Literaturgefluester

2018-05-12

Signalstörung

Filed under: Bücher — jancak @ 00:39
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Jetzt kommt, obwohl ich ja eigentlich keine Erzählungen mag, ein Erzählband, der 1977 in Chemnitz geborenen Kirsten Fuchs, von der ich „Heile, heile“ gelesen habe und, wie ich dem Klappentext entnommen habe, Star der Berliner Lesebühne ist, ein Buch, das erstaunlich realistische Themen aufgreift, was mir sehr sympathisch ist und mich auch etwas erstaunte, weil ich den Roman ja, glaube ich, als eher „worträuschig“erlebte.

Also erstaunlich interessante Geschichten zu höchst aktuellen Themen sprachlich originell und, wie ich meine, auch etwas vorwitzig erzählt.

Nach zwei Aufwärmgeschichten, die vom Fußballspielen auf einer Insel und einem nächtlichen Schwärmer, der auf Grund eines einschneidenden Erlebnissen zu trinken aufhört, geht es gleich hinein in das Medias res, oder nein, eigentlich zu einem Journalisten, der in einem Club kommt, um eine Band zu interviewen. Er ist zu früh dran, so bringt ihm der Angestellte dort ein Bier und erzählt ihm dann eine Geschichte, wie er zu trinken aufgehört hat, was wie man merken kann, ein Thema für Kirsten Fuchs sein dürfte.

Seine Frau hat ein Haus geerbt, weil sie vorher das Ehepaar, das dort lebte, gepflegt hat. Jetzt steht der tote alte Mann, der, wie der Erzähler meinte, am Ende seines Lebens rassistisch wurde und vorher, weil er wahrscheinlich keine Wahl hatte, bei den Wehrmachtssoldaten, im Garten und erzählt dem nächtlichen Heimkehrer, wie es war im Krieg, wo er in die Leute geschossen hat, aber eigentlich nicht viel davon gesehen hat, weil er beim Schießen immer die Augen schloß.

Man sieht höchst originell, nicht nur die Themenwahl, die das bei dieser Geschichte ja nicht wirklich ist, sondern auch der Ton, in dem erzählt wird und so geht es auch gleich weiter zu einem anderen Hausmeister, einem der in einer Kita arbeitet, also meistens im Keller steht und dort die kaputtgegangenen Spielzeuge reparieren soll. Seine Chefin namens Sabine hat ihm aufgetragen, sich ein wenig herumzuhören, denn sie hat einen „unangemessenen Brief“ bekommen. Also tut er es aus dem Fenster und hört, wie die Mamis ihren Kleinen, die zum Teil „Minala“ oder anders heißen, erklären, warum sie leider leider, obwohl sie es nicht wollen, da die Mami arbeiten muß, in die Kita müssen. Die lebt vom Integrationsbedarf ihrer Integrationskinder und als er den Drucker reapieren mußt, stellt sich Herr Gustav vor, wie der Erzieher auf ihn eigeredet hat und formuliert dabei die Flosklel, die er dabei verwendet hat.

Da ist dann von „Einfühlungsvermögen“, also „Sag mir doch mal, was du hast, hm. Bestimmt versteh ich dich viel besser, wenn du es mir sagst. Hast du ein Blatt quer sitzen?“- bis zu „Soziale Isolation als Strafe“ – „Du kommst jetzt runter zum Hausmeister“, der natürlich sofort weiß, woran es liegt und den Schatten beheben kann.

In diesem Tonfall geht es munter weiter zur „Signalstörung“, der dem Buch den Titel gebenden Geschichte. Und da sitzen zwei Frauen namens Nermin und Jagwida in einem aufgelassenen Schulungscenter der Bundesbahn und sollen die Pläne für die Bahn erstellen. Es sind offenbar die Zeiten der Flüchtlingswelle und Sonderzüge müssen eingeplant, Demonstrationen beachtet werden und die Gerüchteküche spielt  natürlich auch eine große Rolle und ganz besonders zynisch und wahrscheinlich, wie ich, die ich ja auch sehr viel mit vom AMS betreuten Klienten arbeite, ein wenig hilflos, anmerken möchte, ist das „Kleinjobcenter“ und auch ein bißchen autobiografisch, denn da heißt, die Heldin „Frau Fuchs“ und die hatte eine Krise oder eine Schreibhemmung. So kam der schon geplante Vorschuß nicht und sie muß für ein halbes Jahr „Unterhaltsbevorschußung“ beantragen.

