Literaturgefluester

2022-09-29

153 formen des nichtseins

Filed under: Bücher,Buchpreisbloggen — jancak @ 00:24
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Buch acht des deutschen Buchpreises ist interessant vom Titel und vom Cover her, erschienen im „Homunculus-Verlag“, den ich vom Bloggerdebutlesen kenne und der auch eher unkonventionelle Bücher hat.

„153 formen des nichtseins“ am Cover sieht man eine schwarzmaskierte Frau mit riesigen abstehenden großen Stachelhaaren der 1992 in Petersburg geborenen Slata Roschal, die seit 1997 in Deutschland lebt, Literaturwissenschaften studierte, schon viele Stipendien und einige Lliteraturpreise bekommen hat.

„153 formen des nichtseins“ ist ihr Debutroman und ist wahrscheinlich wieder keiner, sonder eine Collage aus verschiedenen Textformen id hundertdreiundfünzig mehr oder weniger langen Abschnitten.

Mit Listen, Zeichnungen, E-Mails, etcetera wird da vom Aufwachsen einer Progagonistin erzählt, die Ksenia heißt und wahrscheinlich viele Ähnlichkeiten mit ihrer Autorin hat, nämlich aus einer aus Russland emigrierten jüdischen Familie in Deutschland mit einem Bruder aufgewachsen. Die Eltern Zeugen Jehovas, daher strenge Erziehungsmuster, der Großvater, die Großmutter kommen vor. Dann waird aber schon zu Literaturkongressen über russische Literatur geschwenkt, an dem die Erzählerin teilnimmt. Sie hat ein Kind namens Emil und ihre Eltern sind mit ihrer Erziehungsform nicht einverstanden, die Diagnose der Zweisprachigkeit oder des Migrantenschicksals wird zitert:

„Diagnose Zweisprachigkeit

Empfehlung

Psychotherapie

Logopädie

Psychiatrie

Lebenslanges Schweigen“ und eine Studie, die nchweisen will, daß zweisprachig aufgewachsene Kinder schlechter lernen, die sie dann vor ihrem Sohn versteckt, damit der nicht auf diese Idee kommt.

Vereinbarungen werden zitiert und beschrieben, wie sie im Kindergarten auf ihren Sohn wartet, der nicht mitkommen will und von der Kindergärtnerin in Deutschland heißt der KITA gefragt wird warum sie kein Schweinefleisch ißt?

Ein interessantes Debut und eine interessante Art eine Autobiografie zu schreiben, sehr modern und ungewöhnlich. Deshalb ist Slata Roschal wohl auch auf die Longlist gekommen.

2022-08-30

Hinterher

Filed under: Bücher — jancak @ 00:00
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Nein, jetzt kommt noch nicht das deutsche Buchpreislesen, obwohl ich mir vorstellen hätte können, daß Finn Jobs Debutroman darauf steht. Auf der des Bloggerdebuts steht es schon. Es ist wieder ein Wagenbach-Quartbuch“, das ich digital gelesen habe und ich bin wieder etwas ratlos, was es ist?

Ein Roadmovie, ein Coming of Age Roman, ein rasantes Debut in den verschiedensten Sprachstilen, wie in der Beschreibung steht?

Es geht also um einen etwa zwanzigjährigen Ich-Erzähler, der von seinem Freund Chaim, der zurück nach Israel gegangen ist, verlassen wurde. Vorher hat er in einer WG, aber auch in einer kleinen Wohnung in Neukölln geworden und jetzt hat ihn ein Francesco, ein Künstler, nach Frankreich mitgenommen, der dort in einer Kirche eine Kunstinstallation machen will.

Das Buch springt vollkommen unchronologisch hin und her, so daß es ein Weile braucht, um alles mitzubekommen, wahrscheinlich habe ich immer noch nicht alles verstanden, was vielleicht gar nicht möglich ist, weil sich die Beiden vollkommen bekiffen und betrinken, wie das in einem Coming of Age Roman heutzutage offenbar so sein muß.

Sie landen in Frankreich, schwierig ist auch, daß ganze Passagen in Englisch oder Französisch geschrieben sind, die nicht übersetzt werden, in einer komischen Villa oder besser gesagt, einer schönen alten Villa, die der Besitzer Gedeon, ein äußerst verrückter Typ , der mal einen Hund, mal eine Katze spielt und sich auch ständig besäuft in ein Art Hotel umgewandelt werden soll und sie dabei äußerst verschandelt. Die Kirche wird auch mit Alufolie überdeckt, damit man statt Gott, sich selbst sehen soll, es geht aber ohnehin niemand hin und was ist jetzt da in Neukölln geschehen?

Der Koffer und der Ausweis des Erzählers liegen offenbar noch in der WG bei einem Peter. Der Erzähler hat auch seine Arbeit verloren, offenbar hat er gekellnert und noch kein wirkliches Ziel im Leben. Er hatte eine Beziehung zu einer Sophia, dann zu einer Hatice, die aus nach Neukölln gekommen ist, weil sie kein Kopftuch mehr tragen will, sie wird von ihrer Familie deshalb verfolgt, weil sie wie eine deutsche Hure lebt. Da wird das Buch politisch und das finde ich sehr interessant, weil der 1995 in Hannover geborene Finn Job hier sehr direkt ist, direkter als ich es bisher in Romanen gelesen habe. Schließlich hat er dann eine Beziehung zu diesem Chaim angefangen und ihn in Neukölln, obwohl man das nicht darf oder soll, sehr vorsichtig auf der Straße geküßt. Da kamen dann sofort die „Allahu Akbar! schreienden Jugendlichen aus allen Richtungen und verfolgten die Beiden, die sich gerade noch in die WG flüchten könnte. Der Erzähler beschimpfte die Angreifer als „Pack!“, worauf er von den WG Bewohnern als rassistisch beschimpft wurde, denn er hätte die Gefühle der Angreifer verletzt.

