Literaturgefluester

2016-01-08

Blutige Steine

Jetzt habe ich die „Blutigen Steine – Commissario Brunettis vierzehnten Fall“, doch noch gefunden. das Buch stand ganz oben und ganz hinten ohne Umschlag im Regal. Ich kann das Jahr mit meiner jährlichen Donna Leon beginnen und zufälligerweise gibt es noch zwei Aktualitäten, die mir zu mindestens am Anfang bestätigten, daß es gut ist, auch ältere Bücher, der Roman ist 2006 herausgekommen und steht schon ein paar Jahre bei mir, zu lesen.

Später war ich mir dann nicht mehr so sicher. Aber wieder schön der Reihe nach.

Es beginnt für einen Roman, der am letzten Weihnachtsfeiertag und nach dem „Adventkalenderschreiben“, wo ich mit dem Korrigieren, wieder zufällig, auch  gerade fertig geworden bin, an einem Adventsonntag am Weihnachtsmarkt in Venedig, nämlich zuerst mit den Käse- und Salamiproben.

Dann wird der offizielle Markt geschlossen und die ambulanten Händler, die sogenannten „vucumpras“ dunkelglänzende junge Männer aus Schwarzafrika, meist aus Senegal stammend, die ihre falschen Markentaschen phantasievoll am Boden ausbreiten, übernehmen.

Eine amerikanische Reisegruppe aus pensionierten Ärzten kommt herbei, goutiert, wählt aus und auf einmal wird diese Idylle durch ein paar „Peng-Geräusche“ unterbrochen. Zwei mutmaßliche Serienkiller haben sich angeschlichen und einen der Händler, einen etwa dreißigjährigen jungen Mann niedergestreckt.

Jetzt kommt mit einer halbstündigen Verspätung auch Commissario Brunetti angefahren und ermittelt das oben Beschriebene.

Er ermittelt auch, wie die Polizei mit diesen abulanten Händlern vorgeht. Sie werden einvernommen, die Taschen abgenommen und mit einer Aufforderung, das Land innerhalb von vierzehn Tagen zu verlassen, nach Hause geschickt und meist in der nächsten Woche wieder verhaftet.

Weil man nicht weiß, wie der Tote heißt, versucht sich Brunetti auch schlau zu machen, wo die Afrikaner leben und wer an sie vermietet. Das alles wurde sehr langatmig und auch sehr genau geschildert und erschien mir in Zeiten, wie diesen, wo Frauen von alkoholisierten arabisch aussehenden Männern in Köln und Hamburg angegriffen und beraubt wurden und alle reden herum und winden sich, fürchten sich vor Fremdenhaß und schlechter Stimmung, statt da einzugreifen, wo es wirklich nötig ist und damit meine ich keine Ausweisung oder verschärfte Grenzkontrollen, die  ohnehin nichts nützten, höchst aktuell, für einen zehn Jahre alten Roman, der vor einiger Zeit im Schrank gelegen ist.

Dann wird es allerdings platter, beziehungsweise geht es offenbar nach dem schon gewohnten Donna Leon Muster weiter. Mit dem Konflikt zwischen Brunetti und seinem unfähigen Chef dem Vize-Questore Patta, der ihm wieder von dem Fall abzieht, so daß der Comissario intrigieren, ein falsches Handy etcetera, verwenden muß.

Vorher hat er sich,  beziehungsweise seine Frau Paola aber über seine Tochter Chiara geärgert, die beim Essen achtlos einwirft, „Das war ja nur ein  vucumbra!“

Haben die Brunettis eine rassistische  Tochter herangezogen?, ärgert sich die Mutter und beschiimpft das Mädchen. Später wird sie dann eine iranische Arzttochter als Freundin nach Hause bringen und das ist wieder gut.

