen und in Rheinland-Pfalz aufgewachsenen Autorin, die das Leben in einem Dorf oder Kleinstadt in den Neunzehnachtzigerjahren schildert.

Aus der Sicht eines Kindes ist das Familienleben in der Provinz geschrieben und manchmal wirkt diese Sicht auch ein bißchen aufgesetzt, wenn das Kind dann einiges bewußt mißversteht, worüber man dann lächeln soll.

Dazwischen kommen immer wieder kürzere Passagen in dem sich die erwachsen Gewordene mit ihrer Mutter auseinandersetzt und der Vater der Protagonistin, ein Bauernsohn, der es zu einem halben Ingenieur gebracht hat und aufsteigen will, weswegen man in der Familie auch immer Hochdeutsch spricht, das heißt die Großmutter tut das nicht und der ihr Dialekt war mir ziemlich unverständlich, hat Schwierigkeiten mit dem Gewicht der Mutter und mäkelt an ihr, die von Diät zu Diät wankt, immer herum, weil er meint, daß ihr Übergewicht ihn an seinen Aufstieg hindert.

So war es vielleicht am Land im aufstiegsorientierten Deutschland in den Achtzigerjahren und die Mutter, die bei einem Lederhändler die Fremdsprachenkorrespondenz führt und auch einen Französischkurs machen will, ist ein Wunderwuzzi oder ein Modellbeispiel der doppelt oder dreifach belastetet Frau, die kocht, sich um ihre demente Mutter und das Pflegekind der Nachbarin und auch noch um vieles anderes kümmert. Sie holt auch die alten Bauernmöbel von den Dachböden, restauriert sie, um sie dann zu verkaufen und bekommt Ärger mit der Nachbarin und eine Anzeige wegen Diebstahl und schließlich erbt sie eine Menge und interessant ist da, daß der Vater sich, als der Besitzer des Geldes sieht und diesen für einen Neubau verwendet.

Das alte Haus oder das der Eltern soll verkauft werden. Die Mutter restauriert es für die Käufer, als die dann aber den Aufpreis nicht bezahlen können oder wollen, macht der Vater es ihnen großzügig zum Geschenk. Ja, so war es vielleicht in Deutschland in den Achtzigerjahren. Der Vater will sich selbständig machen, unterschreibt den Freunden mit denen er das will, eine Klausel, daß er mit seinem Vermögen oder dem der Mutter, weil keine Gütertrennung für eventuelle Verluste aufkommt und die Mutter wehrt sich nur manchmal dagegen, auch wenn der Vater sie täglich abmessen will oder sie heimlich in den Keller geht und dort statt zu trainieren, Zuckerbrezeln nascht. Der Vater versucht auch die Tochter in den Konflikt einzubeziehen und Eifersuchtsattacken von beiden Seiten gibt es auch, die das dann ausbaden soll oder auch mißversteht.

Drei Jahre im Leben des Kindes werden geschildert. Diese Teile haben klingenden Namen und einen passenden Vogel gibt es dazu auch. Ich fand das Buch interessant, wenn ich auch ein bißchen hinundhergerssen war.

Denn das Umgehen mit dem Gewicht das Hineintappen in eine Eßstörunge und, wie Frau sich damit ihren Körper ruiniert, ist sicher ein wichtiges Thema und so wird das Buch ja auch beworben.

Dann geht es aber um eine Famiiengeschichte, wo die Eltern, die beide ihr Kind lieben und das Beste für es wollen, sich aber offensichtlich nicht verstehen, auch ein bißchen ambivalent beschrieben wird.

Wieso läßt sich die Mutter alles gefallen und wehrt sich nicht, könnte man fragen. Der Vater ist aber auch nicht so eine eindeutig autoritäre Wunderfigur, sondern hat durchaus seine Schwächen, was manchmal ein bißchen widersprüchig oder unrealistisch klingt.

