Literaturgefluester

2021-05-26

Das Liebesleben der Pinguine

Filed under: Bücher — jancak @ 00:13
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Bevor es mit dem „Preis der Leipziger Buchmesse-lesen“ weitergeht, warten noch ein paar Rezensionsexemplare auf mich und da gibts, glaube ich, auch wenns nirgends draufsteht, das Debut „Das Liebesleben der Pinguine“, des 1991 in München geborenen Bernhard Heckler, der für die „Süddeutsche“, die „Zeit“ und andere Magazine schreibt und für seinen Roman einen gar nicht so originellen Titel gewählt hat.

„Gibt es das nicht schon?“, fragt man da wohl und liest dann Heinz Strunks Botschaft: „Bernhard Heckler hat ein sehr gutes Buch geschrieben. Ich wünsche ihm viel Erfolg“ am Buchrücken.

Das klingt auch nicht sehr originell und nach langer Beschäftigung und dann steht noch etwas von „Smartphones und Laptops und Fitneßstudios“, die Welt, der in den Neunzigerjahren Geborenen, zu lesen, obwohl es in dem Buch bis in die Achtzigerjahre zurückgeht und die Handlung ist vielleicht auch ähnlich dem Muster, wie Peter Roseis „Märchen vom Glück“ aufgebaut ist.

Vier Protagonisten, die einen Vierer oder Dreier bilden und beginnen tut es, als Niko und Sascha fünfzehn sind. Nura, deren Vater aus Ghana kam weshalb sie Afrolook trägt, ist zwei Jahre älter. Sascha und Nura sind ein Paar. Dann bricht der zum Austauschsemester nach Italen auf und überträgtNiko die Fürsorge für Nura, der ihn prompt betrügt.

Niko und Nura bleiben einige Jahre zusammen und im neuen Jahrtausend arbeitet Niko in einer Firma, die Proteinprodukte herstellt, kommt darauf, daß er auf Männer steht und fliegt zu seinem Freund, einen iranischen Straßenmusiker nach Istanbul. Nura ist Ghostwriterin. Das heißt, sie arrangiert die Dates für eine Datingplattform und kommt da in Kontakt mit einem Franco, der ist noch im vorigen Jahrtausend in Sizilien bei einem Mafia-Onkel aufgewachsen, der ihn zum Schutzgeld einsammeln schickt. Da verliebt er sich in die Bäckertochter Antolella, die zum Studium nach Deutschland will. Der Onkel verhindert das zuerst. Franco nimmt aber Sascha, ein Stück auf seinem Moped mit und jetzt ist er nach Deutschland gekommen. Über hundert Kilo schwer, trainiert für den „Strongest man-Wettbewerb“, arbeitet als Landschaftsgärtner und geht zu Nura, damit sie ein Date für ihn arrangiert. Die wittert in ihm den Stoff für einen Roman und wendet sich an eine Agentur. Franco trifft beim ersten Date auf die eßgestörte Jamila, die aus Beirut kommt und überraschenderweise geht alles gut, während Franco noch versucht mit seiner Tochter Gianna, die er von Antoella hat, Kontakt aufzunehmen.

Das gelingt vielleicht durch das Freilassen von zwei Schwalben, denn Franco beschäftigt sich auch mit dem Verkaufen von illegalen Tieren und da kommt es zu einer beeindruckenden Szenen, die zu den Pinguinen führt. Denn Nura will Frano ein paar Tage begleiten, um Stoff für ihren Roman zu bekommen.

„Ich denke mir die Gescichte selber aus, aber ich tue mir leichter, wenn ich ein reales Vorbild habe!“, steht irgendwo. Etwas, was auch für mich zutrifft, obwohl ich damit schon öfter Ärger hatte.

Die begleitet ihn also zu einem Herrn Oberländer, der Franco, die geschmuggelten Tiere verkauft. Der ist in aufregung, denn seine Mutter hatte einen Schlaganfall und liegt am Boden. Auf die Rettung wird gewartet. Aber im Nebenzimmer wartet ein Pinguin, der aus einem Tierpark gestohlen wurde. Den soll Nura in ihrem Bad verstecken. Sie bringt ihn aber in den Zoo zurück und hat noch ein anderes Problem. Denn sie hat Sascha wiedergetroffen und ist nun im dritten Monat schwanger. Hat ihm das aber noch nicht gesagt. Tut das erst und das halte ich auch für eine originell Szene, als das Baby tritt und sie ihm das mitteilt. Zur Aussprache zwischen ihr, Niko und Sascha kommt es auch.

Franco hat während dem „Strongest man-Wettbewerb“ eine Gehirnblutung erlitten, Jamila einen Selbstmordversuch unternommen. Trotzdem geht das Leben zu Anfang des einnundzwanzigsten Jahrhunderts weiter und wenn ich mich nicht irre, nicht einmal so schlecht und zwischendurch gibt es immer wieder ein paar Einschübe, damit man sich mit den Pinguienen oder ihrem Liebesleben besser auskennen kann.

