Literaturgefluester

2019-05-31

Das Schlangenmaul

Filed under: Bücher — jancak @ 00:45
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Jetzt kommt ein Krimi des 1944 geborenen und 1987 auf einer Autobahn verunglückten Jörg Fauser.

Jörg Fauser habe ich eigentlich für einen eher experimentellen sprachschöpferischen Autor, so ungefähr a la Marcel Beyer gehalten, hat ja Michael Köhlmeier, als er die Bachmannrede gehalten hat, sich auf ihn und den Veriß, den er als er in Klagenfurt gelesen hat, durch MRR erhalten hat, bezogen.

Gelesen hatte ich bisher noch nicht von ihm, aber zwei Bücher auf meiner Liste, die ich mir bei Abverkäufen gekauft habe, bei Thalia in St. Pölten und Würzburg wahrscheinlich und jetzt hat „Diogenes“, das  „Schlangenmaul“ wieder aufgelegt und ich bin daraufgekommen, das ist ja ein Krimiautor. Friedrich Ani hat das das Nachwort geschrieben und wahrscheinlich ist er nur ein halber oder ein satirischer, denn es gibt in dem Buch, das in Berlin in den Neunzehnachtzigerjahren spielt durchaus ungewöhnliche Elemente, Einfälle und Wendungen, obwohl die Handlung oberflächlich ganz banal ist und man sie wahrscheinlich hundertmal bei Agatha Christie oder sonst wo gelesen hat.

Das heißt, so ganz banal beginnt es doch nicht. Denn es taucht im ersten Kapitel ein Steuerfahnder bei Heinz Harder auf und mahnt ihn an seine Schuld und der ist ein abgehalfteter Journalist und dann wieder doch nicht, hat er doch eine Anzeige aufgegeben, in der er sich als „Bergungsspezialist für außergewöhnliche Fälle, was offenbar Fausers satirische Umschreibung für eine Detektivtätigkeit ist.

Als der Steuerfahnder verschwunden ist, meldet sich schon die erste Klientin, eine Nora Schäfer-Scheunemann und die sucht ihre verschwundene Tochter Miriam.

Das Besondere an dem Buch ist auch, daß  Fauser in die einzelnen Kapitel immer mit einem Handlungsvorsprung einsteigt. Das heißt, er ist in dem einen bei der Klientin, im nächsten steht er dann im Boxring und so weiter und so fort.

Eine weitere Besonderheit ist vielleicht auch, daß hier außer Whisky auch viel Milch und Kamillentee getrunken wird und das würde ich auch als das satirisches Element, das sich Lustigmachen über das Genre bezeichnen, denn eigentlich ist dieser Harder, der geschieden ist und eine Tochter hat, ein harter Bursch.

Es taucht aber auch seine Ex auf und mit ihr besucht er einen Klub, vorher hat er ein Bordell besucht und, als der Stuerfahnder bei ihm war, tauchte plötzlich eine nackte Frau aus dem Badezimmer auf, die ist eine thailändische Prostiuiterte und wird später ermordet.

Aber erst einmal sucht Harder ganz konventionell den Vater Miriams auf, das ist ein ehemaliger Baulöwe und Politiker, liegt aber jetzt in einer Entziehungsklinik gefangen.

Nora Schäfer-Scheunemann hat ihm auch ein paar Hinweise gegeben, beziehungsweise Namen genannt und Bilder gezeigt und einen Hinweis, daß sich Miriam in Berlin befinden könnte, gibt es auch.

Die Spur führt dann über das schon erwähnte Bordell zu einem Institut für physio-soziale Therapie. Da fragt man sich natürlich, was das ist?

Die Antwort ist wieder so ein Einfall wie der „Bergungsspezialist“, das Bordell heißt „Kamasutra“ und der Hinweis auf eine „Farm für freie Entfaltung“ gibt es auch.

Dort soll sich Miriam befinden und dort wird auch mit Schlangen hantiert und so schleust sich Harder mit seiner Ex zu einem Abend der offenen Tür dort ein. Eine Frau Doktor Frenkel-Ahisma hält einen Vortrag. Miriam, die sich jetzt Shiva nennt, tanzt in Trance mit einer Schlange und das Ganze führt, in Zeiten, wie diesen, höchst aktuell, wie  imKlappentext und am Buchrücken steht: „Hinein in das Berlin der windigen Geschäftmänner, illegalen Clubs und dubiosen Politik-und Finanzmachenschaften.“

Eine Morddrohung und ein abgebranntes Nachbarhaus, gibt es dabei auch,  Nuchali, die thailändische Prostituierte wird ermordet und einen Besuch beimPolizeirat Smetana und noch einige andere höchst dramatsche Wendungen, wie das Abhören durch ein spezielles Tonbandgerät, in Zeiten wie diesen auch höchst aktuell, gibt es auch, bis Harder Miram-Shiva wieder zu ihrer Mutter zurückbringt, aber die ist natürlich, wen wundert es, auch in die kriminellen Machenschaften verstrickt und Heinz Harder am Schluß des Buches. als spannende Wenung wieder Besuch von seinem Steuerfahnder bekommt.

Da liegt dann ein Scheck ausgestellt auf zwanzigtausend deutsche Mark am Küchentiscvh. Der Steuerfahnder will begierig danach greifen:

„Der ist leider faul“, sagte ich und zeriß den Scheck“, lautet der letzte Satz des Buches und man kann das Nachwort des Krimiautors Friedrich Ani lesen oder sich informieren, welche Bücher Jörg Fauser noch geschrieben hat.

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2019-05-05

Im Leben mehr Glück

„Reden und Schriften“, des 1954 in Steyr geborenen Erich Hackl, der, glaube ich, mit „Abschied von Sidonie“, das inzwischen zur Schulbuchlektüre zählt, berühmt geworden ist und seither unzählige Bücher geschrieben hat, in denen er sich mit realen Schicksalen von Holocaust oder sonstwie Verfolgte beschäftigt.

Aus dem letzten diesbezügliche Buch am Seil“ habe ich ihm sowohl im Literaturhaus als auch in Göttweig lesen gehört, jetzt sind bei „Digoenes“ sozusagen seine „Gemischten Schriften“, eine Ansammlung aus mehreren Jahren und Jahrzehnten erschienen, in denen man sich gut durch das Werk und die Denkweise Hackls lesen kann, der ja ein sehr kritischer Schriftsteller ist, sich nicht nur für den Holocaust als auch für die lateinamerikanische Literatur interessiert und auch sonst glaube ich ein sehr gesellschaftskritischer Autor ist, der unter anderen auch den „Wildgans-Preis“ bekommen hat.

Die „Reden und Schriften“ sind in vier Abteilungen gegliedert. In der ersten die „Heimatkunde“, ein derzeit ja sehr aktuelles Thema, heißt, werden in einem „Alphabet der Auslassungen“ mehrerer bekannter oder auch unbekannterer Dichter, die, wie Franz Kain oder seine Tochter Eugenie zum Beispiel, das Leben Hackls geprägt haben, erwähnt.

Dann geht es in „Geschichte, die immer erst anfängt“ um drei stayrische Widerstandskämpfer und dem Fußballer Rudi Strittich hat Hackl auch eine Geschichte gewidmet.

Erich Hackl ist den Spuren des im achtzehnten Jahrundert lebenden spanischen Komponisten Sebastian Duron nachgegegangen und zieht Verbindungen zum spanischen Bürgerkrieg.

Die nächsten Texte sind dann den Spaniern gewidmet, die in Mauthausen interniert waren und auch im Holocaust umgekommen, während sich der letzte Text der ersten Abteilung „Im Leben mehr Glück“ einem uruguayischen Gewerkschafter widmet, der während der urugayischen Militärdiktatur mit seiner Familie Asyl in Österreich hatte und in der Praterstraße wohnte.

In der Abteilung „Andenken“ gibt es viele Grabreden, die Erich Hackl bevorzugt zu halten scheint. Bei einer, bei der von Friedl Hofbauer, 2014 nach Ostern am Zentralfriedhof war ich anwesend, bei der von Eugenie Kain in Linz-Urfahr nicht, da gab es nur eine Gedenkleseung im Völkerkundemuseum, im Rahmen der Volksstimmefestlesungen.

Erich Hackl hat aber auch die Grabreden für Leopold Spira und seinen Freund, dem Spanienkämpfer Hans Landauer gehalten und eine Rede zum neunzigsten Geburtstag der  Zeitzeugin Dagmar Ostermann im Theater Hamakom, wo ich ihn ja auch aus der „Familie Salzmann“ lesen hörte.

