Literaturgefluester

2019-10-21

Kate Glory Lie

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:34
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Jetzt gehts weiter mit der Buchpreispause, sechs deutsche Bücher wären ja noch zu lesen, aber FVA hat mir außer der sehr modernen Beziehungsgeschichte von Paulie Delabroi-Allard noch ein Buch geschickt, daß sich mit der neuen Geschlechteridentität beschäftigt, nämlich das Debut des 1996 geborenen Stefan Scheufelen „Kate Glory Lee“, das nach einer wahren Geschichte geschrieben sein könnte.

Kate Glory Lee oder Karsten Vogel, ein zwei Meter Mann mit Abendkleid, Ohrringe und Highheels oder Frau natürlich, die Drage Queen kokst und dealt sich durch das hippe Berliner Leben.

Die Freunde in der Wohngemeinschaft tun einen ständig etwas in den Tee, so daß es zu herrlichen Szenen am Arbeitsmarktservice kommt, wenn der Bittsteller high vor seiner Beraterin sitzt oder vielleicht im Wartebereich vor sich hin meditiert.

Dazwischen erzählt Karsten Vogel, wie er in dem Berlin der Wendejahre aufgewachsen ist. Der Vater weg, die Mutter depressiv, hat den kleinen Jungen vor den Fernseher gezwungen, bis er ihre Schminksachen entdeckt. Dann verliert der Fernseher seine Bedeutung, die Mutter lädt, während die Mauer fällt, dieNachbarn zu den Shows des kleinen Karsten ein und das Leben einer Drage Queen beginnt, die während sie zu ihren Auftritten tourt von den Taxifahrern angepöbelt wird, sich aber herrlich durchsetzen kann, nicht umsonst trägt sie immer einen kleinen revolver mit sich.

Das Leben holt sie  trotzdem ein. Es kommt zu einem MS-Schub auf der Bühne. Es ist nicht der Erste, die hat sie aber ihren Freunden und Managern verschwiegen, will sie doch nicht bemitleidet werden.

Außerdem geht es zu einen großen Auftritt nach Amerkia, nach Harlem, New York, wo auch noch ein bißchen Drogen geschmuggelt werden und in einem Theater ein Stück gezeigt wird, die die Rolle der Queers im Irak schildert. Da kommt es zu noch einem Schub und der letzte Absatz, fettgedruckt, lautet:

„Es war das letzte Mal, dass Kate Glory Lee die Bühne betrat. Sie erwachte im Mount Sinal Hospital in East Harlem. Nach einem erneuten MS-Schub, dem im Laufe der nächsten Jahre mehrere folgten, gab sie ihre Karriere und Identität als Drag Queen Kate Glory Lee auf. Karsten Vogel sitzt im Rollstuhl usnd lebt in einer betreuten Wohngemeinschaft für MS-Betroffene. Er wird gelegentlich von Sebastiao und Fabio besucht.“

Und vielleicht noch ein Absatz vom Klappentext:

„Mit viel Tempo, Witz und Empathie erzählt Stefan Scheufelen, die einzigartige Geschichte einer Drag Queen, ein bunter Funkenreigen an Ereignissen – bis der Vorhang fällt.“

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2019-10-17

Es ist Sarah

Jetzt kommt eine kleine Buchpreispause, denn FVA hat mir das Debut der 1988 geborenen Französin Pauline Delabroy-Allard, die mit ihrem Erstling großes Auffsehen erregte und damit auch schon einige Preise gewonnen hat, geschickt.

„Eine noch nie da gewesene Liebesgeschichte!“, steht im Klappentext und der Beschreibung und ich bin ein wenig weniger begeistert, beziehungsweise habe ich das Aufsehen erregende Neue dieser Liebesgeschichte nicht so ganz entdeckt und sie im Gegenteil manchmal sogar als ein bißchen altmodisch empfunden.

Sie besteht aus zwei Teilen und einem Prolog, diese Liebesgeschichte, die da auf hundertachtzig Seiten in sehr kurzen Episoden  von der Ich-Erzählerin, einer Lehrerin und alleinerziehenden Mutter erzählt werden, die auf einer Silvesterparty in Paris, die Violistin Sarah, eine sehr ungewöhnliche außergewöhnliche Frau, kennenlernt und eine rassante Liebesgeschichte zwischen den beiden Frauen beginnt.

Eine noch nie dagewesene Liebe, die alles andere darum auslöscht. Sarah, erscheint im Unterricht, holt die Erzählerin mit ein paar Croissants von der Schule ab, die reist mit ihr durch die Welt, begleitet sie bei den Konzerten, erzählt ihren Eltern von der Liebe, die verstehen. Sarahs eltern sind weniger begeistert und dann kommt es zum Bruch, der schon im Prolog angedeutet wird.

Die beziehung scheitert, Sarah verläßt die Erzählerin, erzählt ihr dann von ihrem Brustkrebs und die flüchtet  im zweiten Teil vor der Kathastrophe nach Italien, wo man sicht so recht weiß, ob Sarah nun gestorben ist, sie sie ermordet hat oder sie nur ihren Anblick in ihrer Kranheit nicht ertragen konnte.

Die Erzählerin verläßt also Kind und Beruf und lebt in einer „Wolkenwohnung“, sitzt auf einer Bank, trinkt Spritz in einem Cafe, kauft im Supermarkt Spinatgnocci, erkennt dann, daß sie schon längst Schuberts „Tod und das Mädchen“ auf der in der Wohnung gefundenen Platte hört, was sie letztendlichlich durchdrehen läßt.