2021-05-02

Wir sind allein unter den Bäumen

Filed under: Bücher — jancak @ 00:39
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Jetzt kommt wieder ein Debut und wieder ein Roman der eigentlich keiner ist, sondern eine beeindruckende Skizzensammlung in einer sehr schönen künstlerischen Sprache des 1983 in Zwickau geborenen Jonathan Böhm, der in Leipzig lebt und auch am Literaturinstitut studierte, vor der Danksagung betauert er, daß alles in diesem Buch, die Handlungund die Personen frei erfunden wäre und wenn man trotzdem Ähnlichkeiten erkennte müßte man „die Wirklichkeit beschuldigen, weil sie Verhaltenswisen hervorbringt, die man wiedererkennt.“

Also auch sehr schön formuliert und es geht um eine Schulklasse in der ehemaligen DDR, die dort aufgewachsen und vielleicht sogardas Abi machten und danach in alle Winde verschwanden und einer von ihnen, Richard ist verstorben. Nun tragen sie ihn zu Graben und reflektieren dann über ihn und das Leben und tun das, wie am Klappentext steht „Richard ist tot. In seinem ersten Roman erzählt der Autor in eindringlicher sprache von einer Gruppe junger Menschen, die einst Freunde Richards waren und später in verschiedenen Berufen und auf denkbar unterchiedlichen Wegen ihr Lebensglück versuchen. Böhm schafft es aus verschiedenen Erzählperspektiven und Erzählzeiten ein Puzzle zu entwerfen, und wir Leser schauen wie durch ein Kaleidoskop auf die Biografien der Protagonisten, was uns bis zur letzten Zeile in Atem hält“ und ich schreibe wieder, daß es hier ein wenig schwierig für mich wurde, weil ich mich nicht immer auskannte, da die handelnden Personen immer in der „Ich-Perspektive“ sprachen, so daß ich oft nicht wußte, wer ist wer?

Richard ist tot und da gibtes einen Christoph, eine Dora, eine Damris, eine Kristina, eine Sophie und und, also die Klassenkollegen, die erzählen und auch die Erzählzeiten, was mir im Klappentext ein wenig weiterhalf, waren nicht immer klar. Wann ist Richard jetzt gestorben? Nach dem Abi oder erst später? Denn er ist nach Bremen gegangen und hat auch in verschiedenen Berufen gearbeitet.

Eine große Rolle spielt ein See, vor dem sich alle treffen, hingehen und ihre Erinnerungen an Richard davon. Einezieht ins alte Land und züchtet alte Äpfel und ein Plastwerk spielt auch eine große Rolle in dem Buch, das eigentlich könnte man sagen aus verschiedenen Szenen besteht, die lose meist mit schönen Metaphern und Überschriften verbunden, zusammenhängen.

So machen die Abiturenten in diesem Werk ein Praktikumund müßen den Wachmann fragen, wenn sie in den Pausen oder auch so an den See wollen. Der hat ein Bildchen mit einer Fee irgendwo hängen und das treffen wir späterin einem Hospitz wieder, wo eine der Abiturentinnen Krankenschwester ist und der Wachmann seiner Leukämie erlag. In dem Werk soll umgebaut werden, die Leiharbeiter entlassen. Nur einer setzt sich durch und ein anderer Klassenkamerad, ich glaube Jakob, wollte Schauspieler werden.Später wurde er Lehrer. Vorher spielte er aber in einem Becket Stück.

Sehr eindrucksvoll und schön erzählt. Für mich, die ich es ja gerne ganz genau auserzählt haben will, ein wenig unklar. So weiß man beispielsweise bis zum Ende nicht, wer Richard eigentlich war. Von einigen seiner Freunden erfährt man viel. So geht eine mit Sophie am Meer entlang, um nach Dänemark zu sehen und erzählt dabei, daß ihr Vater, der Pfarrer, die Mutter mit der Katechetin betüg tund die Eltern der anderen sind auch geschieden und die Mutter hat sich nach ihrem Krankenschwesterberuf doch noch entschloßen Medizin zu studieren. Schöne undauch sozialkritische Szenen von der Veränderung der DDR in die das vereinte Deutschland und der 1983 geborene Autor als Kind erlebte.

Schön erzählt und eindrucksvoll. Von Jonathan Böhn wird man wahrscheinlich noch einiges hören. Ein Roman ist es, denke ich, trotzdem nicht, es sollte aber auf Long- oder Shortlist des Bloggerdebuts und vielleicht auch noch auf andere Listen kommen.

2021-04-09

Der Himmel vor hundert Jahren

Filed under: Bücher — jancak @ 12:00
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Jetzt kommt ein Debut, nämlich der Roman der 1988 in Moskau geborenen und in Berlin lebenden oder gelebt habenden Yulia Marfutova, die beim Klagenfurter Literaturkurs eingeladen war und auch sonst bei verschiedenen Schreibwerkstätten mitmachte, was sich offensichtlich lohnte, denn der „Himmel vor hundert Jahren“, wo der Umsturz und die russische Revolution auf sehr märchenhafte Art und Weise mit einer poetisch schönen Sprache erzählt wird, ist ein interessantes Buch.

Schauplatz ist ein Dorf am Fluß und seine Bewohner. Da gibt es den Dorfältesten Ilja, der so wie sein Vater und seine Großväter heißt und wie alt er ist, weiß man erst nicht wirklich,denn die Dorfbewohner gehen oft erst nach Jahren in die nächste Stadt aufs Meldeamt, wo der Beamte dort streng nach dem Vaternamen fragt und den Kleinen dann so nennt. Der ist aber jetzt schon alt geworden, der Dorfälteste und eigentlich recht wohlhabend und das Besondere an ihm ist auch das kleine Röhrchen, das er einmal gefunden hat, mit dem er das Wetter vorhersagen kann.

