Literaturgefluester

2017-10-13

Der Tag an dem mein Großvater ein Held war

Die Shortlist des öst Bp wurde am Dienstag bekanntgegeben und ich habe das dritte Buch daraus gelesen.

Die menschlichen Tiergeschichten der Eva Menasse schon im Frühling, „Kiwi“ ist ja so nett und schickt mir die Vorschauen und dann die gewünschten Bücher.

Ihren Halbbruder der ja auf beiden Listen steht, im Rahmen des deutschen Buchpreislesen und Auszuüge aus der kurzen Geschichte des 1961 in Amstetten geborenen Kinderpsychiaters Paulus Hochatterer bei den O- Tönen.

Da war ich ein bißchen verwirrt von der Geschichte und habe mich nicht recht ausgekannt, habe gedacht, nicht schon wieder von den letzten Kriegstagen und mich gefragt, ob die Leute damals ihre Traumatisierungen wirtklich so erlebten, wie der Kinderpsychiater sie heute beschreibt?

Denn es war in dem Gespräch und bei der Lesung viel davon zu hören, daß alles  ganz anders sein könnte, die Nelly lügt, um ihre Wirklichkeit zu verdrängen, etcetera.

Jetzt habe ich die hundertzwölf Seiten lange Geschichte, die in sich noch vier weitere Geschichten hat, gelesen und während des Lesens öfter gedacht, daß da  in dem kurzen Buch eigentlich sehr sehr viel passiert.

Die Geschichte von dem abgesprungenen amerikanischen Kampfflieger, von dem russischen Kriegsgefangenen, der Göring ein Bild gestohlen haben kann, von der von dem Apothekernazi mißbrauchten Isolde und dann natürlich von dem Großvater, der eigentlich gar keiner ist.

Viel zu viel in hundertzwölf Seiten und ,wie kommt das zusammen?, habe ich gedacht.

Aber es ist eigentlich ganz einfach und Paulus Hochgatter, der am Mittwoch auch in Ö1 zu hören war, hat ganz recht, wenn er immer wieder kryptisch sagte, daß das alles auch ganz anders sein könne und eigentlich ist in dem niederösterreichischen Dorf im März und am ersten April 1945 vielleicht dann wieder nicht so viel passiert oder doch, der Krieg ging zu Ende und die Katastrophe, die Traumatisierung, die Zerstörung bleiben zurück.

Die Geschichte spielt auf einem Bauernhof,  der Bauer, die Bäuerin mit ihren fünf Töchtern, der Sohn ist eingerückt und in Wirklichkeit schon gefallen, aber das hat Laurenz, der etwas spinnerte Bruder des Bauern, wie er von sich selber sagt, verschwiegen und da ist Nelly, die Ich Erzählerin, dreizehnJahre alt und sie war eines Tages da, in einer blauen Jacke, konnte sich an nichts erinnern und es wurde rekonstruiert, daß sie die Tochter einer durch Fliegerbomben ums Leben gekommenen Flüchtlingsfamilie sein könne.

Sie sagt dann später, sie komme aus einem Dorf bei Temesvar, aber sie sagt und denkt sehr viel. Sie denkt sich durch   ihre Traumatisierung, die dissoziiet würden die Kinderpsychiater und Psychologen sagen und siebeobachtet sehr viel dabei.

Sie hat von Laurenz auch ein paar Schreibhefte bekommen und darin schreibt sie Geschichten, die alle dann auch wieder gut ausgehen, so wurde der amerikanische Pilot, der auf der Wiese gefunden wurde, von der aufgebrachten Menge nicht aufgehängt und der Sohn der Agnes, die die Annemarie, die deswegen und auch wegen anderen, ins Bett macht, adoptieren will, das habe ich nicht ganz verstanden, denn sie hat ja eine Familie, der die traumatisierte Nelly ja auch zur Pflege übergeben wurde, aber der Sohn der Agnes ist in einen Bach gefallen und dann wieder von einem Mädchen mit einer blauen Jacke gerettet wurden.

Dazwischen kommt ein Nazi zu dem Bauern, erzählt von der nicht eingehaltenen Verdunkelung und die Bäuerin holt wahrscheinlich Speck und Eier aus der Speisekammer, um noch einmal davon zu kommen. Isolde, die Hutverkäuferin, breitet ein Leintuch über den Ausstellungstisch aus, damit ihr der Apotheker, die Tabletten gibt, die sie für ihre Mutter brauch.

Das  alles wird nur angedeutet und kann, konnte natürlich anders sein, schließlich wurde Paulus Hochgatterer erst 1961 geboren und hat nicht erlebt, wie es wirklich war.

Der Kriegsgefangene Michail, ein Supratemist, taucht mit einem Bild in einer Rolle auf und wird von der Familie aufgenommen. Auch andere Ausgebombte sind am Hof und helfen bei den Erdäpfeln. Es ist die Karwoche, die Bäuerin färbt Eier. Da kommen auf einmal zwei Leutnants herbei, quartieren sich ein, verlangen am Karfreitag einen Braten.  Die katholische Bäuerin hat Schuldgefühle und denkt an das Fegefeuer, der vorwitzigen Nelly, die natürlich ganz anders heißen kann, Elisabeth, beispielsweise und sich für Märtyrer interessiert, ist das egal. Sie hat dem Russen eingeredet, er solle sagen, er würde aus Donauschwaben kommen.

Das glaubt ihm der Leutnant nicht und die Striche, Kreise und Quadrate, der Suprametischten, die Schlößer Häuser, Menschen und abschießende Flugzeuge darstellen sollen, entartete Kunst haben die Nazis dazu gesagt und er soll deshalb auch erschossen werden.

Das ist auch so eine Geschichte aus Nellys Heft wahrscheinlich, denke ich mir und der Großvater, der in Wahrheit keiner ist, Nelly in ihrer Dissoziation aber so zu ihm sagt, sie hat einen Kriegsschaden nennen die anderen das, was wir heute Traumatisierung nennen, taucht auf und sagt „Schämen Sie sich nicht! und der Russe wird nicht erschossen.

