Literaturgefluester

2020-05-07

Muldental

Filed under: Bücher — jancak @ 00:49
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Jetzt kommt ein Erzählband der 1975 in Neu-Kaliß geborenen Daniela Krien, die in Leipzig Kultur- Kommunikations- und Medienwissenschaften studierte, seit 2010 freie Autorin ist  und mit der „Liebe im Ernstfall“ auf Platz 1 der „Spiegel- Bestsellerliste“ stand, ein Band der sich mit den Ost-Verlierern beschäftigt und, wie am Buchrücken steht „Von Menschen erzählt, deren Leben an einem Kontrapunkt der Geschichte ins Wanken gerieten“  und von „Orientierungslosigkeit und tiefer Verzweiflung, aber auch von Mut und Güte“, erzählt.

So geht es in der Titelgeschichte, um den Keramikladen des Hans Novaceks, der sich in einer ehemaligen Mühle befindet. Der hat, hoffentlich darf ich das jetzt schreiben, MS, sitzt im Rollstuhl und verhält sich gegenüber Frau und Sohn ein wenig seltsam. Allmählich kommt heraus, daß die Frau jahrelang Mitarbeiterin der Stasi war und mit dem Sohn in die Kirche eingetreten ist.

„Mimikry“ beginnt mit einem maschingeschreibenen Brief voller Rechtschreibfehler, der sich an die „Ossis!“, wendet. Anne findet ihn an ihrem Auto und sinnt über ihr Leben nach. Sie ist im Herbst 1989 zur Ausbildung als Zahnarzthelferin zu einem Dr. Hauschild nach Franken gegangen. Wird dort von den Patienten, die sich nicht von ihr behandeltn lassen wollen, gemobbt und ärgert mit ihrem Freund Mattis, die Kunden in einem Supermarkt, in dem sie ihnen die Einkaufswägen entwendet und sie dann ohne zu bezahlen an der Kasse stehen läßt.

Ein Vorwort von der Autorin, wie sie zu ihren Geschichten gekommen ist, gibt es auch, so daß alles seinen realen Inhalt hat.

Das Buch, das von einigen Rezensenten als Roman in zehn oder elf Geschichten bezeichnet wird, ist  erstmals schon 2014 erschienen, wurde jetzt von „Diogenes“ neu aufgelegt und, die Roman Idee kommt daher, daß in mehreren Geschichten die gleichen Orte und Personen vorkommen.

So kommen Mara und Betti in „Plan B“ auch aus Muldental, waren in einer Clique mit dem Thomas Novacek von Geschichte eins. Es treffen sich die beiden alleinerziehenden Mütter am Arbeitsamt wieder und weil man dort keine Perspektive für sie hat, machen sie den Plan B und beschließen sich, von Günti, auch ein Mitglied der Clique, der jetzt Rechtsanwalt ist, unterstützt, zu prostituieren.

Juliane in „Versuchung“ ist auch eine alleinerziehende Mutter, hat Kunstgeschichte studiert und putzt jetzt bei Wiebke, die das auch hat, dazu noch einen Mann der Professor ist und drei Töchter gibt es auch. In einer der Putzpausen findet sie Liebesbriefe in einer Kiste, nimmt sie mit, überlegt einen Erpressungsversuch, um sie dann doch wieder brav und bieder zurückzulegen.

„Sommertag“ erzählt eine Alkoholikerkarriere, beziehungsweise, die Geschichte eines, dessen „Abstieg“, wie er sagt, „am 9. November 1989“ beziehungsweise mit dem Mauerfall begann. Denn da begann sich die Familie einzurichten, Kredite aufzunehmen, Gartenzwerge zu besorgen und als die Rechnungen nicht mehr zu bezahlen waren, das Zittern der Finger des Tischlers nicht mehr zu verbergen war, holte er sich den Strick, um sich zu erhängern.

„Da hat er nicht gezögert!“, schreibt Daniela Krien, um dann von einem zu erzählen, der an seinem dreißigsten Geburtstag aus der Haftentzugsanstalt entlassen wird.

Dann geht es zu den Musikerkarrieren, beziehungsweise zu einem, der nach dem Mauerfall in seinen Wartburg steigt, um seine Schwester in der westdeutschen Psychiatrieanstalt zu besuchen, in der sie sich seit ihrem Fluchtversuch befand und dort mit Medikamenten zugeschüttet wurde.

Und „Freiheit“ erzählt von einer katholisch sozialisierten Eva, die den lieben Gott allerdings hinter sich gelassen hat. Dann wird sie schwanger, weil ihr Paul sich nur ein Leben mit Kind vorstellen kann. das hat leider die Trisomie 21 und einen Herzfehler. Schangerschaftsabbruch also erlaubt, bis zur letzten Sekunde. Sie entscheidet sich dafür und wird es später wahrscheinlich noch einmal oder doch nicht mit ihrem Paul versuchen.

In „Aussicht“ geht es um eine Tagesmutter, die Schwierigkeiten mit ihrer pubertierenden Tochter hat. Sie gibt ihr eine Ohrfeige, die Tochter erzählt das der Lehrerin, die alamiert die Polizei und das Jugendamt und die Tochter kommt zu ihrem Vater, während die Mutter die Tagesmuttergenehmigung verliert, sich aber vor Gericht rechtfertigen kann.

Einen „Zigarettensammler“, der an nicht Lungenkrebs, sondern an einer Hirnblutung stirbt, gibt es auch und am Schluß geht es wieder ins „Muldental“. Ins „Muldental“ zwei oder doch nach Leipzig, wo Thomas, der Töpfersohn am Mittelaltermarkt steht, mit Maren von Geschichte drei zusammen ist, sie haben einen gemeinsamen Sohn und zu einer Begegnung mit Günti, der Anwalt und kein <zuhälter ist, kommt es auch.

„Es liegt an der Klarheit und der Schönheit der von Kriens Sprache, dass sie etwas geschaffen hat, in dem sich sehr viele Menschen wiederekennen“, hat Maren Keller von „Spiegel“ auf den Buchrücken geschrieben.

Dem kann ich nur zustimmen und die DDR-Verlierergeschichten sehr empfehlen und wer noch mehr über die DDR lesen will, dem kann ich auch die beiden Belletristik-Bücher des letzen „Leipziger Buchpreises“ ans Herz legen.

2020-05-05

Rote Kreuze

Filed under: Bücher — jancak @ 00:50
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Jetzt kommt der erste auf Deutsch erschienene Roman des 1984 in Minsk geborenen Sasha Filipenko, ein Buch das bei „Diogenes“ erschienen ist und von dem ich schon glaubte, daß ich es nicht bekommen werde, weil es Corona bedingt nicht über die Grenze kam.

Zum Glück gibt es aber auch österreichische Auslieferer, so kam es doch zu mir und das Lesen war interessant, weil ich das Buch schon auf einigen Blogs entdeckt habe, dann aber vielleicht nicht wieder so etwas Neues und vielleicht auch nicht so ganz ungewöhnlich, wie die Nobelpreisträgerin Swetlana Alexijewitsch auf dem Buchrücken schrieb „Sasha Filipenko ist einer der jungen Autoren, die sofort zu ernsthaften Schriftstellern wurden. Wenn Sie wissen wollen, was das moderne, junge Russland denkt, lesen Sie Filipenko.“

Oder vielleicht schon. Einer der beiden ineinander verknüpften Handlungsstränge ist das wahrscheinlich schon, das andere die Stalin Repressionen habe ich schon öfte rgelesen und vor kurzem auch besonders bei Eugen Ruge.

