Literaturgefluester

2015-10-16

Roter Spritzer

Filed under: Bücher — jancak @ 00:36
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„Der zweite Roman aus der Provinz“, der 1953 in Gleisdorf geborenen Andrea Wolfmayr, wieder bei „Keiper“ erschienen, der erste hat „Weiße Mischung“ geheißen und die Autorin hat ihn mit mir in den „Textvorstellungen“ vorgestellt und erklärt, daß in der Steiermark die Spritzer Mischung heißen würden.

Ich habe aus „Kerstins Achterln“ gelesen, wo es ja auch um Rotwein geht. Jetzt also doch ein Spritzer in dieser „Soap-Opera“ aus der Steiermark, in der eine Unzahl von Familien vorkommen, die sich lieben, mischen, streiten, das Gesetz umgehen, etcetera, das wirkliche Leben halt.

Daß sie dabei soviel Rotwein trinken würden, ist mir nicht aufgefallen, ging es da eher um härtere Getränke, aber auch um chinesischen Tee, denn die Buchhändlerstochter Barbara, hat sich mit einem chinesischen Apotheker vereinigt, der sie Wasser trinken lehrt und die vegane Küche ist offenbar auch in der Steiermark hoch in Mode, wie das Kinderkriegen.

Doch der Reihe nach oder besser im Anhang nachgeschaut, denn da sind die Familien, die in den Buch vorkommen und sich lustig untereinander vermischen, zur besseren Orientierung aufgereiht und wenn man das erste Buch nicht gelesen hat, tut man sich vielleicht etwas schwer.

Mir ist es jedenfalls so gegangen, daß ich mich am Anfang, wo von Kapitel zu Kapitel, eine andere Familie und deren Schicksal aufgereiht wird, nicht recht ausgekannt habe.

Beginnen tut es mit einer Regina, die lebt mit einem Ludwig auf einem Bauernhof, hat aber im Lotto eine größere Summe gewonnen.

Sie hält das zuerst für einen Spam, Ludwig hat den Schein aber an das Casino geschickt, denn er kann das Geld für den Hof brauchen. Sie nimmt es aber und fährt damit ab und er wird sich später mit einer schönen Praktikantin trösten, die Landwirtschaft studierte.

Dann geht es schon weiter zu Agne,s einer Greißlerin, die bekommt ein Burn Out und wird später mit Wolfgang, das ist der Buchhändler nach Mallorca emigrieren. Migräne hat sie auch und Wolfgang hat drei Töchter, Barbara, Petra, Ami.

Barbara ist die mit dem Chinesen, Amy hat die Buchhandlung übernommen und eine Topchter namens Pearl von einem Musiker, der zuerst in Amerika die große Karriere machen will, dann aber reumütig zurückkommt und Musiklehrer wird.

Petra ist mit Juli verheiratet, der einen Buschenschank führt, in China große Geschäfte machen will, dabei auf schiefe Bahn gerät, beziehungsweise vom Bezirksgauner und seiner Edelnutte gehörig ausgenommen wird.

Man sieht, Andrea Wolfmayr, die selber einmal Buchhändlerin sowie Politikerin war, zieht alle Seiten und kennt sich aus in der Provinz.

Die Frauen werden immer dicker und bekommen alle Kinder, die am Ende von einem anderen Pfarrer getauft werden, denn der früherer, wird gerade selber Vater.

Der Bürgermeister bekommt, glaube ich, in der Kirche einen Schlaganfall und hat Schwierigkeiten mit seiner Bürochefin, die ihn mit Marillenzipfs fütterte und gerne  kurze rote Röckchen trägt.

Ja, die Männer gehen fremd und verlassen ihre mittelalterlichen aus der Form gehenden Frauen, die um die Ehe zu retten, vielleicht gerade noch Kinder bekommen können.

Homosexuelle Paarungen gibt es natürlich auch und einen ehemaligen Kulturreferenten, der sich hinuntergetrunken und versandelt hat. Einen Künstler, der von zwei Frauen, der eigenen und seiner Galeristin „gefangengehalten“ wird und nicht sagen darf, daß er Sonnenaufgänge liebt, denn er ist wahrscheinlich ein experimenteller Maler und das wäre dann kitischig.

