Literaturgefluester

2017-07-03

Weltbefragung mit literarischen Diskurs

Nachdem wir am Sonntag noch im Cafe Central waren und dort am Eingang am Peter Altenberg vorbei um einen Platz anstellen mußten, sind die Hundertmarks mit dem Rad ab nach Budapest gefahren und ich bin in mein zehntes Literaturgeflüsterjahr gegangen.

Neun Jahre Bloggen, dreitausend Artikel und niemand nimmt es wahr,interessiert sich dafür.

Auch ein Teil des literarischen Diskursen und so bin ich, kann ich vielleicht ein bißchen übertreiben, um meinen Bloggeburtstag zu feiern in die „Alte Schmiede“ gegangen.22

Das stimmt so natürlich nicht ganz, denn ich wäre, da es sich praxismäßig ausgegangen ist, auf jeden Fall hingegangen und vom Thema hat es zufälligerweise ganz gut gepasst.

Gab da ja wieder Ilija Trojanow einen Abend seiner „Weltbefragung“ und mit dessen „Macht und Widerstand“ habe ich mich ja im Centrope-Workshop an den letzten Mittwochen mehr oder weniger intensiv beschäftigt und wenn ich mich nicht irre, bin ich, als ich an einem anderen Nachmittag einmal in der „Dokumentationsstelle für osteuropäische Literatu“ gegangen bin, danach in die „Alte Schmiede“ wo es einen Abend der „Weltbefragung“ gab, das waren ja vor zwei Jahren die Abende, wo Ilija Trojanow sich zu einem gesellschaftspolitischen Thema mit einem diesbezüglichen Experten traf.

Sechs solcher Abende hat es gegeben und im letzten Herbst eine „Enquette zur Literaturvermittlung“ im Odeon und darauf sollte Ilija Trojanow heute antworten, beziehungsweise mit dem Philosophen Thomas Macho diskutieren und als ich das letzte Mal bei einer solchen Veranstaltung war, war die „Alte Schmiede“ sehr voll.

Heute war sie das weniger, also kein Problem einen Platz zu bekommen und am Nachmittag wurde zufälligerweise in der „Literarischen Soiree“ auch ein Trojanow-Buch besprochen.

Vielleicht auch noch interessant, was meine Verständlich- oder Unverständlichkeit des Schreibens betrifft, war ich da ja einmal bei einem bulgarischen Abend und habe das Feedback bekommen, meine Blogartikel versteht man nicht, was mich ein bißchen betroffen hat, denke ich doch, ich schreibe ohnehin verständlich.

Offenbar ist das doch nicht so oder die Aufmerksamkeit der Blogleser begrenzt, Ilija Trojanow eröffnete die Veranstaltung auf jeden Fall mit einer Zusammenfassung der Enquette.

Es gibt jetzt sehr viele literaturveranstaltungen, die meisten solcher Besucher sind weiblich und auch schon über sechzig und über die Frage ob jetzt mehr Leute schreiben als lesen, wurde auch gestritten.

Ich glaube ja eigentlich schon, daß immer mehr Leute schreiben und immer weniger lesen und finde das mit dem Schreiben eigentlich sehr gut, lese selbst sehr viel und Thomas Macho der Pragmatiker erklärte, das wäre immer schon so gewesen, daß nur die Leute gelesen haben, die auch schreiben konnten, das waren wohl die Mönche in den Klostern aber dann kam die allgemeine Schulpflicht und die nur Leser und jetzt hört man soviel über den Untergang der Literatur.

Aber ist das wirklich wahr?

Bücher werden  als Geschenk gekauft und nicht weggeworfen. Thomas Macho hat immer gern seine Ungelesenen am Bettrand und  schon als Kind sehr viel gelesen, wollte auch Schriftsteller werden und über die Frage des Kanons wurde auch diskutiert, auch über die Aufhebung der Generegrenzen, die Vielleser würden angeblich alles lesen.

