Literaturgefluester

2016-10-20

Elfriede Jelineks siebzigster Geburtstag

Heute vor siebzig Jahren wurde in Mürzzuschlag Elfriede Jelinek, die Nobelpreisträgerin von 2004, geboren.

Zu diesem Anlaß gab es diese Woche im Radio vor dem Mittagsjournal  ein paar ihrer Texte, zum Beispiel am Dienstag eine Lesung aus den „Liebhaberinnen“, wo sie noch selber gelesen hat und die „Elfriede Jelinek Forschungsplattform bzw. das Forschungszentrum“, die mir regelmäßig die Einladung zu ihren Veranstaltungen schickt, veranstaltet schon seit dem elfen Oktober unter dem Titel „Nestbeschmutzerin & Nobelpreisträgerin“ ein Symposium, das an den verschiedensten Orten stattfindet und so bin ich heute statt zum „Grillparzer-Symposium“ und statt „Frankfurtsurfen“ ins Literaturhaus gegangen.

Da gab es ja schon 2004, eine große Veranstaltungsreihe, wo ich auch Pia Janke, die diese Plattformen und Zentren, glaube ich, gegründet hat, kennenlernte, ich habe ihr damals auch meine „Fluchtbewegung“ gegeben, wo es auch um eine Nobelpreisträgerin geht, die sich vor dem sie erwarteten Rummel versteckt.

Seither gehe ich gelegentlich zu den Veranstaltungen, nicht besonders oft, da ich mich ja für die Dramatik nicht so besonders interessiere, aber im Vorjahr, wo es um den Vergleich zwischen Elfriede Jelinek und Herta Müller ging, bin ich dort gewesen und, als Elfriede Gerstl den „Fried-Preis“ bekommen hat und ihre Freundin Elfriede Jelinek, die alleine Juororin war, habe ich sie, glaube ich das letzte Mal im Literaturhaus gesehen, denn seither hat sie sich ja aus dem Literaturbetrieb zurückgezogen, veröffentlicht aber sehr viel im Netz auf ihrer berühmt gewordenen Website und die „Jelinek-Plattform“ und das „Zentrum“ forscht über sie und gibt jedes Jahr ein Jahrbuch heruas.

Ich weiß nicht genau, was ich alles  versäumt habe, es gab Veranstaltungen im Film-Archiv und im Film Casino, heute ging es aber um die Übersetzungen und da habe ich vor Jahren auch schon einmal ein Symposium in der „Alten Schmiede“ gehört, wo die Jelinek-Übersetzer auftraten.

Amrit Mehta der meine „Zeitungsmeldung“ ins Hindi übersetzt hat, war auch dabei und hat, glaube ich, die „Klavierspielerin“ übersetzt.

Heute begann es mit einem Vortag der Belgierin Inge Artell „Die Welt mit der Sprache neu bauen“, dann rezitierte Norbert  Bachleitner an Hand von der englischen und der französischen Übersetzung des Romaes „Lust“, die „Quadratur des Kreises“, denn Jelinek übersetzen ist wahrscheinlich nicht sehr einfach oder doch, denn sie läßt ihren Übersetzern freie Hand, so daß diese sich austoben können.

Es waren auch einige Übersetzter zum Beispiele, die italiensich und die tschechische im Publikum und Inge Arteel, die Jelinek ins niederländische übersetzt hat, Yasmin Hofmann, die das ins Franhösische, sowie Aleksandr V. Belobratov, der es ins Russische tat, gaben Beispiele, wo Übersetzungen gelingen oder nicht gelingen können.

Dann gab es eine Pause mit einem kleinen Buffet, Brot, Obst, Schokolade und was zum Trinken und noch einen Vortrag zum „Translationalen Schreiben“, da habe ich nicht ganz begriffen, was das ist, es gab aber noch eine Diskussion über Elfriede Jelinek im nationalen, beziehungsweise internationalen Feld, da trat eine Polin auf und erzählte, daß in Polen die „Liebhaberinnen“ als sie dreißig Jahre nach ihren Erscheinen übersetzt wurden, als sehr aktuell aufgenommen wurden und der Wiener Germanist Stean Krammer erzählte, daß die Schüler durchaus Interesse an Jelineks Texte hätten, wenn man sie entsprechend neugierig macht.

In den Schulbüchern tauchen ihre Texte auch auf, sie wird da aber als Feministin oder politische Autorin gesehen und Margarete Lamp-Faffelberger, die an einer amerikanischen Uni lehrt, erklärte, daß Jelinek im universitären Umfeld sehr bekannt sei, sonst aber eher nicht übersetzt und nicht gespielt wird.

