Literaturgefluester

2022-05-06

Thronfall

Filed under: Bücher — jancak @ 00:06
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Jetzt kommt der dritte historische Krimi, den ich in letzter Zeit gelesen habe und alles geht schön zurück, von 1945 wo ein Präsident über die westdeutsche Grenze entführt wurde, ins Jahr 1920 wo die Sozialisten Berlin und Leipzig unsicher machten und dann zurück ins deutsche Kaiserreich und ins Jahr 1889.

Ich habe zuerst 1989 gelesen und an den Mauerfall gedacht, aber nein, es gibt noch den jungen Kaiser Wilhelm, der viel auf Reisen geht und den August Bebel, der ein Buch über die „Frau im Sozialismus“ geschrieben hat und noch sehr vieles anderes, denn „Thronfall“ ist schon der dritte historische Krimi, den Axel Simon geschrieben hat und daher braucht man wohl ein bißchen länger um sich bei den handelnden Personen auszukennen. Da gibt es einen Gabriel Landow, genannt Gabi, was auch ein bißchen verwirrend ist, der ist Privatermittler der Regierung, hat eine Detektei und einen Kompagnos namens Orsini, sowie eine Geliebte namens Elba Runge zu der ein eher wechselhaftes Verhältnis hat.

Am Anfang passieren gleich ein paar Morde, die von einer Frau ausgeführt werden, die asiatische Augen hat. Die Köpfe der Kaiserdenkmäler rollen dann als nächstes und Botschaften wie „Den Arbeiter holt der Typus, den Kaiser holt der Teufel.

Bis es aber soweit ist, wird noch die Detektei durchsucht, weil Orsini, der einarmige, den Arm wahrscheinlich in einem Krieg verloren, betätigt sich auch als Taschendieb und hat da ein Notizbuch mit einer Zahlenkombination gefunden, als er das zurückgeben will, wird der Überbringer erschossen und drei Revolutipnäre Marat, der eigentlich aus Hollabrunn stammt, Saint Just und Desmoulins, die mit Dynamitstangen hantieren und Kisten bei sich verstecken, gibt es auch, wie die Spielzeugfabrikantenwitwe Grün, die eine Freundi Ebas und ebenfalls Revoultionärin ist und von einem Heiratsschwindler verfolgt wird, der sich in sie verliebt, aber der wird in Auftrag Elbas von Orsini verfolgt und einen Affen namens Franz gibt es inzwischen auch, der von Oorsini während seiner Verfolgungsarbeit im Kinderwagen herumgeführt wird.

Ganz langsam kommen wir ins Geschehen oder fahren nach Norwegen, weil sich dort der Kaiser mit seinem Freund Graf Eulenburg auf eine Schiffsreise begeben hat, aber der hat ein junges Kaiserdouble an Bord geschmuggelt und der wird während eines Picknicks erschossen.

Da kommt Landow auch auf, die Fogorafie die sich gerade entwickelt hat und besucht mehrere Fotografen und, um die Spielzeuge, die in dieser Zeit en Vogue waren, da gibt es einen Superkreisel, geht es auch.

Am Schluß kommt noch der russische Zar auf Besuch und Landow kann ein Attentat auf ihn verhindern, dafür liegt er zwar bandagiert im Spital, kann aber aber wahrscheinlich weitere Fälle lösen, so daß wir auf einen Folgeband gespannt sein können und Axel Simon hat wirkich einen frischen ungewöhnichen Ton und so liest man sich durch das Buch, das eigentlich weniger ein Krimi ist, sondern sich an Hand absurder Situationen, wie beispielsweise, das mit dem Affen durch das vorvorige Jahrhundert und wenn vielleicht auch nicht alles so authentisch ist, daß es außer Dienstmädchen soviel berufstätige Frauen gegeben hat, wage ich zu bezweifeln, hat man trotzdem viel gelernt und so sind historische Krimis, die jetzt ja, wie die Schwammerln aus dem Boden spriessen, sicher sehr interessant.