Das habe ich schon ganz anders gehört, aber natürlich auch, daß solche Geschichten wirkten und man soll sie natürlich versuchen, ganz klar.

Am Ende macht die Annemarie wieder ins Bett, Nelly weicht ihr Leintuch ein, steckt ihre Hefte in Annemaries Schultasche, dazu das Bild in der Rolle und haut ab.

Aber vielleicht ist auch hier alles anders und es kann natürlich nicht schaden, immer wieder von den letzten Tagen des Krieges zu hören, obwohl sich die Realität durch das fortwährende Erzählen natürlich auch verändert, wie die Kinderpsychiater sicher ebenfalls wissen.

Paulus Hochgatterer ist mit seiner kurzen Erzählung im Vormonat auf der Bestenliste des ORF gestanden und ich habe mir gedacht, er wird den Öst gewinnen, jetzt steht Robert Menasse darauf, dem ich das eigentlich wünsche, aber Doron Rabinovici habe ich noch nicht gelesen und danach kann für mich auch wieder alles anders sein.

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2017-10-07

Das Floß der Medusa

Jetzt kommt Buch siebzehn des deutschen Bp 2017 und das letzte das ich wahrscheinlich lesen werde, Franzobels „Floß der Medusa“, eines das sehr gelobt wird und von dem ich schon im Sommer 2016 eine Lesung in der „Alten Schmiede“ hörte.

Damals war das Buch noch nicht fertig. Franzobel hat viel von der Entstehungsgeschichte und auch von der Geschichte der 1816 gestrandeten Medusa erzählt, wo die unteren Chargen auf einem selbstgebastetelten Floß sich selbst überlassen wurden und vierzehn Tage später nur mehr fünfzehn ausgemergelten Gestalten, die ihren Urin tranken und sich von Mernschenfleisch ernährten, gefunden wurde.

Darunter war der Schiffsarzt Savigny und der Wissenschafter Correard, die dann einen Bericht darüber geschrieben haben. Der französische Maler Gerricault hat ein Bild gemalt, das im Louvre hängt. Andere Schriftsteller, wie Julian Barnes haben auch schon über das Schiffsunglück geschrieben, bis Franzobel auf die Spur kam und, glaube ich, drei Jahre daran gearbeitet hat.

Zum Zeitpunkt der Lesung hatte er, glaube, ich dreihundert Seiten, zumindesten habe ich mir das so aufgeschrieben. Jetzt ist es mit fast sechshundert Seiten das zweidickste Buch der Liste geworden. Die Danksagung ist mit November 2016 datiert. Das Buch ist im Frühling erschienen und wurde auch bei den O- Tönen vorgestellt.

Also hatte ich schon ein bißchen was darüber gehört, kenne Franzobel mit dem ich ja auch in der „Ohrenschmaus-Jury“  bin, seit seinem Gewinnen des Bachmannpreises 1995 sehr gut.

Vorher hat er in Kleinverlagen wie das „Fröhliche Wohnzimmer“ publiziert und seine GAV-Aufnahme wurde auch heftig diskutiert. Dann kam der Erfolg und viele Lesungen des Autors, der immer mit einer Flasche Bier auftritt, die er aus seinen Rucksack nimmt.

Ich war bei vielen Lesungen, er schreibt ja auch Theaterstücke und überhaupt sehr  vielen Stilen. Bei seinem Krimi „Wiener Wunder“, den ich bei der „Buch Wien“ gewonnen habe, habe ich erkannt, daß er ein sehr sehr guter Schreiber ist. Ein Fabulierer und Wortspieler in allen Stilen zuhause mit einer überbordeten Phantasie und das ist ihm wohl auch hier zu Gute gekommen, wo er sich immer wieder als Erzähler einmischt und von Sachen erzöhlt, die erst später erfunden wurde. Es gibt auch immer wieder lockere Wendungen, wie „Dreimal neun ist Donnerstag“.

So machts das Lesen wahrscheinlich  spannend. Denn eigentlich ist es ja ein Thema, das mir nicht so besonders liegt.  Abenteuerromane, wie das Schiffsunglück, das vor zweihundert Jahren passierte, interessierem mich, die auch nicht, die ich  Karl May nie gelesen habe, so sehr.

Trotzdem ist das Buch lehrreich, obwohl, ich schreibe es gleich, ich es mir nicht auf die Shortlist wünschte und mir bei dem Sieger, der am Montag bekanntgegeben wird, eigentlich Marion Poschmann wünsche und für den Öst  Robert Menasse. Franzobel hat aber höre und lese ich immer gute Chancen und die meisten Buchblogger und Vlogger sind auf das Buch sehr neugierig.

Es beginnt mit der Entdeckung des Floßes am 18 Juli, 2016 .

„Nach einer wahren Begebenheit“, steht unter dem Roman und das ist, wie geschildert, eine bescheidene Untertreibung ist diese Begebenheit ja sehr gut dokumentiert.

Franzobel hat aber drastische Schilderungen mit denen er beschreibt, wie die Männer sich bei der Rettung wahnsinnig gebährdeten und von dem vielen Essen schwärmten, das sie nun zu sich nehmen würden.

Savigny kommt nach Frankreich zurück. Dort soll die Angelegenheit natürlich vertuscht werden. Es gibt dann noch ein Kapitel von einem in Frankreich herumirrenden Vollmatrosen, der in einem Armenspital landet, bevor die Geschichte von vorne erzählt wird.

Von der Abfahrt des Schiffes  und seinen Passagieren, ein Apotheker ist mit seiner Familie an Bord, ein Gouveneur, der mit seiner Truppe nach Senegal will, einige Wissenschaftler, ein Jude,  der ständig Witze erzählt, ein Missionar und der Kapitän ist eigentlich unfähig ein Schiff zu leiten, weil er früher Zöllner war. Er wird auch von einem angeblichen Freund, der sich als Hochstapler entpuppt, immer wieder Fehlgeleitet.

Zuerst wird aber die Auspeitschung eines Matrosen oder Soldaten, nur weil er fluchte, geschildert, der dabei stirbt. Ein anderer Matrose wird über Bord geschmissen.