So realistisch habe ich das in einem Roman noch nicht gelesen und kann nur fragen, ist es wirklich schon so arg in Neukölln und sind die Jugendlichen von heute, die rauchen und kiffen und keinen Sinn im Leben haben, wirklich so dumm, Dinge nachzuplappern, ohne nachzudenken, ob das jetzt stimmt und der Situation angepasst ist?

Dieser Francesco ist jedenfalls sehr reich, gibt dem Erzähler Geld, kauft ihm Kleider. Proust und überhaupt die Literatur spielt in dem Buch auch eine große Rolle. Also ist alles doch nicht ganz so banal und der Erzähler ein Proust-Fan. Es wird auch rückgeblendet auf eine Reise, die der Erzähler mit diesem Chaim, dem er immer noch nachzutrauern scheint, einmal machte, um das Grab von Klaus Mann zu besuchen. Ansonsten weiß er Erzähler nicht was er will, geht nicht ans Telefon, schmeißt sein Handy ins Meer und in der Kirche kommt es dann noch zu einer absurd grotesken Schlußszene, wo alles in Flammen aufgeht oder sich vielleicht zu Guten wendet? Wer weiß das schon und wer weiß, was das überhaupt ist? Soll er nach Deutschland zurckgehen, einen Entzug machen, studieren oder einen Job suchen? Alles ist ungewiß und vielleicht auch nicht so einfach zu beantworten.

„Hört er es denn nicht, das gellende Schweeigen der Sirenen?“, ist jedenfalls der letzte Satz und wir bleiben vielleicht ratlos zurück und können darüber philosophieren, was wir da gelesen haben?

2022-05-20

Schwerkraft der Tränen

Heuer war ja Portugal das Gastland der Leipziger Buchmesse oder hätte das vielleicht schon im Vorjahr sein sollen. Die Messe hat dann nicht stattgefunden, Gastlandauftritte gab es schon und ich bin da per Zoom auch bei zwei Veranstaltungen gewesen, bei einer hat die 1979 in Angola geborene und in Portugal aufgewachsene Yara Nakahanda Monteiro ihr Debut „Schwerkraft der Tränen“ vorgestellt, das seltsamerweise bei „Haymon“ herausgekommen ist und für mich war neu, daß Angola oder von dort stammenden Autoren zur portugiesischen Literatur gehören. Also wieder was gelernt, daß das eine portugiesische Kolonie war und es einen Befreiungskrieg gegeben hat, über den jetzt Romane geschrieben werden. Ein paar Tage oder Woche später wurde mir dann das Buch angeboten, das ich jetzt gelesen habe, das auch sehr interessant ist.

Ein interessantes Thema, ein interessanter Schreibstil, auch ein bißchen verwirrend, aber sicher wichtig sich in die Literatur der jungen aus Angola kommenden Autoren einzulesen und möglicherweise ist auch ein bißchen Autobiografisches dabei.

Da ist jedenfalls die Bibliothekarin Vitoria, in Angola geboren, mit den Großeltern als Zweijährige nach Portugal geflüchtet und dort aufgewachsen, die keinen Kontakt zu ihrer Mutter Rosa Chitula, eine angolische Freiheitskämpferin hat, die sich nie gemeldet und so fliegt Vitoria nach Luanda, der Hauptstadt, um nach ihrer Mutter zu suchen.

Sie wohnt bei einer Freundin ihrer Tante, die ihr auch den Tip gegeben hat, sich mit einem General in Verbindung zu setzen. Den trifft sie dann bei einer Hochzeit. Vorher war sie mit ihren Cousinen tanzen und ist auch ein bißchen in das soziale Leben Angolas, der Armut und der Unterdrückung eingetaucht. Der General läßt sie warten, beziehungsweise engagiert er sie mit ihr seine Gedichte vorzustellen. Er bezahlt aber die Inserate, die Vitoria aufgibt, um nach ihrer Mutter zu forschen und die kommt dann in Kontakt mit Mama Ju oder Juliana, die sie damals zu ihren Großeltern brachte.

So fliegt Vitoria nach Huambo, wohnt dort bei Mama Ju, die damals mit ihrer Mutter kämpfte, deren Haus angezündet wird und erfährt von ihr nach und nach die Geschichte ihrer Mutter und den Grund, warum die sich nie gemeldet hat, ist Vitoria doch wahrscheinlich das Kind einer Vergewaltigung und Folteropfer und Vitoria, deren Großvater inzwischen gestorben ist, beschließt nie mehr nach Portugal zurückzukehren, sondern in Angola zu bleiben um für die Freiheit zu kämpfen.

Ein interessantes Buch, das, weil es in wechselnden Perspektiven geschrieben wurde, gar nicht so leicht zu lesen ist. Hab aber wieder etwas über die portugiesische Literatur erfahren, in der ich, wie ich schon geschrieben habe, nicht wirklich firm ist. Da das Portugal Paket mit einer Tragtasche, Lesezeichen und anderen Goodies inzwischen doch zu mir gekommen ist, warten noch zwei diesbezügliche Bücher auf mich.