Er hat auch eine Frau Inna Nikolajewa, die nach dem Zaren heißt, der fällt ein Messer aus der Hand, was bei den abergläubigen analphabeten heißt, es kommt ein Mann ins Haus. Die drei Töchter sind an einer Seuche gestorben, übergeblieben ist die Enkeltochter Annuschka oder Anna und derMann, der ins Haus kommt, ist Wadik, einer mit einer Uniform und ohne Stiefel, der zuerst schweigt, später aber durchblicken läßt, daß er lesen kann und auch ein geheimnisvolles Papier in der Tasche hat, daß er Anna übergibt. Die stiehlt wie eine Rabe oder eine Elster. Pjotr ebenfalls ein alter Mann verschwindet oder ertrinkt im Fluß und am anderen Ufer sind auch immer wieder Männer zu sehen. Das Dorf spricht von derveränderten Realität, die Ikonen verschwinden und am Ende der Geschichte hört man noch, daß der Gutsbesitzer auch so eine Autoriät, wie der Zar ins Ausland verschwunden ist,um seine Familie zu besuchen, obwohl er das sonst nichts tat.

Das ist alles was Yulia Martinova über die Realität ab 1917 erzählt. Sonst deutet sie, wie schon erwähnt nur an. Bleibt bei Metaphern, gibt in einer schönen andeutungsreichen Sprache, die Gedanken, Vermutungen, den Irr- und Aberglauben, der ungebildeten Ddorfbewohner wieder, die keine Ahnung von den Geschehnissenaußerhalb des Dorfes haben und doch von der Geschichte mitgerissen werden. Listen werden, wie bei Simone Hirth angelgtund Andrey Kurkov hat mit seinem „Volkskontrolleur“ wohl etwas Ähnliches versucht. Geschichte mit Ironie, Andeutungen und märchenhaften Metaphern zu erzählen.

Am Am Schluß des Presseexemplars, das leider keine biografischen Angaben hat und auch im Netz ist über die jungen Autorin nicht viel zu finden führt Yulia Martinova ein Märchen an, daß sie offenbar für das Buch verwendete und ein Buch von Orlando Figes „Die Tragödie eines Volkes. Die Epoche der russischen Revolution 1891 bis 1924“. Das Buch ist auch ihren Großeltern gewidmet und in einem Verlagsinterview habe ich gelesen, daß der „Rowohlt-Verlag“ begeistert von dem ungewöhnlichen Debut war und es stimmt, so hat man die russische Revolution wohl noch nie gelesen. Ich bin beeindruckt und gespannt, ob und auf welche Nuchpreislisten das Buch, das im März erschienen ist, kommen wird. Eine Lesen würde ich empfehlen, was soll man auch in Zeiten wie diesen anders machen und Parallelen zur heutigen Realität lassen sich höchstwahrscheinlich ebenfalls herstellen.

2021-03-12

Ameisenmonarchie

Filed under: Bücher — jancak @ 00:43
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Jetzt kommt wieder ein Debut aus der „K&S-Literaturschiene“, die mir ja so getreulich ihre Neuerscheinung schicken,nämlich der Roman der 1983 in geborenen Romina Pleschko, die eine Schauspielausbildung machte und die „Leondinger Akademie“ von Gustav Ernst absolvierte und in dem Buch über das am Buchrücken steht „Was passiert hinter den Fassaden der Großstadt? Ein Wohnhaus wird zur Schnittstelle für allerhand Kurioses. Witzig, schräg und klug: ein tabuloser Genuß“, hat einen erstaunlich frischen frechen Ton und erzählt eigentlich das, was ich schon in den Achtzigerjahren in meiner „Die Gasse oder Marthas Wohnungen“ zu schreiben versucht hat und, glaube ich, der Inhalt des Siegerkurzghörspiels von „Track5“ war.

Ein Haus beziehungsweise seine Bewohner werden in kurzen Szenen geschildert. Da gibt es den Frauenarzt Herb senior, seinen Sohn Herb Junior und desssen Gattin Magdalena. Der, einer ehemaligen Architekturstudentin, die dann zu malen anfing und jetzt, ähnlich, wie die oda in „Der Erfindung der Sprache“, im Laufe ihrer Ehe verstummte und mit einem abgeschabten Hausmantel, der seine Federn am Kragen verliert herumläuft, mischt er Beruhigungsmittel in die Salami, von der sie sich hauptsächlich ernährt. Dashabe ich schon von Hausärzten gehört, daß die ihre Frauen mit den „little helpern“ süchtig machte und ich habe es auch in „Kerstins Achterln“ thematisiert.

Der Sohn ist schwul und soll trotzdem die Praxis übernehmen und Herb Senior beschäftigt sich mit seinen drei blonden Assistenteninnen, die den Junior nicht ernst nehmen, mit den neuesten Fertilisationsmethoden, die man im Osten viel billiger als in Wien bekommt.

Der Sohn verfällt einen Abgeordneten einer „Nicht wählbaren Partei“, der später Minister wird und bekocht ihn hingebungsvoll, bevor der ihn verläßt und ich fragte mich, wieso geht er nicht in die Praxis? Aber da herscht ja noch der Vater und eine Kosmetikverkäuferin namens Karin gibt es in dem Haus auch. Die ist alleinerziehende Mutter, bloggt viel in einem Familienforum und wird vom Nachbarn namens Klaus gestalkt. Dann wird sie seltsamerweise vom Abgeordneten schwanger und kann den Beruf aufgeben, dem Kaufhaus, einer japanischen Firma kündigen, das seine Angehörigen unterdrückt und am Schluß wird dieser Klaus Lottomillionär, gibt das Geld in teuren Hotels aus, wo er Berühmtheiten nachfährt und ihre Haare sammelt. Herb Senior erleidet einen Schlaganfall und der Junior bandelt mit einem Junkie an, wird von ihm aber ermordet oder niedergstochen.