Zwei Todesfälle, die das Unglück ankündigen und die Ratten, hat Franzobel geschrieben, haben das Schiff sowieso nicht erst betreten. Dafür gibt es einen Küchenjungen, namens Vikto. Einen Sohn einer begüteten Familie, der von zu Hause ausgerissen ist,er zuerst vom Schiffskoch schikaniert wird und später zu Savigniys Assistenten wird, der auf den Schiff Studien betreibt.

Als die Gefahr der Sandbank sichtbar wird, versuchen die Offiziere, den Kapitän zum richtigen Verhalten zu bringen, der wird aber von seinem Freund überredet, das falsche zu tun. Dann weigert man sich auch noc,h die unnötigen Sachen von Bord zu schmeißen. Zuwenig Rettungsboote sind da. Die Idee mit dem Floß kommt auf, auf die die niedigen Chargen geschickt werden.

Savigny ist aber auch darunter. Die versprochenen Leinen werden auch noch gelöst und so schaukelt das Floß vierzehn Tage am Meer und die Anwesenden reduzieren sich. Leichen werden gegessen, getötet und am Schluß sind nur noch die Fünfzehn übrig.

Es kommt dann doch zu einer Verurteilung des Kapitän. Aber die Strafe fällt sehr mild aus und wir können und auch bei Franzobel nachlesen, was da vor zweihundert Jahren geschehen ist.

Wie beschrieben, die vielen launigen Anmerkungen störten mich etwas und Abenteuergeschichten sind sowieso nicht das meine. Ich kann aber nicht verhelhlen, daß das Lesen durchaus interessant und spannend war und nun bin ich auf den Montag neugierig.

2017-03-17

Falsch entschieden oder dreimal Schragl?

Diesmal wieder  die Qual der Wahl, denn ein Abend und sechs literarische Veranstaltungen.

Richard Schuberth hat mich zu seinen Essays in „Radiokulturcafe“ eingeladen, in der „Alten Schmiede“ las Bodo Hell, im Literaturhaus Brigitta Falkner, in der Hauptbücherei hätte es gleich zwei Veranstaltungen gegeben, nämlich „Tea for three“, wo Daniela Strigl, Klaus Nüchtern und wie ich jetzt erst sehe, Cornelia Travnicek über die neuen Bücher von Tereza Mora, Eva Menasse und David Garnett diskutieren, was mich schon wegen dem Menasse-Buch, das ich ja sehr kompliziert fand, interessiert hätte.

Dann gabs noch eine Buchpräsentation von Jutta Winckelmann „Mein Leben ohne mich“, wo es wieder um eine Krebserkrankung geht, also auch sehr interessant und Radek Knapp in der „Gesellschaft der Literatur“.

Die Qual der Wahl, wo man vielleicht einen Würfel bräuchte, aber irgendwie habe ich dann meine Entscheidung zwischen der Bücherdiskussion und dem „Mann der zum Frühstück Luft aß“, getroffen, denn das andere vielleicht zu experimentell und bei Richard Schuberth bin ich ja erst gewesen, mich dann für Radek Knapp entschieden, vielleicht weil er auf der „Centrope-Leseliste“ steht, obwohl ich ja erst kürzlich geschrieben habe, daß ich mit dem 1964 in Warschau geborenen Autor, meine Schwierigkeiten habe, weil er mir zu lustig ist.

Man sieht, ich bin nicht sehr konsequent oder ist es das, was ich „Über den Tellerrand schauen“ nenne?

Irgendwie war es ein Bauchgefühl und es war in der „Gesellschat“ auch sehr voll. Ich bin wieder in der zweiten Reihe links, meistens wähle ich ja die rechte Seite, neben Stefan Eibl-Erzberg und seiner Frau gesessen. Lydia Mischkulnig war da und Martina Schmidt, denn Radek Knapp neues Buch „Der Mann der zum Frühstück Luft aß“, ist bei „Deuticke“ erschienen.

„Wieder!“, sagte Manfred Müller in seiner Einleitung, denn das erste  Buch „Franio“ ist 1994 bei „Deuticke“ erschienen, dann ist „Radek Knapp nach München und zu „Piper“ gegangen, dort erschien auch das letzte Buch der „Gipfeldieb“ und wahrscheinlich auch die anderen.

Mit „Herrrn Kukas Empfehlungen“ ist er, wie Manfred Müller erklärte, berühmt geworden. Dann gibts, glaube ich noch die „Gebrauchsanweisungen für Polen“ und den „Papiertiger“ 2003, ein Buch das vom Schreiben und nicht von der Autobiografie eines Polen, der nach Österreich kommt, handelt und das ich mir, glaube ich, von einem der Gutscheine eintauschte, die ich einem der „Luitpold Stern-Preise“ bekommen habe und das mich, wenn ich mich richtig erinnerte,  enttäuschte, weil es mir „zu wenig abgehoben“ erschien.

Aber das Buch hat Manfred Müller, der von der schönen Tradition, daß Radek Knapp jedes seiner Bücher in der „Gesellschaft“ vorstellt, sprach, nicht erwähnt.

Er erwähnte, die, wo sich die Biografie des polnischen Emigranten nahtlos fortsetzt und meinte noch, daß das sehr dünne Buch in knapp zwei Monaten entstanden sei.

Beim „Gipfeldieb“ war ich bei der Präsentation und das neue, für das ürigens sehr viel Werbung gemacht wird und von dem ich schon einiges gehört habe, soll sich daran direkt anschließen.

Aber zuerst gab Radek Knapp in seiner launigen Art, die Antwort auf Manfred Müllers Fragen und erkundigte sich bei ihm, warum er Germanistik studiert hat?

„Damit ich über Bücher wie dieses schreiben kann!“, war seine ebenfalls launige Antwort und dann kam schon der erste Teil der Lesung, wo es um einen Valerian ging, der so heißt, weil das Schlafmittel, das seine Mutter bei seiner Geburt zur Beruhigung genommen hat, so hieß.