2022-03-31

Aibohphobia

Filed under: Bücher — jancak @ 00:24
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Jetzt kommt ein Debut und eine Psychiatriesatire, die vom Autor Kurt Fleisch, das ist ein Psydonym von dem ich schon im Netz ein paar Kurz-Satiren gesehen habe, bezeichnet wird und da ist auch interessant, daß der selbständig in der IT-Branche Tätige, der Philosophie und Germanistik studiert hat, ein Video drehte, wo der allmächtige MMR mit dem Buch in der Hand „Um Gotteswillen warum bin ich verurteilt sowas zu lesen, das ist für mich eine Beleidigung!“ vor sich hinbrabbelt.

Das ist es nicht, sondern ein Briefroman, wo ein Psychiater, der sich seltsamerweise zumindest am Beginn als Herr H. und nicht als Herr Doktor bezeichnet an seinen Patienten, Herrn S. schreibt und da beginnt es sehr konservativ. Das heißt Psychiatrie des Neunzehntenjahrhunderts von Lobotomie wird gesprochen und von der Halperidol Verschreibungen. Dann läßt, der Herr H., den Herrn S., den er auch abwechselnd als seinen Freund bezeichnet, in die Psychiatrie sprich ins Irrenhaus einweisen. Er weist sich dann auch selber ein. Kann nicht schlafen, nimmt Überdosi an Tabletten und schickt seinem Patienten ein Dauerrezept, das im Buch auch abgebildet ist. Dann reist er nach Marialzell und geht dort in die Basilika, resumiert über Gott und die Welt und über Terroristen, als welchen ihm die heiligen drei Könige erscheinen, während sich der Patient in einen Keller einbunkert und von Herrn Hs. Diener versorgt wird. Der Dr. H. erfindet dann verschiedene Maschinen mit denen man die Geisteskrankeneiten erforschen kann.

Da ist jetzt der Sprung in die Zukunft, in die moderne Psychiatrie, die vielleicht durch KIs ersetzt wird. Dann kommt Herr H. nach Basel in die Psychiatrie, nennt sich plötzlich Herr S. und bittet, den verehrten Dr. H um Medikamentation und in der „Gesellschaft für Literatur“, wo das Buch am vorigen Freitag vorgestellt wurde, resumierte Kurt Fleisch, der sich der Philosophie zugehörig hält, darüber, ob die beiden Herren vielleicht ein und dieselbe Person sind?

Ich denke ja und habe die zuerst so altmodisch erscheinende Psychiatriesatire durchaus interessant gefunden, wenn auch nicht so besonderns neu. Das habe ich alles schon bei meinen Besuchen bei den psychiatrischen Mittagen im AKH gehört und auch darüber gelesen. Die Briefform ist interessant, die philosophische Betrachtung die über die Geisteskrankheiten und die Gewalt die durch sie ausgelöst werden kann, gestülpt wird und interessant sind auch die kommunistischen Anspielungen, da wird dem Dr. H. unterstellt, daß er sich für Stalin hält. Von Brecht, Trotzki und Hanns Eisler geschrieben und natürlich in Sils Maria, wo weiland Nietzscheweilte, ehrhumspaziert.

Ein interessantes Buch, bin gespannt auf welche Debutisten es kommt. Aber dafür gilt es vielleicht für zuwenig literarisch, denn Kurt Fleisch interessiert sich ja für Philosophie und betätigt sich inder IT-Branche und mit der Videokunst.,

2022-02-26

Die Übung

Jetzt wieder ein „Wagenbach-Quartbuch“, das ich als E-Book gelesen habe und das, wie ich ebenfalls glaube sehr ungewöhnliche Debut, der 1990 in Mailand geborenen Claudia Petrucci, die Literaturwissenschaft studierte und in Australien lebt.

Ungewöhnlich und vielleicht doch nicht so neu, manchmal an die Psychiatrie der Sechzigerjahre erinnernd, dann wieder an die künstliche Intelligenz, die ja jetzt en vogue ist, dann die Frage ist das jetzt frauenfeinlich oder nicht und am Schluß hat sich die gegen die Manipualiton der Männer vielleicht doch durchgesetzt. Die Olympa aus „Hofmanns Erzählungen“ ist mir eingefallen, aber auch die „Frauen von Stepford“ und dann geht e wahrscheinlich doch gut aus.

Viele Vorbilder für das Debut einer sehr jungen Autorin, die auch einen sehr ungewöhnlichen Sprachstil hat. Es beginnt mit einem Vorspann und der Erzähler ist Filippo, der Literatur studiert hat. Aber jetzt die immer leere Bar seiner Eltern weiterführt und Giorgia, seine Freundin jobbt in einem Supermarkt. Sie tut das sehr roboterhaft, hat Zwangsstörungen und Halluziationen, klammert sich an Rituale. Das Geld ist knapp. Filippos Mutter ruft an und erzählt von ihren Nöten und dann trifft Giorgia in ihrem Supermarkt ihren Schauspiellehrer Mauro, der ihr wieder eine Rolle anbietet. Giorgia hat vor einigen Jahren bei ihm gespielt, ist dann aber ausgestiegen und zu Filippo gegangen. Jetzt holt er sie zurück. Filippo wohnt den Proben bei und lernt Amelia, Mauros Schwester kennen und der Regisseur und Lehrer ist sehr autoritär und hat auch unkonventionelle Idee, wie vielleicht auch manche Regisseure.