Also eigentlich viel Handlung in dem Buch, dessen einzelne Szenen manchmal etwas zusammenhanglos wirken, als wären es kurze Skizzen, die zu einem Ganzen zusammengeführt wird. Der Ton ist frisch und modern und es werden Themen angeschnitten, die man vielleicht sonst noch nicht gelesen hat.

Ein interessantes Buch, das ich auf die Longlist des Bloggerdebuts empfehlen kann und dann wird es spannend sein ob es auf sie Shortlist kommt

„Kremayr und Scheriau“ ist da sehr prominent unterwegs und hat schon einige ShortlistBücher hervorgebracht. Das Cover ist wieder sehr ästhetisch. Es zeigt eine Hausfassade mit verschiedenen Fenstern hinter denen man die Silhouetten der Bewohner studieren kann. Eine Feder von Magdalenas Morgenmantel gibt es zwischen den Kapitel auch immer wieder zu finden und ein ähnliches Projekt in dem Hausbewohnter beschrieben wurde, hat ja auch einmal Tim Krohn mit seinen Crownfounding-Romanen gestartet, das, glaube ich, nach dem dritten Band vom Verlag gestoppt wurde.

Dieses Haus ist sicher sprachlich anspruchsvoller beschrieben und daher eine Leseempfehlung, auch wenn ich den Titel wieder nicht ganz verstanden habe. Aber vielleicht sind die Ameisen ein Synonym für die Hausbewohner, die sich durch ihr Leben wurschteln.

2021-03-10

Gegenstimme mit Musik

Bei der diesjährigen „Hörspielgala“ ist das Hörspiel des1983 in Schlierbach OÖ geborenen Thomas Arzt „Laue Nächte“ auf Platz zwei der Publikumsauswahl gekommen, gleichzeigtig wurde auf seinen bei „Residenz“ gerade erschienenen Debutroman „Die Gegenstimme“ hingewiesen, der heute im Literaturhaus präsentiert wurde und Daniela Strigl, die moderierte, wies in ihrer Einleitung darauf hin, daß Thomas Arzt zu den bedeutensten jüngeren Autoren Österreichs gehört dessen Stück „Grillenparz“ das nicht mit Grillparzer zu tun hat, sondern der Name eines oberösterreichischen Berges darstellt, 2011 im Schauspielhaus uraufgeführt und vorher in der dortigen Theaterwerkstatdt erarbeitet wurde.

Dann gibt es noch ein von Daniela Strigl erwähnte Stück namens „Alpenvorland“ sowie eine „Else (ohne Fräulein)“ und noch ein paar andere Sücke. Und jetzt der Debutroman und richtig Musik gab es auch, die von den 1994 geborenen Paul Schuberth, der zwischendurch improvisierte und auch ein Stück zu dem Buch geschrieben hat und dann noch einen Walzer spielte.

In dem Buch geht es u, den 10. April 1938 in dem es die Abstimmung zum Anschluß Österreichs an Deutschland gab und da ist ein Karl Bleimfeldner, der , in Innsbruck studierte in seinen Heimatdorf Schlierbach zurückgekommen, um mitzustimmen und das war. wie Daniela Strigl schon verraten hatte, der Großonkel des Autors und offenbar der einzige von den Dorfbewohnern, der gegen den Anschluß gestimmt hat und diesen Tag beschreibt Thomas Arzt in seinem Roman mit einer, wie Daniela Strigl auch erwähnte, besonderen, nämlich gehetzten hastigen Sprache. Ich denke, sie war ein wenig Dialekt gefärbt und die Dorftyen, die zur Wahl schritten, beziehungsweise davon zurückkamen und ergründen wollten, wer denn der eine Abtrünnige war, der Bürgermeister, seine Gattin, seine Tochter, das deutsche Mädel, der besoffene Schuster, Karls Vater, glaube ich, den Dorftrottel, der auch dagegen stimmen will, sich das dann aber nicht traute, beziehungsweise „Grüß Gott!“, stotterte, als er zum Hitlergruß aufgefordert wurde und das Besondere an der Lesung, Thomas Arzt hat sehr gut gelesen, füge ich hinzu, waren auch Bildauffnahmen, die einen Waldweg offenbar von dem Dorf Schlierenbach zeigte, denn es gab dort schon eine szenische Lesung. Der Roman war damals, wie Thomas Arzt später im Gespräch mit Daniela Strigl erwähnte, noch nicht fertig, sondern nur drei Kapitel stark und er war sich auch nicht sicher, ob er je fertig werden würde und Daniela Strigl wolllte dann noch wissen, ob Thomas Arzt nie daran gedacht hatte, ein Stück daraus zu machen? Was er vermeinte. Er hätte angst davor gehabt, daß es verheitzt wurde und es sich auch in den Vertrag schreiben lassen, daß das ein anderes tun würde.

„Ist Thomas Bernhards „Heldenplatz“ verheitzt worden?“, hat Daniela Strigl dann noch promt gefragt, was wohl insofern zu verneinen ist, weil Thomas Bernhard so berühmt war, daß er sich wahrscheinlich alles leisten konnte.

Interessant und spannend wieder ein historischer Roman über die NS-Zeit und ein Stück Zeitgeschehen und die Diskussion führte dann auch in die Gegenwart zurück oder endete mit ihr und ich werde mir das Buch, ob meiner langen Leseliste wohl nicht anfragen, bin aber sehr gespannt, ob ich es einmal finden werde und was ich noch von dem jüngeren Dramatiker höre, weil ich ja nicht so oft ins Theater gehe und das ja derzeit gar nicht möglich ist.

