Literaturgefluester

2016-06-18

Küss mich, Superstar

Filed under: Bücher — jancak @ 00:41
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Ich interessiere mich ja bekanntlich sehr für Literatur und das Schreiben, blicke und lese über den Tellerrand, ChickLit, Krimis, Experimetelles, von James Joyces, dessen „Bloomsday“ wir ja gerade feierten, bis zu den Selfpublischern, die in den letzten Jahren immer zahlreicher werden und Frankfurt und Leipzig  schon ganze Hallen füllen, während man vor einigen Jahren ja noch gehört hat, daß man das auf keinen Fall machen darf, weil man so niemals wieder in seinem Leben ein Verlag finden wird….

Stimmt natürlich nicht Martina Gercke, Elke Bergsma und andere haben es bewiesen, obwohl es bei Martina Gercke ja diesen „Plagiatsskandal“ gegeben hat, sie aber trotzdem fleißig weiterschreibt, alleine und mit anderen und ich habe zwei Bücher von ihr gelesen.

Bela Boltens Krimis habe ich auch verfolgt und heuer bin ich nach Leipzig auf Annika Bühnemanns Blog gestoßen, die eine junge Frau ist, die beweisen will, daß man vom Schreiben leben kann.

Sie macht tägliche Filmaufnahmen über ihr Leben, was ich sehr interessant und aufmunternd finde, weil ich ja manchmal denke, daß es vielleicht zu aufdringlich ist, sein „literarisches Leben“, wie es das „Literaturgeflüster“ jetzt schon fast seit acht Jahren tut, so einfach ins Netz zu stellen und jetzt ist ein neues Buch von der 1987 Geborenen,  die schon einige Liebesromane und Ratgeber in Sachen Marketing, etcetera geschrieben hat, für das sie Testleser beziehungsweise Rezensenten suchte, denn die Selbstpublisher müßen sich  auch selbstvermarkten, erschienen und Annika Bühnemann hat das Buch auch nicht allein, sondern mit Anna Fischer geschrieben, die oder der eigentlich Stefan  M. Fischer heißt und seit dem Tod seiner Mutter, die Anna hieß, zu schreiben angefangen hat, was man allerdings erst am Ende des Buches erfährt, das „allen Frauen gewidmet ist, die sich selbst manchmal fragen, was das Leben noch für sie bereit hält“, gewidmet ist.

Und das sollten oder könnten ja alle sein, so daß das Buch sicher viele Abnehmer findet und es handelt von der Midlifekrise.

Allerdings von einer mit Dreiunddreißig, denn so alt ist Kati Weber, die gerade zu ihrer fünfzehnjährigen Matura- oder Abiturentenfeier, wie das in Deutschland so heißt, eingeladen wurde, also eigentlich noch recht früh bei einer Lebenserwartung, die bei den Frau derzeit, glaube ich, um die dreiundachtzig liegt.

Aber Annika Bühnemann und Stefan Weber sind ja noch recht jung und bei Kati Weber läuft  alles schief oder ist „gacke“, wie das die Autoren vielleicht nennen.

Obwohl, sie hat ein Haus, einen Mann, eine Jugendliebe mit dem sie zur Schule gegangen ist, eine pubertierende Tochter.

„Was willst du also mehr?“, fragt ihre Freundin namens Tammy, aber die hat es in sich, wie man auch am Schluß erfährt und ich sollte mich wahrscheinlich, wie bei „Amazon“ immer steht, zurückhalten und nicht zuviel verraten, obwohl ich eine „begnadete Spoilerin“ bin.

Es gibt aber einen Prolog, der auch sehr viel verrät, beziehungsweise verwirrt, denn er führt in ein Cabarett nach Paris und da soll die Sängerin Madelaine gerade auftreten, die hat aber Todesahnungen und wird später auch ermordet.

Bei Kati ist aber alles beschissen, der Auflauf brennt an, die Tochter murrt und zu dem Abiturententreffen will sie aus Angst, daß alle anderen viel erfolgreicher sind, als sie, die es gerade zu einer Halbtagsstelle in einer Bibliothek und in eine Laientheatergruppe gebracht hat und die ansonst kocht und putzt für ihre Lieben, auch nicht gehen.

Hat aber keine Wahl, denn Felix, der erfolgreiche Ehemann, war ja auch in der Klasse.

So zieht sie sich auf Anraten ihrer patzigen Tochter schön an, geht hin und erlebt dort die Überraschung, daß Christian, der ehemalige Außenseiter, dessen Namen sie gar nicht mehr weiß, jetzt ein berühmter Filmproduzent ist und ihr auch eine Rolle in seinem neuen Film, wo ihr Traumschauspieler Vincent Bergholm, die Hauptrolle spielt, anbietet.

