Literaturgefluester

2018-11-17

Hysteria

Nach den österreichischen Buchpreisbüchern und der „Buch-Wien“, die mich letzte Woche intensiv gebeutelt haben, geht es wieder zurück zum dBP und den letzten vier Büchern, die ich da noch zu lesen habe, also Buch fünfzehn, das mit dem berühmten Satz, der wahrscheinlich nicht nur Klaus Kastberger, dem Grazer Literaturhausleiter und Bachmannjuror, beginnt „Mit den Himbeeren stimmte etwas nicht.“ gefällt, da ich ihn mehrmals auf seiner Twitterseite gelesen habe.

Ein Longlistbuch mit der  1966 in Frankfurt geborene Eckhart Nickel im vorigen Jahr in Klagenfurt gelesen hat und es ist, kann ich gleich verraten oder spoilern ein widersprüchiges Buch, dem man wahrscheinlich nicht gerecht wird, wenn man es nach der ersten Seite auf den Misthaufen schmeißt und hofft, daß dann etwas Biologisches daraus entsteht.

Denn darum geht es. Um eine Welt in der alles künstlich ist, eine Dystopie, die in einer Zukunft spielt, in der Alkohol verboten ist, man nur noch an bestimmten Tagen Autofahren kann und man wenn man sich berauschen will, in eine Armomabar geht.

Man kann nur mehr Kulinarik studieren und das tat der hypersensible Bergheim auch. Er geht auf den Markt, sieht, daß die Himbeeren im Schälchen künstlich sind und die Tiere, die dort auch verkauft werden, nicht mehr bluten. Das führt ihn zu der Farm, wo die Früchte erzeugt werden und von dort ins kulinarische Institut, beziehungsweise in eine Baumschule, wo seine Jugendliebe Charlotte inzwischen Direktorin ist.

Das wird sehr unheimlich erzählt. Überall ist es dunkel. Bergheim fühlt sich übermacht und man könnte denken, daß das Buch eher „Paranoia“ heißen sollte. In dem Institut wird er, obwohl er sich nicht angemeldet hat, vom Assistenten gleich erwartet, Charlotte ist per „Sie“ mit ihm und tut, als würde sie ihn nicht kennen und seltsame Schreie ertönen auch von überall her.

So begibt sich Bergheim auf die Suche in dem Institut und kommt in ein Badezimmer, das offenbar Charlotte gehört und man könnte sich fragen, wieso gibt es in einer Baumschule ein solches mit intimen Gegenständen? Und mit Hilfe eines solchen setzt sich Bergheim nun in die Vergangenheit zurück und ich war die nächsten Kapitel sehr verwirrt, denn jetzt geht es plötzlich in eine Buchhandlung, in ein Antiquariat eines Herrn Weiss und das hat dann nichts mehr mit dem bedrohlichen Zukunftsszenarieum zu tun, sondern klingt liebevoll altmodisch. Die Assistentin dekoriert die Schaufenster im Sinne E. T. A. Hoffmanns und ich habe die Liebe zu Büchern hinausgelesen, nur gedacht, wie passt das jetzt zusammen?

Bergheim hat mit Ansgar und Charlotte Kulinarik studiert, ließ seine Abschlußarbeit bei Herrn Weiss der später Schöpfer heißt und einen Copyschop betreibt, wo das Papier allerdings handgeschöpft hergestellt wird, besucht mit Charlotte eine Aromoabar und als er in seinem Gang durch die Vergangenheit soweit ist, kommt Charlotte ins Badezimmer, reißt ihn heraus, nennt ihn jetzt wieder „du“ und sagt, keiner darf merken, daß er im Badezimmer war, denn die Führung durch das Institut geht weiter. Sie wollen in den Keller, wo alle Künstlichkeiten hergestellt werden. Geht aber nicht, die seltsamen Schreien hindern sie daran. Also zuerst zu einem künstlichen Goumetabendessen. Vorher fliegt Bergheim aber eine künstliche Fliege ins Auge und als er, weil ihm die Schreie weiter irritieren, in den Keller stürzt, findet er dort die „Herrin der Fliegen“, vom künstlichen Fliegenschwarm überfallen und halbzerfessen. Kann sie gerade noch retten und am nächsten Tag, als er mit den ersten Autobus in die Stadt zurückfährt, kommt er zerraufft und zerrissen am Markt an, schnappt sich dort ein Schild, schreibt sowohl „Fleisch“, als auch „falsch“ darauf und stellt sich so zur Schau, was die Passanten beruhigend zu ihren Kindern sagen läßt „Nicht hinschauen, das ist nur ein Wirrkopf!“

