Literaturgefluester

2021-03-05

Hard Land

Ich bin nicht ganz sicher, ob ich jetzt das beste Buch in diesem Jahr gelesen habe, das ich gern auf der nächsten deutschen Buchpreisliste oder auf dem des Leipziger Buchpreises stehen sehen würde oder, ob es vielleicht zu kitschig und zu aufgesetzt ist?

Brillant geschrieben und äußerst spannend ist das neue Buch des 1984 in München geborene Benedikt Wells von dem ich noch nichts gelesen habe, obwohl ich mir, glaube ich, einige seiner Bücher von den Thalia-Bücherabverkaufstürmen kaufen ließ. Auf jedenfall, ein Coming of Age, Roman, der das Retrogefühl der Neunzigachtigerjahre in einem Kaff in Amerika wiederauferstehen oder neu erfinden ließ.

Mit einem klassischen ersten Satz „In diesem Sommer verliebte ich mich und meine Mutter starb“ und dann lese ich auf seite 285 und das ist Grund, warum ich ein wenig mißtrauisch bin „Im Sommer 1963 verliebte ich mich und mein Vater ertrank“, das ist der erste Satz aus dem Roman „Salzwasser“ von Charles Simmons. Ich habe nachgegooglet, Autor und Buch gibt es, wie auch einen William Morris,der wurde 1896 in England geboren, war Maler, Architekt, Dichter und Drucker und wahrscheinlich nie in seinem Leben in dem amerikanischen Kleinstädtchen Grady und hat wahrscheinlich nicht das titelgebende Gedicht geschrieben, wie ich auch nicht weiß ob es das Städtchen gibt oder ob es von Benedict Wells erfunden wurde.

In dem heruntergekommenen Kleinstädtchen in dem der sechzehnjährige Sam aufwuchs, war er aber der bedeutenste Dichter und in der Highschool mußte man, so wie ich mich in der Straßergasse, ein Jahr mit dem „Faust“ beschäftigen mußte, mit ihm und seinem berühmten Gedicht beschäftigen und mußte herausfinden, warum es in diesem Coming of age-Gedicht geht?

Es gibt in Grady auch vierzehn Geheimnisse, die stehen jedenfalls auf einem Straßenschild, daß man sie ergründen soll. Aber jeder hat wahrscheinlich seine eigene und der heranwachsende Sam, der in diesem Sommer sechzehn wird, hat sie auch.

Das heißt, er hat eine an Krebs erkrankte Mutter, einen schweigsamen Vater mit dem er sich schlecht versteht, eine ältere Schwester, die das Kaff schon verlassen hat und er hat Panikattacken, war deshalb beim Pschologen, fühlt sich als Außenseiter und soll den Sommer eigentlich bei Verwandten verbringen, was er nicht will.

Die Mutter, die den Buchladen in diesem Kaff führt, vermittelt ihn daher einen Job in dem, glaube ich, einzigen Kino und das verändert sein Leben total. Denn da lernt er Kirstie kennen. Sie ist die Tochter des Besitzers, soll nächstes Jahr nach New York zum Studium gehen. Jetzt schupft sie mit zwei Freunden, Cameron und Hghtower, die auch dan das Kaff verlassen werden, den Laden und die drei grenzen Sam erst mal aus. Dann kommen sie ihm aber näher und als der sechzehnte Geburtstag naht läßt Kirstie Sam versprechen, daß er alles tut, was sie von ihm will und gibt ihn dann drei Prüfungen auf.

Er muß in einem Laden etwas stehlen, dann über die Selbstmordklippe in einen See springen. Sie springt gleich mit ihm und am Schluß muß er etwas auf der Gitarre spielen. Dadurch überwindet er seine Angst und verlebt eine aufregende Nacht. Aber eigentlich hätte er seine Eltern, um zehn in einem Restaurant treffen sollen. Er kommt erst am nächsten Morgen heim. Vor der Haustür steht der Krankenwagen und die Mutter liegt tot am Boden, uje uje.

Beim Begräbnis soll der verhaßte Referend, die Grabrede halten. Der Vater will es so, obwohl es sich die Mutter nicht gewünscht hätte. Die Schwester macht mit Sam aber aus, wie man das umgehen kann. Dazu kommt es beinahe nicht, denn Sam verprügelt sich vorher mit einem seiner Feinde und kommt daher verletzt und verschmutz in die Aufbahrungshalle. Das ist wahrscheinlich wieder etwas zu aufgesetzt. Er spielt dann mit seiner Schwester einen Rocksong, er hätte ein frommeres Lied singen und mit seinem Vater versöhnt er sich auch.

Trotzdem hat er ein hartes nächstes Jahr vor sich, in dem ihm auch der „Inspektor“ oder Deutschleher mit seinem „Hard land“ nicht richtig helfen kann. Er bekommt auf den verlangten Aufsatz auch nur eine zwei minuns. Den einzigen Einser hat, wie sie ihm später erklärt, Kirstie bekommen. Sie erklärt ihm am Ende auch das vierzehnte Geheimnis.

Wieder raffiniert, das Buch ist in vierzehn Kapitel geschrieben. Also klärt jedes eines auf und der „Peter Pan“ mit seinem ebenfalls berühmten ersten Satz, spielt auch eine Rolle.

Ein beeindruckender Coming of Age Roman über eines Sechzehnjährigen in den Neunzehnachtzigerjahren, die wie die Fünfziger oder Sechziger klingen und das man den berühmten amerikanischen Romanen aus dieser Zeit vielleicht schon gelesen hat.

Was ein wenig retro klingt und warum hat Benedikt Wells ein amerikanisches Provinzstädtchen als Sujet gewählt?

Fragen über Fragen, ich habe jedenfalls ein überraschendes Buch gelesen, das ich schon einer Klientin mit Höhenangst empfohlen hat. Vielleicht hilft es ihr, auch wenn sie nicht die Klippen hinunterspringen wird und jetzt bin ich gespannt auf die Rezensionen und möchte wissen, wie, den anderen das Buch gefallen hat?

Ein Diogenes-Bloggertreffen, wo das Buch besprochen wurde, gab es schon, das aber leider auch ein bißchen ein Geheimnis blieb, weil ich ja kein Ton hatte und daher nur Benedict Wells sehen und die Chatnews lesen konnte.