2021-02-28

Kleine Freiheit

jetzt kommt ein Debut, nämlich der Roman der 1978 geborenen in Lübeck lebenden Redakteurin Nikola Kabel, die sich an Hand ihrer Richterin Saskia und deren Vater Hans mit dem Leben der Vierzigjährigen, die von achtundsechziger Väter in Kommunen aufgezogen wurden, jetzt trotz Studiumbei bei den zwei Söhnen zu Hause bleiben will, weil sie sie nicht so, wie sie aufwachsen lassen will und da in eine Bürgerinitiative gegen Windparks hineinkommt und damit in Berührung mit einem alten konservativen rechten Herrn in AfD nähekommt.

Nikola Kabel tut das auf erstaunlich realistische, journalistische Art, eben. Keine literarische Überhöheung und die Lebensläufe lustig innerhalb vermischt. Mal istman bei der Mutter, die mit ihren Kinder Weihnachtskekse backt und dann wiederbei der kleinen Saskia in der WG, wo man kein Weihnachten feiert und sie das dann ihren Schulkollegen erklären muß, daß sie wegen dem Konsumterror keine Barbiepuppe, wie die anderen bekommen hat.

Was tut dann eine Acht-oder zehnjährige? Sie tastet sich vorsichtig an die Rucksäcke der WG- Bewohner heran, nimmt da eine Mark und dort ein paar Pfennige, schleicht sich dann mit zitternden Knien in ein Kaufhaus hinein und am Schluß gibt es dann am Dachboden gut versteckt, die Barbie, den Ken und sogar das Pony, das hat sie dann gleich in dem Kaufhaus geklaut.

Später kommen dann die auch die Geschenke und Barbiepuppen. De bringt die Mutter Meggie, wenn sie von Amerika auf Besuch kommt, mit. Dann reist sie wieder zurück und läßt die Kinder mit dem Vater und den WG-Genossen allein.

Es geht aber viel weiter zurück, denn der linke Hans, auch ein erfolgreicher Rechtsanwalt, der überall auf der Welt Vorträge hält, stammt aus einer Apothekerfamlie, die ältere Schwester Luisle wurde im Krieg verschüttet. Der Vater kommt mit nur mehr einem Arm aus demKrieg zurück. Dann kamen die WGs und die Meggie oder Margarete stammt aus einer achtsamen Kaufmannsfamilie.Meggie ist nach dem das dritte Kind, das nicht von Hans ist, tot auf die Welt kam, nach Amerika ausgebuchst und dort an einem Autounfall gestorben, als Saskia zwölf, war.

Da war sie dann oft auch für die kleinere Schwester verantwortlich. Hat Mutterstelle übernommen, geputzt und aufgeräumt und sie so geworden, wie sie ist. Eher konservativ und daher leicht für die Vorträge der neuen Rechten empfänglich, denn der Herr von Wedekamp ist sehr freundlich und entschuldigt sich,dafür daß es keine vegetairischen Speisen gibt, weil er nicht wußte, daß Saskia kein Fleisch ißt und die ist so geworden, weil die Mutter früher Hühner schlachtete, Nikola Kabel packt in ihre Geschichte sehr viel hinein und der Hans hat seine Religiösität doch nicht so ganz verloren, wie es scheint.

Der will plötzlich aus Frankreich, wo er lebt, zu Weihnacht in das Dorf bei Hamburg, wo Saskia mit ihrer Familie lebt, kommen. Da kommen auch die Schwiegereltern und da kommt es zu einem großen Eklat, als Hans den Buben erzählt, daß sie sich nicht an den Spielsachen der China freuen dürfen, weil die unter kapitalistischen Umständen und durch Kinderarbeit erzeugt wurden, da schreit Saskia ihn an, erzählt von der Flüchtlingsinvasion, von dem Anschlag auf dem Weihnachtsmarkt, von den Vergewaltigungen, die es gerade gab.Es kommt zum Streit. Hans reist ab. Es wird ihm ständig schlecht, ein Tumor wird diagnostiziert. Er will zu Ostern oder den Sommer mit seinen Töchtern verbringen. Saskia wehrt zuerst ab. Dann stehen die Schwesterm am Grab des Vaters, Sophie soll zu ihrer Schwester ziehen und deren Mann Christian hat sich auch unter der Woche in eine Wohnung nach Brüssel zurückgezogen.

So ist es oder haben es wahrscheinlich viele, die heute vierzig oder siebzig sind, erlebt und sind vielleicht auch aus diesen Gründen so geworden wie sie sind.

Das Buch spielt wie man am Prelog und Epilog ersieht, 2017. Inzwischen sind wir vier Jahre weiter, die neue Rechten wurden von Corona überfrannt und wirkt wahrscheinlich mehr im Untergrund weiter, als es damals war. Denn inzwischen engagieren sind ja die Rechten sich für die Freiheitsrechte und zeigen nicht mehr jeden Vergewaltigunsversuch, der vielleicht von einem jungen Syrier kommt auf und kämfpen vielleicht auch nicht mehr gegen jeden Windparkt. Ob das aber wirklich gut oder vielleicht noch viel schlechter ist, kann man jetzt wahrscheinlich noch gar nicht sagen.

Aber spannend sich durch das Buch zu lesen, weil man dabei, je nachdem wie alt man ist, wahrscheinlich vieles findet, das man selbst so erlebt hat.