Ihr Portemonnaie wird gestohlen, so daß sie sich ihre Gnocci stehlen muß und an ihrer großen Liebe offenbar zugrunde geht.

Eine Szene dieser kurzen Schnappschüße ist imir besonders im Gedächtnis geblieben, nämlich die, wo sie aus Liebeskummer ihren Herzschmerz nicht aushaltend, den Notruf anruft und der dort am Telefon sitzende Mann „Hallo, hallo, Mademoiselle, ist es vielleicht eine Liebesgeschichte, haben Sie vielleicht,um es so auszudrücken, Herzschmerzen, oder ist Ihnen Sie wissen schon, schwer ums Herz?“, fragt.

So etwas habe ich, die da an Panikattacken oder an einem Herzinfarkt denken würde, tatsächlich noch nicht gelesen.

Und auch das ist ein wenig ungewöhnlich, daß sie sich in ihrer Triesterwohnung vom Geist Sarahs verfolgt fühlt und der Wirt, bei der sie täglich ihre Spritz trinkt, sie dann beruhigt, daß das die Bora ist, die es ja in Triest gibt.

„E la bora, picola, die Bora, der Wind, der verrückt macht!“

2019-09-22

In den kommenden Nächten

Jetzt kommt eine kleine Pause beim Buchpreislesen, denn Irmgard Fuchs Debutroman „In den kommenden Nchten“, steht weder auf der deutschen noch der österreichischen Liste, er passt aber thematisch ganz gut zu der Frauenschiene der österreichischen Gegenwartsliteratur, die ich in der letzten Zeit gelesen habe und da die Autorin, von der ich schon einen Erzählband gelesen habe und die ich, glaube ich, seit der ersten Studentenlesung des“ Instituts für Sprachkunst“ im Literaturhaus kenne, 1984 geboren wurde, also Mitte Dreißig ist, geht es hier nicht, um eine Midlifekrise sondern in sehr märchenhafter poetischer Weise geschildert, wahrscheinlich, um eine Sinnkrise oder ein Burnout.

Auf jeden Fall wirkt das Buch schon rein optisch sehr ästhetisch. Das ist Erstens den meistens sehr schönen Covers der „Kremayr& Scheriau- Literaturschiene“ geschildert und dann sieht man, wenn man das Buch aufschlägt schon für einen Roman vielleicht sehr ungewöhnlich, lauter sehr kurze Kapitel, die oft mit Gedichten und Dialogen zwischengeschaltet sind und die Kapitel tragen Überschriften, wie „Sonntag vor nicht ganz dreißig Jahren“ oder „Mittwoch“, etcetera und gleiten so durch das Leben von Doro Grimm, Anfang Dreißig, die eigentlich ein schönes Leben hätte, einen Beruf, einen Freund, eine Wohnung, etcetera.

Trotzdem haut sie von einem Tag auf den anderen alles hin, das heißt sie macht, sie ist technische Zeichnerin, das Projekt ihres Chefs, ein Männerwohnheim, der es ihr überlassen hat, weil er sich bezeichneter Weise, in einem Burnout befindet, fertig, dann packt sie ihre Reisetaschen und formuliert Briefe an ihren Freund Elmar, die sie aber nicht fertig bringt, weil er zwischendurch von einer Migräne geplagt, erscheint und nach einer Tablette verlangt.

So will sie ohne Abschied mit den Taschen die Wohnung verlassen, was auch nicht klappt und, als sie sagen will, sie hätte von einer Frau, die auf Weltreise geht, eine Wohnung gemietet, glaubt er, sie würde auf Weltreise gehen und wird noch wütender.

Sie bleibt bei der Geschichte, zieht in die wohnung, wo die Vormieterin alles, sogar die schmutzigen Unterhosen und die Nudeln am Herd zurückgelassen  hat, was ein wenig  ungewöhnlich wird und formuliert  SMSs an elmar, die sie aber nicht absendet.

Sonst beobachtet sie ein Paar, das ihr gegenüber wohnt. Sie nennt sie Maro und Kuki und führt mit ihnen imaginierte Gespräche. Andere Kapitel gehen in ihre Kindheit zurück, sie ist bei ihrer sehr jungen Mutter und ihren Großeltern aufgewachsen. Die Märchen, die ihr die Mutter vorgelesen hat kommen vor und auch Vögel.

So gibt es in der gemieteten Wohnung eine Vogeltapete und sie kauft auch für die Vögel, die an ihr Fenster fliegen Hirse.

Sonst ist sie ziemlich ratos und weiß nicht, was sie sich zum Essen kaufen soll, hat das Elmar doch für sie bisher besorgt und von einer Hitzewelle wird die Stadt auch getroffen.

Im  vierten Teil ist dann hauptsächlich davon die Rede, Menschen sterben,  Regen wird im Radio angekündigt, kommt aber nie, der Strom fällt aus, etcetera, es macht auch den Eindruck als wäre Maro in der gegenüberliegenden Wohnung schon verstorben. Dann regt er sich wieder und es kommen Leute, um die Wohnung zu besichtigen. Sie geht auch hinüber und sieht dann in ihrer Wohnung einen Mann, der sich als Elmar entpuppt. Er, der sich bisher nicht bei ihr gemeldet hat, kommt doch zu ihr und macht sich, um sie Sorgen.