2022-10-14

Geschichte eines Kindes

Buch elf der deutschen Longlist und das zweite der österreichischen Liste, Anna Kims „Geschichte eines Kindes“ schließt fast nahtlos an Celestes Ngs „Unsere verschwunden Herzen“ an. Nahtlos oder nicht, denn es gibt natürlich Unterschiede. Im Sprachstil, in der Bearbeitungsart, das Thema Covid fehlt bei der 1977 in Südkorea geborenen und seit 1984 in Wien lebenden Anna Kim und auch die Beziehung darauf, aber vielleicht wurde das Buch auch in dieser Zeit geschrieben.

Der Anlaß war jedenfalls eine Sozialakte aus Green Bay, die ihr offenbar ihr Mann, der von dort stammt, übergeben hat. Eine Sozialakte aus dem Jahr 1953 und Anna Kim hatte, als sie das Buch geschrieben hat, ein neugeborennes Kind, an Hand dem sie die Entwicklung von Danny Truttmann studieren konnte und das Buch ist und das ist interessant in einer Art geschrieben, wie ich sie auch oft anwende.

Ein großer Teil des Buches besteht aus den Sozialakten, wo die Sozialarbeiter einer Diözese ein zur Adoption freigegebenes Kind, eben diesen Dannys nach seiner rassistischen Herkunft überprüfen.

Nichr zusammenzucken Sprachkorrekte, der Sozialakt wahrscheinlich von Anna Kim nachgeschrieben, ist in der Sprache von 1953 geschrieben, aher kommen dort die Worte „Neger „und „negroid“ vor und die Literaturkritiker die darüber berichteten, erwähnen alle einheitlich, daß ihnen das Lesen dieser Wörter schwer gefallen ist. Aber auf die Worte kommt es wohl nicht an, sondern auf die Haltung, denke ich noch immer und die hat sich seit 1953, wo ich auch geboren wurde, bis heute noch nicht sehr verändert, obwohl wir vielleicht nicht mehr „Onkel Toms Hütte“ lesen dürfen, was eigentlich total unlogisch ist oder Dreadlocks tragen dürfen, wenn wir weißer Hautfarbe sind.

Der zweite Teil, der immer wieder abgewechsend zu lesen ist und womit das Buch auch beginnt handelt von einer österreichischen Schriftstellerin namens Franziska oder Fran, die in Green Bay, Wisconsin, USA, ein Aufenthaltsstipendium hat, sich in dem ihr zugeteilten Wohnheim nicht wohl fühlt und daher zu einer Joan Truttmann zieht, die ihr ein Zimmer wochenweise vermietet und die ist, das ist interessant, die Tochter einer koreanischen Mutter und eines österreichischen Vaters. Hat also das asiatische Aussehen, das ihrer Vermieterin sofort auffällt und da haben wir schon die Verbindung zu Celeste Ngs dystopischen Roman und die ist mit jenen Danny verheiratet, der zur Zeit von Frans Einzug nach einem Schlaganfall in einem Pflegeheim liegt, weshalb sein Zimmer auch vermietet wird, damit Joan nicht allein ist und die übergibt Fran die Sozialakte und gibt ihr auch den Auftrag nach Dannys Vater zu suchen.

Da war also im Jahr 1953 die zwanzigjährige Telefonistin Carol Truttmann, die ihr kind zur Adoption freigegeben hat. Es im Krankenhaus zurückließ und sechs Jahre lang stöberten dann die Sozialarbeiter in ihrem Leben herum und überredeten sie ihnen den Namen des Vaters preiszugeben, damit es in der richtigen Umgebung aufwachsen kann.