2021-02-03

Die Rezepte meines Vaters

Filed under: Bücher — jancak @ 00:41
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Jetzt kommt das erste Buch des französischen Gastrokritikers Jacky Durand und es ist ein interessantes Debut, eine Vater-Sohn Geschichte in drei Teilengegliedert, die ob autobiografisch oder nicht, über den Autor ist im netz nicht sehr viel zu erfahren, einige Familiengeheimnisse eingebaut hat und aufdeckt, aber eigentlich sind die Stellen über das Kochen, die in das Buch eingebaut sind, die stärken des Romans. Die Stellen, wo Julien, der Erzähler über das <kochen schreibt, nicht der Rezeptteil am Schluß, die fand ich eigentlich banal. Es war auch nicht so ganz leicht in das Buch hineinzukommen und einiges an der Handlung, erschien mir auch nicht ganz logisch.

Da ist Julien, der Ich-Erzähler, dessen Vater zu Beginn des Buches im Sterben liegt, der Monsieur Henri genannt, ein Arbeiterkind, der auch im Algerien kämpfte, führte ein kleines, aber auch berühmtes Restaurant, in dem er von früh bis spät stand, dessen Finger weil öfter ins heiße Öl gegriffen, lauter Narben besteht.

Julien hat das Restaurant inzwischen übernommen und resumiert nun über sein Leben, in dem er mit dem Vater in der Du-Form kommuniziert. Über seine Kindheit, wo der Vater seine schöne Mutter, eine Französischlehrerin nicht in das Restaurant ließ, während der Sohn immer kochen und dem Vater helfen wollte.

Eines Tages ist die Mutter verschwunden, der Vater scheint verstört und das Kochbuch, wo die Mutter die Rezepte des Vaters aufschrieb, will er ins Feuer werfen, als der Sohn verkündet, daß er nicht studieren, sondern Koch werden will. Was er nicht darf, denn er soll ja aufsteigen, Ingenieur werden, mit dem Kopfberuf zu etwas bringen. Schließlich erfährt man, daß Helene gar nicht seine Mutter war, sondern die bei der Geburt verstorben ist und Julien wird in eine technische Schule gesteckt, die ihm gar nicht liegt, weil ihm da die Begabung feht.

Vvorher gab es noch zwei berührende Stellen, nämlich die, wo er in der Grundschule einen Aufsatz schreiben und vorlesen soll. Er liest das Kochrezept von Mousse au Chocolat aus dem Kochbuch vor und bekommt von der Lehrerin dafür einen Tadel, den er er vom Vater unterschreiben lassen soll und dann die, wo er die Ferien in einem Lager verbringt und dort für alle kocht.

Nach dem Abitur, für das er mit einem Freund der Familie lernt, zieht er in die Stadt, wo er erfahren hat, daß Helene dort inzwischen lebt, VictorHugo ist auch dort geboren und beginnt eigentlich überraschend Literaturwissenschaften zu studieren. Daneben verdingt er sich als Koch, nimmt schließlich, als bei Vater der Krebs diagnostiziert wird, doch Kontakt mit Helene auf, vorher hat er es nicht geschafft und ist immer wieder aus den den Telefonzellen geflüchtet, die ihm am Schluß auch das Kochbuch wiedergibt.

Ein interessantes Buch, wie schon geschrieben, mit einigen Unlogigkeiten und Widersprüchen und, wie ebenfalls beschrieben, schönen Stellen über das Kochen fand ich sehr berührend.

2020-12-12

Das Palais muß brennen

Hurrah, hurra, ich bin fertig mit der österreichische Buchpreisliste, nachdem ich jetzt auch das dritte Debut, Mercedes Spannagels „Das Palais muß brennen“, gelesen habe und die 1995 geborene, habe ich ja schon im Sommer fast live bei den O-Tönen gehört. Fast live bedeutet, weit hinten auf der Bank und ist man zu weit nach vorn ans Absperrgitter gekommen, hat einem der Securitguard weggescheucht. Nun ja, wir leben in Corona-Zeiten. So habe ich die nächshten zwei Lesungen nur per Livestream gehört. Aber da hatte ich schon das Buch auf meinen knien und konnte mitlesen und der klappentext liest sich ja vorallem, für mich, die ich mich ja sehr für politische Literatur interessiere, sehr spannend. Da geht es um die Tochter einer rechtkonservativen Bundespräsidentin die neun Windhunde hat. Die Mutter hat sie, die Tochter, den Mops namens Marx und da denkt man, spannend. Noch dazu, wo ich mich ja mit dem „Bibliotheksgespenst“ und der „Unsichtbaren Frau“ und wahrscheinlich noch in anderen Büchern mit der Politik versucht habe. Geht man zu „Amazon“ liest man die Enttäuschungen, denn da schreibt einer oder eine, geht es ja nur um Sex und ums Kiffen und ich muß gestehen, ich habe mir auch ein bißchen schwer getan, in das Buch hineinzukommen. Aber spannend und interessant ist es allemal und man kann ja nachdenken, wie man es selbst besser machen hätte können?

Da ist Lu oder Luise, die Tochter der Präsidentin, die Rechtswissenschaft studiert, eine Schwester namens Yara hat, eine Freundin Lili, die von der Mutter nur die „Proletin“ genannt wird, aber die stammt ja selbst aus dem Plattenbau. Jetzt residiert sie in dem titelgegebenen Palais und Luise, die auch dort wohnt, rennt von Zimmer zu Zimmer. Einen Ferdi, der die Hunde betreut gibt es auch, der ist ein Burschenschaftler und die Mutter will ihn mit Lu verkuppeln, aber die rebelliert. Schwingt Zitate und Sprüche, plant eine Kunstaktion gegen die Mutter am Opernball. Dazu kommt es dann leider nicht. Denn ein Henry hat vorher schon in dem türkisen Zimmer gefilmt, wo sich die Mutter einer Korruption nicht abgeneigt zeigte. So müßen sie und ihre Töchter das Palais schließlich verlassen und richtig, fast hätte ichs vergessen, am Opernball ist Lu noch mit Sef im Frack aufgetaucht und hat die Mutter mit ihrer lesbischen Freundin brüskiert. Die nimmt dann ein Angebot an, nach Russland ins mittlere Mangement zu gehen und Yara zieht in das Tatoostudio in dem sie schon vorher arbeitete. Lu plant auch eine Reise und die Revolution ist vollzogen?

