Literaturgefluester

2018-02-15

Die Orient-Mission des Leutnant Stern

Filed under: Bücher — jancak @ 00:52
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Der 1971 in Leipzig geborene Jakob Hein, Sohn des DDR-Schriftstellers Christoph Hein, von dem ich „Drachenblut“ und auch andere Bücher gelesen habe, hat einen historischen Roman geschrieben und einen, der sich sowohl mit dem ersten Weltkrieg als auch mit dem derzeit so beliebten Thema, ob der Islam zu Deutschland gehört und es dort Muslime gibt oder gab, beschäftigt.

Ausgangspunkt war wohl, wie mir „Galliani“ schrieb, die Erkenntnis, daß es in „Wünsdorf unweit von Potsdam im ersten Weltkriegs ein Kriegsgefangenenlager gegeben hat, das ausschließlich für muslimische Gefangene vorgesehen war, dieses sogenannte „Halbmondlager“ war komfortabel ausgestattet, die Gefangenen wurden fast schon luxuriös versorgt, es hat eine eigene Moschee und eine muslimische Lagerzeitung gegeben.“

Jakob Hein stieß im Laufe seiner Recherche dann auf den jüdischen Leutnant Edgar Stern, beziehungsweise den Plan der deutschen Militärführung den Krieg  zu beenden, in dem man den türkischen Sultan dazu bringt, für das befreundete Deutschland den Dschihad auszurufen.

Und so beginnt eine Art Schelmenroman oder eine, wie am Buchrücken steht „wunderbar fabulierte Geschichte“, die eigentlich vom Leben geschrieben wurde.

Denn, wie Jakob Hein  anmerkte: „Manche Gescichten würden einem die Leser nicht abnehmen, weil sie zu fantastisch, zu birzarr und zu konstruiert klingen. Aber diese Geschichte ist so passiert“.

Und so beginnt der bei „Galiani“ erschienene Abenteuerroman, der in dreiunddreißig Kapitel aufgespalet sind, die sowohl Überschriften haben, als auch die Namen der darin beschriebenen Personen tragen, die ihre Geschichten erzählen, 1914 in Frankreich, wo der dreißigjhrige Edgar Stern, den Sommer in einem beschaulichen Badeort verbringt.

Dann bricht der Krieg aus und Stern hat die Idee den Suezkanal zu sprengen. Das wird von der Militärbehörde wohlwollend aufgenommen, der Plan mußlingt aber  und  kann nicht durchgeführt werden. Stern ist aber bei der Behörde  durch seinen „Hang zu unkonventionellen <lösungen“ aufgefallen, so daß er den Auftrag bekommt, vierzehn muslimische Kriegsgefangene aus dem oben beschriebenen Lager nach Konstantinopel zu schmuggeln, um den Sultan zu der gewünschten Handlung zu veranlaßen.

Das ist aber leichter gesagt, als getan, denn es gab zwar eine Bagdad-Bahn, aber vierzehn Muslime im wehrfähigen Alter wären aufgefallen und es waren ja einige Grenzen zu passieren. So kam der unkonventionelle Edgar auf die Idee, sich als Zirkusdirektor auszugeben und die gefangene als Artisten.

Er ließ er ihnen falsche Papiere ausstellen, was auch nicht so einfach war, da die meisten der Marokkaner, Tunesier, etcetera, ihr Geburtsdatum nicht wußten, so daß am Ende die Hälfte der Pässe auf den 1. 1. ausgestellt waren, was erst recht aufgefallen wäre und die arabischen Kostüme, die der Leutnant ihnen schneidern ließ, sahen alle auch neu und gleich aus, so daß Stern einen jüdischen Schneider kommen ließ, der sie ihnen wieder uneinheitlicher machen sollte.

Einige der dreunddreißig Kapitel haben einen der Gefangenen, namens Tassaout, als Protagonisten, der sich mit seinem französisch sprechenden Freund Aderfit über die Mission der Deutschen unterhält, die diese nicht verstehen, da die Gefangenen ja nicht so einheitlich, wie erwünscht sind und auch nicht die gleichen Sprache sprechen.

Die Reise des Direktors mit seinen Gefangenen, einen adeligen Orientexperten, der auf den  bürgerlichen Stern, verächtlich herabsieht und in der Luxusklasse reist, namens Karl Emil Schabinger Freiherr von Schowingen gibt es auch, mit ihren Schwierigkeiten an den Grenzen, wird von Hein in der schon erwähnten bizarren Fabulierkunst wahrscheinlich sehr genüßlich geschildert. In Konstantinopel werden sie huldvoll empfangen, bekommen Tee und Süßigkeiten gereicht. Die befreiten Muslime werden in einer Kaserne untergebracht, Stern und der Freiheitherr in einem Hotel, das allerdings, weil es einem Armenier gehört, zerstört wird.  Die brennenden Kirchen der Armenier werden ebenso fast nebenbei geschildert.