Dann geht der Roman los. Gigorgia ist bei der Premiere zusammengebrochen und in d er Psychiatrie gelandet. Einer Privatklinik, liegt dort schon ein Jahr reglos da und wird mit Medikamenten vollgestopft. Paronoide Schizophrenie ist die Diagnose, aber die wird sowohl vom Chefarzt, als auch von Claudia Petrucci bezeweifelt.

„Paranoide Schizophrenie“, antoworte ich. „Aber der Arzt hat schon wiederholt darauf aufmerksam gemacht, dass diese Diagnose wenig aussagt. Sie dient nur dazu, etwas zu benennen, über das man nicht wirklich etwas weiß.“

Das ist das Altmodische an dem Buch und auch, daß Georgia entmündigt ist, der Vormund ist eine Tante, die sehr wohlhabend ist, währen Fiippo und seine Eltern aus eher ärmlichen Verhältnissen kommen. Sie wohnt in einem vornehmen Teil Mailand mit einer Haushälterin und erzählt Filippo, daß Gigorgias Eltern nicht, wie sie ihm erzählte bei einem Unfall verstarben, sonder die Mutter Suzid begangen hat, als Giogia fünf war. Die Tante zahlt die Privatklinik und in der taucht nun Mauro auf und liest Gigorga ununderbrochen aus Schakespeares „Was ihr wollt“ vor. Die erwacht dann und rezitiert die Rolle der Hauptperson, was Mauro auf die Idee bringt mit Flippo ein Skript zu schreiben, um sie wieder ins Leben zu holen. Der Chefarzt ist einverstanden und spricht von Pychodrama und nach dem Skript von Mauro reagiert Gigoria sehr unterwürfig und hat keine eigene Meinung. Weiß nicht, was ihr gefällt und sie anziehen soll putzt bei dem Besuch bei Filippos Eltern, die ganze Zeit manisch herum, weil sie liebenswürdig sein will.

Das Skript wird umgeschrieben. Filipo tut das, auf Mauros Veranlassung. Giorgia wird entlassen und reagiert nun aber erstaunlich selbstbewußt, was Filippo, der ja das Skript geschrieben hat, auch nicht recht ist. Sie will wieder Theaterspielen statt in den Supermarkt, läßt ihre Entmündigung aufheben und will, daß Filippo auch etwas anderes macht, als in der Bar zu jobben und immt auch Amelia, Mauros Schwester ihre Rolle weg, weil sie glaubt, sie besser spielen zu können.

Das ist Filippo auch nicht recht. So wird das Skript wieder umgeschrieben und Giorgia soll in den Supermarkt zurück. Dann tritt <mauro als Retter auf und bringt sie ans Theater zurück und Filippo, der als Figur eher blaß bleibt, scheint sich mit Amelia zu verbinden.

Wirklich interessant könnte ich diesmal schreiben. Eine erstaunliche Interpretation eines altbekannten Themas neu geschrieben, wobei mir nicht so klar war, wie weit sich nun Giorgia wirklich emanzipiert oder weiter den Launen der Männer, die mit ihr spielen, widerspruchslos ausgesetzt ist. Nicht ganz leicht zu lesen, aber empfehlenswert sich in das Debüt von Claudia Petrucchi einzlassen, das, glaube ich, auch auf Englisch und Französisch erschienen ist, einzulassen.

Und interessant ist auch, daß die Umprogrammierung oder wieder ins Leben zurückrufen der Figur der Giorgia als „Übung“ bezeichnet wird. Und die Verbinung der psychischen Krankheit zum Theater ist auch sehr spannend.

Interessant ist auch das Buch mit Martina Cavaldetschers „Erfindung des Ungehorsams“ zu vergleichen.

2022-02-09

Aus einer Zeit

Filed under: Bücher — jancak @ 00:30
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Jetzt kommt noch ein Debut, obwohl der Bloggerdebutpreis für 2021 ja schon entschieden ist. Aber das Buch des 1988 als Kind von DDR-Flüchtlingen in Braunschweig geborene Maximilian Zech ist erst vor ein paar Monaten zu mir gekommen, obwohl es, glaube ich, genau vor einem Jahr erschienen ist und ich habe auch etwas gebraucht in den Stil hineinzukommen, beginnt es ja gleich mit einem Arztbrief.

„wir berichten über o.g Patientin, welche sich in der Zeit vom 14. 04. in unserer stationären Behandlung befand.“

Denn der Roman des in Leipzig lebenden Journalisten handelt von einem jungen Arzt namens Matthias Bode und am Klappen text steht etwas von „einer biedermaierlich anmutigen Innerlichkeit“ und , daß das Leben dem Protagonisten, wie ein Traum erscheint. Bei „Amazon“ kann man lesen „Die ganzen Kapitel sind ein Mix aus Philosophie, dem eigenen Sein, Gesellschaftskritik und sich selbst in Frage stellen“, was mich anfangs verwirrte.

Nach und nach kommt man in die Geschichte hinein, die nicht wirklich neu ist, wenn auch vielleicht ein wenig ungewöhnlich bedächtig geschrieben. Und da fällt mir ein, daß mir bei meinen Erstlingen gesagt wurde „Da passiert ja nichts!“, was mich damals auch verwirrte, denn es passierte schon einiges und das ist auch bei Maximilian Zech so.