Sie gab das Söhnchen, für ein Wochenende bei der Oma ab und kam nach elf Jahren wieder, blieb dann eine Zeit, bis sie ihm zu einem Stadtspaziergang mitnahm, der über die österreichische Grenze führte und das schöne neue Leben begann.

Und als Valerian alt genug geworden war, begann er bei einer Zeitung zu arbeiten, las Radek Knapp.Ich dachte Uje“ und verstand jetzt etwas besser, was Manfred Müller mit dem nahtlos anschließen gemeint hat, denn jetzt hörte ich die Geschichte von dem Schragl, das er in der Halle B holen sollte, wo er nur ein Holztischen bekam und den ganzen Tag hin und hergeschickt wurde zum dritten Mal.

Radek Knapp las wieder dazu, daß er bis heute nicht weiß, was ein Schragl ist, der Otto hat mir beim ersten Mal kommentiert, aber da habe ich Schragerl geschrieben und eigentlich kenne ich, die echte Wienerin, mit der behmischen Omama, diesen Ausdruck auch nicht.

Nun ja, nun ja, das Leben in der Emigration geht weiter, die deutsche Sprache wird gelernt und die Mutter will für den Sohn die beste Ausbildung in der Handelsakademie am Karlsplatz. Dort will er aber nicht hin, so beginnt er die Schule zu schwänzen, setzt sich ins kunsthistorische Museum und später vor die Stufen des Musikvereins, wo er angeblich oder auch tatsächlich Leonhard Bernstein trifft, so daß er beschließt, statt Rechnungsweisen, Blockflöte zu erlernen.

In Wirklichkeit hat Radek Knapp wohl zu schreiben begonnen und ich stieß, das erste Mal auf seinen Namen, als ich in der Jury für das Nachwuchsstipendium war.

In der Diskussion hat er noch beklagt, daß es ihm nicht gelingt, aus der Migrantenschublade herauszukommen, daß er den nächsten Roman aber nicht über einen Polen in Wien schreiben wird. Mal sehen, obs gelingt oder ob ich im nächsten Jahr die Geschichte mit dem Schragl zum vierten Mal höre?

Man könnte denken, Radek Knapp macht es sich sehr leicht, den Leuten hat es aber gefallen, nur eine Frau fragte, wie es seiner Mutter mit seinen Büchern geht und Manfred Müller ergänzte noch, daß es im „Gipfeldieb“ sehr viel um die Erlangung der österreichischen Staatsbürgerschaft geht.

An diese Stellen kann ich mich auch erinnern und Radek Knapp erwähnte, die zwei Briefe die er bekommen hat, Karten für „Cats“ und die Einberufung zum Bundesheer, worauf er Zivildienst machte und, um meine Radek Knapp Biografie zu wiederholen oder zu ergänzen.

Er war auch eine Zeitlang in der Jury für den „Siemens-Preis“, als ich dort noch meine Texte einreichte. Da habe ich ihm, glaube ich, auch einmal einen Brief geschrieben und mit Günter Kaindlsdorfer moderierte er bei der letzten „Buch-Wien“ den Bücherquiz, wo ich zwar antreten durfte, aber nicht sehr erfolgreich war.

Radek Knapp ist das sicher viel mehr als ich und einer der wenigen humoristischen Autoren, wie Manfred Müller noch erklärte, die wir in Österreich haben. Das liegt mir nicht so sehr, aber trotzdem habe ich mich für die Lesung entschieden.

Das dünne Büchlein nicht gekauft, „Franio“ und „Herrn Kukas Empfehlungen“ habe ich aber in meinen Regalen, ob ich sie gelesen habe, weiß ich gar nicht und was ein Schragl ist weiß ich auch noch immer nicht oder doch natürlich, eine „Art Regal auf Rädern“, wie Radek Knapp las und ich bin jetzt gespannt, wie ich mich bei den nächsten Terminkollusionen entscheiden werde, ob da dann die Experimentellen über die Lustigen siegen werden oder wieder nicht?

2017-02-16

Unter der Sonne

Filed under: Bücher — jancak @ 00:05
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Jetzt kommt wieder etwas ganz Altes, nämlich Daniel Kehlmanns, 1998 bei „Deuticke“ erschienener Erzählband „Unter der Sonne“, da war der 1975 in München geborene und in Wien aufgewachsene Sohn des berühmten Regisseurs Michael Kehlmann, gerade dreiundzwanzig.

„Beerholms Vorstellungen“, das ich mir einmal in einem Antiquariat in der Kirchengasse, um dreißig Cent kaufte, war da schon erschienen und das Buch stammt aus einem der Bücher-Türme der „Literatur im März“, wo ich mir ja damals viel mitnahm und langsam aufzulesen versuchte, als ich mir vor ein paar Jahren alle meine ungelesene Bücher auf meine Leseliste schrieb. Die habe ich im vorigen Herbst mitten meines Buchpreislesens, als sich die Rezensionsexemplare türmten und ich sah, daß ich sie nicht, schaffte, wieder umgeändert.

„Unter der Sonne“ ist daraufgeblieben und das Buch passt jetzt auch ganz gut, wurde gerade ein Theaterstück von Daniel Kehlmann, der ja inzwischen aufgestiegen und berühmt geworden ist, in der Josefstadt aufgeführt, deshalb war er auch in der Sendereihe im Gespräch und eine Frage beim Ö1-Quiz und ich habe von den noch nicht so berühmten Kehlmann „Der fernste Ort“, 2001, bei „Rund um die Burg“ sowie in der „Alten Schmiede“ gehört und die dabei gemachten Erfahrungen in meiner „Viertagebuchfrau“ verarbeitet.

Dann kam 2003 „Ich und Kaminsky“, alles schon bei „Suhrkamp“ erchienen und der kleine österreichische „Deuticke“ und inzwischen „Hanser-Ableger“ leidet ja noch immer, daß der große Khelmann ihn verlassen hat, obwohl schon ein Vertrag, für dann bei einem anderen Verlag erschienenes Buch, geplant oder vorhanden war.