Und am Schluß des Buches gibt es  einen Anhang, in dem man nachlesen kann, was mit den real existiert habenden Personen der Handlung weiter passiert ist. Das Ziel der Mission, die Verkürzung des Krieges wurde ja bekanntermaßen nicht erreicht. Stern hat  Aderfit und Tassaout, die vom Sultan huldvoll empfangen, dann aber ohne Geld stehengelassen wurden, ein Stück in ihre Heimat begleitet, ist dann  Bagdad gekommen und dort an Malaira erkrankt, so daß er sich wieder nach Deutschland zurückversetzen ließ, seine Verlobte Theodrora heiratete, fortan, was damals sehr fortschrittlich war, einen Doppelnamen trug und 1972 verstarb.

Ein sehr interessantes Buch, das sich manchmal, vor allem was die geschilderten Reisepassagen betrifft, sehr spannend liest und manchmal etwas langwierig ist, weil ich zum Beispiel nicht immer gleich verstanden hatte, was es mit den Missionen, der handelnden Personen, die in den einzelnen Kapiteln beschrieben wurden, auf sich hatte.

So gibt es zum Beispiel ein paar Kapitel über zwei Funker, die auch auf die Reise mitgenommen wurden, weil außer des Erreichen des Dschihad in Konstantinopel auch noch das Telegraphensystem aufgebaut werden sollte und dann gibt es noch ein Kapitel über eine Putzfrau, die das Gefangenenlager reinigt und sich über den Luxus, der dort herrscht wundert, während ihr Ehemann im Schlamm von England oder Russland liegt und die Kugeln über seinen Kopf rasen, was aber eher an den Schluß gestellt ist und Stern mit seinen Artisten schon in der Türkei angekommen war.

Das wird ein wenig zusammenhanglos und auch handlungsarm erzählt, so daß ich das große Abenteuer, das im Klappentext auch noch versprochen wurde, eigentlich nicht immer nachvollziehen konnte.

So bin ich auf die Rezeption des heute erschienenen Buches, mit dem Jakob Hein auch auf Lesereise geht und das er in Leipzig vorstellen wird, schon sehr gespannt.

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2017-07-06

Für Kaiser und Vaterland

Im Sommer gibt es immer die Sommerakademie, das ist ein Symposium oder die Saisonabschlußveranstaltung des „Instituts für jüdische Geschichte“, das in St. Pölten in der ehemaligen Synagoge angesiedelt ist und das Programm ist immer dem der Wiener Vorlesungen beigelegt und da es nichts kostet und ich sehr neugierig bin, habe ich mir seit einigen Jahren angewöhnt den Sommer auf diese Art und Weise zu beginnen.

Das heißt, ich war nicht immer dort, denn manchmal war ich schon in meiner Sommerfrische und habe mir das „Bachmannlesen“ angehört, aber einige Male war ich da und zuerst waren die Veranstaltungen auch in der ehemaligen BAWAG, da hat es Kafee und Saft gegeben und meistens hat es vorher mit einem Festakt in der Synagoge begonnen, was für mich auch sehr angenehm war, weil wir da ja meistens in Harland waren.

Dann kam der BAWAG-Skandal, die BAWAG wurde verkauft, der Standort hat gewechselt, zwei oder dreimal wars in der WU, was auch sehr angenehm war, weil ich mich da immer mit dem Alfred zum Essen treffen konnte und heuer ist es im Völkerkundemuseum, einem historischen Ort, einem alten Palais mit schönen Park hinterm Schönbuornpark.

Ich habe da schon einmal gelesen und eine Veranstaltung zum ersten Mai war auch einmal da.

Es gibt immer verschiedene Themen, die sich mit dem jüdischen Leben beschäftigen und jedes Jahr einen Tagungsband dazu, den man um sieben Euro kaufen kann.

Die älteren Bände liegen dann gegen Spenden auf und heuer 2017 geht es um „Jüdische und nichtjüdische Erfahrungen im Ersten Weltkrieg“

Da könnte man nun sagen 1914 ist schon lang vorbei und da war ich auch schon bei diesbezüglichen Veranstaltungen, aber Martha Keil, die Direktorin wollte es nicht zu dem Zeitpunkt, wie alle machen, so gibt es eben erst heuer etwas zum World War I und das passt ja auch, hat der Krieg doch bis 1918 gedauert.