Also doch ein tolles Buch, obwohl ich das am Anfang nicht so gemerkt habe.

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2018-02-24

Komm in den totgesagten Park und schau

Zu den momentanen Trends der Gegenwartsliteratur scheint die Dystopie zu zählen, die Beschreibung vom Niedergang einer Gesellschaft in einer rechtsradikalen Kultur, die in der Zukunf spielt, die wenn man genauer hinschaut, vielleicht sogar die Gegenwart ist.

Helmuth Kraussers „Weltmeisterschaft“ wäre so ein Beispiel, dann hat es vor kurzem einen Film im ARD gegeben, der die Flucht aus Deutschland nach Südafrika nach der Machtübernahme der Rechten zeigt, der die Identitären sehr erboste und mit Andre Kubiczeks neuem Buch, wird man wieder in eine solche Welt geworfen, wo man sich zuerst in der Zukunft glaubt und sich dann überlegt, ob es nicht vielleicht doch die nackte Gegenwart ist, die das Buch, wenn natürlich abgehoben und mit vielen Stilmitteln, wie beispielsweise Durchstreichungen im Text, die für mich nicht so ganz nachvollziehbar waren, beschreibt.

Von dem 1969 in Berlin geborenen Andre Kubiczek habe ich „Skizze eines Sommers“ gelesen, das 2016 auf der Shortlist des dBp stand, einen leichten Sommerroman, der die schöne Erinnerung eines Jugendlichen im Sommer 1985 in Potsdam, glaube ich, schildert, der von seinem ins Ausland reisenden Vater mit tausend Mark zurückgelassen wurde und der nun seine erste Liebe erlebt.

Die DDR war nicht so schön, sondern  eine Diktatur, der Held und vielleicht auch sein Autor Sohn eines Funktionärs konnte man so sagen. Erinnerungen können trotzdem positiv vorhanden sein und eine sturmfreie Bude mit viel Geld ist vielleicht sehr schön und auch jetzt geht es um die DDR beziehungsweise um ihre Lyrik.

Das Buch wird in drei Strängen erzählt, die von drei Personen Felix, Marek und Veit erzählt werden und, daß Kapitel beziehungsweise Teile Namen haben, scheint auch eine Spezifität der jüngsten Neuerscheinungen zu sein

Es beginnt dramatisch, der achtzehnjährige Felix der gerade sein Abitur hinter sich hat, sitzt vor Weihnachten in einer Hütte in der Tschechei hinter der deutschen Grenze und schreibt einen Brief an seine Freundin Nina in der er ihr die Ereignisse schildert, die im Laufe des Geschehens klar werden.

Da sind die vielen Ausstreichungen und Durchstreichungen in dem Brief, wie gesagt, ein Stilmittel das ich nicht ganz verstehe und mir nicht ganz logisch erschien. Es ist aber sehr spannungswgeladen, denn Felix befindet sich offenbar auf der Flucht in dieser Hütte. Der Freund seines Vater mit dem er dort ist, hält sie dort gefangen, sie haben die Handies weggeworfen, verdunkeln die Fenster, heizen ein, es stinkt, der Freund ist paranoid und verläßt nur einmal in der Woche die Hütte um einzukaufen.