2021-12-02

Reise durch Ruinen

Filed under: Bücher — jancak @ 00:56
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Weg vom Restauflesen des Schweizer und österreichischen Buchnpreises, denn jetzt kommt eine Rarität, nämlich George Orwells „Reise durch Ruinen“ und den 1903 als Eric Arthur Blair geborenen kennt man wohl hauptsächlich durch sein „1984“, das in den pandemischen Zeiten ja wieder Auferstehung erlebte und die „Animal Farm“, das erste habe ich gelesen, das zweite nicht. Er war aber auch Journalist und hat als solcher von März bis November 1945 Österreich und Deutschland bereist und das dort Erlebte beschrieben. Seine gesammelten Reportagen sind jetzt erstmals auf Deutsch bei „C. H. Beck“ erschienen. Ein ausführliches Nachwort, das die damalige Lage erklärt und auch Beobachtungen von anderen Kriegsberichterstattern einfließen läßt von Volker Ulrich gibt es auch.

Das hundert Seiten Büchlein mit einem Umschlagbild vom zerstörten Köln 1945 ist in zwei Teile gegliedert und da schildert er in seinen Artikeln, die zum Teil im „Observer“ erschienen sind, wie er beispielsweise im März nach Köln kam, wo die Wasserwägen herumzogen, weil die Stadt zerstört war und die Deutschen ihm meist sehr unterwürfig begegneten.

Er schildert das Schicksal der Zwangsarbeiter oder displaced persons, die in englischsprachigen Medien meist als Sklaven bezeichnet wurden, was, wie er beschreibt, nicht stimmte, weil sie teilweise Lohn bekamen und in die Sozialversicherung eingegliedert waren und zum Teil auch bei den Bauern blieben. Ein anderer Teil wollte in die Heimatsländer zurück, mußte aber vorher registriert werden, um die Spione zu entdecken und das Ausbreiten von Seuchen zu verhindern.

Die bayrischen Bauern, die er im April besuchte, ignorierten den Krieg und versuchten das Dorfleben weiter zu gestalten, obwohl an den Straßensperren Leichen lagen und Österreich wurde im Mai von einer sowetischen Regierung verwaltet, die aber im Westen nicht anerkannt wurde und in „Rache ist sauer“ schreibt er am 9. November in der „Tribune“, daß er „Anfang des Jahres in einem Kriegsgefangenenlager in Süddeutschland von einem kleinen Wiener Juden herumgeführt wurde, dem es offenbar Freude machte, den dort inhaftierten Gefangenen, alle wahrscheinlich hohe Nazis mit Fußtritten und anderen zu schikanieren, worauf Orwell eine Betrachtung über den Sinn von solchen Aktionen anstellt und überlegt, ob das wirklich zu Befriedigung führen kann?

Im zweiten Teil „Artikel zu Deutschland 1940-1945“, gibt es eine Rezension zu Hitlers „Mein Kampf“, das ich übrigens gelesen habe, weil es meine Eltern, wie damals üblich zu ihrer Hochzeit, die 1940 stattfand, bekommen habe, die George Orwell am 21.März 1940 in der „New Englisch Weekly“ veröffentlicht hat und eine zu Thomas Manns politischen Essays, sowie ein Artikel in dem Orwell „Die Weltlage 1945“ beschreibt, in dem er sich damit auseinandersetzt zu welchen kriegsbedingten Verschiebungen gekommen ist oder kommen wird, so wurden beispielsweise die Deutschen aus Ostpreußen , um dort die Polen anzusiedeln.

Ein spannendes Büchlein das interessante Einblicke eines englischen Kriegsberichterstatters gibt, in dem man ein bißchen nachvollziehen kann, wie es 1945 nach Kriegsende war.

2021-07-09

Da war ich eigentlich noch nie

Filed under: Bücher,Reisebericht — jancak @ 00:40
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Im Sommer liest man Sommerbücher, auf diese idee hat mich eigentlich „leselustfrust“ vor jahren einmal gebracht, mein langer Sub hindert mich inzwischen daran, das zu tun, aber manchmal kommen die Bücher auch so auf mich zu, wie es mir mit“Der Wunderkammer des Reisens in Deutschland so“ ging, denn da gibt es ja den „Verlag des kulturellen Gedächtnisses“ das,wie soll ich sagen schöne bibliophile Raritäten verlegt. Mit der „Wunderkammer der deutschen Sprache“ hat es angefangen und jetzt geht es um das Reisen durch Deutschland, was ja in Zeiten, wie diesen ein bißchen schwierig ist oder eigentlich auch nicht, denn es sollen ja jetzt alle reisen,womit sich das Delta Virus dann auch munter verbreitet,die Maturanten es aus Mallorca nach Österreich brachten oder wie es das Cover zeigt, eine Reise in die Vergangenheit, sieht man da ja einen alten Fotoapparat, eine Frau mit einer Reisetasche und Stöckelschuhen, einenSchifahrer und und und…