Natürlich nicht und jede zwanzigjährige macht wohl eine rebellische oder phiosophische Krise durch und der Präsidentintochter ist es in dem Palais ja eigentlich ganz gut gegangen und inzwischen haben sich die Zeiten ohnehin verändert. Jetzt stehen die Rechten auf den Anti Corona-Demonstrationen und ich habe schon überlegt, ob ich nicht die „Stoppt den Corona-Wahnsinn-Petiton“ der FPÖ unterschreiben soll?

2020-10-28

Streulicht

Nun kommt schon oder erst Buch achtzehn des dBps, das fünfte Shortlistbuch und eines das im Vorfeld hochgelobt wurde.

Das Debut der 1988 in Frankfurt am Main geborenen Deniz Ohde, die eine türkischstämmige Mutter hat und das ein Thema unfaßt, das eigentlich ziemlich klar und selbstverständlich istund auch nicht so neu, sondern schon hundermal diskutiert und beschrieben wurde und, daß ich zugegeben nicht im literarischen sondern eher im soziologischen pschologischen Sinn auch schon oft gehört habe, nämlich daß Arbeiterkinder in den Schule diskriminiert werden, daß sie viel weniger, als die aus Mittelschicht und Bildungsfamilien zu einem höheren Schuzlabschluß kommen. Daß sie, wenn sie schon auf dem Gymnasium sind, dieses öfter abbrechen und, daß es Kinder mit Migrationshintergrund auch sehr schwer haben und oft als sekundäre Analphabeten, die Schule verlassen und dann zu Problemjugendlichen werden ist auch nicht ganz so neu. Man denke nur an die Bücher der Susanne Wiesinger, wo ich ja auch eines auf meinem Stapel habe, weil es mir die liebe Doris einmal in die Hand steckte.

Neu ist vielleicht das Erstaunen, daß das Debut, das wie die Autorin selbst erwähnte, autobiografischen Hintergrund hat und vielleicht auch Schuldgefühle auslöste.

„Ach je, ist das so? Das haben wir ja gar nicht gewußt!“

Vielleicht trifft das für die Leser zu, die sich mehr für das Sprachexeriment und nicht so sehr für die Gesellschaft interessieren und deshalb ist es auch sehr gut, daß das Buch nicht nur auf Shortlist gekommen ist, sondern auch den „Aspekte-Literaturpreis“ gewonnen hat.

Ob es so unbedingt literarisch ist, weiß ich nicht und ich habe mir eigentlich öfter gedacht, daß weiß ich alles schon und habe es zum Beispiel in den Siebzigerjahren in Christa Stippingers „Kress“ gelesen, das ich ja dann unter einem anderen Namen auch einmal im „Augustin“ endeckte und stimmt oder stimmt nicht mehr, hat sich doch inzwischen auch einiges geändert, die türkisch oder afrikanisch etcetera stämmigen Kinder mit Migrationshintergrund schließen wahrscheinlich immer öfter das Gmnasium, beziehungsweise die Uni ab und schreiben dann sogar Romane, die im ersten Anlauf auf der Shortist landen und den Lesern ein wahrscheinlich schuldbewußtes „Wow!“, entlocken und so ist es auch der wieder namenslosen Ich-Erzählerin gegangen, die wahrscheinlich viel mit ihrer Autorin gemein hat, eine türkisch stämmige Mutter, einen Arbeiter, als Vater der sein ganzes Leben das Industriegebiet wo es das titelgebende Streulicht gibt, nicht verlassen hat. Die Tochter schon und deren Freunde Sophia und Pikka, zwei Mittelschichtkinder, was schon mal ein bißchen ungewöhnlich und vielleicht auch heute noch nicht so ganz realistisch sind, heiraten.

Deshalb kehrt sie an den Heimatort zurück, erinnert sich an ihre Kindheit und die verpatzen oder schließlich doch geglückten Gelgelenheiten. Denn sie ist mit Zehn aufs Gymnasium gekommen. Ist dort aber immer hinter der strahlenden Sophia gestanden und wenn Herr Kaiser, der Französischlehrer Markt „qu`est- ce que ce?“, fragte, hat sie ihn lange nicht verstanden.

Hat sie sich doch beim Lernen schwer getan und in ihren Eltern wahrscheinlich auch keine Förderer gehabt. So verläßt sie die Schule, bricht sie ab oder wird auch hinausgeschmissen. Um dann später zuerst den Realschulabschluß, dann noch die Oberstufe abzuschließen und schließlich doch zu studieren. Das wird in Rückblenden erzählt und dabei wird auch viel Familiengeschichte eingeblendet. Der Vater trinkt und ist ein Sammler, weil er wegen der Kriegserfahrungen, die wahrscheinlich schon der Großvater hatte, nichts wegwerfen kann. Die Mutter ist verstorben und andere Trauma und Schwierigkeiten gibt es auch.