Da zieht ein junger Mann namens Sascha, also vielleicht so etwas wie ein Ich-Erzähler in eine Wohnung in Minsk. Er hat ein Kind, aber keine Frau, erscheint traumatisiert oder trauernd und die Maklerin, die die Wohnung vermittelt, erzählt ihm etwas von einer alten Nachbarin, mit der er bald in Kontakt kommt.

Die heißt Tatjana Alexejewa, ist über neunzig, hat „Alzheimer“ und erzählt ihm ihr Leben. Sie wurde in London geboren, hatte einen sehr aufgeschlossenen Vater, der mit ihr und den Kindermädchen nach Moskau zog. Später war sie noch in der Schweiz, bis sie beim Außenministerium,  als Übersetzerin tätig wurde.

Geheiratet hat sie auch und es gab eine Tochter. Dann kam der Krieg, ihr Mann geriet in rumänische Kriegsgefangenschaft und auf einer der Listen, die sie übersetzten sollte, stand sein Name, was sie in Gewissenskonfklikt brachte. Denn der Staat ging mit den Kriegsgefangenen nicht sehr gut um.

So ersetzte sie seinen Namen, das heißt, sie strich ihn von der Liste und schrieb dafür den folgenden zweimal hin. Das verstärkte die Gewissensbisse, obwohl einige Zeit nichts geschah. Dann wurde sie verhaftet, verhört und mehrmals vergewaltigt, bis sie für zehn Jahre in ein Lager kam. Die Topchter kam in ein Kinderheim, wo sie kurz darauf starb. Ihr Mann wurde erschoßen und diese Geschichte erzählt sie nach und nach dem jungen Mann und sie fragt ihn auch nach seiner Frau oder Freundin und auch warum er nach Minsk gezogen ist?

Der Grund war, bei der Frau wurde kurz nachdem sie schwager wurde, Krebs diagnostiziert, sie hatte nur noch  wenig Zeit zu leben, wollte das Kind aber nicht abtreiben. So starb sie, als sie im fünften Monat war, das Kind wurde aber ausgetragen und der Vater flüchtet mit ihm aus der Stadt.

Diese zwei Handlungsstränge sind ineinander verwoben. Ein wenig zu aufgesetzt könnte dann noch erscheinen, daß er in der Nachbarin, die unter ihm wohnt, eine neue Freundin findet, das passiert vielleicht zu schnell.

Ene Friedhofsbesetzung, wo die alte Dame, die schließlich stirbt, gemeinsam mit ihrem jungen Freund verhaftet wird, gibt es auch und sie hat ein Jahr vor ihrem Tod auch noch den Mann aufgesucht, dessen Namen sie zweimal auf die Liste geschrieben hat.

Dem ist nichts passiert, denn er hat sich mit der Sowetmacht arrangieren können, was vielleicht eine besondere Perfidie des Schicksals ist.

Soweit so gut. Ungewöhnlich oder interessant könnten vielleicht noch die Gedichte erscheinen, die gemeinsam mit Vernehmungsprotokollen in dem Buch zu finden sind. Eines davon ist von der 1981 verstorbenen Kinderbuchautorin Agnija Barto und vielleicht besonders beeindruckend, weil man es als Methapher zu Tatjana Alexejewas Schicksal verstehen könnte.

„Und ein Haus das uns gehört,

schieben wir vom falschen Ort,

wo es irgedwie uns stört,

mit vereinten Kräften fort!“

Übersetzt wurde der Roman aus dem Russischen von Ruth Altenhofer.

 

2020-01-20

Die Kakerlake

Filed under: Bücher — jancak @ 00:12
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jetzt kommt ein kleines dünnes Büchlein, das im November bei „Diogenes“ erschienen ist und auf das ich durch die Sendung „Leporello“ oder das „Morgenjournal“ aufmerksam wurde.

Der 1948 geborene britische Autor Ian McEwan, von dem ich einige Bücher in meinen Regalen, aber noch nichts gelesen habe, hat eine Satire auf den Brexit und das englische Parlamentsgeschehen geschrieben und  dabei Anleihein von Franz Kafkas „Verwandlung“ genommen, beziehungsweise sich vor dem großen Autor verbeugt.

Wui, das klingt interessant, das Büchlein also bestellt und ich muß sagen, daß ich mich der Meinung mancher „Amazon-Leser“ anschließe, daß hier schnell nach der Idee von der „Verwandlung“ eine Satire hinuntergeschrieben wurde, die wahrscheinlich mehr die Briten überzeugt, wahrscheinlich nicht zur großen Literatur gereiht werden wird, was vermutlich auch nicht geplant war und, ob es Franz Kafka gefallen würde, ist wahrscheinlich eine Frage, die nur er beantworten könnte.

Also da wacht eines Morgens in der Downigstreet eine Kakerlake im Bett des Premierministers Jim Sams auf und stellt fest, er hat sich in diesen verwandelt. Nicht nur das, denn, als er dann in das Parlament hinüber wankt, mit dem Sprechen und dem aufrecht Gehen tut er sich noch anfangs schwer , stellt er fest, daß die meisten der Minister ebenfall seine Artgenossen sind oder waren und nun geht es im zweiten Kapitel des vier Kapitel starken hundertdreißig Seiten Buchs, zu der Idee vom „Reversalismus“, das Wort Brexit wird an keiner einzigen Stelle, höchstens in einem aufgehefteten Schildchen am Cover erwähnt und der amerikanische Präsident heißt Archi Tupper statt Donald Trump und Premier Sams stellt ihm oder sich die Frage, ob er vielleicht auch eine ehemalige Kakerliake war?

Diese Frage wird nicht beantwortet, dafür ein neues System eingeführt, also, daß man für die Arbeit Geld abgezogen bekommt, dafür aber umsonst einkaufen kann, Bargeldbesitz wird bestraft und alle wollen einen höher bewerteten Job bekommen um mehr Geld ausgeben zu können.

Das wird dann als des Volkeswille ausgegeben, für die der Premier sich einsetzt. Widersacher werden beseitigt und am Schluß, als das Gesetz eingeführt wurde und die Ersten merken, daß es offenbar doch nicht so, wie angepriesen funktioniert, sondern in den Abgrund führen wird, ziehen die Minister und ihr Premier wieder aus den Körpern hinaus, die lassen sie auf den Sitzen liegen.

Durch, die einen Spalt offengelassene Tür ziehen sie auf die Straße, nur leider wird der Premier dabei von einem Auto überfahren. Seine Artgenossen tragen ihn auf den sechs Füßen, die er nun wieder hat, weg und die Rache der Kakaerlake, an der sie unterdrückenden Menschheit ist vollzogen.