Die Laudatio an den Kramer-Preisträger Fritz Kalmar, die 2002 in Krems stattfand, wo Erich Hackl dessen Roman „Das Wunder von Büttelsburg“ in Beziehung setzte, habe ich auch gehört und da hat mir der Autor, wenn ich mich nicht irre, meine beiden Kinderbücher „Lore und Lena“ und „Mutter möchte zuwanzig Kinder“ abgekauft.

Ob er sie gelesen hat, weiß ich nicht, er ist aber viel beschäftigt, kommen doch noch viele Reden auf bekannte oder unbekannte Schriftsteller, der nächste ist der Schweizer Autor Niklaus Meienberg, der 1993 in Zürich gestorben ist, von dem ich auch noch nie etwas gehört habe, obwohl ich mich ja vor einem halben Jahr und auch so recht intensiv mit der Schweizer Literatur beschäftigte.

In „Im Blick eimmer ein Gegenüber“, geht es um den Fotografen Dieter Masuhr, der die Krisengebiete Nicaragua, Bosnien und Palästina bereichst und auch schriftstellerisch tätig war.

Dann kommen noch zwei mir unbekannte Autoren, nämlich die Rezenson von Günther Weisenborns „Der Verfolger“, wo einer sich mit einem Holocausttäter auseinandersetzen will, das aber an mangelnder Zeugenaussagenbereitschaft nicht kann und um das Leben des 1907 in Wien Alsergrund geborenen Arztes Paul Engel, der nach Südamerika emigrieren mußte, dort unter den Namen Diego Viga zu schreiben begonnen hat, was aber, wie Erich Hackl, der sich eine Verbreitung seiner Werke im österreichischen Sprachraum wünscht,  nicht sehr bemerkt wurde.

Dann kommen Texte zu Fred Wander, Ruth Klüger, für die Hackl wieder eine Laudatio gehalten hat und Jura Soyfer, wo Hackl beklagt, daß ihn der Literaturprofessor Schmidt-Dengler nur für einen literarischen Außenseiter gehalten hat.

Dasselbe gilt auch für den mir bisher unbekannten Richard Zach, einen steirischen Dichter und Widerstandskämpfer, der von den Nazis hingerichtet worden ist.

Die nächste Abteilung heißt „Auf einen anderen Kontinent“, geht nach Südamerika und da werden mir zum größten Teil unbekannter Dichter erwähnt. Hackl erwähnt aber auch Gisela Tenenbaum, über die er das Buch „Als ob ein Engel“ geschrieben hat, das ich einmal vom Otto geschenkt bekommen habe, die während der argentinischen Militärdiktatur verschwunden ist.

Er hat „Vor mehr als drei Jahrzehnten“, wie er 2011 schrieb, die Dichterwerkstätten Nicaraguas besucht, die vom damaligen Kulturminister Ernesto Cardinal gegründet wurde und der den sogenannten „Laiendichtern“ Regeln wie „keine Reime, konkrete Begriffe, Eigennamen von Ortschaften, Flüßen und Leuten, sehen reichen hören, schreiben wie man spricht, keine Gemeinplätze, Sprache verdichten, keinen Superlativ und subjektive Gefühle objektive beschreiben gab“.

Regeln die eigentlich sehr logisch sind und an die man sich vielleicht auch anderswo halten sollte.

Eine „Rede auf Alfredo Bauer“, der 1924 in geboren, 2016 in Buenos Aires gestorben ist und2002 den „Kramer Preis bekommen hat, gibt es auch und in einem argientinienschen Altersheim hat er 2017, die hunderthährige Hedwig Lüftig besucht, die 1938 Österreich verlassen mußte.

Der letzte Teil des Buches ist den Dankesreden gewidmet. Hackl hat den „Kreisky“,  den „Solothurner Literaturpres“, den „Ehrenpreis für Toleranz im Denken und Handel des österrreichischen Buchhandels“, den „Adalbert Stifter“ und wie schon erwähnt den „Wildgans-Preis“ und wahrscheinlich auch andere, dessen Reden im Buch nicht enthalten sind, bekommen.

Er zeichnet sich, wie ich schon beim „Wildgans-Preis“ merken konnte, durch durchaus kritische Reden dabei aus und das Buch ist, möchte ich zusammenfassen, durchaus spannend und interessant zu lesen, weil man sich dabei  ein gutes Bild über den kritischen Dichter, der sich vor allem für die Verfolgten und Unterdrückten einsetzt, machen kann und am Dienstag, kann ich gleich flüstern, wird es in der „Gesellschaft für Literatur“ eine weitere Hackl-Rede und zwar über die Neuauflage der „Dunklen Jahre“, den seit 1948 erstmals wiederaufgelegzen Exilroman, von Friederike Manner, die 1904 in Wien geboren wurde und sich dort 1956 das Leben nahm, geben.

 

2019-05-03

Der Sänger

Filed under: Bücher — jancak @ 00:28
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Jetzt kommt wieder ein biografischer Roman, nämlich einer über den 1904 in Dawideny geborenen und 1942 in einem Schweizer Internierungslager verstorbenen Sänger, Joseph Schmidt, der mit seinem „Ein Lied geht um die Welt“ in den 1930 Jahren einer der berühmtesten Sänger Deutschlands war, obwohl er mit seinen etwas über einem Meter fünfzig eher kleinwüchsig war und daher für die berühmten Tenorpartien auf der Bühne  nicht wirklich geeigent.

Der 1944 in Bern geborene Schweizer Autor Lukas <hartmann, der mir bei meiner Schweizer Literaturrecherche wohl entgangen ist, hat ihn geschrieben und bei „Diogenes“ herausgebracht, wo er vor kurzem erschienen ist.

Von den berühmten Tenor, der in einem Schweizer Internierungslager schmählich gestorben ist, habe ich schon früher etwas gehört und es war es auch sehr interessant sich in diese Sängerbiografie einzulesen.

Lukas Hartmann scheint sehr sorgfältig, wie er in seiner Danksagung erwähnt, dafür recherchiert zu haben. Es sind auch einige schon erschienen Biografien über den Sänger angegeben, an denen und in einigen Archiven er sich orientiert hat und ich denke, daß es wohl immer etwas schwierig ist, bei einem Roman über eine wirklich gelebt habende Person, die Fakten von der Fiktion zu unterscheiden.

Das 1942 in Frankreich beginnende Buch liest sich aber leicht und flüßig. Da ist der schon etwas schwächliche Sänge, dessen Stimme nicht mehr die beste ist, bei einer Familie untergebracht, der er ein Abschiedskonzert gibt. Am nächsten Tag oder Abend wird er mit seiner Freundin Selma und zwei anderen Flüchtlingen, die Flucht über die Schweizer Grenze versuchen.

Dort ist man aber nicht mehr so freundlich zu den jüdischen Flüchtlingen, hat Angst vor Hitler und spricht auch davon, was die Flüchtlinge den Schweizern kosten, daß das Boot voll ist oder, ob sie wirklich so bedroht und gefährdet sind?

Das klingt, als hätte Lukas Hartmann von den rechten Blogs abgeschrieben und Josef Schmidt wird auch wirklich, als er die Schweizer Grenze passieren will, mit seinem inzwischen ungültigen rumänischen Paß, er ist in der Bukowina geboren und dem deutschen oder österreichischen, wo ein „J“ hineingestempelt ist, abgewiesen.

Ein Flüchtlingshelfer, der an seinem guten Anzug, das Vermögen erkennt, spricht ihn an und bietet ihn an, ihn mit seinem Auto über die Grenze und dann in einem anderen bis zum Genfer Bahnhof zu bringen, wo er nach Zürich erster Klasse weiterfährt, um von den Kontrollen Ruhe zu haben. Dort muß er sich bei der Polizei melden, wird in ein Internierungslager gebracht und wird dort, wegen seiner Prominenz aber nicht sonderbehandelt, sondern ganz genau wie allle anderen Häftlinge auch. Das heißt, er muß arbeiten und auf seinen geschwächten Gesundheitszustand wird zuerst nur wenig Rücksicht genommen.

Einer seiner Mithäftlinge ist Manes Sperber. Es ist auch ein Arzt und ein Sanitäter dabei, die ihm dann doch in das Kantonspital Zurüch bringen. Da trifft er wieder Selma, die Krankenschwester Sophie ist sehr freundlich, der Assistenzarzt, der ihn untersucht, stellt eine schwer Laryngitis fest, eine Herzschwäche scheint auch dazu zu kommen. Der Professor weigert sich aber ihn genauer zu untersuchen, spricht von Simulanz und Schmidt muß obwohl ein jüdischer Arzt sehr heftig protestiert, in das Lager zurück. Dort wird er zwar in eine Pension überstellt, wo sich die Wirtin liebevoll, um ihn kümmert. Es ist aber schon zu spät, denn Schmidt stirbt am 16. November 1942.