2021-02-27

Aus der Mitte des Sees

Filed under: Bücher,Uncategorized — jancak @ 00:32
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Wieder eine Neuerscheinung und wieder ein „Diogenes-Buch“, ein Roman des 1971 in Stuttgart geborenen Moritz Heger, das in einem Kloster spielt und Schwimmen das ist interessant und daher auch der Name, spielt darin auch eine große Rolle. Am Schluß des Buches gibt es ein Interview mit dem Autor, der erzählt, daß er auf dieIdee zu dem Buch in maria Laach an der Eifel, wo er im Sommer immer einige Wochen verbringt, gekommen ist und, daß es sein Ziel war, dem Leser etwas über die Tiefen des Lebens oder der Menschen nahezubringen.

Der Held ist der etwa vierzigjährige Mönch Lukas, der am Schluß Prior wird. Zu Beginn überlegt er, ob und, wie er seinem ehemaligen Mitbruder Andreas zur Geburt seines Sohnes Xaver gratulieren soll.

Die Sprache ist sehr schön und tiefgründig und jener Lukas, der Gastbruder, der den Gästetrakt managt, die Gäste unterbringt und betreut und dort auch die Tischgebete hält, geht gerne zur Erbauung oder was auch immer an den See schwimmen, da resumiert er, ob seine Mitbrüder, das vielleicht auffällig finden könnten, aber die, außer ihm schon lauter alter Herrn, die bald, wie Bruder Albin, der immer schöne Bilder malt, sterben, sagen nur „Viel Vergnügen!“ und da kommt er in Beziehung mit der Schauspielerin Sarah und tauscht sich mit ihr aus. Es kommt, Lukas ist ein moderner Mann, auch wenn er eine schwarze Kutte trägt und, was ich auch nicht gewußt hatte, hatte ich doch zwei Tanten, die Nonnen waren und die eigentlich hießen, seinen Namen behalten durfte,weil Lukas ohnehin ein biblischer Name, zum Sex. Am Ende beschließt er den Antrag des Abtes anzunehmen und der kleine Xaver besucht ihn auch, darf er Jjuliane sogar beim Stillen zusehen und ihn halten und damit das Kloster nicht ausstirbt, hat sich auch der junge Lucian entschloßen Mönch und werden und wir haben wirklich viel vom Klosterleben erfahren. Viel Handlung gibt es nicht, es ist eher ein ruhiges Buch, das zum Nachdeenken anregten kann, Moritz Heger hat ja auch evangelische Theologie neben Theaterwissenschaft studiert, aber auch, wenn es keine besondere Spannungsbögen gibt, einige ungewöhnliche Szenen, wie die zum Beispiel, wie, als das Kloster brennt und alle im Speisesaal untergebracht sind, der Abt mit der dicken Köchin Walzer tanzt.

2021-02-14

Ich bleibe hier

Filed under: Bücher — jancak @ 00:48
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Ich weiß gar nicht so genau, ob ich auf Marco Balzanos Südtirolroman auf dem vorletzten „Diogenes Bloggertreffen“ aufmerksam wurde ober, ob das erst durch die Sendung „Aufgeblättert – Zugeschlagen“ mit dem „Österreichischen Literaturpapst Robert Wagner“, der Martin Sellner verdächtig ähnlich sah, geschah?

Aber ich habe mir das Buch, wo auf dem Cover der Reschenstausee mit dem herausragenden Kirchturm, zu sehen ist, bestellt und jetzt gelesen.

Es ist vielleicht nicht so ein besonders literarisches Buch, wie Lutz Seiler „Stern 111“, das auch in dem Literaturformat vorgestellt wurde, hieß es dort, aber ein italienischer Bestsellers des 1978 in Mailand geborenen Marco Balzano, der dort auch als Lehrer tätig ist, von dem ich vorher noch nichts gehört habe und das Buch ist interessant.

Die Geschichte der Lehrerin Trina, von der Marco Balzano im Nachwort schrieb, daß er 2014, das Dorf Graun im Vinschgau mit dem Stausee und dem Turm, das inzwischen eine Touristenattraktion ist, besuchte. Von dem Thema fasziniert war, zu forschen begann und dann aus den historischen Tatsachen einen Roman machte, in dem, wie üblich alles erfunden und Ähnlichkeiten rein zufällig ist.

Oder doch vielleicht nicht so ganz. Denn das Dorf Graun hatte einen Pfarrer namens Alfred Rieper und ein Pfarrer namens Alfred kommt in dem Roman auch vor, in dem die Lehrerin Trina einen Brief an ihre Tochter Marica schreibt, die als die Nazis in das Dorf kamen und den Deutschsprachigen, die Option erstellten, nach Deutschland auszuwandern oder weiter in Südtirol als Menschen zweiter Klasse zu leben, mit der Schwester von Trinas Mann Erich, die in Innsbruck lebte, das Dorf verlassen hat und offenbar nie mehr zu ihrer Mutter zurückgefunden hat.

Aber zum Anfang des vorvorigen Jahrhunderts. Da macht Trina mit ihren Freundinnen Barbara und Maja in Bozen eine Lehrerinnenausbildung und 1923 ihr Examen. Das war das Dorf, ihr Vater ist der Schreiner dort, schon von den italienischen Faschisten Mussolinis besetzt und die deutschsprachigen Lehrer fanden keine Anstellung. So bietet ihnen der Pfarrer an, in den Untergrund zu gehen und in den Katakomben, die Kinder in Deutsch zu unterrichten.

Das ging oft schief, denn die Carabinieri dringen oft ein und Barbara wird nach Italien verschleppt, worauf ihre Familie böse auf Trina ist. Dann kommen die Nazis und Michael, der Sohn wird ein solcher. Die Eltern fliehen in den Berge und da muß Trina auch zwei Soldaten erschießen. Nach dem Krieg kommen sie in das Dorf zurück. Aber da ist schon die Firma Montecatini da, um den Staudamm zu bauen. Erich kämpft sehr engagiert dagegen. Wendet sich sogar an den Papst zu Unterstützung. Hilft aber alles nicht und die Familien können sich entscheiden, ob sie auswandern oder sich am Rande des Dorfes in Containern unterbringen lassen und das Geld, das sie als Entschädigung bekommen, können sie in Bozen holen. Aber da wären die Fahrkosten höher, als das, was sie bekommen hätten. Erich stirbt und Trina zieht schließlich doch in eine Zweizimmerwohnung, geht am See spazieren, beobachtet die Sommerfrischler, die sich die Attraktion anschauen kommen und schreibt den Brief an ihre Tochter und ich habe ein sehr beeindruckendes Buch mit einem interessanten Stück Geschichte gelesen, das mich ein bißchen an die Situation von heute erinnert, wo man ja auch nicht viele Chancen hat, wenn man beispielsweise gegen die Corona-Maßnahmen demonstrieren und sich nicht Freitesten oder Freiimpfen will und da habe ich ja schon in einem Facebook-Eintrag gelesen, daß die Eltern die ihre Jinder nicht testen lassen wollen, entmüdigt werden sollten.