„Du spnnst ja!“, sagt Felix zuerst abschätzend, weil aber sechstausend Euro Gage geboten werden, stimmt er zu, denn Leonie braucht ein neues Zimmer.

So kommt es, wie es kommen muß, Kati fliegt nach Paris, dreht Sexszenen mit dem Superstar, alle loben ihr Talent und er führt sie in zuerst in ein Luxusrestaurant und dann zu einem Paparazzifreien Picknick und sagt, sie soll sich entscheiden und glücklich sein?

So weit zu den Fragen, des unerfüllten Lebens, denn die Meisten, die mit Achtzehn mit großen Träumen von Ruhm und Erfolg, das Gymnasium verlassen, haben dann mit dreiunddreißig, die große Karriere nicht geschaft. Denn das Leben ist ja stufig oder ein Berg und die Spitze oben, wo alle hinwollen, denn durchschnittlich darf man  auch nicht sein, hat nur Platz für einen oder zwei.

Und Kati ist auch eine treue Frau, so kommt sie nach dem Dreh wieder zurück. Es gibt noch einen Wirbelsturm, der den Film bedroht, denn Annika Bühnemann arbeitet, glaube ich, nach der „Heldenreise“, wo man ja Spannungsbögen einbauen muß.

Es gibt außer der Freundin Tammy noch eine alte Nachbarin, die Kati rät, ihr Leben nach ihren Wünschen zu gestalten, „Denn nur du selbst hast es in der Hand…“

Das stimmt zwar, glaube ich, nicht wirklich, aber Annika Bühnemann ist sehr zuversichtlich und Felix, der genau in dem Augenblick, wo Kati zweifelt, anruft und fragt, wo das Bügeleisen oder etwas anderes ist, bringt zwar Blumen zum Flughafen, aber als Kati sagt, daß sie sich weiter verwirklichen und Schauspielunterricht nehmen will, dreht er durch. Fängt zwar nicht zu schreien an „Aber das Gegenteil von Liebe ist nicht Haß, sondern Gleichgültigkeit“, steht in dem Buch, das eine Aufforderung ist, sein Leben so zu gestalten, daß man frei und glücklich wird!

Es kommt, das darf ich, glaube ich, schon verraten zu einem Happyend und hat auch einige überraschende Wendungen, die mir manchmal ein wenig zu viel und zu aufgesetzt wirkten.

So viel passiert nur in den Romanen und im wirklichen Leben nicht und wenn ich dastehe in meiner Mitlifekrise und  den Roman zur Aufmunterung lese, kommt zu mir wahrscheinlich trotzdem nicht die Hauptrolle oder die Einladung zum „Bachmannpreis“ und, wie verwirkliche ich mich dann in meinem Hausfrauendasein?

Da bleibt mir wahrscheinlich doch nur die Laiendarstellergruppe oder eine Lesung, zu der niemand kommt.

Meckern könnte ich auch noch, daß mir einige etwas aufgesetze Wendungen und Fehler auffielen, so sieht man sich beim Telefonieren ja nicht, außer man würde Skypen und, daß Kati das bei Christian so tut, hätte ich nicht verstanden und wenn Kathi dreiunddreißig ist, hätte sie Vincent mit acht treffen müßen, um ihr Leben zu verändern, wie auf Seite 195 steht.

Ansonsten fand ich es aber flott geschrieben, leicht zum Lesen und hat auch mich angeregt über mein Leben und meine Situation nachzudenken und, daß man das ja soll und den Mut haben, zu verändern, was sich verändern muß, glaube ich, auch.

Also ein spannendes Buch mit einem interessanten Autorenteam und ich finde es ja schön, daß sich auf der Selbstpublisherszene so viel tut und die Autoren da so selbstbewußt auftreten, sich ein Cover und ein Lektorat kaufen und ihr Buch vermarkten, obwohl sie vom offiziellen Literaturbetrieb immer noch sehr geschnitten werden, wie ich auch heuer wieder in Leipzig hören konnte, als ich durch die Selfpublisherhalle ging, finde ich es trotzdem schön, daß sich seit meinen Schreibanfängen einiges verändert hat, denn ich glaube nach, wie vor, daß jeder der es will, schreiben sollte und wünsche den Selbstpublishern viel Erfolg und Publikum und von mir ist inzwischen auch wieder ein neues „Selbstgemachtes“ erschienen, dem ich das ebenfalls wünsche.

