Literaturgefluester

2018-01-13

Olga

Der 1944 bei Bielefeld geborene Bernhard Schlink, von dem ich als ich 1996 nach Klagenfurt gefahren bin, mir „Selbs Betrug“ gekauft oder gelesen habe, der dann mit dem „Vorleser“ berühmt wurde, den ich im Zug las als wir von unserer Donauradfahrt von ulm nach Regenburg nach Wien zurückgefahren sind, hat ein neues Buch geschrieben, das ich jetzt sozusagen auch „vorab“ gelesen habe.

Am Cover ist eine eine Frauengesttalt auf einer Kippe am Meer zu sehen und am Buchrücken steht etwas vom späten neunzehnten Jahrhundert und Deutschland und Afrika beziehungsweise den Irrwegen die diese Geschichte aufzeigt, was mich, da ich schon die erste Seite gelesen habe, wo ein kleines Mädchen zu ihrer Nachbarin geht, anfangs verwirrte.

Dann dachte ich lange,ich hätte ein sehr altmodisches Buch gelesen und wieder etwas, was nicht wirklich neu, sondern ohnehin schon huntermal geschrieben wurde, geht es doch in dem ersten Teil des dreihundert Seiten Buches, um eine Liebesgeschichte zwischen , einem armen Mädchen das Lehrerin wurde und einem Gutbesitzersohn, aber nein, es geht und das steht auch Buchrücken, wenn ich den nur ordentlich gelesen hätte, um eine willensstarke Frau, die sich durch die Wirren des Lebens kämpft, nicht aufgibt, aber eigentlich von Anfang an schon verloren hat.

Diese Frau isrt Olga, beziehungsweise das kleine Mädchen, das am Anfang des buches bei der Tür der Nachbarin steht, die sich mit ihr anfreundet und sich um sich kümmert. Das passiert in einer kleinen polnischen Stadt und Olgas Eltern kommen bald ums Leben, so daß sie von der Großmutter, die in Ostpreußen lebt und mit der Heirat ihres Sohnes mit einem polnischen Fräulein nicht einverstanden war, zurückholt. Die will ihr nun auch einen deutschen Namen geben, will sie Helga nennen, aber da wehrt Olga sich und setzt sich durch. Das Verhältnis zur Großmutter ist nicht sehr gut, sie freundet sich mit den Gutskindern Herbert und Viktoria an und setzt es, die ihr die höhere Mädchenschule verwehrt wurde, unter Mühen und Selbststudium durch, daß sie auf das staaliche Lehrerinnenseminar nach Posen gehen kann.

Herbert ist ein, wie Schlick ihn beschreibt ein „Läufer“ oder „Renner“ und die „Weite des Horizonts“, eine sehr poetisch beschriebe Methapher spielt in dem Buch auch eine Rolle und natürlich auch die Grenzen, die das Leben vor allem den Frauen setzt.

Der Läufer mit dem Olga bald ein außereheliches Verhältnis hat, sie ist ja nicht standesgemäß, flieht vor der elterlichen Strenge nach Afrika, wird dort Soldat in den Kolonien und in einen Krieg verwickelt und als er zürckkommt, in den  Neunzehundertzehnerjahren träumt er von einer Expedition in die Antarktis und will dort offenbar eine neue Kolonie errichten.

Olga besteht indessen ihr Lehrerinnenexamen und geht in ein kleines Dörfchen unterrichten. Wohnt in einem kleinen Haus, wird dort von Herbert besucht, der in Tilsit, offenbar der nächsten Stadt, einen Vortrag über seine  geplante Expedition hält, sieht ihr beim Marmeladekochen oder Schulheftverbessern zu und bricht dann, so um 1913 auf, verspricht ihr vorm Winter zurückzusein und kommt doch nicht.

„Mein Lieber, letztes Jahr wolltest du vor Weihnachten zurück sein, dieses Jahr wollten es die Soldaten. Auf  euch Männer ist kein Verlaß“, wird ihm Olga postlagernd in eine norwegische Stadt schreiben.

Aber das erst später  oder doch, sie schreibt ihm Briefe, unterrichtet weiter, spielt Orgel in der Kirche, versucht manche begabte Kinder auf die höhere Schule zu schicken und scheitert an den Eltern, die dafür kein Verständnis haben und besucht eine Familie mit einem kleinen Kind namens Eik, mit denen sie sich angefreundet hat.