Nun ja, die „Vermessung der Welt“ erschien 2005 bei „Rowohlt“ und machte den Autor schlagartig mit einem historischen Roman berühmt, interessant, bei dem Radiointerwiew sagte er, daß er in seinem Literaturstudium gelernt hat, daß man ja nicht, unter gar keinen Umständen mehr einen historischen Roman schreiben dürfe und dann kam vielleicht auch ein Knick, denn die späteren Werke sind möglicherweise nicht mehr so erfolgreich oder bekannt geworden.

„Ruhm“ habe ich jedenfalls gelesen und den Roman „F“ 2013, als ich noch nicht so buchpreisbloggte auf der LL des dBps und jetzt ein Griff zu den Anfängen und die sind, ich schreibe es gleich, sehr interessant.

Richtig, etwas habe ich noch vergessen. In einer der aus Leseproben zusammengeknipsten Gratisbücher zum Welttag des Buches des Hauptverbands, war einmal eine Kehlmann-Geschichte, die mich sehr beeindruckt hat, sonst würde ich den inzwischen auch nicht mehr so ganzen jungen Mann ja eher für einen sehr eifrigen und ehrgeizigen Schreiber halten, der vielleicht auch gut gefördert wurde und jetzt sind diese Kurzgeschichten, die ich ja gar nicht so gerne lese, auch höchst eindrucksvoll.

„Bankraub“ heißt die erste und da wacht ein höchst mittelmäßiger junger Mann mit einem ganz gewöhnlichen Leben, der eine kleine Wohnung hat, gerne Bücher liest, aber sonst keine Interessen, auf und hat, als er seinen Bankauszug ansieht, plötzlich durch einen Irrtum ein paar Millionen auf dem Konto. Er hebt sie ab, bekommt sie sonderbarer Weise auch gleich in einem Koffer, nimmt ein Taxi, fährt zum Flughafen und dann an einemfernen Ort, um dort ein neues Leben zu beginnen.

Geht wahrscheinlich und passiert auch in Echtzeit nicht, ist aber sicher der Traum des kleinen Mannes und sehr gut und sehr präzis erzählt, das ist wahrscheinlich auch Daniel Kehlmanns Stärke.

„Töten“ heißt die zweite und erzählt von genausoviel Mittelmäßigkeit, vielleicht auch ein Kehlmann Thema.

Sommerferien, irgendwo in einer Gartensiedlung, ein gelangweilter Vierzehnjährigerärgert sich über den Hund des Nachbarn, schnappt im rennenden Fernseher ein paar Sätze über das Böse im Menschen auf, geht auf die Straße findet einen Ziegelstein, schmeißt ihn auf ein Auot, geht zurück, klaut der Mutter Wurst aus dem Kühlschrank, vermischt sie mit Rattengift, füttert den Hund damit und die Mutter fragt beim Essen „Wunderbares Wetter, nicht. Genau richtig für die Ferien. War das nicht ein schöner Vormittag?“

„Doch!“, sagte er dann, „doch ja. Er war ziemlich gut!“.

Für mich noch beeindruckender die Titelgeschichte, in der ich  Vorstudien für „Ich und Kaminski“ vermute, denn da geht ein, wahrscheinlich, wie Kehlmann sagen will, wieder mittelmäßiger Literaturdozent auf die Suche nach seinem Idol, der heißt Bonvard und ist ein schon verstorbener Dichter, der einen Roman oder eine Trologie unter dem Titel „Unter der Sonne“ geschrieben hat und Kramer, so heißt der erfolgllose Dozent hat sein ganzes Leben ihm gewidmet. Seine Bücher gelesen, vielleicht wegen ihm Literaturwissenschaft studiert, Diplomarbeit, Dissertation, jetzt die Habilitation, die in einem mittelmäßigen Verlag erscheinen soll, allles ihm gewidmet. Er hat ihm auch öfter Briefe geschrieben und ihm seine Verehrung ausgedrückt, keine Antwort, der Sekretär des Berühmtes hat die Briefe wohl alle weggeschmissen. Jetzt soll das Buch „Bonvards Grab“ heißen. Ein Foto von desselben ist aber nicht aufzufinden. So reist der Wissenschaftler in der Sommerhitze, an den kleinen französischen Ort, wo der Dichter lebte, hetzt einen Berg hinauf auf den Friedhof, um vom Gärtner dort zu erfahren, das Grab liegt in einem anderen Ort. Er fährt dorthin, aber der Zug ist ein schneller, der nicht stehen bleibt, sondern direkt nach Paris fährt, wo der Wissenschafter auch am Abend einen Vortrag halten muß. Jetzt erkennt er seine Mittelmäßigkeit und fängt im Zug zu weinen an und der Schaffner geht betreten hinaus.

Nun, das ist vielleicht ein wenig übertrieben und was soll eine seit über vierzig Jahren erfolglos Schreibende, der öfter von ihren Kriikern geraten wird, doch endlich damit aufzuhören, zu dem Text eines Zwanzigjährigen sagen, der inzwischen viel höher aufgestiegen ist?

Den Nobelpreis, den Bonvard übermütig ablehnte „Solche Ehrungen der Mittelmäßigkeit benötige ich weder künstlerisch noch finanziell“, hat er aber noch nicht und wird ihn vielleicht auch nicht bekommen, denn wir haben ja schon eine Nobelpreisträgerin und Deutschland, wo Kehlmann jetzt wieder zu leben scheint, hat die auch schon und so füge ich nur hinzu, daß ich auch einmal an einem sehr heißen Sommertag auf den Grinziger Friedhof hinausgegangen bin und während die anderen in wahrscheinlich fröhlicher Runde beim Leichenschmaus saßen, vergeblich das Grab unseres Idols Thomas Bernhard suchte und es auch nicht gefunden habe, aber ich bin ja eigentlich kein Fan der großen Meister und also auch von diesem nicht.

Mit der genauen Beschreibung der Sinnlosigkeit des durchschnittlichen Lebens beziehungsweise dessen Extremsituationen geht es weiter.