Nach und nach erfährt man was geschah, durch Felix und dem Vater Marek, der auch einen Brief an seinen Sohn schreibt, um ihm näher zu kommen, während Veit sich sozusagen durch das Leben trinkt.

Der Vater Marek ist Professor für Literatur, von seiner ersten Frau und seinen Kindern Laura und Felix schon lang getrennt. Er hat eine zweite Frau mit zwei Kindern und Mareks Geschichte beginnt, als er vom Pförtner des Jugendamtes zusammengeschlagen wurde, das ihm wegen der Verletzung der Sorgfaltspflicht der beiden adoptieren Töchter bestellt hat.

Es ist schon ein dystopes Bild, in dem Marek sich nicht wehren kann. Dann fährt er auf die Uni, hält seine letzte Vorlesung über die DDR-Lyrik vor der Sommerpause. Geht dann in sein Sprechzimmer in den Keller, wo er sowohl seinem Assistenten Veit Stark, als auch die dunkelhäutige Studentin Noa Snow, die eigentlich Karoline Schmidt heißt, begegnet.

Von Felix erfahren wir dann, daß er vor dem Abi mit seinen Klassenkameraden auf eine Demostration nach Köln fuhr. Mit Nina und mit Sascha, der offenbar ein Nebenbuhler war, der ihm als Nina ihn einen Nazi nennt, auffordert, das Auto eines Burschenschaftler abzufackeln.

Deshalb ist am Cover des Buches  und auch darin immer wieder ein brennendes Streichholz, ähnlich wie bei dem Buch von Ronja von Rönne zu sehen.

Er tut es, versteckt sich eine Woche und als er Nina doch besuch,t um nachzuschauen, wie es ihr geht, entdeckt er sie in den Armen Saschas und als noch eine Aufforderung von der Polizei kommt sich zu melden, haut er nach Berlin zu seinem unbekannten Vater ab, von dem er vorher im Antiquariat ein altes Reclambüchlein mit DDR-Lyrik gekauft hat, daß der Vater herausgegeben hat.

Gedichtanfänge von DDR-Gedichten sind öfter auch die Kaptielanfänge und Veit Stark ein paranoider Llooser, der lustig vor sich hinsäuft, der Assistent von Marek hat ein zweijahres Stipendium, um an dieser Lyrik zu forschen beziehungwweise seine Dissertation darüber zu schreiben. Das geht nicht sehr gut, denn Veit läßt seine Wohnung verkommen und postet auch Hassnotizen im Internet. Bei einer begeht er dabei den Fehler sein Profil zu enttarnen, was ihn in Ängste stützt und er bekommt dann auch ein Mail von Noa Snow, das ihn in große Aufregung versetzt.

Sie möchte aber nur ein Interview mit ihm machen, bezeihungweise eine Seminararbeit über ihn schreiben. So bahnt sich  eine zarte Liebesbeziehung an, die darin gipfelt, daß Veit mit ihr das Sommerhäuschen seiner Schwester besuchen, beziehungsweise ihr die Plattenbausiedlung zeigen will, in die er aufgewachsen ist.

Mareks Ärger mit dem Jugendamt verdichtet sich indessen, die Sozialarbeiterin taucht mit dem Schlosser und einer Polizistin unerwartet zum Hausbesuch auf, als Marek noch betrunken von der Nacht mit Veit ist und die Tochter Bibi, die Schule schwänzete.

Das ist eine der eindruckvollsten Szenen in dem Buch. Die Schilderung, wie Bibi, in der Schule von einem Mitschüler verletzt wurde Die Direktorin dem Vater aber erklärt, sie wäre von der Rutsche gefallen, weil der Schüler Sohn von einflußreichen Eltern ist, die die Schule leicht einmal verklagen und Recht bekommen und als Marek dann versucht, Mails an den Vater zu schreiben, bezichtigt ihn der des Stalkings.