Wie das erzählt wird, ist köstlich bis tragisch komisch, denn man stolpert da zuerst über jede Menge von „Hartvierwitzen“, da man zuerst gar nicht lustig findet. Dann kommt die Antragsstellerin zu ihrer Betreuungskraft, macht zuerst ein paar Vorschläge, die auch wohlwollend, „Wir werden einen Antrag stellen!“, aufgenommen werden und dann, als sie gehen will wird sie noch gefragt, ob sie auch einen Antrag auf den ihr zustehenden monatlichen „Hartzvierwitz“ machen will und der Clou der gar nicht so lustigen Geschichte ist, das Geld kommt, ein halbes Jahr später, für das es ja eigentlich gedacht war, so daß sie es gleich ihren wohlwollenden Freunde, die ihr inzwischen aushalfen, zurückgeben und sich wahrscheinlich denken konnte, daß sie sich den Aufwand, wenn er nicht Recherchematerial für eine Geschichte gewesen wäre, sparen hätte können und sie fügt dann noch die Frage an, wie es wohl denen geht, die nicht nur verrübergehend und auch nur recherchieren auf die Leistungen des Jobcenters angewiesen sind?

In „Onkel“ fährt eine Frau von Besuch bei einer Freundin vom Stadtrand im Bus nach Hause und belauscht dabei das Gespräch eininger Jugendlichen, die zu ihrer Clique am anderen Ende der Stadt fahren:

„Hast du was?“ -„Nee“ – „Scheiße. Wo kriegen wir was her?“ – „Weiß nicht.“…., während in „Casablanca“ einer zum Flughafen fährt, sich dort in ein Cafe setzt, wo er schon die Stammgäste kennt und auf seine Freundin wartet, mit der einmal in dem berühmten Film war und die ihn danach verlassen hatte, weil er dabei nicht weinen und auch nicht „Ich liebe dich!“, zu ihr sagen konnte.

Und in „La Schuhkran“ wird 2003 nach Syrien gereist, wo man das noch gefahrlos konnte. Das heißt, so ganz gefahrlos war es auch nicht, wenn man zu Weihnachten eine Freundin besuchen wollte, die auf der deutschen Botschaft arbeitete, wenn man vorher in Israel war. Gut, da konnte man sich einen anderen Pass besorgen, aber weil man das 2004 nicht schon wieder tun konnte, wudre man in Amerika am Flughafen aufgehalten und genau befragt, was man da gemacht hat.

Weihnachten gefeiert ganz klar, aber wo bekommt man in Damaskas Weihnachtsgeschenke her, wenn man am Markt von jeden angesprochen wird, in Geschäfte gelockt und dann mit Datteln herauskommt, so kommt am Schluß ein doppeltes Zungenküßen und vielleicht ein Partnertausch heraus.

In „Erbe“ kommt einer in das verfallene Haus mit Garten in dem verfallenen Dörfchen seiner Jugend zurück, um seinen Vater zu pflegen und wahrscheinlich auch biographisch, fährt ein paar mit Kind einen „Nachtschrank“ zum Schuster, denn der Schlüßel ist verloren und darin steckten Tagebücher, die die Mutter mit zwölf, also im Jahr der Wende geschrieben hat. Die Tochter fragt neugierig nach, was der ganze Aufwand soll und versteht nicht ganz, warum man einem Land, das es nicht gibt, nachspüren will?  Das versteht nur der Schuster Roman, der auch aus einem solchen kommt.

Und dann ist noch eine Frau zu Hause, weil das Kind krank geworden ist. Sie beschließt die Wohnung zu putzen, bleibt aber am Türspion hängen, um von dort das Gespräch der Nachbarn am Gang zu erlauschen, während das Kind Pfirsiche essen will.

Surreal kann es Kirsten Fuchs auch und spielt das in allen Tönen, so habe ich „Maran“ nicht ganz verstanden, während es im „Rosa Mantel“ offenbar, um die  verdrängten Anteile geht. Da liegt eine Frau in der Badewanne hat eine Haarspülung am Kopf, fürchtet sich vor dem Fremden und bekommt die ganze Zeit, die Begegnung und den Geruch der Obdachlosen, die sie in der U-Bahn begegnete, nicht aus dem Kopf und dann ist die plötzlich in der Wohnung und wird von ihr gebadet.