Am Schluß gabs  unter dem Titel „Generation Post Jelinek“ eine Diskussion mit Clemens J. Setz und Olga Flor  und dem Jung Dramatiker Ferdinand Schmalz zu ihren Jelinek Bezug, Kathrin Röggla, die auch mitmachen sollte, ist aber, wie Robert Huez derzeit in Frankfurt und schickte nur eine Grußbotschaft, in der sie erzählte, daß Elfriede Jelinek, ich glaube auch mit den „Liebhaberinnen“ oder war es die „Klavierspielerin“ oder „Die Kinder der Toten“, das schreiben lehrte.

Nun ist Kathrin Röggla, mit deren „Nachtsendung“ ich gerade begonnen habe, sicher eine sehr politische Autorin, Ferdinand Schmalz, den ich im „Musa“ hörte und der mit seinen Stücken auf großen Bühnen, beziehungsweise mit seinen „Herzerlfresser“ gerade im Akademietheater aufgeführt wird, ist das auch und Olga Flor wird, meinte Teresa Kovacs, die die Diskussion moderierte, oft mit Jelinek verglichen, während Clemens HJ. Setz sich in seinem „Indigo“ auf die Kinder der Toten bezog.

Wieder kam die Frage zum Jelinek Bezug und was von der Autorin gelesen wurde, das scheint jetzt sehr zu modern zu sein, die drei schon erähnten Romane waren das, glaube ich und am Schluß las jeder noch eine Textpassage, bevor es an das Anstoßen und  das Gratulieren in Abwesenheit der Autorin ging.

Ich habe die meisten Romane  gelesen, hier, glaube ich, aber nichts besprochen, da war ich nur bei einigen Veranstaltungen und würde mich nicht unbedingt als Fan bezeichnen, halte sie aber für eine sehr interessante Autorin und den Roman „Lust“ habe ich einmal im Schrank gefunden, aber noch nicht gelesen.

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2016-04-12

Grillparzer-Bachmann-Jelinek

„Vom  Vielvölkerstaat zur europäischen Union“, hieß ein Vortrag von Prof Pichl, den die „Grillparzer-Gesellschaft“ anläßlich ihrer GV in der“Gesellschaft für Literatur“ veranstaltet hat.

„Dargestellt bei Franz Grillparzer-Ingeborg Bachmann und Elfriede Jeliniek“, hieß es noch weiter, was der Grund auch war, warum ich hingegangen bin, denn diese Autorenauswahl  ist ja sehr interessiert, wenn auch durchaus unterschiedlich.

Ruth Aspöck, die ja seit ihrem „Grillparzer-Buch“ Mitglied der „Grillparzer-Gesellschaft“ ist, habe ich gleich gesehen, die sich mit einer Dame unterhielt, die sich als Agnes Pistorius entpuppte und deren Buch über ihre Mutter, Hedwig, die im Burgtheater öfter die Libussa spielte, habe ich ja gelesen.

Die „Libussa“ nicht und auch nicht im Burgtheater gesehen, aber kürzlich Friedrich Schreyvogels „Grillparzer-Biografie“ und über die europaische Union, beziehungsweise ihren Schwierigkeiten bei der Flüchtlingsfrage kann man  jetzt öfter in den Medien hören.

So wurde heute  bei von „Tag zu Tag“ ein Roman des Satirikers Klaus Oppitz „Landuntergang“ vorgestellt, wo Österreich ein Polizeistaat ist, der aus der EU ausgetreten ist und Arbeitslose und Regimekritiker in Textilfabriken sperrt. Aber darum ist es bei dem Vortragt nicht gegangen, sondern um Grillparzers Weltbild, der ein großer Monarchist gewesen ist und am einem Untergang des Vielvölkerstaats wahrscheinlich sehr gelitten hätte.

Was er zu einer möglichen EU gesagt hätte, darüber kann man wahrscheinlich nur spekulieren und Ingeborg Bachmann hat in ihren „Drei Wegen zum See“ auch schon durch den Namen Franz Joseph Trotta  monarchistische Anklänge beziehungsweise solche an Joseph Roth anklingen lassen und die Jelinek hat sich, wie Professor Pichl erwähnte in ihren Werken nicht auf die EU aber sehr wohl in ihren Interviews darauf bezogen. War sie doch zuerst gegen einen Beitritt, dann aber in Zeiten der FPÖ-Siege froh, „in der Löwengruppe nicht ganz allein zu sein“, wie ich es im Jahr 2000 einmal in einem Essay bezüglich der „Santktion bezüglich schwarz-blau“ formulierte.