Er gibt auf, seine Frau Adriana macht aber weiter, so daß die Schule das Jugendamt schickt und als Marek noch Veit davon erzählt, bricht der mit ihm zu der Wohnung der Sozialarbeiterin auf, wo es dann zu einem Unfall kommt.

Man sieht, das buch ist sehr gewalttätig, denn auch Noa wird in der ehemaligen Plattenbausiedlung niedergeschlagen und verletzt, so daß alle drei einen Fluchtgrund haben, die sie in die tschechische Hütte brachte, wo Veit und Marek sich niedersaufen, Felix sich zu Weihnachten, nachdem sie sich ein halbes Jahr versteckten,  aber davon lösen kann und ins Leben zurückkehrt. Das Buch endet mit einem Brief Ninas, wo sie ihre Sicht der Dinge und den Freund als verrückt erklärt.

Sehr eindrucksvoll und spannend diese Dystopie, die eigentlich davon erzählt, daß es seit dem Niedergang der DDR eigentlich um nichts besser geworden ist. Gewalt und Terror herrschen, die Mittelschicht vor sich hinsumpert und die sogenannten Looser von den sogenannten Besserverdienenden nieder und fertiggeklagt werden.

Eigentlich gar nicht so viel von Realität entfernt, wenn man wahrscheinlich auch noch nicht gleich vom Pförtner des Jugendamts niedergeschlagen wird und ein Teil der Gewalt auch durch den Alkohl entsteht, der wahrscheinlich für sehr viel  verantwortlich ist und dagegen, als Kontrast steht die DDR-Llyrik. Die Gedichte von Sarah Kirsch, Rainer Kunze und auch Johannes R. Becher, dem ehemaligen DDRKulturministers, der vielleicht auch nicht so gewaltfrei war, das ich sehr interessant finde.

Den Titel des Buches, kann ich noch anmerken, habe ich auch nicht ganz verstanden, da das Buch ja in der hütte der Schwester Veits, in das die drei, sich nach ihren Gewalterlebnissen fluchtartig zurückgezogen haben, und eigentlich in keinen Park spielt, wenn man nicht die ehemalige und jetzt niedergerissene Plattenbausiedlung in der der paranoidgewaordene Veit aufgewachsen ist, dafür hält. Aber vielleicht ist das auch ein Gedichtanfang und am Buchrücken kann man noch lesen, daß Andre Kubiczek eine „Vater-Sohn-Beziehung im Ausnahmezustand schildert – und übertrumpft unsere absurde Wirklichkeit nicht durch überdrehte Volten, sondern zeigt fabelhaft, wie sich die Apokalypse tänzelnd nähert.“

Das zweitere befürchte ich fast auch, von der Vater-Sohn Beziehung war dagegen nicht viel zu merken, beziehungsweise wurde sie in Whisky und Bier ersoffen.

2018-02-02

Während der Weltmeisterschaft

Filed under: Bücher — jancak @ 00:52
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Nun kommt der neue Roman des 1964 in Esslingen geborenen Helmut Kraussers, den ich, glaube ich, einmal bei „Rund um die Burg“ hörte und von der Darstellung der Sexgeräusche aus dem Hotelnebenzimmer sehr beeindruckt war.

Eines seiner Tagebücher „Juli, August, September“ habe ich gelesen und „Die letzten schönen Tage“ im Schrank gefunden.

Jetzt ist eine Dystopie herausgekommen. Kopenhagen im Jahr 2028, wo die Welt wieder ein bißchen diktatorischer geworden ist. Die Überwachungssysteme haben zugenommen, die Islamisierung auch, genau das also, was im Augenblick wahrscheinlich sehr viele beschäftig. Die Schriftsteller drücken es aus und und das ist auch sehr interessant, vor allem wenn man sich Wolfgang Tischers Bewertungskriterien für den „Blogbuster“ anschaut, ist es doch ein Genreroman oder eine Genereübergreifung, denn ein Krimi ist es auch, wenn auch einer, der eigentlich sehr langweilig ist, wenn auch spannend geschrieben.