Dann fährt eine junge Frau mit einem Hund mit dem Rad von Berlin an die Ostsee, will Zelten und die Angst,  was da alles geschehen kann, läßt sie nicht aus, obwohl und das ist vielleicht das Teufliche an der Sache, gar nichts passiert und um den Kreis zu schließen, geht es noch einmal in die DDR zurück, in die Zeiten, wo ich Erzählerin zwölf war, die Mauer fiel, das erste Tagebuch geschenkt wurde und auch die erste Monatsblutung passierte, die im Osten offenbar „Besuch aus Moskau“ genannt wurde, natürlich Blut ist rot und das ist die rote Armee offenbar auch und am Schluß wird noch vom ersten Mai erzählt.

Den „Tag der Arbeit“, wo die Männer an der Demonstration teilnahmen, die Mutter mit der Neuen ihres Sohnes kocht und am Schluß sitzen alle im Garten und beglückwünschen sich:

„Als die Männer sagten, daß die beiden Köchinnen hoch- hoch- hochleben sollten, schauten beide streng.“

Es ist wirklich die ganze Variante des Lebens in allen seinen Facetten und literarischen Gattungen, die Kirsten Fuchs da in neunzehn Geschichten vor ihren Lesern ausbreitet.

„Nun kann man Kirsten Fuchs als glänzenden, vielseitige Geschichtenerzählerin entdecken: Ihre mal komischen, mal ernsten, schrägen, schnoddrigen und in hundert anderen Farben leuchtenden Storys erzählen so originell von unserer Gegenwart, wie es selten gelingt, und erfassen wie nebenher das Wesentliche, was einem so  beim Leben passieren kann.“, steht so auch am Klappentext.

2018-03-01

Abifeier

Filed under: Bücher — jancak @ 00:36
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Jetzt kommt ein kleines feines Büchlein über die Leiden eines geschiedenen Vaters während der Abifeier seiner Tochter. Ein Buch, das der „Buchbloggerin“, weil leicht zu lesen, gut gefallen hat und das Patchworkthema ist ja, weil jede zweite Ehe geschieden, sehr aktuell.

Roman steht auf dem hundertfgünzigseiten Buch und es ist natürlich wieder keiner. Vielleicht sollten die Verlage einmal ein Romanbezeichnungsseminar veranstalten, aber ich weiß, dann findet es unter dieser Klassifizierung bessere Absatzmöglichkeiten, so meinen jedenfalls die Verlag und der Autor Eric Nil, ist laut Klappentext ein bekannter Schriftsteller, der „Erfahrung mit den Familienscharmützeln“ hat.

Die „Buchbloggerin“ hat einige Vorschläge, um das Pseudonym aufzudecken, ist es vieleicht Axel Hacke oder Frank Goosen? Da habe ich keine Ahnung, weil ich beide Autoren nicht kennen, mit Sicherheit aber ein geschiedener Mann würde ich vermuten und warum bekennt er sich nicht zu seinen Familienschwierigkeiten?

Da ist also der Ich-Erzähler, ein Filmemacher, wenn ich richtig gelesen habe, der von einigen Jahren von Basel nach Hamburg gezogen ist, er hat die „Flüße gewechselt“, das ist seine Bezeichnung für die Scheidung und in Basel ist seine Ex-Frau Bea mit den beiden Kindern Nora und Alex zurückgeblieben. Das Besuchsrecht hat sich bei diesen Entfernungen als schwierig erwiesen. Alex lehnte den Besuch des Vaters überhaupt ab, Nora war da flexibler und weil sie in ihrer Schule eine Prüfung nicht schaffte, entschied sie sich irgenwann zum Vater zu ziehen, der inzwischen eine Freundin namens Johanna mit zwei Kindern hat, die von einem Rolf geschieden ist.

Die macht jetzt Abitur und für den Abiball muß man rechtzeitig bekanntgeben, wer mit wem an einem Tisch sitzen will?

„Kein Problem!“, denkt der Vater. Er mit Bea, Alex, Nora, Johanna, Rolf, Tobias und Grübchen, so wird der kleine Max genannt. Es gibt dann noch einen Freund Noras names Lukas und die erste Schwierigkeit taucht auf, als sohn Tobias, der in die selbe Schule wie Nora geht und also auch gerade Abi machte an den Tisch mit seinem Freund sitzen will. Er hat eigentlich eine Freundin namens Shirin, aber die kommt aus Afghanistan und  hat einen Onkel und der will keinen deutschen Freund seiner Nichte und ab da tauchen Fragen auf, soll Johanna mit Bea an einem Tisch sitzen und wie wird es de, Autor mit Rolf gehen?

