Literaturgefluester

2015-11-10

Programm Pandora

Daß die 1973 in Gmunden geborene Dors Nußbaumer einen rotzig frechen Tonfall hat, der aufhorchen läßt und am Anfang vielleicht etwas irritiert, habe ich gemerkt, als ich vor eineinhalb Jahren zu spät in den Veranstaltungsvorraum der „KritLit“ in die Brunnenpassage gekommen bin, dann habe ich Bücher mit ihr getauscht und so ist der bei „PROverbis“ erschienene Erzählband „Programm Pandora“, wo auch Emily Waltons „Senfglas“ und höre und Staune ein Buch von Celemens Ettenauer, dem „Holzbaum-Chef“, der mir immer so getreulich seine Cartoon- und Karikaturbände schickt, verlegt wurden, zu mir gekommen und ich habe mich Anfangs mit der Doris Nußbaumers Sprachgewalt,  die sich 2000 auch bei den Widerstandslesungen engagierte, da habe ich sie kennengelernt und später mit ihr  in dem „Women Science Fiction-Band“ eine Geschichte, etwas schwergetan.

Doris Nußbaumer ist auch Sprachpädagogin, so habe ich sie 2009 bei einem Schreibseminar der Mariahilfer Frauenwochen wiedergetroffen, organisiert das „Werkl im Goethehof“, liest beim Volksstimmefest und und…

Eine starke Frauenfigur halt und das merkt man ihren Geschichten durchaus an, so hetzt Athene im „Programm Pandora“, durch die Geschichte, nicht durch die griechische Mythologie, nein, ich glaube durch das nächtliche Wien, sauft sich im Beisl des Dionysons an, schläft mit Hephaistos und verliert sich immer wieder in der Computerwelt, um unter Stöhnen und Schmerzen das besagte Programm  zu entwickeln.

Ebenso sprunghat geht es in „Almrausch“ zu. Da weiß man nicht recht, ist man jetzt in einem Flugzeug, auf einer Berghütte, unter Wasser, auf der Rennbahn, bei nichts davon oder allem gleichzeitig, das moderne hektische Leben halt und dann geht es zu dem kleinen Sepeerl, der zu allem Scheißdreck sagt und von der Scheißtante trozdem eine Schoki will, obwohl der Zahnarzt dann sicher schimpft, auch das gehört zu unseren moderen Alltagsleben, wie der Leistungsdruck in der Schule, dem Angelika, locker zu widerstehen scheint und sich mit Gesrpächen mit dem Mathematiklehrer von einer Klasse zu nächsten bis zur Matura hantelt.

Besagte Ankeika stammt aus einer Großfamilie, für die sie nichts kann und die sie sich auch nicht ausgesucht hat und so wird sie von ihren Tanten auch stes belehrt, wie sich ein braves Mädchen zu verhalten hat, bis sie Tante Hortensia, die eigentlich Mizzi heißt, ordentlich drüberfährt und ihr dann auch noch vor die Füße speibt.

Dann gibt es noch die Katzengeschichte, die mit einer Abteibung endet, die Doris Nußbaumer auch bei den „Wilden Worten“ vorgetragen hat.

„Ida“ ist wieder eine hochkomplexe Geschichte in zehn Teilen, einer Wisschenschaftlerin, frau merkt Doris Nussbaumer hat beim „Lise Meitner-Preis“ mitgemacht, die mit Datenbrille, Datenhandschuh, etcetera in virutelle Welten des Theater La Fenice und andere Orte begibt, ihren Studenten „Die Stories von Computerspielen und Animationen“ beizubringen versucht, sich  von ihrem blinden Freund trennt und sich im anschließenden Cybersex ganz altmodisch nach ihm sehnt.

„Zapp“ hab ich, glaube ich, schon in der Brunnenpassage, teilweise gehört, da wird durch die Fernsehprogramme gezappt.

In „Pamukkale“ scheint es um ein Verhör und um Erinnerungen zu gehen. Die Geschichte vom Drachen, dem Ritter und der Jungfrau wird neu erzählt und ganz schön hinterfotzig geht es auch in „Herrin der Ringe“ zu.

Da empieht die Nachbarin einer Schlaflosen, Magnetringe gegen die Magnetstrahlungen. Der Wünschelrutengänger erscheint, findet das Zimmer total verstrahlt, empfiehlt die teueren Ringe und die Protagonistin greift nach der Digitalkamera um sein verdutztes Gesicht festzuhalten, wennn….

Im „Märchen der Erkenntnis“,  wird Schiller zitiert und sich noch einmal über die Wissenschaft und ihren Erkenntnisdrang, beziehungsweise über die verzopften Wissenschaftler, die forschen, während ihre Gattinnen zu Hause mit dem Essen warten“, lustig gemacht.