So einfach, aus. In England wird der Austritt aus dem Brexit und das politische Geschehen sich wohl ein wenig schwieriger gestalten. Man liest es aber sicher schnell und amüsiert dieses kleine Buch, das einen wahrscheinlich Kafka, um keinen Deut näherbringt, aber vielleicht hat man von der Politik etwas etwas besser verstanden und das wäre ja auch nicht schlecht.

„In einer solchen Zeit fragt sich ein Schriftsteller, was er machen kann. Darauf gibt es nur eine Antwort: schreiben“ Ian McEwan“, steht am Buchrücken

2019-12-30

Ich habe große Städte gesehen

Filed under: Bücher — jancak @ 10:21
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Nachdem ich nun seit Ende August Buchpreis gelesen habe zwischen Weihnachten und Silvester eingepresst, ein paar Gedichte, nichts Besonderes oder doch vielleicht, denn „Naturgedichte wird man hier, wie Björn Kuhligk in seinem Vorwort der „Diogenes-Gedichtgesammtausgabe“ des 1944 geborenen und 1987 auf der Autobahn überfahrenen Jörg Fausers schrieb, „werden Sie hier nicht finden!“, hat sich doch sein Leben zwischen Marokko, London , Paris, New York und München abgespielt und hat seine autobiografische Gedichte oft auch zu „konzentrierten Kurzgeschichten“ gemacht, die auf der Straße, bei den Nutten von Alkohol und Drugs umgehen spielen.

Jörg Fauser, der von Marcel Reich-Ranicki als er einmal in Klagenfurt gelesen hat, total fertiggemacht wurde „Dieser Autor hat hier nichts verloren!“, hat er großspurig gerufen und es wohl geglaubt und Jörg Fauser hat sich, glaube ich, auch eher als Journalist verstanden und sozialkritische Krimis geschrieben, von denen ich vor kurzem einen gelesen habe, scheint „Diogoenes“ ja sein Gesamtwerk herauszubringen und ich habe einige seiner Bücher auch noch in Harland und in Wien auf meinen Bücherstapel liegen.

Keine sehr ästetisch angehauchte Lyrik sondern eine die von Charles Bukowski, Jack Kerouac und William S. Burroughs inspiriert sein könnte, sondern eine die das Leben von unten beschreibt und eine, die also mir, die ich zwar nicht so sehr von den Beat Poeten und den Drugs inspiriert bin, sehr sympathisch sein müßte.

Sie ist es auch, hatJörg Fauser doch, wie der ebenfalls dichtende  Björn Kuhligk  in seinem Vorwort schreibt, den Satz geprägt, daß „Dichter, die kein Publikum haben, pathetische und sinnlose Figuren sind“, was auf mich zutreffen könnte und ich von mir genausowenig, wie von Jörg Fauser glaube, der, glaube ich, mit den Drugs und dem Alkohol sein Problem hatte und deshalb vielleicht auch auf der Autobahn kurz nach seinem Geburtstag überfahren wurde.

Gehen wir sie also durch die gesammelten und neuherausgegebenen Gesichte von Jörg Fausers, die Roadlyrics, die auch in „London“ beginnen

„Jeden Tag eine neue Bombe. Und jeden Tag wählen die Lämmer den Metzger zum König“

In den Neunzehnsechzigerjahren geschrieben und trotzdem hochaktuell könnte man meinen, hat es Björn Kuhligk in seinem Vorwort auch so geschrieben.

Es gibt die „Abende eines Sommers“

„Trink die Milch der Nacht

der Föhn bläst Gott voraus

Asche in die Täler“,

die ein bißchen an die „Todesfuge“ denken lassen könngten.

Und in „Das Fest ist aus“, schreibt Fauser „In der Straße zwischen Nacht und Morgen verbrenne ich meine Gedichte“, ja dieses Motiv gibt es auch, ebenso wie „Fauser schreibt wieder einmal unverständliches Zeug, nicht tief, nicht kritisch, nicht deutsch genug, trister Typ, der kaum was bringt außer abgekauten Erinnerungsfotos.“

Und in „Trotzki, Goethe und das Glück“, wie wohl auch einer seiner zu Lebzeiten herausgegeben Gedichtbände heißt, die der Vorworwortschreiber, wie er schreibt auch zu einem stolzen Preis in der Erstausgabe bei einem Antiquariar kaufte, schreibt Fauser von einer Louise die Revolution machen wollte, während er sich „suchen uns irgendeinen stillen Winkel wo ich in ruhe mein Bier trinken und zwischendurch mal`n Gedicht schreiben kann“ sich wünscht.

„Und Trotzki?, schrie Louise, und die Genossen im Knast? Dein bourgeoises Glück, pah! Bier und Gedichte, während die Revolutin organisiert wird!“

Sie hat ihn dann verlassen und später in Paris einen Goetheforscher geheiratet, wie ihm ein Freund erzählt. Ja so ist das Leben und die Revolution.

In „Liebesbriefe“ wird er von einer Frau gefragt „Wann hast du deinen letzten Liebesbrief bekommen“

„Der Bastard, denk ich, machts sichs verdamm leicht. Ich seh mich im Spiegel: unrasiert, verkatert, seit  4 Jahren kein Liebesbrief, seit 4 Wochen kein Gedicht.“

Und in „Dichter in New York“ geht es mit einem Jack zu einer „Bukowski-Lesung.

„Jack schief irgendwann ein. Bukowski las exakt eine Stunde, ohne sich zu betrinken und ausfällig zu werden und ohne auf sie reinhzufallen, dann tat er den letzten Schluck, klappte das Buch zu, bummte „Thank you, good night“, gab Autogramme und verschwand.“

Frankfurt am Main, wo Hörg Fauser glaube ich auch am Flughafen gearbeitet hat, sind zwei Gedichte gewidmet, bei einem reimt es sich sogar ein bißchen:

„Die Kälte ist schwül in Frankfurt am Main Wer sich nicht umbringt Der trägt Gefühl.“

Es gibt ein Gedicht von einer „Frau die kein Bier trinkt“ und das „Karfreitag“ genannte, endet mit den Zeilen „Ein Bier. Christus am Kreuz hätte mehr gebraucht.“

Sehr beeindruckend ist das Gedicht, wo die Frauen dem türkischen Hausmeister klagen, daß sie kein „Warmes Wasser“ hätten.

„Der Hausmeister ist Türke. Er hat die Ruhe weg. Er kenn sich mit dem modernen Ldeben aus und außerdem wozu braucht einer der einen Kühlschrank hat Raki im Glas und einen heißen Ofen im Bett auch noch warmes Wasser?“

„Berlin, Paris, New York“ heißt das Gedicht, das dem Buch den Namen gegeben hat:

„Ich habe große Städte gesehen und habe die großen Städte immer geliebt, ihre Frauen, ihre Bars, ihre Dämmerungen vor dem Gebrüll der Maschinen und dem Sturm auf die Bastille.“

In „Rote Fahnen“ passiert ein alter Mann mit Schirmmütze in einem Rollstuhl den Checkpoint Charlie und Jörg Fauser dichtet „Alle Macht der Phantasie gewiss! Schönes Wort. Dachte man dabei auch an die Phantasie von Kerkermeistern? – Aber ja! Ich winke den Seelen der Anarchisten und trolle mich zurück in meine Arena.“

Und in „Geschichten“ fragt er sich, was ich mich auch schon fragte:

„Worüber noch schreiben? Alle Geschichten sind längst erzählt, die Novembergeschichten und die Frühlingsgeschichten, und alle dazwischen.

