Literaturgefluester

2018-05-01

Alles muß man selber machen

Filed under: Bücher — jancak @ 00:49
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Nun kommt meine „Befindlichkeitsbesprechung“ über Daniela Strigls bei „Droschl“ erschienen „Biographie- Kritik- Essayband“, der, glaube ich, aus Vorlesungen die sie in Graz zur „Praxis des Schreibens“ gehalten hat, hervorgegangen ist und der meine, weil ich ja sehr an der Literatur und dem Literaturbetrieb interessiert bin, Aufmerksamkeit geweckt hat, so daß ich Henirike Blum in Leipzig darauf angesprochen habe und auch bei der Buchpräsentation in der „Gesellschaft für Literatur“ war.

Ich kenne, kann ich gleich vielleicht auch biographisch hinzufügen, die 1964 in Wien geborenene Literaturwissenschaftlerin und Literaturkritikerin schon sehr lange. Ich glaube, ich habe sie in den Neunzigerjahren, als sie die damals noch existierende „Literatur im März“ kuratierte, kennengelernt. Dann 2000 wahrscheinlich bei einem „Paul Celan-Symposium“ im Radio Kulturhaus gesehen und mich nicht getraut sie anzusprechen, obwohl ich das gerne getan hätte.

Dann ist sie, glaube ich, schlagartig im Literaturbetrieb aufgestiegen, war beim „Bachmmann-Preis“ Jurorin, bis sie von dort wieder ausgestiegen ist, weil man ihr den versprochenen Vorsitz nach Burkhard Spinnen, dann doch nicht geben wollte, war in der Jury des „Deutschen Buchpreises“ und auch bei dem in Leipzig, war im Radio bei „Ex Libris“ tätig und kuratiert bei den „O-Tönen“, die Debutschiene und hat verschiedene Preise bekommen.

2001, den „Staatspreis für Literaturkritik“, da war ich, glaube ich, auch bei der Verleihung, hat zwei Biografien über Marlen Haushofer und über Marie von Ebner  Eschenbach geschrieben. Über Morgenstern, glaube ich, ihre Diolomarbeit über Kramer ihre Dissertation und sie ist was ich auch sehr interessant finde bei vielen Veranstaltungen zu finden, so daß man wenn man in Wien lebt und sich wenigstens ein bißchen für Literatur interessiert, nicht um sie herumkommt und ich sehr viele Anekdötchen über sie erzählen könnte.

Die Haushofer-Biografie wurde 2000 wahrscheinlich im „Radio-Kulturcafe“ bei einer literarischen Soiree vorgestellt. Da war ich mit dem Alfred. Es gab einen Quiz. Das heißt, einen Fragebogen den man ausfüllen konnte, wenn man das Buch gewinnen wollte. Ich habe vorher die „Ex-libris-Sendung“ darüber gehört und dachte, das weiß ich alles. Bin aber leider offenbar doch sehr schlampert, wie sich dann bei der Beantwortung herausstellen sollte. Ich habe mich auch mit dem neben mir sitzenden Herrn abgesprochen. Hatte dann gleich viel Punkte wie er. Die richtige Antworten auf die Stichfragen aber auch nicht gewußt .Er war aber so charmant mir das Buch zu überlassen. Nochmals vielen Dank dafür.

Die Ebner-Eschenbach-Biografie habe ich nicht, weil „Residenz“ ja irgendwann aufhörte, mir seine Vorschauen zu schicken, war aber beim Symposium und bei der Präsentation der Werkausgebe in der „Wien Bibliothek“ und ich habe auch, Detail am Rande die Junge Literatur aus Österreich-Bände gesammelt, die es in den Achtzigerjahren gegeben hat und wo einige heute bekannte Persönlichkeiten ihre Jugendwerke, darunter auch Daniela Strigl, ein paar ihrer Gedichte eingereicht haben.

Sie mischt sich, glaube ich, auch in die Tagespolitik immer wieder ein und hat sowohl mündlich als auch schniftlich eine sehr schlagfertige Art, was das Lesen ihrer Bücher und wahrscheinlich auch das Hören ihrer Vorträge sehr angenehm macht.

Das gar nicht so dicke Bändchen, ich habe wieder mal das PDF gelesen, gliedert sich in drei Teile „Biographie – Kritik – Essay“ umd im ersten Teil, der der Biographie gewdmet ist, werden natürlich die beiden schon erwähnten Biografien genannt und besprochen und die verschiedensten Fragen aufgeworfen, die es um das Biografieschreiben gibt.