Dazwischen gibt es immer wieder kursiv gedruckte eingestreute Sznen, die sowohl von einem der Verantwortlichen, dem seine Hände gebunden sind, als auch von einer sich inzwischen in einem Altersheim befindnen älteren Dame handeln, die als junges Mädchen in dem Dorf, wo sich das Lager befand, wohnte, von dem internierten Sänger für den sie mit ihrer Freundin schwärmte, erfuhr und sich wünschte, daß er für sie singen oder ein Konzert in dem Dorf geben sollte.

Sehr interessant, in Zeiten, wie diesen, wo man ja wieder so viel von den Flüchlingen, der Migration, der Überbevölkerung und dem „Bevölkerungsaustausch“ hört, vom Schicksal Josef Schmidts zu lesen und auch davon, daß die Schweiz vielleicht gar nicht so hilfreich zu den jüdischen Emigranten war, wie ich es immer in der Schule gehört habe.

2019-03-21

Der Stotterer

Filed under: Bücher — jancak @ 00:57
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Der 1946 in Zürich geborene Charles Lewinsky, der 2014 mit seinem „Kastelau“ auf der dbp-Liste stand, hat ein neues Buch geschrieben, das mich schon vom Titel her sehr berührte, habe ich doch in meiner Zeit als Assistentin an der Sprachambulanz der zweiten Hno-Klinik des AKHs und später in meiner Praxis sehr viel mit Stotterern gearbeitet und auch ein Fach- beziehungsweise Elternratgeberbücher darüber geschrieben, obwohl ums Stottern geht es eigentlich gar nicht, das ist nur der Aufhänger für das, würde ich mal schreiben, brillante Alterswerk des Autors, der ein grandioser Schelmenroman ist.

Beginnt man das Buch, das mit einem Brief an den „Padre“ beginnt, fühlt man sich zunächst einmal nach Spanien und in alte Zeiten zurückversetzt, denkt, „Alles schon gelesen!“, denn da schreibt einer aus dem Gefängnis Briefe an den Gefängnisseelseelsorger, dem er sein Leben erzählt, das ist der „Stotterer“ Johannes Hosea Stärckle, der, wie schon der Name verrät, ziemlich bigotte Zeiten durchlebte, wurde er in seiner Kindheit von seinem frommen Vater für das Stottern und wahrscheinlich noch für einiges andere geschlagen und der Vorstand der christlichen Gemeinde Bachofen, zu dem ihm der Vater brachte, wollte ihm auch das Stottern austreiben, ebenso wie einem Homosexuellen seinen Homosexuelalität.

Wenn ihm der Vater schlug, hat er immer gesagt „Das tut mir mehr weh als dir!“, wofür sich der Sohn als der Vater mit Krebs im Sterbebettt vor sich hinstöhnte rächte, in dem er diesen Satz immer wieder stotternd wiederholte und den Kirchenvorsteher hat er später in den Selbstmord getrieben, in dem er ihm biblische Sprüche zuschicken ließ in denen Pornographie  an Kindern, verborgen war, wofür er ihn zur Anzeige brachte.

Man sieht Charles Lewinsky, der ja auch Filmemacher war, hat es mit seinem „Stotterer“ faustdick hinter den Ohren, denn der schlägt alglatt und elegant zurück und weil er nicht so gut sprechen konnte, verlegte er sich auch bald aufs Schreiben.

Schrieb den, der ihn in der Schule mobbte, zuerst seine Schulaufsätze und dann fingierte Liebesbriefe, bestellte ihn nackt mit einer Rose in die Schulgarderobe, wo ihn allerdings nicht die Angebetene, sondern die ganze Schulklasse erwartete.

So ist es dann weitergegangen. Zuerst hat er in einem Callcenter oder Datingagentur gearbeitet, wo er den Schönen fürs schöne Geld  schöne Briefe schrieb und, als er dort entlassen wurde, hat er den „Omatrick“ für sich veredelt, weil er damit aber zu blumig war und die gleiche Phrase von einem „Quietschenden Fahhrad eines Postbotens“ gleich zweimal verwendete, wurde er ertappt und landete im Gefängnis, wo ihm der „Padre“ entdeckte und zum Schreiben ermunterte.

Jack Unterweger ist das in Krems Stein vor vierzig Jahren auch passiert und es ist ihm, wie man wohl zfsammenfassen kann, nicht so gut gelungen.

Johannes Hosea gelingt es aber, denn der „Padre“ verspricht ihm einen Posten in der Gefängnisbibliothek, die ihm unterstellt ist, wenn er ihm dafür Berichte aus seinem Leben schickt.

Als er das dann gleich wieder zurücknimmt und ihn in die Küche einteilen will, ist Johannes Hosea sehr empört und wehrt sich mit gekonnten Worten, das ist wohl das Neue in dem Buch. Er empört sich auch darüber, daß das Stottern als Sprachfehler bezeichnet wird, denn wenn ich nicht sehen kann, fehlt mir die Sehkraft,  ich habe aber keinen Fehler, worüber man nun  diskutierten kann, ob etwas, was einem fehlt ein Fehler ist? Sprachlich stimmt es, politisch korrekt ist es nicht, aber Letzteres wird von den Rechten ja gerade auch sehr angefochten.

Der „Padre“ ermuntert ihn auch zu Schreibübungen, so sind dem Buch immer wieder Geschichten beigefügt, die er an ihn Padre schickt, als der in der ersten aber „Autobiografische Elemente“, zu entdecken glaubt, ist er wieder empört, schreibt die nächste Geschichte nur für sich selber und fängt das Tagebuchschreiben an.

Der „Padre“ ermuntert ihn auch, an einem Schreibwettbewerb zum Thema „Gerechtigkeit“ teilzunehmen, der er gewinnt, so daß sich bald ein Verleger an ihn wendet und Johannes Hoseas literarischer Aufstieg beginnt, denn Geschichten aus dem Leben eines Gestrauchelten wollen die Leute ja gerne lesen und so geht es wahrscheinlich nach der Entlassung in eine schriftstellerische Karriere oder, siehe oben, auch nicht, das wird dann nicht mehr beschrieben. Vorher kommt es aber noch zum Kontakt mit der Gefängnismafia, die in die Bücher, die an die Bibliothek geliefert werden, auch andere Sachen einschmuggelt und Johannes Hosea da zum Mitmachen zwingen.

Ein sehr fein geschriebenes Buch, ein listiges, abgehobenes Alterswerk, das manche Klischees widerholt, manche aber erstaunlich geschickt durchbricht und der vergleich zum „Felix Krull“, der einem da natürlich kommt, wird vom Autor selbst erwähnt, denn Johannes Hosea, der später nicht mehr an den „Padre“, sondern an seinen Verleger schreibt, füllt auch den berühmten Fragebogen von „Proust“ aus und so ist das Buch gefüllt mit Fingerübungen, Briefen Tagebuchnotizzen etcetera, die vielleicht etwas zusammengestoppelt wirken können und die Idee ist wohl auch nicht so wirklich neu, trotzdem ist sie gerade dadurch was Lewinsky daraus macht sehr gelungen und das Buch wahrscheinlich sehr zu empfehlen.

2018-05-30

Erinnerungen aus der Sackgasse

Von der 1964 in Tokyo geborenen Banana Yoshimoto, die eigentlich mit Vornamen Mahoko heißt, habe ich vor Jahren, ich weiß gar nicht, ob ich vorher oder nachher zehn Tage in Japan war, ihr inzwischen zum Kultbuch gewordenes „Kitchen“ gelesen und den Stil, wie ich mich erinnern kann, ein wenig fremd und eigenartig gefunden.

Nun, das Japanische eben, von dem ich damals wohl noch wenig Ahnung hatte, inzwischen ist die japanische Literatur sehr „in“ geworden. Die Blogger schwärmen sämtlich davon und „Diogenes“ hat jetzt einen Erzähband mit fünf Erzählungen der Autorin herausgebracht, die, wie sie in ihrem Nachwort schreibt und sich wohl auf die japanische Art bei ihren Lesern dafür entschuldigt, alle sehr traurig sind, obwohl oder weil sie von der Liebe handeln.

Nun das habe ich beim „Geisterhaus“ gar nicht so empfunden, da hat mich wohl der Stil und diesmal auf sehr angenehme Art und Weise positiv überrascht.