2020-07-26

Abschiedsfarben

Filed under: Bücher — jancak @ 00:41
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„Geschichten über Abschiede, die belasten, und Abschiede, die befreien, über das Gelingen und Scheitern der Liebe, über Vertrauen und Verrat, über bedrohliche und ewältigte Erinnerungen und darber, wie im falschen Leben oft das richtige liegt und im richtigen das falsche“, des 1944 bei Bielefeld geborenen Jruisten Bernhard Schlink, Autors des berühmten „Vorleser“, von dem ich außer einem Krimi noch „Olga“ gelesen habe, steht als Nächstes auf meiner Leseliste und beeindruckend die Ironie und der feinen Ton des alten Mannes, der in hoher Brillanz wohl Abschied von seinem Leben nimmt.

In „Künstliche Intelligenz“ nimmt der Ich-Erzähler Abschied von seinem Freund Andreas. Beide haben in der DDR ein Institut über Kybernetik aufbauen wollen, aber Andreas wollte mit einem Boot nach dem Bau der Mauer in den Westen. Das hat er anonym verraten und ist Institutsleiter geworden und Andreas nach seiner Haftstrafe nur von ihm geförderten Zweiten oder Gehilfen. Der ist längst gestorben. Jetzt kommt aber die Tochter, will die Geschichte aufarbeiten und die Stasi-Akten haben. Da hilft nur Verdrängen, Dissoziieren oder eben, das berühmte Abschiednehmen.

In „Picknick mit Anna“ steht ein alter Lektor oder „Buchdoktor“, also einer „der aus schlechten Manuskripten gute Bücher macht“, auch ein leicht überheblicher oder ironischer Überton, am Fenster in der Nacht und beobachtet, wie Anna, die Hausmeistertochter, der er Nachhilfestunden gab, um aus ihr eine „feine Dame, wie in Pygmalion“ zu machen und mit ihr in Oper ging, von ihrem Freund ermordet wird. Er steht dabei und holt nicht die Polizei oder den Rettungsdienst. So kommt der Kommissar zu ihm und sagt ihm, eine Nachbarin des Nebenhauses hätte ihn am Fenster gesehen. So resummiert er über seine Beziehung zu Anna und holt dann die Pistole, um, wen den Freund oder sich selbst zu töten?

In „Geschwisterliebe“ trifft ein Musikwissenschaftler Susanne, seine Jugendliebe wieder. Er hat sich als Sechzehnjähriger in dieTochter aus reichen H<haus verliebt, die aber einen rollstuhlfahrenden Bruder hat, der sein bester Freund wurde. Die Eltern tuen alles um den Jungen zu fördern, Er will aber auf einer fremden U<u<u<uni studieren und Philip soll ihn begleitet. Der will Susanne nicht verlassen, die ihn aber nicht als Liebhaber will, so geht er nach Amerika. Jahrzehnte später wird er von Susanne, die verheiratet ist und zwei Kinder hat, ein fünftes gibt es auch noch, sagt der Mann spöttisch zu einem Vortrag über Fanny Mendelssohn eingeladen und erfährt, daß der Bruder, der alle „Arschloch“ nennt, dement geworden, als fünftes Kind im Haushalt lebt und Susanne gesteht ihm, daß sie es war, die damals Eduard vom Berg hinuntergestoßen hat, weil sie auf ihn wütend war und jetzt lebenslang dafür büßt.

Ein wenig altmodisch und sehr konstruiert wirken die Geschichten, die von Ursula März besser, als die Romane empfunden werden. Mir sind sie vielleicht ein wenig zu dicht.

In „Amulett“ wird eine Ärztin vom ehemaligen Au Pair Mädchen besucht, die hat ihr den Mann weggenommen. Jetzt hat er Krebs und will seine Ex-Frau sehen. Sie trifft sich nach längeren Zögern mit ihm und er übergibt ihr das Amulett, das ihr seine Mutter hinterlassen hat.

Noch einmal tragisch die Geschite der „Geliebten Tochter“, die heißt Mara und ist nicht das Kind von Bastian, denn der hat Theresa erst kennengelernt, als sie schon fünf war. Ist aber ein Vorzeigevater mit dem Mara über alles sprechen kann. So fragt sie ihn einmal, ob sie lesbisch ist, weil sie ein Verhältnis mit ihrer besten Freundin Sylvie hat. Dann gibt es aber einige Freunde. Mara wird Gebärdensprachenlehrerin, bevor sie zu Sylvie endgültig zurückkehrt. Jetzt wollen die beiden, die im weißen Kleid und weißen Anzug heiraten, ein Kind. Die künstliche Befruchtung hilft nicht. So fährt sie mit Bastian in ein Hhotel und kommt in der Nacht zu ihm. Er erkennt sie angeblich oder tatsächlich nicht, glaubt, sie wäre Theresa und ist danach nicht sicher, ob die drei Frauen, das miteinander ausgemacht haben, wälzt auch noch die Literatur, wo solche Geschichten erwähnt werden und wird dann ein Großvater, der sich in sein Schicksal ergibt.

„Der Sommer auf der Insel“ nimmt das Motiv von Stefan Zweigs „Brennenden Geheimnis“ auf. Ein Junge fährt mit seiner Mutter im Sommer auf eine Insel und entdeckt dort das Geheimnis, das sie mit einem Fremden hat und in „Daniel, my brother“, wird vom Selbstmord eines Bruders, der sich mit seiner Frau umgebracht hat, berichtet, was laut dem Interview mit Ursula März autobiografische Bezüge zum Autor hat.

In „Altersflecken“ gehen einem nach dem siebzigsten Geburtstag alle Niederlagen, Peinlichkeiten, Enttäuschungen seines Lebens durch den Kopf. Der Psychiater nennt das Altersdepression und will was Auffhellendes verschreiben. Er spürt aber einer ehemaligen Geliebten auf und am“Jahrestag“ geht ein auch schon älterer Herr, erfolgreicher Schriftsteller mit jüngerer Geliebten erfolgreicher Journalistin in ein Restaurant, um Champagner zu trinken und sie fordert ihm zum Tanzen auf, was bei ihm ein bißchen Widerwillen erregt.