Allmählich kommt man in das Buch, seine Veränderungen und Wandlungen hinein, kennt sich aus in der vorkommenden Personenschaft und ich habe zwischen meinem Buchpreisbloggen, wieder ein Stück österreichische Gegenwartsliteratur gelesen, die in einen steirischen Kleinverlag erschienen ist, der mir gelegentlich seine Bücher schickt, so daß ich auch in der literarischen Provinz ein bißchen bewandert bin.

Auf einen kleinen Fehler darf ich Verlag und Autorin auch aufmerksam machen, der November hat nur dreißig Tage, aber vielleicht war das so gewollt und ist satirisch zu interpretieren.

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2015-06-07

Odysseus X

Filed under: Bücher — jancak @ 00:20
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Die nächste Besprechung erfolgt etwas verspätet, lag  doch dasBuch über Silvia Plath von  Sigrun Höllrigl, das mir die „Editon-Keiper“ so freundlich schickte, bei meinem Nachbarn im Postkasten und der brauchte dann zwei Wochen es mir zu bringen.

„Roman“ steht wieder darunter und ich würde es um das Wort „poetisch“ ergänzen, ist Sigrun Höllrigl 1966 geboren, doch die Leiterin des „Art Visual & Poetry Filmfestivals“, bei dem unter anderen schon Cornelia Travnicek gelesen hat und ich habe sie auch 2009 bei der „Ö Sam Sieger Sause“ im Literaturhaus kennengelernt, damals dürfte sie schon an dem Roman geschrieben haben, zumindest habe ich das in dem damaligen Artikel so nachgelesen, sie hat mir auch ihre Visitenkarte gegeben, die ich lange bei mir trug und dann irgendwann verloren habe und sie hat mich bei dem Gespräch über ihre hohen Ansprüche, die sie an die Slamer-Vortragskunst stellte, sehr beeindruckt.

Ein bißchen ist das auch in dem Buch zu finden, gibt es da ja eine Stelle, wo geschrieben steht, daß „Litetratur, bildende Kunst, Musik etc, die nicht übertreibt und abgehoben ist, eine schlechte ist“, uje, uje, uje, das muß ich mich wohl wieder am Schopf oder an der Nase nehmen, sehe ich das als wenig abgehoben sozialkritisch realistisch psychologische Plotschreiberin nicht so, aber ich habe inzwischen Sylvia Plaths „Glasglocke“ gelesen und war sehr beeindruckt vom Werk und Lebenslauf der Dichterin S., wie Sigrun Höllriegl hartnäckig schreibt und beeindruckt, bin ich auch von „Odysseus X“, obwohl ich den Titel nicht ganz verstanden habe.

Denn der Handlungsaufbau ist etwas kompliziert, da kommt Sally Keane, fünfundzwanzig, hochbegabt mit einem IQ von 140, die schon als Fotografin Ausstellungen hatte und auch schon einige literarische Veröffentlichungen, bzw. gewonnene Literaturpreise, mit einem Stipendium aus den vereinigten Staaten nach Cambridge, wie ihr großes Vorbild, um über sie schreiben und vielleicht auch herauszufinden, was es mit dem Selbstmord der Dichteinr  auf sich hat und ob der Dichter T., wie Höllriegl wieder schreibt, schuld daran ist?

In drei Tagen wird auf hundertvierzig Seiten der Kurzroman erzählt und er verläuft in drei Schienen, bzw. in drei Schriften, obwohl das kursive und kleinere Gedruckte, nicht immer, wie man annehmen könnte, Zitate aus Plaths Werken sind, die gibt es natürlich auch, ungefähr eine Seite lang, sind Zitate aus den Tagebüchern angegeben und zwei Gedichtbeispiele gibt es auch.