Der erste Weltkrieg kommt und die Soldaten sterben, die jahre ziehen ins Land und Herbert kommt immer noch nicht zurück, dann naht bald schon der zweite und Eik, der Ziehsohn mit dem sie sich angfreundet hat, gesteht ihr, daß er zur SS will, was sie erbost und mit ihm bricht. In den Dreißigerjahren ertaubt sie, wäre dann aber bald auch, weil ja keine Nationalsozialistin ohnehin aus dem Schuldienst entlassen worden, besucht eine Gehörlosenschule, um das Lippenablesen zu lernen, muß nach ende des Krieges flüchten, kommt in eine kleine deutsche Stadt und bringt sich als Näherin durch das leben, bis sie eine kleine Pension bekommt.

„Dann nähte sie nur noch in unserer Familie, in der sie sich besonders willkommen fühlte, was sie hier verdiente, reichte ihr als Zubrot“, lautet der letzte Satz des ersten Teils und dann im zweiten, wechselt der Erzählstil.

Es kommt zu einem Ich-Erzähler, namens Ferdinand, den man leicht für autobiographisch halten könnte, ein Junge aus einem Pfaffershaushalt mit etlichen Kindern und offenbar wenig Geld. Die Mutter, die den Vater unterstützen und den Haushalt führen muß, hat wenig Zeit für den Jüngsten, der auch noch kränklich ist. Da springt Olga ein, setzt sich an sein Bett, zieht in auf, fördert ihn, ist mit vielem auch nicht einverstanden, wird immer älter und, als er schon an der Universität ist und Philosophie studiert, wird er eines Tages von der Mutter angerufen. Oga wurde bei einem Anschlag auf das Bismark-Denkmal schwer verletzt und liegt im Spital. Er reist zu ihr, hält ihr ihre Hand, die kalt ist, als er eingeschlafen, wieder aufwacht.

Beim Begräbnis erscheint noch ein Kriminalinspektor, der wissen will, was die Neunzigjährige nachts beim Bismarck-Denkmal zu suchen hatte? Er weiß es auch nicht, studiert fertig, erbt von ihr ein Sparbuch, heiratet, geht als Beamter ins Unterrichtsministeriumn, dann ins Pension, wird verwitwet und fängt dann an, öfter an Olga zu denken. Schließlich erfährt er von Briefen, die es in einer norwegischen Stadt bei einem Antiquitätenhändler zu kaufen gibt. Er bekommt auch eine Nachricht von Eiks Tochter, die ihm von ihrem Vater, einem Kriminalbeamten, der auch schon gestorben ist, erzähl. Kauft von Olgas Sparbuch, die Briefe, die sehr teuer sind, denn Olgas postlagernd geschriebene Briefe an Herbert, die von 1913 bis 1972, ihrem Todesjahr gehen, sind ja nie angekommen, weil er  offenbar verschollen, erfroren, etcetera und nie gefunden wurde.

Im dritten Teil gibt es nun die Briefe zu lesen und man erfährt darin einiges, was vorher unklar war. So, daß Eik ihr Kind von Herbert war, von dem sie ihm erst in den Briefen etwas sagte. Man erfährt auch von ihrer Aufmüpfigkeit und ihren Widerstand. Sie beklagt, daß eine Lehrerin, wenn sie heiraten will, den schuldienst verlassen muß. Daß die Lehrerinnen immer viel weniger, als die Lehrer verdienen, nicht aufsteigen dürfen, etcetera. Man erfährt von ihren Bruch mit Eik, als er zu den Natinalsozialisten ging und sie schreibt ihm immer Briefe, obwohl sie 1915 damit aufhören will  und ihn für sich für tot erklärt. Mal ist sie ihm böse, mal verständnisvoll. In den Dreißigerjahren nimmt sie den Briefwechsel wieder auf. Schreibt ihm von ihrer Ertaubung, ihrer Flucht und dem kleinen etwas langweiligen Ferdinand, um den sie sich nun angenommen hat und 1972 schreibt sie ihm  den letzten Brief. Schreibt, daß sie, als der Wassertum, der ihrem Haus gegenüberstand, gesprengt werden sollte, sich von den Sprengmeistern alles erklären ließ, dann ein paar Stangen Dynamit gestohlen hat, mit dem sie als Akt ihres Widerstand gegen die Mmacht der Obrigkeit, das Bismarck-Denkmal in die Luft sprengen will.