„Was kommt Ihnen in den Sinn, wenn Sie an das Reisen in Deutschland denken?“, wird da im Vorwort gefragt und ich, die ich ja im Nachbarland wohne, denke da an die Reisen nach Hamburg und Hannover, als Zehnjährige, dann meine Leipzig Frühlinge, die Radreise mit der Ruth 2007 von Ybbs nach Regensburg, dann die Radreise von Ulm nach Regensburg und und und von oder nach Passau sind wir auch ein paarmal mit der Anna geradelt und die ersten Reisen habe ich mit meinen Eltern auch in ihrem altenVW-Käfer unternommen.

Also in der Badewanne oder am Balkon liegen und zumindestens geistig in dem schön illustrieren Buch durch Deutschland reisen,wo wieder einmal alle diesbezügliche Bereiche erwähnt werden und es von der Vergangenheitdurch in die Gegenwart geht. Mit dem Finger auf der Landkarte kann man das natürlich ebenfalls machen und da die diesbezüglichen Zuordnungen treffen und dann gibts auch noch das Brauchtum, also die „Waldkirchner Rauhmacht“,die „Oldenburger Kohlfahr“tbis hin zur „Leipziger Buchmesse“, die ja früher im März stattfand. Es gibt das Reisen mit der Kutsche, wie man das um 1840 machte oder die Fußreisen, die früher en vogue waren. Da gibt es dann Ratschläge, was man dazu alles mitnehmen soll? Die literarischen Museen und Gedenkstätten werden auch angeführt, wie den „James Krüss Turm“ oder das „Michael Ende Museum“ in Bayern. Die Zoos werden auch angeführt und da habe ich gelernt, daß es auch einen in Leipzig gibt, da war ich noch nie führe ich an. Aber vielleicht komme ich noch einmal dorthin. Und um die ganze Welt kann man ja angeblich mit der Eisenbahn fahren oder sollte das einmal können und das Buch führt eine lyrische Kritik an „Oh Eisenbahn,was bist du kommen, hast WanderersRuhe uns genommen!“

Schon 1880 hat man sich um denUmweltschutz Sorgen gemacht und dann geht es auch schon zu den Nationalparks. Souveniers sind natürlich auch ein Thema, da gibt es die Stocknägel, die man sich mit einem hübschen Bildchen auf seinen Spazierstock pinnen kann und dann sind wir auch schon bei den Hotels und was die machen, damit die Gäste nicht die Bademäntel oder das Leintuch als Souvenier mitnehmen?

Da fällt mir Heinrich Spoerls „Wenn wir alle Englein wären“, ein Buch von meiner Großmutter, ein ,wo das da auch einmal ein Thema war. Dazu passen dann die Kurorte mit ihren Kurschatten. Das hat ja Stefan Zweig, glaube ich im „Brennenden Geheimnis“ ganz schön beschrieben, wo der Knabe eifersüchtig auf den Liebhaber der Frau Mama war, sie dann aber nicht verriet. Das Rotlichtmilieu muß natürlich auch erwähnt werden. Da gab es ja in Berlin in den Neunzehnhundertzwanzigerjahren regelrechte Bordellführer, die die Touristen anlockten oder auch in die Irre führten und eine „Dampfschifffahrt ins Reintal“ und wie das 1828 so war, wird auch beschrieben. Zum Kunstgenuß gehören außer den schon erwähnten Schriftstellerstuben, auch die Freiluftmuseen.

1862 ist Theodor Fontane durch die Mark Brandenburg gewandert und hat ein Buch darüber geschrieben, das Sagen, Ortsbeschreibungen, Geschichen, etcetera, enthält. eine über das Schloß Freienwalde, das Witwe von Friedrich Wilhelm II bewohnte, die von ihren Enkelkindern dort oft besucht wurde, ist in dem Buch auch abgedruckt und Johanna Schopenhauer hat sich 1828 über die reisenden Engländer im Rheinland die ihrer Meinung nach arrogant auftraten und „Die ganze Ordnung“ störten, mokiert.