Ein interessantes Buch kann ich schreiben, bin gespannt, ob es auf die Bloggerdebutshortlist kommt und mich nur wiederholen, daß mich das Echo der Leser etwas erstaunte, weil das hier geschriebene für mich eigentlich selbstverständlich war und es eigentlich schön ist, daß man seine Matura und sein Studium auch im zweiten Bildungsweg schaffen und, daß man es mit seinem Erstlingsbuch gleich auf die Shortlist schaffen kann, viele der Rezensenten hätten Deniz Ohde auch den Preis gewünscht, ist auch sehr schön und etwas was ich mir noch immer wünsche, aber nie erreichen kann, weil ja demnächst mein fünfzigsten selbstgemachtes Buch erscheinen wird.

2020-10-26

1000 Serpentinen Angst

Buch siebzehn des dBp und eines der drei Debuts und wow, was für ein Buch könnte ich ich schreiben, das Erstlingswerk der 1985 in Weimar geboren Olivia Wenzel, die in Ostldeutschland von einer weißen Mutter aufgezogen wurde und einen sambischen Vater hat.

So ein Buch hat es schon von Jackie Thomae hat es schon im Vorjahr auf die Shortlist gebracht und als ich die Besprchung bei „Papierstau“ hörte, wo ich noch lange nicht so weit mit dem Lesen war, dachte ich, das ist ein sehr ähnliches Buch und habe mich wieder einmal sehr geirrt.

Ist es nicht, es ist ein beachtliches Erstlingwertk einer jungen Frau mit einem sehr sehr ungewöhnlichen frischen frechen oder auch was immer Stil, das viele Themen anschneidet und absolut noch nichts von einer Struktur und einem Plot etwas gehört zu haben scheint. Ich würde es auch nicht Roman nennen, sondern wahrscheinlich wieder Memoir, greift es wahrscheinlich ja viele Themen und biografische Punkte seiner Autorin auf und hat einen rassanten ersten Satz, wo ich noch mit dem Thomae Vorurteil behaftet schon einmal „Wow!“ dachte „Mein Herz ist ein Automat aus Blech“, lautet der nämlich. Dann geht es nach New York und zur TrumpWahl, von der man ja jetzt in zweiter Runde wieder sehr viel hört. Dann zurück nach Berlin, ist teilweise, wie ein Seitenkatalog oder ein Fragenbogen gestaltet, dann hat es wieder Fließtextanteile und kurze knappe abschnitte und sehr viel Englisch und, das ist auch sehr interessant, es hat dem gestrengen Kritiker vom Literaturcafe wegen seiner Ungewöhnlichkeit gefallen und ich, die ich ja schon ein wenig älter und auch konventioneller bin, ein wenig verwirrt. Das Buch wird aber sicher einen bleibenden Eindruck bei mir hinterlassen, obwohl ich es eher schnell und flüchtig gelesen habe, maches überflog und mich dann wieder bei anderen Rezensenten und Vloggern nach ihren Eindruck erkundigte.

Die Autobiografie aber bleibt und ist wahrscheinlich prägend, da ist die Protagonistin, ich glaube, sie hat keinen Namen, aber einen Zwillingsbruder, der sich umbrachte, einen Vater aus Angola, der bald wieder in seine Heimat verschwand, aber zum Geburtstag mailt, eine SED- getreue Großmutter, als es die noch gab, die die Enkeltochter liebevoll „Schokokrümelchen“ nannte, eine Mutter, die Punkerin war und jetzt reist diese, ich glaube, Dreißigjährige, die auch als Lehrerin in Neukölln arbeitet, nach New York und dann wieder nach Berlin zurück. Sieht am Flughafen einen Mann, der sich vielleicht einen Sprengstoffgürtel überschnall und geht zur Security, als sie zurückkommt spielt er mit drei Kindern und man denkt „Wow!“, es gibt Kim, die vietnamnesische Freundin, die auch von ihren Rassismuserfahrungen erzählt.

Richtig, es ist ein Buch über Rassismus und über die Mikro- oder Makroaggressionserfahrungen dieser Welt, die die jungen Leute von heute wahrscheinlich stärker oder ganz anders, als ihre Großümütter erleben.

Im letzten Teil ist die Protagonistin, dann schwanger und reist nach Vietnam, vorher hat sie, weil an Angst- und Panikstörungen leidend, einige Therapien durchgemacht, ein Freund, der Psychoanaltiker ist, hat sie dazu gezwungen, sie erwischt aber wieder einige falsche, nämlich auch rassistische, die sie und ihr Problem nicht verstehen. Mit den Psychopharmaka ist es ähnlich.

Das Automatenbild kommt immer wieder vor und andere verschiedene Rassismuserfahrungen und immer wieder diese Fragebögen oft in Groß- und Fettschrift geschrieben, die von manchen Rezensenten als rapartig interpretiert wurden.

Interessant, interessant, würde ich sagen, auf die Shortlist ist es nicht gekommen, obwohl es mir wahrscheinlich besser als Jackie Thomaes „Brüder“ gefallen hat. Auf meine würde ich es aber wahrscheinlich auch nicht tun. Jetzt bin ich wieder gespannt, was ich noch alles von der Autorin hören oder lesen werde und natürlich auf das dritte Debut, Deniz Ohdes „Streulicht“, das auf der Shortlist war, sowie den „Aspekte-Preis“ bekommen hat, für den, Olivia Wenzel, glaube ich, auch nominiert war und das, als Nächstes auf meiner Leseliste steht und natürlich bin ich auch gespannt, ob das Buch für die Bloggerdebutshortlist auserwählt wurde, denn dann hätte ich es schon gelesen.

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