Da ist also der junge Arzt. Er lebt in Göttingen, stammt aus der DDR und wir erleben zuerst einmal ein paar Krankengeschichten. Er arbeitet in einem Privatspital in der Onkologie und so besucht er ein paar Krebspatienten, schlägt ihnen Transplantationen vor und die loben ihn alle, weil er sehr einfühlsam ist und ihnen zuhört. Sie sterben aber, wie das auf einer Onkologie so ist, trotzdem und es gibt auch Probleme mit den Kollegen. Da ist Steffi, auch eine junge Ärztin, die ist verlobt, das ist vielleicht das Altmodische an dem Buch, daß das Wort öfter auftaucht, denn das ist man, glaube ich, heute ja meistens nicht mehr und Matthias verabredet sich mit Steffi, als sie Probleme mit dem Verlobten hat, in einem Studentenlokal. Sie kommt aber nicht. Stattdessen spricht ihn ein alter Mann an, der ihn, während er sich betrinkt, in philosophische Diskussionen über den Sinn des Lebens verwickelt.

Dann tauchen wir langsam in die Vergangenheit. Es gab eine Maja, seine erste Freundin, glaube ich, die ist jetzt verlobt und schwanger und im betrunkenen Zustand schreibt Matthias ihr ein Mail, das ihm dann ein wenig peinlich ist.

Er nimmt sich dann auch einen plötzlichen Urlaub, weil er nach Italien fahren will und verwirrt damit den Oberarzt „Haben Sie ein Burnout?“ und kommt mit seinem alten Auto aber nicht so weit, sondern nur bis zur österreichischen Grenze und besucht da die kleine Kirche, wo der Großvater einmal Pfarrer war, bevor er in die DDR emigrierte. Jetzt ist sein Grab verschwunden. Der jetztige Pfarrer, der aus Salzwedel stammt, spricht ihn aber an und und wir erfahren, seine Mutter ist an Krebs gestorben, als er sechzehn war. Das war schlimm für ihn und auch, daß der Vater bald wieder verheiratete. Deshalb hat er den Kontakt zu ihm auch abgebrochen.

Ja er ist ein wenig streng, sieht das auch ein und freut sich, daß Maja sich meldet. Die fährt dann aber mit ihren Bauch zu ihrem Verlobten zurück und Matthias statt nach Italien in seinen Heimatort, wo aber jetzt aber in seinem Elternhaus wohnen, mit der Polizei drohen und er nur noch einen Schulfreund trifft. Er geht mit ihm zum Albaner Pizza essen, steht dann abreisebereit vor seinem Auto, um wieder, was er schon mit einem Patienten und dem alten Mann im Studentenlokal diskutierte, zu sinnieren:

„Alles könnte ich machen, ja, ich könnte so viel. Doch ich komme nicht los. Ich komme einfach nicht los.“, lauten die letzten Sätze.

Ja, natürlich ein neues Auto kaufen und doch nach Italien fahren oder sich mit dem Vater versöhnen, eine neue Freundin suchen und wieder ins Spital zurück oder vielleicht den Beruf wechseln, wenn er nicht der Richtige war, so daß der aus der Zeit Gefallene wieder in sie hineinkommt und eines hätte ich jetzt fast vergessen, die Literatur kommt in den Buch auch öfter vor. Denn Matthias Bode ist sehr an ihr interessiert, schreibt Gedichte, liest Eichendorf und einen Heinrich von Marenholtz, der wie sein Heimatort heißt, den ich aber bei Google nicht finden konnte, obwohl ein Gedicht von ihm abgedruckt. ist.

Ein ähnliches Buch über die Erlebnisse eines Arztes auf einer Krebsstation hat David Fuchs geschrieben, der aber selber Arzt ist.

2021-05-26

Das Liebesleben der Pinguine

Filed under: Bücher — jancak @ 00:13
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Bevor es mit dem „Preis der Leipziger Buchmesse-lesen“ weitergeht, warten noch ein paar Rezensionsexemplare auf mich und da gibts, glaube ich, auch wenns nirgends draufsteht, das Debut „Das Liebesleben der Pinguine“, des 1991 in München geborenen Bernhard Heckler, der für die „Süddeutsche“, die „Zeit“ und andere Magazine schreibt und für seinen Roman einen gar nicht so originellen Titel gewählt hat.

„Gibt es das nicht schon?“, fragt man da wohl und liest dann Heinz Strunks Botschaft: „Bernhard Heckler hat ein sehr gutes Buch geschrieben. Ich wünsche ihm viel Erfolg“ am Buchrücken.

Das klingt auch nicht sehr originell und nach langer Beschäftigung und dann steht noch etwas von „Smartphones und Laptops und Fitneßstudios“, die Welt, der in den Neunzigerjahren Geborenen, zu lesen, obwohl es in dem Buch bis in die Achtzigerjahre zurückgeht und die Handlung ist vielleicht auch ähnlich dem Muster, wie Peter Roseis „Märchen vom Glück“ aufgebaut ist.

Vier Protagonisten, die einen Vierer oder Dreier bilden und beginnen tut es, als Niko und Sascha fünfzehn sind. Nura, deren Vater aus Ghana kam weshalb sie Afrolook trägt, ist zwei Jahre älter. Sascha und Nura sind ein Paar. Dann bricht der zum Austauschsemester nach Italen auf und überträgtNiko die Fürsorge für Nura, der ihn prompt betrügt.

