Literaturgefluester

2016-12-27

Bis ich 21 war

Filed under: Bücher — jancak @ 00:40
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Jetzt noch das Weihnachtsbuch von vor zwei Jahren. Ela Angerers „Bis ich einundzwanzig war“, das die 1964 in geborene, die laut Klappentext, als Schriftstellerin, freie Autorin (was ist der Unterschied) und Fotografin, damals auch auf der „Buch-Wien“ vorstellte, wo es dem Alfred wahrscheinlich aufgefallen ist.

Damals hatte ich von Ela Angerer keine Ahnung, inzwischen habe ich ihren fiktiven Roman gelesen und sie auch  in einer Diskussion mit unter anderen Peter Henisch in der „News-Lounge“ über die österreichische Literatutur auf der heurigen „Buch-Wien“ gehört, weil sie inzwischen auch eine Kolumne in der Zeitschrift „News“ hat.

Das Debut ist laut Klappentext ein autobiografischer Roman und das Ela Angerer aus einer bürgerlichen Familie stammen könnte, ist mir schon bei den „Kometen“aufgefallen.

Um was geht es also in der Autobiografie, der um zehn Jahre jüngeren Autorin und Journalistin?

Um das grausliche Leben in der österreichischen Oberschicht, die Mutter, die eigentlich Künstlerin werden wollte, ließ sich vom Vater offenbar sehr jung, drei Kinder andrehen, betrügt ihn dann mit einem reichen „Cadillacfahrer“ und zieht nach einigen Komplikationen mit den zwei Töchtern, der Sohn ist dem Franhzosen nicht zuzumuten, zuerst in ein Reihenhaus, es sind ja noch Alimente für dessen Familie zu zahlen, dann in ein Schloß, wo es ähnlich zugeht, wie es vorher war.

Nämlich Kindermädchen, Bügel- und Putzfrauen, die auf die Kinder aufpassen und den Haushalt schupfen, die Mutter steht zwar gegentlich in der Küche, um den Franzosen sechsgängige Menus zu bereiten, die vom Großvater dann mit „Votre Couisine est tres simple, mais bonne!“, gelangweilt kommentiert werden.

Ansonsten überläßt sie die Kinder den Kindermädchen und geht mit dem Göttergatten auf Reisen oder Bridgespielen, so daß, die dann, wenn kein Essen im Kühlschrank ist, in den Keller gehen und sich die französische Gänseleperpastete und den „Beluga-Kaviar“, der monatlich angeliefert werden, aufs harte Brot schmieren.

Wie schrecklich, könnte man in der Zeit der Achtundsechzigerjahre, wo die Portraits der RAF-Terroristen an der Schweizer Grenze ingen, wenn die Mutter mit der namenlosen Tochter dorthin einkaufen fuhr.

Reicht aber natürlich nicht für einen Roman, die übliche Vergewaltigung  durch den Großvater ist natürlich auch dabei und die Ich-Erzählerin fängt auch früh mit Drogen und  erotischen Spielechen, sowohl bei Männchen oder Weibchen an, schlecht nachts auf dem Haus, um sich in der Disko Heroin oder ist es noch LSD zu spitzen und die Mutter hat natürlich den Tablettencocktail, „Mothers little Helpers“ im Badezimmer stehen, um immer frisch und fröhlich zu sein und kleine Nasen und Ohren braucht man auch, um an den Mann zu kommen, so werden diese plattgedrückt.

Einmal ist eine ältereKinderfrau dabei, als die Erzählerin einer Freunin Captagon mit Martini serviert, so daß, die dann flach am Boden liegt und die Betreuerin die Rettung holt.

Die Erzählerin täuscht eine Zehenverletzung vor, kommt dann aber mit Dreizehn oder Vierzehn doch in ein Internat. Zwei Schweizer, ein sehr katholisches und eines, wo arabische Prinzessinnen von ihren Tennislehrer begleitet werden, werden angeschaut. Sie kommt dann in eine billigere Erziehungsanstalt, macht auch dort ihre erotischen Erfahrungen mit manchen Lehrerinnen, die ihr Nachhilfeunterricht geben, fährt am Wochenende angeblich zur Großmutter nach Wien, in Wahrheit in in WG ihrer Jugendfreunde und das Alpha Tierchen Stella wird beim Klauen erwischt. Fünfhunderttausend Euro Schaden in den örtlichen Juweliergeschäften und die goldene Uhr der Erzählerin, die diese vom Stiefvater bekam, ist auch dabei. Sie zeigt, um sich zu retten, die Erzählerin wegen Drogendeals an, die wieder alle Spielchen braucht, um sich reinzuwaschen und zu siegen, was auch gelingt.