Nachher gab es eine lange Diskussion mit der Frage, wie Grillparzer zur EU gestanden wäre und Fragen zu Deutschland und dem eisernen Vorhang.

Zur Literatur wurde weniger diskutiert, wurde, die in dem eher kurzen Vorttrag  auch nur angerißen, obwohl Prof. Pichl in seinem Schlußwort alle zum Lesen von Grillparzer-Bachmann-Jelinek aufrief und das habe ich mit Ausnahme der Jelinek, bei der die ich eigentlich mehr zu Veranstaltungen gehe als lese, in letzter Zeit auch getan und die ist ja, weil sehr links, bei manchen, wie Professor Pichl bezüglich seiner Vortragserfahrungen erlebte, nicht so beliebt, hat aber sicher sehr viel Kritisches zur momentanen Weltlage zu sage.

2015-11-27

Schreiben als Widerstand

Das interdisziplinäre Sympsium „Schreiben als Widerstand-Elfriede Jelinek & Herta Müller“,  veranstaltet vom Elfriede Jelinek Forschungszentrum fand am 26. und 27. November im MUSA statt

Elfriede Jelinek und Herta Müller zwei Nobelpreisträgerinnen, die wahrscheinlich in vielen ähnlich sind, die  1946 in Mürzzuschlag geborene Elfriede Jelinek hat den Preis 2004 bekommen,  die 1953 in Rumänien geborene Herta Müller, 2009,  sind beide sehr politische Autorinnen und haben in den Systemen, in denen sie lebten Gewalt erfahren, Herta Müller, die 1987 nach Deutschland ausreiste, durch die Securitate, die sie noch immer zu prägen scheint, Elfriede Jelinek in den Neunzehnneunzigerjahren durch Plakate der FPÖ „Lieben Sie Peymann, Jelinek oder Kunst und Kultur?“, beide haben ihre Formen gefunden politisch dagegen anzuschreiben und über beide und das ist ein Zufall, habe ich auch geschrieben.

Über Elfriede Jelineks Nobelpreis in „Die Stimmungen der Karoline Wagner oder Fluchtbewegung“, über den der Herta Müller in „Heimsuchung oder halb eins“, wahrscheinlich weil ich beide Reaktionen, Elfriede Jelinek ist ja nicht zur Preisverleihung nach Stockholf gefahren, Herta Müller hat ihre Teilnahme damals bei der „Literatur um Herbst“ abgesagt, als ähnlich empfunden habe und nun das Symposium, das am Donnerstag begonnen hat.

Organisiert wurde es von Pia Janke (und Teresa Kovacs), die schon einige Elfriede Jelinek Symposien versanstaltet hat,  sie hat auch eine Reihe von Organisationen zur Mitarbeit einbezogen, so sind Experten von vier rumänischen Universitäten dabei, Robert Huez, der Literaturhausleiter moderierte und die Philosophin Isolde Charim hielt den Eröffnungsvortag „Im Teufelskreis der Wörter: Wortbilder und Teekesselchen. Über politische Poetikstrategien und poetische Politstrategien“ und verwendete dabei Herta Müllers Nobelpreisrede, wo sie mit einem Taschentuch auf einer Stiege sitzt und sich an die Verhöre durchdie Securitate erinnert.

Dann kamen Christa Gürtler, die in Salzburg einiges im Literaturbereich veranstalt et und auch in der Elfriede Gerstl Forschung beziehungsweise Herausgabe tätig ist und erzählte etwas über die österreichische Literatinnen, ab der Fünfzigerjahren, beginnend von Ingeborg Bachmann und Ilse Aichinger.

Elfriede Jelinek hat 1972  „Wir sind Lockvögel Baby“ veröffentlicht, 1975 folgten die „Liebhaberinnen“ und verstörten, weil sie kein Subjekt und kein Mitleid mit den Personen kennen, das hat auch mich damals verwirrt, als ich Elfriede Jelienek, die damals noch öffentlich aufgetreten ist, sagen hörte, daß sie sich nur für Muster nicht für subjektive Schicksale interessiert.

Christa Gürtler lobte aber Marie Therese Kerschbaumers „Der weibliche Name des Widerstands“ als ein Beispiel  gelungener politischer Literatur, damit haben wir uns ja auch  im „Arbeitskreis schreibender Frauen“ beschäftigt. Elisabeth Reichert, die im Dezember den Preis der Stadt Wien bekommt, hat sich mit „Februarschatten“ mit der Vergangenheit beschäftigt, in jüngster Zeit tut das Katrin Röggla und wenn man an Elfriede Jelinek denkt, kommt man an Marlene Streeruwitz nicht vorbei, die sich von der Theaterarbeit zurückzog, weil sie das Regietheater entäuschte, während Elfriede Jelinek ihre Texte den Regisseuren ja ziemlich freimütig zur Bearbeitung überläßt.