Ein Widerspruch>? Damit meine ich, flott hinuntergeschrieben, wie das die guten Schriftsteller eben routiniert beherrschen, denkt man dann über die Geschehnisse nach, erscheinen sie eher banal und ein bißchen unlogisch ist das Ganze wohl auch.

Obwohl es einen durchaus reißerischen Inhalt hat. Geht es doch um die Austragung der „11 Weltmeisterschaft für Leistungssex“.

„Wui!“, könnte man jetzt sagen und gleich auf die „Amazon“ Bestellseite gehen. Für die die sich das noch überlegen, sei gesagt, so weit ist es damit dann auch nicht, denn der Sex, der in dem dystopen Kopenhagen, von sämtlichen Überwwachungskameras gefilmt, ausgetragen wird, ist so genormt und geregelt, daß er wahrscheinlich gar nicht mehr lustig ist. Aber eine gute Idee ist das allemal und die müßte man erst haben.

Der Klappentext verrät es schon. Es geht um Sally und Leon. Das sind zwei der Leitstungssportler und Leon ist in Sally verliebt, aber, wir ahnen es schon, in einer Dystopie von 2028 darf man keine Gefühle mehr haben und dann kann man noch etwas von „besorgten Bürgern, Hakenkreuzlern, Islamisten und anderen extremen Gruppen“ lesen, die vor dem Hotel stehen, in dem das Ganze stattfindet und dagegen demonstrieren,

Das klingt auch spannend, so daß man vielleicht deshalb zum Buch greifen könnte und so fängt es auch an.

Leon beginnt sich nämlich aus der Szene zu entfernen. Setzt eine Sonnenbrille auf, hat eine Perücke, mietet sich ein Auto und zieht sich damit, es ist Winter, in den Wald, in eine gemietete <hüte zurück, wo es Konserven und Brennholz gibt und man denkt „Aaha, er ist aus der Dystopie entflohen und jetzt fängt es an und er erzählt die Geschichte, wie das mit der Weltmeisterschaft war, die den vierten Weltkrieg oder etwas anderes auslöste, dem er gerade noch entkommen ist.

Es ist aber und das kann man wahrscheinlich auch nachgoolgen, auch ein satirischer Roman. Das heißt Helmut Krausser nimmt seine Leser oder auch die Gesellschaft auf die Schaufel und beginnt die Regeln zu sprengen.

Denn Leoon harrt in der Hütte den Winter aus, erschießt zwischendurch noch einen Wolf und er ist, das könnte man vielleicht noch erwähnen, ein sehr selbstbewußter grobklotziger Kerl.

So hagelt es zumindestens am Anfang von Phrasen, wie „Jetzt gehen Sie mal für zwanzig Minuten ins Zimmer mit der besten Akustik und hören sich den letzten Satz von Bruckners Neunter an. Die Fingerspitzen von Mensch und Gott berühren sich. Michelangelo hat es gemalt. Bruckner hats komponieriert. Danach machen wir mit Alta weiter. Los, gehen, Sie, verpissen Sie sich!“

Damit ist der Lleser gemeint, den er auch rät mal nachzugooglen, wenn er etwas nicht versteht. Man sieht Leon ist sehr gebildet und zu seinen Lieblingsautoren, er liest in der Hütte dicke Bücher, gehört Dostojewski, den er fort an in Dosto und Jewski teilt und sie jeweils unterschiedliche Weisheiten zitieren läßt.

Jeckyl und Hyde ist hier nicht weit entfernt und der Winter zieht sich vorm Frühjahr zurück.Leon verläßt sein Asyl, geht nach Berlin, glaube ich, er spielt im Team Berlin, zurück, wo sich alles eben zur elften Weltmeisterschaft rüstet und man fragt sich „Hey was soll das, was hatte im Wald verloren, was soll dieser Trick?“

Sally heißt eigentlich Sabrina Klein-Keller, nennt sich Sally Celler. Er nennt sie Sasha und darf ihr nicht sagen, daß er sie liebt.