Das ist auch etwas das man an dem wohlgeschliffenen Buch bemängeln könnte, daß alle Geschichten in der gehobenen intellektuellen Mittelschicht spielen. Die Protatgonisten, Ärzte, erfolgreiche Geschäftsleute, cetera sind, Campagner trinken und die Männer jüngere Geliebte haben und beinahe sorglos ihre Ehen brechen etcetera.

Ich weiß schon, das ist höchstwahscheinlich die Lebenswelt des Autors, der ja ohne Zweifel etwas Altmodisches in seiner Themenwahl und Sprache hat, obwohl er auch durchaus aktuelle Themen anschneidet, die aber dann in dieser Art und Weise behandelt und da würde es ihm wohl nicht wirklich liegen, mal einen jügeren Knaben um des Erfolgs oder auch um der Liebe willen mit seiner Chefin anbändeln lassen und die dann nicht zum Champagner sondern vielleicht zum Joint verführen.

2020-05-07

Muldental

Filed under: Bücher — jancak @ 00:49
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Jetzt kommt ein Erzählband der 1975 in Neu-Kaliß geborenen Daniela Krien, die in Leipzig Kultur- Kommunikations- und Medienwissenschaften studierte, seit 2010 freie Autorin ist  und mit der „Liebe im Ernstfall“ auf Platz 1 der „Spiegel- Bestsellerliste“ stand, ein Band der sich mit den Ost-Verlierern beschäftigt und, wie am Buchrücken steht „Von Menschen erzählt, deren Leben an einem Kontrapunkt der Geschichte ins Wanken gerieten“  und von „Orientierungslosigkeit und tiefer Verzweiflung, aber auch von Mut und Güte“, erzählt.

So geht es in der Titelgeschichte, um den Keramikladen des Hans Novaceks, der sich in einer ehemaligen Mühle befindet. Der hat, hoffentlich darf ich das jetzt schreiben, MS, sitzt im Rollstuhl und verhält sich gegenüber Frau und Sohn ein wenig seltsam. Allmählich kommt heraus, daß die Frau jahrelang Mitarbeiterin der Stasi war und mit dem Sohn in die Kirche eingetreten ist.

„Mimikry“ beginnt mit einem maschingeschreibenen Brief voller Rechtschreibfehler, der sich an die „Ossis!“, wendet. Anne findet ihn an ihrem Auto und sinnt über ihr Leben nach. Sie ist im Herbst 1989 zur Ausbildung als Zahnarzthelferin zu einem Dr. Hauschild nach Franken gegangen. Wird dort von den Patienten, die sich nicht von ihr behandeltn lassen wollen, gemobbt und ärgert mit ihrem Freund Mattis, die Kunden in einem Supermarkt, in dem sie ihnen die Einkaufswägen entwendet und sie dann ohne zu bezahlen an der Kasse stehen läßt.

Ein Vorwort von der Autorin, wie sie zu ihren Geschichten gekommen ist, gibt es auch, so daß alles seinen realen Inhalt hat.

Das Buch, das von einigen Rezensenten als Roman in zehn oder elf Geschichten bezeichnet wird, ist  erstmals schon 2014 erschienen, wurde jetzt von „Diogenes“ neu aufgelegt und, die Roman Idee kommt daher, daß in mehreren Geschichten die gleichen Orte und Personen vorkommen.

So kommen Mara und Betti in „Plan B“ auch aus Muldental, waren in einer Clique mit dem Thomas Novacek von Geschichte eins. Es treffen sich die beiden alleinerziehenden Mütter am Arbeitsamt wieder und weil man dort keine Perspektive für sie hat, machen sie den Plan B und beschließen sich, von Günti, auch ein Mitglied der Clique, der jetzt Rechtsanwalt ist, unterstützt, zu prostituieren.

Juliane in „Versuchung“ ist auch eine alleinerziehende Mutter, hat Kunstgeschichte studiert und putzt jetzt bei Wiebke, die das auch hat, dazu noch einen Mann der Professor ist und drei Töchter gibt es auch. In einer der Putzpausen findet sie Liebesbriefe in einer Kiste, nimmt sie mit, überlegt einen Erpressungsversuch, um sie dann doch wieder brav und bieder zurückzulegen.

„Sommertag“ erzählt eine Alkoholikerkarriere, beziehungsweise, die Geschichte eines, dessen „Abstieg“, wie er sagt, „am 9. November 1989“ beziehungsweise mit dem Mauerfall begann. Denn da begann sich die Familie einzurichten, Kredite aufzunehmen, Gartenzwerge zu besorgen und als die Rechnungen nicht mehr zu bezahlen waren, das Zittern der Finger des Tischlers nicht mehr zu verbergen war, holte er sich den Strick, um sich zu erhängern.

„Da hat er nicht gezögert!“, schreibt Daniela Krien, um dann von einem zu erzählen, der an seinem dreißigsten Geburtstag aus der Haftentzugsanstalt entlassen wird.

Dann geht es zu den Musikerkarrieren, beziehungsweise zu einem, der nach dem Mauerfall in seinen Wartburg steigt, um seine Schwester in der westdeutschen Psychiatrieanstalt zu besuchen, in der sie sich seit ihrem Fluchtversuch befand und dort mit Medikamenten zugeschüttet wurde.

Und „Freiheit“ erzählt von einer katholisch sozialisierten Eva, die den lieben Gott allerdings hinter sich gelassen hat. Dann wird sie schwanger, weil ihr Paul sich nur ein Leben mit Kind vorstellen kann. das hat leider die Trisomie 21 und einen Herzfehler. Schangerschaftsabbruch also erlaubt, bis zur letzten Sekunde. Sie entscheidet sich dafür und wird es später wahrscheinlich noch einmal oder doch nicht mit ihrem Paul versuchen.

In „Aussicht“ geht es um eine Tagesmutter, die Schwierigkeiten mit ihrer pubertierenden Tochter hat. Sie gibt ihr eine Ohrfeige, die Tochter erzählt das der Lehrerin, die alamiert die Polizei und das Jugendamt und die Tochter kommt zu ihrem Vater, während die Mutter die Tagesmuttergenehmigung verliert, sich aber vor Gericht rechtfertigen kann.

Einen „Zigarettensammler“, der an nicht Lungenkrebs, sondern an einer Hirnblutung stirbt, gibt es auch und am Schluß geht es wieder ins „Muldental“. Ins „Muldental“ zwei oder doch nach Leipzig, wo Thomas, der Töpfersohn am Mittelaltermarkt steht, mit Maren von Geschichte drei zusammen ist, sie haben einen gemeinsamen Sohn und zu einer Begegnung mit Günti, der Anwalt und kein <zuhälter ist, kommt es auch.