„Komm, wir fahren nach Hause, sagt Elmar zu dir und fasst dich an der Hand. doch da begreifst du: Du willst nicht. Du kannst nicht. Es hat ja noch nicht einmal angefangen.“

Dann kommt der letzte und fünfte Teil, der nur aus einem einzigen Satz, nämlich“Ich bin Doro Grimm“ und die Leserin bleibt etwas ratlos zurück und muß sich das Weitere denken. Die poetische Sprache aber bleibt im Kopf und auch die schönen Zeichnungen im Pflanzendesign, die die Teile voneinander abgrenzen.

Die Psychologin würde sagen, sie hat das Protokoll eines Burnouts gelesen, was Iris Grimm, der Zusammenhang mit dem Märchenbuch scheint gewollt, eigentlich will und, wie ihr Leben in dem Chaos einer in der Hitze zerfließenden Stadt, wo ihr Geld und die gemietete Wohnung gerade für sechs Monate reicht, ist auch nicht ganz klar.

Der Buchrückentext „Was, wenn der Alltag nicht mehr zu ertragen ist? Ein Roman über einen Ausbruch: Märchenhaft und von beklemmender Schönheit“, hilft auch nicht wirklich weiter.

Ebenso ist mir der Titel nicht ganz klar, obwohl die Nächte in den Kapitelüberschriften immer wieder vorkommen und auch der vierte Teil, der von der Hitzewelle, so heißt.

2019-08-23

Die jüngsten Tage

Filed under: Bücher — jancak @ 00:38
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Und noch ein Debut bevor es an das „Buchpreislesen“ geht, nämlich Tom Müllers „Die jüngsten Tage“, bei „Rowohlt“ erschienen, das schon länger in meinem Badezimmer liegt, aber erst  nach dem zwanzigsten August besprochen werden soll.

Also voila, Tom Müller wurde, bibografische Angaben gibt es leider keine in dem unkorrigierten Presseexemplar,1982 in Friedrichshain geboren, ging früh nach Italien, um die Sprache zu erlenen, was man in dem Buch auch merken kann und ist Verleger im „Tropen-Verlag“.

Das Buch, dein Roadmovie in die Vergangenheit könnte man so schreiben, ist vielleicht eine  sanftere Variante von Lukas Rietschel „Mit der Faust in die Welt“ schlagen, denn es geht auch um eine Jugend in der DDR, die es jetzt ja bald dreißig Jahre nicht mehr gibt und außerdem ist Strippe gestorben. Der Ich-Erzähler Jonathan, ein Lehrer, soll deshalb zur Beerdigung nach Berlin fahren und mit dessen Mutter sprechen, was er beides nicht will.

So driftet er stattdessen ab in die Vergangenheit, in die Schulzeit, zu den Erlebnissen mit den Mitschülern und den Lehrerinnen, den Erlebnissen beim Eisenbahnfahren und natürlich geht es um das Italienisch, wo man die Zunge rollen lassen muß, um die Wörter richtig auszusprechen.

Er ist ein Fan Gabriele d`Annunzios, der Hund heißt Pasolini und eine Freundin namens Elena gibt es auch. mit ihr macht er urlaub in den Dünendörfern, es geht aber auch nach Italien, der Nonno wird besucht, etecerta.

In Episoden, die Übeschriften, wie „Vita“, „Pythagoras“, „Imperium“, etcetera, tragen, wird das fast zusammenhanglos erzählt, so daß sich Eine beim Lesen etwas schwer tun und wieder denken kann, was ist das Neue an dieser Geschichte, an diesem Roman?

Aber natürlich, es ist ein Debut und da werden die Kindheit, die Jugend und die Schwiergikeiten, die man dabei hat, ausgerollt und aufgearbeitet.

Auf der Longlist des Bloggerdebutpreises steht das Buch auch.

Mal sehen, ob es auf die Shortlist kommt?

2019-06-02

Kreise ziehen

Filed under: Bücher — jancak @ 00:53
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Nun kommt ein Quartbuch aus dem „Wagenbach-Verlag“, das ich als E-Book gelesen habe. das Debut des  in Bangladesh geborenen und in Toronto lebenden Arif Anwar, das 2018 unter den Titel „The Storm“ erschienen ist und die Geschichte, die von verschiedenen Liebespaaren, die zu verschiedenen Zeiten, an verschiedenen Orten lebten und die kunstvoll miteinander verknüpt ist,  bezieht sich auch auf einen Sturm, den es 1970  in Bangladesh, Bengalen, gegeben hat.

Von dem wird Honfua überrascht und nachdem sie ihre Besitztümer vergräbt und ihre Freundin bittet, ihren kleinen Sohn in Sicherheit zu bringen, geht sie in einem Tempel zu der Göttin Kali beten, obwohl sie längst zum Islam, dem Glauben ihres Mannes, dem Fischer Yamir konvertierte und daher in der Dorfgemeinschaft zur Außenseiterin geworden ist.

Das nächste Kapitel spielt dann 2004 in Washington DC, da ist Shar, oder Shahryar, ein Absolvent eines Politstudiums, dabei seine kleine Tochter Anna, mit deren Mutter er nicht verheiratet ist, zu besuchen. Sein Aufenthaltsvisum läuft ab und er muß, wenn er keine Stelle findet, nach Bangladesh zurück, will aber bei Anna bleiben, so gerät er in Kontakt zu einem Anwalt, der ihm eine Stelle verspricht, wenn er dafür für ihn spioniert.