Sechzehn spannende Geschichte einer starken weiblichen Stimme, die es vielleicht nicht auf Long-oder auf Shortlist schafft, aber trotzdem sehr zu empfehlen sind.

2015-06-08

Doris Nussbaumer bei den Wilden Worten

„Die wilden Worten“- jeden zweiten Montag im Amerlinghaus“ mit Richard Weihs, früher noch mit Franz Hütterer und Michaela Opferkuh und, ich glaube, noch früher war es auch im „Siebenstern“, sind auch so ein literarischer Nahversorger, wie es in Wien einige zu geben scheint.

Jedes Monat tritt da ein mittel- bis sehr oder vielleicht sogar eher unbekannter Autor oder Autorin auf und präsentiert ihr oder sein Werk, dann kommt Richard Weihs, teilt seine kleinen Zettelchen oder Formulare aus, wo man sich fürs nächste Mal ein Gedicht wünschen kann und liest dann die erfülllten Wünsche vom letzten Mal vor.

Früher hat es noch die freie Wildbahn gegeben, da hat dann jeder, der es wollte, honorarlos lesen dürfen, der Gast bekommt, glaube ich, seine achtzig oder hundert Euro, zweimal habe ich auf diese Art und Weise gelesen und einmal war ich Gästin und ich gehe gerne hin, nicht jedesmal aber ziemlich regelmäßig, vor allem wenn mich der Gast. die Gästin interessiert und habe da schon interessante Begegnungen gehabt, Luis Stabauer, habe ich zwar das letzte oder vorletzte Mal versäumt, dafür reisen wir ihm bald an den Attersee nach und dafür habe ich auch schon „Wiesers- Europa erlesen-Salzkammergut“ im Schrank gefunden und einen“Komarek-Reiseführer-Salzkammergut“ habe ich auch, aber das ist eine Abschweifung, diesmal hat Doris Nussbaumer gelesen und es gab, glaube ich, auch einige Konkurrenzveranstaltungen, dennoch war es keine schwere Entscheidung, denn Doris Nussbaumer ist ja auch eine „mittlere Autorin“, die ich ins Amerling- oder Literaturhaus einladen könnte, wenn es meine „MittlerenReihe“ noch gäbe.

Wo habe ich die 1973 in Gmunden geborene Autorin, man sieht, der gefundene Salzkammergutband passt, wie die Faust aufs Aug oder wie der Fisch zum Fahrrand, kennengelernt?

Wieder kann ich das nicht genau sagen, nur schätzen oder mich zurückerinnern, um den Kreis der El Awadalla oder den Wiener Frauenverlag, wie der vielleicht schon „Milena“ geheißen hat, könnte es sein.

Jedenfalls habe ich um das Jahr 2000 oder war es zwei Jahre später, zwei Publikationen in Anthologien gehabt, in den „Viehereien“ die Silvia Treudl hinausgegeben hat und die El hat den ersten „Woman Science Fiction-Band“ um den „Lise Meitner Preis“ herausgegeben und, ich glaube, da haben wir beide einen Text drinnen und von da kenne ich sie wahrscheinlich auch.

Sie hat auch, als sich 2000 das schwarz blaue Gewitter über Österreich heranmachte,  eine Frauenlesung irgendwo organisiert, da war ich aber, glaube ich, nicht dabei und wahrscheinlich nicht in ihrem Verteiler, aber 2009, ob es dazwischen noch Begegnungen gegeben hat, weiß ich nicht so genau, sollte, glaube ich, die El bei den Mariahilfer Frauenwochen einen Frauenschreibworkshop halten, gehalten hat ihn die Doris und da bin ich ihr wiederbegegnet. Sie hat vermutlich auch beim Volksstimmefest mehrmals gelesen, liest bei der KritLit, der kritischen Buchmesse der Gewerkschaft, da war ich im letzten Jahr und habe mit ihr Bücher getauscht und da hat sie mich dann auch zu einer Lesung ins „Werkl im Goethehof“ eingeladen, dessen Obfrau oder Kulturvorsitzende sie seit einiger Zeit ist zu einer Werkschau eingeladen und richtig, jetzt habe ich es vergessen, das „Frauenlesebuch-des linken Wortes“ wurde mit Gertraud Klemm und anderen, auch bei ihr im „Werkl“ vorgestellt.