„Es liegt an der Klarheit und der Schönheit der von Kriens Sprache, dass sie etwas geschaffen hat, in dem sich sehr viele Menschen wiederekennen“, hat Maren Keller von „Spiegel“ auf den Buchrücken geschrieben.

Dem kann ich nur zustimmen und die DDR-Verlierergeschichten sehr empfehlen und wer noch mehr über die DDR lesen will, dem kann ich auch die beiden Belletristik-Bücher des letzen „Leipziger Buchpreises“ ans Herz legen.

2020-05-05

Rote Kreuze

Filed under: Bücher — jancak @ 00:50
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Jetzt kommt der erste auf Deutsch erschienene Roman des 1984 in Minsk geborenen Sasha Filipenko, ein Buch das bei „Diogenes“ erschienen ist und von dem ich schon glaubte, daß ich es nicht bekommen werde, weil es Corona bedingt nicht über die Grenze kam.

Zum Glück gibt es aber auch österreichische Auslieferer, so kam es doch zu mir und das Lesen war interessant, weil ich das Buch schon auf einigen Blogs entdeckt habe, dann aber vielleicht nicht wieder so etwas Neues und vielleicht auch nicht so ganz ungewöhnlich, wie die Nobelpreisträgerin Swetlana Alexijewitsch auf dem Buchrücken schrieb „Sasha Filipenko ist einer der jungen Autoren, die sofort zu ernsthaften Schriftstellern wurden. Wenn Sie wissen wollen, was das moderne, junge Russland denkt, lesen Sie Filipenko.“

Oder vielleicht schon. Einer der beiden ineinander verknüpften Handlungsstränge ist das wahrscheinlich schon, das andere die Stalin Repressionen habe ich schon öfte rgelesen und vor kurzem auch besonders bei Eugen Ruge.

Da zieht ein junger Mann namens Sascha, also vielleicht so etwas wie ein Ich-Erzähler in eine Wohnung in Minsk. Er hat ein Kind, aber keine Frau, erscheint traumatisiert oder trauernd und die Maklerin, die die Wohnung vermittelt, erzählt ihm etwas von einer alten Nachbarin, mit der er bald in Kontakt kommt.

Die heißt Tatjana Alexejewa, ist über neunzig, hat „Alzheimer“ und erzählt ihm ihr Leben. Sie wurde in London geboren, hatte einen sehr aufgeschlossenen Vater, der mit ihr und den Kindermädchen nach Moskau zog. Später war sie noch in der Schweiz, bis sie beim Außenministerium,  als Übersetzerin tätig wurde.

Geheiratet hat sie auch und es gab eine Tochter. Dann kam der Krieg, ihr Mann geriet in rumänische Kriegsgefangenschaft und auf einer der Listen, die sie übersetzten sollte, stand sein Name, was sie in Gewissenskonfklikt brachte. Denn der Staat ging mit den Kriegsgefangenen nicht sehr gut um.

So ersetzte sie seinen Namen, das heißt, sie strich ihn von der Liste und schrieb dafür den folgenden zweimal hin. Das verstärkte die Gewissensbisse, obwohl einige Zeit nichts geschah. Dann wurde sie verhaftet, verhört und mehrmals vergewaltigt, bis sie für zehn Jahre in ein Lager kam. Die Topchter kam in ein Kinderheim, wo sie kurz darauf starb. Ihr Mann wurde erschoßen und diese Geschichte erzählt sie nach und nach dem jungen Mann und sie fragt ihn auch nach seiner Frau oder Freundin und auch warum er nach Minsk gezogen ist?

Der Grund war, bei der Frau wurde kurz nachdem sie schwager wurde, Krebs diagnostiziert, sie hatte nur noch  wenig Zeit zu leben, wollte das Kind aber nicht abtreiben. So starb sie, als sie im fünften Monat war, das Kind wurde aber ausgetragen und der Vater flüchtet mit ihm aus der Stadt.

Diese zwei Handlungsstränge sind ineinander verwoben. Ein wenig zu aufgesetzt könnte dann noch erscheinen, daß er in der Nachbarin, die unter ihm wohnt, eine neue Freundin findet, das passiert vielleicht zu schnell.

Ene Friedhofsbesetzung, wo die alte Dame, die schließlich stirbt, gemeinsam mit ihrem jungen Freund verhaftet wird, gibt es auch und sie hat ein Jahr vor ihrem Tod auch noch den Mann aufgesucht, dessen Namen sie zweimal auf die Liste geschrieben hat.

Dem ist nichts passiert, denn er hat sich mit der Sowetmacht arrangieren können, was vielleicht eine besondere Perfidie des Schicksals ist.

Soweit so gut. Ungewöhnlich oder interessant könnten vielleicht noch die Gedichte erscheinen, die gemeinsam mit Vernehmungsprotokollen in dem Buch zu finden sind. Eines davon ist von der 1981 verstorbenen Kinderbuchautorin Agnija Barto und vielleicht besonders beeindruckend, weil man es als Methapher zu Tatjana Alexejewas Schicksal verstehen könnte.

„Und ein Haus das uns gehört,

schieben wir vom falschen Ort,

wo es irgedwie uns stört,

mit vereinten Kräften fort!“

Übersetzt wurde der Roman aus dem Russischen von Ruth Altenhofer.

 

2020-01-20

Die Kakerlake

Filed under: Bücher — jancak @ 00:12
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jetzt kommt ein kleines dünnes Büchlein, das im November bei „Diogenes“ erschienen ist und auf das ich durch die Sendung „Leporello“ oder das „Morgenjournal“ aufmerksam wurde.

Der 1948 geborene britische Autor Ian McEwan, von dem ich einige Bücher in meinen Regalen, aber noch nichts gelesen habe, hat eine Satire auf den Brexit und das englische Parlamentsgeschehen geschrieben und  dabei Anleihein von Franz Kafkas „Verwandlung“ genommen, beziehungsweise sich vor dem großen Autor verbeugt.

Wui, das klingt interessant, das Büchlein also bestellt und ich muß sagen, daß ich mich der Meinung mancher „Amazon-Leser“ anschließe, daß hier schnell nach der Idee von der „Verwandlung“ eine Satire hinuntergeschrieben wurde, die wahrscheinlich mehr die Briten überzeugt, wahrscheinlich nicht zur großen Literatur gereiht werden wird, was vermutlich auch nicht geplant war und, ob es Franz Kafka gefallen würde, ist wahrscheinlich eine Frage, die nur er beantworten könnte.