Dann geht es in die Vierzigerjahre nach Indien zurück, dort wird Rahim, der später mit seiner Frau Zahira, Shar, nachdem dessen Eltern bei dem Sturm umgekommen sind, adoptierten, entführt, Lösegeld wird verlangt, was ihn und Zahira veranlassen, nach Bangladesh zurückzukehren, was einige Verwicklungen auslöst, die erst später erklärt werden.

Es gibt dann noch eine paar weitere Handlungsstränge, die in die Politik des geteilten Indiens, ab der Neunzehnhundertvierzigerjahre einführen, so gibt es eine britische Ärztin, die einen gefangenen japanischen Piloten rettet und einen aus Österreich stammenden budhistischen Mönch, den der Pilot in Burma aufsucht, gibt es auch.

Nicht chronologisch, sondern durcheinander, werden dieser einzelnen Handlungsstränge erzählt, so daß sie erst nach und nach ein Gesamtbild ergibt und einen langsam in ein wahrscheinlich fremdes Land und eine fremde Kultur einführt und so ein interessantes Panaroma der Liebe und, wie im Beschreibungstext steht „der Versöhnung und darüber, wie Menschen einander helfen und man eine Familie findet“ entsteht.

Eine Parallele zum heutigen Flüchtlingsgeschehen und den Verwirrungen, die Menschen, durch durch Krieg erleiden, läßt sich dabei auch  ziehen.

2019-04-17

Das Leben ist eins der Härtesten

Filed under: Bücher — jancak @ 00:22
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Jetzt kommt wieder ein Debut und zwar von einer sehr jungen Frau, der 1991, geborenen Giula Becker, die für „Das Leben ist eines der Härtsten“, bei „Rowohlt“, erschienen, schon einen Debutpreis bekommen hat und mir ging es recht ambivalent mit dem Buch, das in seiner Absurdität und Skurillität, am Klappentext steht wieder etwas von „grandios-komisch“ an Nele Pollatscheks Debut erinnert hat und am Anfang, im ersten Teil war ich baff, denn ich dachte, das ist ja ungefähr das, was ich in meinem nächsten Romanprojekt beschreiben will und habe mich gefreut, daß  die jungen Autorinnen alle sehr realistische Romane zu schreiben scheinen.

Denn da gibt es vier Personen, Silke, Renate, Willy-Martin und Frau Goebel und die werden im zweiten Teil für drei Tage in ein „Tropical Island“ eine Art Wellnessparadies in der Ex-DDR, wenn ich es richtig verstanden habe, aber da hat mir das Buch schon nicht mehr so gefallen.

Der erste Teil ist aber wirklich sehr eindrucksvoll geschildert, daß ich wieder dachte „Wui, wie kann die das schon mit achtundzwanzig Jahren?“ und um es kurz zusammenzufassen. Es passiert wieder einmal viel zu viel und die Tragik wird wahrscheinlich sehr geschickt, um den Lesergeschmack zu treffen, mit der Komik aufgewogen oder überbordet, so daß ich das Buch eigentlich als sehr traurig empfunden habe und dazu passt auch der Titel und der Schlußsatz den Silkes Oma immer sagte:

„Das Leben ist eines der Härtesten, wenn die Depressionen im Winter wieder schlimmer wurden und ihr nichts anderes mehr übrigblieb, als über die ganze Sache zu lachen.“

Da denke ich auch, wie kommt eine Achtundzwanzigjährige zu diesen Sätzen? Hat sie sie erlebt oder nachempfunden und um, mit dem Anfang zu beginnen oder wieder ordentlich zu spoilern, Silke hat einmal im Leben, als sie ihren damaligen Mann Unterlagen zu einer Konferenz bringen sollte, die Notbremse gezogen und das hat ihr ganzes Leben zersötrt. Sie sitzt jetzt, wahrscheinlich Jahre später, auf einem Berg von Schulden oder eigentlich arbeitet sie in einer Bahnhofsmission, denn sie hat auch und das fand ich sehr interessant und sehr schön ausgearbeitet, ein Helfersyndrom.

Diese Bahnhofsmission wird köstlich geschildert. Denn der Leiter ist ein Herr Marquart und der will ein hippes Szenelokal aus der Sozialeinrichtung machen, so daß es eine teure Kaffeemaschine gibt und die Obdachlosen hinausgegreult werden.

Silke spielt da nicht mit, sondern geht mit Zippo, das ist einer der Obdachlosen, der Krebs hat, zum Arzt und will, da die Sozialsysteme offenbar für die Behandlung nicht aufkommen, was zum Glück, glaube ich, noch nicht so realistisch ist, dafür Geld sammeln.

Sie hat aber auch eine Freundin namens Renate, die ihr damals in ihrer Krise geholfen hat, die ist eine sehr skurrile Person, deren Hund gestorben ist. So daß sie sich aus der Depression, in der sie sich seither befindet, nur durch massive Impulskäufe retten kann und Willy-Martin ist ein Taubenpfleger mit Hundephobie, der beim Online spielen, eine Kerstin kennengelernt hat. Die zieht über Nacht mit ihrem Hund bei ihm ein und vergreult ihn aus seiner Wohnung, so daß  beide bei Silke landen, die gerade von ihrem Ex-Mann, der wieder zu ihr will, besucht wurde und sich außerdem, um die neunzigjährige Frau Goebel kümmert, die nur noch den Wunsch hat, in dieses Tropical Ressort zu kommen.

