Literaturgefluester

2020-09-17

Maskenlos in die „Gesellschaft für Literatur“

Die Veranstaltungen im Literaturhaus, „Alte Schmiede“ und „Gesellschaft für Literatur“ haben nach und nach angefangen, die Sommerlesereihen im Weinhaus Sittl,Cafe Prückl, O-Töne etcetera, sind beendet und da die Zahlen der massenhaft Getesteten steigen, jetzt sind die täglichen Fünzehntausend, die Kanzler Kurz im März versprach, erreicht und da jetzt circa täglich siebenhundert postiv getestet sind, ist die Angst und Panik wieder angestiegen, Wien auf die Ampelfarbe orange geschaltet und seit Montag generelle Maskenpflicht in allen öffentlichen Räumen.

Daß man die in der „Gesellschaft für Literatur“ schon bei der Farbe gelb tragen muß, im Literaturhaus und in der „Alten Schmiede“, glaube ich, nur beim Eintreten habe ich schon früher herausgefunden und noch früher, ich glaube schon im April geahnt, daß die Corona-Krise mich warhhrscheinlich zumindest in der Veranstaltungsseite von der Literatur wegbringen wird, denn ich schreibe und lese wie meine Leser wissen werden, nach wie vor sehr viel.

Beim Lesen bin ich jetzt doch beim dreifachen Buchpreisbloggen angekommen und beim Schreiben beim zweiten CoronaText, aber da ich ja keine Maske tragen will, war ich wohl am letzten Freitag und am Montag bei meinen letzten Veranstaltungen und da am Freitag bei der Literaturmeile Zieglergasse vor dem Literaturhaus, den Herr Huez hatte ich da schon vor der Hauptbühne getroffen und ihm gesagt, daß wir uns jetzt wahrscheinlich länger nicht sehen würden.

„Verfolgen Sie uns per stream hat er gesagt!“ und das war ein guter Tip, denn ich hatte ja die mir zugeschickten Programme ein wenig wehmütig beiseite gelegt, jetzt aber durchgeblättert, um herauszufinden, was ich mir alles digital geben könnte?

Sehr viel Zeit habe ich ja eigentlich nicht dazu, bin ich im Lesestreß, die Veranstaltungen fehlen aber doch ein bißchen, obwohl das Livestream schauen den Kollgenkontakt ja nicht ersetzen kann, wie mir auch die Ruth am Freitag sagte, aber da bin ich ja ohnehin immer nur daneben gestanden und ich habe mir auch noch vor dem Sommer ein paar der Corona- Lesungen angehört und auch über zwei Veranstaltungen der „Gesellschaft für Literatur“ gebloggt.

Aso mir das Programm der „Alten Schmiede“ und des Literaturhauses ansehen und beschloßen, da am Donnerstag einen Livestreamabend zu machen, weil ich das Geflüster ja sonst schon mit meinen Buchbesprechungen geblockt habe.

Dann ist mir zufällig die Facebookseite der „Gesellschaft“ in die Hände gefallen und da habe ich gesehen, es gibt einen Ernst Lothar Abend beziehungsweise der Zsolnay Verlag hat da jetzt das dritte Buch des Autors des „Engels mit der Posaune“ herausgegeben, „Das Wunder des Überlebens“ und das habe habe ich schon in Harland liegen, hat es mirdie Doris Kloimstein mit der ich ja immer am Markt von St. Pölten Bücher tausche, gegeben und das zweite Buch „Die Rückkehr“ habe ich mir mit dem Alfi noch live in der „Gesellschaft“ angehört.

Das erste Buch den „Engel mit der Posaune“, habe ich in einer Uraltausgabe gelesen und den Film gesehen, der sich, wie Herbert Orlinger, der „Zsolnay– Verleger“ erklärte sich von dem Buch unterscheidet und er deshalb lange gezögert hat sich mit dem Original zu beschäftigen.