Sie will trotzdem heim ins stiefväterliche Schloß, beginnt ein Liebesspiel mit einem Cousin in einem Nobelhotel in Vendig, wohin sie mit ihren Eltern darf, bevor sie sich mit der Mutter verzankt und nach Paris ausbüchst.

Der Sinn des Lebens scheint ihr noch immer zu fehlen oder vielleicht hat sie ihn auch dort gefunden, denn wenn das Buch wirklich autobiografisch ist, hat ihn Ela Angerer ja bekommen.

Aber ich weiß schon, in Romanen ist alles übertrieben und nicht ganz wörtlich zu nehmen, Drogenkonsum ist ja auch verboten und Sex mit Minderjährigen auch. Aber natürlich kann man nur schreiben, was man erlebt hat, so wird das Leiden der wohlstandsverwahrlosten Oberschichtnugend nicht ganz erfunden sein und ich glaube auch, daß so ein Leben zwischen wechseldnen Kindermädchen und Putzfrauen und einer medikamentensüchtigen Mutter, die mit Omar Sharif Bridge spielen geht, sicher nicht ganz einfach ist.

Das von den Unterschichtjugendlichen, die kiffen, dealen oder klauen und dazwischen arbeitslos sind, ist es wahrscheinlich auch nicht, aber die bringen höchstwahrscheinlich keinen so fehlerfreie und grammatikalisch richtige Autogbiografie, ob erfunden oder echt zusammen, daß sie bei „Deuticke“ verlegt wird, trotzdem frage ich mich , warum ein solcher Roman erscheint und warum ich ihn lese?

Nun ich habe ihn vor zwei Jahren zu Weihnachten bekommen und bin ja sehr interssiert an der österreichischen Gegenwartsliteratur, möchte am liebsten alles lesen und auch selber schreiben, was ich auch tue, aber leider offensichtlich nicht so gut und so interessant, daß es einem Verlag gefällt und mit dem Selbstgemachten ist es ja auch nicht so leicht, obwohl ja schon viele solche Bücher von mir erschienen sind.

Interessanterweise sind die „Amazon-Rezensionen“, die ich mir durchgeschaut habe, eher begeistert und sprechen davon, daß das Buch an die Erlebnisse der eigenen Jugend erinnert. Das habe ich bei den „Kometen“ mehr  empfunden, obwohl ich ja zehn Jahre älter bin.

Hier würde ich schon ganz vorsichtig sagen, daß ich hoffe, daß nicht jede Jugend, so ausschaut und, daß ich eine solche auch nicht als sehr empfehlenswert und für vorbildhaft halten würde.

Elke Heidenreich hat sich ja in einer Fernsehdiskussion sehr über Michelle Steinbecks Debut empört und von „krankhaft“ gesprochen, was ich eher für erfunden gehalten hätte. Hier wäre ich, wenn das wirklich alles autobiografisch ist, wahrscheinlich mehr besorgt und kann vielleicht froh sein, daß mir das erspart geblieben ist, auch wenn ich auf meine Bücher solche Reaktionen bekomme.

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2016-12-17

Und die Nacht prahlt mit Kometen

Das nächste Buch ist wieder  bei „Aufbau“ erschienen, obwohl es in  Wien in den Neunzehnhundertachtziger Jahren und zu Weihnachten im Vorjahr spielt, nämlich Ela Angerers „Und die Nacht prahlt mit Kometen“ und von der 1964 in Wien geborenenen „News-Journalistin“ habe ich das erste Mal vor zwei Jahren auf der „Buch-Wien“ gehört.

Da wurde ihr Buch „Bis ich 21 war“ vorgestellt, das ich dann vom Alfred zu Weihnachten bekommen habe und noch heuer lesen will und während ich im Herbst mit dem „Buchpreislesen“ beschäftigt war, habe ich von zwei Neuerscheinungen gehört, die mich interessierten.

Nämlich von Paula Fürstenfeld „Familie der geflügelten Tiger“ weil ich dachte, daß eine Autorin ähnlichen Namens einmal bei „Etcetera“ veröffentlicht hat und eben „Die Nacht prahlt mit Komenten“.