„Blödsinn!“, habe ich im ersten Moment gedacht.

Was soll das, das sind doch erwachsene Menschen. Die werden es wohl einen Abend an einem Tisch aushalten. Liest man das wirklich flott geschriebene Buch, kann man, obwohl ich ja nicht geschieden bin, die Bedenken nachvollziehen und sich in diese Familienschlamützel hineinzudenken ist wirklich amüsant und nein, es kommt nicht zur großen Katastrophe. Höchstens zu ein paar Kleineren, denn Johanna ist dem Erzähler blös, weil er sie, die ja jetzt an getrennten Tischen sitzen, nicht zu der Fabrikshalle, wo die feier stattfinden soll, fahren kann, muß er ja Alex und Bea abholen.

Die Begegnung mit Sohn und Vater ist schwierig. Nora hat sich inzwischen von Lukas getrennt und sitzt, glaube ich, an einem Tisch mit einem Großvater, der ihr ständig erzählt, daß Ehen nicht dazu da sind geschieden zu werden und man Beziehungen mit Toleranz aushalten muß.

Das buch geht dann noch nach dem Abi, wo ja alle überlebten und Bea mit Alex wieder zurück nach Basel geflogen sind, weiter und die nächste Katastrophhe scheint sich anzubahnen, als Tobias, der sich vorübergehend auch von Shirin trennte mit Nora bei der Premeirenfeier seines Vater in schwarz weißen Gleichklang erscheinen und sie alle für ein Paar halten.

Zu Weihnachten erschwischt Grübchen, die beiden noch beim Küßen und die nächste Katastrophe bahnt sich an. Aber Achtung Entwarunug! Alles halb so schlimm und es war nur ein Fake.

Ansonsten können einen Patchworkfamilien schon zum Schwitzen bringen und am Schluß bleibt noch die Frage, wer nun der Autor dieses Antifamiliendramas ist? Vielleicht finden wir es noch heraus.

2016-04-29

Die Wahrheit sagen

Der, 2008 in Prag erschienene „Brutale Roman über die Liebe zum Leben“ des 1969 geborenen, tschechischen Autors, Josef Formanek, wurde jetzt doch ins Deutsche übersetzt und mir von einem Literaturbüro zugesandt und erzählt auf etwa vierhundersiebzig Seiten, die Begegnungen eines Autors oder Journalisten, mit dem Namen Josef, der sehr mißtrauisch ist und manchmal eine etwas derbe Sprache hat, mit einem alten Mann, der viel Geld besitzt, in einer Hütte über einer Müllhalde lebt, den Müll sorfältig sortiert und ihn nach einer Frau namens Sophie fragt, der ihm sein Leben erzählt, damit er es aufschreiben kann.

1924 wurde der, Bernhard Mares mit Namen in einer Wiener Straßenbahn geboren, die Mutter wickelte ihn in die Jacke eines Fahrgastes ein, stieg aus und trug ihn zur nächsten Kirche, um ihn mit Namen versehen, dort abzulegen. Gefunden wurde er vom Pfarrer und vom Küster, die sich in einer rührenden Szene rührig hilflos um den Kleinen kümmern und ihn dann zur Schwester des Küsters aufs Land schicken. Die kümmert sich auch um ihn, wird aber von einer eifersüchtigen Freundin angezeigt, so kommt die Fürsorgerin, holt wie bei bei Erich Hackl, den Kleinen ab, um ihn ins Waisenhaus zu stecken. Die Schwester geht darauf ins Wasser und der Kleine verwaist noch einmal, weil sie ihn jetzt ja nicht besuchen kann.

Trost findet er in einem gestohlenen Wildwestbüchlein, als er ein anderes Buch klauen will, wird er noch der Oberin überrascht, die ihn unter die Schenkel greift und in die Badewanne steckt. Er will ins Priesterseminar, wird aber dort, weil unehelich hinausgeschmissen. So geht er in seine „Heimat“ Österreich, gerät nach Krems/Stein in eine unbezahlte Bäckerlehre und als er dort ein SS-Werbeplakat, es ist das Jahr 1942, mit einem Soldat mit ausgestreckten Arm und mit „Komm in deine Familie!“ oder so, sieht, meldet er sich freiwillig.

Wird nach Russland und an die Front gefahren, sieht der Ermordung der Juden in einem Dorf, die in einen Friedhof getrieben werden, zu, sieht seine Kameraden sterben und die russische Armee sich nähern.

