Literaturgefluester

2018-04-20

Cafe Gerstl to go

Ausstellung "cafe gerstl to go" in der SFD

Ausstellung „cafe gerstl to go“ in der SFD

Ausstellung "cafe gerstl to go" in der SFD

Ausstellung „cafe gerstl to go“ in der SFD

Die „Schule für Dichtung“ gibt es seit zwanzig oder fünfundzwanzig Jahren. Ich war jedenfalls im vorigen Jahr bei dem Fest im „Rabenhof“ und dazu habe ich mich auch angemeldet und seither bin ich im Verteiler und bekomme die Aussendungen.

Habe mich einmal um einen Gratisplatz beworben und natürlich nicht bekommen, no na und für zwei kostenlose Online Klassen habe ich mich auch angemeldet, aber nichts geschrieben, denn ich schreibe ja nicht experimentelle oder visuelle Poetry, sondern realistische Prosa und dafür gibt es, glaube ich, keine Klassen und auch Lehrerinnen für das Bloggen beispielsweise werden nicht gresucht.

Ich kann mich auch noch an eine GAV-GV erinnern, wo Ide Hintze aufgetreten ist und verkündete, daß er eine „Schule für Dichtung“ gründen will, denn damals gab es das ja nicht, da mußte einen noch die Muse küssen und man den Genie-Gen zum Schreiben haben.

Das hat sich inzwischen sehr sehr geändert und eine Vorvorläuferin der Schreibeschulen und der Hochschullehrgänge für Sprachkunst, war ja, glaube ich, auch der „Arbeitskreis der schreibenden Frauen“ und diesbezüglich hat mich  auch einmal Ide Hintze angerufen und  sich erkundigt und ich war viel zu schüchtern, um mich als Lehrerin anzupreisen.

Ide Hintze, neben Helmuth Seethaler einer der ersten Zettelpoeten ist inzwischen verstorben und Fritz Ostermayer hat die Leitung der Schule übernommen, die ja, lang lang ists her, als es noch das alte „Rund  um die Burg-Festival“ gegeben hat, immer zu Mittag dort aufgetreten ist und ihre Klassen präsentierte.

Mit Fritz Ostermayer habe ich mich einmal länger in der „Kolik-Lounge“ des Schauspielhauses unterhalten, die es inzwischen auch nicht mehr gibt und im vorigen Herbst hat mich der Alfred in eine Veranstaltung ins Literaturhaus geschleppt, wo Fritz Ostermayer mit Doris Knecht konferierte.

Inzwischen habe ich den Alfred in die Mariahilferstraße 88a geschleppt, wo die „Schule für Dichtung“ residiert, denn da habe ich  eine Einladung zu einer Vernissage und Klassenzwischenpräsentation bekommen, denn Augusta Laar und Judith Nika Pfeifer habe ja in der schönen alten Mezzanin Wohnung ein Cafe Gerstl to go installiert.

Das heißt am langen Gang Cafehausbilder, Rechungen und Platten aus den Fünfzigerjahren angebracht, denn Elfriede Gerstl 2009 verstorben war ja eine begnadete Wiener Stadtflaneurin und Kaffeehausgängerin und ich kann mich erinnern, daß ich einmal, es ist noch viel länger her und ich wohnte noch in der Otto Bauergasse, die ja sehr in der Nähe von der Mariahilferstraße 88 ist, einen Stadtbummel unternommen habe und da Elfriede Gerstl in der konditorei Aida in der Wollzeile sitzen sah. Die kleine alte Dame mit dem Hut und ich habe mich nicht getraut sie anzusprechen.

Augusta Laar, Judith Nika Pfeifer, Fritz Ostermayer

Augusta Laar, Judith Nika Pfeifer, Fritz Ostermayer

Dann bin ich mit ihr wahrscheinlich durch die GAV in Kontakt gekommen, sie ist auch sehr regelmäßig in die „Alte Schmiede“ gegangen und als ich einmal zu dem „Wespennestfest gehen wollte, aber keine Einladung bekam, weil ja nicht unter den ersten hundert Wiener Autoren, hat sie mich einfach mitgenommen.

Sie hat auch einmal auf einem meiner Geburtstagsfeste gelesen. Ich war auf ihrem Begräbnis und habe auch sonst im Blog ein bißchen was über sie geschrieben.

Jetzt also das Cafe to go in der Mariahilferstraße. Alte Platten und Cafehausbilder installiert von Augusta Laar und Judith Nika Pfeifer und als Erstes hat die freundliche Sekretärin auf das Kabinett verwiesen, wo man sich mit Getränken versorgen konnte.