Dazu passen die Auszügeaus einem Englisch- Lehrbuch für Kellner ,1924, denen beigebracht wurde, wie man sich auf der Station im Hotel und auch beim Billardspielen unterhält. Dann kommen die Zimmermädchen an die Reihe, die 2019 beschrieben, wie sich die an den Gästen revanchieren, die Zahnbürsten benützen, mit den Handtücher das Klo reinigen, die Kleider anprobieren, etcetera.

Otto Julius Bierbaum hat 1909 das „Erste Autoreisebuch der deutschen Literatur“ geschrieben und meinte „Es wird zwar, wie ich glaube, nicht mehr lange dauern und das Reisen im Automobil ist etwas gewöhnliches , vor der Hand aber gehören löngere Reisen dieser Art noch zu den Seltenheiten“

Hinweise für den Familienausflug gibt es auch, sowie eine kurze Geschichte des Verkehrsfunks, wo das Bild von einer Reihe von VW-Käfers die im Stau stehen am Beeindrucksten ist und Ludwig Ganghofer hat 1892 den Radführerschein gemacht, den man damals offenbar brauchte und dann über seine Radtouren geschrieben.

Radtouren für Frauen, beziehungsweise Bücher darüber gibt es auch. Das hat die Radfahrpionierin Amalie Rother 18987 geschrieben und darin auch erklärt, warum sich die Französinnen nicht auf Radtouren machen. Denn Ersten waren sie zu unselbständig, zweitens konnten sie ihren Kosmetikkoffer nicht auf das Rad mitnehmen. Obwohl es schon damals den Service gab, sich seinen Koffer ins Hotel vorschicken zu lassen.

In der DDR war das Campen sehr beliebt, weil es zu wenige Hotels gab. Die Campingplätze haben meist auch sehr schöne stimmige Name und wenn man in der DDR schon campte, hat man da wahrscheinlich auch fotografiert. So hat in den Neunzehnhundertfünfzigerjahren Walter Dreizner, der 1961 bei seinem Bruder in den USA war, in die DDR zurückkehrte, was er bereute, 1957 einen „Urlaubsfotoratgeber“ herausgegeben, wo er Tips gab, wie man „Die Sonne ins Bild“ bringt oder die Köpfe auf den Fotos nicht abschneidet.

Johanna Schopenhauer, die Mutter des Philosophen,die sich ihr Leben, als Reiseschriftstellerin verdienen mußte und die offensichtlich sehr kritisch war, hat noch einen Artikel über lärmende Kinder im Hotel, die sie störten geschrieben und dann geht es beim Thema Reisen auch sehr wichtig, zur Eisenbahn und da um den Knigge, beziehungsweise dem richtigen Benehmen im Zugabteil eine „Mitropa-Speisekarte“ aus dem Jahr 1957 ist abgedruckt. Da konnte man Ochsenschwanzsuppe und PragerSchinkenbrot um drei Mark neunzig zum Frühstück essen und ein Gedicht aus der „Mitropa-Zeitung“, wo einer die „Kraftsuppe“ lobte ist auch abgedruckt:

„Ich sitze gern an schönen Tagen, so mittags zwischen zwölf und zwei, im weißgedeckten Speisewagen, bei einer Tasse Kraft mit Ei“.

Dann gehts um Fliegen und das ist auch interessant. Denn darüber haben sowohl Kafka als auch Ringelnatz gedichtet.

Das Kegeln und das Golfen wird beschrieben und dann natürlich auch das Schifahren und wir haben uns durch das Buch gelesen. Der Urlaub ist vorbei. Da gibt es auch einen Artikel und ich kann das schön illustrierte Buch wieder nur in den höchsten Tönen loben und das Lesen in Zeiten, wie diesen, wo man nach seinem Mallorca- oder wo auch immer Urlaub vielleicht in Corona-Zeiten in Quarantäne muß, sehr empfehlen. Am Balkon oder auf der Terrasse kann man das vortrefflich, muß dabei weder Maske tragen noch einen 3G-Nachweis bringen und ist so auf diese Art und Weise sowohl durch Deutschland, als auch durch das letzte Jahrhundert gereist.