So fahren die vier mit Willy-Martins Taubenlaster dorthin und dort passieren skurrile Sachen. Renate flippt völlig aus, wird aus dem Paradies hinausgeworfen, ißt Unmengen an Sachen und zerstreitet sich  mit ihren Freunden und im Teil drei, der bezeichneterweise „Das Finale“, heißt, wird versucht das Ganze wieder zusammenzuhalten und zu einen guten oder auch skurillen Ende zu bringen.

Silke wammelt das Geld für Zippos OP, der aber verschwunden ist, verkauft dafür ihre wenigen Sachen auf einem Flohmarkt. Willy-Martin dem es gelungen ist, Kerstin hinauszuschmeißen und seine Wohnung vom Hundekot zu säubern, hilft ihr dabei. Entdeckt dabei Renate, die dabei ist, ihre Impulsvekäufe wieder zu verkaufen und Willi-Martin bringt Silke auch auf die Idee es mit einem Spendenlauf zu versuchen.

Der endet natürlich auch kurill mit nur vierzig Euro Einnahmen. Frau Goebel stirbt dabei , macht Silke zwar zur ihrer Erbin, hat aber auch nur etwa zweihundert Euro. Am Schluß kommt Renate aber mit einem Säckchen in dem 150 000 Euro stecken und alles alles wird gut.

Silke begleitet Zippo ins Krankenhaus und wir haben gelernt, daß das Leben eines der Härtstens ist und dabei, wie es sich vielleicht der Verlag wünschte, ein paar skurille Tränen gelacht, die bei mir aber, die ich ja alles sehr ernst nehmen, eher steckengeblieben bin und am Schluß nicht so recht weiß, was ich von diesem Debut halten soll?

Ein gutes Buch? Ein schlechtes Buch? da bin ich mir nicht so sicher. Wahrscheinlich ist das Potental von beiden enthalten. Ich hätte es gestraffter und  weniger skuriller gemacht, aber dann wäre es wahrscheinlich kein so großer Erfolg geworden und die  die Tränen wären einen beim Lachen auch nicht gekommen oder stecken bleiben.

 

2019-04-09

Heinz und sein Herrl

Filed under: Bücher — jancak @ 00:29
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Nach den vergessenen Dichterinnen geht es jetzt wieder nach Österreich, zu den Debuts und zu „Kremyr&Scheriau“, wo ich Dank Veranstaltungspause jetzt schon die zweite Frühjahrsneuerscheinunglese, nämlich Eva Woska-Nimmervolls „Heinz und sein Herrl“ und die 1969 in Mödling geborene, habe ich ja schon bei den „Wilden Worten“ aus ihrem damals noch unvollendeten roman lesen höre und habe, glaube ich, mit ihr auch schon am Volksstimmefest gelesen und muß sagen, es ist ein interessantes Buch, ein spannendes Debut.

Bei der Lesung habe ich den Inhalt nicht so mitbekommen und mir gedacht, „Was soll das? Ein Roman wo ein Hund die Hauptrolle spielt, so was „Lustiges“, mag ich eigentlich nicht!“

Irrtum, es ist ein sozialkritischer Roman, in der Manier, wie ich auch schreibe. Am Buchrücken steht zwar etwas von „raunzig bis romantisch, die Geschichte von Heinz und seinem schrullig-paranoiden Besitzer“.

Da bin ich wieder einma voll nicht d àccord, denn ich mag es eigentlich nicht, wenn man alles, was irgendwie abseits des Mainstrreams ist, als „schrullig komisch“ bezeichnet.

Denn da ist der, glaube ich, namenloser Besitzer des Heinz, des Hundes, der lebt in einen Gemeindebau in Floridsdorf, lebt vom Arbeitsamt, hat Panickattacken oder ist ein Hypochonder, so daß ihm die Ärtzin zu der er immer geht, um sich zu erkundigen, ob er nicht vielleicht doch Krebs hat und sie das endlich erkannt hat?, zur Kriseninverention schickt.

Dort fährt er hin, geht jedoch nicht hinein, kommt nicht dazu, denn er landet mit seinem Hund, der Heinz wie sein Nachtbar heißt, auf einer Hundedemonstration, dort lernt er die Krankenschwester Irene kennen, so weit so gut.

Oder doch nicht so gut, denn als er vorher mit seinem Hund nach Hause ging, traf er den Nachbarn im Hof. Heinz, der Hund wollte hin, das Herrl rief „Hein komm her!“

Der Nachbar war beleidigt, das Herrl griff zum Besenstil,  der Nachbar stürzte und irgendwer rief aus dem Gemeindebau:“Ich habe alles gesehen!“

So weit, wieder gut, blöd nur, daß der Nachbar etwas später an einem Schlaganfall stirbt und das Herrl, der Hypochonder bildet sich nun ein, schuld daran zu sein.

Er macht sogar Anzeige auf der Polizei. Dazu nimmt er, Sigrid, seine Anwältin mit. Ansonsten ist das Herrl eher ein sozialschwacher Typ, der nicht einmal einen Computer hat, so daß er zu einem Freund oder anderen Nachbarn geht, um sich von ihm eine E-Mail- Adresse einrichten zu lassen, auf der er Irene <nachrichten schicken kann.