Also da wacht eines Morgens in der Downigstreet eine Kakerlake im Bett des Premierministers Jim Sams auf und stellt fest, er hat sich in diesen verwandelt. Nicht nur das, denn, als er dann in das Parlament hinüber wankt, mit dem Sprechen und dem aufrecht Gehen tut er sich noch anfangs schwer , stellt er fest, daß die meisten der Minister ebenfall seine Artgenossen sind oder waren und nun geht es im zweiten Kapitel des vier Kapitel starken hundertdreißig Seiten Buchs, zu der Idee vom „Reversalismus“, das Wort Brexit wird an keiner einzigen Stelle, höchstens in einem aufgehefteten Schildchen am Cover erwähnt und der amerikanische Präsident heißt Archi Tupper statt Donald Trump und Premier Sams stellt ihm oder sich die Frage, ob er vielleicht auch eine ehemalige Kakerliake war?

Diese Frage wird nicht beantwortet, dafür ein neues System eingeführt, also, daß man für die Arbeit Geld abgezogen bekommt, dafür aber umsonst einkaufen kann, Bargeldbesitz wird bestraft und alle wollen einen höher bewerteten Job bekommen um mehr Geld ausgeben zu können.

Das wird dann als des Volkeswille ausgegeben, für die der Premier sich einsetzt. Widersacher werden beseitigt und am Schluß, als das Gesetz eingeführt wurde und die Ersten merken, daß es offenbar doch nicht so, wie angepriesen funktioniert, sondern in den Abgrund führen wird, ziehen die Minister und ihr Premier wieder aus den Körpern hinaus, die lassen sie auf den Sitzen liegen.

Durch, die einen Spalt offengelassene Tür ziehen sie auf die Straße, nur leider wird der Premier dabei von einem Auto überfahren. Seine Artgenossen tragen ihn auf den sechs Füßen, die er nun wieder hat, weg und die Rache der Kakaerlake, an der sie unterdrückenden Menschheit ist vollzogen.

So einfach, aus. In England wird der Austritt aus dem Brexit und das politische Geschehen sich wohl ein wenig schwieriger gestalten. Man liest es aber sicher schnell und amüsiert dieses kleine Buch, das einen wahrscheinlich Kafka, um keinen Deut näherbringt, aber vielleicht hat man von der Politik etwas etwas besser verstanden und das wäre ja auch nicht schlecht.

„In einer solchen Zeit fragt sich ein Schriftsteller, was er machen kann. Darauf gibt es nur eine Antwort: schreiben“ Ian McEwan“, steht am Buchrücken

2019-12-30

Ich habe große Städte gesehen

Filed under: Bücher — jancak @ 10:21
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Nachdem ich nun seit Ende August Buchpreis gelesen habe zwischen Weihnachten und Silvester eingepresst, ein paar Gedichte, nichts Besonderes oder doch vielleicht, denn „Naturgedichte wird man hier, wie Björn Kuhligk in seinem Vorwort der „Diogenes-Gedichtgesammtausgabe“ des 1944 geborenen und 1987 auf der Autobahn überfahrenen Jörg Fausers schrieb, „werden Sie hier nicht finden!“, hat sich doch sein Leben zwischen Marokko, London , Paris, New York und München abgespielt und hat seine autobiografische Gedichte oft auch zu „konzentrierten Kurzgeschichten“ gemacht, die auf der Straße, bei den Nutten von Alkohol und Drugs umgehen spielen.

Jörg Fauser, der von Marcel Reich-Ranicki als er einmal in Klagenfurt gelesen hat, total fertiggemacht wurde „Dieser Autor hat hier nichts verloren!“, hat er großspurig gerufen und es wohl geglaubt und Jörg Fauser hat sich, glaube ich, auch eher als Journalist verstanden und sozialkritische Krimis geschrieben, von denen ich vor kurzem einen gelesen habe, scheint „Diogoenes“ ja sein Gesamtwerk herauszubringen und ich habe einige seiner Bücher auch noch in Harland und in Wien auf meinen Bücherstapel liegen.

Keine sehr ästetisch angehauchte Lyrik sondern eine die von Charles Bukowski, Jack Kerouac und William S. Burroughs inspiriert sein könnte, sondern eine die das Leben von unten beschreibt und eine, die also mir, die ich zwar nicht so sehr von den Beat Poeten und den Drugs inspiriert bin, sehr sympathisch sein müßte.

Sie ist es auch, hatJörg Fauser doch, wie der ebenfalls dichtende  Björn Kuhligk  in seinem Vorwort schreibt, den Satz geprägt, daß „Dichter, die kein Publikum haben, pathetische und sinnlose Figuren sind“, was auf mich zutreffen könnte und ich von mir genausowenig, wie von Jörg Fauser glaube, der, glaube ich, mit den Drugs und dem Alkohol sein Problem hatte und deshalb vielleicht auch auf der Autobahn kurz nach seinem Geburtstag überfahren wurde.

Gehen wir sie also durch die gesammelten und neuherausgegebenen Gesichte von Jörg Fausers, die Roadlyrics, die auch in „London“ beginnen

„Jeden Tag eine neue Bombe. Und jeden Tag wählen die Lämmer den Metzger zum König“

In den Neunzehnsechzigerjahren geschrieben und trotzdem hochaktuell könnte man meinen, hat es Björn Kuhligk in seinem Vorwort auch so geschrieben.

Es gibt die „Abende eines Sommers“

„Trink die Milch der Nacht

der Föhn bläst Gott voraus

Asche in die Täler“,

die ein bißchen an die „Todesfuge“ denken lassen könngten.

Und in „Das Fest ist aus“, schreibt Fauser „In der Straße zwischen Nacht und Morgen verbrenne ich meine Gedichte“, ja dieses Motiv gibt es auch, ebenso wie „Fauser schreibt wieder einmal unverständliches Zeug, nicht tief, nicht kritisch, nicht deutsch genug, trister Typ, der kaum was bringt außer abgekauten Erinnerungsfotos.“

Und in „Trotzki, Goethe und das Glück“, wie wohl auch einer seiner zu Lebzeiten herausgegeben Gedichtbände heißt, die der Vorworwortschreiber, wie er schreibt auch zu einem stolzen Preis in der Erstausgabe bei einem Antiquariar kaufte, schreibt Fauser von einer Louise die Revolution machen wollte, während er sich „suchen uns irgendeinen stillen Winkel wo ich in ruhe mein Bier trinken und zwischendurch mal`n Gedicht schreiben kann“ sich wünscht.