Die Ich-Erzählerin Setchan, die wohl am Anfang noch sehr jung ist, Tochter eines Restaurantbesitzerpaars, das sie gern einmal übernehmen will, studiert noch auf einer sogenannten „Idioten-Uni“ und da, beziehungsweise beim Jobben lernt sie Iwakura kennen, dessen Eltern haben eine Biskuitrollen-Bäckerei und die soll er übernehmen, will aber nicht so recht. Deshalb ist er sehr sparsam und lebt in einem verfallenen Haus, das bald abgerissen werden soll. Dorthin lädt er Setchan ein und bitte sie für ihn Nabe, das ist, wie ich den Anmerkungen entnehme, ein japanisches Wintergericht, zu kochen. Dort erzählt er ihr, daß in der geräumigen Wohnung, die ehemaligen Hausbesitzer wohnten und  sie oder ihre Geister sind immer noch dort anzutreffen.

Das wird eigentlich sehr einfach und wohl auch, als Symbol für die Familientraditionen und das sich Finden erzählt. Denn Setchan kommt noch einmal dorthin, um für Iwakura zu kochen, was eigentlich ein Symbol dafür ist, daß sie Sex miteinander haben wollen. Da erzählt er ihr, daß er nach Frankreich gehen und dort einen Patisserie-Kurs machen wird. Zum Abschied beschließt sie für ihn oder eigentlich für die Hausbesitzer deren Lieblingsessen Schweinfleisch Curry und  Reisomlett zu kochen  und ihnen zu opfern. Dann geht er dahin und sie sehen sich länger nicht, haben ihre Liebschaften, sie übernimmt das Restaurant ihrer Eltern und als seine Mutter stirbt, kommt er zurück, um mit seinem Vater die Buskuitrollenbäckerei zu übernehmen. Sie heiraten auch und verbringen ihre Hochzeitsreise in Nizza, weil er so gut franhzösisch kann.

Eigentlich eine sehr fröhliche und hoffnungsvolle Geschichte, finde ich und sie hat mich überrascht, weil ich ja  zwischen dem zweiten Weltkrieglesen und vor Mareike Fallwickl so gar nicht auf  japanische Literatur eingestellt war.

Etwas verwirrender fand ich dagegen die Geschichte „Maamaaa!“

Da erwischt eine Verlagsangestellte in der Betriebskantine ein vergiftetes Curry, das ein Mitarbeiter hineinmischte, der vorher eine Autorin stalkte und entlassen wurde. Sie kommt ins Krankenhaus, geht danach aber gleich arbeiteten, ist aber offenbar doch mit ihren Nerven zu Ende, so daß sie einem anderen Autor, dem sie ein Manuskript bringen soll, der sie nach ihrem Befinden fragt, anzuschreien beginnt. Das endet in die üblichen japanischen Entschuldigungsrituale, der Chef rät Urlaub zu nehmen, was sie tut, um dann gleich ihren Verlobten zu heiraten und in die Familiengeschichte mit ihrer Mutter, wie schon der Titel besagt, gleitet das Ganze dann auch noch ab, was mir aber etwas zu aufgesetzt erschien.

Poetischer die Geschichte der sachlichen Schriftstellerin, einer Buchhändlerstochter, die in ihren Romanen „die Dinge bis in die allerletzen, tiefsten Winkel durchdringen will“.

Da geht es um das Licht und das Wasser und um ihre Jugenderinnerungen an den kleinen Makoto, den Nachbarsbub, der als unehelicher Sohn trotzdem im Hause seines Vaters wohnte, mit ihr befreundet war und die unergründlichsten Gespräche mit ihr führte. Eines Tages war er bei ihr und wollte nicht nach Hause, ihre Mutter rief bei der Familie an, ob er nicht übernachten könne?

„Das geht nicht!“,  sagte die. Das Hausmäüdchen holte ihn ab. Am nächsten Tag war er tot, weil ihn seine leibliche Mutter mit in einem erweiterten Selbstmord nahm.

Dann geht es wieder oder ebenfalls, um die unerfüllte Liebe, denn  Tomo-, die auch schon traumatische Erfahrungen durchlebte, mit Sechzehn wurde sie vergewaltigt und dann wurde ihre Mutter auch noch von ihrem Vater verlassen, das heißt die Sekretärin hatte sich vorgedrüngt und saß schon, bald schwanger, am Kankenbett, als Mutter und Tochter ihn dort nach einem Schiunfall während des Betriebsausflugs besuchen wollten, -ist in einen Mann verliebt, den sie in der Kantine des Hauses in dem sie arbeitet fast täglich sieht. Er sitzt mit seiner Freundin dort, sie wartet, so lange bis die verschwunden ist und dann wird sich vielleicht etwas zwischen den beiden anbahnen oder schiefgehen, man weiß es nicht so genau, meint die Autorin hintergründig und kommt zu ihrer, wie sie schreibt Lieblingsgeschichte, „Den Erinnerungen aus der Sackgasse“, wo  Mimi miterleben muß, daß ihr ihr Verlobgter mehr und mehr entgleitet. Sie ist langsam von Begriff, er arbeitet in einer anderen Stadt und antwortet ihr immer weniger auf ihre Mails. So fährt sie hin, sieht das Auto für das sie ihm das Geld geborgt hat, vor der Türe stehen. Es öffnet die Geliebte und sagt „Tut mir leid, das ist uns so passiert!“

Sie bespricht mit ihren Eltern, daß sie eine Weile allein sein will und zieht in das Haus ihres Onkels, in dem sich eine Bar befindet, die „Sackgasse“ heißt. Mit dem Geschäftsführer dort freundet sie sich an. Er holt sie aus ihrer Traurigkeit heraus und bringt ihr  das Auto zurück und später, schreibt die Autorin werden sie sich wahrscheinlich nicht mehr wiedersehen, die Erinnerungen und die Gefühle werden aberommer immer vorhanden sein.“

„Fünf starke Erzählungen, herzergreifen und liebeswert!“, steht am Klappentext. Das Buch ist „dem großen Fujiko F. Fujio“ gewidmet, „dem Schöpfer von Doraemon“.

Das das eine Mangaserie ist, die seit Dezember 1969 durchgehenden im japanischen Fernsehen läuft, erfährt man in den Anmerkungen und wer mehr darüber, beziehungsweise über die traditionellen japanischen Süßigkeiten, Zeremonien und Riten erfahren will, dem sind die poetischen und manchmal etwas hintergründigen Geschichten, sehr zu empfehlen.

2018-04-28

Jack

Filed under: Bücher — jancak @ 00:50
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Was ist der Unterschied zwischen einem Roman und einer Biografie? Eine spannende Frage in Zeiten, wie diesen, wo auf allen Büchern aus Marketinggründen Roman und oft auch noch Debut steht, obwohl der Autor beispielsweise schon mit einer Novelle auf der Long oder Shortlist des dBp stand?

Für eine Nchtgermnistin und offenbar Content-Bloggerin nicht so leicht zu beantworten oder doch natürlich, obwohl ich gestehen muß, daß ich als ich mir vor ein paar Monaten Anthony Mc Cartens „Jack“ bestellte, keine Ahnung hatte, daß das, was jetzt ein Roman eine Biografie oder was auch immer über den berühmten Beatpoeten Jack Kerouac ist, von dem ich zwar schon einiges gehört aber noch nichts gelesen und wenn ich mich nicht irre „Unterwegs“ oder „On the road“ auf meinen Bücherstapeln liegen habe, weil irgendwo gefunden.

Da kommen wir zu einer anderen spannenden Frage, nämlich der ob man jetzt das Original oder die Geschichte darüber lesen soll.

Daniela Strigl hat sie vor ein paar Tagen in der „Gesellschaft für Literatur“ aufgeworfen und ich schreibe ja auch regelmäßig unter meine Buchbesprechungen und jetzt müßte oder sollte ich den O-Ton endlich einmal lesen, aber wann genau, wenn man in solchen Bücherbergen und Listenvorgaben steckt, wie ich.

Und es ist auch zu vermuten, daß die berühmten Autoren, vielleicht deshalb zu biografien über die noch berühmteren Vorbildern greifen, weil ihnen sonst nichts mehr einfällt, die Leute das gerne lesen, etcetera.

Von dem 1961 in Neuseeland geborenen Anthony Mc Carten habe ich auf einem meiner Frankfurter Buchmessensurfings das erste Mal etwas gesehen oder gehört. Denn da war das „Blaue Sofa zu Ende, die Kamera aber noch nicht abgedreht, so setzte sich der Autor darauf und ließ sich fotografieren und wenn ich mich nicht wieder irre, habe ich auch ein paar Mc Carten Bücher auf meinen Sub, aber keine Zeit zum lesen, etcetera.