Beide Autoren publizieren viel im Internet, Elfriede Jelinek war ja eine der ersten, die ihre Texte dort hineinstellte, beispielsweise den Roman „Neid“, spannend, spannend und weil das Symposium als Dialog angelegt ist, kam Maria Sass von der Universität Sibiu und sollte  etwas über rumänische Autorinnen im Umfeld Herta Müllers erzählen. Leider verwendete sie kein Powerpoint, so habe ich die Namen nicht verstanden und kenne eigentlich auch nicht sehr viele rumänische Autoren.

Es kamen dann aber noch zwei Vorträge, einer von der Co-Veranstalterin Teresa Kovacs, der zweite von Graziella Predoiu von der Universität Temeswar über die „Machtstrukturen“ beziehungsweise  „Subversion bei Jelinek und Müller.“

Von Elfriede Jelinek habe ich  sehr viel gelesen „Die Ausgesperrten“, „Die Klavierspielerin“, „Die Kinder der Toten“, „Gier“ und „Neid“, „Die Liebhaberinnen“ und nicht alles verstanden, von Herta Müller „Die Atemschaukel“, wo sie, wie Isolde Charim in ihrem Vortrag erklärte,  dadurch Widerstand leistet, in dem sie die Gräuel des Lagerlebens vergegenständigt, und so beispielsweise von einer „Herzschaufel“ spricht.

Die anschließende Diskussion und die politischen Essays, die von Andrea Eckert und Anne Bennet gelesen wurde, habe ich, weil ich in meine Praxis mußte, versäumt, am Freitag ging es aber schon um neun mit drei Vorträgen von Historikern über „Totilarismus und Repression“ weiter.

So erzählte Roman Hutter wissenswertes über die „Politische Vereinnahmung der Rumänendeutschen“ und Dieter Siegert erzählte etwas über den „Staatssozialismus“

Dann ging es wieder in die Literatur und zu Herta Müller und zu Elfriede Jelinekm beziehunsweise de Teufelskreis der Dikturen in Literatur und Sprache.

Der rumänische Professor Andras  I. Balogh erzählte, daß Herta Müller noch als Studentin eine Erzählung über ihre Familie veröffentlichte und der ehemalige Operndirektor Ioan Hoender, der am  Abend  auftrat, stellte in Abrede, daß es Ähnlichkeiten zwischen Herta Müller und Elfriede Jelinek abgesehen vom Nobelpreis gäbe, ich denke aber schon, daß es die gibt und wurde durch die Diskussion und Referate auch darin verstärkt.

Ein Gemeinsames ist sicher auch die Senibilität mit der die Beiden gegen die Diffamierungen, die ihnen begegneten, reagieren, die eine geht nicht mehr aus dem Haus, die andere fühlt sich noch immer verfolgt und beide inszenieren das inzwischen wahrscheinlich auch ein bißchen.

Um das ging es dann am Nachmittag, da wurde über „Tabubruch und Nestbeschmutzung“ referiert und diskutiert und Daniela Strigl hatte den genauen Wortlaut des FPÖ Plakates aufgeschrieben „Lieben Sie Scholten, Jelinek, Häupl, Peymann, Pasterk oder Kunst und Kultur“, hat es geheißen, heute würde sich das die FPÖ nicht mehr trauen, vermutete Daniela Strigl, da hat der Nobelpreis sicher sehr geholfen.

Am Schluß wurde es wieder politisch,  da wurde mit Ioan Holender, Karin Cervenka, der ehemaligen Leiterin des Kulturinstituts in Bukarest, einem Professor und einem Historika über die Folgen von 1989 diskutiert.

Ioan Holender erwies sich wieder als Avocat Diabolo, wies aber auf das rumänische Kulturinstitut hin, wo ich schon manche interessante Literaturveranstaltungen hörte,  Karin Cervenka erzählte von der Demostration in Bukariest vor wenigen Tagen, der sie beiwohnte und die zum Rücktritt des Präsidenten führte und ich denke, es war sehr interessant  mein Elfriede Jelinek und Herta Müller Wissen aufzufrischen und ebenfalls interessant, daß die Beiden in den letzten Jahren den Nobelpreis bekommen haben, sovielen noch relativ jungen Frauen passiert das ja nicht.

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