„Ich weiß noch nicht, wann ich es tun werde. Aber  seit ich weiß, daß ich es tun werde, geht es mir gut. Und ich bin Dir nahe. Deine Olga“, so endet der letzte Brief.

Daß sie es getan hat, dabei ums Leben kam, während das Denkmal standgehalten und höchsten einene kleine Delle abgekommen hat, wie der langweilige oder kritische Ferdinand noch bemerkte, wissen wir auch und wir haben das Werk eines bald vierundsiebzigjährigen Autors gelesen, in dem wohl alle Lebensweisheit und die Aufarbeitung des vorigen Jahrhunderts liegt.

Nichts wirklich Neues und die drei Teile sind wohl auch eine Wiederholung, beziehungsweise haben wir das, was in den Briefen steht, schon zum größten Teil im ersten Teil erfahren. Trotzdem ist der Stilwechsel überraschend. Das Buch vielleicht gerade in seiner „altmodischen Langsamkeit“ interessant und einiges Neues und das, was man vielleicht für sich überdenken kann, gibt es darin sicher auch.

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2017-11-30

Das Genie

Jetzt kommt Buch drei der Blogger-Debut Shorlist, die jetzt ja bekanntgegeben ist und für mich eine große Überraschung war, da drei der dort nominierten Bücher bisher an mir vorbeigegangen sind.

Obwohl von Klaus Cäsar  Zehrers „Genie“ hätte ich eigentlich etwas wissen können, ist das buch doch auch auf der Shortlist des „Bayrischen Debutpreises“ gestanden, den Franzobel schließlich gewonnen hat. War aber nicht so und bei Anna Jeller habe ich es auch erst vor ein paar Tagen in der Auslage entdeckt.

Das Buch, das wieder eher eine fiktionale Biografie als ein Roman ist, befaßt sich mit einem eigentlich psychologisch interessanten Thema, nämlich mit den Schicksal eines Wunderkindes, von dem ich auch noch nie etwas hörte, was vielleicht wieder ein Beiweis ist, wieviele Wunderkinder hundert Jahre später vergessen sind und vielleich,t als Sonderlinge durch das Leben gingen, denn auch von William James Sidis, 1998 in New York geboren, 1944 in Boston verstorben, habe ich noch sie etwas gehört, obwohl er einen Psychologen als Vater hatte und das Buch auch die „Genies“ heißen  hätte können, denn, wenn sie das so zugetragen hat, wie Zehrer es schildert,  war der Vater, Boris Sdis auch ohne die „Sidis-Methode“, die er  für die Erziehung seines Sohnes erfunden hat,  ein solches und wahrscheinlich genauso hochbegabt.

Das über sechshundert Seiten Buch widmet auch einen großen Teil, ein Drittel würde ich mal schtzen, der Vorgeschichte, erzählt also, wie Boris Sidis aus der Ukraine nach Amerika kam.

Er war der Sohn wohlhabender Juden, es wurde ihm auch eine ausgezeichnete Erziehung zuteil. Er kam aber, weil er das Volk  unterrichten wollte, mit der Obrigkeit in Konflikt, kam ins Gefängnis, wurde dort mißhandelt und flüchtete  nach Amerika.

Dort verschenkt er als erstes das Geld das ihm die Eltern mitgegeben haben, trennt sich von seinen Gefährten, dann mietet er sich in einerm Obdachlosenasyl ein, nimmt Arbeit in einer Fabrik an, nur um drei Tage später dem Besitzer zu sagen, wie er alles besser machen kann.

Der macht das auch und entläßt Boris, der verbringt die nächsten Tage in einer Bibliothek und staunt über das viele Wissen das es dort gibt, er kann aber ohnehin schon ein paar Dutzend Sprachen, Englisch muß er noch lernen, verdingt sich weiter in Fabriken, unterrichtet in seiner Freizeit Arme.