Worüber noch schreiben? Wir haben alle Geschichten geschrieben, der Regen, die Erde, die Frauen, die Dichter. Aber die Geschichten sind wie Gott: sie machen weiter.“

Und im „Cafe Grabbe“, erzählt er von Christian Dietrich Grabbe,  1801-1836, der die „Hermannnschlacht“ geschrieben hat, während Balzak, wie er behauptet, einen „Neger“ hatte,  Charles Lassailly, ein verwahrloster Poet, der für ihn in der Nacht die Stücke geschrieben haben soll, bis der ihn mit den „trostlosen Worten: Die ganze Nacht habe ich mich abgemüht, aber mir ist nichts eingefallen, was Wert gewesen wäre, niedergeschrieben zu werden“, verlassen hat und sich wieder in die „Kaschemmen, in die Dachkammern, in die Namenslosigkeit“ zurückbegeben hat.

„Byrons Tod“ wird beschrieben und die „Margariten“, die vielleicht nur „Pusteblumen“ waren und in „Strangers In the Night“, erzählt eine beamtete Lehrerin, wie sie, während sie Sinatra hörte, bei einem Penner hängen geblieben ist, der in den Kartoffelsalat pinkelt, endlos Krimis liest und sie jede Woche einen Hunderter an Schnaps kostete.

„Thank you . J.F., steht unter dem Gedicht „Besuch bei Blettenberg, Bangkok 1986“, auf Seite dreihunderteinundvierzig und wir können nur „Thank you, Jörg Fauser, „Diogenes“ und vielleicht auch Björn Kuhligk, für die Zusammenstellung, die, wie wir erfahren, so weit, wie es möglich war, chronolgisch erfolgte und ich füge hinzu, daß es schön war sich zwischen Weihnachten und Neujahr durch Jörg Fausers Lyrik zu lesen und wieder ein bißchen in die Neunzehnsechziger-, neunzehnsiebziger und neunzehnachtzigerjahre einzutauchen und jetzt kommt ein bißchen Schreibtechnisches und ein paar Cartoons aus dem „Holzbaum-Verlag“, bevor es mit Dietmar Füssels höchstwahrscheinlich schräger Lyrik weitergehen wird.

2019-12-26

Wolkenbruchs waghalsiges Stelldichein mit der Spionin

Filed under: Bücher — jancak @ 00:26
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Bevor es an das Bloggerdebutpreislesen geht, bleibt es noch ein bißchen in der Schweiz, ist Thomas Meyer „Wolkenbruch-Fortsetzung“ zwar nicht auf der  Schweizer Buchpreisliste gestanden, aber 2012 stand er mit dem ersten Teil darauf, da habe ich die Schweizer Lesetour im Literaturhaus angehört, das Buch dann laut meinem Bibliothekskatalog sogar zweimal irgendwo gefunden, aber vielleicht handelt es sich bei der Doppeleintragung auch nur um eine Leseprobe, das Buch aber im Sommer nach Locarno mitgenommen, beziehungsweise schon auf der Hinfahrt gelesen, nachdem ich in Zürich im Sommer 2018 darauf gekommen bin, daß das Buch ja auch zum Schweizer Lesen gehört und sie hat mir sehr gefallen, die Geschichte des Motti  Wolkenbruchs, der sich gegen seine Mame auflehnt, sich Jeans und eine schickere Brille kauft, dann in den Armen der schönen nichtjüdischen Laura landet, worauf er von seiner Familie verstoßen wird.

So endet Teil eins, das ich eigentlich nicht als Reihe empfunden habe, wohl aber schon wußte, daß es einen zweiten Teil geben wird und in Locarno ist der erste Teil als Film gelaufen, allerdings nicht am Abend auf der Piazza so haben wir ihn auch nicht gesehen.

Der zweite Teil ist nun ganz anders, obwohl es genau dort beginnt, wo Teil eins endet, nämlich in dem Hotel in dem Motti sich einquartiert hat, nachdem die Mame das Schloß ausgewedchselt hat, den <job bei seinem Vater hat er auch verloren, sowie den Kontakt zu Laura, so geht ihm das Geld aus und da ist es ein wahrer Segen, daß die Rezeptionistin anruft und ihm mitteilt ein Herr Gideon Hirsch möchte ihm sprechen, der sagt, er ist von den „Verlorene Söhne Israels“ und ist erschienen, um ihn in einen Kibbuz nach Israel zu bringen, sie reisen auch dorthin, der Verein erweist sich aber als einer des Weltjudentums und Motti wird zu seiner Überraschung bald zum Vorsetzitzenden erwählt, was wohl seinen Geschäftssindd weckt, der er beginnt, die im Kibbuz geernteten Orangen via Instragram zu vermarkten und aus der „Alex“a macht er auch eine „Schoschanna“, um der Welt das Judentum, ihre gute <küche, ihre Bräuche etcetera näherzubringen.

Ein guter Vorsatz, der aber durch eine Gruppe Altnazis, die sich nach 1945 in eine sogenannten Alpenfestung zurückgezogen haben, dort lustig Pimpfe hochzüchteten und den Volksrechner in die Welt setzen wollen, gestört wird.

Der Volksrechner ist eine sogenannte „Hassmaschine“, die durch Falschmeldungen, die Welt bald in den Abgrund stürzt und auf Motti wird auch eine schöne junge Spionin namens Hulda gesetzt, die ihn ermorden soll.

Die Sprachassistentin Schoschanna hat sich dagegen inzwischen mit Judith Wolkenbruch wegen des „Mazzesrezept“ zerstritten und Schoschanna ist auch böse auf Motti, so gibt sie Judith, die inzwischen Sehnsucht nach ihrem verlorenen Sohn hat, seine Adresse und alles wendet sich zum Guten, Judith Wolkenbruch verwandelt sich in eine Hippiemaid, die Haßmaschine wird zerstört, die Nazischickse wird ihrem Motti vergeben und am Schluß sitzen alle vereint in Zürich, feiern den Schabbat, alles wird wieder gut und ich habe ein gutes Buch gelesen, das ich auf Platz  zwanzig meiner Jahreshiglights setzen werden, weil es viel versöhnlicher ist, als Sibylles Bergs „GRM- Brainfuck“, obwohl das Buch, wie ich bei „Amazon“ nachlesen konnte, einigen nicht gefallen hat und sie enttäuscht waren, daß es mit dem Motti ganz anders, als erwartet weiterging.

2019-11-16

Der Sprung

Jetzt kommt das zweite Schweizer Buchpreisbuch „Der Sprung“, der 1985 in Arau geborenen Simone Lappert, die auch als Lyrikerin tätig ist, das ich nach Basel mitgenommen habe und an dem ich infolgedessen fast eine Woche gelesen habe.