Den Kurzgeschichtenband „Programm Pandora“, der heute vorgestellt wurde, hätte ich also schon kennen sollen, habe ihn aber noch nicht gelesen, nur für heuer ersthaft vor und kann mich von der Lesung am Brunnenmarkt im vorigen Jahr an sehr starke Geschichten erinnern, die mir manchmal sogar im Ton etwas zu stark erschienen sind, denn irgendwie bin ich ja sehr empfindlich oder sagen wir leicht angerührt und mag es nicht soaggressiv, aber in Zeiten wo der Feminismus in Frage gestellt wird und erstaunlich viele Leute, Frauen und Männer einer Dreiundzwanzigjährigen zujubeln, wenn die frech oder naiv oder beides zusammen, behauptet, sie brauche keinen Feminismus und er ekle sie an, braucht es vielleicht die starken Töne und Doris Nussbaumer, das hätte ich jetzt fast vergessen, ist auch Dialektautorin, so stellte sie Richard Weihs jedenfalls vor und meinte dann, daß sie ein leises Stimmchen hätte und etwas schüchtern sei.

Weit gefehlt, man merkt es nur nicht gleich, daß es bei den leisen Tönen, faustdick kommen kann und so kam auch gleich ein Dialektgedicht mit oberösterreichischer Mundartfärbung, wo es um einen Walfisch, bzw. um die Keiler von Greenpeace ging, die auf der Straße stehen und junge Leute für einen Kontoauftrag werben sollen.

„Hey willst du nicht ein Walfischbaby retten?“, kommt er auf Doris Nussbauer zu und sie kontert ihm energisch, daß er zehn Minuten später von ihr flüchtet und zwei andere junge Frauen  auffordern wird.

Das war nicht leise gelesen, sondern sogar höchst theatralisch vorgebracht und Doris Nussbaumer erzählte auch gleich, wie sie zu dem Gedicht gekommen ist, dann kam eine Geschichte aus dem Buch, eine die mir, als Abtreibungsgegnerin, zu nahe gegangen ist, obwohl sie auch eine starke Frau als Heldin hat.

Eine Frau ist schwanger, soll deshalb ihr Studium auf- und bei dem Kind zu Hause bleiben und „Die Katze kommt weg!“, denn sie ist unhygienisch und angeblich haben  schon welche im Schlaf Kinder erdrückt, sagt der Mann.

„Die Katze bleibt!“, widerspricht die Frau und holt wissenschaftliche Artikel, die beweisen sollen, daß Haustiere für Kinder wichtig sind.

„Die Katze kommt weg!“ widerspricht er ihr und als sie widerkommt, mit einem Artikel oder einem Proargument, ist die Katze tot, ermordet von ihm, so daß sie Rache sinnt, ein paar Tage verschwindet und dann nicht mehr schwanger ist und Doris Nussbaumer erzählte daztu, daß sie die Geschichte für eine Anthologie der El geschrieben hat, die zwar nie erschienen ist, wo es aber um sogenannte  problemlose Abtreibungen gehen sollte, als Gegenbild zu den Frauen, die nach ihren Abtreibungen jammern und von Schuldgefühlen geplagt werden.

Ein schwerer Taback oder eine grausige Geschichte, wie ich mich statt, dem Klatschen zu Wort meldete, dann wurde es wieder dialektisch beziehungsweise esoterisch und es ging um eine Bankerin, die immer wieder den Satz hervorstieß „Das wissen alle, daß es Mondholz gibt“ und dann durfte man sich noch eine Geschichte wünschen, Märchen oder Fernsehen stand glaube ich zur Auswahl und beim Fernsehen wurde dann durch alle Programme gezappt, so daß ich schon weiß, was mich erwarten wird, wenn das „Programm Pandora“ auf meinem Leseprogramm steht.

Die Wunschgedichte waren lustig und interessant, ich wünschte mir was zur „Wahl“ mit dem Beginn  „Es ist passiert“ und den Worten „links rechts“, Anna Jeller hat als Ergebnis zu der blauroten Koalationsbildung im Burgendland, den guten alten Ernstl Jandl in ihr Schaufenster aufgelegt „Lechts und rinks kann man nicht velwechsren, werch ein Iltum“ und Doris Nussbaumer kündigte noch an, daß es Morgen im „Werkl im Goethehof“ einen Slam gibt und sie am Samstag noch einmal woanders liest, aber da werde ich schon in Leipzig sein.

Katharina Tiwald, AndreaStift, Mechthild Podzeit-Lütjen, Dagmar Fischer, Karin Ivanscisc, Erika Kronabitter Sophie Reyer, Judith Gruber- Rizy haben unter anderen auch schon bei den „Wilden Worten“ mit mir im Publikum gelesen und eine „wilde Adventlesung“ gab es einmal auch.

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