2019-07-13

Leere Herzen

Filed under: Bücher — jancak @ 00:20
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Es beginnt mit einem Abendessen einer Mittelschichtfamilie in der nahen Zukunft, so ab 2020 würde ich schätzen, die AfD, hier BBB oder „Besorgte- Bürger- Bewegung“, genannt, hat die Macht übernommen und der Import von ausländischen Bier soll verboten werden, weil das deutsche ja besser ist.

Britta und Richard haben ihre Freunde Janina und Knut mit ihrer Tochter Cora eingeladen, Brittas Tochter Vera freut sich darauf, die beiden Töchter verziehen sich ins Kinderzimmer, um mit irgendwelchen Megapuppen zu spilen, dann drehen sie das Fernsehen auf und rufen die Erwachsenen herbei, denn auf dem Schirm ist ein Anschlag zu sehen, Selbstmordattentäter haben den Flughafen in Leipzig überfallen, Britta erblasst, wird nervös und greif zu ihrem Handy.

Britta leitet eine psychologische Beratungsstelle namen „Brücke“, die darauf spezialisiert ist, Selbstmordkanditaten von ihrem Vorhaben abzubringen. Das ist die offizielle Version. Die Inoffizielle lautet, daß die Kandiaten durch ein ausgetüffeltes Evaluierungsverfahren geschleust werde, die meisten geben auf und gehen geheilt nach Hause, die, die überbleiben, werden an Organisationen, wie die IS, die auch einen anderen Namen hat oder an Tierschutzvereine vermietet und jetzt hat sich offenbar eineKonkurrenzorganisation gebildet, die Britta und ihren Partner Babak, das ist, glaube ich, ein Iraker zu routieren bringt und der weitere Fortlauf der Verhandlung wird etwas unklar erzählt.

Britta fährt gegen Babaks Willen herum, um mit ihren Partnern von der „Daesh“ und einem seltsamen Aussteiger namens G. Flossen zu sprechen, die beteuern sie waren es nicht und es kommt heraus, daß die Attentäter ein eintätowiertes „Empty Hearts“ hatten.

Inzwischen gerät Richard in Hochstimmung. In seiner Firma hat sich ein potenter Patner gemldet, der in sie einsteigen will, der heißt Guido Hatz, taucht etwas später in Brittas Praxis auf, erklärt sich zu ihren Schutzengel und rät ihr ein Jahr auszusteigen. Auch Richard drängt das zu tun. Britta, die unter Panikattacken, Verfolgsängsten und Magenschmerzen leidet, weigert sich das zu tun, hat  sie doch in Hatz einen Verfolger erkannt, der ihr nachgefahren ist, als sie mit ihren Freunden ein heruntergekommenes Haus besichtigten, das diese kaufen wollen.

So bildet sie stattdessen weiter ihre Kanditaten aus, da gibt es schon zwei in höchster Stufe, als dritte meldet sich eine Juiletta, die alsbald in des schwulen Babaks Wohnung zieht. Sie will nur für eine Tierschutzorganisatzon sterben. So sucht Britta verzweifelt nach Flossen, findetihn dann etwas später tot in ihrer Praxis und die Unterlagen zu den Datenträgern wurden auch gestohlen.

So brechen die  Britta, Juiletta und Babak in einer nächtlichen Fahrradaktion in das verfallene Häuschen auf, das etwas unrealistisch, über keine Wasseranschluß verfügt, so daß sie Flußwasser trinken müssen, sie haben auch keinen Strom und keinen Herd und müssen sich nächtens heimlich mit Chipspackungen aus den Tankstellen versorgen.

Das zielt darauf ab, verrückt zu werden, bevor es aber so weit ist, taucht der Schutzengel auf, den sie überfallen und gefesselt in den Keller schleppen und der klärt sie auf, was das ganze soll. Die abgedankte Frau Merkel, was ja insofern interessant ist, da diese von den rechten Kreisen derzeit ja wirklich sehr gemobbt wird, soll wieder eingesetzt werden, BBB von einem ehemaligen Kanditaten, den die „Brücke“ ausgeschieden hat, vernichtet werden und Guido Hatz fordert die drei auf, sich ihnen anzuschließen. Da schüttelt Britta den Kopf, fesselt ihn wieder und versorgt ihre drei Kanditaten mit einem Handy, so daß sie jederzeit überwacht werden können, läßt sie tätowieren und verläßt dann die „Brücke“.