Da denke ich, es gibt immer noch Voruteile gegenüber Krimis und Liebesromane und das Publikum durfte auch fragen stellen,  tat es aber nur sehr wenig, war aber da, weil es sich für das Thema interessiert.

Das tue ich auch und Kurt Neumann, der neben mir saß, meinte, daß man den Literaturbegriff umdefinieren müße, wenn die jungen Autoren nicht mehr lesen und am Anfang hat er gemeint, daß Ilija Trojanow einer der wenigen gesellschaftspolitischen Autoren sind, die wir noch haben.

Da würde ich zwar ein wenig widersprechen und mich auch solcherart definieren und ich finde solche Themen  sehr interessant und an meinen Bloggeburtstag auch sehr passend. höre ich ja auch immer daß ich nicht schreiben kann, vielleicht auch nicht darf, wenn ich keine Absätze mache und  unverständlich bin, bin aber stolz auf mein Literarurarchiv und gehöre zu denen, die mehr als sechsmal im Jahr Literaturveranstaltungen besuchen.

Einen schönen Sommer mit schönen Lektüren wünschte Ilija Trojanow noch und ich habe  schon einige Sommerbücher vorbereitet, die ich als nächstes lesen will, bevor dann im August  die LL- List kommt und ich wieder zur Vielleserin werde, auch wenn ich keine offizielle Buchpreisbloggerin bin.

Etwas ist vielleicht noch interessant, denn ich warte, wenn ich zu den offenen Bücherschränken gehe, ja immer ein bißchen darauf, ob ich vielleicht einmal Clemens Bergers „Streichelinstitut“ finde.

Am Bloggeburtstag war es dann zwar auch nicht soweit, zumindest nicht zur Gänze, ich habe ich da in einem der Kästen, die es neben dem englischen Lebensmittelgeschäft gibt, aber die Leseprobe  gefunden.

So werde ich also demnächst mit meinen Sommerbüchern in die Sommerfrischewochenende gehen, aber noch gibt es eine Woche literarisches Programm, das ich noch nützen werde.

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2016-11-14

Zwischen Schreiben und Lesen

Am neunundzwanzigsten und dreißigsten Oktober fand im „Odeon“ eine „Enquette zur Literaturvermittlung“ statt, wo die Literaturhäuser, die „Alte Schmiede“ und die „Gesellschaft für Literatur“ sich mit diesen Thema auseinandersetzten.

Dazu wurden auch eine Reihe, Margot Schreiner würde sie wahrscheinlich „Mittelschichtautoren“ nennen, eingeladen, für eine Anthologie, die von Robert Huez vom Literaturhaus Wien, Edith Bernhofer vom Klagenfurter Literaturinstitut und Thomas Friedmann vom Salzburger Literaturhaus herausgegeben wurde, Texte zu schreiben.

Bei „Klever“ erschien dann die diesbezügliche Anthologie „Zwischen Schreiben und Lesen – Über Situation, Herausforderungen und Möglichkeiten von Literatur und Literaturvermittlung in Österreich, die drei Bereich enthält.

Im ersten „Literaturbetrieb. Gesellschaft.Politik“, begann die 1953 in Linz geborene und heurige „Wildganspreisträgerin“ Margit Schreiner mit ihren Essay „Aspekte zeitgenössischer Literatur und ihre Gesellschaftlichen Bedingungen“ in dem sie sich mit dem Roman auseinandersetzt.

Das der in der Krise sei, war ihr Statement, was ich, die ich mich jetzt ja gerade mit den Debuts und dem Buchpreislesen auseinandersetzte und noch setze nicht so ganz verstanden habe, denn es gibt ja jede Menge solcher und Margit Schreiner merkt auch genau an, daß die immer dicker und dicker werden. Ja, natürlich, der von Clemens J. Setz umfaßte schon über tausend Seiten. Margit Schreiner unterscheidet auch noch zwischen Kleinverdiener, den sogenannten Mittelschachitautoren, zu denen sie sich wohl selber zählt und den Bestsellerautoren, da wird Charlotte Roches „Schoßgebete“ als Beispiel genannt.