Niko und Nura bleiben einige Jahre zusammen und im neuen Jahrtausend arbeitet Niko in einer Firma, die Proteinprodukte herstellt, kommt darauf, daß er auf Männer steht und fliegt zu seinem Freund, einen iranischen Straßenmusiker nach Istanbul. Nura ist Ghostwriterin. Das heißt, sie arrangiert die Dates für eine Datingplattform und kommt da in Kontakt mit einem Franco, der ist noch im vorigen Jahrtausend in Sizilien bei einem Mafia-Onkel aufgewachsen, der ihn zum Schutzgeld einsammeln schickt. Da verliebt er sich in die Bäckertochter Antolella, die zum Studium nach Deutschland will. Der Onkel verhindert das zuerst. Franco nimmt aber Sascha, ein Stück auf seinem Moped mit und jetzt ist er nach Deutschland gekommen. Über hundert Kilo schwer, trainiert für den „Strongest man-Wettbewerb“, arbeitet als Landschaftsgärtner und geht zu Nura, damit sie ein Date für ihn arrangiert. Die wittert in ihm den Stoff für einen Roman und wendet sich an eine Agentur. Franco trifft beim ersten Date auf die eßgestörte Jamila, die aus Beirut kommt und überraschenderweise geht alles gut, während Franco noch versucht mit seiner Tochter Gianna, die er von Antoella hat, Kontakt aufzunehmen.

Das gelingt vielleicht durch das Freilassen von zwei Schwalben, denn Franco beschäftigt sich auch mit dem Verkaufen von illegalen Tieren und da kommt es zu einer beeindruckenden Szenen, die zu den Pinguinen führt. Denn Nura will Frano ein paar Tage begleiten, um Stoff für ihren Roman zu bekommen.

„Ich denke mir die Gescichte selber aus, aber ich tue mir leichter, wenn ich ein reales Vorbild habe!“, steht irgendwo. Etwas, was auch für mich zutrifft, obwohl ich damit schon öfter Ärger hatte.

Die begleitet ihn also zu einem Herrn Oberländer, der Franco, die geschmuggelten Tiere verkauft. Der ist in aufregung, denn seine Mutter hatte einen Schlaganfall und liegt am Boden. Auf die Rettung wird gewartet. Aber im Nebenzimmer wartet ein Pinguin, der aus einem Tierpark gestohlen wurde. Den soll Nura in ihrem Bad verstecken. Sie bringt ihn aber in den Zoo zurück und hat noch ein anderes Problem. Denn sie hat Sascha wiedergetroffen und ist nun im dritten Monat schwanger. Hat ihm das aber noch nicht gesagt. Tut das erst und das halte ich auch für eine originell Szene, als das Baby tritt und sie ihm das mitteilt. Zur Aussprache zwischen ihr, Niko und Sascha kommt es auch.

Franco hat während dem „Strongest man-Wettbewerb“ eine Gehirnblutung erlitten, Jamila einen Selbstmordversuch unternommen. Trotzdem geht das Leben zu Anfang des einnundzwanzigsten Jahrhunderts weiter und wenn ich mich nicht irre, nicht einmal so schlecht und zwischendurch gibt es immer wieder ein paar Einschübe, damit man sich mit den Pinguienen oder ihrem Liebesleben besser auskennen kann.

2021-05-02

Wir sind allein unter den Bäumen

Filed under: Bücher — jancak @ 00:39
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Jetzt kommt wieder ein Debut und wieder ein Roman der eigentlich keiner ist, sondern eine beeindruckende Skizzensammlung in einer sehr schönen künstlerischen Sprache des 1983 in Zwickau geborenen Jonathan Böhm, der in Leipzig lebt und auch am Literaturinstitut studierte, vor der Danksagung betauert er, daß alles in diesem Buch, die Handlungund die Personen frei erfunden wäre und wenn man trotzdem Ähnlichkeiten erkennte müßte man „die Wirklichkeit beschuldigen, weil sie Verhaltenswisen hervorbringt, die man wiedererkennt.“

Also auch sehr schön formuliert und es geht um eine Schulklasse in der ehemaligen DDR, die dort aufgewachsen und vielleicht sogardas Abi machten und danach in alle Winde verschwanden und einer von ihnen, Richard ist verstorben. Nun tragen sie ihn zu Graben und reflektieren dann über ihn und das Leben und tun das, wie am Klappentext steht „Richard ist tot. In seinem ersten Roman erzählt der Autor in eindringlicher sprache von einer Gruppe junger Menschen, die einst Freunde Richards waren und später in verschiedenen Berufen und auf denkbar unterchiedlichen Wegen ihr Lebensglück versuchen. Böhm schafft es aus verschiedenen Erzählperspektiven und Erzählzeiten ein Puzzle zu entwerfen, und wir Leser schauen wie durch ein Kaleidoskop auf die Biografien der Protagonisten, was uns bis zur letzten Zeile in Atem hält“ und ich schreibe wieder, daß es hier ein wenig schwierig für mich wurde, weil ich mich nicht immer auskannte, da die handelnden Personen immer in der „Ich-Perspektive“ sprachen, so daß ich oft nicht wußte, wer ist wer?

Richard ist tot und da gibtes einen Christoph, eine Dora, eine Damris, eine Kristina, eine Sophie und und, also die Klassenkollegen, die erzählen und auch die Erzählzeiten, was mir im Klappentext ein wenig weiterhalf, waren nicht immer klar. Wann ist Richard jetzt gestorben? Nach dem Abi oder erst später? Denn er ist nach Bremen gegangen und hat auch in verschiedenen Berufen gearbeitet.