Das letzte Kapitel beginnt wieder wie von vorn. Janina und Knut kommen zum Abendessen, diesmal ist auch Babak dabei, die Mädchen freuen sich und verziehen sich zum Fernseher zurück, dann rufen sie die Eltern, denn das Programm wurde unterbrochen und wieder ist ein Attentat oder ein vereitelter Putschversuch zu sehen, die drei Attentäter Juilette Marquart und Djaward sind umgekommen, der Putschverhindert und mit der BBB wird es weiter gehen.

„Warum?“, fragt glaube ich Richard und das ist etwas, worauf ich  auch keine Antwort weiß.

Der Roman, der 1974 in Bonn geborenen Juli Zeh, die in Leipig studierte und inzwischen, glaube ich,  auch Verfassungsrichterin ist, ist 2017 erschienen, Margot Koller hat ihn mir zum letzten Geburtstag geschenkt, es ist also auch ein Buch von der Backlist, der Erfolgsautorin, die inzwischen schon weitere Bücher geschrieben hat und von der ich, ihren Erstlings „Adler und Engel“ gelesen, sowie zwei weitere Bücher noch auf meiner Leseliste habe.

Ein Roman über den man sicher länger nachdenken kann und der vielleicht auch  einige Erklärungen braucht, die „Amazon-Meinungen“ sind geteilt von gut bis schlecht, warum die Rückkehr Merkels verhindert wurde und man dazu einen Selbstmordanschlag mit drei Toten brauchte und was überhaupt die Aussage des Buches ist, wurde mir nicht  ganz klar.

Juli Zeh ist eine sehr politische Autorin und hat sicher ein sehr politisches Thema aufgegriffen, einiges erscheint mir vom Plot aber unverständlich. So zum Beispiel, wieso sich die beiden Freunde ein so heruntergekommenes Haus kaufen wollen und das noch als ihr Traumdomizil bezeichen. Die Psychotherapie wurde auch ein wenig schief geschildert, das mit den Panikattacken der Hauptfigur wurde mir nicht ganz klar, was die bedeuten sollten, daß Britta sich immer an den Magen griff, aber jede Untersuchung verweigerte. Die ganze Britta erscheint mir auch ein wenig blass und in ihrem Umgang mit Babak widersprüchig und was das mit den „leeren Herzen“,  dem mangelden Lebenssinn“ und die  „Überzeugsbereitschaft“, des heutigen Deutschlands auf dem Weg ins Morgen zu tun hat, habe ich auch nicht ganz verstanden.

Interessant ist vielleicht auch, daß ich von dem Buch, bevor ich es bekommen habe, so gar nichts auf den Blogs und in den Rezensionen hörte, während das vorher erschienene „Unterleuten“ und das danach herausgebrachte „Neujahr“ prominent auf den Messen diskutiert wurde.

Es ist auch die Frage, ob ein Buch das Anfang bis höchstens  Mitte Zweitausendzwanzig spielt, vor allem wenn man es im Juli 2019 liest, wirklich als Zukunftsroman bezeichnet werden kann und so finde ich die Systemkritik, die es wahrscheinlich beschreiben will, sehr verhalten, vage und verschwommen und denke, daß sie jemand, der das Buch vielleicht in fünf Jahren liest gar nicht mehr verstehen wird und die deutsche Bundeskanzlerin dann vielleicht anders heißen wird und ein Kanzler ist und die Vermietung eines Selbstmordkanditaten an die IS oder an einen militanten Tierschutzverein, finde ich eigentlich verwerflich, was im Buch aber nicht thematisiert wird, während ich eines über die Organisationen der aktiven Sterbehilfe, die es in der Schweiz und in Holland gibt, viel spannender finden würde. Aber in der Literatur muß ja alles erhöht sein, wenn es das dann, genau betrachtet, am Ende gar nicht ist.

Und um am  Schluß noch eine in dem Buch gestellte Frage zu beantworten, ich, obwohl ich ja sehr politsch bin, könnte mir vorstellen, daß ich, wenn ich mich zwischen einer Waschmaschine und das Wahlrecht entscheiden müßte, aus Gründen der Effizienz für das Erstere entscheiden würde, weil es ja ohnehin nichts bringt, wenn ich, wie ich es in den letzten Jahren tat, die KPÖ wählte, während das Waschen der Wäsche in der Trommel statt im Fluß sicherlich viel einfacher ist.