Während sich Brunetti inzwischen in ein Wohnhaus begibt, das an die Schwarzen vermietet wurde. Dort herscht Armut und Elend, aber große Freundlichkeit, obwohl die Mieter dem Polizisten gegenüber mißtrauisch sind. Der verhält sich auch ein wenig tolpatschig. Dann geht er in die Dachkammer und findet in einem Salzpäckchen wertvolle ungeschliffene Rohdiamanten und auf einmal ist klar, das ist das Zimmer des Ermordeten, obwohl man von ihm nicht  einmal den Namen weiß.

Brunetti schnappt die Diamanten und gibt sie einem väterlichen Freund, einem Juwelenhändler, um Weiteres über sie herauszufinden.

Aber jetzt ist schon Patta gekommen, hat den Commissaro abgezogen, weil Rom, das Innen- und das Außenministerium übernimmt und sogar die Computer werden gehackt, damit der Fall verschwindet.

Das ist bei Signora Elettra zwar nicht möglich und Brunetti hält sich ebenfalls nicht an seine Anweisungen. Er hat auch den einflußreichen Schwiegervater. Einen Mafiaschwiegersohn hat er vorher auch erpresst und sein Schwiegervater spielt ihm dann auch Informationen zu, wie es  gewesen ist.

Die Al- Qaida spielt eine Rolle, ein paar Terroristen werden noch erschoßen und eine  Notiz steht in der Zeitung „daß die Gruppe Mailänder Förderbetriebe für Öl einen zehn Jahresvertrag mit der Regierung von Angola abgeschlossen habe, der ihnen die Exclusivrechte auf Förderung und Abbau von Rohstoffen im Ostteil der ehemaligen portugiesischen Kolonie garantiert“.

Da gibt aber noch die Diamanten auf der Bank, die der Juwelenhändler dort deponiert hat. Die werden jetzt für einen guten Zweck an einen Geistlichen, eine männliche Ute Bock, habe ich verstanden, übergeben, damit er Gutes für die Hilfsbedürftigen machen kann.

So weit, so what und ich habe schon einige Donna Leons gelesen, man findet sie ja häufig in den offenen Bücherschränken und habe ja auch einmal die Erfahrung gemacht, daß die Filme besser, als die Originale sind.

Es ist aber immer das selbe Muster, wie bei anderen Krimis auch.

Es werden aktuelle Themen aufgegriffen und dieses war es offenbar schon vor zehn Jahren, dann wird eine etwas aufgesetzte Handlung daraus gemacht,  die Leser haben ihre Spannung und die Aussage von Donna Leon ist ja meistens, die Korruption Italiens oder deren Polizei, die Steuerhinterziehung, das Computerhacken, etcetera, also ein pessimistisches Bild.

Bei „Amazon“ habe ich schon, als ich von der aktuellen Thematik noch sehr begeistert war, die negativen Lesermeinungen gelesen, die mit dieser Fallabgabe und den Winkzügen, die dann Brunetti anstellen muß, nicht so begeistert waren.

Nun das hat mir auch nicht gefallen. Ein Commissario, der seinen Chef bellügt und betrügt und gefundenene Diamanten, wenn auch für einen guten Zweck, verscherbelt.

Aber das ist wahrscheinlich die Strahlkraft von Kriminalromanen und warum wir sie so gerne lesen. Ein Donna Leon-Fan, war ich, glaube ich nie. Habe aber etliche Bücher von ihr angesammelt, schreibt sie immer wieder und immer neue, weil die Leser das wahrscheinlich haben wollen.

Es warten noch ein paar andere Donna Leons auf meiner Leseliste. Neue werde ich mir wahrscheinlich nicht mehr aus dem Kasten nehmen.

Werbeanzeigen

2015-03-02

In Sachen Signora Brunetti

Filed under: Uncategorized — jancak @ 08:04
Tags:

„Welcher von euch ist ohne Schuld, der werfe den ersten Stein!“, steht, glaube ich, in der Bibel, bei Donna Leons achten Fall, hat ihn Paola Brunetti geworfen, in ein Reisebüro, das möglicherweise Sexreisen nach Thailand vermittelte und damit die Sache ins Rollen gebracht. Um die Frage der Schuld, geht es in dem 2001 erschienenen Krimi auch und als er erschien, wurde er in „Ex Libris“ vorgestellt. Man konnte ihn, aber auch Karten für die Buchpräsentation im Theater in der Josefstadt gewinnen.