„Jack“ habe ich jetzt aber gelesen, obwohl ich statt diesem Buch zuerst eigentlich Connie Palmens „Du sagst es“ bekommen habe und das einige Zeit so ließ, bevor ich bei „Diogenes“ anfragte und das richtigstellte und, um es mit einem Wort zu sagen, Anthony Mc Cartens Biografie, Roman oder was auch immer, verstand es mich viel mehr zu fesseln, als das Connie Palmens Biografie über Sylvia Plath zu standebrachte. Vielleicht weil der Autor viel dazu geflunkert hat und es von Anfang an Spannung, Peep und Schwung in seine Geschichte über den Beatpoeten Jack Kerouac hineinzubringen.

Da sind wir also im Jahr 1969 und stehen auf dem Friedhof bei Jack Kerouacks Begräbnis, der wie der Biograf verlautet, irgendwann einmal beschlossen hat, sich zu Tode zu saufen.

Aber halt, auf dem Friedhof steht die Biografin und die ist achtzehn, zweiundzwanzig oder siebenundzwanzig Jahre alt, man weiß das nicht so genau, denn in dem Buch wird ja viel geflunkert oder wie das auch in den Romanen so ist, ein Spiel zwischen Dichtung und Wahrheit ist. Sie hat auch verschiedenene Namen heißt einmal Jan Weintraub und ist eine Jüdin, dann wieder Jan Haverty, wie Jack Kerouacs zweite Frau, am Schluß wird noch der Name Andrea Zehnder ins Spiel gebracht, also ganz schön verwirrend.

Aber das war der berühmte Beatpoet wohl auch, der nach dem Buch irgendwann beschlossen hat, zehn Romane zu schreiben, dann mit „On the road“ berühmt wurde, weil es das Herz und den Zeitgeist der amerikanischen Jugend von damals getroffen hat. Sein Ruhm wurde ihm aber zu viel, so fing er zu trinken an und versteckte sich vor der Öffentlichkeit, etcetera.

Der Berkely Studentin oder Dozentin Jan  ist es aber gelungen, seinen Wohnort in St. Petersburg, im Haus seiner Mutter oder Onkels herauszufinden. So setzt sie sich ins Auto, packt ihren Hund dazu und ruft ihren Pofessor, dem eigentlichen Biografen an und verrät ihm, daß sie on the road zu Jack ist.

Dann steht sie vor seiner Tür und sagt ungefähr „Guten Tag, ich bins, Ihre Biografin!“

Der wundert sich zwar, daß eine Dozentin so jung aussehen kannan, schlägt ihr aber vor, ihm einen zu blasen, was sie entsetzt das Haus verlassen läßt. Sie kommt aber wieder, als die Kerouacks, Jack mit dritter Frau und Mutter in der Kirche sind und stöbert in seinen Briefe, wird von ihm erwischt und outet sich als seine Tochter.

So endet der erste Teil, man ist verwirrt und gleichviel voller Spannung und fragt sich, ist das wahr oder erfunden und noch bevor man bei „Wikipedia“ nachschlagen und das klären kann, kommt der Cousin auf Heimaturlaub von seinem Vietnameinsatz, findet Jan in seinen Zimmer vor und wird ausquartiert, was sein Mißtrauen wachsen läßt, umsomehr, als Jan bei einer Routinekontrolle der Polizei keinen Führerschein vorweisen kann.

Die macht inzwischen Interviews mit ihrem Vater und will mit ihm sogar nach San Francisco fahren, als der Neffe mit dem Professor zurückkommt, um ihm die Wahrheit  über dieBetrügerin, die Jack zuerst nicht hören will, aufzudrängen.

Jan oder Andrea Zahnder wird verhaftet, kommt auf die Psychiatrie und steht am Ende, denn das alles ist, glaube ich schon im Vorjahr passiert, auf dem Friedhof und will Erde in das Grab werfen und, als der Neffe sie daran hindern will, ruft sie ihren neuen Freund Stanley  zu Hlfe, der verzweifelt „Jan? Was geht hier vo? Jan? Jan?“ ruft und wir haben ein sehr spannendes Buch gelesen. Fast einen Krimi und dabei sehr sehr viel über Jack Kerouac, den Beatpoeten erfahren.

Aber natürlich, wie ich wieder schreibe und sicher auch Daniela Strigl raten würde, ist es besser zu den Originalen zu greifen undbevor man zur nächsten Biografie übergeht, endlich wenigstens „On the Road“ zu lesen.

2018-03-28

Du sagst es

Filed under: Bücher — jancak @ 00:09
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Jetzt kommt ein Buch, das ich eigentlich gat nicht lesen wollte, denn der biografische Roman über Sylvia Plath, erzählt von ihrem Ehemann Ted Hughes, der 1955 geborenen, niederländischen Autorin Connie Palmen ist schon 2016 erschienen und ich habe auch in verschiedenen Blog über ihn gehört.

Obwohl mich Sylvia Plath, seit ich die „Glasglocke“ gelesen habe, sehr interessiert und ich auch schon einige andere Bücher über sie, darunter Cornelia Travniceks Gedichte gelesen habe, wäre es mir eigentlich nicht eingefallen, „Diogenes“ diesbezüglich anzufragen.

Dann war aber Klaus Cäsar Zehrers „Genie“ auf der Shortlist des Bloggerdebutpreises, ich brauchte das Buch und „Diogenes“ hat mir daraufhin seine Frühjahrsvorschau geschickt.

Da stand ein anderes Buch von Connie Palmen drinnen, das mich aber irgendwie nicht so sehr interessierte, wie Banana Yoshimoto, Bernhard Schlick oder Antony McCarten und der hat  einen  biografischen Roman über Jack Kerouac geschrieben und dieses Buch hätte zu mir kommen sollen.

So stand es vor ein paar Wochen auf dem Beipackzettel, es lag aber „Du sagst es“ drinnen. Zuerst habe ich mir gar nicht soviel dabei gedacht und das Buch auf meinen Badezimmerstapel gelegt. Dann dachte ich, das ist aber schon erschienen und noch ein bißchen später, interessant, das will ich sehr gern lesen.

Jetzt habe ich es getan und finde es interessant, daß die großen  Schriftsteller, reale Personen, in diesen Fall sind es zwei Dichter, als Vorlage für ihre neuen Romane nehmen, was ja gut ist, weil man viel über diese Personen lernt und auch Anlaß zu der Frage gibt, ob den großen Schriftstellern vielleicht nichts mehr anderes einfällt?

Aber, um mich selber an der Nase zu naehmen, ich habe mich in meinen „Dreizehn Kapitel“ ja selbst mit der Biografie des Sinologen Ernst Schwarz beschäftigt, weil ich dessen „Gesprengtes Grab“ mal in einem Bücherkasten fand und Sylvia Plath, die große amerikanische Lyrikerin, die mit ihrer „Glasglocke“, glaube ich, posthum berühmt wurde, da sie sich 1963 mit einunddreißig Jahren das Leben nahm, scheint ja offenbar viele Dichterinnen  veranlaßt haben, sich mit ihrem Werk und ihren Lebensdaten zu beschäftigen.

Das Leben kann man sicher nachgooglen und die „Glasglocke“ ist ja auch ein autobiografischer Roman und so steht in Connie Palmens Buch vielleicht gar nicht so viel Neues drin, aber es ist sicher interessant sich in einer Romanform mit dem Leben der amerikanischen Dichterin zu beschäftigen.

Connie Palmen wählte dafür die Ich-Form und läßt Plaths Ehemann, den Dichter Ted Hughes, das Leben seiner Frau erzählen, beziehungsweise sich mit ihm auseinanderzusetzten und sich zu verteidigen. Denn wenn  man der Mann einer Frau ist, die den Kopf in den Backofen steckt, weil man sie gerade betrogen hat und das Ganze auch noch das öffentliche Interesse und die öffentliche Aufmerksamkeit erregt, ist das sicher nicht leicht zu verdauen.

Obwohl ich die „Glasglocke“, Cornelia Travniecs Gedichte und auch Sigrun Höllriegls bei „Keipers“ erschienenes „Odysseus x“ gelesen habe, war es gar nicht so leicht in das Buch hineinzukommen und ich habe, da Connie Palmen über eine sehr dichte Sprache verfügt, auch länger mit dem Lesen gebraucht, weil ich nie mehr als vierzig oder fünfzig Seiten auf einmal schaffte, obwohl, das habe ich schon geschrieben, man das, was hier berichtet wurde, wahrscheinlich sowohl in der „Glasglocke“ als auch bei „Wikipedia“ nachlesen kann.