Da ist, glaube ich, wahrscheinlich zwischen dem biografischen Roman und der wissenschaftlichen Biografie zu unterscheiden, der erster ist ja jetzt sehr modern und ich habe in letzter Zeit mehrere davon gelesen. Daniela Strigl hält sich natürlich an die Wissenschaft. Schreibt aber, wie erwähnt sehr witzig und scharfzüngig, was sehr angenehm beim Lesen ist und so wird im ersten Teil des Buches in einigen Punkten sehr viel über die beiden Biografien, bei meiner Haushofer Ausgabe, gibt es noch keinen Titel, die die späteren Ausgaben glaube ich, haben und über „Berühmt sein ist nichts“ über Marie von Ebner Eschenbach viele informationen und es werden sehr interessante Fragen gestellt. Nämlich, wie das mit den Geheimnissen so ist, die die betroffenen Personen vielleicht nicht gelüftet haben wollen.

Daniela Strigl hat bei ihren Recherchen in Tagebücher und Briefen da einiges ins Licht gebracht, was den Haushofer- Verwandten unangenehm war. Marie von Ebner Eschenbach hat ihre Tagebücher verbrannt und die Briefe nach dem Tod ihrer Freundinnen zurückverlangt. Bei denen an Josephine von Knorr ging das nicht. So hat Daniela Strigl manches aufgedeckt, wo ich mich die die Autheniztät aber auch die Selbstverantwortlichkeit wichtig ist, frage, ob das richtig ist, wenn ich in einer Biografie beispielsweise eine Homosexualität oder sexuelle Verklemmtheit aufdecke, die ich nur vermute  oder sich der Autor aber nicht outen  wollte?

Ene interessante Frage, auch die daß Biografien in der Literaturwissenschaft, als nicht seriös gelten. Die Leser aber gerne  Gschichterln über die berühmten Personen lesen und natürlich ist es, denke ich, wahrscheinlich besser das Original zu lesen.

Also Haushofers „Wand“ oder die Biografie statt den Essay darüber. Aber wir alle leiden ja am Zeitmangel. Haben zu wenig davon und so ist es sicher amusant und spannend sich in die Vorlesung einzuhören und in den Biografieband einzulesen. Die Wand habe ichtrotzdem gelesen und den Haushofer-Band wenigstens durchblättert.

Der zweite Tel ist der „Kritik“ gewidmet und das ist ein sehr interessantes Thema, obwohl mir beim Lesen wieder einmal die Frage aufgestoßen ist, warum das „Kritik“ heißen muß und warum muß der Kritiker kritisieren oder verreißen und warum darf es nicht genügen, bloß den Inhalt und seine Meinung, wie ich das ja beispielsweise ganz bewußt tue, wiederzugeben?

„Das ist keine Kritik!“, sagen die Fachleute und zitieren Beuispiele und Belege, was der Sinn einer Kritik zu sein und welche Teile sie zu enthalten hat. Daniela Strigl tut das auch, macht sich nur ganz leicht und nur ein bißchen über die sogenannten Laienkritiker im Netz lustig, die das Buch auf den Strand mitnehmen und dann schreiben: „Das hat mich nicht berührt oder das ist super supitoll!“

So darf Kritik nicht sein, denn sie muß sich ja mit dem Inhalt auseinandersetzen, den Hintergrund aufdecken, vielleicht auch neu zusammensetzen und noch vieles mehr und von da stammt auch offensichtlich das Titelszitiat, daß der Kritiker nicht oder schon alles selber machen muß oder soll.

Den besseren Roman schreiben beispielsweise und auf jedenf Fall alles besser wissen! Das ist aber etwas, was mich ärgert und deshalb lese ich auch selten Literaturkritiken. Ich lese eher die Bücher und schreibe dann meine Meinung darüber und verreiße nicht, weil ich das nicht notwendig habe.

Aber ich bin auch keine Rezensentin sondern bespreche eher als Erinnerungsstütze und für mein persönliches Archiv. Wenn, das dann noch jemanden weiterhilft und vielleicht zum Lesen anregt, um so besser und das unterscheiden meine Befindlichkeits- oder nicht-besprechungen, sicherlich von Daniela Strigl Rezensionen, die zuerst ein paar Zitate von Theodor Fontane bis Klaus Nüchern über den Niedergang der Literaturkritik bringt.

Dann zittiert sie ein paar Kritikertypen und resumiert darüber, ob die nun Platzanweiser, Raumpfleger, Polizisten, etcetera sind? Sie will das, glaube ich, nicht sein und Klaus Nüchtern versteht es offenbar durchaus als seine Aufgabe, die Leser davon abzuhalten, ihre Zeit mit einem schlechten Buch zu verplempern?