Dort kommt es aber zu einem Erpressungsversuch von einem Sheriff, der nun fünfhundert Euro vom  Herrl haben will, sonst würde er der Polizei alles erzählen.

Aber keine Angst, alles geht gut aus und, ich habe, würde ich sagen, endlich einmal einen Roman gelesen, der, wie ich es mir wünsche, nicht so abgehoben ist, sondern von seinen feinen kleinen Andeutungen lebt und trotzdem oder gerade deshalb, sehr unterhält.

Dem Buch war ein „K&S“ Programmheftchen beigelegt. Die Literaturschiene dieses eigentlich sehr großen „Indie-Verlages“ gibt es ja schon seit 2015 und seither sind, wie darauf steht, 6099 Seiten, 29 Bücher, 21 Autorinnen und 17 Debuts erschienen.“

„Wui ganz schön beachtlich!“, könnte man sagen und um ein wenig anzugebendreiundzwanzig habe ich davon  gelesen. Und noch ein weiteres Detail, alle davon waren von jungen Frauen, obwohl es auch einige männliche Autoren gibt.

Vielleicht noch etwas zum Cover und zur optischen Getaltung, die bei „K&S“, meistens, nicht immer, manchmal sind die Covers auch ganz schön kitschig, sehr schön gestaltet sind.

Diesmal ist es wieder eines nach meinem Geschmackt, nämlich ein stilisierter Hund als Titelbild und ein solcher auf jeder Seite und die Seiten sind rotgefärbt, „Mach Platz!“, steht darauf, was vielleicht auch schön stimmig ist.

2019-03-27

Saison der Wirbelstürme

Filed under: Bücher — jancak @ 00:43
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Jetzt kommt noch ein Debut, allerdings eines der 1982 in Mexiko geborenen Fernanda Melchor, die sich in ihrem Buch mit der Gewalt an Frauen beschäftigt, in Zeiten wie diesen ein sehr wichtiges Thema, wo die Unterdrückung an Frauen sowohl von den muslimischen Kulturen als auch von den Rechten kommt und Mexiko macht mit seinen Frauenmorden auch immer wieder Schlagzeilen.

Im Vorwort steht, daß Teile der Geschichte auf wahren Tatsachen beruht, am Schluß wird einigen Journalisten gedankt und dazwischen zieht es sich in sieben Kapitel hin zwischen dem bekannten lateinamerikanischen magischen Realismus und einer sehr auffälligen brutalen schonungslosen Sprache der Autorin, wo vor sich hin geflucht und geschimpft wird, wie man es literarisch vielleicht noch nicht so gehört hat.

„Die Vergessenen oder Die Medusa von La Matosa“ titelt der „Falter“ seine Kurzrezension und es beginnt am Mord einer „Hexe“, einer alten Frau, die umgeben von Schmutz und Müll in einem heruntergekommenen Haus eine Art esotherische Heilerpraxis betrieb, in der sie sicher auch Abtreibungen vornahm und von deren unsagmbaren Reichtum man munkelt.

Das beschreibt das erste Kapitel in der schon erwähnten deftigen Sprache. Dann geht es zu den verdächtigten Jugendlichen. Jungs um die vierzehn, die die Gewalt, die sie erlebten an ihre Schwestern und Cousinen weitergeben, die sie von ihren Müttern habe, die von ihren Männern längst verlassen wurden oder sich das Leben durch Prostiution erkauften.

die Gegend in der das Ganze spielt ist arm und heruntergekommen. Die Jungs träumen von billigen oder auch teueren Adias-Schuhen oder billigen vermischten Koks. Die Frauen wahrscheinlich von der Liebe, die sie nie bekommen haben und höchstwahrscheinlich auch nicht annehmen können und das Ganze spielt in dem Haus der Hexe, einem heruntergekommenen Krankenhaus, wo man nach der Vergewaltigung oder Abtreibung von der Sozialarbeiterin noch angebunden wird, in der Kirche, der Katholizismus mit seinem Reichtum un den billigen Madonnen die in den Häusern der Armen stehen, spielt in Mexiko ja  eine große Rolle und natürlich auch im Gefängnis.

Daziwschen wird es immer mal ein bißchen magisch durchtränkt und wir bleiben mit offenen Mund vor der Gewalt, der Armut und den Terror, den es auf der Welt noch gibt und  den man hierzulande längst überwunden glaube, nach dem Lesen zurück.

So ist das bei „Wagenbach“ erschienene Buches sehr zu empfehlen und wer die Autorin kennenlernen möchte. Sie kommt am ersten April nach Wien und liest um neunzehn Uhr in der Hauptbücherei am Urban Loritz Platz.

Ein Glas Wein gibt es, glaube ich, nachher auch.

2019-03-22

Als ich mit Hitler Schnapskirschen aß

Filed under: Bücher — jancak @ 00:26
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Jetzt geht es regulär weiter auf meiner Leseliste, obwohl ich das Buch eigentlich mit nach Leipzig nehmen wollte und daher im Normalfall ein anderes vorgezogen hätte.

Ein Buch mit einen sehr neugierig machenden Titel, Elias Hirschl hat 2016 ein ziemlich ähnlich lautendes, nämlich „Meine Freunde haben Adolf Hitler getötet und alles, was sie mir mitgebracht haben, ist  dieses lausiges T-Shirt“, geschrieben.