In „Auflösung“ verschwindet einer in die Psychiatrie, weil er die Zeit verliert. in „Pyr“ legt ein Pyromane seinem Autor die Liebe zum Feuer in die Feder und in „Schnee“ verschwindet der Direktor einer Firma in den weißen Massen und erlebt ein nie geahntes Glücksgefühl dabei.

Wie schon gewußt, sehr präzise und genau erzählt „Ein Fall von früher Meisterschaft“, schrieb die „Abendzeitung am Buchrücken.

Wir wissen  nun inzwischen, wie es mit Daniel Kehlmanns Begabung weitergegangen ist.

 

2016-12-27

Bis ich 21 war

Filed under: Bücher — jancak @ 00:40
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Jetzt noch das Weihnachtsbuch von vor zwei Jahren. Ela Angerers „Bis ich einundzwanzig war“, das die 1964 in geborene, die laut Klappentext, als Schriftstellerin, freie Autorin (was ist der Unterschied) und Fotografin, damals auch auf der „Buch-Wien“ vorstellte, wo es dem Alfred wahrscheinlich aufgefallen ist.

Damals hatte ich von Ela Angerer keine Ahnung, inzwischen habe ich ihren fiktiven Roman gelesen und sie auch  in einer Diskussion mit unter anderen Peter Henisch in der „News-Lounge“ über die österreichische Literatutur auf der heurigen „Buch-Wien“ gehört, weil sie inzwischen auch eine Kolumne in der Zeitschrift „News“ hat.

Das Debut ist laut Klappentext ein autobiografischer Roman und das Ela Angerer aus einer bürgerlichen Familie stammen könnte, ist mir schon bei den „Kometen“aufgefallen.

Um was geht es also in der Autobiografie, der um zehn Jahre jüngeren Autorin und Journalistin?

Um das grausliche Leben in der österreichischen Oberschicht, die Mutter, die eigentlich Künstlerin werden wollte, ließ sich vom Vater offenbar sehr jung, drei Kinder andrehen, betrügt ihn dann mit einem reichen „Cadillacfahrer“ und zieht nach einigen Komplikationen mit den zwei Töchtern, der Sohn ist dem Franhzosen nicht zuzumuten, zuerst in ein Reihenhaus, es sind ja noch Alimente für dessen Familie zu zahlen, dann in ein Schloß, wo es ähnlich zugeht, wie es vorher war.

Nämlich Kindermädchen, Bügel- und Putzfrauen, die auf die Kinder aufpassen und den Haushalt schupfen, die Mutter steht zwar gegentlich in der Küche, um den Franzosen sechsgängige Menus zu bereiten, die vom Großvater dann mit „Votre Couisine est tres simple, mais bonne!“, gelangweilt kommentiert werden.

Ansonsten überläßt sie die Kinder den Kindermädchen und geht mit dem Göttergatten auf Reisen oder Bridgespielen, so daß, die dann, wenn kein Essen im Kühlschrank ist, in den Keller gehen und sich die französische Gänseleperpastete und den „Beluga-Kaviar“, der monatlich angeliefert werden, aufs harte Brot schmieren.

Wie schrecklich, könnte man in der Zeit der Achtundsechzigerjahre, wo die Portraits der RAF-Terroristen an der Schweizer Grenze ingen, wenn die Mutter mit der namenlosen Tochter dorthin einkaufen fuhr.

Reicht aber natürlich nicht für einen Roman, die übliche Vergewaltigung  durch den Großvater ist natürlich auch dabei und die Ich-Erzählerin fängt auch früh mit Drogen und  erotischen Spielechen, sowohl bei Männchen oder Weibchen an, schlecht nachts auf dem Haus, um sich in der Disko Heroin oder ist es noch LSD zu spitzen und die Mutter hat natürlich den Tablettencocktail, „Mothers little Helpers“ im Badezimmer stehen, um immer frisch und fröhlich zu sein und kleine Nasen und Ohren braucht man auch, um an den Mann zu kommen, so werden diese plattgedrückt.

Einmal ist eine ältereKinderfrau dabei, als die Erzählerin einer Freunin Captagon mit Martini serviert, so daß, die dann flach am Boden liegt und die Betreuerin die Rettung holt.

Die Erzählerin täuscht eine Zehenverletzung vor, kommt dann aber mit Dreizehn oder Vierzehn doch in ein Internat. Zwei Schweizer, ein sehr katholisches und eines, wo arabische Prinzessinnen von ihren Tennislehrer begleitet werden, werden angeschaut. Sie kommt dann in eine billigere Erziehungsanstalt, macht auch dort ihre erotischen Erfahrungen mit manchen Lehrerinnen, die ihr Nachhilfeunterricht geben, fährt am Wochenende angeblich zur Großmutter nach Wien, in Wahrheit in in WG ihrer Jugendfreunde und das Alpha Tierchen Stella wird beim Klauen erwischt. Fünfhunderttausend Euro Schaden in den örtlichen Juweliergeschäften und die goldene Uhr der Erzählerin, die diese vom Stiefvater bekam, ist auch dabei. Sie zeigt, um sich zu retten, die Erzählerin wegen Drogendeals an, die wieder alle Spielchen braucht, um sich reinzuwaschen und zu siegen, was auch gelingt.

Sie will trotzdem heim ins stiefväterliche Schloß, beginnt ein Liebesspiel mit einem Cousin in einem Nobelhotel in Vendig, wohin sie mit ihren Eltern darf, bevor sie sich mit der Mutter verzankt und nach Paris ausbüchst.

Der Sinn des Lebens scheint ihr noch immer zu fehlen oder vielleicht hat sie ihn auch dort gefunden, denn wenn das Buch wirklich autobiografisch ist, hat ihn Ela Angerer ja bekommen.

Aber ich weiß schon, in Romanen ist alles übertrieben und nicht ganz wörtlich zu nehmen, Drogenkonsum ist ja auch verboten und Sex mit Minderjährigen auch. Aber natürlich kann man nur schreiben, was man erlebt hat, so wird das Leiden der wohlstandsverwahrlosten Oberschichtnugend nicht ganz erfunden sein und ich glaube auch, daß so ein Leben zwischen wechseldnen Kindermädchen und Putzfrauen und einer medikamentensüchtigen Mutter, die mit Omar Sharif Bridge spielen geht, sicher nicht ganz einfach ist.