So lernt er Sarah Mandelbaum kennen, auch eine Auswanderin aus der Ukraine und bekommt mit ihr 1998 den Sohn William James, der nach dem berühmten Psychologen William James genannt wurde, bei dem Boris inzwischen studiert hat. Sarah hat als eine der ersten Frauen Medizin studiert, ist aber viel lebenspraktischer als ihr Mann, der die Hypnose entdeckt und Freud für einen Scharlatan hält, gegen den er kämpfen muß.

Da unterliegt er, wie die Geschichte beweist, denn Boris Sidis ist inzwischen wahrscheinlich vergessen.

Als das Kind auf die Welt kommt, beschließt er mit Sarah gemeinsam es mit der Sidis-Methode zu einem Wunderkind zu machen.

Bei „Wikipedia“ kann man klar und knapp nachlesen, daß der einen IQ über 250 hatte, mit achtzehn Monaten lesen konnte, mit acht schon vier Bücher geschrieben hat,  mit elf an der Harvard University zu studieren begann, dort einen Vortrag über die „Vierte Dimension“ hielt, vierzig Sprachen konnte und sich für Eisenbahn und Straßenbahnsysteme interessierte. Er zog sich  später zunehmend aus der Öffentlichkeit zurück und starb 1944 an einer Gerhinrblutung, steht da lapidar.

Klaus Cäsar Zehrer macht ein über sechshundert Seiten dickes Buch daraus, das interessant und leicht zu lesen ist, wie schon einige der Mitblogger bemerkten und viel aus der Psychologiegeschichte und dem Leben der Wunderkinder erzählt und so faßbar macht, daß die meist sozial hinter ihrer intellektuellen Entwicklung nachhinken und wenig Freunde haben, weil sie mit den Menschen, die sie nicht verstehen, nicht viel anfangen können.

Der Vater ist ja auch ein bißchen so. Die praktische Mutter muß ihn zu einem Sanatorium zwingen, dort putzt und schrubbt sie selbst, während der Vater gegen Freud hetzt, seine Patienten verliert und schließlich an einem Schlaganfall stirbt.

Es gibt noch eine jüngere Schwester, für die aber wahrscheinlich zu deren Glück, keine Zeit war, die Wundermethode an ihr anzuwenden. Wahrscheinlich hielt man die für Mädchen auch nicht  so wichtig. So studierte sie zwar auch Soziologie, konnte später ihren Bruder, als der aus sämtlichen Systemen hinausgefallen war, aber immer unterstützen.

Der Vater war in den Systemen auch nicht drinnen und wahrscheinlich war William James Sidis ein Asperger-Typ den man damals noch nicht kannte, wie der Vater an der sozialen Verbersserung der Menschheit aber interessiert. So war er auch an einer Demonstration beteiligt, wo er Martha Foley, die Liebe seines Leben kennenlernte, die aber von dem Sonderling nicht viel hielt und er hielt nicht viel von der Sexualität, nannte sie verächtlich oder angewidert „koitieren“ und verärgerte damit seine Studenten, als er nach seiner Promotion, er war ein Universalgenie, als Assistent beginnen wollte.

Er arbeitete in Zeiten des ersten Weltkrieges an einem Institut, das vom Kriegsministerium bezahlt wurde und kündigte dort entsetzt, als er entdeckte, zu was er mibraucht werden hätte können oder wurde. Er nahm  aus diesem Grund nur mehr einfache Arbeiten an, verwarf sich mit seiner Mutter, die ihm Undankbarkeit vorwarf, floh auch vor der Presse, beziehungsweise hatte er einen Prozeß mit dem „New Yorker“, die seinen Sonderlingstatus genüßlich auf einigen Seiten zelibrierte.

Er liebte schon als Kind das Straßenbahnfahren, war später auch Schaffner, sammelte die Fahrkarten und gab unter einen anderen Namen, auch Bücher über Straßenbahnsystem hinaus.

So taumelte er durch das Leben, er verlor sämtliche Prozesse, denn über eine öffentliche Person kann man ja die Wahrheit sagen, daß sie ungepflegt ist und soziale Probleme hat, ohne daß es die Persönlichkeitsrechte verletzt. Es kommt dann  doch zu einer Einigung mit der Zeitung. So hat er sechhundert Dollar in der Unterhose, als ihm die Wirtin bewußtlos am Gang findet. Er kommt ins Spital und da kommt es nach Zehrer zu einer Verwechslung, die ihm den Gang ins Jenseits erleichtet, aber wahrscheinlich etwas kitschig ist.