Um was es hier geht, habe ich keine Ahnung, bei dem Debut der 1974 in Mark geborenen Manja Präkels schon, wurde das Buch doch im Jänner in der „AS“ vorgestellt, so daß ich meine Neugier stillen konnte.

Es geht um die DDR, nicht um das dritte Reich, wie man ja auch denken könnte und der Hitler, heißt eigentlich Oliver und ist der Nachbarjunge der jungen Mimi, die wahrscheinlich auch so um 1974 in einem kleinen Havelstädtchen aufwächst.

Die Mutter ist Lehrerin an der Schule, die sie besucht und Pionierleiterin, eine überzeugte DDR-Funktionärin also, der Vater war Verkaufsstellenleiter, ist aber sehr krank, hat Diabetes und eine kaputte Niere und im ersten Teil des Buches geht es darum, wie die kleine Mimi in den Sommerferien mit ihren Freunden von einem Elitepionierlager in das nächste geschickt wird.

Dazwischen wird sie von ihrer Mutter unterrichtet, geht mit ihrem Freund Oliver Angeln und berauscht sich mit ihm bei Familielenfest an den besagten Schnapskirschen.

Dann zerbricht zuerst die Freundschaft und danach die DDR und Manja Präkels erzählt ziemlich lapidar, wie sich plötzlich alles in der Schule ändert. Einige Lehrer verschwinden, weil sie Stasi-Mitglieder waren. Der Mutter, die schon Direktorin war, wird nahegelegt, sie soll nochmal studieren oder den Beruf wechseln und Oliver, nun Hitler genannt, wird Anführer einer Nazubande und beginnt mit seinen Freunden die „Neger“ zu klatschen“, etwas, was mein „Freund Uli“ ja immer behauptet, nie gegeben hat.

Lukas Rietzschel hat in seinem Debut etwas später auch darüber geschrieben und Manja Präkels „sucht in ihrem Romandebut nicht nach allgemeine gültigen Erklärungen für die Gewalt, sondern beobachtet und beschreibt aus der Perspektive ihrer heranwachsenden Protagonistin“, steht am Buchrücken, was etwas war, was mir beim Lesen  einige Schwierigkeiten machte, ist das Buch, Mimi wird später auch Redakteurin,  nicht sehr geplottet, sondern zählt im dritten Kapitel die Ereignisse, wie Hitler-Oliver den und den zusammenschlägt, eher journalistisch auf, so daß es mir nicht sehr leicht fiel, der Handlung  zu folgen, während mir der Wechsel von dem einen zum anderen System, zuerst im Sommer die Pionierlager und dann braucht man plötzlich keine Russischlehrer mehr und die Leute fallen bei den Pyramidenspielen herein, verlieren ihr Geld und ihre Posten, viel pointierter schien und dazwischen wird immer wieder von der Krankheit des Vaters, sein Warten auf seine Organtransplantationen und auch von Mimis Freunden und den Tieren, die es in dem Haushalt gibt erzählt.

„Er verschwand und ich stand noch auf der Veranda, als alle übrigen Gäste längst gegangen waren. Starrte den Himmel an. Kippte Schnäpse in mich hinein und betäubte meine Ahnung, der Junge, den sie Hitler nannten, habe mir damals das Leben gerettet“, lautet der letzte Satz, der mich ebenfalls  etwas ratlos zurückließ, hätte ich es doch gern ein wenig mehr erzählender und auskomponierter gehabt.

Der lapidare, knappe Ton ist aber wahrscheinlich genau das, wofür das Buch Preise und auszeichnungen bekam und wofür die Autorin hochgelobt wurde.

2019-03-07

Schellenmann

Jetzt kommt ein Debut des 1988 in Ludwighafen geborenen  Phillipp Böhm, der 2016 beim Open Mike unter den Finalisten war, aus dem „Verbrecher Verlag“, der offenbar immer wieder viele schöne Debuts bringt, die dann auf den „dBp-Buchpreislisten“, auf der des „Leipziger-Buchpreises“ stehen oder den „Blogger-Debutpreis“ gewinnen.

So war 2015 Anke Stellings „Bodentiefe Fenster“, das erste Buch, das ich aus dem Verlag gelesen habe, von dem ich, glaube ich, durch Kathrin Passig, die Bachmannpreisträgerin von 2006, das erste Mal etwas gehört habe, Joanna Reisingers „Still halten“ ist, glaube ich, auch dort erschienen und im letzten Jahr hat Bettina Wilpert nicht nur den „Aspekte“ sondern auch den „Blogger-Debutpreis“ gewonnen.

Da habe ich dann eine Verlagsvorschau erhalten und bin in Kontakt mit dem Verlag gekommen, von dem ich inzwischen einige Bücher in meinem Badezimmer liegen habe und demnächst lesen werden und „Schellenmann“ hat mich, kann ich schreiben, ein wenig verwirrt, weil ich nicht so recht wußte, wo ich das Buch einordnen soll? Vergleichsrezensionen gibt es noch nicht sehr viele, ist es doch, glaube ich, erst im Jänner erschienen.

Ist es jetzt der übliche „Coming of Age Roman“, die Geschichte des Erwachsenwerdens, eines jungen Dichters oder ist es eine Dystopie und Schilderung eines trostlosen Endzeitszenarios, wie diese Welt nun einmal ist oder erlebt werden kann, wenn man in der philosophischen Krise steckt und die noch literarisch verarbeiten muß, damit man nach Klagenfurt zum Wettlesen geschickt wird oder den „Aspekte-Preis“ bekommt?