Eine junge Frau steht am Dach eines Hauses und springt hinunter oder nicht. Die Polizei wird gerufen, die Feuerwehr stellt Sprungbretter auf und um den Platz herum lagern sich, die Schaulustigen, um das Ganze zu beobachten. Jemand schreit „Spring doch endlich!“, eine andere „Die müßte man erschießen!“

So etwa hat es Sinone Lappert in den Frankfurt-Videos erzählt, die ich gesehen habe, beschrieben und dann noch hinzugefügt, daß das Buch nach einem identen Fall geschrieben wurde, wo all das oben Beschriebene  passiert ist.

Simone Lappert hat einen spannenden Roman daraus gemacht, wo in drei Tagen, die Geschehenisse und die einige der dabei Gewesenen beschrieben wird.

Dazwischen wird der Sprung geschildert und man bekommt  heraus, daß es eigentlich kein Selbstmordattentat war, aber doch einiges ungewöhnlich war, denn Manu, die Frau am Dach, eine Gärtnerin wurde ausgesperrt, schmeißt aber dann  mit Dachziegeln, um sich herum und Psychiatrieerfahrungen werden auch geschildert.

Und auch die Geschichten, der darum handelnden Personen werden zum Teil liebevoll erzählt, zum Teil erscheint das Ganze dann wieder zu übertrieben und viel zu viel.

Da gibt es die Schwester Astrid, die eigentlich Bürgermeisterin werden will und nun nicht weiß, ob sie sich zu Manu bekennen soll oder nicht? Es gibt den Freund Finn, der von der Polizei nicht zu ihr gelassen wird. Dann gibt es die Geschichte eines Polizisten, der während er Manu zum Aufgeben bringen soll, eine Retraumatisierung erlebt. Es gibt die Geschichte eines Hutmachers, der eine demente oder nicht demente Mutter hat, die im Altersheim, um sich schießt und dann die berührende Geschichte von der Geschäftsfrau, deren Laden schon längst nicht mehr geht, weil sie den Zug der Zeit verpasst hat, aber weil alle sich an Manu delegieren wollen und daher auf dem Platz ein großes Picknick machen, geht das Geschäft plötzlich wie nie und die Figuren aus den Überraschungseiern sammelt Theres auch, eines deroriginellsten Details, was aber eigentlich mit der Handlung nicht so viel zu tun hat.

Es gibt ein dickes gemobbtes Mädchen, das während der drei Tage einen unerwarteten Aufchwung nimmt. Es gibt die Frau, die „Man sollte sie erschießen!“, schreit und die sich dann als traumatisierte Lokführerin entpuppt, der das Ganze selbst einmal passiert ist.

Es gibt noch viel viel mehr und das Ganze schwankt meiner Meinung nach zwischen sehr spannend und sehr übertrieben.

Der Stil, wie das Ganze aufgebaut ist, ähnelt, glaube ichd,  meinem Schreiben und man kann sich auch die Frage stellen, ob das wirklich so ist, daß die Leute auf  Badetüchern vor dem Haus liegen und mit dem Handy das Geschehen filmen und „Spring doch endlich!“, schreien.

Ein interessantes Buch, das nicht den Schweizer Buchpreis gewonnen hat, ich habe aber ein Autogramm von Simone Lappert drinnen und war auch sehr beeindruckt davon.

2019-08-04

Wolkenbruchs wunderliche Reise in die Arme einer Schickse

Filed under: Bücher — jancak @ 06:31
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Das Debut des 1974 geborenen Werbetexters und Redakteurs Thomas Meyer  war 2012 für den „Schweizer Buchpreis“ nominiert. Da war ich im Literaturhaus als dort die Kanditaten aus ihren Büchern lasen und das Buch, das ich dann später in einem der Schränke fand, hat mich sehr beeindruckt. Jetzt habe ich in meinem Bibliothekskatalog gesehen, daß ich es dort zweimal eingetragen habe. Also hätte ich es doppelt gefunden. Das erste Mal müßte schon länger her sein, ich kann mich nicht erinnern, aber vielleicht war das Erste eine Leseprobe, die ich mir ja gerne zusammensammle.

Als wir vor einem Jahr in Zürich bei „Orell Füsseli“ waren, war es dort unter den „Züricher Autoren“ ausgestellt und ich habe mich wahrscheinlich geärgert, daß ich es nicht als Lektüre mitgenommen habe. Das ist mir jetzt als wir nach Locarno zum Filmfestival furhren, nicht passiert und ich habe auch mitbekommen, daß im September ein neuer „Wolkenbruch“ erscheint. Den habe ich schon bestellt und der Film des ersten Teils „Wolkenbruch`s Wondrous Journey into the Arms of a Shiksa“, der im Vorjahr gedreht wurde, ist in Lokarno auch gelaufen, allerdings nicht auf der Piazza Grande, so habe ich mich in das Buch nur auf der Hinfahrt durch Italien eingelesen und es hat mich sehr beeindruckt, obwohl der Inhalt eigentlich nicht so neu ist und es sicher schon viele Parodien zu diesem Thema gibt.

Die Sprache in der Thomas Meyer sein Debut geschrieben ist, ist aber sehr beeindruckend und macht das Lesen sehr spannend, obwohl ich gar nicht sicher bin, daß es das original Jiddisch ist, in dem es geschrieben wurde, weil das wäre  wahrscheinlich nicht so leicht zu lesen. Es gibt aber ohnehin ein Glossar im Anhang, in dem dann zwar nicht alles verzeichnet ist, es ist aber durchaus spannend den Lebensweg, des in der orthodoxen Züricher jüdischen Gemeinde aufgewachsenen Mordechai, genannt Motti, aufgewachsenen Wolkenbruchs, der eine ihm sehr vereinnahmende Mame hat, die ihn unbedingt mit den jüdischen Mädchen verkuppeln will, nachzuverfolgen.

Der Vater hat eine jüdische Versicherungsgesellschaft in dem er alle Juden der Gemeinde als Kunden hat, es gibt zwei ältere Brüder, einen Arzt und einen Biologen, die schon ihre Familie haben, der Vater ist eher indifferent und verzieht sich bei Familienstreitigkeiten eher hinter seine Zeitung, denn Motti hat ein Problem.

Er will die jungenjüdischen Damen mit denen ihn seine Mutter verkuppelt will, nicht, das heißt mit einer versucht er sich gegen die Initiativen der Mütter zu verbünden, diese Stelle hat Thomas Meyer im Literaturhaus gelesen, denn er hat sich längst in die nicht jüdische Studentin Laura verliebt und versucht nun seinen eigenen Weg zu gehen, den er in dem schon erwähnten Jiddisch oder der Mischung daraus erzählt.

Weil die Mutter zuviel redet, während sie mit ihm im Auto fährt, gibt es einen Unfall, wo seine Brille zerbricht. Er geht zum jüdischen Optiker, der ihm die ewig gleichen Modell vorlegt, die ihm aber nicht gefallen, so kauft er die neue Brille bei einem „goj“ oder „gojete“, was die „Mame“ aber auch die übrigen Familie in Aufregung versetzt.