Das von den Unterschichtjugendlichen, die kiffen, dealen oder klauen und dazwischen arbeitslos sind, ist es wahrscheinlich auch nicht, aber die bringen höchstwahrscheinlich keinen so fehlerfreie und grammatikalisch richtige Autogbiografie, ob erfunden oder echt zusammen, daß sie bei „Deuticke“ verlegt wird, trotzdem frage ich mich , warum ein solcher Roman erscheint und warum ich ihn lese?

Nun ich habe ihn vor zwei Jahren zu Weihnachten bekommen und bin ja sehr interssiert an der österreichischen Gegenwartsliteratur, möchte am liebsten alles lesen und auch selber schreiben, was ich auch tue, aber leider offensichtlich nicht so gut und so interessant, daß es einem Verlag gefällt und mit dem Selbstgemachten ist es ja auch nicht so leicht, obwohl ja schon viele solche Bücher von mir erschienen sind.

Interessanterweise sind die „Amazon-Rezensionen“, die ich mir durchgeschaut habe, eher begeistert und sprechen davon, daß das Buch an die Erlebnisse der eigenen Jugend erinnert. Das habe ich bei den „Kometen“ mehr  empfunden, obwohl ich ja zehn Jahre älter bin.

Hier würde ich schon ganz vorsichtig sagen, daß ich hoffe, daß nicht jede Jugend, so ausschaut und, daß ich eine solche auch nicht als sehr empfehlenswert und für vorbildhaft halten würde.

Elke Heidenreich hat sich ja in einer Fernsehdiskussion sehr über Michelle Steinbecks Debut empört und von „krankhaft“ gesprochen, was ich eher für erfunden gehalten hätte. Hier wäre ich, wenn das wirklich alles autobiografisch ist, wahrscheinlich mehr besorgt und kann vielleicht froh sein, daß mir das erspart geblieben ist, auch wenn ich auf meine Bücher solche Reaktionen bekomme.

2016-09-28

Schlagabtausch zwischen Deuticke und Jung und Jung

Die „Gesellschaft für Literatur“ hat eine neue Veranstaltungsreihe, zwei Verleger kommen und stellen jeweils ein Buch aus der Produktion des anderen vor, sprechen darüber und beantworten Fragen zur Verlagslandschaft.

Eine sehr Interessante, wenn  Verlagsmenschen über die Bücher der anderen sprechen, auf Buchmessen kommt wohl sowas vor und Henrike Blum vom „Presse und Literaturbüro“, das, glaube ich zu „Droschl“ gehört oder für „Droschl“ arbeitete, machte der „Gesellschaft“ dieses Vorschlag, die gleich mit Martina Schmidt und Jochen Jung begann und das ist ganz besonders interessant.

Denn Österreich ist ja sehr klein und hat daher nur sehr kleine Verlage und diese spießen, reiben sich und geraten aneinander oder werden das, wenn die Eigentümer wechseln und die Verlage verkauft werden, oft gegen ihren Willen.

Und das ist  zur Jahrtausendwende mit dem „Residenz-Verlag“ passiert, wo Jochen Jung der Leiter war. Der Verlag hat dann zum „Bundesverlag“ gehört, wo Martina Schmidt, „Deuticke“ leiteteund die hat dann einige Zeit auch „Residenz“ leiten müßen und Jochen Jung wurde hinausgeschmissen.

Sehr kompliziert und für Außenstehenden sind diese Verlagsverhältnisse wohl auch nicht zu verstehen.

Jochen Jung hat dann „Jung und Jung“ gegründet, neben „Droschl“, „Picus“ und „Czernin“ ein kleiner feiner Verlag, denn „Deuticke“ gehört ja inzwischen zu „Zsolnay“ und das ganze zu „Hanser“, wo  ich die Geschäftsverhältnisse dann auch nicht mehr so genau unterscheiden und zuordnen kann.

„Jung und Jung“ steht mit seinen Büchern auf jeden Fall ziemlich regelmäßig auf der Long– und auch der Shortlist des dBp und hat den zweimal auch schon gewonnen.

Auf der österreichischen steht er diesmal nicht, dafür „Deuticke“ mit Peter Henisch „Suchbild mit Katze“ und auf die deutsche ist ja Hans Platzgumer mit „Am Rand“ gekommen.

So weit so gut und das, was mich momentan interessiert, weil ich ja derzeit am doppelten LL-Lesen bin und sowohl den Köhlmeier, als auch den neuen Henisch nicht zu bekommen scheine, dafür habe ich aber „Am Rand“, „Die Witwen“ und „Ein langes Jahr“ gelesen und den Originalschreibtisch aus Salzburg habe ich ja vor ein paar Jahren in St. Pölten gesehen, inzwischen ist der „neue“ „Residenz-Verlag“ aber, glaube ich, wieder nach Salzburg abgewandert und Peter Henisch der ja dort einige Bücher verlegte, verlegt inzwischen bei „Deuticke“ und Jochen Jung hat sich auch das neue Henisch Buch zur Präsentation ausgesucht,

Martina Schmidt ein mir bisher unbekanntes Verlagsdebut und da bin ich auch schon bei einer Frage, die Manfred Müller an die beiden stellten, ob die, die Verlagsproduktionen der anderen kennen und die sagten, glaube ich, daß sie eher keine Vorschauen lesen.

Da tue ich eigentlich auch nicht wirklich.

Der neue „Residenz“ hat mir die eine Zeitlang geschickt und da habe ich dann auch ziemlich viel gelesen, was „Jung und Jung“ produziert, weiß ich eigentlich nicht wirklich. Manchmal bestelle ich mir zwar ein Buch, aber das meiste geht eher, wenn es nicht auf den LL steht an mir vorbei, während „Deuticke“ und „Zolnay“ kommt mir vor, da irgendwie präsenter ist und vielleicht auch öfter in der „Alten Schmiede“ oder im Literaturhaus präsentiert als „Jung und Jung“.