Martha Keil betonte in ihrer Einleitung zuerst den schönen historischen Rahmen und da hat es, glaube ich, auch schon Veranstaltungen des Institutesgegeben, in der WU war die Technik besser, hat sie gesagt und das stimmte wohl auch, denn die Mikrophone haben geknirscht und geknarrt, daß es sogar den Direktor verunsichert hat.

Aber der erste Vortrag vom Professor Schmidl über die jüdischen Soldaten im ersten  Weltkrieg war für mich sehr interessant, vor allem, wie postiv das Soldatentum geschildert wurde.

Wenn man sich mit Karl Kraus beschäftigt hat, sieht das man das ja negativ, daß sich da alle freiwillig und beigeistert gemeldet haben, für die jüdischen Soldaten ist es offenbar, um die Ehre gegangen, des Kaisers Rocks zu tragen und sich freiwillig zu melden und sie waren durchaus nicht wie der Professor sagte Drückeberger und auch nicht nur als Militärärzte tätig, sondern kamen sogar in Offiziersrang und weil die juden gebildeteter, als die anderen Soldaten waren, schreiben und lesen und auch Sprachen konnten, wurden sie oft auch im Verwaltungsdienst eingesetzt.

Tamara Scheer referierte dann über den Sprachgebrauch und das ist ja für mich sehr interessant, die  ich im Vorjahr den „Schwejk“ gelesen habe und mich da mit der Frage beschäftigte, ob der jetzt geböhmakelt hat oder nicht?

Aber ich denke er hat Tschechisch geredet und die ungarischen Soldaten Ungarisch und manche warhscheinlich auch Polnisch was leicht mit dem Jidischen zu verwechseln war.

Ein Referat über die jüdischen Soldten in den russischen Armeen, die durften, glaube ich, nicht Offiziere werden, gab es auch und eines über die Feldrabiner, die auch die deutsprachigen Gymnasien nach Galizien brachten.

Eines über die Hilfsorganisationen und eines über das koschere Essen im ersten Weltkrieg. Da herrschte ja bekanntlich eine Hungersnot, der Weizen fürs Brot kam aus Ungarn, es gab für alles Marken und man hat sich für alles lange angestellt und so war es wahrscheinlich schwer koscher zu essen.

Aber auch die nicht jüdische Bevölkerung, wie zum Beispiel meine Eltern, die ja damals kleine Kinder waren, haben wenig zu essen gehabt und sind später zum Aufpäppeln nach Holland beziehungswweise Belgien geschickt worden.

Mit der Ernährung ist es dann am Donnerstag gleich weitergegangen, bevor es zu den Hilfsorganisationen und der Rolle, die die Frauen dort spielten ging.

Die wurden im Schnellverfahren zu Krankenschwestern ausgebildet und haben sich um die Gefüchteten gekümmert und ein paar Referate haben sich dann auch mit den Kriegsgefangenen und den Zwangsarbeitern beschäftigt.

Dazu hat sogar ein Herr aus der Ukraine einen Vortrag gehalten, bis es dann, worauf ich schon die ganze Zeit gewartet habe, zu den jüdischen Intellektuellen im Widerstand ging.

Da hat Beata Mache aus Duisburg einen beeindruckenden Vortrag gehalten, in dem sie einige Dichter und auch widerständische junge Frauen erwähnte.

Briefe von Stefan Zweig an Romain Rolland wurden gezeigt und mir fällt dazu die Lyrik von Alfred Lichtenstern ein, obwohl ich nicht so genau weiß, ob der jüdisch war und natürlich auch Remarques großer Roman  „Im Westen nichts Neues“, der erst vor ein paar Tagen in der „Alten Schmiede“ in der Grundbuchreihe vorgestellt wurde.

Am Freitag geht es dann mit der Presse und den Künstlern weiter, aber da bin ich schon in Harland und werde mir stattdessen das Bachmannlesen geben und wie es im nächsten Jahr mit der Sommerakademie weitergeht ist auch ein bißchen fraglich, da Christian Ehalt, der die Programme ja immer denen der „Wiener Vorlesungen“ beilegt, in Pension gehen wird.

 

2016-07-15

Die Abenteuer des braven Sodaten Schwejk

Jetzt kommt etwas ganz Altes, ein Klassiker und eine „Aufbau-Ausgabe“ von 1982, die offenbar vom Alfred stammt, was  auch sehr interessant, daß das Buch, das so offen zur Rebellion und Wiederstand aufruft, in der DDR verlegt wurde. Ich nehme an, der Alfred hat es dort in einer Buchhandlung gekauft oder von seinen Verwandten geschenkt bekommen.