2015-05-25

Eine Art Liebe

Filed under: Bücher — jancak @ 00:38
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Weiter geht es mit dem deutschen Lesen und der Liebe, obwohl es in dem 2011 erschienenen Roman, der 1967 in Frankfurt am Main geborenen Katharina Hacker, die 2006 mit den „Habenichtsen“ den dBp bekommen hat, um etwas ganz anderes geht, ist er doch Saul Friedländer gewidmet und soll, wie im Nachwort steht, sein Leben nacherzählen, obwohl er nichts mit seiner Biografie zu tun hat und ein wenig über die Kunst des Schreibens und wie das so mit Autobiografien so ist, geht es in dem Buch, einer Art Dreiecksgeschichte, zwischen der Studentin Sophie, die genau wie Katharina Hacker, drei Jahre in Jerusalem Hebräisch studiert und dort Moshe oder Moses bzw. Maurice Fein oder Jean Marie Ferrir kennenlernt, der mit einem Trapistenmönch befreundet war, der auf seltsame Weis, in einem Berliner Nachtclub ums Leben kam.

Kompliziert genug? Katharina Hacker macht die leider an sich einfache Geschichte, des 1930 in Berlin geborenen Moses, der mit seinem Vater, Theodor, einem Rechtsanwalt und seiner Mutter Ruth, einer Sängerin, Ende der Dreißigerjahre nach Paris emigrieren muß, noch ein bißchen undurchsichtiger, in dem sie nicht linear erzählt, sondern von vorne nach hinten hüpft, die Perspektiven wechselt, einmal erzählt die Studentin, die in dem Buch auch noch ihre Beziehungen wechselt, einmal Moshe selbst, dann gibt es  noch Notizzetteln von ihm und am Anfang des Buches schenkt Moshe ihr  Jeans Geschichte, mit dem Auftrag sie aufzuschreiben, der letzte Satz auf Seite 265 lautet, dann auch auf Sophies Frage, ob die Geschichte, so wie er es sich vorgestellt hätte, geworden wäre „Ich habe mir nichts vorgestellt!“, antwortete Moshe. „Es ist deine Geschichte, ich habe sie dir geschenkt!“

Und so können wir also zwischen Phantasie und Wahrheit, Fiktion und Realität wählen und um Schuld und Sühne und wer der Hüter seines Bruder ist und ob ein halbwüchsiger Junge Schuld am Tod eines jüdischen Ehepaars ist, nur weil er seinem kollaborierenden Vater verrät, daß der wahre Name seines Freundes Moses Fein und nicht Jean Marie ist? Denn das war der Einfall des Paters Gerard, den kleinen Moses taufen zu lassen und in ein Kloster zu stecken, während die Eltern versuchen sollten von Frankreich, das inzwischen von den Deutschen besetzt wurde, in die Schweiz zu flüchten.

Die bösen Schweizer lieferten die beiden an die Nazis aus, Ehepaare mit Kindern haben sie durchgelassen, hätten die beiden, den kleinen, der inzwischen Jesuit werden will, während es seinen Freund Jean in das Schweigekloster der Trapisten zieht, also doch nur mitgenommen. Aber wieder schön der Reihe nach, weil meine Leser ja manchmal mit meinen Schachtelsätzen Schwierigkeiten haben, obwohl ich ja eigentlich ohnehin eher linear erzähle.

Da ist also die Ich-Erzählerin, von der man später ihren Namen Sophie erfährt, die in Jerusalem studiert und dort über den Umweg eines Buchhändlers, den Rechtsanwalt Moshe Fein kennenlernt, der 1939, glaube ich, mit seinen Eltern nach Frankreich emigrierte. Der Vater ist herzkrank. So überredet ihn Pater Gerard, das Kind, das er bisher selber unterrichtet hat, in eine Klosterschule zu stecken, in der ersten wird er Maurice gerufen, in der zweiten, nahe der Schweizer Grenze, als die Eltern dorthin flohen, wird er getauft und muß seinen schönen Namen hergeben. Er beginnt zu weinen, der um ein Jahr ältere Jean, der eigentlich in eine Nazi-Schule sollte, aber wegen seiner frommen Mutter doch in das Kloster durfte, tröstet ihn damit, daß er seinen Namen Jean-Marie haben darf.