Aber bitte, was ist ein schlechtes Buch. Da scheiden sich die Geister, denn es gibt über ein und dasselbe Werk, in den literarischen Soireen und Quartetten ja die verschiedensten Meinungen und da will ich es lieber für mich selber herausfinden und deshalb lese ich wahrscheinlich auch selten Literaturkritiken und schüttele den Kopf, wenn die Kritiker abwehrend den Finger heben und laut „So nicht!“, schreien.

Daniela Strigl tut das, glaube ich nicht, bringt aber ein paar Beispiele ihrer Kritiken. So hat sie beispielsweise Andre Hellers „Buch des Südens“ verrissen und der hat mich ja einmal sehr zur Verweiflung gebracht, als ich ihn in einer „Ex Libris-Sendung“ sagen hörte, daß der Laie, fühge ich jetzt selbst hinzu, ja nicht zu schreiben anfangen soll, weil er damit den großen Goethe beleidigen würde.

„So ein Blödsinn!“, habe ich damals gedacht und mich sehr geärgert. Das „Buch des Südens“ aber nicht gelesen, so daß ich hier keine Gegenmeinung anbringen könnte und dann gibt es noch ein Beispiel, von etablierten Literaturkritikerm, die allen Ernstes behauptet haben, „daß schon solche Idioten, wie Günter Grass, Elfriede Jelinek und jetzt schon Bob Dylan den <nobelpreis bekommen hätten“.

„Ein noch größerer Blödsinn!“, denke ich und eigentlich der Abgesang der Literarurkritik. Dabiela Strigl führt aber noch weiter aus, warum sie dennoch Rezensionen schreibt und, wie man mit den Kritisierten umgehen soll, wenn man sie am  Abend bei einer Veranstaltung sieht und sie bedauert es dann auch, wenn die ihr Urteil persönlich nehmen und beleidigt sind.

Dann kommt auch sie auf ihre schon oben erwähnten Gedichte zu sprechen und zitiert einen Roman, den der große Wendelin Schmidt Dengler geschrieben, dann für schlecht empfunden und, wie sie anmerkt wahrscheinlich vernichtet hat.

Ich habe, kann ich anmerken, einmal in einem der Schränke ein Jugendwerkt des berühmten Hubert Winkels gefunden, der jetzt in Klagenfurt den Juryvorsitz hat und Wolfgang Herles und Helmuth Karasek haben ja auch Romane geschrieben und wurden von ihren Kritikerkollegen entsprechend verrissen.

Dabniela Strigl schreibt, glaube ich, keine Romane, aber Essays und die prägen den dritten Teil des Buches, wobei sie den Begriff als „Gattung der Freiheit“ definiert, in dem Portraits, Abhandlungen zu ästhetischen und gesellschaftlichen Fragen, Zeitkritik, Aphorismen, also das gesamte weite Feld der Literatur, das nicht in Lyrik, roman oder Erzählung einzuteilen ist, enthalten sind.

Nachdem dieser Begriff in vier Kategorien erläutert  Definitionen von Lichtenberg, Wolfgang Müller-Funk, der ja auch dichtet, etcetera anführt, kommt sie zu den Beispielen ihrer Feder und da hat sie sich neben literarischen Portraits über Ebner-Eschenbach, Gerstl, Buchebner, Kräftner, etcetera auch sehr persönlich geäußert und sich in Zeitungen wie „Falter“ oder „Standard“ über den „Niedergang der Lippizaner, der Kaisersemmerln, denn sie ist Bäckerenkeltochter, sowie über die Baustellen auf der Uni  geäußert. Daraufhin wurde sie zum Vizerektor zitiert, an der Direktion der Hofreitschule wurde nichts geändert, nur die Wiener Llinien, die vorher „Zug fährt ab“ und dann „zurückblieben bitte“ ausufen ließen, worüber Strgl sich mokierte, haben, wie sie befriedigt anmerkte ihr Tonband auf nicht mehr „Einsteigen“ bitte geändert.

Man sieht, daß dasLeben einer Germanistin sehr interessant sein kann und lobend ist wahrscheinlich das literarische Geschick, sowie ihr Witz und Ironie  zu erwähnen, in dem es ihr gelingt, die trockene Literaturkritik in etwas sehr Spannendes zu verwandeln.

Deshalb ist das Lesen des Bandes sehr zu empfehlen und vielleicht sollte ich doch mehr Strigl-Kritiken lesen, obwohl ich,  wie schon erwähnt, eher eine Direktleserin bin, die dann ihren eigenen Senf auf ihre eigene bewußt subjektive Art dazu gibt, was wenigstens ich, für sehr erfrischend halte und ehrlich ist es auch.