Eine große Rolle spielt ein See, vor dem sich alle treffen, hingehen und ihre Erinnerungen an Richard davon. Einezieht ins alte Land und züchtet alte Äpfel und ein Plastwerk spielt auch eine große Rolle in dem Buch, das eigentlich könnte man sagen aus verschiedenen Szenen besteht, die lose meist mit schönen Metaphern und Überschriften verbunden, zusammenhängen.

So machen die Abiturenten in diesem Werk ein Praktikumund müßen den Wachmann fragen, wenn sie in den Pausen oder auch so an den See wollen. Der hat ein Bildchen mit einer Fee irgendwo hängen und das treffen wir späterin einem Hospitz wieder, wo eine der Abiturentinnen Krankenschwester ist und der Wachmann seiner Leukämie erlag. In dem Werk soll umgebaut werden, die Leiharbeiter entlassen. Nur einer setzt sich durch und ein anderer Klassenkamerad, ich glaube Jakob, wollte Schauspieler werden.Später wurde er Lehrer. Vorher spielte er aber in einem Becket Stück.

Sehr eindrucksvoll und schön erzählt. Für mich, die ich es ja gerne ganz genau auserzählt haben will, ein wenig unklar. So weiß man beispielsweise bis zum Ende nicht, wer Richard eigentlich war. Von einigen seiner Freunden erfährt man viel. So geht eine mit Sophie am Meer entlang, um nach Dänemark zu sehen und erzählt dabei, daß ihr Vater, der Pfarrer, die Mutter mit der Katechetin betüg tund die Eltern der anderen sind auch geschieden und die Mutter hat sich nach ihrem Krankenschwesterberuf doch noch entschloßen Medizin zu studieren. Schöne undauch sozialkritische Szenen von der Veränderung der DDR in die das vereinte Deutschland und der 1983 geborene Autor als Kind erlebte.

Schön erzählt und eindrucksvoll. Von Jonathan Böhn wird man wahrscheinlich noch einiges hören. Ein Roman ist es, denke ich, trotzdem nicht, es sollte aber auf Long- oder Shortlist des Bloggerdebuts und vielleicht auch noch auf andere Listen kommen.

2021-04-09

Der Himmel vor hundert Jahren

Filed under: Bücher — jancak @ 12:00
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Jetzt kommt ein Debut, nämlich der Roman der 1988 in Moskau geborenen und in Berlin lebenden oder gelebt habenden Yulia Marfutova, die beim Klagenfurter Literaturkurs eingeladen war und auch sonst bei verschiedenen Schreibwerkstätten mitmachte, was sich offensichtlich lohnte, denn der „Himmel vor hundert Jahren“, wo der Umsturz und die russische Revolution auf sehr märchenhafte Art und Weise mit einer poetisch schönen Sprache erzählt wird, ist ein interessantes Buch.

Schauplatz ist ein Dorf am Fluß und seine Bewohner. Da gibt es den Dorfältesten Ilja, der so wie sein Vater und seine Großväter heißt und wie alt er ist, weiß man erst nicht wirklich,denn die Dorfbewohner gehen oft erst nach Jahren in die nächste Stadt aufs Meldeamt, wo der Beamte dort streng nach dem Vaternamen fragt und den Kleinen dann so nennt. Der ist aber jetzt schon alt geworden, der Dorfälteste und eigentlich recht wohlhabend und das Besondere an ihm ist auch das kleine Röhrchen, das er einmal gefunden hat, mit dem er das Wetter vorhersagen kann.

Er hat auch eine Frau Inna Nikolajewa, die nach dem Zaren heißt, der fällt ein Messer aus der Hand, was bei den abergläubigen analphabeten heißt, es kommt ein Mann ins Haus. Die drei Töchter sind an einer Seuche gestorben, übergeblieben ist die Enkeltochter Annuschka oder Anna und derMann, der ins Haus kommt, ist Wadik, einer mit einer Uniform und ohne Stiefel, der zuerst schweigt, später aber durchblicken läßt, daß er lesen kann und auch ein geheimnisvolles Papier in der Tasche hat, daß er Anna übergibt. Die stiehlt wie eine Rabe oder eine Elster. Pjotr ebenfalls ein alter Mann verschwindet oder ertrinkt im Fluß und am anderen Ufer sind auch immer wieder Männer zu sehen. Das Dorf spricht von derveränderten Realität, die Ikonen verschwinden und am Ende der Geschichte hört man noch, daß der Gutsbesitzer auch so eine Autoriät, wie der Zar ins Ausland verschwunden ist,um seine Familie zu besuchen, obwohl er das sonst nichts tat.

Das ist alles was Yulia Martinova über die Realität ab 1917 erzählt. Sonst deutet sie, wie schon erwähnt nur an. Bleibt bei Metaphern, gibt in einer schönen andeutungsreichen Sprache, die Gedanken, Vermutungen, den Irr- und Aberglauben, der ungebildeten Ddorfbewohner wieder, die keine Ahnung von den Geschehnissenaußerhalb des Dorfes haben und doch von der Geschichte mitgerissen werden. Listen werden, wie bei Simone Hirth angelgtund Andrey Kurkov hat mit seinem „Volkskontrolleur“ wohl etwas Ähnliches versucht. Geschichte mit Ironie, Andeutungen und märchenhaften Metaphern zu erzählen.