In der „Glasglocke“ natürlich nicht alles, denn dieses Buch wurde ja erst während Ted Hughes Bericht geschrieben und so erzählt er, fünfunddreißig Jahre nach Sylvia Plaths und kurz vor seinem Tod, der 1998 erfolgte, von seinem Leben mit, wie er es nennt, „seiner Braut.“

Ted Hughes wurde in England geboren, Sylvia Plath, die Tochter eines deutschstämmigen Biologieprofessors in der Nähe von Boston, sie war offenbar hochbegabt, sensibel und sehr ehrgeizig, studierte Literatur und wollte, die größte Dichterin der USA oder vielleicht auch Englands werden und trat damit auch mit Ted Hughes, der vielleicht, die gleichen Ambitionen hatte, in Konkurrenz und wie das so ist, wurde er vielleicht auch ein bißchen mehr und ein bißchen früher, als sie anerkannt, was sie zu emotionalen Ausbrüchen veranlaßte.

Sie war auch sehr eifersüchtig, dann aber auch wieder sehr fleißig. Wusch, kochte und putzte, neben ihrem Studium und ihrem Schreiben, für ihn und sie litt schon an Depressionen, bevor er sie kennenlernte und hatte da schon einen Selbstmordversuch hinter sich gebracht, der sie in die Psychiatrie und zu Elektroschockbehandlungen, wie das damals so üblich war, brachte.

Das Paar heiratete in England und mußte die Heirat, weil Sylvia Plath noch studerte und dann kein Stipenddium mehr bekommen hätte, eine Zeitlang verbergen. Sie gingen kurzfristig nach Amerika zurück und dann wieder nach England, wo Sylvia Plath, ja auch 1963 starb und zwei kleine Kinder hinterließ, die nebenan friedlich schliefen, während die Mutter den Kopf in den Backofen steckte.

Die Ehe der Beiden war damals schon geschieden oder sollte es werden, nachdem Ted Hughes sie betrogen hatte und das alles erzählt er oder besser Connie Palmen in sehr dichten eindrucksvollen Worten.

Wie nun scho öftern erwähnt, so neu ist mir das alles nicht gewesen, habe ich ja während ich die „Glasglocke“, „Parablüh“und „Odysseus x“ las, das alles wahrscheinlich nachgegooglet. Weiß aber jetzt wieder ein Stückchen mehr von Sylvia Plath und ihrem Leben, obwohl, das alles wirklich, so wie beschrieben war, wird sich wohl nicht so ganz  mehr klären lassen und ich habe in den Schränken, glaube ich, auch noch einiges anderes von Sylvia Plath gefunden, was ich vielleicht lesen sollte.

Aber wann komme ich bei meinen Bücherbergen und meiner endlos Leseliste dazu?

2018-03-16

Leipziger Messeimpressionen II

Gretchen Dutschke im Gespräch mit Susanne Führer

Gretchen Dutschke im Gespräch mit Susanne Führer

Superman bei Energiezufuhr

Superman bei Energiezufuhr

Mit der Messe und mit dem Winterwetter geht es weiter, Regen am Morgen, der sich dann in leichten und später in dichten Schnee umeandelte, der auch auf der Straße liegenblieb. Ziemlich kalt für Mitte März und auf der Messe hatte ich ein dichtes Programm.  Hatte ich mich doch um elf mit einem Herr vom „Rohwolt-Verlag“ verabredet, dann hat noch Bozena Anna Badura ein Treffen der Debutpreisblogger, die auf der Messe waren, um elf in der Bloggerlounge angesetzt, also habe ich versucht das Treffen nach vorzuverlegen, was auch gelungen ist, ich habe zwar ein bißchen auf ihn gewartet, dabei aber einen Herrn beobachtet, der eifrig in Daniel Kehlmanns „Tyll“ geblättert hat und Georg Klein, der auch für den Leipziger Buchpreis nominiert war, habe ich auch am Stand gesehen.

Allerdings ist es mir dann nicht so schnell gelungen von der Halle vier in die Halle fünf zu kommen, wo schon fünf oder sechs der Debutpreisblogger und Bozena Anna Badura wartete und es auch die „leckeren Kekse“ zum Knabbern gab und um zwölf gab es schon wieder ein Bloggertreffen, so daß ich diesmal das gemeinsame Mittagessen mit dem Alfred ausfallen ließ.

Ich hatte aber noch vom Vortag Brezeln und Croissants und Susanne Bühler von „Diogenes“ hat den Bloggern, die den gesamten Vortragssaal füllten, ich habe auch einige bekannte Gesichter entdeckt, das Herbstprogramm vorgestellt. Da wird es einen neuen Erich Hackl geben, „Liebwies“ errscheint als Taschenbuch und und…

Leider waren die Namen der Neuproduktionen nicht immer leicht zu verstehen und die Cover ohne Projektionshilfsmittel,  das Programmheft wurde nur in die Höhe gehalten, nicht immer so leicht zu erkennen. Der Herbst ist aber noch weiter entfernt und es gab  auch eine Kurzlesung von und mit Anneke Reineckes „Leinsee“, was manche Blogger schon erwartet hatten und ich bin wieder in die Halle vier hinübergegangen.

Schlecky Silberstein

Schlecky Silberstein

Preis der Literaturhäuser

Preis der Literaturhäuser

Denn da gab es es einen Festakt. Wurde doch das europäische Übersetzternetzwerk „Traduki „vor zehn Jahren ins Leben gerufen“, so daß ein deutscher Politiker und eine albanische Politikerin eine Rede hielten und Chrstoph Ransmayr, der österreichische Schriftsteller  in einem Essay erklärte, wie wichtig  das Übersetzen  für die Verständigung wichtig ist.

Es gab ein Glas Wein, bevor das Programm im Cafe Europa mit einem ungarischen Roman weiterging und ich bin zum blauen Sofa hinuntergegangen, wo der Preis der Literaturhäuser an den Teschechen Ladislav Rudis vergeben wurde, den ich, glaube ich, einmal in Krems bei der „Literatur und Wein“ kennenlernte. Leider war im Programm  als Ort das Cafe Traduki angegeben, so war ich vorher dort bei einer Lesung und habe da meinen schönen Block mit den Schneeglöcken und meinen Kugelschreiber vergessen. Ich habe zwar inzwischen ein anderes Schreibeheftchen, aber all meine Notizen sind verloren und so zitiere ich aus dem Gedächtnis.

Es gab dann  noch eine „Blaue Stunde“ zum Thema 1968, mit Gretchen Dutschke und Wolfgang Kraushaar.  Die Messe war zu Ende, das Programm von „Leippzig liest“ ging aber weiter und wir mit der Ute in ein Hospitz, beziehungsweise in  ein „Haus des Lebens“, da ja die Ute ehrenamtliche Sterbebegleiterin ist, wo es auch, um die Verständigung, wenn auch auf eine andere Art und Weise ging und zwar hat der Arzt und Schriftsteller Jalid Sehouli, der auch schon literarische Texte geschrieben hat, sein Buch „Von der Kunst schlechte Nachrichten gut zu überbringen“ vorgestellt, was wahrscheinlich auch eine Kunst des Übersetzen ist, die Nachricht des Krebes mit Achtung und Wertschätzung dem Patienten und seinen Angehörigen zu überbringen und  genauso an Grenzen stoßen wird, wie die Kunst des Übersetzens, wohl nicht immer zum Miteinander führt, da es  auch in Leipzig, wie im Herbst in Frankfurt rechte Verlage gibt, die das Messegeschehen dominieren und vielleicht mehr Aufrmerksamkeit erzeugen, als das Bemühen um Verständnis und Toleranz. Hat es doch schon bei der Eröffnung diesbezüglich Prosteste gegeben und Armin Baumgartner hat mich, als ich ihm in der Halle 4 zufällig getroffen habe, auch gleich darauf angesprochen.

2018-01-13

Olga

Der 1944 bei Bielefeld geborene Bernhard Schlink, von dem ich als ich 1996 nach Klagenfurt gefahren bin, mir „Selbs Betrug“ gekauft oder gelesen habe, der dann mit dem „Vorleser“ berühmt wurde, den ich im Zug las als wir von unserer Donauradfahrt von ulm nach Regenburg nach Wien zurückgefahren sind, hat ein neues Buch geschrieben, das ich jetzt sozusagen auch „vorab“ gelesen habe.

Am Cover ist eine eine Frauengesttalt auf einer Kippe am Meer zu sehen und am Buchrücken steht etwas vom späten neunzehnten Jahrhundert und Deutschland und Afrika beziehungsweise den Irrwegen die diese Geschichte aufzeigt, was mich, da ich schon die erste Seite gelesen habe, wo ein kleines Mädchen zu ihrer Nachbarin geht, anfangs verwirrte.