Um Uniformen abzuholen wird er nach Mauthausen geschickt, dort sieht er die jüdische Gefangene Sophie Runbinstein, verliebt sich in sie, beziehungsweise sieht er in ihr das Mädchen seiner Träume.

So freundet er sich mit dem Unterscharführer Mold an und Sophie gibt sich, um gerettet zu werden ihm hin. Er befreit sie und einige andere Frauen auch und nimmt ihr das Versprechen ab, jeden Mittwoch in einem Park in Krems auf ihn zu warten.

Dann gerät er in das Gefangengenmassaker von Krems-Stein und wird schließlich Dolmetscher der roten Armee.

Er trifft Sophie wieder, wird Zeuge ihrer Vergewaltigung durch die Russen und will einen, der das tat erschießen, läßt es aber, als der ihm die Geschichte seiner Mutter erzählt. Für die Russen soll er in Wien bei den Amerikanern dolmetschen, dafür wird das Gastgeschenk gestohlen und als sich die Amerikaner auch Mädchen bringen lassen, wird er von dem, bei der er einmal in Krems wohnte, als SS-Mann enttarnt, wird gefangengenommen, von Nation zu Nation gereicht, bis er an einen verständnisvollen tschechischen Offizier gerät, der ihn entläßt.

Er fährt in die Tschechei zurück, geht zuerst zum Militär, macht dann kurzfristig bei der Kommunistischen Partei Karriere, erlebt dort, wie die Wahlen gefälscht werden und hat Angst als ehemaliger SS-Mann verhaftet zu werden. So kommt es zu einem Fluchtversuch, er wird verhaftet, für Jahre in Gefängnisse gesteckt, wo er sich zwischen „die Wahrheit sagen“, Rebellion und für Verrücktgehalten werden, hin- und her hantelt. Er wird zwischendurch entlassen, nimmt Kontakt zu Sophie auf, die verheiratet ist und schreibt beziehungsweise bekommt von ihr auch Liebesbriefe.

1969 wird er entlassen, geht nach Deutschland, wird dort Taxifahrer, führt ein Restaurant, kommt zu Geld und fängt ein Verhältnis mit seiner zweiten Liebe, der alten Hure Gitty an, dann fliegt er nach Südamerika, um nach seiner Mutter zu suchen, deren Grab er findet, an dem er sich betrinkt und in einer bizarren Szene eine Begnung mit einem Denkmal hat.

Die Mutter war Jüdin, also ist der SS-Mann auch ein solcher, was wieder die Bizarrtheit des Lebens zeigt, geht er nach Tschechien zurück, bezieht das Haus bei der Müllhalde, beginnt nach Sophie zu suchen und dem Schriftsteller Josef Formanek, oder Pepi wie er ihn nennt, sein Leben zu erzählen.

Das Buch, das manchmal ein wenig langatmig wirkt, ist zweigeteilt. Die Lebensgeschichte des Bernhard Mares, wechselt sich mit den Reisen, die er mit Formanek macht und dessen Leben ab.

So geht der nach dem  Tsunami von 2005 nach Indonesien, um dort zu helfen und ein Trinker ist er auch

Es wird in dem Buch, um die Wahrheit und wie sie manchmal scheinen kann, viel philosophiert, aber auch geflucht und wahrscheinlich auch geflunkert.

Am Ende stirbt der alte Mann, in seinem vierundachtzigsten Lebensjahr, aber nicht in Wien, wie ihm eine Wahrsagerin prohezeite, sondern im Zug nach Hamburg, auf dem Weg in ein Waisenhaus, das er mit seinem Geld unterstützte und zwischen den elf Kapiteln, gibt es immer mehr oder weniger lange fett gedruckte Motti, die ans Straßenbahnfahren erinnern.

„An alle, die noch im Wagen sind: Nächste Station! Wie sie heißt? Das ist ein Geheimnis!“, lautet eines davon.

Das Buch ist mit „Habis, Herbst 2008 datiert“.

„aus.gelesen“ hat es schon gelesen und auf der Rezension kann man auch einen Link zur Leipziger Buchmesse finden, wo Josef Formanek am Stand der Tschechen gelesen hat und gehofft wird, das das Buch bald eine deutsche Übersetzung findet.

Das ist jetzt geschehehen. Es ist nicht das erste Buch über den Holocaust, aber eines, das zeigt, wie verwinkelt das Leben und wie schwer es wahrscheinlich manchmal mit der Wahrheit ist, denn „der Mensch denkt, das Schicksal lenkt“, heißt es ja auf Seite 468.

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