Literaturgefluester

2020-10-20

Land in Sicht

Jetzt kommt wieder ein Debut nämlich das hundertsechzig bei „Blumenbar“ erschienene Büchlein, der1990 bei Stuttgart geborenen Ilona Hartmann und es ist eines, das schon von der Beschreibung her ungewöhnlich und originell, vor allem für mich als Wienerin, die schon ein paar mal die Donau entlang gefahren oder geradelt ist, klingt.

Jana vierundzwanzig ist ohne Vater aufgewachsen. Das ist einmal für die selbstbewußte schnoddrige junge Frau kein Problem, bis eine Freundin ihr erklärt, daß man ohne diesen nur ein halber Mensch ist. Das will sie natürlich nicht bleiben. Also schaut sie beim nächsten Mutterbesuch in deren Adreßbuch nach und erfährt ihr Vater Milan ein Tscheche ist Kapitän der MS Mozart, ein Kreuzfahrtschiff, das von Passau nach Wien und wieder zurück fährt und dort eine Woche lang beborzugt Paare über sechzig beherbergt. Also leiht sie sich das Geld von ihrer Großmutter und checkt ein. Der älteren Dame, die sie fragt, was sie hier macht, erklärt sie was von einer Großmutter, die die Fahrt bei einem Preisausschreiben gewonnen hätte, aber nicht fahren wollte und den Vater begegnet sie auch gleich, als sie zum ersten Abend vorüber an seinem Kapitänshäuschen geht. Der Bordmusiker Bob erzählt ihr eine Geschiche und fordert sie zum Mitsingen auf. Der Vater erklärt ihr, wie das mit dem Trappistenkloster in Engelhardtszell ist.

Dort versäumt sie das Schiff, weil sie sich verjoggt, also läßtsie sich mit einem Taxi nach Linz bringen. Dort bleibt das Schiff lange sehen. Ein Barbesuch mit dem Vater ist geplant. Die nächste Station ist dann schon Wien und ich dachte, wo bleibt das Stift Melk, aber zuerst geht es in den „Lachenden Esel“, ein Restaurant in der Augustinerstraße an dem ich immer vorübergehe, wenn ich von der „Gesellschaft“ komme. Dort outet sie sich dem Vater, der ein unstetes ungebundenes Leben hatte und viel auf Reisen war.

Sie radelt mitihm bis zum Zentralfriedhof, besucht dort Falcos Grab und man weiß nicht recht, hat das Ilona Hartmann aus dem Reiseführer oder wirklich eine solche Schiffreise gemacht?

Ich weiß auch nicht, ob es Kreuzfahrten von Passau nach Wien und zurck gibt. Bin aber einmal mit einem Schiff von Bratislava nach Wien gefahren und als Kind und noch einmal mit derAnna von Wien nach Dünstein. Geradelt bin ich das auch ein paarmal und das Vater Outing scheitert vorerst.

Mit vollen Kopf kommt sie aufs Schiff zurück, versäumt das Frühstück, läßt sich während ein zerstrittenes Paar das Schiff verläßt, vom Vater mit einen geborgten Auto durch die Wachau fahren, versäumt dann das Abschiedsdinner und steht mit ihm in Passau, wo er ihr eine Sonnebrille schenkt. Die Gleiche, wie er selber hat, etwas vom nächsten Mal murmelt, wo er ihr schöne Sachen zeigen wird und dann verschwunden ist, als sie noch denkt, daß es jetzt etwig so weitergehen könnte.

„Die Donau ist übrigens überhaut nicht blau“, lautet einer letzten schnoddrig schönen Sätze von denen ich mir einige angestrichen und ein interessantes Buch gelesen habe. Mal sehen, ob es auf die Bloggdebutshortlist kommt, dann wäre es wahrscheinlich neben dem Stefan Roiss schon eine Favoritin.

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