Ich glaube, es ist eine Mischung von Beiden und in der Buchbeschreibung wird die ungewöhnliche Sprache des jungen Autors gelobt und dann ist etwas von zwei jungen Männern geschrieben, die in einer Fabrik arbeiten und das Aufwachsen an den Rändern erleben.

„Nun ja!“, habe ich da wahrscheinlich gedacht und am Beginn des Buches an Gianna Molinaris „Hier ist noch alles möglich“ gedacht, das ja auch in einer Fabrik spielt und von einer trostlose Welt handelt.

Man weiß nicht so genau, ob und was in der Fabrik hergestellt wird? Jakob, der Held und Erzähler muß jedenfalls Stoffstücke in einen Häckser füllen und sonst ist auch noch so einiges merkwürdig. Die Geschichte spielt in einem Sommer, der nicht enden will, wo die Eichhörchen tot von den Bäumen fallen und die Menschen immer aggressiver werden und Jakob nach seinem Freund Hartmann sucht und dabei von einem merkwürdigen Schellenmann verfolgt wird.

Das steht so ungefähr im Beschreibungstext und dann liest man sich in fünfundsechzig Kapitel durch die zweihundertzwanzig Seiten und ist ein wenig ratlos, denn die Vermischung  der oben genannten Themen macht es der Leserin nicht leicht.

Jakob ist von draußen in die kleine Stadt gekommen, Hartmann sein Freund, der ihn offenbar nach Beendigung der Schule in die Fabrik brachte, war schon immer da und im Text wird auch noch etwas von einem Geheimnis geschrieben, dasJakob nicht weiß und das ich, muß ich gestehen, bis zum Ende des Buches auch nicht so ganz herausgefunden habe.

Am Anfang des Buchs stolpert man öfter über Stellen, da war Jakob zehn, zwölf, vierzehn, etcetera und man hat auch das Gefühl, daß nicht chronologisch, sondern durcheinander erzählt wird.

Die Geschichte spielt jedensfall in dem heißen Sommer, wo die Eichhörchen sterben, Müllsäcke im Bach abgelagert, Kühe geschlachtet und die Menschen immer aggressiver werden, so daß schon propehzeit wird, daß sie alsbald mit Küchengeräten aufeinander losgehen werden.

In der Fabrik bleibt man offenbar auch nicht lang oder doch, nur die Looser bleiben und die anderen verschwinden und so ist das mit Hartmann passiert, der jetzt von Jakob gesucht wird.

In der Fabrik gibt es einen Vorarbeiter namens Warzenmüller und dann einen Schlosser, einen Serge, einen Philliph etcetera,, die alle auch mit Jakob in Verbindung stehen. Bei Phillipp horcht die geprüfte Leserin auf und denkt sich, ist das vielleicht der Autor, der auch in der Geschichte mitmischt?

Jakob klaut ihm oder steckt sein Handy ein und ruft dann eine stumme Schülerin  an, die aber schnell gesprächig wird, Serge führt ihn in eine Bar ein, wo es zu einer Schlägerei kommt und man denkt an die üblichen Erwachsenwerdenrituale und dann gibt es noch einen Wald vor dem sich Jakob fürchtet und in dem schreckliche Geheimnisse geschehen ist. Da denkt man an eine Vergewaltigung und einen Mißbrauch, was der Autor aber selbst gekonnt relativiert.

Die Fastnacht gibt es auch, da hat offenbar die Geschichte zwischen Hartmann und Jakob angefangen und da begibt offenbar die Geschichte von dem Schellenmann, von dem Jakob verfolgt wird, der aber auch nicht näher erklärt wird.

Jakob fährt also mit dem Bus, auch so eine geheimnisvolle Metapher, weil der nie kommt und man auch nicht so genau weiß, was dann geschieht, in Hartmanns Haus, um ihn zu suchen, wird aber immer nur von der Großmutter empfangen und hört auch die Stimme, der Mutter, die die Großmutter nach Hartmann fragt.

Viel später ruft Hartmann Jakob an, fragt ihn, warum er sich nicht gemeldet hat? Fordert Jakob auch auf ihn zu besuchen, als der das aber nach einigen Zögern tut, ist der nicht mehr da.

Aus der Fabrik wurde Jakob inzwischen auch entlassen, so daß ihm nicht anderes über bleibt, als „Okay“, sagt Jakob zu sich selbst und steigt endlich aus.“

So endet das Buch und die Leserin bleibt, auch wenn sie schon einige Debuts gelesen hat, etwas ratlos zurück, fragt sich wieder, was sie noch von dem Autor hören und lesen wird?

Denkt, ein gekonnt geschriebener Roman mit einem nicht wirklich neuen Thema. Aber natürlich, das wahrscheinlich, was einem Dreißigjährigen bewegt und es da natürlich klar ist, daß das die doppelt so alte Leserin, die schon viele solche Romane gelesen hat, nicht aus den Socken reißt. Noch dazu, wo der gesellschaftliche Anteil, der für die ja sehr wichtig ist, sehr verhalten und verschlüsselt daher kommt.

Ein junger Sprachkünstler, der von seinen Schwierigkeiten mit der Welt erzählt, dessen Lebenslauf ich weiterverfolgen werde und gespannt wird, ob er es auf die Bloggerdebutshortlist schaffen wird und wie es ihm und den Roman so gehen wird?

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