 

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2015-06-14

Alles nur k (ein) Mann

Filed under: Bücher — jancak @ 00:55
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Jetzt kommt ein Chick Lit und ein E-Book und in Richtung „Deutsches Lesen“ geht es auch ein Stückchen weiter, denn Martina Gercke und Katja Gschneidt, die beiden Autorinnen, kommen aus Hamburg, bzw. Frankfurt und von Martina Gercke habe ich über Wolfgang Tischers Literaturcafe gehört. Da gab es ja einmal ein Interview bezüglich ihres Erfolges mit „Holunderküsschen“, an erster Stelle des Kindle Direkt Publishing und Verkaufszahlen in schwindender Höhe, wo ich ja immer ein bißchen skeptisch bin, dann kam die Plagiatsmeldung, ich habe die Angelegenheit verfolgt und darüber geschrieben, vor zwei Jahren, als ich gerade in die Sommerfrische aufbrach, hat sich Martina Gercke bei mir gemeldet und mir „Glücksstern mit Schwips“ als E-Book geschickt.

Denn sie hat sich von den Empörungswellen nicht unterkriegen lassen, „Champagnerküsschen“ und „Hollunderküsschen“ von den Fremdstellen bereinigt und wieder bei „Amazon“ angeboten, dann ein Buch allein geschrieben und danach angekündigt, sie würde sich mit einer anderen Autorin zusammentun.

So ist „Alles nur k(ein) Mann entstanden und da gab es eine Blogtour, wo man das Buch gewinnen konnte, wenn man einen Lösungssatz erstellte und ich habe es, obwohl die Aktion wahrscheinlich für jüngere Frauen und Mädchen war und ich dazu noch ein Säckchen Goodies, wie schnecklige Lesezeichen, Armbändchen, etc bekommen habe, also etwas für das Enkelkind, das ich nicht habe.

Ich bin aber sehr neugierig, lese auch gerne ChickLits, obwohl man da aufpassen muß, manche sind aus der Idee geboren, sie müssen lustig sein, um die Leserin zu unterhalten, wirklich ein bißchen blöd und vor allem kommen die Heldinnen mit einer Katastrophe nach der anderen, so dabei weg.

Ein bißchen ist das auch bei diesem Buch, das mir aber, ich schreibe es gleich, gut gefallen hat, warhscheinlich sogar besser als „Glücksstern mit Schwips“, aber vielleicht kommt mir das auch nur so vor, weil der Eindruck ja frischer ist.

Da gibt es also Greta und Marie, eine achtundzwanzig, die andere neunundzwanzig, Buchhändlerin und Ärztin vom Beruf und die leben in einer WG mit Lisa. Aber die geht nach München, als Lektorin, so suchen die beiden Mädels eine neue Mitbewohnerin, geben im Inserat aber nicht an, daß sie nur eine Frau wollen, weil das ist ja eh selbstverständlich.

So melden sich auch Männer, aber die sind nicht richtig, weil die wollen gleich einen Dreier und die Frauen sind das auch nicht, weil rassistisch oder noch nicht so gefestigt und so entscheiden sie sich für Tim, denn der ist schwul und das ist ja keine Gefahr für die Frauenehre.

So weit ist oder wird es klischeehaft, denn die Mädels sagen zu of, „Er ist schul, wie die Friseure“, obwohl er umwerfend und sehr männlich aussieht, aber gut kochen kann, damit kocht er die Mädels ein und als er beim Antrittsbesuch erscheint, öffnet sich bei einer gleich zufällig der Bademantel, das sind die ChickLit-Szenen die ich nicht mag, denn so blöd sind Assistenzärztinnen und Buchhändlerinnen nicht.

Tim zieht also ein, läßt beim Einzug ein Handbuch für Journalisten fallen und den Mädels fällt ein, sie wissen nicht, was für einen Beruf ihr Schwuli hat, der sagt es ihnen später. Er ist Foodstylist, offenbar sind das die Schwulen so und nimmt Marie in sein Studio mit, Greta besucht das dann später und trifft nur seinen Freund Leon, den Fotografen, der Greta eigentlich etwas sagen will, aber sie weiß ja schon, schwul ist Tim nicht, denn er hat sie in ein Restaurant eingeladen und da kam es zu einem Kuß.

Bei Marie macht er es genauso und geht mit ihr ins Bett bzw. in die Badewanne und verbietet ihr Greta davon zu erzählen, denn beide Mädels haben sich in ihm verliebt und haben nun Schuldgefühle, daß sie das der anderen nicht erzählen dürfen.

Lisa kommt auf Besuch und bringt Zeitschriften aus dem Flugzeug mit, darunter ein Männermagazin, mit einem Artikel „Wie ich als schwuler Mann zwei Frauen verführte!“, Autor ist Tim und es kommt zu einem großen Eklatat zwischen den Mädels. Lisa muß trösten und vermitteln. Sie schmeißen Tim hinaus, Greta verschwindet, Lisa bleibt allein zurück und geht nicht in das italienische Restaurant, zu dessen Besuch Tim sie per Handy aufgefordert hat. Er wird jeden Tag dort warten, bis sie kommt und er alles aufklären kann.