2017-06-05

Broken German

Filed under: Bücher — jancak @ 00:06
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Weiter geht es mit den Geburtstagsbüchern und diesmal ist es eines, das polarisieren könnte, nämlich Tomer Gardis „Broken German“ mit dem er im Vorjahr beim „Bachmannpreis“ gelesen hat und bei „Amazon“ gibt es gleich drei „Ein-Stern-Rezensionen“:Unglaublich schlecht. Definitiv nicht empfehlenswert, zumindest für Leute mit Anspruch auf gute deutsche Literatur, welche nicht in einem Satz gleich mal 10 Rechtschreibfehler hat“, steht da geschrieben und am Buchrücken steht „Eine erfrischende Antwort auf die „German Kulturangst“ vor der Überfremdung – für alle, die Lust auf Grenzüberschreibtung und Regelbrüche haben.“

Ja wir leben in bewegten Zeiten, wo sich viel, aber nicht alles verändert, denn daß die Leute sehr happig sind, wenn einmal die Orthographie nicht ganz stimmt und die alte statt der neuen Rechtschreibordnung verwendet wird, kann ich bei meinen Kommentaren merken, dabei habe ich kein gebrochenes, sondern wahrscheinlich ein Hauptschuldeutsch, mit dem ich mich, aufmüpfing wie ich einmal bin, wehre mich den Regeln und den sogenannten Rechtschreibordnungen anzupassen.

Andererseits kann man ja schon in Hochschulvorträgen Sätze hören, wo das German mit dem  Englisch sehr vermischt ist, wir gehen shoppen, schreiben mails etecetera, brauchen, da viele Kinder in der Schule nicht richtig Lesen lernen, eine leichte Sprache und die Kinder, die in mehreren Sprachen aufwachsen, verwenden wahrscheinlich sehr selbstbewußt ein Sprachgemisch und ich war auch einmal in Bozen und hörte einer Frau beim Reden zu, wie sie sehr selbstverständlich mitten im Satz das Deutsch ins Italienische kippte, weil ja zweisprachig aufgewachsen und beides  die Mutter oder Vatersprache, wie das so schön heißt, ist.

Aber eigentlich geht es auch, um die Flüchtlingsströme, die polarisieren und die „Gutmenschen“ und „Multikultis“ dann vielleicht auch einmal aus Trotz dazu veranlaßen, Leute zum „Bachmannpreis“ einzuladen, die vielleicht wirklich oder auch nur konstruiert, ein  broken German haben.

Bei dem 1974 in Israel geborenen Tomer Gardi, der sowohl in Tel Aviv, als auch in Berlin Literatur studierte, bin ich mir gar nicht so sicher, wie gebrochen er wirklich Deutsch spricht.

Er war jedenfalls Stipendiat in Graz und hat da, glaube ich, das bei „Droschl“ erschienene Buch geschrieben. Klaus Kastberger hat ihn nach Klagenfurt eingeladen und ich habe das Buch gelesen und muß schreiben, ich habe mir beim Lesen auch ein wenig schwer getan, all das zu verstehen, ist man das fehlerfrei korrigierte Hochdeutsh ja gewähnt und erwartet es wahrscheinlich auch und ich kriege ja auch manchmal Kommentare, daß ich zu unverständlich bin.

Ein Roman oder eigentlich ist es eine Kurzgeschichtensammlung, die mit der Sprache, der Geschichte und noch mit vielen anderen spielt, um Kafka und Goethe, Nabokov und die Herren der Akademie geht es auch und die Leichen, die man im jüdischen Museum findet und Koffer, die am Flughafen vertauscht werden und auch die Protagonisten werden das ständig, taucht doch Tomer Gardi himself auf, sitzt in Graz und schreibt sein „Broken German“, dann sind wir in Berlin und im jüdischen Museum.

Es geht, um ein nur scheinbar vergrabenes Messer und den Film der darüber gedreht werden soll. Aber eigentlich wurde das ja gar nicht vergraben, sondern von der Flughafenpolizei abgenommen, weil man damit ja in kein Flugzeug  darf und sowas habe ich 1991 in Japan auch tatsächlich erlebt, daß eine alte Dame, ein solches in ihrem Koffer hatte und auch Brot und Konserven, weil sie sich in den zehn Tagen Japanaufenthalt vorwiegend durch Mitgebrachtes ernähren wollte. Das war noch lange vor nine elefen, also auch da kein großes Tamtam und ich bin ja eine, die sehr tolerant ist und die Frage was gute Literatur ist noch immer nicht beantwortet hat.