Gerhard Ruiss folgt mit einem Einblick in die Österreichische Literatur-Verlags-und Flörderlandschaft“, die IG-Autoren haben sich 1971 gedründet, die GAV 1973, „Manuskripte“ und „Wespennest“ waren damals die führenden Literaturzeitschifrten, eine Reihe kleiner gab es auch noch, wie man vor kurzem im Literaturhaus sehen konnte, das Literaturhaus wurde 1991 eröffnet, die „Alte Schmiede 1975“.

Dann folgte der doppelte Longlist- und einfache Shortlist Kanditat Reinhard Kaiser Mühlecker und führt als Beispiel,  die städtische Bibliothek in Stockholm an, deren Speicher geschlossen war, als er sich dort ein Buch ausleihen wollte, während Marlene Streeruwitz die politische, Stockholm wieder als postitives Beispiel an Fortschrittlichkeit nennt, während in Österreich ja 2000 die blau schwarze Regierung Einzug hielt, die Autoren gespalten oder zu Unternehmern machte, Widerstandsleseungen hat es damals auch gegeben und die berühmten Donnerstagsdemonstrationen.

Theresa Präauer, die ich als Illustratorin von Wolf Haas Kinderbuch kennenlernte, die aber jetzt auch schon drei Romane geschrieben hat, beim „Bachmannpreis“ gelesen hat und mit „Oh Schimmi“ derzeit an erster Stelle der ORF Bestenliste steht, hat als Thema für ihren Essay, die Lesungen gewählt und meint, sie hätte schon tausend beigewohnt, weil sie als Studentin eine Zeitlang hinter der Bar eines Literaturhauses gestanden hätte.

Das gilt auch für mich, da stehe ich zwar vor der Bar, beziehungsweise dem Tisch, an dem im Literaturhaus der Wein ausgeschenkt wird. Bei tausend Lesungen war ich aber höchstwahrscheinlich auch schon, gehe auch sehr gerne hin und habe eigentlich auch nichts gegen die vielgeschmähte Wasserglaslesung und Teresa Präauer, kann man noch anmerken ist auch eine Meisterin des Vortrags, bezeihungsweise der Performance, die man bei ihren „Oh Schimmi-Lesungen“ merken kann.

Der zweite Teil des Buch befaßt sich mit dem Bereich „Bildung.Schule.Literaturvermittlung“ und da setzte sich, der 1955 geborene Ludwig Laher mit der Zentralmatura auseinander und bedauert, daß man in Zukunft in der Schule keine Literatur mehr vermittelt bekommt und das Gymnasium verlassen kann, ohne einen Roman gelesen zu haben.

Seinen Aufsatz aus dem „Standard“, wo sich eine fiktive Schülerin dagegen wehrt, Altenhelferinnen Arno Geigers „Der alte König in seinem Exil“ an Hand eines Textausschnittes empfehlen zu können, ist auch abgedruckt. Hier kann ich wieder nur einwenden, daß das Buch ein „Memoir“ und kein Roman ist und ich denke, daß wir alle ja von Lesetips zehren sollen, die uns den Kauf eines Buches schmackhaft machen wollen, zumindest werden sie im Netz sehr empfohlen und auch sonst sehrverbreitet.

Der 1972 in Brünn geborene Michael Stavaric beschreibt in „Identität, Initiation und (literarische Heimat) seine Erfahrungen bei Schullesungen und gibt dazu Beispiele aus seinen Kindergedichten.

Dann geht es zum „Autorenleben“ . Hier gibt die 1957 in Bozen geborene Erika Wimmer in „Maskenspiele. Die Dichterin, die Alte und ihr Biograph“, ein sehr beeindruckendes Beispiel einer literarischen Beziehung.