„Und Trotzki?, schrie Louise, und die Genossen im Knast? Dein bourgeoises Glück, pah! Bier und Gedichte, während die Revolutin organisiert wird!“

Sie hat ihn dann verlassen und später in Paris einen Goetheforscher geheiratet, wie ihm ein Freund erzählt. Ja so ist das Leben und die Revolution.

In „Liebesbriefe“ wird er von einer Frau gefragt „Wann hast du deinen letzten Liebesbrief bekommen“

„Der Bastard, denk ich, machts sichs verdamm leicht. Ich seh mich im Spiegel: unrasiert, verkatert, seit  4 Jahren kein Liebesbrief, seit 4 Wochen kein Gedicht.“

Und in „Dichter in New York“ geht es mit einem Jack zu einer „Bukowski-Lesung.

„Jack schief irgendwann ein. Bukowski las exakt eine Stunde, ohne sich zu betrinken und ausfällig zu werden und ohne auf sie reinhzufallen, dann tat er den letzten Schluck, klappte das Buch zu, bummte „Thank you, good night“, gab Autogramme und verschwand.“

Frankfurt am Main, wo Hörg Fauser glaube ich auch am Flughafen gearbeitet hat, sind zwei Gedichte gewidmet, bei einem reimt es sich sogar ein bißchen:

„Die Kälte ist schwül in Frankfurt am Main Wer sich nicht umbringt Der trägt Gefühl.“

Es gibt ein Gedicht von einer „Frau die kein Bier trinkt“ und das „Karfreitag“ genannte, endet mit den Zeilen „Ein Bier. Christus am Kreuz hätte mehr gebraucht.“

Sehr beeindruckend ist das Gedicht, wo die Frauen dem türkischen Hausmeister klagen, daß sie kein „Warmes Wasser“ hätten.

„Der Hausmeister ist Türke. Er hat die Ruhe weg. Er kenn sich mit dem modernen Ldeben aus und außerdem wozu braucht einer der einen Kühlschrank hat Raki im Glas und einen heißen Ofen im Bett auch noch warmes Wasser?“

„Berlin, Paris, New York“ heißt das Gedicht, das dem Buch den Namen gegeben hat:

„Ich habe große Städte gesehen und habe die großen Städte immer geliebt, ihre Frauen, ihre Bars, ihre Dämmerungen vor dem Gebrüll der Maschinen und dem Sturm auf die Bastille.“

In „Rote Fahnen“ passiert ein alter Mann mit Schirmmütze in einem Rollstuhl den Checkpoint Charlie und Jörg Fauser dichtet „Alle Macht der Phantasie gewiss! Schönes Wort. Dachte man dabei auch an die Phantasie von Kerkermeistern? – Aber ja! Ich winke den Seelen der Anarchisten und trolle mich zurück in meine Arena.“

Und in „Geschichten“ fragt er sich, was ich mich auch schon fragte:

„Worüber noch schreiben? Alle Geschichten sind längst erzählt, die Novembergeschichten und die Frühlingsgeschichten, und alle dazwischen.

Worüber noch schreiben? Wir haben alle Geschichten geschrieben, der Regen, die Erde, die Frauen, die Dichter. Aber die Geschichten sind wie Gott: sie machen weiter.“

Und im „Cafe Grabbe“, erzählt er von Christian Dietrich Grabbe,  1801-1836, der die „Hermannnschlacht“ geschrieben hat, während Balzak, wie er behauptet, einen „Neger“ hatte,  Charles Lassailly, ein verwahrloster Poet, der für ihn in der Nacht die Stücke geschrieben haben soll, bis der ihn mit den „trostlosen Worten: Die ganze Nacht habe ich mich abgemüht, aber mir ist nichts eingefallen, was Wert gewesen wäre, niedergeschrieben zu werden“, verlassen hat und sich wieder in die „Kaschemmen, in die Dachkammern, in die Namenslosigkeit“ zurückbegeben hat.

„Byrons Tod“ wird beschrieben und die „Margariten“, die vielleicht nur „Pusteblumen“ waren und in „Strangers In the Night“, erzählt eine beamtete Lehrerin, wie sie, während sie Sinatra hörte, bei einem Penner hängen geblieben ist, der in den Kartoffelsalat pinkelt, endlos Krimis liest und sie jede Woche einen Hunderter an Schnaps kostete.

„Thank you . J.F., steht unter dem Gedicht „Besuch bei Blettenberg, Bangkok 1986“, auf Seite dreihunderteinundvierzig und wir können nur „Thank you, Jörg Fauser, „Diogenes“ und vielleicht auch Björn Kuhligk, für die Zusammenstellung, die, wie wir erfahren, so weit, wie es möglich war, chronolgisch erfolgte und ich füge hinzu, daß es schön war sich zwischen Weihnachten und Neujahr durch Jörg Fausers Lyrik zu lesen und wieder ein bißchen in die Neunzehnsechziger-, neunzehnsiebziger und neunzehnachtzigerjahre einzutauchen und jetzt kommt ein bißchen Schreibtechnisches und ein paar Cartoons aus dem „Holzbaum-Verlag“, bevor es mit Dietmar Füssels höchstwahrscheinlich schräger Lyrik weitergehen wird.

2019-12-26

Wolkenbruchs waghalsiges Stelldichein mit der Spionin

Filed under: Bücher — jancak @ 00:26
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Bevor es an das Bloggerdebutpreislesen geht, bleibt es noch ein bißchen in der Schweiz, ist Thomas Meyer „Wolkenbruch-Fortsetzung“ zwar nicht auf der  Schweizer Buchpreisliste gestanden, aber 2012 stand er mit dem ersten Teil darauf, da habe ich die Schweizer Lesetour im Literaturhaus angehört, das Buch dann laut meinem Bibliothekskatalog sogar zweimal irgendwo gefunden, aber vielleicht handelt es sich bei der Doppeleintragung auch nur um eine Leseprobe, das Buch aber im Sommer nach Locarno mitgenommen, beziehungsweise schon auf der Hinfahrt gelesen, nachdem ich in Zürich im Sommer 2018 darauf gekommen bin, daß das Buch ja auch zum Schweizer Lesen gehört und sie hat mir sehr gefallen, die Geschichte des Motti  Wolkenbruchs, der sich gegen seine Mame auflehnt, sich Jeans und eine schickere Brille kauft, dann in den Armen der schönen nichtjüdischen Laura landet, worauf er von seiner Familie verstoßen wird.