Greta bekommt inzwischen ein Mail von Leon, er ist in Afrika. Sie fliegt, weil ihr nichts anderes einfällt, auch dorthin. Da gibt es, es gibt ja einige sehr interessante Suzenen, eine im Flugzeug, neben Greta sitzt ein Mann mit Flugangst, redet vom Abstürzen, während der Flieger durch ein Gewitter fliegt. Eine schöne blonde Stewardesse rauscht vorbei und bittet sich anzuschnallen und ich mußte an Martina Gercke denken, die ja vom Beruf Purserin ist und groß und blond.

Greta trifft in Windhoek in einem Biergarten Leon und verliebt sich in ihm bzw. wird von ihm geküßt und Marie betrinkt sich einmal, eine von Martina Gerckes Schwächen scheint ja der viele Sekt und Prosecco zu sein, den ihre Mädels immer trinken. So kommen die Eltern vorbei, räumen auf und schicken Marie zum Friseur, denn eine Veränderung muß her. So bekommt man eine unglückliche Liebe aus dem Herzen, das habe ich vor mehr als dreißig Jahren auch einmal gemacht, Guido serviert ihr Sekt und schneidet, er ist offenbar ein schwuler Figaro mit großen Händen, ihr die Haare ab und als sich Marie mit der neuen Frisur sieht, ist sie bereit, zum Italiener zu gehen und auch Greta vom Flughafen abzuholen, die ihre Rückkehr ankündigt.

So weit das happy end und ein interessanter Roman mit interessanten Szenen. So gibt es zum Beispiel einen Oberarzt Obermeier und Obermarsch, der Marie immer in den OP verdammt, wenn sie eigentlich schon nach Hause will und die Mutter ruft an und sagt „Wann wirst du endlich Oberärztin? Dein Bruder hat ja auch schon zwei Jahre nach Ende seines Studiums eine Firma übernommen?“

Und Szenen übers Lesen gibt es auch bzw. Diskussionen zwischen den beiden Buchhändlerinnen Sabrina und Greta, die sich das „Bücherreich“ den kleinen lieben Laden um die Ecke, wo man die Bücher riechen, schmecken, tasten, fühlen oder was auch immer kann, die von der E-Book Bedrohung reden und das ist interessant, denn Martina Gercke und Katja Gschneidt sind ja E-Book Autorinnen.

Interessant ist auch die Schreibweise, das gemeisame Schreiben eines Buches, sowieso schon einmal und die Beiden dürften sich das, wenn ich richtig verstanden habe, so geteilt haben, daß es in den einzelnen Kapiteln immer die Sichtweisen von Greta und von Marie gibt.

Sehr interessant, die Beiden haben inzwischen  noch ein gemeinsames Buch geschrieben und Martina Gercke noch ein oder zwei andere allein und von Katja Gschneidt habe ich vor kurzem im Zuge meines Lesens für die „Bibliophilin“ oder „Selmas Kopftuch“, „Gefangen in Deutschland“ gelesen, ihren Bestseller, mit dem sie offenbar berühmt geworden ist, den als Printform, denn er lag im „Wortschatz“.

Bei „Amazon“ hält sich die Begeisterung der Leserinnen übrigens ins Grenzen, sie meinen, es wäre ein sehr leichtes Buch und sehr vorraussehbar.

Da bin ich mir nicht einmal so sicher, denn als ich merkte, daß es der tolle Tim, der natürlich, die Szene beherrscht und seine Mädels öfter zum Rotwerden bringt, mit Beiden treibt, war ich eine Zeitlang ratlos und wußte nicht, wie das jetzt weitergehen könnte?

Der Kunstgriff mit dem Leon kam dann ziemlich bald und dann verlief es auch in vorausschaubaren Bahnen und löste sich gnädig auf und noch etwas bemängeln, die „Amazon Leserinnen“.

Die vielen Fehler im Buch, da ist mir zwar aufgefallen, daß die Sabrina einmal an Schnupfen leidet und dann ist es ein geschwollener Knöchel, warum Greta in den Laden muß und zumindest in meiner E-Book Version, stimmten die Abteilungen öfter nicht, so daß da ein R oder ein O eines Wortes auf der nächsten Zeile stand, wo es nicht hingehörte.

Die bemängelte S Schreibung ist mir nicht aufgefallen, weil ich die ja selber nicht so beherrsche und mir das eigentlich auch egal ist.

Martina Gercke, deren Facebookseite, ich öfter lese, dürfte aber ein Lektorat benützen und eine literarische Agentur hat sie auch.

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