Die erste Frage, die Manfred Müller stellte, war aber die über den Schlagabtausch und über den Verlagswechsel und, ob die beiden Verleger einander böse wären. Offenbar nicht, denn sonst würden sie ja nicht miteinander auftreten und sich gegenseitig vorstellen.

Jochen Jung ließ einiges von seinen Autoren verlauten, die ihm erst versprochen haben, ihm zu unterstützen und zu folgen, dann aber zu anderen Verlagen wechselten, aber das ist ja irgendwie bekannt, daß die Autoren, wenn sie können, die Österreicher verlassen und zu „Suhrkamp“ oder „Fischer“ wechseln.

Daniel Kehlmann hat das, glaube ich, bei „Deuticke“ getan und dort, was ich so hörte, tiefe Wunden aufgerissen und Jochen Jung meinte, daß die Autoren von den großen Verlagen, dann oft auch nicht den Erfolg bekämen, den sie sich erwartet haben.

Das kann ich auch nicht beurteilen, denn ich gehöre ja nicht zu den großen Autoren, habe aber früher, lang lang ists her, sehr viele meiner Manuskripte zu „Residenz“ nach Salzburg geschickt und den berühmten Vordruck zurückbekommen.

Jetzt bekommt man bei „Deuticke“ keine Antwort mehr, wenn man unverlangt einsendet, was Martina Schmidt sehr bedauerte, aber offenbar nicht ändern kann oder ändern will.

Nun ja, inzwischen gibt es ja die Möglichkeit des Selbermachens und die Autoren, die von „Jung und Jung“, „Deuticke“ oder „Hanser“ nicht genommen werden, können ja auf „Amazon“ ausweichen oder selber drucken lassen.

Ich weiß, daß ist vielleicht keine besonders ruhmreiche Alternative, aber etwas, was ich auch seit dem berühmten Wendejahr 2000 mache und damit natürlich nie auf eine Buchpreisliste komme.

Aber jetzt steht Peter Henisch auf der österreichischen Longlist und wird, würde ich mal schätzen auch auf die Shortlist kommen, zumindestens würde ich mir da Mayröcker, Cotten, Henisch, Köhlmeier, Gruber wünschen, uje da bin ich schon bei fünf und, wo kommt da die Anna Mitgutsch hin und Kathrin Röggla hat ja auch einen großen Namen, hat aber „Jung und Jung“ auch verlassen und ist  zu „S.Fischer“ gegangen.

Nun ja in zwei Wochen werden wir es wissen, Jochen Jung, der ja einiges von Peter Henisch machte, Bücher, die ich höchstwahrscheinlich auch in Harland stehen habe, hat „Suchbild mit Katze“ schon gelesen, ein Stückchen vorgelesen und einiges erzählt.

Es geht um die Kindheit und dürfte eine Autobiografie sein, es handeln zwar schon andere Bücher, wie die „Kleine Figur“ und das mit der Großmutter davon, aber hier dürfte er deutlicher von sich selber und seiner Kindheit erzählen und hat auch noch zwei weitere Bände geplant, wo er dann von seiner Pubertät und vielleicht dem Erwachsenenwerden erzählt.

Ein interessantes Buch und schön wenn ich es  einmal finde, vielleicht erwähne ich es  auch, wenn mich jemand nach meinen Geburtstagswünschen fragt und nächste Woche wird es, glaube ich, auch in der „Alten Schmiede“ präsentiert. Da hatte ich eigentlich vor hinzugehen, aber jetzt habe ich ja schon ein bißchen was davon gehört und in der „Gesellschaft“ wird gleichzeigtig das neue Buch von Evelyn Grill präsentiert.

Das Buch aus dem „Jung und Jung-Verlag, das Martina Schmid vorstellte, heißt „Wir ohne Wal“ und ist von Birgit Birnbacher, die glaube ich, auch die Frau von Jochen Jungs Lektor ist, von Jugendlichen mit Drogenproblemen handelt und laut Martina Schmidt eine schöne Sprache und eine große literarische Zukunft hat.

Ich habe von dem Buch noch nie etwas gehört und dann gab es noch den Tip von Martina Schmid, den neuen Rene Freund „Niemand weiß wie spät es ist“, ein Buch, das am Vorigen Freitag bei den „Beispielen“ in Ö1 war, wo eine Tochter nur etwas erbt, wenn sie eine Urne unter bestimmten Auflagen von Paris zurück oder dorthin trägt, etwas, wie ich erst vor kurzem von einem Notar hörte, verboten ist, was mich also an dem Buch etwas störte.

Rene Freund hat damit aber den Verlust seiner Frau verarbeitet und das ist dann wieder etwas, das ich verstehen kann und Jochen Jungs Lesetip galt der Neuübersetzung der Madame Bovary, weil er, je älter er wird, um so lieber Klassiker liest, ob das Buch aus seinem Verlag oder aus einem anderen ist, habe ich nicht so ganz verstanden.

Eine sehr interessante Vernanstaltung und ein Plaudern aus dem Nähkästchen, was Leser und Autoren ja sehr interessieren könnte, mich hat das jedenfalls früher sehr interessiert, jetzt denke ich, ich weiß ohnehin schon genug darüber, war aber über Jochen Jungs Einschätzung, daß die Österreicher am deutschen Buchpreis nicht sehr interessiert sind, sehr überrascht, denn mich interessiert er ja und sehr viele Leute dürften sich für diese Verlagsabtausche auch nicht interessieren, denn es gab nur wenig Publikum.

Aber vielleicht viele Konkurrenzveranstaltungen, wie Manfred Müller erklärte. Im Literaturhaus hat glaube ich Anna Weidenholzer ihr Longlistbuch vorgestellt.

 JuSophie war jedenfalls da und hat sehr viele Fragen gestellt und die Frau Schmidt-Dengler und im Frühjahr geht es mit dem Schlagabtausch weiter, ich bin schon sehr gespannt.

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