Das heißt, ich glaube, es gibt eigentlich keine besondere und alle ist gut, die ehrlich und authentisch ist und eigentlich ist es ja auch nicht wirklich sehr verständlich, warum man keine Rechtschreibfehler haben darf, aber sehr wohl Mäuse in heißes Fett tauchen, wenn man ein Stipendium haben will.

Ich denke, daß alle Leute schreiben sollen, die das wollen, daß man dafür keine Matura und auch keine Hochschulbildung braucht und, daß sich die Sprache natürlich verändert wird, wenn die jungen Autoren Türkisch als Muttersprache haben,  Serbisch oder Albanisch, etcetera.

In dem Buch geht es sicher auch um Politik und ich wäre sehr gespannt, was mein Kritiker Uli dazu sagen würde, oder lieber nicht, denn, daß dem das auch nicht sehr gefallen könnte, daß da einer herkommt und mit der Sprache mehr oder weniger mutwillig spielt, aus dem „Goethe Institut“ eines für Kafka machen will und ständig den Herren der Akademie von seinem Besuchen im jüdischen Museum und den Leichen, die er dort gefunden hat erzählt, kann ich mir vorstellen

Wahrscheinlich eine Einbahnstraße der Literatur und ein Experiment, daß da Klaus Kastberger und „Droschl“, der ja als er noch dem Vater gehörte,  ein sehr sehr experimenteller Verlag gewesen ist und heute einer dessen Bücher man regelmäßig auf den dBp-Listen kann, wagten.

Der gebildete Durchschnittsleser wird sich wahrscheinlich schwer mit solchen Büchern tut, und „Kann der kein Deutsch?“, schreien, aber das tut Tomer Gardi ja auch und schreibt mehrmals „Wie heißt das jetzt auf Deutsch?“ oder „Was für Sprache redet ihr da? Was wir reden ist Deiutsch, sagt er. Was ihr da redet ist kein Deutsch. Die drei wollen uuns, sagt er zu seine Freude, die drei wollen uns anscheint verarschen“.

Das vielleicht auch und mich würde wirklich interessieren, wie echt oder konstruiert dieser Text, den ich für sehr wichtig, gerade in Zeiten wie diesen halte und ihn auch interessant zu lesen fand, ist und die Sprache wird sich und hat sich natürlich verändert.

Vor hundert Jahren haben die böhmischen Köchinnen in den Wiener und wahrscheinlich auch Berliner Herrschaftshaushalten „Kucheldeutsch“ gesprochen, in den Kabaretts wurde geböhmakelt und gejiddelt und sich lustig darüber gemacht.

Das mag ich wahrscheinlich genauso wenig, wie die Tschechen, wenn es um das böhmakeln des Joseph Schwejk geht, der das in Prag sicherlich nicht gemacht hat, weil seine Muttersprache ja Tschechisch nicht Dutsch war und heute reden wirm je gebildeter wir sind, alle selbstverständlich „denglisch“, wollen aber bestes Hochdeutsch oder vielleicht auch etwas Experimentelles lesen und wenn etwas einfach und linear geschrieben ist, dann ist es keine gute Literatur. Fehler darf es natürlich auch keine haben, aber dafür gibt in den Publikumsverlagen, ja die Lektoren, sofern diese in Zeiten, wie diese noch existieren, die sie ausmerzen sollen.

Ein spannendes Stück Literatur also mit der wir über uns, über die politische und gesellschaftliche Situaton nachzudenken und vielleicht auch mehr Toleranz einzufordern können.

Aber beim „Bachmannpreis“ und noch viel mehr beim „Bloggerbusterpreis“ wird natürlich nach wie vor ausgewählt und Tomer Gardi konnte, da Graz-Stipendiat in Klagenfurt lesen und bei „Droschl“ erscheinen, wenn der sein Manuskript aber einfach so und ohne Erklärung zu den Bloggern geschickt hätte, währe er höchstwahrscheinlich nicht in die Longlist gekommen, denke ich, bin gespannt, was weiter in der Sprache und in der Literatur passiert und freue mich in diesem Sinn schon auf den nächsten „Bachmannpreis“, der ja demnächst stattfinden wird.