Auf der heurigen „Buch Wien“ ist mir dann das Buch auch ständig vor die Augen gekommen und ich war auch kurz bei der Diskussion auf der „News Lounge“ wo Heinz  Sichrovsky mit Peter Henisch und Ela Angerer über die österreichische Literatur diskutierte und Ela Angerer, glaube ich, genau erklärte, wie sich ihr erstes Buch vom zweiten unterscheidet.

Es ist Fiction und geht unm Gewalt an Frauen und im Klappentext steht auch noch genau beschrieben, daß es zum Teil in einer Zeit spielt, wo es Vierteltelefone, den Reaktorunfall in Tschernobyl und die Waldheim-Affaire gab.

Das ist lange her und die jüngeren LeserInnen können sich vielleicht gar nicht an diese Zeit erinnern, in der Valerie oder Vie, Tochter aus guten Haus, die die Schule geschmissen hat, zwanzig ist und Bojan aus dem damaligen Jugoslawien kennenlernt.

Der ist etwas widersprüchlich, nämlich Maler oder Kunststudent, geht mit ihr auch in esoterische Sitzungen und ernährt sich makrtobiotisch. Dann schlägt er sie aber wieder serbisch-matschohaft, ist grundlos eifersüchtig, während er sie ständig mit anderen Frauen betrügt, hinauswirft und wiederkommt und Vie  sich nicht wehren kann.

Im zweiten Handlungsstrang ist Valerie knapp fünfzig, erfolgreich im Beruf, trotz ihres widerlichen Chefs und hat sich zu Weihnachten vierzehn Tage Auszeit genommen, die sie, wie sie erzählt, auf den kanatrischen Inseln verbringen will.

In Wahrheit hat sie vor zu Hause zu bleiben, holt sich Konserven aus dem Keller, will schlafen, fernsehen, als sie eine Facebookanfrage von Bojan bekommt, was sie veranlaßt über die Zeit damals nachzudenken, wo sie in verschiedenen Geschäften jobbte, Bojans Atielier aus dem er sie immer wieder hinausschmiß oder seine  jeweiligen Freundinnen mitbrachte putzte, ihm zu einem Festival nach Portugal nachreiste, von ihm schwanger wurde, einmal abtrieb und dann das Kind gegen seinen Willen bekam.

Am Ende schmeißt sie ihn hinaus und ist Bea eine schlechte Mutter, die inzwischen in Washingtohn studiert und von ihr nichts wissen will.

Valerie verläßt die Wohnung, fährt zu dem Atelier, beobachtet eine Frau und eine Katze darin, sieht einen Mann mit Krüken in dem Bojan, der immer Angst vor dem Alter hatte, erkennt, bis sie dann am vierten Jänner in ihre Firma fährt, dem Chef alles hinschmeißt und dann nach Washington fliegt, um sich mit ihrer Tochter zu versöhnen.

Sehr dicht und bildhaft ist das Ganze beschrieben und ich konnte mir das alles sehr gut vorstellen, obwohl ich da glaube ich, zehn Jahre vorher war, nämlich in den Siebzigerjahren wo ich studierte und ein ähnliches Wien erlebte.

Valerie geht  mit  Bojan in ein Restaruant, sie stopfen sich die Bäuche, dann rennen sie davon und weil es Vierteltelefone gibt und man so nicht immer telefonieren konnte, schmeißt Bojan mit der Zange den anderen Teilnehmer hinaus.

Sehr dicht und spannend, die Gewalt an Frauen, die damals und wohl auch noch heute serbische aber auch andere Männer an Frauen, die sich schlecht whren können, ausübten.

Ob es so Mischtypen, wie diesen Bojan gibt, weiß icht nicht oder doch höchstwahrscheinlich und die Tochter aus guten Haus, „Gräfin!“, sagt Bojan manchmal zu ihr, die in den Altbauwohnungen von Vermieterinnen wohnt, die auf Reisen sind, konnte ich mir auch gut vorstellen.

Ein sehr journalistischer Roman würde ich meinen, leicht zu lesen und ein Gang durch Wien von gestern und von heute, der Silvester mit den Ereignissen in Köln vor einem Jahr kommt auch vor und obwohl ich ja noch keine Weihnachtsbücher lesen wollte, habe ich jetzt außerplanmäßig eines gelesen und es ist wahrscheinlich auch, als schnelle Lektüre für das Weihnachtsfest an eine interessierte Leserin bestens geeignet.

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