Er betrinkt er sich bei einer Familienfeier, die Familie schickt ihm darauf zum Rabbi, der aber auch eher unorthodeoxe Heilungsmöglichkeiten hat denn er schickt ihn nach israel zu seinem eher liberalen Onkel, dessen Frau istTherapeutin, so wird Wolkenbruch dort „entjungfert“, der Onkel und die Tante kaufen ihm auch eine Jeans, damit er nicht immer seine schwarz- weiße „jüdische Uniform“ gtragen muß.

Damit gekleidet traut er sich auch Laura anzusprechen, die ihn darauf in eine Party in ihre WG eindlädt. Da weiß er zuerst gar nicht, was das ist, wird dann von einem Mitbewohner zu seinem ersten Joint eingeladen und kommt nach der Nacht mit Laura erst am nächsten Morgen nach Haus, wo ihn schon, die besorgten Eltern und die Polizei erwarten, die Mutter verstößt ihn. Der Vater verzieht sich hinter seine Zeitung und fragt ihn nur, ob er genug zu Essen hat, als er  die Firma, wo er zwei Tage in der Woche arbeitet, verlassen muß.

Er hat und auch schon ein Zimmer, das er aber bald wieder verliert und ob es mit seiner Laura klappen wird, ist zu Ende des Buches auch nicht ganz klar, aber vielleicht wird der zweite Teil „Wolkenbruchs waghalsiges Stelldichein mit der Spionin“ diese Frage beantworten.

Vielleicht noch ein Detail, die „Volkshaus-Buchhandlung“ in der ich mir im Vorjahr Antonio Fians Buchpreisbuch von 2014 aus einer Abverkaufskiste zog, kommt auch in dem Buch vor. Da trifft sich in dem dazugehörigen Likal der Motti nämlich mit seiner Laura, beziehungsweise kauft er sich dort ein Buch.

2019-08-01

Graue Bienen

Filed under: Bücher — jancak @ 00:09
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Bienen scheinen derzeit ja Angesichts der Klimakatastrophen und der „Fridays for Future-Bewegung“ sehr in Mode zu sein und so hat sich außer Norbert Scheuer auch Andrej Kurkow damit beschäftigt. Auf das Buch hat mich der Blog „Mikka liest“, der mir seit kurzem folgt, aufmerksam gemacht und da ich ja sehr neugierig bin, habe ich das Buch gleich angefragt und ich muß sagen, die „Grauen Bienen“ haben mich mehr begeistert, als, die des Winters, was wohl daran liegen mag, daß der 1961 in St. Petersburg geborene und in Kiew lebende Autor, der Klavier spielt und elf Sprachen spricht, ein sehr schelmischer und skurriler ist, das aber mit so feiner Klinge betreibt, daß es auch mir gefällt.

Kennengelernt habe ich ihm durch sein „Picknick auf dem Eis“, das „Diogenes-TB“ habe ich mir um den Gutschein besorgt, den ich vor Jahren für eine „Thalia-Kundenrezension“ bekommen habe und dann habe ich den Autor mehrmals bei Lesungen getroffen, an eine in der Kunsthalle kann ich mich  erinnern, daß ich mich mit ihm unterhalten habe.

Auf der „Buch-Wien“, hat er mehrmals gelesen, den „Wahrhaftigen Volkskontrolleur“, habe ich mir von ihm dort signieren lassen, den „Unbeugsamen Pagagei“, glaube ich, bei einem der Literaturhaus-Flohmärkte gekauft, aber noch nicht gelesen und in meinem Bibliothekskatalog habe ich gesehen, daß ich auch das „Ukrainische Tagebuch“ in meinen Regalen habe, aber daran kann ich mich nicht erinnern, wohl aber, wo ich Andrej Kurkow das letzte Mal gehört und gesehen habe, das war anläßlich der letzten „Buch Wien“ in der „Gesellschaft für Literatur“, da hat er aus der „Katografie der Freiheit“, gelesen und das Buch hat, glaube ich, wenn ich mich nicht irre, Cornelius Hell auch bei der „Winter-Lesart“ empfohlen.

Das Buch habe ich ebenfalls nicht gelesen, so daß ich es nicht beurteilen, sondern nur von den „Grauen Bienen“ schwärmen und es allen an dem Krieg in der Ukraine interessierten, mit dem ich mich ja auch sowohl in meinem Lesen als auch im Schreiben beschöftigt habe, empfehlen kann.

Es geht um ein kleines Dorf  in der Nähe von Donezk, eingeklemmt zwischen der russischen und der ukrainischen Kampfzone, dort gibt es nur drei Straßen und es leben auch nur noch zwei Menschen in ihm.

Sergej, der Protagonist und sein Freundfeind Paschka. Die Kirche ist zerbomt von dort holt Sergej sich die Kerzen, denn es gibt keinen Strom im Dorf, auch keinen Laden und eigentlich nichts, außer den beidenMännern und den Bienen, denn Sergej ist Bienenzüchter und hat sechs Stöcke.

Er wird von dem Soldaten Petro besucht, der sein Handy auflädt und ihm eine Granate schenkt. Er findet im Schnee, das Buch beginnt im Winter, einen toten Soldaten, bedeckt ihn und findet seinen Rucksack, in dem sich Süßigkeiten befinden.

Weil er schon lange keine Eier mehr gegessen hat, geht er ins nächste Dorf, um sie gegen Honig einzutauschen. Dort fragen ihn Kinder nach dem Weihnachtsmann, der ihnen Süßigkeiten versprochen hat. So trägt er den Rucksack zu ihnen. Dafür bekommt er Schmalz geschenkt und weil ihm im  Dorf langweilig ist, tauscht er auch die Straßennamen, die Lenin- und die Schwetschenkostraße, beziehungsweise, deren Schilder aus.

Der Sommer kommt und da müßen die Bienen aus den Stöcken und weil sie das aber nicht in einer so unruhigen Gegend, wo Nachts die Granaten fliegen, tun können, verlädt er die Stöcke auf sein altes Auto und fährt mit ihnen in frielichere Gegenden.

Dort campiert er  in einem kleinen Städtchen, freudet sich mit der Verkäuferin des Ladens an, die ihn mit Essen und Lebensmittel versorgt und ihn auch bei sich duschen läßt.

Die Fenster seines Autos werden aber eines Nachts von einem traumatisierten betrunkenen Ex- Soldaten eingeschlagen, da, daß er mit den Bienen an die Krim flüchtet.

Da ist aber die russische Zone. So hat er Einreiseschwierigkeiten, bekommt aber von den Journalisten, die seine Geschichte hören sollen, das Geld für die Autorreperatur geschenkt, die nie geschieht, denn in der Krim, will er einen tatarischen Bienenzüchter besuchen, den er einmal auf einer solchen Tagung kennengelernt hat.

Der wurde aber schon vor zwei Jahren von den Russen abgeholt und als ihn dessen Frau zur Polizei schickt, um nach ihm zu fragen, erfährt er, daß er tot ist. Und als Sergej, als in dem Städtchen der Strom ausfällt, der Witwe, die ihn freundlich aufnimmt und seine Biene neben den ihren aufstellen läßt, seine Kerzen schenkt, wird ihr Sohn wegen Kirchenraubs verhaftet und erpresst, in die Armee einzutreten.