Dann hat er es doch getan Eva Menasse hat das Nachwort geschrieben, beim zweiten Buch war es der Doron Rabinovici, jetzt offenbar Daniel Kehlmann, aber der war nicht in der „Gesellschaft“, lebt der ja, glaube ich, in Amerika und so habe ich umdisponiert und mir schon am Mittwoch Abend den Livestream gegeben, statt zum Lesen in die Badewanne zu gehen und habe dann auch gleich Manfred Müller, Herbert Ohrlinger, Nikolaus Kinsky der drei Textstellen gelesen hat und Dagmar Heißler, die eine Lothar-Kennerin ist, mit Masken den Saal betreten sehen, die haben sie dann abgenommen. Das Publikum von denen ich einige Köpfe gesehen habe, hat sie anbehalten und Manfred Müller führte auch gleich in das Leben des 1890 in Brünn geborenen und 1974 in gestorbenen ein, der Jus und Germanistk studierte, dann Direktor der Josefstadt war, bevor er nach Amerika emigirieren mußte. Geschrieben hat er da auch schon, zum Beispiel die „Die Mühle der Gerechtigkeit“, das 1960 wiederaufgelegt wurde.

Ein Buch, das ich im Schrank gefunden habe und das mich zum „Im Namen des Vaters“ angeregt hat. Den „Engel mit der Posaune“ hat er in Amerika geschrieben, dann ist er 1946 als US beauftragter nach Wien zurückgekommen. Darüber hat er in der „Rückkehr“ geschrieben und dannn 1960 „Das wunder des Überlebens“, das jetzt von „Zsolnay“ neuaufgelegt wurde.

Drei Stellen daraus hat Nikolaus Kinsky gelesen. Die Erste, wo er Sigmund Freud in seiner Ordination besuchte, dann die, wo er schon in Amerika mit Franz Werfel über die Ränge mit denen sie in den Bestsellerlisten erwähnt wurden, diskutierte worauf Manfred Müller dann seine Gäste fragte, wer von beiden wohl der berühmtere oder bessere Schriftsteller sei?

„Beide sind wohl etwas vergessen!“, antwortete Herbert Ohrlinger, ich habe von Franz Werfel vor einigen Jahren einiges gelesen und Herbert Ohrlinger betonte wieder, daß vier oder fünf Lothar-Romane wohl Gültigkeit hätten, die drei schon aufgelegten, dann noch „Die Zeugin“ und der“ Südtirolroman“, der wohl damals in Amerika erschienen ist und er erwähnte wieder, daß der den „Heldenplatz“ nicht wiederauflegen wird. „Die Mühlen der Gerechtigkeit“ nachdem ich ihn damals fragte, wohl ebenfalls nicht und dann wurde, glaube ich, noch die Stelle aus der „Rückkehr“ gelesen, wo Lothar mit seiner Frau Adrienne Gessner und seinem Schwiegersohn mit dem Zug nach Wien zurückkehrt und dann über die Mariahilferstraße in das Hotel Bristol fährt, wo er unterbegracht war.

Interessant, interessant und jetzt ab in die Badewanne, Kurt Drawerts Dresden-Buch wartet auf mich und am Donnerstag habe ich dann zwischen dem Literaturhaus und der „Alten Schmiede“, die Auswahl oder kann bei beiden hin und herswitschen und nach Hause gehen muß ich auch nicht, was ja ebenfalls ein Vorteil ist.

2018-02-26

Die zweite Ernst Lothar Neuerscheinung

Herbert Ohrlinger, Doron Rabinovici, Manfred Müller

Herbert Ohrlinger, Doron Rabinovici, Manfred Müller

Ich bin ja ein Fan der Zwischen- und Nachkriegsliteratur in Originalausgaben und werde da in den offenen Bücherschränken fündig und von dem 1890 in Brünn geborenen Ernst Lothar, der bis 1938, Direktor des Theaters der Josefstadt war, dann nach Amerika emigirierte und 1974 in Wien gestorben ist, habe ich, glaube ich, einmal einen Film gesehen, an dessen Namen ich mich nicht mehr sehr genau erinnern kann.

Danach den berühmten Film mit der Paula Wessely „Der Engel mit der Posaune“.

Das Buch habe ich dann im Schrank gefunden, es gelesen und war eigentlich nicht so begeistert und danch die „Mühle der Gerechtigkeit“, ein früher oder später Roman über Sterbehilfe, vor dem Krieg geschrieben,  danach wieder herausgekommen und dazwischen lag der Holocaust, nach dem ich dann „Im Namen des Vaters“ geschrieben habe, weil mir die Frauenfigur, die krebskranke Pauline zu passiv erschienen ist und der Landesgerichtsrat, der dann frei gesprochen wurde, irgendwie hilflos patschert und Sterbehilfe kann man wahrscheinlich ohnehin nur an sich selbst durchführen.