Ein Buch vor dem ich mich wahrscheinlich  lang gedrückt habe, weil ich in den Sechziger- oder Siebzigerjahre, den Film oder die Fernsehserie mit Fritz Muliar gesehen habe und da ist bei mir offenbar nur die Blödelei hängen geblieben, die ich ja nicht so mag, dabei ist es ein Buch, das über den ersten Weltkrieg handelt   und der hat mich  vor zwei Jahren sehr beschäftigt und eines der erste Bücher, wie ich bei „You Tube“ fand, das zum Widerstand aufrief.

Jetzt wurde es neu übersetzt, diese Übersetzung liegt oder lag bei Anna Jeller, die angeblich viel besser sein soll, weil das „Bömakeln“ fehlt, ich habe noch die alte, bin aber bei Neuübersetzungen ohnehin immer skeptisch, denn die Originalausgabe kann man ja auch nicht verändern und den Zeiten anpassen.

„Der brave Soldat Schwejk“ entnehme ich also „Wikipedia“ ist ein unvollendeter antimilitaristischer und satirischer Schelmenroman des, 1883 geborenen und 1923 verstorbenen, tschechischen Schriftstellers Jaroslav Hasek, der damit berühmt wurde. Er ist ursprünglich, 1921, in Zeitschriften erschienen und besteht aus vier Teilen.

Im ersten Teil „Im Hinterland“ wird gerade Franz Ferdinand in Sarajewo erschoßen und der Prager Hundefänger,  der wegen Blödheit aus dem Militärdienst entlassen wurde, geht wie jeden Abend in sein Stammwirtshaus, wo auch ein Spitzel sitzt, was dazu führt, das sowohl Wirt, als Gast wegen Hochverrats oder sonst noch einiges verhaftet werden. Der Wirt deshalb, weil er das Kaiserbild heruntergenommen hat, weil dort immer, die Fliegen darauf schissen. Der Wirt wird deshalb zu einigen Jahren verurteilt, Schwejk, der immer treuherzig schaut und „Melde gehorsam, Herr Oberlajtnant!“, sagt, kommt frei, beziehungsweise wird er bei der Musterung, als Simulant verhaftet, weil  er Rheuma hat.

Köstlich könnte man sagen, die Stelle, wo der Militärarzt, den Tauben, Lahmen, etcetera, Klistiere und Magenauspülungen verordnet, damit sie gesund werden und sich freiwillig melden.

Schwejk meldet sich auch und kommt zu einem besoffenen Feldkuraten, der eigentlich jüdischer Abstammung ist, aber irgendwie, den Katholizismus bevorzugte, der sauft sich arm, verliert beim Kartenspielen seinen Burschen, an den Oberleuntant Lukasch, der hat aber keine Freude an ihm, obwohl er ihm am Anfang beibringt, daß er alles machen, muß, was er ihm befiehlt.

„Wenn ich sage, spring ins Feuer, dann tue es!“

Schwejk denkt nicht daran oder doch, so einfach ist das bei einem, der immer treuherzig schaut und wegen Blödheit aus dem Militärdienst entlassen wurde, nicht festzustellen.

Der Oberleutnant hat ständig Frauengeschichten, bei denen Schwejk vermitteln muß. Dann soll er ihm einen Hund verschaffen, er tut es, in dem er einen von einem Oberst klaut, was den Oberleutnant in arge Schwierigkeiten bringt. Er wird an die Front versetzt und fährt mit Schwejk im Zug dorthin, der redet ihm wieder in seiner Treuherzigkeit, um Kopf und Kragen, zieht dann die Notbremse, wird verhaftet und muß  zu Fuß nach Budweis gehen, weil er das Geld für die Fahrkarte wieder treuherzig vertrinkt.

Und so weiter und so fort und irgendwie merkt man die Fortsetzungsgeschichten, weil jedes Kapitel eine eigene Handlung mit ähnlichen Wiederholungen hat.

Schwejk kommt  wieder zu Lukasch, der ihn zu einer Ungarin schickt, dort kommt es zu einer Schlägerei und der Oberleutnannt, der auch als Trottel geschildert wird, hat, wegen seinem Burschen wieder  Schwierigkeiten, will ihn eigentlich loswerden, die Vorgesetzten lassen es aber nicht zu, so bekommt er zwar einen anderen Burschen, mit dem er aber auch nicht viel Freude hat, denn der frißt ihm alles weg und Schwejk kommt mit ihm als seine Ordonnanz ins Feld.