„Ran an die Tränke!“, hat Fritz Ostermeyer dazu freundlich aufgefordert und nach der obligatorischen viertel oder halben Stunde ist es  losgegangen. Fritz Ostermayer hat die zwei Kuratorinnen und Klassenleiterinnen interviewt und gefragt, wie oft sie ins Kaffeehaus gehen würden.

Nun ich bin als Studentin öfter in ein solches zum Schreiben und zum Lesen gegangen, ins Cafe Gloria, in der Otto Bauer Gasse, das es nicht mehr gibt, ins Cafe Jelinek eben dort beziehungsweise weiter unten, ins Cafe Sperl, jetzt gehe ich nicht mehr oder nur mehr ganz selten, meistens zu Veranstaltungen. So hat die Schreibgruppe ja lange im Cafe Fortuna vormals Ludwig stattgefunden, aber das war ja eher ein Tschocherl, als ein Wiener Cafehaus und Fritz Ostermeyer fragte die beiden Autoren was und ob sie dort schreiben würden?

Haikus, Skizzen aber keine Romane, hat er vermutet. Aber Robert Schindel schreibt die sehr wohl im Kaffeehaus und ich habe früher da auch meine Szenen verfaßt. Dann kam der Gerstl Enkel aus ihrer Ehe mit  Gerald Bisinger und hat auch ein Gedicht vorgelesen und vorher gab es ein paar Gedichte aus dieser Onlineklasse, Da gab es ja zwei Vorlagen aus Gerstl Texten und man konnte sich den ersten Satz schnappen und weiterschreiben.

Elffriede.Aufzeichnungssysteme, die nicht mehr so heißt, hat das auch getan, dann ging es zu der Ausstellung. Die beiden Kuratoren erklärten etwas dazu und Herbert J. Wimmer Elfriede Gerstls letzter Lebensmensch hat auch eine Gedicht dazu beigesteuert, beziehungsweise eine Liste von all den Kaffeehäusern verfaßt, in denen er mit Elfriede Gerstl war.

Mariahilferstraße vom Balkon der SFD

Mariahilferstraße vom Balkon der SFD

„cafe gerstl

im veränderungsoffenen listengedicht

als mindmap einer kommunikation

und ihrer verteilung übrrt die stadt,

der gesprächs-orte mit elfriede gerstl,

erscheinen cafes, die es noch nicht gibt,

im stadtzeitraum seit neunzehnghundertdreiundsiebzig….

Das war das Jahr meiner Matura und auch das, wo sich die GAV gegründet hat und nachher bin ich mit dem Alfred noch lange auf dem Balkon gestanden, habe auf die Mariahilferstraße hinuntergeschaut, mich mit einer jungen Studentin unterhalten, die das Büro betreut, der Alfred hat sich mit dem Gerstl Enkel unterhalten und ich habe wieder ein sehr interessantes Stück Wiener Literaturgeschichte erlebt.

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2015-06-19

Ein vierter Abend für Elfriede Gerstl

Filed under: Veranstaltungen — jancak @ 00:21
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Am sechzehnten Juni 1932 wurde Elfriede Gerstl in Wien geboren, wo sie am neunten April 2009, also vor sechs Jahren starb und seit drei Jahren werden rund um ihren Geburtstag, die jeweiligen bei „Droschl“ erschienenen und von Christa Gürtler und Martin Wedl herausgegebenen Bände der Werkausgabe vorgestellt, die auf fünf Teile angelegt ist.

Der erste Band „Mittellange Minis“ vor drei Jahren in der „Alten Schmiede“, der zweite „Behüte behütet“ 2013 an einem sehr heißen Sommertag in ihrem Stammcafe dem Cafe Korb.

„Schwitzen für Elfriede Gerstl“, habe ich da, glaube ich dann bei Katharina Serles gelesen und im vorigen Jahr gab es im Literaturhaus eine Modeschau, denn Elfriede Gerstl war ja eine Kleidersammlerin.

„Haus und Haut“, haben die Werke von 1995-2009 geheißen und jetzt gab es zum vierten Band, den verstreut publizierten Texten „Tandlerfundstücke“ ein Archivgespräch im neuen Literaturmuseum und die Volksschauspielerin Erni Mangold trug ihre Texte vor.

Da der Veranstaltungsaal im Literaturmuseum eher klein ist und ich mich vor allem an das Gedränge im Cafe Korb vor zwei Jahren sehr deutlich erinnere, bin ich sehr früh in die Johannesgasse gegangen und dann war es gar nicht so arg, daß heißt die Mittelreihen waren schon ziemlich besetzt, beziehungsweise reserviert, an der Seite ganz vorn war aber noch alles frei und die Autorenschaft hat sich heute auch nicht so sehr  gedrängt, vielleicht weil es keine Brötchen gab, vielleicht weil das Literaturmuseum noch nicht so bekannt als Veranstaltungsort ist, ect.