Am Am Schluß des Presseexemplars, das leider keine biografischen Angaben hat und auch im Netz ist über die jungen Autorin nicht viel zu finden führt Yulia Martinova ein Märchen an, daß sie offenbar für das Buch verwendete und ein Buch von Orlando Figes „Die Tragödie eines Volkes. Die Epoche der russischen Revolution 1891 bis 1924“. Das Buch ist auch ihren Großeltern gewidmet und in einem Verlagsinterview habe ich gelesen, daß der „Rowohlt-Verlag“ begeistert von dem ungewöhnlichen Debut war und es stimmt, so hat man die russische Revolution wohl noch nie gelesen. Ich bin beeindruckt und gespannt, ob und auf welche Nuchpreislisten das Buch, das im März erschienen ist, kommen wird. Eine Lesen würde ich empfehlen, was soll man auch in Zeiten wie diesen anders machen und Parallelen zur heutigen Realität lassen sich höchstwahrscheinlich ebenfalls herstellen.

2021-03-12

Ameisenmonarchie

Filed under: Bücher — jancak @ 00:43
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Jetzt kommt wieder ein Debut aus der „K&S-Literaturschiene“, die mir ja so getreulich ihre Neuerscheinung schicken,nämlich der Roman der 1983 in geborenen Romina Pleschko, die eine Schauspielausbildung machte und die „Leondinger Akademie“ von Gustav Ernst absolvierte und in dem Buch über das am Buchrücken steht „Was passiert hinter den Fassaden der Großstadt? Ein Wohnhaus wird zur Schnittstelle für allerhand Kurioses. Witzig, schräg und klug: ein tabuloser Genuß“, hat einen erstaunlich frischen frechen Ton und erzählt eigentlich das, was ich schon in den Achtzigerjahren in meiner „Die Gasse oder Marthas Wohnungen“ zu schreiben versucht hat und, glaube ich, der Inhalt des Siegerkurzghörspiels von „Track5“ war.

Ein Haus beziehungsweise seine Bewohner werden in kurzen Szenen geschildert. Da gibt es den Frauenarzt Herb senior, seinen Sohn Herb Junior und desssen Gattin Magdalena. Der, einer ehemaligen Architekturstudentin, die dann zu malen anfing und jetzt, ähnlich, wie die oda in „Der Erfindung der Sprache“, im Laufe ihrer Ehe verstummte und mit einem abgeschabten Hausmantel, der seine Federn am Kragen verliert herumläuft, mischt er Beruhigungsmittel in die Salami, von der sie sich hauptsächlich ernährt. Dashabe ich schon von Hausärzten gehört, daß die ihre Frauen mit den „little helpern“ süchtig machte und ich habe es auch in „Kerstins Achterln“ thematisiert.

Der Sohn ist schwul und soll trotzdem die Praxis übernehmen und Herb Senior beschäftigt sich mit seinen drei blonden Assistenteninnen, die den Junior nicht ernst nehmen, mit den neuesten Fertilisationsmethoden, die man im Osten viel billiger als in Wien bekommt.

Der Sohn verfällt einen Abgeordneten einer „Nicht wählbaren Partei“, der später Minister wird und bekocht ihn hingebungsvoll, bevor der ihn verläßt und ich fragte mich, wieso geht er nicht in die Praxis? Aber da herscht ja noch der Vater und eine Kosmetikverkäuferin namens Karin gibt es in dem Haus auch. Die ist alleinerziehende Mutter, bloggt viel in einem Familienforum und wird vom Nachbarn namens Klaus gestalkt. Dann wird sie seltsamerweise vom Abgeordneten schwanger und kann den Beruf aufgeben, dem Kaufhaus, einer japanischen Firma kündigen, das seine Angehörigen unterdrückt und am Schluß wird dieser Klaus Lottomillionär, gibt das Geld in teuren Hotels aus, wo er Berühmtheiten nachfährt und ihre Haare sammelt. Herb Senior erleidet einen Schlaganfall und der Junior bandelt mit einem Junkie an, wird von ihm aber ermordet oder niedergstochen.

Also eigentlich viel Handlung in dem Buch, dessen einzelne Szenen manchmal etwas zusammenhanglos wirken, als wären es kurze Skizzen, die zu einem Ganzen zusammengeführt wird. Der Ton ist frisch und modern und es werden Themen angeschnitten, die man vielleicht sonst noch nicht gelesen hat.

Ein interessantes Buch, das ich auf die Longlist des Bloggerdebuts empfehlen kann und dann wird es spannend sein ob es auf sie Shortlist kommt

„Kremayr und Scheriau“ ist da sehr prominent unterwegs und hat schon einige ShortlistBücher hervorgebracht. Das Cover ist wieder sehr ästhetisch. Es zeigt eine Hausfassade mit verschiedenen Fenstern hinter denen man die Silhouetten der Bewohner studieren kann. Eine Feder von Magdalenas Morgenmantel gibt es zwischen den Kapitel auch immer wieder zu finden und ein ähnliches Projekt in dem Hausbewohnter beschrieben wurde, hat ja auch einmal Tim Krohn mit seinen Crownfounding-Romanen gestartet, das, glaube ich, nach dem dritten Band vom Verlag gestoppt wurde.

Dieses Haus ist sicher sprachlich anspruchsvoller beschrieben und daher eine Leseempfehlung, auch wenn ich den Titel wieder nicht ganz verstanden habe. Aber vielleicht sind die Ameisen ein Synonym für die Hausbewohner, die sich durch ihr Leben wurschteln.

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