Das passierte dann schon im zweiten Teil „An der Front“, im dritten Teil „Der glorreiche Zusammenbruch“ muß die Ordonnanz das Telefon bewachen und es kommt zu einem Durcheinander, weil man nicht mehr weiß, wann man ausrücken soll und, wie es mit der Marschverpflegung ist.

Dann geht es los  „Quer durch Ungarn“, die gemeinen Soldaten unterhalten sich übers Essen, während sich die Offiziere mit einem Ganghofer-Buch beschäftigen müssen um das Cheffrieren zu lernen. Nur leider hat der brave Soldat Schwejk, die zwei Teile verwechselt, beziehungsweise gedacht, daß man das Lesen mit dem ersten beginnt, eine heillose Verwechslung entsteht, die den  Kadetten Biegler, der schon von Offizierswürden träumt, als „Träger von Cholerabazillen“ in die Lazarettbaracke bringt, indessen bleibt der Zug in Budapest die ganze Nacht lang stehen, die Soldaten sollten, wie zuerst Salami, jetzt Emmentaler bekommen, allein sie bekommen wieder nur gute Sprüche und Ansichtskarten.

Italien erklärt den Krieg an Österreich-Ungarn, die Abfahrt wird alle drei Stunden verschoben, mildtätige Damen erscheinen und verteilen Pastillen und wollen den Soldaten dafür eine Ansprache halten, Oberleutnant Lukasch hat wieder Schwierigkeiten von seinem hungrigen Burschen, die nötige Verpflegung zu erhalten, bis der Abfahrtbefehl endlich kommt.

Dann gehts an die galizische Grenze mit Hauptmann Sagner, Oberleutnant Lakasch, dem esoterischen Koch Jurajda,  Rechnungsfeldwebel Wanek, Telefonist Chocounsky und dem eifrigen Leutnant Dub, vom Zivilberuf Lehrer, den Schwejk nur „Halbfurzer“ nennt und der diesen am liebsten wegen Hochverrats vor Gericht stellen will.

Es gibt zu wenig Essen und als Lukasch Schwejk befiehlt für ihn Kognac zu fassen, was streng verboten ist, schleicht Dub Schwejk nach und befiehlt ihm den Kongnac auszutrinken, weil Schwejk treuherzig behauptet, das das nur eisenhältiges Wasser ist.

Einen Einjährigenfreiwilligien, der schon die Bataillonsgeschichte im Vorraus schreibt und allen einen mehr oder weniger ruhmreichen Tod zukommen läßt, gibt es auch und noch verschiedene andere Verwirrungen und Verrenkungen, beispielsweise die, daß der hungrige Baloun in den leeren Gulschkessen fällt und ihn so schön, wie nie zuvor ausleckt.

Es gibt  ein Zwischenspiel in einem Bordell, in dem sich Leutnant Dub betrinkt, Schwejk muß die Kompanie im Dorf Liskowiec einquartieren, findet eine russische Uniform, zieht sie an und gerät in Kriegsgefangenschaft. Er soll gehängt werden, kommt dann aber doch wieder in seine Kompanie zurück.

Dann endet das Buch, mitten im Satz, steht bei „Wikipedia“, weil sein Verfasser, der offenbar ebenfalls sehr trinkfreudig war und seinen Schwej im Wirtshaus schrieb und dort auch den Gästen vorlas, „am 3. Jänner 1923 im Alter von vierzig Jahren gestorben ist.“

Es gibt Nachrufe von Egon Erwin Kisch, Kurt Tucholsky und F. C. Weisskopf.

In der Tschechai kennt jeder den braven Soldaten Schwejk, hat ihn in der Schule gelesen, kann ihn als Souvenier von seinen Reisen mitbringen und in sein Auto oder sonstwohin aufhängen und Denkmäler gibt es natürlich auch.

Es ist nicht so sehr ein Buch über den ersten Weltkrieg, sondern eines über die Dummheit der Menschen, habe ich einem der You-Tube Filme gesehen. Etwas, was ich eigentlich nicht so glaube, sondern das Buch eher für einedamalige Gegenwartsbewältigung eines vielleicht auch hoffnungslos Verzweifelten halte.

Für den zweiten Weltkrieg kann man den Bockerer von Ulrich Becher als Gegenbeispiel halten, wo einer auch durch seine vermeintliche oder wirkliche Dummheit, das Naziregime überlebt und Dummstellen ist wahrscheinlich genauso ein Abwehrmechanismus, wie der Humor einer ist und wenn Jarosav Hasek am dritten Jänner 1923 nicht gestorben wäre, hätte es vielleicht noch weitere Abenteuer des braven Hundefängers gegeben, der aber auch so, wie beispielsweise von Karel Vanek, weitergeschrieben worden ist.

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