Sie fahren dann mit der Mannschaft nach Kopenhagen, weil nur noch dort diese Weltmeisterschaften möglich sind. Ziehen sich zuerst zum Trainin,g dann zum Austragen der Kämpfe in ein Hotel zurück und das ist total überwacht. Den Sportlern ist es auch verboten, das Hotel zu verlassen. Das heißt sie können es. Das wird aber gemeldet und sie bekommen einenRüffel von Helen der Trainerin.

Sally bekommt nun einen Fanbrief von einem körperbehinderten namens Noel, das ist laut seiner Auskunft ein Kopenhagener und sie darf ihm eigentlich nicht antworten. Tut es aber doch und es beginnt sich ein reger platonischer Liebesverkehr zwischen den beiden zu entwickeln, der fast ein wenig, wie der aus Daniel Glattauers „Gut gegen Nordwind“ ist.

Sally verspricht Noel, was ein Anagramm von Leon, ein kleiner Hinweis für die Auflösung, die man bei „Amazon“ findet, ich aber nicht ganz nachvollziehen konnte, Freikarten, will sich mit ihm auch außerhalb des Hotels treffen und benützt Leon als Strohmann beziehungsweise Alibi dazu. Sie  bekommt einen Rüffel von Helen, allein der Weihnachtsmann kommt nicht, schreibt nur Mails, daß er sich genieren würde, weil er nach Urin stinkt und zieht sich an einen einsamen Strand zurück, wo er ihr aber weiterschreibt.

Indessen beginnen die Kämpfe. Es beginnt auch eine Wahl der Sportfunktionäre und da gibt es einen Gegenkanditaten. Der wird tot in seinem Zimmer aufgefunden. Ein Selbstmord, weil er sich vorher lächerlich machte? Ganz klar. Aber sein Handy ist verschwunden und das findet sich dann unter der Matrazze des Vereinspräsidenten, worauf der verhaftet wird.

Es gibt auch eine Erimttlerin, die die Spiele überwachen soll, namens Carolyn Holm, man könnte sich eine Anspielung deuten, die ist mit einem arbeitslosen Tommy verheirat. Die Ehe ist schlecht, es gibt keinen Sex mehr, so daß er seine arbeitslosen Tage, wenn er nicht für Carolyn kocht, vor dem Fenster verbringt und in die Wohnung gegenüber hineinsieht, in der eine schöne Muslima, die nie ohne Kopftuch aus dem Haus geht, sich ihre Zehennägel rot lackiert und ihn manchmal ein Stückchen ihrer Haut sehen läßt.

Gibt es in dem Überwachungsstaat keine Vorhänge?, könnte man fragen oder liest weiter bis zum bitteren Ende, wo noch ein paar Leichen dazukommen, die ich jetzt aber nicht spolern will, noch ein bißchen an den Unklarheiten knabbere.

Aber vielleicht habe ich nicht alles verstanden und nun gespannt bin, ob ich vielleicht in Leipzig auf dem blauen Sofa, ich habe mich schon akkreditiert, mehr von Buch und Autor erfahre und wenn es auf die Longlist des dBps kommt, hätte ich im Herbst weniger zu lesen.

2018-01-17

Vom Partisanenworkshop zur Wiener Filmdystopie

Der Mittwochnachmittag gehört ja schon seit fast einem Jahr der Literaturwissenschaft, sprich dem Centropeworkshop im vorigen Semester und in diesem der Partisanenliteratur.