Carol schweigt und wird durch eine Sozialarbeiterin namens Marlene Winckler fast in den Selbtmord getrieben. Sie muß dem Spital auch Geld für ihren Aufenthalt zahlen und tut oder hat es nicht. Das Kind wird schließlich in eine Pflegefamilie gegeben und sechs Jahre später von ihr adoptiert und zum Tänzer ausgebildet und Fran reist mit der Akte nach Wien zurück und soll dort jene Sozialarbeiterin aufsuchen, denn die ist in den Fünzigerjahren, nach dem sie Anthropologie studierte, nach Amerika ausgewandert und in den Siebzigerjahren nach Wien zurckgekehrt, in den Achtzigerjahren ist sie, glaube ich, gestorben. So trifft Fran in der Htzinger Villa nur deren Tochter Silvia an und Fran spürt ihren eigenen Wurzeln nach, nennt ihre Mutter, die sich in Korea als Krankenschwester ausbilden ließ, um nach Wien kommen zu können, nur Ha und wird zwischen ihr und der Großmutter Barbara zerrieben, die Fran ihre koreanischen Wurzeln ersparen will. So streitet sich Fran mit ihrer Mutter, wirft ihr ihre Herkunft vor, die schließlich die Villa verläßt und das Buch wirf viele Fragen auf. Und besonders spannend finde ich die Verbindung zu Celeste Ngs Buch, das ich zufällig zwischendurch gelesen habe.

2022-10-02

Rombo

Buch zehn des deutschen Buchpreises, ist, denke ich, wieder kein Roman, sondern eine sehr poetische Skizzenansammlung über die Erdbeben die 1976 in Friaul passierten, der 1956 geborenen Esther Kinsky, die schon 2011 auf der deutschen Liste gestanden ist, auch, als Übersetzerin tätig ist und die ich auch schon bei der „H C Artmann Biennale“ im Juni, glaube ich auch, aus dem Buch lesen gehört habe.

Landschaftsproeme“ hieß dort das Thema und das passt zu dem Buch, das wie schon beschrieben, eine sehr ästhetische Beschreibung der Landschaft und ihrer Gewalten ist.

Und „Rombo“ ist das Geräusch, das kurz zu hören ist, bevor ein Erdbeben beginnt. in sieben Abschnitten erzählt Ester Kinsky sprachgewaltig dieses Naturgeschehen. Beschreibt, wie es so schön heißt, die Flora und die Fauna. Also die Vögel und die Schlangen, die es dort in größeren Mengen zu geben scheint. Jedem der Teile ist ein Abschnitt aus einem geologieschen Buch vorangestellt und dann gibt es auch noch Ortsbewohner, Anselmo, Gigli, Toni, Olga, Mara, Lina, Silvia genannt, die erzählten, wie es damals war.

Da gibt es Ziegenhirten, eine Tankwartin, die nebenbei den Mittagstisch besorgt, Familien deren Väter nach Deutschland zum Arbeiten auswandern und Olga, die aus Venezuela ins Land gekommen ist.

Märchen werden erzählt, da ist mir das von dem „Glücklichen“ in Erinnerung, der einem kranken Königskind sein Hemd geben sollte, damit er gesund werden kann, was aber nicht gelingt, weil der kein solches besitzt und die Sozialstruktur des kleinen Örtchen, wo die Mütter auf Saison in Hotels ans Meer gehen, während, die Väter die Kinder zu versorgen haben, werden auch genau erzählt. Die Mädchen wollen Scheiderinnen oder Friseurinnen werden oder fahren mit dem Bus in die nächste Kleinstadt ins Büro und haben sonst noch nicht viel von Italien gesehen. Die Burschen werden Mechaniker oder ziehen als Scherenschleifer mit ihren Vätern durchs Land.

Nach dem Erbeben werden die „Erdbebenkindern“ mit ihren Müttern und Omas in die verlassenen Hotels zur Erholung geschickt, die für die Wintersaison gar nicht ausgerüstet sind, während die Väter, die zerstörten Häuser wieder aufbauen oder mit ihren Familien wegziehen.

Interessant diese Skizzen, die sowohl in die italienische Sozialstruktur der Neunzehnsiebzigerjahre, als auch in die Flora und die Fauna und in die geologischen Bedingungen einführen, alles in einer ästhetisch schönen Sprache in sehr kurzen Abschnitten beschrieben.

Plot und Handlung gibt es dabei nicht. Ich habe das Buch gern gelesen, es mir eigentlich auf der Shortlist erwartet und bin auch ein bißchen erstaunt, daß es nicht darauf gekommen ist. Aber vielleicht haben sich da die Buchhändler in der Jury durchgeesetzt, da die meisten LeserInnen ja gerne eine spannende Handlung haben.

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