Ob es eine erotische Beziehung zwischen den beiden Jugendlichen gibt, weiß ich nicht, wenn, wird sie nur angedeutet. Die Geschichte beginnt ja Ende der Neunzigerjahre, als Jean schon gestorben ist, Moshe, dessen Frau, die seltsamerweise Ruth, wie seine Mutter heißt, durch einen Unfall ums Leben kam, verwitwet,  hat inzwischen eine Freundin und zu Sophie, der er sehr ruppig begegnet, empfindet er auch „eine Art Liebe“.

Sie soll also Jeans Geschichte aufschreiben. Auf den ersten ein- bis zweihundert Seiten, tut sie es aber mit der  Moses, Moshes oder Maurice, der, als der Krieg 1945 endet, eigentlich auch Trapist oder Jeusit werden will. Pater Gerard und auch Jean versuchen das zu verhindern, in dem sie jüdische Verwandte, die in Paris leben aufsuchen, Moses wandelt sich dann auch zum Zionisten, während Jean in das Schweigekloster eintritt und emigiriert nach Israel.

Jean will eigentlich Einsiedler werden, der Abt verhindert das aber, so beginnt er zu reisen, nach irgdeneinem Konzil, sind die Ordensregeln nicht mehr so streng, über die Melancholie zu schreiben und auch Moshe, dessen Hochzeit er noch verweigerte, zu treffen. So zum Beispiel in Venedig, wo er in einer Kirche das Kain und Abel Gemäde sieht und man nach und nach herausbekommt, welche Schuld, den Mönch quält, so daß er mit sechzig Jahren, das Kloster verläßt, Moshe einen Brief schreibt, daß er nicht an Gott glaubt und nach Berlin verschwindet, wo er in schäbigen Hotelzimmern wohnt, in einem Nachtklub arbeitet und dort schließlich wie der Abel erschlagen wird.

Bei Moshe wurde inzwischen ein Hirntumor entdeckt, er reist seinem Freund trotzdem nach, beziehungsweise trifft er Anfangs des neuen Jahrtausends, Sophie die sich wieder mit ihren früheren Freund Sebastian befreundet hat, in Berlin und weigert sich, ihre Geschichte zu lesen.

Ganz schön kompliziert, aber doch sehr poetisch und nachdenkenswert über die Schuld und Sühne und Lebensläufe der Neunzehnhundertdreißig geborenen Kinder, die plötzlich ihre Familien verloren, ihre Religion und Identitäten wechseln mußten, aber auch über Sinn und Unsinn des Mönchtums, des Zölibats und der Schweigegelübde und den Schwierigkeiten dieses Lebens überhaupt, kann man sinnieren und ich habe nach dem „Vorleser“, der den Holocaust von einer anderen Seite her erzählt, wieder ein interessantes Buch über ein unrühmliches Stück der deutschen Vergangenheit gelesen, wo ich noch anmerken will, daß ich etwas Ähnliches, Ende des vorigen Jahrhundert mit den „Wiener Verhältnissen“ meinem ersten selbstgemachten Buch, das ich als Reaktion auf einen Roman von Ruth Aspöck, geschrieben habe.

Ein an sich linear erzählter Roman, mit einem Vorwort über den Literaturbetrieb, dann reist die Protagonistin Hanna nach dem Tod ihres Vaters und einem Buch, das sie in dessen Nachlaß gefunden hat, nach New York. um dort in einem jüdischen Altersheim Gespräche mit dem fast hundertjährigen Jakob Mandelbaum zu führen, der sich auch schuldig am Tod seiner Eltern und seines Bruders in Theresienstadt bzw. Auschwitz fühlt.

Diana Vogt, der ich das Manuskript dann schickte, hat mir in einem Brief geschrieben, daß sie es für keinen Roman hält, was ich ganz ehrlich, immer noch nicht verstehe und sie nicht wüßte, wer sich dafür interessiere und wem sie es anbieten könne?

So ist es mein erstes selbstgemachtes Buch geworden, das mir der Alfred damals zum Geburtstag schenkte, das die Freiheitsstatue am Cover hat und das inzwischen längst vergriffen ist. Nur meine Belegexemplare habe ich noch in Harland und in der Krongasse stehen.

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