Die Schwester und die Mutter kommen angereist, die Mutter wartet am Gang, die Schwester sagt ihm „your mother is here!“

Er versteht Martha, ist entzückt und stirbt mit dieser Information selig vor sich hin.

Ob es so oder anders war, wissen wir wahrscheinlich nicht. Ich werde dem Buch bis jetzt, die zwei anderen habe ich noch nicht gelesen, den dritten Platz geben und mich für Platz eins für Julia Webers Poetik entscheiden, die ja auch in die Sozialkritik geht und dann an Juliana Kalnays Surrealismus und kann nur wieder betonen, wie unterschiedlich diese Shortlist von ihren Stellen her ist.

Aber das ist wahrscheinlich das Tolle daran, obwohl man diese journalistisch aufbreitete Biografie des 1969 geborenen Zehrers, nicht wirklich mit der sprachlichen Poetik der beiden Sprachschulabsolventinnen vergleichen kann.

Äpfel und Birnen, wie ich  immer schreibe und Bücher sind auch nicht vermessbar. Es gibt aber sehr viele und sie sind sehr unterschiedlich geschrieben und so haben Bozena Anna Badura, Janine Hasse und Sarah Jäger aus den vierundsechzig eingereichten Büchern sehr unterschiedliche Bücher ausgewähl und bin auf die zwei anderen, die mich noch erwarten, schon sehr gespannt.

2016-07-10

Pink Hotel

Filed under: Bücher — jancak @ 00:33
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Jetzt kommt auch so etwas, wie ein Sommerbuch oder eines, das schon länger auf meiner Leseliste steht, ein Ein-Euro Fund aus der verstaubten Kiste der Buchhandlung in der Lerchenfelderstraße, das es eigentlich nicht kosten hätte dürfen, denn es ist ein Leseexemplar, der Roman der 1983 in London geborenen Anna Stothard, ein „Diogenes-Buch“, 2011 auf Englisch, 2012 auf Deutsch erschienen und eines, das vorher durch die Blogs zog, so das ich darauf neugierig war und gleich danach griff und es war, glaube ich, ein guter Griff, denn der Ton der jungen Frau ist sehr frisch und ihre Themen sehr interessant und originell.

Da steht eine, knapp achtzehnjährige Ich-Erzählerin in einem ausgeflippten „Pink Hotel“ in Kalifornien, steht da in Jogginghosen und Baseballkappe und schaut sich die Bilder einer Lily an, die, stellt sich bald heraus, ist ihre Mutter und mit zweiunddreißig Jahren bei einem Motorradunfall gestorben. Sie hat Mann und Kind verlassen, als sie siebzehn und die Kleine drei war, trotzdem hat und das erscheint mir ein bißchen unwahrscheinlich, eine Krankenhausangestellte zweimal nach London angegrufen, denn die Erzählerin hat  ihre Mutter seither nicht mehr gesehen.

Die klaut der Stief nun die Kreditkarte und bucht sich einen Flug nach Amerika. Zum Begräbnis kommt sie zu spät, wohl aber noch zu der Totenwache oder einer sehr bekifften Abschiedsparty in dem Hotel, das die Mutter mit einem Rothaarigen führte. Sie stiehlt sich in ihr Zimmer, legt sich in die Badewanne, da kommt aber ein „Riese“ und will ein Foto von Lily klauen, vom betrunkenen Rothaarigen wird er hinausgeschmissen, der dann im Bett entschläft.

So stopft die Tochter Kleider, Zigaretten und auch Geld der Mutter in einen roten Koffer, in dem auch Briefe sind und macht sich damit auf den Weg.

Vom Riesen, dem Fotografen David, wird sie zwar ein paar Stunden später auf einer Bank am Strand gesehen, sie erzählt etwas von einem Freund, der das Mietauto mit ihren Kleidern und Papieren klaute und begibt sich mit dem Koffer in ein Hotel, um den Inhalt erstmals durchzusehen.

Dort findet sie den Trauschein mit Richard Harris und noch ein anderes Hochzeitsfoto mit einem August, der, wie sie herausfindet, irgendwo Barkeeper ist, die nächsten zwei Tage verbringt sie abwechselnd vor dem Büro des Fotografen Davids und stopft sich mit Donuts voll und auf der Suche nach einer Bar, bis sie August findet.