Robert Weichinger hat mich, glaube ich, auch angerufen, um mir zu verkünden, daß ich mir die Karten für die Matinee an der Kassa abholen kann.

Das Buch habe ich vor einiger Zeit im Schrank gefunden, jetzt gelesen und kann nur flüstern, daß mir dieser Krimi, leicht und locker werden da die großen Themen von der Ungerechtigkeit dieser Welt angeplaudert und wir bleiben mit einem spannenden Kribbeln der Behaglichkeit zurück, ohne irgendetwas am Unrecht der Welt verändert zu haben, ganz gut gefallen hat. Spannend war er allemal zu lesen und da füge ich an, daß bei meiner Donna Leon vom letzten Jahr „Sanft entschlafen“, das nicht so der Fall gewesen ist oder jedenfalls anders. Denn da habe ich mir vorher ein paar Donna Leon Verfilmungen angeschaut und festgestellt, daß der Film weitaus spannender als das Buch war.

Von diesem Buch gibt es glaube ich kein You Tube Video, im Augenblick könnte ich es mir auch gar nicht ansehen, da es bei Alfred Computer, den ich gerade benütze nicht geht, also den achten Fall nur konventionell gelesen, der beginnt, daß eine Frau in der Nacht durch Venedig geht und einen Stein in besagtes Reisebüro schmeißt und auf die Polizei wartet. Die kommt, läßt sich die Täterin beschreiben, nimmt Paola fest, läßt sich den Ausweis zeigen, ruft den Commissario an, der seine Frau mitnimmt und das Protokoll zerreißt, die einnehmenden Polizisten standen auf seiner Seite, beim zweiten Versuch war das anders, da stand der Polizist auf des Vize Questores Seite, der Brunetti ja nicht sehr leiden kann, der Fall kommt in die Zeitung, aber das muß ich anmerken, Paola, die ihren Mut mit dem Steinwurf zeigen will, gegen die Unterdrückung der Kinder in der dritten Welt einzutreten, gibt keine Interviews um darauf hinzuweisen, ja hat glaube ich nicht einmal ein Flugblatt um den Stein gewickelt.

Der Besitzer des Reisebüros Signor Mitri erscheint mit seinem Anwalt, sagt Bruetti Paola muß die Scheibe bezahlen, der sagt, das muß er sich mit seiner Frau ausmachen, der Vize Questore schickt Brunetti bis zur Klärung nach Hause, der beginnt dann ein paar Tage lang zu lesen, bis Signor Mitri ermordet wird. Da kommt er zurück und Patta läßt ihn, was vielleicht auch nicht ganz logisch, aber durchaus spannend ist, weiter ermitteln.

Paola hat Schuldgefühle, ist sie schuld und hat sie einem Nachahmiungstäter ein Motiv geliefert, jetzt lag ein entsprechender Zettel neben dem Toten, aber nein, es war die Mafia, beziehungsweise wird nach einem Mann gefahndet. Signora Elettra, die Sekretärin ist ja eine geübte Hackerin, der schon einige Leute auf die Art und Weise umgebracht wird.

Signor Mitris Schwager, der eine pharmazeutische Firma leitet, kommt in Spiel, der hat abgelaufene oder gefälschte Medikamente in die dritte Welt geliefert, noch ein Unrecht über das wir uns zwar aufregen, aber nicht wirklich viel unternehmen können und der Schwager wollte aussteigen.

Am Schluß ist alles aufgeklärt und der Kindersex und der Medikamentenhandel geht wohl weiter, aber das würde auch passieren, wenn Donna Leon den Krimi nicht geschrieben und damit sehr viele Leser einige Zeit kurz unterhalten hätte.

Interessant ist vielleicht auch, daß es bei den Bloggern eine Serie über unwerte Lektüren gibt, wo Donna Leons Krimis erwähnt werden.

Bloggen auf WordPress.com.