Dann dachte ich lange,ich hätte ein sehr altmodisches Buch gelesen und wieder etwas, was nicht wirklich neu, sondern ohnehin schon huntermal geschrieben wurde, geht es doch in dem ersten Teil des dreihundert Seiten Buches, um eine Liebesgeschichte zwischen , einem armen Mädchen das Lehrerin wurde und einem Gutbesitzersohn, aber nein, es geht und das steht auch Buchrücken, wenn ich den nur ordentlich gelesen hätte, um eine willensstarke Frau, die sich durch die Wirren des Lebens kämpft, nicht aufgibt, aber eigentlich von Anfang an schon verloren hat.

Diese Frau isrt Olga, beziehungsweise das kleine Mädchen, das am Anfang des buches bei der Tür der Nachbarin steht, die sich mit ihr anfreundet und sich um sich kümmert. Das passiert in einer kleinen polnischen Stadt und Olgas Eltern kommen bald ums Leben, so daß sie von der Großmutter, die in Ostpreußen lebt und mit der Heirat ihres Sohnes mit einem polnischen Fräulein nicht einverstanden war, zurückholt. Die will ihr nun auch einen deutschen Namen geben, will sie Helga nennen, aber da wehrt Olga sich und setzt sich durch. Das Verhältnis zur Großmutter ist nicht sehr gut, sie freundet sich mit den Gutskindern Herbert und Viktoria an und setzt es, die ihr die höhere Mädchenschule verwehrt wurde, unter Mühen und Selbststudium durch, daß sie auf das staaliche Lehrerinnenseminar nach Posen gehen kann.

Herbert ist ein, wie Schlick ihn beschreibt ein „Läufer“ oder „Renner“ und die „Weite des Horizonts“, eine sehr poetisch beschriebe Methapher spielt in dem Buch auch eine Rolle und natürlich auch die Grenzen, die das Leben vor allem den Frauen setzt.

Der Läufer mit dem Olga bald ein außereheliches Verhältnis hat, sie ist ja nicht standesgemäß, flieht vor der elterlichen Strenge nach Afrika, wird dort Soldat in den Kolonien und in einen Krieg verwickelt und als er zürckkommt, in den  Neunzehundertzehnerjahren träumt er von einer Expedition in die Antarktis und will dort offenbar eine neue Kolonie errichten.

Olga besteht indessen ihr Lehrerinnenexamen und geht in ein kleines Dörfchen unterrichten. Wohnt in einem kleinen Haus, wird dort von Herbert besucht, der in Tilsit, offenbar der nächsten Stadt, einen Vortrag über seine  geplante Expedition hält, sieht ihr beim Marmeladekochen oder Schulheftverbessern zu und bricht dann, so um 1913 auf, verspricht ihr vorm Winter zurückzusein und kommt doch nicht.

„Mein Lieber, letztes Jahr wolltest du vor Weihnachten zurück sein, dieses Jahr wollten es die Soldaten. Auf  euch Männer ist kein Verlaß“, wird ihm Olga postlagernd in eine norwegische Stadt schreiben.

Aber das erst später  oder doch, sie schreibt ihm Briefe, unterrichtet weiter, spielt Orgel in der Kirche, versucht manche begabte Kinder auf die höhere Schule zu schicken und scheitert an den Eltern, die dafür kein Verständnis haben und besucht eine Familie mit einem kleinen Kind namens Eik, mit denen sie sich angefreundet hat.

Der erste Weltkrieg kommt und die Soldaten sterben, die jahre ziehen ins Land und Herbert kommt immer noch nicht zurück, dann naht bald schon der zweite und Eik, der Ziehsohn mit dem sie sich angfreundet hat, gesteht ihr, daß er zur SS will, was sie erbost und mit ihm bricht. In den Dreißigerjahren ertaubt sie, wäre dann aber bald auch, weil ja keine Nationalsozialistin ohnehin aus dem Schuldienst entlassen worden, besucht eine Gehörlosenschule, um das Lippenablesen zu lernen, muß nach ende des Krieges flüchten, kommt in eine kleine deutsche Stadt und bringt sich als Näherin durch das leben, bis sie eine kleine Pension bekommt.

„Dann nähte sie nur noch in unserer Familie, in der sie sich besonders willkommen fühlte, was sie hier verdiente, reichte ihr als Zubrot“, lautet der letzte Satz des ersten Teils und dann im zweiten, wechselt der Erzählstil.

Es kommt zu einem Ich-Erzähler, namens Ferdinand, den man leicht für autobiographisch halten könnte, ein Junge aus einem Pfaffershaushalt mit etlichen Kindern und offenbar wenig Geld. Die Mutter, die den Vater unterstützen und den Haushalt führen muß, hat wenig Zeit für den Jüngsten, der auch noch kränklich ist. Da springt Olga ein, setzt sich an sein Bett, zieht in auf, fördert ihn, ist mit vielem auch nicht einverstanden, wird immer älter und, als er schon an der Universität ist und Philosophie studiert, wird er eines Tages von der Mutter angerufen. Oga wurde bei einem Anschlag auf das Bismark-Denkmal schwer verletzt und liegt im Spital. Er reist zu ihr, hält ihr ihre Hand, die kalt ist, als er eingeschlafen, wieder aufwacht.

Beim Begräbnis erscheint noch ein Kriminalinspektor, der wissen will, was die Neunzigjährige nachts beim Bismarck-Denkmal zu suchen hatte? Er weiß es auch nicht, studiert fertig, erbt von ihr ein Sparbuch, heiratet, geht als Beamter ins Unterrichtsministeriumn, dann ins Pension, wird verwitwet und fängt dann an, öfter an Olga zu denken. Schließlich erfährt er von Briefen, die es in einer norwegischen Stadt bei einem Antiquitätenhändler zu kaufen gibt. Er bekommt auch eine Nachricht von Eiks Tochter, die ihm von ihrem Vater, einem Kriminalbeamten, der auch schon gestorben ist, erzähl. Kauft von Olgas Sparbuch, die Briefe, die sehr teuer sind, denn Olgas postlagernd geschriebene Briefe an Herbert, die von 1913 bis 1972, ihrem Todesjahr gehen, sind ja nie angekommen, weil er  offenbar verschollen, erfroren, etcetera und nie gefunden wurde.

Im dritten Teil gibt es nun die Briefe zu lesen und man erfährt darin einiges, was vorher unklar war. So, daß Eik ihr Kind von Herbert war, von dem sie ihm erst in den Briefen etwas sagte. Man erfährt auch von ihrer Aufmüpfigkeit und ihren Widerstand. Sie beklagt, daß eine Lehrerin, wenn sie heiraten will, den schuldienst verlassen muß. Daß die Lehrerinnen immer viel weniger, als die Lehrer verdienen, nicht aufsteigen dürfen, etcetera. Man erfährt von ihren Bruch mit Eik, als er zu den Natinalsozialisten ging und sie schreibt ihm immer Briefe, obwohl sie 1915 damit aufhören will  und ihn für sich für tot erklärt. Mal ist sie ihm böse, mal verständnisvoll. In den Dreißigerjahren nimmt sie den Briefwechsel wieder auf. Schreibt ihm von ihrer Ertaubung, ihrer Flucht und dem kleinen etwas langweiligen Ferdinand, um den sie sich nun angenommen hat und 1972 schreibt sie ihm  den letzten Brief. Schreibt, daß sie, als der Wassertum, der ihrem Haus gegenüberstand, gesprengt werden sollte, sich von den Sprengmeistern alles erklären ließ, dann ein paar Stangen Dynamit gestohlen hat, mit dem sie als Akt ihres Widerstand gegen die Mmacht der Obrigkeit, das Bismarck-Denkmal in die Luft sprengen will.

„Ich weiß noch nicht, wann ich es tun werde. Aber  seit ich weiß, daß ich es tun werde, geht es mir gut. Und ich bin Dir nahe. Deine Olga“, so endet der letzte Brief.

Daß sie es getan hat, dabei ums Leben kam, während das Denkmal standgehalten und höchsten einene kleine Delle abgekommen hat, wie der langweilige oder kritische Ferdinand noch bemerkte, wissen wir auch und wir haben das Werk eines bald vierundsiebzigjährigen Autors gelesen, in dem wohl alle Lebensweisheit und die Aufarbeitung des vorigen Jahrhunderts liegt.

Nichts wirklich Neues und die drei Teile sind wohl auch eine Wiederholung, beziehungsweise haben wir das, was in den Briefen steht, schon zum größten Teil im ersten Teil erfahren. Trotzdem ist der Stilwechsel überraschend. Das Buch vielleicht gerade in seiner „altmodischen Langsamkeit“ interessant und einiges Neues und das, was man vielleicht für sich überdenken kann, gibt es darin sicher auch.