2016-11-04

Traurige Freiheit

Buch zwei von der „öst. Debut Liste“, die man, wie ich festgestellt habe, nicht miteinander vergleichen kann, denn von den Ereignissen in Rechnitz, wo eine reiche Stahlerbin, 1945 mit Nazis Walzer tanzte, bevor die hundertachtzig Juden erschossen, geht es in die vermeintliche Freiheit der Generation Praktikum und in die prekären Arbeitsverhältnisse, derer, die als sie geboren wurden, angeblich alle Chancen hatten, studierten und jetzt von einem Vorstellungsgespräch zum anderen tappen und vor lauter Freiheit nicht weiterwissen.

Die 1980 in Tirol geborene Friederike Gösweiner hat ihn geschrieben, das Buch ist schon im Frühjahr bei „Droschl“ erschienen, Alfred hat es in Leipzig, wo am „Österreich-Stand“ vorgestellt wurde, entdeckt, es, wie das Buch von Sacha  Battyhany gekauft und es diesmal mir geschenkt.

Ich war auch bei den „Ö-Tönen“, wo es vorgestellt wurde, jetzt ist es bei den „öst Debuts“, steht auch mit einer Reihe anderer Bücher auf Debutlisten, was ja sehr schön ist, aber da werden wieder aus einer Reihe von Einreichungen einige, beziehungsweise am Schluß einer oder eine ausgewählt und die anderen bleiben über.

Ja, das Leben ist hart, wahrscheinlich nicht nur in der Generation Praktikum, aber da wahrscheinlich ganz besonders und Friederike Gösweiner hat es im Gegensatz zu ihrer Hannah weit gebracht, wird ihr Buch bei den Blogs sehr gelobt und hat gute Chancen vielleicht mehr als  einen „Bloggerpreis“ zu gewinnen und es ist ein hartes Buch, ein sehr beeindruckendes.

Alice Strigl, die es für ihre Debutreihe auswählte, hat es sehr traurig genannt und das ist es auch, wie ich, die ich mich ja schon länger mit den prekären Arbeitsverhältnissen beschäfte, wahrscheinlich auch beurteilen kann.

Ein paar Fragen habe ich natürlich dazu, einiges erscheint mir unlogisch oder auch nur sehr gut konstruiert, denn die neun Kapitel mit denen der  kurze Roman erzählt wird, sind sehr gekonnt zusammengestellt und es gibt auch einige Metaphern, wie der vom „Fallen“, die das Buch begleiten und eigentlich könnte man  sagen, ist es der heitere Himmel aus dem Hannah, 30, nach diesen neun Kapiteln hinunterfälllt.

Denn sie hatte es ja gut, hatte Geschichte oder Journalismus in ihrer Kleinstadt studiert, lebt mit Jakob, einem Arzt, also auch sehr gut situiert, der irgendwo in einer Klinik wahrscheinlich seine Facharztausbildung macht und alle, Hannah inbegriffen, blicken zu ihm auf, dem Mann in Weiß. Aber auch Hannah will hoch hinaus und sieht die Chance ihres Lebens, denn sie hat das Angebot bekommen, in Berlin für ein halbes oder ganzes Jahr ein Volontariat zu machen.

Das spaltet die Beziehung, denn Jakob will keine aus der Ferne führen, so zieht Hannah aus, zuerst zu ihren Eltern, dann nach Berlin in die Wohnung ihrer Freundin Miram, die auch Journalistin ist und gerade eine Korrespondentenstelle in Moskau angenommen hat.

Die zweite Frage, die ich habe, betrifft das zweite Kapitel, denn das Volontariat, endet schon nach acht Wochen und nicht erst nach dem halben oder ganzen Jahr, die acht Volontärinnen werden feierlich mit Sekt, Brötchen und Schokolade verabschiedet, weil am Montag schon die nächsten kommen, sie dürfen aber weiter ihre Chance nutzen und freiberuflich Artikel anbieten.

So sitzt Hannah in Kapitel drei in der Bibliothek, denn Jakob wollte nicht, daß sie zurückkommt, schickt aber weiter Fragezeichen und Musiknummern, schreibt Bewerbung um Bewerbung, bewirbt sich auch einmal für eine „Lehrredaktion“.

Zwanzig werden eingeladen, drei genommen, Hannah ist, obwohl ja alle Chancen, natürlich nicht dabei, fängt zu kellnern an. De Eltern, die es gibt sind nicht damit zufrieden, schicken zum dreißigsten einsamen Geburtstag sechzig Euro und einen privaten Vorsorgevertrag und in dem Cafe, in dem alles zu klappen scheint, aber natürlich, um zu kellnern hat sie nicht studiert, lernt sie Stein, einen Journalisten aus Hamburg, der in Berlin einen Lehrauftrag hat und verheiratet ist, kennen, der soll ihr helfen, tut es aber nicht.