Ernst Lothar war ursprünglich Jurist, deshalb spielen seine Romane wohl vorzüglich in diesem Milieu und „Zsolnay“ scheint sich jetzt des Werks des inzwischen wahrscheinlich vergessenen Autors anzunehmen. So ist der „Engel mit der Posaune“- The angel with the trumpet“ 1944 auf Englisch in Amerika geschriebern und dann ins Deutsche von ihm übersetzt, 2016 herausgekommen und jetzt „Die Rückkehr“, der heute in der „Gesellschaft für Literatur“ mit dem Herausgeber  Herbert Ohrlinger, mit dem ich einmal in einer Jury für das Nachwuchsstipendium war und Doron Rabinovici vorgestellt wurde und ich dachte, als ich um dreiviertel den Veranstaltungssaal erreichte, jetzt werde ich eine der Ersten sein und es werden nur wenige Leute kommen. Es war aber schon pummvoll und ich habe einen der letzten Plätze erwischt. So kann man sich täuschen und die meisten älteren Leuten scheinen, wie ich an den Fragen merken konnte Ernst Lothar Experten, Freunde der Familie oder ein reines Fachpublikum zu sein.

Es war aber auch Doris Glaser von Ö1 da, Ottwald John, die Frau Schmidt-Dengler, Dine Petrik und und…..

Manfred Müller leitete wieder sehr ausführlich in die Viografie Ernst Lothars ein, der 1946 nach Österreich zurückgekommen ist, dort seine Karriere fortsetzte, mit Adreinne Gessner verheiratet war und der Schwiegervater von Ernst Häussermann, der dann statt ihm Burgtheaterdirektor wurde und und….

Und der Held des Romans  ist ein Felix von Geldern, ein Ministerialbeamter, der Österreich nach dem Anschluß verließ, weil er kein Deutscher werden wollte, 1946 zurückkam und einige Ähnlichkeiten mit seinem Autor aufwies und Manfred Müller wies auch noch daraufhin, daß man in dem Buch ein Nachkriegs-Wien wie sonst nie kennenlernen könnte.

Da fiel mir dazu Hans Weigels „Unvollendete Symphonie“ ein, die das meiner Meinung nach auch sehr gut schildert, aber dieser Ernst von Geldern, der zu Beginn des Buches mit seiner Mutter oder Großmutter mit der Straßenbahn vom Westbahnhof in die Innenstadt fährt, erlebt da gleich alle Wiener Typen und interessant war für mich wieder einmal, wie sehr sich der Dialekt inzwischen gewandelt hat, das Wienerisch des Buches wird inzwischen. glaube ich, nicht mehr gesprochen.

Doron Rabinovici, der das Nachwort geschrieben hat, verwies auf die Hinterfotzigkeit des Buches und seiner Typen und dieser Ernst von Feldern muß dann als Zeuge für einen Minister Kurz auftreten, was vielleicht auch eine Spezifizität des Buches oder ein Zufall ist.

Ein interessantes Buch und eine interessante Neuentdeckung, die mir durchaus spannend und aktueller, als der „Engel mit der Posaune“ erschien, bei dem ich eigentlich nicht entdecken konnte, was das Großartige an der Familiegeschichte der Familie von Alt war.

Ḿanfred Müller fragte dann nach weiteren möglichen Neuauflagen, hier deutete Herbert Ohrlinger an, daß nicht alle Werke dazu geeignet wären und sprach von einem Roman namens „Heldenplatz“, der in einem amerikanischen Kriegsgefangenenlager spielt, was sehr interessant wäre, aber eine  kitschige  Liebesgeschichte, die er dem Autor nicht an tun wolle und da ist interessant, daß ich gerade einen Roman lese, der auch in einem deutschen Kriegsgefangenenlager in Amerika spielt und daß auch  Hans Werner Richter einen solchen Roman geschrieben haben soll.

Ein kundiger Herr im Publikum verwies noch auf einen anderen Roman der unbedingt aufgelegt werden sollte und ich denke mir, daß ich ja  in den Schränken fündig werden könnte und vielleicht noch das eine oder andere Gustostück endecke, wenn „Zsolnay“ nicht so schnell mit den Neuauflagen und Wiederentdeckungen ist.

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