So bittet ihn die Witwe, die Tochter über die ukarinische Grenze zu bringen. Sie soll dort studieren, wo Sergejs Ex-Frau mit seiner Tochter Angelina lebt und Sergej kehrt wieder zurück in sein Dörfchen, weil dort die kostenlose Kohlenlieferung kommt, die aber nur an Anwesende ausgegeben wird.

Ein skurilles Buch, das sich leicht und angenehm liest und einem trotzdem viel über die Zustände in den ukrainischen Dörfern und den Spannungen, die dort herrschen, aufmerksam machen und mich die scheinbar naiven Gedanken des Sergej Sergejitsch mit denen er sich mit Gott und die Welt und den Zuständen, die in ihr herrschen, beschäftigt, sehr beeindruckt haben, so daß ich sehr froh über die Empfehlung und, daß ich es noch vor meinem Urlaub lesen konnte, bin.

2019-05-31

Das Schlangenmaul

Filed under: Bücher — jancak @ 00:45
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Jetzt kommt ein Krimi des 1944 geborenen und 1987 auf einer Autobahn verunglückten Jörg Fauser.

Jörg Fauser habe ich eigentlich für einen eher experimentellen sprachschöpferischen Autor, so ungefähr a la Marcel Beyer gehalten, hat ja Michael Köhlmeier, als er die Bachmannrede gehalten hat, sich auf ihn und den Veriß, den er als er in Klagenfurt gelesen hat, durch MRR erhalten hat, bezogen.

Gelesen hatte ich bisher noch nicht von ihm, aber zwei Bücher auf meiner Liste, die ich mir bei Abverkäufen gekauft habe, bei Thalia in St. Pölten und Würzburg wahrscheinlich und jetzt hat „Diogenes“, das  „Schlangenmaul“ wieder aufgelegt und ich bin daraufgekommen, das ist ja ein Krimiautor. Friedrich Ani hat das das Nachwort geschrieben und wahrscheinlich ist er nur ein halber oder ein satirischer, denn es gibt in dem Buch, das in Berlin in den Neunzehnachtzigerjahren spielt durchaus ungewöhnliche Elemente, Einfälle und Wendungen, obwohl die Handlung oberflächlich ganz banal ist und man sie wahrscheinlich hundertmal bei Agatha Christie oder sonst wo gelesen hat.

Das heißt, so ganz banal beginnt es doch nicht. Denn es taucht im ersten Kapitel ein Steuerfahnder bei Heinz Harder auf und mahnt ihn an seine Schuld und der ist ein abgehalfteter Journalist und dann wieder doch nicht, hat er doch eine Anzeige aufgegeben, in der er sich als „Bergungsspezialist für außergewöhnliche Fälle, was offenbar Fausers satirische Umschreibung für eine Detektivtätigkeit ist.

Als der Steuerfahnder verschwunden ist, meldet sich schon die erste Klientin, eine Nora Schäfer-Scheunemann und die sucht ihre verschwundene Tochter Miriam.

Das Besondere an dem Buch ist auch, daß  Fauser in die einzelnen Kapitel immer mit einem Handlungsvorsprung einsteigt. Das heißt, er ist in dem einen bei der Klientin, im nächsten steht er dann im Boxring und so weiter und so fort.

Eine weitere Besonderheit ist vielleicht auch, daß hier außer Whisky auch viel Milch und Kamillentee getrunken wird und das würde ich auch als das satirisches Element, das sich Lustigmachen über das Genre bezeichnen, denn eigentlich ist dieser Harder, der geschieden ist und eine Tochter hat, ein harter Bursch.

Es taucht aber auch seine Ex auf und mit ihr besucht er einen Klub, vorher hat er ein Bordell besucht und, als der Stuerfahnder bei ihm war, tauchte plötzlich eine nackte Frau aus dem Badezimmer auf, die ist eine thailändische Prostiuiterte und wird später ermordet.

Aber erst einmal sucht Harder ganz konventionell den Vater Miriams auf, das ist ein ehemaliger Baulöwe und Politiker, liegt aber jetzt in einer Entziehungsklinik gefangen.

Nora Schäfer-Scheunemann hat ihm auch ein paar Hinweise gegeben, beziehungsweise Namen genannt und Bilder gezeigt und einen Hinweis, daß sich Miriam in Berlin befinden könnte, gibt es auch.

Die Spur führt dann über das schon erwähnte Bordell zu einem Institut für physio-soziale Therapie. Da fragt man sich natürlich, was das ist?

Die Antwort ist wieder so ein Einfall wie der „Bergungsspezialist“, das Bordell heißt „Kamasutra“ und der Hinweis auf eine „Farm für freie Entfaltung“ gibt es auch.

Dort soll sich Miriam befinden und dort wird auch mit Schlangen hantiert und so schleust sich Harder mit seiner Ex zu einem Abend der offenen Tür dort ein. Eine Frau Doktor Frenkel-Ahisma hält einen Vortrag. Miriam, die sich jetzt Shiva nennt, tanzt in Trance mit einer Schlange und das Ganze führt, in Zeiten, wie diesen, höchst aktuell, wie  imKlappentext und am Buchrücken steht: „Hinein in das Berlin der windigen Geschäftmänner, illegalen Clubs und dubiosen Politik-und Finanzmachenschaften.“

Eine Morddrohung und ein abgebranntes Nachbarhaus, gibt es dabei auch,  Nuchali, die thailändische Prostituierte wird ermordet und einen Besuch beimPolizeirat Smetana und noch einige andere höchst dramatsche Wendungen, wie das Abhören durch ein spezielles Tonbandgerät, in Zeiten wie diesen auch höchst aktuell, gibt es auch, bis Harder Miram-Shiva wieder zu ihrer Mutter zurückbringt, aber die ist natürlich, wen wundert es, auch in die kriminellen Machenschaften verstrickt und Heinz Harder am Schluß des Buches. als spannende Wenung wieder Besuch von seinem Steuerfahnder bekommt.

Da liegt dann ein Scheck ausgestellt auf zwanzigtausend deutsche Mark am Küchentiscvh. Der Steuerfahnder will begierig danach greifen:

„Der ist leider faul“, sagte ich und zeriß den Scheck“, lautet der letzte Satz des Buches und man kann das Nachwort des Krimiautors Friedrich Ani lesen oder sich informieren, welche Bücher Jörg Fauser noch geschrieben hat.

2019-05-05

Im Leben mehr Glück

„Reden und Schriften“, des 1954 in Steyr geborenen Erich Hackl, der, glaube ich, mit „Abschied von Sidonie“, das inzwischen zur Schulbuchlektüre zählt, berühmt geworden ist und seither unzählige Bücher geschrieben hat, in denen er sich mit realen Schicksalen von Holocaust oder sonstwie Verfolgte beschäftigt.