So vereinsamt Hannah in dem großen Berlin immer mehr und mehr, hat nur noch Kontakt zu Miram, die ihre Stelle, es wird in den Redaktionen ja überall eingespart auch verliert. Jakob meldet, daß er Vater wird, sie aber trotzdem nicht vergessen kann und so steht Hannah ein Jahr nach ihrer Anrkunft auf der Dachterrasse des Hochhauses am Geländer, schaut auf die Straße hinunter und überlegt wahrscheinlich, ob sie fallen oder, wie vereinbart Miriam vom Flughafen abholen soll?

„Ein genauer Blick auf das Wechselspiel von Hoffnungen, Resignation und Aubruch in der Generation der Dreißigkährigen“ steht am Buchrücken.

Die „Amazon-Rezensenten“ sind nicht alle mit dem Buch zufrieden, einige wollten mehr über den Bereich wissen, in dem Hannah ihren Journalismus betreibt.

Stimmt, das wird nicht erzählt, sonst ist die Atmosphäre aber erstaunlich dicht beschrieben und man merkt, was ja vieleicht auch abschrecken kann, daß da eine sehr unsichere und einsame junge Frau in die Freiheit des großen Berlins hineingesetzt wurde, aber hätte sie in Innsbruck bleiben und, wie es wahrscheinlich, die Generation ihrer Mutter tat, ihren Gott in Weiß heiraten sollen?

Die Arztgattinen von damals, wurden wie ich aus Gesprächen weiß, zum Teil von den von ihren Gatten verschrieben bekommenen „kleinen Helfern“, süchtig und Hannah braucht schon am Anfang der Geschichte „was zum Schlafen“.

Die Rezensenten sprechen auch von der Depression und nicht von dem Prekatiat, um das es in dem Buch gehen würde.

Und das vermischt sich natürlich auch, hat ja Stein, als er sie zum Essen einlud, das er dann nicht bezahle, auch von den „Tüchtigsten erzählt, die in Zeiten, wie diesen überleben“, während die anderen unterhehen und Hannah kennt  auch Freundinnen, die es geschafft haben.

Aber so leicht kann man sich wahrscheinlich nicht heraussreden, wenn man zwanzig Leute einlädt oder auf eine Liste setzt und dann drei von ihnen aussucht und den anderen ein bedauerndes Absagebrieflein schickt, daß sie halt leider nicht passte, es nichts mit den Qualifikationen zu tun hat, es in Zeiten wie diesen, aber keinen „Welpenschutz“ geben kann!

Und wir spielen wahrscheinlich auch ein bißchen mit in dieser neoliberalen Marktwelt, wenn wir zu den Preisverleihungen gehen, wo drei ausgesuchte Leute vorlesen können und der Moderator anschließend bedauert, daß zwar alles schöne Texte, aber leider, leider nur einer gewinnen kann!

Friederike Gösweiner hat es bis ganz nach oben geschafft und wird sich vielleicht am Vorabend der Buch-Wien freuen oder ein bißchen traurig sein.

Viele andere, die, die vielleicht jetzt beim „Nanowrimo“ mitschreiben oder selber publizieren haben es nicht so weit geschafft und auch der „Debutblog“ hat bei seinen Debutbedingungen, genau, wie auch beim „öst Preis“ hineingeschrieben, daß sich Selbstverleger nicht bewerben dürfen, aber auch die haben Wünsche, Täume, Hoffnungen, müssen, essen, Miete zahlen, auch wenn sie vielleicht, wie Hannah mit allen ihren Chancen,  nicht bei den Besten sind.

In diesem Sinne wünsche ich Friederike Gösweiner alles Gute und empfehle das Buch zu lesen und vielleicht ein wenig geduldiger zu sein und nicht nur nach oben, sondern nach unten zu schauen, wo sich die Hinuntergefallenen befinden, obwohl das vielleicht nicht so leicht ist, denn „die im Dunkeln, sieht man ja bekanntlich nicht!“

2016-07-12

Antonio Fians Schwimmunterricht

Filed under: Veranstaltungen — jancak @ 00:36
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Oder Band sechs der bei „Droschl“ erschienenen Dramolette, die am Montag in der „Alten Schmiede“ von Angelika Reitzer moderiert und vorgestellt wurden.

Ich weiß nicht, ob ichs schon mal geschrieben habe. Ich habe ein „Feibord“ in Harland, wo alle Staatsstipendiaten und Preisträger eines Jahres einen Text drin hatten.