Sie bleibt den ganzen Abend bei einem Martini sitzen und liest in Lilys Buch, dann spricht er sie an und will sie verführen, da kann sie ihm sagen, daß sie Lilys Tochter ist, erfährt, daß sie ihn mit Achtzehn geheiratet hat, bis sie ihm wegen Richard verlassen hat und danach eine Ausbildung als Krankenschwester machte. Sie verbringt die Nacht bei Richard und verläßt ihm am Morgen, das Hochzeitsfoto läßt sie da, sein T-Shirt, das er ihr borgte nimt sie mit.

Sie  trifft wieder  David,  verabredet sich mit ihm vor dem  Hotel,  in dem sie sich eingemietet und den Koffer in einem Schließfach deponiert hat. Er kommt zu spät, so wird ihr der Rucksack von einem Mann mit Nasenring gestohlen, der später auch in das Hotel kommt, um den Koffer zu holen. David, der nicht weiß, daß sie Lilys Tochter ist, läßt sie in seinem Appartement schlafen und vermittelt ihr einen Job in einen Filmset, er kauft ihr auch Kleider, weil er nicht will, daß sie Lilys Sachen trägt.

Eines Abends ist er sehr seltsam, hat die Wohnung verwüstet und spricht nicht mit ihr, sie verabreden sich zwar für den nächsten Tag, wenn ihre Filmschicht vorüber ist, sie erleidet aber inzwischen eine Lebensmittelvergiftung und muß in ein Krankenhaus. Als sie von dort abhaut, ist Davids Wohnung leer, nur ihre Sachen findet sie in ein paar Tüten.

Sie ruft nun ihren Vater an und sagt, daß sie zurückkommen wird. Ihr Rückflugticket ist inzwischen verfallen und sie viel länger als geplant in LA geblieben, vorher will sie aber noch an den Ort in der Wüste, wo Lily verunglückt ist. Sie steigt vor einem verfallenen Motorradshop aus dem Bus aus und findet dahinter einen Bungolow, in dem sich Richard, der Mann mit dem Nasenring und auch der rote Koffer befinden.

Es kommt nun zu einer Aussprache, sie hat das Pink Hotel geerbt, weil Richard und Lily inzwischen geschieden waren und Richard hat sich den Koffer aus dem Hotel geholt, weil er ihre Sachen wiederhaben wollten, obwohl die Tochter sie logischerweise wahrscheinlich auch geerbt haben dürfte. Er erzählt ihr auch von einem goldenfarbenen Buick, der die zu schnellfahrende Lily niedergefahren hat. David besitzt ein solches Auto und hat sich inzwischen auch der Polizei gestellt.

Dann geht es ein paar Jahre weiter, die Ich-Erzählerin erzählt, wie sie mit David nach dem er aus der Haft entlassen wurde, das Hotel wiederaufbaute und von ihrer Liebe zwischen ihm und ihr.

Ein sehr interessantes Buch, in dem es auch immer wieder Rückblenden auf das Leben der Ich-Erzählerin gibt, sie ist zum Zeitpunkt des Geschehens aus der Schule geflogen, später holt sie ihren Abschluß nach, ihre Beziehung zu den Großeltern wird auch geschildert und die zu einem kleptomanischen Freund und ihren Panikattacken.

Sehr spannend, manchmal ein wenig unlogisch, zum Beispiel, die vielen Anrufe, die während sie in L.A. ist, von Richard, dem Anwalt, etcetera zu ihrem Vater nach London kommen.

Aber ein spannender Roman einer jungen Frau über die Schwierigkeiten des Lebens, dem Aufwachsen und den Überforderungen, die einer überall begegnenen, der vielleicht ein wenig weniger dramatisch, beziehungsweise mit mehr Actionhandlung, als die Romane von Ronja von Rönne, obwohl die ja auch Panikattacken schildert, Helene Hegemann oder Olga Grjasnowa, ist, der mir eigentlich sehr gut gefallen hat.

Von der Autorin gibt es, glaube ich, inzwischen weitere Bücher. Mal siehen, ob es sie auf Deutsch gibt und, ob sie zu mir kommen werden.

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