Der Biograph Jakob rast einer hundertjährigen Dichterin, der Text ist Rita Levi-Montalcini gewidmet, nach, um ihre Biografie zu schreiben und muß sich dabei allerlei Schrullen und Einschränkungen gefallen lassen, während, die Dichterin mit den Literaturvermittlern, den Lektoren, den Veranstaltern, den Redakteuren ringt, die ihren Gedichtband ebenfalls allerei Einschränkungen aussetzen und ihn  schlußendlich doch nicht besprechen, verlegen, vorstellen.

Dazu fällt mir die „Dora Faust“ ein, in die ich ja auch meine Absage und Bewerbungsschreiben hineinverarbeitet habe.

Der 1965 in Dornbirn geborene Wolfgang Bleier, ein mir bisher unbekannter Autor, beschreibt sein Autorenleben sehr poetisch und Martin Prinz, der mit der „Letzten Prinzessin“ von „Jung und Jung“ zu „Suhrkamp“ gewandert ist, ein „glücklicher“ Autor also, sitzt zu Zeiten der Präsidentschaftswahlen und deren Wiederholungen im Cafe Floriani und versucht seine Auftragsarbeit für die Literaturvermittlungsanthologie zu schreiben, dazwischen muß er in zwei Tagen seine Fahnen durchgehen, macht Beobachtungen, etcetera.

Dann gibts noch einen Text des 1982 geborenen Bernhard Strobels in dem Buch, der sich mit den drei „Lebenslügen der Dichter“:

  1. Literatur verändert die Welt
  2. Die Dichter schreiben für die Nachwelt
  3. Es gibt eine Weltliteratur

beschäftigt.

Ein sehr interessantes Buch, das einige sehr interessante Aspekte des Literaturbetriebs aufzeichnet, bedauert, daß es keine Leser mehr gibt, die Subventionen eingespart werden und das alles auf mehr oder weniger literarisch anspruchlsvolle Art und Weise beschreibt.

Die experimentelle Literatur kommt dabei vor, die Genres, wie Krimis, Si Fis, Romantiks, also das, was die Leser vielleicht auch und verstärkt lesen wollen, wird dabei ausgespart, aber für die hat sich in den letzten Jahren noch eine anderer Art von Literaturbetrieb eröffnet, der in diesem Essayband eher ausgespart ist.

Karla Paul bei ihrem „Pup `n` Pub“ aber sehr wohl erwähnte, als sie meinte, daß die wahren Bloger zwischen zwölf und sechzehn sind und genau darüber twittern, instagramen und vielleicht nicht mehr facebooken, weil sie dieses schon längst verlassen haben.

Und Anika Bühnemann, die ja recht erfolgreichen einen Blog namens „Vom Schreiben leben“ betreibt, hat mir einmal gemailt, daß sich die Autoren, die das wollen, nicht um den Literaturbetrieb scheren, sondern Marketingkurse besuchen, ihr Cover und ihr Lektorat selbst bezahlen, danach ihre Marke aufbauen un beim bösen „Amazon“ ihre Bücher dann mehr oder weniger gut verkaufen und bei allem bleibt für mich dann auch noch die Rolle des Lesers, übrig der vielleicht bei solchen Diskussionen, Veranstaltungen, Publikationen oft ein wenig übersehen wird und auch hier keinen Beitrag geschrieben hat, der angeblich nur acht oder neun Bücher im Jahr liest, aber einer jährlichen Überproduktion von siebzigtausend, wie man hört oder noch mehr Neuerscheinungen, ausgesetzt ist.

Ja, das Lesen ist schön, würde ich, die das ja sehr intensiv und auch gerne jenseits über jeden Genrerand betreibe, zum Schluß meinen, das Schreiben auch und es ist auch schön, daß es Institutionen, wie die „Alte Schmiede“, das Literaturhaus, „Die Gesellschaft für Literatur“, etcerera gibt und das man diese zumindestens in Wien immer noch ohne Eintritt zu bezahlen, besuchen kann.

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