Aus dem letzten diesbezügliche Buch am Seil“ habe ich ihm sowohl im Literaturhaus als auch in Göttweig lesen gehört, jetzt sind bei „Digoenes“ sozusagen seine „Gemischten Schriften“, eine Ansammlung aus mehreren Jahren und Jahrzehnten erschienen, in denen man sich gut durch das Werk und die Denkweise Hackls lesen kann, der ja ein sehr kritischer Schriftsteller ist, sich nicht nur für den Holocaust als auch für die lateinamerikanische Literatur interessiert und auch sonst glaube ich ein sehr gesellschaftskritischer Autor ist, der unter anderen auch den „Wildgans-Preis“ bekommen hat.

Die „Reden und Schriften“ sind in vier Abteilungen gegliedert. In der ersten die „Heimatkunde“, ein derzeit ja sehr aktuelles Thema, heißt, werden in einem „Alphabet der Auslassungen“ mehrerer bekannter oder auch unbekannterer Dichter, die, wie Franz Kain oder seine Tochter Eugenie zum Beispiel, das Leben Hackls geprägt haben, erwähnt.

Dann geht es in „Geschichte, die immer erst anfängt“ um drei stayrische Widerstandskämpfer und dem Fußballer Rudi Strittich hat Hackl auch eine Geschichte gewidmet.

Erich Hackl ist den Spuren des im achtzehnten Jahrundert lebenden spanischen Komponisten Sebastian Duron nachgegegangen und zieht Verbindungen zum spanischen Bürgerkrieg.

Die nächsten Texte sind dann den Spaniern gewidmet, die in Mauthausen interniert waren und auch im Holocaust umgekommen, während sich der letzte Text der ersten Abteilung „Im Leben mehr Glück“ einem uruguayischen Gewerkschafter widmet, der während der urugayischen Militärdiktatur mit seiner Familie Asyl in Österreich hatte und in der Praterstraße wohnte.

In der Abteilung „Andenken“ gibt es viele Grabreden, die Erich Hackl bevorzugt zu halten scheint. Bei einer, bei der von Friedl Hofbauer, 2014 nach Ostern am Zentralfriedhof war ich anwesend, bei der von Eugenie Kain in Linz-Urfahr nicht, da gab es nur eine Gedenkleseung im Völkerkundemuseum, im Rahmen der Volksstimmefestlesungen.

Erich Hackl hat aber auch die Grabreden für Leopold Spira und seinen Freund, dem Spanienkämpfer Hans Landauer gehalten und eine Rede zum neunzigsten Geburtstag der  Zeitzeugin Dagmar Ostermann im Theater Hamakom, wo ich ihn ja auch aus der „Familie Salzmann“ lesen hörte.

Die Laudatio an den Kramer-Preisträger Fritz Kalmar, die 2002 in Krems stattfand, wo Erich Hackl dessen Roman „Das Wunder von Büttelsburg“ in Beziehung setzte, habe ich auch gehört und da hat mir der Autor, wenn ich mich nicht irre, meine beiden Kinderbücher „Lore und Lena“ und „Mutter möchte zuwanzig Kinder“ abgekauft.

Ob er sie gelesen hat, weiß ich nicht, er ist aber viel beschäftigt, kommen doch noch viele Reden auf bekannte oder unbekannte Schriftsteller, der nächste ist der Schweizer Autor Niklaus Meienberg, der 1993 in Zürich gestorben ist, von dem ich auch noch nie etwas gehört habe, obwohl ich mich ja vor einem halben Jahr und auch so recht intensiv mit der Schweizer Literatur beschäftigte.

In „Im Blick eimmer ein Gegenüber“, geht es um den Fotografen Dieter Masuhr, der die Krisengebiete Nicaragua, Bosnien und Palästina bereichst und auch schriftstellerisch tätig war.

Dann kommen noch zwei mir unbekannte Autoren, nämlich die Rezenson von Günther Weisenborns „Der Verfolger“, wo einer sich mit einem Holocausttäter auseinandersetzen will, das aber an mangelnder Zeugenaussagenbereitschaft nicht kann und um das Leben des 1907 in Wien Alsergrund geborenen Arztes Paul Engel, der nach Südamerika emigrieren mußte, dort unter den Namen Diego Viga zu schreiben begonnen hat, was aber, wie Erich Hackl, der sich eine Verbreitung seiner Werke im österreichischen Sprachraum wünscht,  nicht sehr bemerkt wurde.

Dann kommen Texte zu Fred Wander, Ruth Klüger, für die Hackl wieder eine Laudatio gehalten hat und Jura Soyfer, wo Hackl beklagt, daß ihn der Literaturprofessor Schmidt-Dengler nur für einen literarischen Außenseiter gehalten hat.

Dasselbe gilt auch für den mir bisher unbekannten Richard Zach, einen steirischen Dichter und Widerstandskämpfer, der von den Nazis hingerichtet worden ist.

Die nächste Abteilung heißt „Auf einen anderen Kontinent“, geht nach Südamerika und da werden mir zum größten Teil unbekannter Dichter erwähnt. Hackl erwähnt aber auch Gisela Tenenbaum, über die er das Buch „Als ob ein Engel“ geschrieben hat, das ich einmal vom Otto geschenkt bekommen habe, die während der argentinischen Militärdiktatur verschwunden ist.

Er hat „Vor mehr als drei Jahrzehnten“, wie er 2011 schrieb, die Dichterwerkstätten Nicaraguas besucht, die vom damaligen Kulturminister Ernesto Cardinal gegründet wurde und der den sogenannten „Laiendichtern“ Regeln wie „keine Reime, konkrete Begriffe, Eigennamen von Ortschaften, Flüßen und Leuten, sehen reichen hören, schreiben wie man spricht, keine Gemeinplätze, Sprache verdichten, keinen Superlativ und subjektive Gefühle objektive beschreiben gab“.

Regeln die eigentlich sehr logisch sind und an die man sich vielleicht auch anderswo halten sollte.

Eine „Rede auf Alfredo Bauer“, der 1924 in geboren, 2016 in Buenos Aires gestorben ist und2002 den „Kramer Preis bekommen hat, gibt es auch und in einem argientinienschen Altersheim hat er 2017, die hunderthährige Hedwig Lüftig besucht, die 1938 Österreich verlassen mußte.

Der letzte Teil des Buches ist den Dankesreden gewidmet. Hackl hat den „Kreisky“,  den „Solothurner Literaturpres“, den „Ehrenpreis für Toleranz im Denken und Handel des österrreichischen Buchhandels“, den „Adalbert Stifter“ und wie schon erwähnt den „Wildgans-Preis“ und wahrscheinlich auch andere, dessen Reden im Buch nicht enthalten sind, bekommen.

Er zeichnet sich, wie ich schon beim „Wildgans-Preis“ merken konnte, durch durchaus kritische Reden dabei aus und das Buch ist, möchte ich zusammenfassen, durchaus spannend und interessant zu lesen, weil man sich dabei  ein gutes Bild über den kritischen Dichter, der sich vor allem für die Verfolgten und Unterdrückten einsetzt, machen kann und am Dienstag, kann ich gleich flüstern, wird es in der „Gesellschaft für Literatur“ eine weitere Hackl-Rede und zwar über die Neuauflage der „Dunklen Jahre“, den seit 1948 erstmals wiederaufgelegzen Exilroman, von Friederike Manner, die 1904 in Wien geboren wurde und sich dort 1956 das Leben nahm, geben.

 

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