Viele bekannte Namen, Werner Herbst hat damals den „Preis der Stadt Wien“ bekommen, Gerhard Ruiss sitzt am Titelbild am Klo, Paulus Hochgatterer, Karl Markus Gauss waren damals bei den Stipendiaten und natürlich der 1956 in Klagenfurt geborene Antonio Fian.

Sein Text, daran kann ich mich noch erinnerm, hieß oder handelte vom „Konstantinhügel“ im Prater und dann ist Antonio Fian, der vor ein paar Jahren einmal auf der Longlist des dBps stand, ja bekannt für seine „Dramolette“, die wie Angelika Reitzer genau erklärte, zuerst im „Falter“ und jetzt im „Standard“ erscheinen und sechs jeweils bei „Droschl“ erschienene Bände gibt es auch.

Angelika Reitzer hat genau die Namen aufgezählt und die Erscheinungsjahreszahlen dazu gesagt „Was bisher geschah“, „Was seither geschah“, „Alarm“, „Bohrende Fragen““Man kann nicht alles wissen“ und  zuletzt erschienen „Schwimmunterricht“ und da habe ich, glaube ich, von den fünfzehn vorgetragenen Dramulette, die ersten sieben schon bei „Literatur und Wein“ in Göttweig gehört.

Die erste nicht, denn das war eine Rede, im Stehen vorgetragen und erinnerte mich sehr an die, die Armin Baumgartner im Amtshaus Margareten vor kurzem vortrug, die mich wieder an Gert Jonke erinnert hat, aber das war ja auch ein Kärtner und von Antionio Fian von  dem ich den Erzählband „Helden Ich Erzähler“, auch bei „Droschl“ erschienen und den ersten „Dramuletten-Band“ in meinen Regalen habe, habe ich auch meine Lieblingsdramulette, die ich ja gelegentlich, nicht regelmäßig und systematisch, am Samstag im „Standard“ lesen.

Vom ersten habe ich vielleicht auch schon geschrieben, habe ich Antonio Fian ja schon öfter bei Lesungen gehört, das ist das von der schwerhörigen alten Frau und ihrer durch künstliche Befruchtung entstandene Tochter, die zum Kasper lernen gehen will und jetzt aus aktuellen Anlaß, das zur Wahlwiederholung.

Die FPÖ hat eine Kameria in der Wahlzelle damit alles mit rechten Dingen zu geht, anbringen lassen und ist entsetzt, wieviele Leute den anderen wählen, das kann man nicht anfechten, das mit der Kamera schon.

Antonio Fian begann also mit seiner „Nonsenserede“ die er 2013 für die „Wiener Festwochen“ geschrieben hat, dann kam ein Gespräch mit Angelika Reitzer, die auf Nestroy, Kraus und Bernhard hinwies und die Dramuelette analysierte und dann die ersten sieben Stücke, die ich schon in Göttweig hörte, das von „Bin Ladens Tod“, den die ganze Welt begrüßt, die drei Muttertagsstücke, von dem Sohn, der kein T aussprechen kann und die Mutter und die Großmutter machen ihn lächerlich, die zwei von den Schülern, die sich wegen einem Mädchen verprügeln und die Lehrerinnen schauen zu und das mit der Radikalisierung und auch das, wo der Fleischfresser in Kärnten beim Daten einer Vegetarierin gegenübersitzt. Das siebente war dann das, wo Günther Grass am Wörtersee sitzt und dann wurde es, weil die Lesung ja in der „Alten Schmiede“, im „Literarischen Quartier“ stattfand, literarisch, wie Antonio Fian, zu dem Erich Hackl und noch andere Interessierte gekommen waren, feststellte, ja richtig, das habe ich jetzt vergessen, Angelika Reitzer sprach Antonio Fian noch auf Andre Heller an, den er in seinen Stücken sehr oft erwähnen wüde.

Es kamen dann aber noch einige, die von Norbert Gstrein und Marlene Streeruwitz handelten und der Kafka, beziehungsweise sein „Amerika“ blieb über, Marcel Reich Ranicky, der österreichische Torberg oder Hans Weigel tauchte auf und Sigrid Löffler und man bekam Lust sich in die Dramulette einzulesen, die sehr politisch, aber auch sehr literarisch sind und ich habe ja noch einiges liegen, welch Glück, daß ich eine solche Büchersammlerin bin und auch den „Standard“ gelegentlich lese.

Und warum es „Schwimmunterricht“ heißt, kann ich zum Schluß auch noch veraten. Das Titelstück war nämlich die Zugabe und handelte von einem Kärntner Vater, der seinem Sohn, das Schwimmen beibringt und ihm dabei einige „Flaschen“ gibt.

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