2017-11-30

Das Genie

Jetzt kommt Buch drei der Blogger-Debut Shorlist, die jetzt ja bekanntgegeben ist und für mich eine große Überraschung war, da drei der dort nominierten Bücher bisher an mir vorbeigegangen sind.

Obwohl von Klaus Cäsar  Zehrers „Genie“ hätte ich eigentlich etwas wissen können, ist das buch doch auch auf der Shortlist des „Bayrischen Debutpreises“ gestanden, den Franzobel schließlich gewonnen hat. War aber nicht so und bei Anna Jeller habe ich es auch erst vor ein paar Tagen in der Auslage entdeckt.

Das Buch, das wieder eher eine fiktionale Biografie als ein Roman ist, befaßt sich mit einem eigentlich psychologisch interessanten Thema, nämlich mit den Schicksal eines Wunderkindes, von dem ich auch noch nie etwas hörte, was vielleicht wieder ein Beiweis ist, wieviele Wunderkinder hundert Jahre später vergessen sind und vielleich,t als Sonderlinge durch das Leben gingen, denn auch von William James Sidis, 1998 in New York geboren, 1944 in Boston verstorben, habe ich noch sie etwas gehört, obwohl er einen Psychologen als Vater hatte und das Buch auch die „Genies“ heißen  hätte können, denn, wenn sie das so zugetragen hat, wie Zehrer es schildert,  war der Vater, Boris Sdis auch ohne die „Sidis-Methode“, die er  für die Erziehung seines Sohnes erfunden hat,  ein solches und wahrscheinlich genauso hochbegabt.

Das über sechshundert Seiten Buch widmet auch einen großen Teil, ein Drittel würde ich mal schtzen, der Vorgeschichte, erzählt also, wie Boris Sidis aus der Ukraine nach Amerika kam.

Er war der Sohn wohlhabender Juden, es wurde ihm auch eine ausgezeichnete Erziehung zuteil. Er kam aber, weil er das Volk  unterrichten wollte, mit der Obrigkeit in Konflikt, kam ins Gefängnis, wurde dort mißhandelt und flüchtete  nach Amerika.

Dort verschenkt er als erstes das Geld das ihm die Eltern mitgegeben haben, trennt sich von seinen Gefährten, dann mietet er sich in einerm Obdachlosenasyl ein, nimmt Arbeit in einer Fabrik an, nur um drei Tage später dem Besitzer zu sagen, wie er alles besser machen kann.

Der macht das auch und entläßt Boris, der verbringt die nächsten Tage in einer Bibliothek und staunt über das viele Wissen das es dort gibt, er kann aber ohnehin schon ein paar Dutzend Sprachen, Englisch muß er noch lernen, verdingt sich weiter in Fabriken, unterrichtet in seiner Freizeit Arme.

So lernt er Sarah Mandelbaum kennen, auch eine Auswanderin aus der Ukraine und bekommt mit ihr 1998 den Sohn William James, der nach dem berühmten Psychologen William James genannt wurde, bei dem Boris inzwischen studiert hat. Sarah hat als eine der ersten Frauen Medizin studiert, ist aber viel lebenspraktischer als ihr Mann, der die Hypnose entdeckt und Freud für einen Scharlatan hält, gegen den er kämpfen muß.

Da unterliegt er, wie die Geschichte beweist, denn Boris Sidis ist inzwischen wahrscheinlich vergessen.

Als das Kind auf die Welt kommt, beschließt er mit Sarah gemeinsam es mit der Sidis-Methode zu einem Wunderkind zu machen.

Bei „Wikipedia“ kann man klar und knapp nachlesen, daß der einen IQ über 250 hatte, mit achtzehn Monaten lesen konnte, mit acht schon vier Bücher geschrieben hat,  mit elf an der Harvard University zu studieren begann, dort einen Vortrag über die „Vierte Dimension“ hielt, vierzig Sprachen konnte und sich für Eisenbahn und Straßenbahnsysteme interessierte. Er zog sich  später zunehmend aus der Öffentlichkeit zurück und starb 1944 an einer Gerhinrblutung, steht da lapidar.

Klaus Cäsar Zehrer macht ein über sechshundert Seiten dickes Buch daraus, das interessant und leicht zu lesen ist, wie schon einige der Mitblogger bemerkten und viel aus der Psychologiegeschichte und dem Leben der Wunderkinder erzählt und so faßbar macht, daß die meist sozial hinter ihrer intellektuellen Entwicklung nachhinken und wenig Freunde haben, weil sie mit den Menschen, die sie nicht verstehen, nicht viel anfangen können.

Der Vater ist ja auch ein bißchen so. Die praktische Mutter muß ihn zu einem Sanatorium zwingen, dort putzt und schrubbt sie selbst, während der Vater gegen Freud hetzt, seine Patienten verliert und schließlich an einem Schlaganfall stirbt.

Es gibt noch eine jüngere Schwester, für die aber wahrscheinlich zu deren Glück, keine Zeit war, die Wundermethode an ihr anzuwenden. Wahrscheinlich hielt man die für Mädchen auch nicht  so wichtig. So studierte sie zwar auch Soziologie, konnte später ihren Bruder, als der aus sämtlichen Systemen hinausgefallen war, aber immer unterstützen.

Der Vater war in den Systemen auch nicht drinnen und wahrscheinlich war William James Sidis ein Asperger-Typ den man damals noch nicht kannte, wie der Vater an der sozialen Verbersserung der Menschheit aber interessiert. So war er auch an einer Demonstration beteiligt, wo er Martha Foley, die Liebe seines Leben kennenlernte, die aber von dem Sonderling nicht viel hielt und er hielt nicht viel von der Sexualität, nannte sie verächtlich oder angewidert „koitieren“ und verärgerte damit seine Studenten, als er nach seiner Promotion, er war ein Universalgenie, als Assistent beginnen wollte.

Er arbeitete in Zeiten des ersten Weltkrieges an einem Institut, das vom Kriegsministerium bezahlt wurde und kündigte dort entsetzt, als er entdeckte, zu was er mibraucht werden hätte können oder wurde. Er nahm  aus diesem Grund nur mehr einfache Arbeiten an, verwarf sich mit seiner Mutter, die ihm Undankbarkeit vorwarf, floh auch vor der Presse, beziehungsweise hatte er einen Prozeß mit dem „New Yorker“, die seinen Sonderlingstatus genüßlich auf einigen Seiten zelibrierte.

Er liebte schon als Kind das Straßenbahnfahren, war später auch Schaffner, sammelte die Fahrkarten und gab unter einen anderen Namen, auch Bücher über Straßenbahnsystem hinaus.

So taumelte er durch das Leben, er verlor sämtliche Prozesse, denn über eine öffentliche Person kann man ja die Wahrheit sagen, daß sie ungepflegt ist und soziale Probleme hat, ohne daß es die Persönlichkeitsrechte verletzt. Es kommt dann  doch zu einer Einigung mit der Zeitung. So hat er sechhundert Dollar in der Unterhose, als ihm die Wirtin bewußtlos am Gang findet. Er kommt ins Spital und da kommt es nach Zehrer zu einer Verwechslung, die ihm den Gang ins Jenseits erleichtet, aber wahrscheinlich etwas kitschig ist.

Die Schwester und die Mutter kommen angereist, die Mutter wartet am Gang, die Schwester sagt ihm „your mother is here!“

Er versteht Martha, ist entzückt und stirbt mit dieser Information selig vor sich hin.

Ob es so oder anders war, wissen wir wahrscheinlich nicht. Ich werde dem Buch bis jetzt, die zwei anderen habe ich noch nicht gelesen, den dritten Platz geben und mich für Platz eins für Julia Webers Poetik entscheiden, die ja auch in die Sozialkritik geht und dann an Juliana Kalnays Surrealismus und kann nur wieder betonen, wie unterschiedlich diese Shortlist von ihren Stellen her ist.

Aber das ist wahrscheinlich das Tolle daran, obwohl man diese journalistisch aufbreitete Biografie des 1969 geborenen Zehrers, nicht wirklich mit der sprachlichen Poetik der beiden Sprachschulabsolventinnen vergleichen kann.

Äpfel und Birnen, wie ich  immer schreibe und Bücher sind auch nicht vermessbar. Es gibt aber sehr viele und sie sind sehr unterschiedlich geschrieben und so haben Bozena Anna Badura, Janine Hasse und Sarah Jäger aus den vierundsechzig eingereichten Büchern sehr unterschiedliche Bücher ausgewähl und bin auf die zwei anderen, die mich noch erwarten, schon sehr gespannt.

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