Herbert J. Wimmer, Judith Nika Pfeifer, Gerhard Jaschke, Angelika Kaufmann, Konstanze Fliedl , Vera Albert, Maximiliian Droschl und noch einige andere waren aber da.

die Veranstaltung war auch prominent besetzt und, die um fünf Jahre ältere,  rank und schlanke Erni Mangold, die auf dem ersten Blick, fast wie ein junges Mädchen wirkt, ist auch eine eloquente Frau, die gleich das Wort ergriff, vom Publikum wissen wollte, wer Elfriede Gerstl gekannt hätte, fast alle würde ich schätzen, bis vielleicht die Studenten im Publikum und dann erzählte, daß Günther Grass sie im literarischen Quolloquium abgelehnt hätte und sie von  ihren Hüten sehr fasziniert war.

Es gab aber ein Programm und eine Eröffnungsrede von Johanna Rachinger, dann stellten die beiden Herausgeber, den vierten Band vor, der fünfte und letzte wird in zwei Jahren erscheinen und in diesem sind, sowohl die frühen Texte, die in den „Neuen Wege“, sowie im „Jüdischen Echo“ erschienen sind, wie, wenn ich mich nicht irre, auch der posthum erschienene Band „Lebenszeichen“ mit den Textkrümel“ enthalten, die kurz vor ihrem Tod geschrieben wurden.

Dann begann die Mangold Lesung, wo man die literarische Entwicklung der Dichterin gut verfolgen konnte, die sie zwischendurch immer wieder kommentierte und der erste Text „Mein Lichtstrahl“, 1955 in den neuen Wegen publiziert, der das Überleben im Versteck in der Nazizeit schilderte, war auch sehr beeindruckend.

„Ein anderer würde einen Roman darüer schreiben, Elfriede Gerstl schafft es in wenigen Worten!“, hieß es dann in der Diskussion, in der auch auf dke „Spielräume“, hingewiesen wurde, der erst zehn Jahre nach seinem Erscheinen publiziert werden konnte, aber schon wichtige Elemente des feministischen Schreibens vorweggenommen hat.

Elfriede Gerstl, die Randfigur, ich habe ja schon vor zwei Jahren geschrieben, daß ich das eigentlich anders empfunden habe, als nach 1999 mit dem „Trakl- und dem Fried-Preis“ spät aber doch der Erfolg gekommen ist und für mich war sie mit ihren Hüten schon in den Siebzigerjahren in der Szene sehr präsent und nach 1999 wurde sie vor allem von den Lesetheaterfrauen immer wieder eingeladen, damit Publikum kommt, wenn sie am Programm steht, was sie sehr wohl wußte und vielleicht auch nicht sehr gut nein sagen konnte.

Sie war ja auch einmal bei einem meiner Geburtstagsfeste und wir haben öfter Bücher miteinander getauscht, da hat sie sich bei mir erkundigt, ob die „Wiener Verhältnisse“ um die es dabei  handelte, ein erzählendes Werk wären und mir dann gesagt, daß sie nicht so schreibe, Elfriede Gerstl, die Verdichter und Verknapperin, die sich in den fünfziger und in den sechziger Jahren, sowohl von der „Wiener Gruppe“, als auch von der „Gruppe 47“ nicht so angenommen gefühlt hat, die Rand- und die Kultfigur, von der ich  einige Gedichtbände habe und mir die erste „Wiener Mischung“  in ihrer Orignilaform kaufte, als ich noch in der Otto Bauer Gasse wohnte.

Nach der Lesung gab es eine Diskussion, eben das Archivgesrpäch mit Sabine Scholl und Elfriede Czurda, Franz Schuh wäre auch noch am Programm gestanden, sowie Christa Gürtler unter der Leitung der „Standard-Redakteurin“ Andrea Schurian, die alle diese Punkte zusammenfaßte und in Erinnerung rief.

Es gab  auch einen Büchertisch wo man  die Werkausgabe und noch einiges andere kaufen konnte, darunter einen Band mit sehr schönen Fotos, aber ein Gerstl-Bild habe ich  auch in diesem Blog, war sie ja eine, die nicht nur in der inneren Stadt von Kaffeehaus zu Kaffeehaus mit ihren Hüten herumspazierte, sondern auch regelmäßig am Wochenende vor Schulbeginn aufs Volksstimmefest und zu den Lesungen vom „Linken Wort“ ging, obwohl sie dort, wenn ich mich richtig erinnere, eher nicht gelesen hat.

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