So endet Teil eins, das ich eigentlich nicht als Reihe empfunden habe, wohl aber schon wußte, daß es einen zweiten Teil geben wird und in Locarno ist der erste Teil als Film gelaufen, allerdings nicht am Abend auf der Piazza so haben wir ihn auch nicht gesehen.

Der zweite Teil ist nun ganz anders, obwohl es genau dort beginnt, wo Teil eins endet, nämlich in dem Hotel in dem Motti sich einquartiert hat, nachdem die Mame das Schloß ausgewedchselt hat, den <job bei seinem Vater hat er auch verloren, sowie den Kontakt zu Laura, so geht ihm das Geld aus und da ist es ein wahrer Segen, daß die Rezeptionistin anruft und ihm mitteilt ein Herr Gideon Hirsch möchte ihm sprechen, der sagt, er ist von den „Verlorene Söhne Israels“ und ist erschienen, um ihn in einen Kibbuz nach Israel zu bringen, sie reisen auch dorthin, der Verein erweist sich aber als einer des Weltjudentums und Motti wird zu seiner Überraschung bald zum Vorsetzitzenden erwählt, was wohl seinen Geschäftssindd weckt, der er beginnt, die im Kibbuz geernteten Orangen via Instragram zu vermarkten und aus der „Alex“a macht er auch eine „Schoschanna“, um der Welt das Judentum, ihre gute <küche, ihre Bräuche etcetera näherzubringen.

Ein guter Vorsatz, der aber durch eine Gruppe Altnazis, die sich nach 1945 in eine sogenannten Alpenfestung zurückgezogen haben, dort lustig Pimpfe hochzüchteten und den Volksrechner in die Welt setzen wollen, gestört wird.

Der Volksrechner ist eine sogenannte „Hassmaschine“, die durch Falschmeldungen, die Welt bald in den Abgrund stürzt und auf Motti wird auch eine schöne junge Spionin namens Hulda gesetzt, die ihn ermorden soll.

Die Sprachassistentin Schoschanna hat sich dagegen inzwischen mit Judith Wolkenbruch wegen des „Mazzesrezept“ zerstritten und Schoschanna ist auch böse auf Motti, so gibt sie Judith, die inzwischen Sehnsucht nach ihrem verlorenen Sohn hat, seine Adresse und alles wendet sich zum Guten, Judith Wolkenbruch verwandelt sich in eine Hippiemaid, die Haßmaschine wird zerstört, die Nazischickse wird ihrem Motti vergeben und am Schluß sitzen alle vereint in Zürich, feiern den Schabbat, alles wird wieder gut und ich habe ein gutes Buch gelesen, das ich auf Platz  zwanzig meiner Jahreshiglights setzen werden, weil es viel versöhnlicher ist, als Sibylles Bergs „GRM- Brainfuck“, obwohl das Buch, wie ich bei „Amazon“ nachlesen konnte, einigen nicht gefallen hat und sie enttäuscht waren, daß es mit dem Motti ganz anders, als erwartet weiterging.

2019-11-16

Der Sprung

Jetzt kommt das zweite Schweizer Buchpreisbuch „Der Sprung“, der 1985 in Arau geborenen Simone Lappert, die auch als Lyrikerin tätig ist, das ich nach Basel mitgenommen habe und an dem ich infolgedessen fast eine Woche gelesen habe.

Eine junge Frau steht am Dach eines Hauses und springt hinunter oder nicht. Die Polizei wird gerufen, die Feuerwehr stellt Sprungbretter auf und um den Platz herum lagern sich, die Schaulustigen, um das Ganze zu beobachten. Jemand schreit „Spring doch endlich!“, eine andere „Die müßte man erschießen!“

So etwa hat es Sinone Lappert in den Frankfurt-Videos erzählt, die ich gesehen habe, beschrieben und dann noch hinzugefügt, daß das Buch nach einem identen Fall geschrieben wurde, wo all das oben Beschriebene  passiert ist.

Simone Lappert hat einen spannenden Roman daraus gemacht, wo in drei Tagen, die Geschehenisse und die einige der dabei Gewesenen beschrieben wird.

Dazwischen wird der Sprung geschildert und man bekommt  heraus, daß es eigentlich kein Selbstmordattentat war, aber doch einiges ungewöhnlich war, denn Manu, die Frau am Dach, eine Gärtnerin wurde ausgesperrt, schmeißt aber dann  mit Dachziegeln, um sich herum und Psychiatrieerfahrungen werden auch geschildert.

Und auch die Geschichten, der darum handelnden Personen werden zum Teil liebevoll erzählt, zum Teil erscheint das Ganze dann wieder zu übertrieben und viel zu viel.

Da gibt es die Schwester Astrid, die eigentlich Bürgermeisterin werden will und nun nicht weiß, ob sie sich zu Manu bekennen soll oder nicht? Es gibt den Freund Finn, der von der Polizei nicht zu ihr gelassen wird. Dann gibt es die Geschichte eines Polizisten, der während er Manu zum Aufgeben bringen soll, eine Retraumatisierung erlebt. Es gibt die Geschichte eines Hutmachers, der eine demente oder nicht demente Mutter hat, die im Altersheim, um sich schießt und dann die berührende Geschichte von der Geschäftsfrau, deren Laden schon längst nicht mehr geht, weil sie den Zug der Zeit verpasst hat, aber weil alle sich an Manu delegieren wollen und daher auf dem Platz ein großes Picknick machen, geht das Geschäft plötzlich wie nie und die Figuren aus den Überraschungseiern sammelt Theres auch, eines deroriginellsten Details, was aber eigentlich mit der Handlung nicht so viel zu tun hat.

Es gibt ein dickes gemobbtes Mädchen, das während der drei Tage einen unerwarteten Aufchwung nimmt. Es gibt die Frau, die „Man sollte sie erschießen!“, schreit und die sich dann als traumatisierte Lokführerin entpuppt, der das Ganze selbst einmal passiert ist.

Es gibt noch viel viel mehr und das Ganze schwankt meiner Meinung nach zwischen sehr spannend und sehr übertrieben.

Der Stil, wie das Ganze aufgebaut ist, ähnelt, glaube ichd,  meinem Schreiben und man kann sich auch die Frage stellen, ob das wirklich so ist, daß die Leute auf  Badetüchern vor dem Haus liegen und mit dem Handy das Geschehen filmen und „Spring doch endlich!“, schreien.

Ein interessantes Buch, das nicht den Schweizer Buchpreis gewonnen hat, ich habe aber ein Autogramm von Simone Lappert drinnen und war auch sehr beeindruckt davon.

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