Da habe ich ja in den Weihnachtsferien „Der Tod heißt Engelchen“ gelesen. Dann gehört auch noch Italo Calvino „Wo Spinnen ihre Nester bauen“ dazu. Das war vorige Woche dran, diese Woche habe ich in einer alten russischen Ausgabe von Alexander Fadejews „Die junge Garde“ mit sehr schönen Illustrationen geblättert. Der 1901 geborene sowetische Schriftsteller der Stalins Kulutrupolitik, wie ich in „Wikipedia“ las, sehr unterstützte und auch einige Schriftsteller verbannen ließ, hat sich 1956 umgebracht und ist wahrscheinlich inzwischen fast vergessen. Zumindestens habe ich noch nicht sehr viel von ihm gehört, bekomme da also am Mittwoch Nachmittag von Stephan Teichgräber, dem Slawistien, der die Bücher meist in Originalsprache liest, Nachhilfeunterricht. Dann haben wir uns auch noch vielleicht nicht ganz zum Thema passend mit Peter Esterhazys „Produktionsroman“ beschäftigt, der glaube ich, eine Parodie auf den sozialistischen Realismus darstellt und von Terezia Mora ins Deutsche übersetzt wurde.

Dann habe ich mein neues Buch, das gestern von der Druckerei gekommen ist, bezahlt. Vorher habe ich meine Beleg- und Werbeexemplare weggeschicht und ein Buch, wie ich das schon länger mache, in den „Wortschatz“ mit einer Widmung hineingelegt.

Ich hoffe, es findet seinen Leser. Dann hatte ich noch eine Stunde und hätte eigentlich ins Literaturhaus zur oberösterreichischen Literatur oder in die „Gesellschaft“ zu einer Kafka-Veranstaltung gehen wollen.

Dann ist aber eine Filmdystophie, für die der ORF sehr viel Werbung macht, so daß ich in den letzten Tagen in Ö1 öfter davon hörte, dazwischen gekommen und ich mag ja Romane wie der „Circle“, „1984“ oder „Schöne neue Welt“ und diesmal ist, glaube ich, auch noch ein bißchen die Verarschung der Psychologie oder der Leistungsgesellschaft dazugekommen.

Nämlich „Life Guidance“ von Ruth Mader, wo Martin Leidenfrost das Drehbuch geschrieben hat und der Lobbyist Alfons Mennsdorf-Pouilliy mit einem Gewehr auftritt.

„Life Guidance“ zeigt ein Wien nach der Gleichschaltung: eine Armee von <leistungsträgern steht dem mit Schlagermusik sedierten Volk gegenüber“ steht in der ORF-Beschreibung.

Die dürfen keine Gefühle zeigen, sehen alle gleich aus, bewegen sich wie Marionetten und wenn sie auffallen, werden sie einem „echten Rorschachtest“ mit einer „falschen“ Anweisung unterzogen, bekommen eine Anpassungsstörung diagnostiziert, wenn sie sagen, daß man „Freiheit und Transparenz nicht gegeneinander ausspielen soll“, sowie einen „Llife-guidance Berater“, während in den Schlafburgen, die sedierten  „Unterschicht-Zombies“ herumwanken.

Das spielt sich im „Karl Marx Hof“ ab, was vielleicht eine ironisierte Verbindung zum realen Sozialismus und der „Dokumentationsstelle für ost und mitteleuropäische Literatur“ sein könnte und die Leistungsträger residieren in der WU, während sich die Überwachungszentrale im ORF-Zentrum am Küngiglberg befindet, deshalb vielleicht die viele Ö1 Werbung.

Also ganz schön ironisch, aber auch ziemlich unlogisch und wiedersprüchig, obwohl ohne Zweifel auch sehr spannend und vielleicht gar nicht mehr soviel von unserer alltäglichen Wirklichkeit entfernt, nur sehr überhöht, aber das muß, habe ich inzwischen gelernt, Literatur ja sein und die Filme höchstwahrscheinlich auch.

In der Beschreibung steht noch etwas, daß die Reaktionen bei der Pressevorführung zwischen „Begeisterung zu fad, platt und schon hundertmal gesehen“ reichte.

Ich würde sagen, für mich lag es in der Mitte. Spannend wars, aber nicht logisch zu erkklären und das leere Wien mit den Leistungs- und  Unterschicht-Zombies“ auch irgendwie beklemmend.

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