Die Studentin oder Künstlerin Sally, hochbegabt, wie wahrscheinlich ihr Vorbild, die sowohl von Stipendien als auch vom Ertrag ihrer Werke lebt, Arbeiterkind aus Detroit, hat sich von ihrem Freund Chris, der sie in Amerika auch betrog, getrennt und macht jetzt wahrscheinlich ebenfalls, wie ihr Vorbild, mehrere Lieb-und Bekanntschaften durch und am ersten Tag ist sie am Weg nach London, denn ihre Zimmernachbarin Carol, ebenfalls Amerikanerin, Tochter aus reichen Haus, hat sie an einen Verleger vermittelt und der soll jetzt Sally erstes Buch herausbringen.

Das tut er aber nicht, sondern sagt in etwa „Kindchen tun Sie weiter, wenn Sie die englischen Literaturzeitschriften bringen, machen wir das Buch, inzwischen drucken wir dreiIhrer Gedichte!“, lädt sie auch auf eine Party ein und legt seine Hand auf ihren Arm und Sally ist enttäuscht.

Denn das ist eine Niederlage, hat sie doch schon Gedichtveröffentlichungen und ist wahrscheinlich ähnlich ehrgeizig, wie ihr großes Vorbild, das ja auch als junge Frau, wahrscheinlich ebenfalls mit fünfundzwanzig nach Cambrigge gekommen ist, dort über Shaekespeare eine Arbeit schrieb, über Ostern ihren Freund R., die abgekürzten Namen machen es  nicht so guten Plath-Kennern ein wenig schwer, nach Paris nach, dort lernt sie zwar nicht den Dichter T. ihren späteren Ehemann Ted Hughes, den sie dann bald heiratet, von ihm zwei Kinder bekommt, an Depressionen erkrankt und sich dann umbringt, kennen, verbringt mit ihm aber eine stürmische Liebesnacht und Chris kommt am dritten Tag auch nach Cambridge schlägt sich mit Rod, auch ein Amerikaner und inzwischen Sallys Freund und am Ende ist er „mit Schnittverletzungen und einer Wirbelverletzung am Hals davongekommen, durch die Verletzung hat er eine Menge Blut verloren.“

Sally sitzt daneben, visualiert sich an die Sonne nach Griechenland und denkt wieder an die Depression der Dichterin S.

„Ich fühle mich schwach und müde, Chris schläft, während ich langsam erwache.“

Sehr schön und wahrscheinlich wirklich den höchsten Ansprüchen gerechtfertigt, die Sprache der Dichter S. H., man hat einen sehr poetischen Roman gelesen, in dem die Schicksale der beiden jungen Frauen und Dichterinnen höchst kunstvoll ineinander verflochten sind.

Hat auch einiges über die Dichterin Sylvia Plath erfahren, die 1932 in Boston geboren wurde und sich 1963 in London das Leben nahm.

In Cambridge war sie wohl 1956, das ist der Zeitpunkt, auf den sich Sigrun Höllrigl in ihrem Roman bezieht und interessant ist vielleicht noch etwas anderes.Der Zufall nämlich, daß jetzt offenbar auch eine wahrscheinlich hochgabte und rotzfreche junge Frau, mit dreiundzwanzig, noch ein wenig jünger, als die beiden Dichterinnen, beim Wettlesen in Klagenfurt antreten wird und vorher schon durch ihre allerdings journalistischen Texte, von denen sich einer auch auf Depressionen, psychische Krankheiten und die Überforderung, denen die heutigen Studenten ausgesetzt sind, bezieht, aufgefallen ist.

Da sehe ich Ähnlichkeiten, auch wenn beim Bachmannlesen Prosa erwartet wird, aber Sigrund Höllriegs Plath- Biografie ist ja  trotz des „Visual&Poetry Festivals“ ein Roman und auf Ronja von Rönnes Fecebookseite hat einer gemeint, „Wenn Heinrich von Heine eine Tochter mit Bettina von Armin hätte, dann wären das Sie“

Interessant die Veränderungen der hochbegabten jungen Frauen zwischen 1950 und 2015 könnte man meinen.

Sylvia Path wurde, glaube ich, von der „Frauenbewegung hochstilisiert“, während die 1992 den Feminismus nicht mehr für nötig hält  und jetzt sollte man sich wahrscheinlich die Plathsche-Lyrik geben oder wenn man es prosaischer will, sich  in ihren Lebenslauf vertiefen, um den poetischen Roman noch ein bißchen besser zu verstehen.

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